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Unabhängigkeitstag – Videos

Heute hat Israel seinen 69,Unabhängigkeitstag gefeiert – mit Festlichkeiten im ganzen Land, viel Musik, Reden, Feuerwerk, Tänze, Barbeque und Flaggen, Flaggen, Flaggen. „Flagge zeigen“ ist hier das ganze Jahr über in, aber am Unabhängigkeitstag insbesondere wird es rundum noch viel blau-weißer.

An diesem Unabhängigkeitstag war ich im Kibbutz Kfar Etzion; ich wollte an einer Wanderung auf den Spuren der jüdischen Hilfskonvois im Krieg 1948 teilnehmen, die von der Feldschule Kfar Etzion organisiert worden war. Ich kam leider zu spät zum Beginn und musste mich daraufhin mit einer lokalen Gemeinschaftsfeier und dem Festgebet in der Hauptsynagoge des Kibbutzes zufriedengeben – was allerdings sehr schön gewesen ist. Bei der Gemeinschaftsfeier waren Bewohner, Gäste und Kinder verschiedenen Alters anwesend; die Kinder hatten eine Tanzshow für die Zuschauer vorbereitet und führten diese zum tosenden Applaus auf. Anschließend gab es ein beeindruckendes Feuerwerk.

Kurzer Ausschnitt:

In der Hauptsynagoge versammelten sich hunderte von Leuten und ein Festgebet wurde ebenso mit Gesang und Tanz und sogar Musikinstrumenten durchgeführt. Die nationalreligiöse Gemeinschaft (vor allem sie) sieht den Unabhängigkeitstag und im Allgemeinen die Entstehung des Staates Israel als ein göttliches Zeichen für die Beendigung des 2000-jährigen jüdischen Exils aus dem Land Israel an. Israel wird dabei als „der erste Spross unserer Erlösung“ bezeichnet – so im offiziellen Gebet für den Staat Israel, das heute nicht nur von den Juden der nationalreligiösen Strömung, sondern auch sonst weltweit in hunderten von jüdischen Gemeinden gesagt wird (ich persönlich habe es in der jüdischen Gemeinde von Köln kennengelernt).

Kurzer Ausschnitt:

Anschließend ging ich zum Festessen, das ebenso die Feldschule Kfar Etzion veranstaltet hatte, und dem darauffolgenden Gesangsabend mit der bekannten israelischen Sängerin Shuli Natan, die das noch bekanntere Lied „Jerusalem aus Gold“ (Yerushalaim Shel Zahav), geschrieben in 1967 von Naomi Shemer, und weitere andere ihrer Lieder aufführte und wir mit ihr gemeinsam sangen. (Ein Video von Shuli Natan aus dem Jahr 1968 bei der Aufführung des Liedes in Frankreich.) Ein schöner Ausklang für diesen Abend, der uns nach einem zermürbenden Tag des Gedenkens der gefallenen Soldaten und Terroropfer erreichte.

Die israelische Realität erinnert insbesondere in der Zeit der drei Nationalfeiertage – dem Holocaust-Gedenktag, dem Gedenktag der Gefallenen und Terroropfer und dem direkt darauffolgenden Unabhängigkeitstag – an eine Achterbahn der Ereignisse und Gefühle, die auf einer wilden Fahrt durch die Geschichte hindurch den Menschen mit sich reisst, und ohne ihm eine Atempause zu gönnen, vom Tiefpunkt bis zum Höhepunkt schleudert und weiterrast. Trauer und Freude vermischen sich, wie schon immer in der jüdischen Geschichte, und alles zusammen ergibt eine komplizierte und aufwühlende, und doch faszinierende Wirklichkeit.

Karikatur von Shai Tcharka

 

Alon Shvut trauert um Erez

Der tödliche Anschlag in Jerusalem am 08.01.17 (diese Woche Sonntag), bei welchem ein Terrorist aus dem arabischen Jerusalemer Viertel Jabal Mukabber mit einem LKW in eine Gruppe junger Offiziersanwärter/-innen auf der Promenade von Armon Hanatziv raste, forderte 4 Tote und über ein dutzend  zum Teil schwer Verletzte. Es war der erste Anschlag in Israel, welcher zu unerwarteten Solidaritätsgesten in Deutschland, Frankreich und den Niederlanden führte – dem Projezieren der israelischen Flagge auf offizielle Einrichtungen – jeweils in Berlin (Brandenburger Tor), Paris (Rathaus) und dem Aufsetzen der israelischen Flagge auf Halbmast über dem Rathaus von Rotterdamm (laut i24 und Ynet eine Initative des aus Marokko stammenden Rotterdamer Bürgermeister).

Tatsächlich ist die große Aufmerksamkeit, die auch in den internationalen Medien diesem Attentat überraschenderweise gewidmet wurde, wohl den ähnlich ausgeführten Attacken in Nizza und Berlin zuzuschreiben, welche diese Art des Terrors auch Europa näher gebracht haben. Israel hat zahllose Attacken dieser Art durchleben müssen, ohne dass darüber besonders berichtet worden war. Seit Nizza und vor allem Berlin scheint die Einstellung dazu sich gewandelt haben.


Erez Orbach sel.A. Quelle: Internet
Erez Orbach sel.A. Quelle: Internet

Eines der Opfer des grausamen Attentates war der 20-jährige Erez Orbach, ein typischer Jugendlicher bzw. schon junger Mann aus der Ortschaft Alon Shevut in Gush Etzion, Abgänger eines religiösen Instituts  (Jeshiva) und lange Zeit Mitglied der beliebten Jugendbewegung Bnei Akiva. Erez, der Älteste von sechs Kindern, war, so beschreiben ihn Familie und Freunde, ein ruhiger, bescheidener Junge, fleißig und begabt, der sich sehr für religiöse Studien interessierte und immer darauf aus war, sich als Mensch zu verbessern. Er wurde für seine Freundschaft geschätzt. Immer wieder erwähnten diejenigen, die ihn kannten, in den zahlreichen Artikeln nach dem Mord an Erez sein Lächeln, welches sie weiterhin begleiten würde.

Die Eltern von Erez, Uri Shraga und Keren Or, leben in Alon Shevut seit vielen Jahren; der Vater Uri ist hier geboren worden. Sowohl er als auch sein Vater Moshe Orbach, Erez‘ Großvater, sind bekannte Handwerkmeister in Gush Etzion. Uri war zudem bis vor Kurzem der stellvertretende Leiter der Rettungseinheit der Region.

Da Erez von Geburt an an einer chronischen Krankheit zu leiden hatte, hätte er nicht in der Armee dienen brauchen. Auf der Beerdigung, welche einen Tag später, am 09.01. auf dem lokalen Friedhof von Kfar Etzion stattfand, erzählten Mutter Keren und Großmutter Yemima von den gesundheitlichen Problemen, welche ihren Sohn schon knapp einige Monate nach seiner Geburt begleiteten und deren Konsequenzen er durch das ganze Leben zu tragen hatte. Diese, so Keren , habe Erez stets mit Fassung ertragen, ebenso die immerwährenden Krankenhausaufenthalte. Trotz der

Erez in Uniform. Quelle. Internet
Erez in Uniform. Quelle. Internet

automatischen Befreiung vom Armeedienst bestand Erez darauf, „für den Staat dienen“ zu wollen, als eine moralische Pflicht, und ging freiwillig zur Armee. Zum Zeitpunkt des Attentates befand er sich im Offizierstraining und sollte nach Abschluss diesen in einer Analyseeinheit der israelischen Luftwaffe dienen.  Seine Cousine erzählte mir eine Anekdote aus Erez‘ kurzer Armeezeit:

„Er war zu seinem Befehlshaber gekommen und fragte diesen, ‚Wann gehe ich zum Offizierskurs?‘ Dieser habe gelacht und geantwortet, ‚Nicht wann, sondern ob‘. Daraufhin Erez: ‚Ich fragte nicht ob, sondern wann.“

15965123_1836217899995090_7106234027639568577_nAuf der Beerdigung  hatten sich mehrere tausend Menschen versammelt; Soldaten aus der Einheit, in welcher Erez gedient hatte, und aus anderen, sowie viele Offiziere waren gekommen. Auch viele Jugendliche waren anwesend – aus der Jugendbewegung, der Schule und dem Bekanntenkreis in ganz Gush Etzion. Einer seiner guten Freunde, Daniel aus Alon Shevut: „In seiner Stufe und bei ‚Bnei Akiva‘ sind alle wie eine Familie‘.“ Viele Jugendliche weinten. Bei den Grabreden betonten sowohl Vater Uri als auch Mutter Keren die Dankbarkeit, 15871904_1836218053328408_8601772489883548939_nwelche sie empfinden dafür, dass Erez ihr Sohn sein durfte. Die Großmutter unterstrich die besondere Ehre, welche Erez immer seinen Eltern zu erweisen pflegte. Bruder Alon und auch Keren trugen ihre Grabreden sehr gefasst und kurz, aber auch eindringlich vor; Uri konnte die Tränen nicht zurückhalten. (Daniel erzählte mir später, er hätte Uri das erste Mal im Leben weinen gesehen, als er vom Tod des Sohnes erfuhr).

15940733_1836218136661733_6139686160657060721_nNachdem das Totengebet „E-l Male Rachamim“ vom Armeekantor vorgetragen worden war und die Zeremonie offiziell vorbei war, sammelten sich Erez‘ Freunde um das frische Grab, öffneten einen 15873355_1836218229995057_7582872801940673288_nKreis und sangen Lieder aus jüdischer Tradition und Liturgie, etwa eine Dreiviertelstunde lang, solche wie „Meine Seele ist durstig nach Gott“ (Psalm 42, Melodie hier) und „Wenn die Seele leuchtet, dann strömt selbst ein wolkenverhangener Himmel ein wohliges Licht aus“ (Rav A.Y.Kuk, Melodie hier). Es schien, als würden sie die Seele des ermordeten Kameraden mit den Liedern auf ihrem letzten Weg begleiten wollen.

 

Der Friedhof in Kfar Etzion hatte schon Einiges gesehen; als letztes Terroropfer wurde dort Major Eliav Gelman begraben, als er bei einem Schusswechsel zwischen IDF-Soldaten bei dem Versuch, einen Terroristen an der Etzion-Kreuzung zu fassen, ums Leben gekommen war. Kfar Etzions Friedhof war aber schon seit langer15895039_1836218329995047_954996063467577738_n Zeit unfreiwillige Heimstatt für Opfer der zahllosen Auseinandersetzungen und Kriege – noch vor dem Unabhängigkeitskrieg, bei dem Fall des Kibbutz im Mai 1948 und danach, nach der Wiedereroberung des Gebietes in 1967.  Erez wurde auf der neuen Friedhofsabteilung für israelische Soldaten begraben, welche erst vor Kurzem eingerichtet worden war. Er wurde der erste dort begrabene Soldat. Nach seinem Tod wurde er in den Rang des Unterleutnants erhoben.


Seit Montagnachmittag sitzt die Familie Orbach Shiva, das Trauersitzen, welches sieben Tage dauert und während welchem diejenigen, die an der Trauer Anteil nehmen wollen, zu der Familie kommen können. Gestern (11.01) besuchte auch Reuven Rivlin, Israels Staatspräsident, die Familie. Zum Vater Uri sagte er:

„Die Geschichte von Erez, dem Kampf für die Gemeinschaft, selbst wenn vor einem keine einfachen Herausforderungen liegen, diese Geschichten formen den Ethos des jüdischen Volkes in Israel.“ (INN)

 

2014-16: Rückblick, Highlights, Statistik

15826473_10155083192996842_3649844503837951327_nFrohes neues Kalenderjahr 2017! Heute ist der 01.01.2017 und für den Blog „Ich, die Siedlerin“ ist es der richtige Zeitpunkt, eine Bilanz der letzten zwei Jahre zu ziehen und euch einige Statistiken zu offenbaren, die Highlights unter den Beiträgen und Events noch einmal zu verdeutlichen -und dann ein erfolgreiches, gesundes und frohes neues Jahr zu wünschen.  Auf geht’s!


Etwas Statistik

  • 170.949 Mal wurde die Seite in den letzten Jahren  – Dezember 2014 bis Dezember 2016 – aufgerufen, davon 6.043 Mal im Dezember 2016! Im Dezember 2016 war der Tag mit den meisten Aufrufen der 19.Dezember mit 381 Aufrufen.

    statistik-14-16
    Quelle: WordPress
  • Besucher – sprich, in die Tiefe gehende Leser, welche mehrere Beiträge aufgerufen haben, gab es im Jahr 2016 ganze 24.588 – im Vergleich zu 2015 – da waren es 19.489 Besucher. Insgesamt hatte die Seite 44.579 Besucher abbekommen.
  • 1.782 Kommentare (inklusive meiner) hat es in den Kommentarspalten der Beitrage zwischen 2014-16 geregnet (allein 31 davon im Dezember 2014!). Das Jahr 2015 war das kommentarreichste Jahr.
  • 242 Beiträge wurden bisher auf „Ich, die Siedlerin“ veröffentlicht (diesen mit eingerechnet). Wieder war das Jahr 2015 das beitragsreichste Jahr. Insgesamt haben alle Beiträge 1029 Likes von euch bekommen!
  • Das bisher beste Aufrufergebnis laut WordPressder 25.Februar 2016 – ganze 2.692 Aufrufe habe ich an einem Tag bekommen. Warum? Am 25.02.16 wurde der Beitrag „Die Siedlerin: Warum eine deutsche Jüdin im Westjordanland lebt“ auf Spiegel Online/bento veröffentlicht. Ich hatte am 25.02 selbst über den Tod von Eliav Gelman bei einem tödlichen Schusswechsel mit einem Terroristen an der Etzion-Kreuzung geschrieben und erst einen Tag später den Artikel von bento rezensiert. Trotz der recht zweifelhaften Reportage hat sich das Interview für bento also gelohnt.
  • „Ich, die Siedlerin“ hat ganze stolze 209 Abonnenten!siedlerlogo
  • Die meistaufgerufenen Schlagwörter sind – wie zu erwarten – „Siedler“ (499 Mal) und „siedler“ (451 Mal, mit Kleinbuchstaben).  Auf dem zehnten Platz steht „illegal“ (216), direkt hinter „netanyahu“ (219).
  • Der beliebteste Aufruftag ist offenbar der Donnerstag, und zwar um 19 Uhr. Da ist wohl gerade Feierabend in Deutschland, und unsereiner macht sich gemütlich ans Lesen…?
  • Was Länder angeht, so kommen natürlich die meisten Aufrufe im statistiklaenderJahr 2016 aus Deutschland – 72.294. Auf dem zweiten, dritten und vierten Platz sind Israel, die Schweiz und Österreich, wobei Israel fast 5000 Aufrufe hat, die Schweiz fast 4000 und Österreich knapp über 3000.   Aus den palästinensischen Autonomiegebieten kommen allerdings ganze 234 Aufrufe in diesem Jahr! (Interessant, ob meine dabei mitgerechnet werden 😉 ). Aufrufe aus exotischen Ländern habe ich auch – Südafrika (97), Saudi-Arabien (30!!), Indien (21), Ägypten (13), Singapur (8), Angola (2), Benin (2). Ich wusste gar nicht, dass man meine Seite aus Saudi-Arabien heraus aufrufen kann (und dass dort Leute Deutsch lesen können!). Kenia, Iran, Irak, Katar, Pakistan, Myanmar, Vereinigte Arabische Emirate, Oman, Madagaskar und Georgien haben jeweils nur eine/n Besucher/in hervorgebracht; und es gibt noch weitere Länder.

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Populäre Beiträge – die Charts:

2014: 

  1. wMarke : Siedlerauto (141 Aufrufe)
  2. News: Ayala und die Brandbombe (101 Aufrufe)
  3. In den Hügeln – Wanderung (88 Aufrufe)

 

 

2015: 

  1. News: Der Bus-Skandal (1482 Aufrufe)
  2. Deutsche Medienwortwahl der letzten Tage (1138 Aufrufe)
  3. tagesschau-logo-grossDie Tagesschau hat wieder zugeschlagen (872 Aufrufe)

 

2016:

  1. "Warum eine deutsche Jüdin im Westjordanland lebt", bento, 25.02.16SPIEGEL ONLINE/bento: Chaya ist das Problem (1566 Aufrufe)
  2. ARD’s Wasserdilemma in Palästina, Folge Zwei (1180 Aufrufe)
  3. News: 13-Jährige ermordet. Hallels letzter Tanz (1168 Aufrufe)

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Die Highlights

In den letzten zwei Jahren hat sich viel Dramatisches sowohl um Judäa und Samaria und ihre Juden, als auch um meinen Blog abgespielt. Welche Highlights haben besonders die jüdische Bevölkerung und welche meinen Blogalltag geprägt?

Highlights – Ereignisse

Februar 2015: „EU – die illegalen Siedler“! Ein Dokument der NGO „Regavim“ offenbart den Bau illegaler, von der EU (also auch von Deutschland) finanzierter Strukturen auf von Israel verwaltetem Gebiet. Netanyahu lässt es sich nicht lange gefallen und lässt diese abreißen. Das Dokument von „Regavim“ gibt das Startsignal für verstärkte Überprüfung der EU-Tätigkeit im C-Gebiet und weitere Abrisse. Mehr dazu hier.

17.03.15 – die Wahlen zur 20.Knesset in Israel. Aus diesen Wahlen ist wohl die „rechteste“ Regierung Israels in den letzten Jahrzehnten hervorgegangen. Gut für die „Siedler?“ Mein Bericht dazu hat es auch in die Jüdische Rundschau geschafft. Der Beitrag – hier.

Juli 2015: 10 Jahre Vertreibung aus Gush Katif/Gaza-Räumung (seit 2005). Geplant war, eine Serie aus Beiträgen zum Thema zu starten, weit bin ich damit nicht gekommen. Wohl aber habe ich eine Eröffnung zu dem Thema geschrieben; Teil davon wurde auch das „Ssanur-Tagebuch“, in welchem ich den Aufstieg einer Aktivistengruppe auf die Ruinen der ehemaligen Siedlung Ssanur beschrieb.

31.07.15: Terroranschlag in Duma. Das Attentat, bei welchem die Familie Dawabshe aus dem arabischen Dorf Duma nahezu ausgelöscht worden war, erschütterte Israel und warf viele Fragen auf bezüglich der Aktivität radikaler jüdischer Kreise in Judäa und Samaria und ihre Überwachung bzw.Schadenspotenzial. Bis heute wurde kein eindeutiges Urteil gesprochen; der Hauptverdächtige sitzt in Haft, dutzende wurden verhaftet, befragt und freigelassen. Die Duma-Affäre habe ich ausführlich im Blog verfolgt, so bei „Aktuelle Einblicke I“ und „Fragen des Ausgangspunktes II“. Die letzten Nachrichten über Duma habe ich Anfang Januar 2016 veröffentlicht – die ersten Anklageschriften.

Oktober 2015: Beginn der neuesten Terrorwelle mit dem Mord am Ehepaar Henkin. Die Terrorwelle wurde im Laufe der Zeit mal als „Einzelgänger-Intifada“, „Messerintifada“ oder manchmal auch als Vorläufer für eine „dritte Intifada“ bezeichnet. Fakt ist, dass sich die Sicherheitssituation in Israel sehr verschärfte und sich Todesopfer häuften – und das nicht nur in Jerusalem und Judäa und Samaria.

November 2015: Offizielle Einführung der „Kennzeichnungspflicht“ für Produkte aus „von Israel in 1967 besetzten Gebieten“ in der EU. Die Kommission beschloss es, die PA begrüßte es – und ausbaden werden es offensichtlich nicht nur die israelischen Firmen, sondern auch ihre palästinensischen Araber. Bericht dazu bei „Illegale Juden-Produkte offiziell gebrandmarkt“ .

13.11.15: Der Mord an Yakov Litman und seinem Sohn Netanel aus Kiryat Arba, dokumentiert in meinem Beitrag „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“, und die darauffolgende „Hochzeit des Jahres“ von Litmans Tochter Sarah – die Hochzeit, die ganz Israel berührte.

Januar 2016: Attentat – Dafna Me’ir, eine Krankenschwester aus der Ortschaft Otni’el bei Hevron, wird an ihrem Hauseingang vor den Augen ihrer Tochter von einem jugendlichen Terroristen erstochen. Dafna wird zu einem Symbol von Zuwendung, weiblicher Stärke und Koexistenz, nachdem über ihre Tätigkeit als Fruchtbarkeitshelferin, ihre Vergangenheit im Kinderheim, die Adoption zweier Kinder und Freundschaft mit arabischen Patienten und Kollegen berichtet wird.

Juni 2016: Attentat – Hallel Ariel, eine 13-Jährige aus Kiryat Arba, wird früh am Morgen in ihrem Bett von einem 17-jährigen Attentäter erstochen. Der Mord am schlafenden Kind hallt lange in Israel nach und löst Entsetzen aus – auch innerhalb der palästinensischen Gesellschaft. Bericht dazu hier.

Juli 2016: Wieder ein Mord, diesmal an Michael (Michi) Mark aus Otni’el, der auf der Autobahn 60 erschossen wird. Seine Frau und zwei der Kinder werden von vorbeifahrenden palästinensischen Arabern gerettet, welche später zum Trauersitzen der Familie nach Otni’el kommen. Später wird mindestens einer von ihnen Probleme mit der PA bekommen.

09.11.16 – Donald J.Trump wurde zum 45.Präsidenten der USA gewählt. „Was sagen die Siedler?“ verrät mehr über die Ansichten verschiedener Persönlichkeiten aus der Siedlerbewegung.

November 2016: Stichwort Waldbrände. Hunderte Brände plagten ganz Israel kreuz und quer im Land; die Untersuchungen zur vorsätzlichen Brandstiftung sollen noch immer laufen, viele seien noch nicht nachgewiesen. Das Feuer traf in Samaria am schwersten die Ortschaft Halamish/Neve Tzuf – 15 Häuser brannten nieder, weitere 25 wurden beschädigt. Mein Beitrag zum Thema hat auch ein Video nach der Brandkatastrophe.

Dezember 2016: Die Amona-Krise. Der Name der 45 Familien starken, zum Abriss verurteilten Siedlung geisterte durch die gesamte israelische Presse; die Bewohner von Amona legten sich mit der Regierung und dem eigenen Lager an, um ihre Häuser und das Prinzip der Besiedlung des Landes Israel zu verteidigen. Am Ende fand man einen Kompromiss, welcher allerdings nicht alles zu lösen vermögen wird. Zum Thema: Coundown 1, Countdown 2, Entwurf angenommen und Gedanken.

23.12.16: Resolution Nr.2334 des UN-Sicherheitsrates zum illegalen Status von israelischer Anwesenheit in Judäa, Samaria, Ostjerusalem und Jerusalemer Altstadt. Die Abneigung der Weltgemeinschaft gegenüber israelisch-jüdischer Präsenz in den genannten Regionen war zwar nichts Neues, dennoch empfand man die Enthaltung der USA bei der Abstimmung als die „letzte Ohrfeige“ von Präsident Obama vor seinem Abdanken am 20.Januar 2017. Was aus der Resolution folgt? Gute Frage.

Highlights im Blog

Mai 2015 – das Projekt „Tacheles“, nachzulesen im Beitrag „Die ARD und ich“, gewidmet den 50 Jahren der diplomatischen Beziehungen zwischen Israel und Deutschland. Das Projekt, in welchem junge Israelis, Deutsche und Palästinenser interviewt worden sind, wurde im BR veröffentlicht, hinzu auch ein weiterer kurzer Film, „Zwei Juden, zwei Welten“. Damit hatte es der Blog zum ersten Mal ins öffentlich-rechtliche deutsche Fernsehen geschafft. Mir hat’s gefallen.

September 2015: Als Referentin durfte ich bei den ersten ACHAVA-Festspielen (der Erfurter Version der Berliner „Jüdischen Kulturtage“ auftreten, zusammen mit dem Journalisten Ulrich Sahm und dem Vorsitzenden des Ausländerbeirates Ayman Qasarwa. Es war ein festliches Ereignis mit vielen Besuchern und einer spannenden Podiumsdiskussion. Das volle Video lässt sich auch auf Projekte und Events aufrufen. Dort findet sich auch ein Bericht über bestimmte Eigenheiten meines Diskussionsteilnehmers Qasarwa…

Dezember 2015: Meine erste deutsche Reisegruppe (Israelreise.de/Keshet) ist in Alon Shevut angekommen und ich hatte die Ehre, sie in der Ortschaft herumzuführen und mehr über das Leben in Judäa und Samaria zu erzählen. Zahlreiche weitere sollten folgen.

Februar 2016: SPIEGEL ONLINE / Jugendmagazin „bento“ berichtet über „Ich, die Siedlerin“, bringen dem Blog die meisten Aufrufe der letzten Monate und lösen einen Sturm an Diskussionen und Feedbacks aus. Der Artikel von Jennifer Bligh, auch wenn offenbar von der Redaktion des Magazins in etwas „radikalerer Form“ nachredaktiert, fördert die Popularität des Blogs- dank ihm kommt „Ich, die Siedlerin“ nunmehr auf 100.000 Aufrufe!

Mai 2016: Einladung zur 20.Sächsischen Israelkonferenz der „Sächsischen Israelfreunde“, ein wunderbares Wochenende in Glauchau, Vortrag, neue Gesichter und viel Unterstützung. Ein Rückblick dazu hier.

24.Dezember 2016: Dreifacher Feiertag! Für die Juden Chanukkah, für die Christen Weihnachten und für „Ich, die Siedlerin“ zwei Jahre Existenz!
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Soviel zur Übersicht der letzten zwei aufregenden Jahre für den Blog „Ich, die Siedlerin – eine jüdische Stimme aus Judäa“ und für mich, eine Zeitspanne mit vielen neuen Erfahrungen, Erlebnissen, Aktivitätsansporn und der Verwirklichung vieler Träume durch die mit dem Blog zusammenhängende Arbeit. „Ich, die Siedlerin“ ist vor allen Dingen ein Lernprojekt, für euch und für mich und eine Reise in eine besondere und noch immer kaum bekannte Welt, über welche viel geschrieben und gesprochen wird, mit welcher aber nur wenige wählen, zu kommunizieren. Dafür existiert dieser Blog und das wird auch weiterhin meine Absicht sein – die Juden von Judäa und Samaria und ihre Vielfältigkeit in möglichst authentischer und menschlicher Art und Weise darzustellen und ihre Ideen und ihren Alltag dem außenstehenden Beobachter näherzubringen.

Ich möchte von ganzem Herzen allen meinen großzügigen Spender/innen danken, welche mich immer wieder bei der Arbeit unterstützen und mir viel Kraft zum Weitermachen geben – es ist alles andere als selbstverständlich!

Ebenso danke ich allen Kommentator/innen für rege Diskussionen, allen Leser/innen und Abonennt/innen – kurzum, euch allen, und hoffe auf ein weiteres fruchtbares Jahr 2017!

Eure Chaya

Auf die Plätze, fertig, los! (Quelle: Oficinaempleo)
Auf die Plätze, fertig, los!
(Quelle: Oficinaempleo)

 

 

 

NEWS: UN-Sicherheitsrat mag keine Siedler

Es ist zwar keine News mehr und die Überschrift ist auch eher zynisch zu betrachten, aber dennoch möchte ich es hier erwähnen (die Newsmeldung habe ich zuvor auf der Facebook-Seite des Blogs veröffentlicht): 

rolesc_pan01Der UN-Sicherheitsrat hat am 23.12.16 in einer besonderen Sitzung eine Resolution (Nr.2334) verabschiedet, in welcher er den Bau von „Siedlungen“ in Judäa und Samaria/Westjordanland durch Israel verurteilt und diese insgesamt für offiziell illegal erklärt. Unter „illegalem Siedlungsbau“ versteht der UN-Sicherheitsrat in dieser (sowie in vorherigen) Resolution auch den Bau in den neuen, hinter der „Grünen Linie“ liegenden Teilen Jerusalems; auch die israelische Präsenz und Souveränität in der Altstadt und auf den heiligsten jüdischen Stätten wie dem Tempelberg und der Klagemauer wird somit als „illegal“ und nicht mit dem internationalen Recht konform be- und verurteilt.

Die USA, welche bisher bei speziell gegen Israel gerichteten Resolutionsentwürfen gegen den Rest der Mitglieder des Sicherheitsrates ein Veto einlegten, enthielten sich dieses Mal vom Veto und von der Abstimmung, und so wurde die Resolution mit 14 von 15 Stimmen angenommen. Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sind: USA, China, Frankreich, Großbritannien, Russland (ständige Mitglieder); Angola, Malaysia, Neuseeland, Spanien, Venezuela (bis Ende 2016); Ägypten, Japan, Senegal, Uruguay, Ukraine (bis 2017).

Der Text der Resolution besagt unter anderem:

„(Der UN-Sicherheitsrat) verurteilt alle Maßnahmen, die einer Veränderung der demographischen Verteilung, des Charakters und Statuses der Palästinensischen Gebiete, besetzt seit 1967, dienen, inklusive Ostjerusalem, inklusive u.a. den Bau und die Erweiterung von Siedlungen, Transfer von israelischen Siedlern, Beschlagnahmung von Land, Zerstörung von Häusern und Vertreibung palästinensischer Zivilisten, bei Verletzung des internationalen Menschenrechts und der relevanten Resolutionen;
zeigt große Besorgnis darüber, dass angehende israelische Siedlungsaktivitäten die Realisierbarkeit einer Zweistaatenlösung, basierend auf den Grenzen von 1967, ausdrücklich gefährden (…).“
(Resolutionstext hier auf Englisch, inklusive Protokoll der Sitzung)

Die Resolution ist als solche ein symbolischer Akt und juristisch nicht verbindlich; allerdings könnte sie ein Ausgangspunkt für weitere politische und juristische Schritte seitens der Palästinensischen Autonomiebehörde oder anderer Staaten gegen Israel werden. Außerdem, so heißt es vor allem in der israelischen Presse, würde nun die Gefahr von offiziell begründetem und so einfacher durchführbarem Boykott auf Güter aus Judäa und Smaaria höher werden, ebenso wie Klagen gegen Politiker und hohe Armeeoffiziere vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag. Wirtschaftliche und juristische Sanktionen gegen Israel würden durch die Resolution einen Freipass bekommen.

Premierminister Benyamin Netanyahu reagierte den Tag darauf auf die Resolution, nannte sie „unverschämt“ und „unfair“ Er beschuldigte insbesondere Präsident Obama, welcher entgegen der vorherigen US-Politik kein Veto gegen die Resolution eingelegt hatte, mit dem UN-Sicherheitsrat „gemeinsame Sache gegen Israel“ zu machen und erklärte, Israel würde dieser Resolution keine Folge leisten. Auch andere israelische Politiker, gleichermaßen aus Koalition und Opposition – wie der Oppositionsführer Yitzhak Herzog und der ehemalige Finanzminister und Oppositionsmitglied Yair Lapid – verurteilten die einseitige und scharf formulierte Resolution.

Diplomatische Folgen

Am selben Tag veröffentlichte das Büro des Premierministers die ersten diplomatischen Schritte, welche Israel gegen die die Resolution unterstützenden Länder vornehmen werde. Zunächst nahm sich Netanyahu Senegal, Neuseeland und Ukraine vor, von welchen zwei auf eine Abstimmung zur Resolution gedrängt hatten gefordert  (Senegal und Neuseeland), nachdem Ägypten diese vorgelegt und nach israelischem Druck auf spätere Zeit verlegt hatte. Ukraine hatte bei der Abstimmung ihre Stimme der Resolution gegeben. Netanyahu sagte darauffolgend Besuche von Botschaftern aus Senegal und Neuseeland ab, holte aus den beiden Ländern die israelischen Botschafter heim, sagte ebenso den Besuch des senegalesischen Außenministers und des ukrainischen Premierministers ab und ordnete an, geplante Hilfsleistungen an Senegal zu stoppen. (Die weiteren zwei Länder, die auf die Resolutionsabstimmung gedrängt hatten, waren Malaysia und Venezuela, zu welchen Israel keine diplomatischen Beziehungen unterhält.)

Desweiteren folgten am Sonntag und Montag, 25-26.12.16, Vorladungen der Botschafter von insgesamt 12 der 15 Länder ins Außenministerium. Der US-Botschafter Dan Shapiro wurde laut CNN zu einem direkten Gespräch vorgeladen, die restlichen Botschafter nur ins Ministerium bestellt. Der israelische Botschafter Ron Dermer äußerte sich dazu bei CNN, „die USA sind das einzige Land, von dem wir tatsächlich erwarten können, uns in der UNO beizustehen“.  Netanyahu ordnete an, diplomatische Beziehungen  mit den Botschaftern diesen 12 vorerst zu minimieren – darunter fallen auch Großbritannien, Russland, Frankreich und Spanien. Desweiteren stoppte Netanyahu die Zahlungen an fünf UN-Institutionen in Israel und sagte ebenso, Israel würde ihre Beziehungen zur UNO „nochmals überdenken“ müssen (Reuters). Auch für die nächsten Monate setzte sich der Premier „auf Diät“ und wird, so Times of Israel, keine Treffen mit der Premierministerin von Großbritannien und dem Präsidenten von China wahrnehmen.

Riyad Mansour, Ständiger Palästinensischer Beobachter in der UN, klatscht nach der Abstimmung der Resolution 2334. Quelle: Vos iz Neias
Riyad Mansour, Ständiger Palästinensischer Beobachter in der UN, klatscht nach der Abstimmung der Resolution 2334. Quelle: Vos iz Neias

Der Verteidigungsminister Avigdor Liebermann wies die Armee und die für die Zusammenarbeit mit der Palästinensischen Autonomiebehörde verantwortlichen Einheiten an, soziale und wirtschaftliche Beziehungen bis auf Weiteres abzubrechen und es nur auf sicherheitstechnische zu limitieren; dies aufgrund der offenen Unterstützung der PA für die Resolution und den Druck, welchen ihre Mitglieder auf die Mitglieder der Sicherheitsrates ausgeübt hatten.

Israelische Politiker der „nationalen Einheit“ wie Erziehungsminister Naftali Bennet und Justizministerin Ayelet Shaked stellten die Entscheidung des Sicherheitsrates als einen Aufruf für Israel dar, sich endlich für einen klaren Kurs in Sachen Palästinenserstaat entscheiden zu müssen, ebenso wie eine Gelegenheit für einen historischen Wandel. Bennett (Ynet, 25.12.16):

Wir stehen vor einem historischen Tag, welcher sowohl eine Gefahr als auch eine Gelegenheit in sich birgt und ich möchte die Gelegenheit darin sehen. (…) Entweder gehörst du zum nationalen Lager und stellst dich gegen die Errichtung eines Staates Palästina, oder du akzeptierst die Entscheidungen der UNO gegen uns. Es gibt keine Mitte, es gibt entweder Unterwerfung oder Souveränität. Die Unterwerfung und die Aufgabe haben wir schon 25 Jahre lang ausprobiert, es wird Zeit für die Souveränität. Daher werden wir uns schon in der nächsten Zeit an die Arbeit machen, um die israelische Souveränität auf Ma’ale Adumim (nordöstlich von Jerusalem) und auf die C-Gebiete von Judäa und Samaria auszuweiten. Es wird Zeit, den Ball in unsere Hände zu nehmen.“

Dem gegenüber äußerte sich der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier am 23.12.16:

Der Sicherheitsrat hat heute noch einmal bestätigt, was schon lange die Position der Bundesregierung ist: Siedlungsbau in den besetzten Gebieten behindern die Möglichkeit eines Friedensprozesses und gefährden die Grundlagen der Zwei-Staaten-Lösung.

Ich bin der festen und tiefen Überzeugung, dass nur eine verhandelte Zwei-Staaten-Lösung dauerhaft Frieden bringen und dem legitimen Streben beider Parteien gerecht werden kann.

(Da kann man nur froh sein, dass Deutschland kein Mitglied des UN-Sicherheitsrates ist; ansonsten müssten auch hier die diplomatischen Beziehungen suspendiert werden und was würde dann aus der gewünschten Sicherheitszusammenarbeit zwischen Israel und Deutschland zum Schutz vor Terrorattacken werden?…)

(Quellen: Reuters, CNN, Independent, Times Of Israel, Ynet, Walla, UN)


Mein Kommentar dazu?

Quelle: AP
Quelle: AP

In Israel, sowohl in den Medien, bei den Politikern und auf der Straße (von den sozialen Netzwerken ganz zu schweigen) stürtze die gesamte Zornesflut über die Abstimmung im Sicherheitsrat auf Noch-U.S.-Präsident Obama nieder. Ungeachtet der Stimmen der restlichen 14 Länder, wird Obama hierzulande, um es verallgemeinert auszudrücken, als der Hauptdrahtzieher der Aktion gesehen, als derjenige, der den „Dolch in den Rücken Israels“ gestoßen habe (Abgeordneter Tzachi Hanegbi), als letzten Racheakt gegen Netanyahu und den deutlichsten Ausdruck der unverhohlenen Abneigung von Obama gegenüber dem israelischen Premier. Als Erlöser, der den „feindlichen“ Obama vom Feld fegen soll, wird durchgehend Donald Trump gesehen und auf ihn werden – zumindest öffentlich geäußert – die Hoffnungen gesetzt. Trotz der Dementierungen der U.S.-Regierung wird die Schuld nahezu Obama allein zugeschrieben.

Mich persönlich interessiert Obama viel weniger. Seine Rolle hinter der Resolution und das nichtvorhandene Veto spielen in meinen Augen eine viel geringere Rolle, als man ihnen zumisst. In meinen Augen ist es viel wichtiger, zu sehen, was PM Netanyahu nach der Resolution und außer der diplomatischen Strenge und den harten Worten tatsächlich zu tun gedenkt. Alle wissen mittlerweile, dass Netanyahu die richtigen Worte wählen kann und auch internationalem Druck standhalten kann; wird er aber in der Lage sein, einen neuen Weg einzuschlagen und sich tatsächlich für eine klare politische Linie entscheiden können? Wird er nach den trotzigen Reden tatsächlich den Mut und die Strategie haben, den gegenwärtigen Status Quo bezüglich Jerusalem und Judäa und Samaria zu brechen? Wird er, den Worten von Naftali Bennett nach, die Gelegenheit erkennen, irgendeinen Fortschritt in die Wege zu leiten? Die UNO hat gesprochen, was werden Netanyahu und die Knesset tun? Das fordere ich von meiner Regierung und ich warte darauf. Ich hoffe, es wird nicht weitere 25 Jahre brauchen; aber es scheint mir, dass die Dinge in letzter Zeit einen schnelleren Lauf nehmen als bisher, und daher werden wohl einige Überraschungen auf uns alle zukommen.

Vielleicht ist die Zeit des Feiertages Chanukka die passendste, um hier das folgende Zitat aus dem Buch der Makkabäer 1, Kapitel 15, Vers 9-10 anhzubringen – die Antwort von Shimon dem Hasmonäer auf die Forderung des griechisch-syrischen Besatzerkönigs Antiochus VII, die von den Makkabäern eroberten Gebiete in Judäa abzugeben und Bußgeld zu zahlen:

„Es ist kein fremdes Land, das wir genommen haben, und kein fremdes Eigentum, über welches wir regierten, sondern es it das Erbe unserer Väter, welches von unseren Feinden zu einer bestimmten Zeit rechtlos erobert worden ist; und als unsere Zeit gekommen ist, haben wir das Erbe unserer Väter zurückgeholt.“

Und das im 2.Jahrhundert vor der modernen Zeitrechnung. Was für ein starrhalsiges Volk die Juden doch sind.

NEWS Update: Waldbrände

Die Brände finden weiterhin statt, wenn auch zu diesem Zeitpunkt (25.11) viele der Feuerherde unter Kontrolle gebracht werden konnten. In Haifa, der bisher am Schwersten getroffenen israelischen Stadt, sollen zwischen 60.000-75.000 Menschen aus brennenden Häusern und Straßen evakuiert worden sein.

Feuer in einem Wohngebiet in Haifa. Quelle: Ma'ariv
Feuer in einem Wohngebiet in Haifa. Quelle: Ma’ariv

Brandherde entwickelten sich bei Akko, Nazereth Illit und in den

ländlichen Ebenen, darunter auch nahe arabischen Dörfern wie Ka’abia. Feuer in der Jerusalemer Gegend – Sha’ar Hagay und bei der Stadt Modi’in – konnte unter Kontrolle gebracht werden.
Die Polizei spricht von etwa 50% Fällen von Brandstiftung in der letzten Waldbrandwelle. Es sind mehrere

Brände im Norden - Haifa, Natzeret, Akko, Hadera, oberes Galiläa. Quelle: Mako
Brände im Norden – Haifa, Natzeret, Akko, Hadera, oberes Galiläa. Quelle: Mako

Verdächtige verhaftet worden, dennoch weigert sich die Polizei bisher, die Identität dieser zu veröffentlichen. In der Presse wird zunehmend von Brandattacken mit nationalistischem Hintergrund gesprochen – etwas, was von vielen schon zu Beginn der plötzlichen Brandwelle angenommen worden war. Es werden mittlerweile Begriffe wie „Brandstiftungsterror “ und „Feuerintifada“ benutzt.

Brände in Zentralisrael: Jerusalemer Umgebung, Dolev, Talmon, Shaar Hagay, Modi'in, Rahat. Quelle: Mako
Brände in Zentralisrael: Jerusalemer Umgebung, Dolev, Talmon, Shaar Hagay, Modi’in, Rahat. Quelle: Mako

In Judäa und Samaria berichtete man über mehrere Brandfälle, die allerdings schnell unter Kontrolle gebracht werden konnten, außer im Gebiet Talmon-Dolev (Westbinyamin-Samaria) – dort erneuerte sich das Feuer wieder, nachdem es gestern bewältigt worden war. Bewohner mussten evakuiert werden. In Talmon verbrannten nach Angaben der Bewohner 2 Häuser.
In Gush Etzion organisieren sich mehrere Freiwilligengruppen für Zivilpatrouillen in den bewaldeten Regionen vom Gush – um die Ortschaft Geva’ot, welche jahrelang von Brandstiftung durch arabische Nachbarbewohner geplagt worden ist, und um den Oz veGaon-Wald an der Etzion-Kreuzung, um möglicher Brandstifter zu ermitteln und  an der Tat zu hindern. (Ortschaften und Natur zu verbrennen ist durchaus keine neue Erfindung von Terroristen. Ich habe über eine solche Brandstiftung mit unmittelbarer Gefahr für eine jüdische Ortschaft hier schon mal berichtet. )

Unterdessen sind auch Waldbrände um Ramallah, Jenin und Nablus gemeldet worden; so berichten es palästinensische Medien. Die israelische Regierung hat zugestimmt, Hilfsangebote seitens der palästinensischen Feuerwehr-Einsatzkräfte der PA anzunehmen.
Aus der internationalen Gemeinschaft meldeten sich mehrere europäische Länder, Israel beim Löschen der Waldbrände zu unterstützen – Kroatien, Griechenland, Zypern, Rumänien, Bulgarien, Italien, ebenso auch die Türkei und Russland. Auch ein amerikanischer „Supertanker“ soll in Israel in den nächsten Tagen ankommen.

In der israelischen Regierung wird mittlerweile beraten, wie mit den Brandstiftern umgegangen werden soll, sobald diese ermittelt werden sollten. Das Nachrichtenportal 0404 ebenso wie Times of Israel berichteten von einer Absprache zwischen PM Netanyahu und dem Innenminister Arye Dery, den Brandstiftern ihre Staatsbürgerschaft zu nehmen; allerdings ist es nicht klar, ob dies tatsächlich durchgeführt werden wird.

Im ganzen Land übt man sich in Gastfreundschaft und Unterstützung gegenüber den Betroffenen. Im ganzen Land öffneten sowohl jüdische als auch arabische Ortschaften ihre Tore für die Brandopfer und richteten lokale Koordinationszentren für Hilfesuchende ein; Einladungen von arabischen Stadtvorständen wurden veröffentlicht. Aufsehen erregte der Aufruf der Islamischen Bewegung in Israel, in welchem sie erklärte, ein Notfallzentrum für betroffene Bürger aus dem Norden zu öffnen und diese zur Übernachtung bei arabischen Familien aus der Bewegung ermutigte –  „dieses Angebot gilt für jede/n Bürger/in Israels – Araber, Christen, Juden, ohne Ausnahme“. Verschiedene israelische religiöse und soziale Organisationen wie die Kibbutz-Bewegung, die Bney Akiva-Bewegung, rekrutierten Freiwillige und riefen betroffene Familien dazu auf, sich an sie zu wenden. Private Gasthäuser und Hostels verbanden sich mit obdachlosen Familien, um diese bei sich aufzunehmen.

Das Wetter für die nächsten Tage verspricht leider erst einmal keinen Regen. Es ist weiterhin trocken und extrem windig, die Luft ist staubig und Smogwolken hängen über den Städten aufgrund der hohen Rauchanteile in der Luft. Noch wird nicht darüber beurteilt, wie groß der Ausmaß der Zerstörung von Privatbesitz und Umwelt infolge der Brände sein wird, aber bei über 230 Bränden im halben Land werden die finanziellen Folgen sowie der Umweltschaden gigantisch sein.

Trump hat gewonnen – was sagen „die Siedler“?

Donald J. Trump hat die US-Wahlen 2016 gewonnen, er wird voraussichtlich der 45.Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein, und das nach einem Wahlsieg mit einer deutlichen Mehrheit (279 elekt.Wahlstimmen)  gegenüber seiner Hauptkonkurrentin Hillary Clinton (228 elekt.Wahlstimmen) (Quelle: NYT). 

Und jetzt kommt die spannende Frage: Was sagen „die Siedler“ zu dem Wahlsieg Trumps?
Nun, ich bin keine Expertin im Fach der Politikanalyse, ich kann nur die öffentliche Meinung wiedergeben, wo ich sie zu hören und zu sehen bekomme. Verlassen wir uns also erst einmal darauf und schauen uns die ersten Reaktionen aus der Siedlerbewegung und ihrer Unterstützer/innen an.

Die offiziellen Vertreter sehen den Sieg Trumps eindeutig als Gewinn für die Siedlerbewegung, das aufgrund der wiederholten Ankündigung seinerseits, den jüdischen Bau in Judäa und Samaria zu unterstützen, gegen die Hetze gegen Siedlungsbau vorzugehen und der Errichtung eines Palästinenserstaates entgegenzuwirken. So wird die Unterstützung Trumps für das Besiedlungsprojekt beispielsweise von seinem Berater David Friedman in diesem Artikel  der Jerusalem Post bei einem Treffen mit Delegierten aus der Regionalverwaltung von Judäa und Samaria eindrucksvoll erklärt; ebenso in diesem Interview mit der Daily Mail, in welchem sich Trump  gegen einen Siedlungsstopp ausspricht und dies mit der Bedrohung für Israel durch Terrorgruppen wie Hamas begründet.
Minister Naftali Bennett. Quelle: Ynetnews
Minister Naftali Bennett. Quelle: Ynetnews

Erziehungsminister Naftali Bennett (Jüdisches Heim) gratulierte dem neuen gewählten Präsidenten, dankte formell der Freundschaft Hillary Clintons mit Israel und kommentierte mit folgenden Worten:

„Der Sieg Trumps ist eine gewaltige Gelegenheit für Israel, bekannt zu machen, dass es die Idee eines palästinensischen Staates im Herzen des Landes zurücknimmt, welche eine Verletzung unserer Sicherheit und unseres Wahrheitsanspruches darstellt. Dies entspricht den Ansichten des gewählten Präsidenten in seinen Erklärungen und sollte selbstverständlich auch unsere Ansicht sein. Einfach, klar und deutlich. Die Ära des Palästinenserstaates ist vorbei. “ (INN, Facebook)

Abgeordneter Yehuda Glick (Likud), der führende Aktivist für die

MK Yehuda Glick. Quelle: Ynet
MK Yehuda Glick. Quelle: Ynet

Öffnung des Tempelberges und der dort befindlichen jüdischen heiligen Stätten für jüdische Gläubige, selbst in Otni’el in Südhevron wohnhaft, veröffentlichte:

„Es scheint, als ob Donald Trump der neue Präsident der Vereinigten Staaten wird. Es wird deutlich, dass dem amerikanischen Volk die Heuchelei und Political Correctness anstatt Geradlinigkeit leid geworden ist. Ich übersende Herrn Trump meine Glückwünsche aus Jerusalem. „Möge Gott dein Anlitz erleuchten und dir Gnade erweisen; möge Gott dir Sein Anlitz zuwenden und dir Frieden geben (4.Buch Moses, 6, 22ff.). Ich wünsche ihm, auf den Tempelberg aufzusteigen und von diesem Ort des Lichts und der Energie der ganzen Welt einen Dialog der Aussöhnung und des Friedens zu führen. Ich lade ihn auf seiner Reise nach Israel dazu ein, Judäa und Samaria zu besuchen und mit seinen Augen zu sehen, dass die Besiedlung dieses Gebiets der Weg zum Frieden ist.“ (Facebook)

Abgeordneter Betzalel Smotritch (Jüdisches Heim), stellvertretender Knessetsprecher, vermeldete:
MK Betzalel Smotritch. Quelle: INN
MK Betzalel Smotritch. Quelle: INN

„Es ist beschlossen. Der gewaltige Umschwung, der heute die Vereinigten Staaten erfasst hat, ist eine beschlossene Tatsasche. Eines muss klar sein – die Idee der Zweistaatenlösung hat man auf der Stelle ins Archiv zu befördern. Die Regierung der USA wurde abgelöst und mit ihr gilt es auch, den furchtbare Baustopp, zu welchem die israelische Regierung durch das vorherige Regime gezwungen worden war, durch einen Aufschwung der Bauaktivitäten (in Judäa und Samaria) abzulösen. Ich rufe den Premierminister und die gesamte Regierung dazu auf, hinter dem Siedlungsprojekt in Judäa und Samaria zu stehen, Baupläne und Bau von neuen Städten und Dörfern voranzutreiben und den Schandfleck zu entfernen, den die vorherige amerikanische Regierung dem Siedlungsprojekt als „Friedenshindernis“ aufgesetzt hat. Die Besiedlung von Jerusalem, Judäa und Samaria, ebenso wie das gesamte zionistische Projekt, ist ein historisches Recht und unsere moralische Verpflichtung ist es, diese zu stärken, und das in Zusammenarbeit mit dem gewählten Präsidenten.“ (Facebook)

Abgeordneter Motti Jogev (Jüdisches Heim), Mitglied im Sicherheitsausschuss, gratulierte kurz:
MK Motti Yogev. Quelle: Knesset
MK Motti Yogev. Quelle: Knesset

„Lasst uns hoffen und beten, dass es für die Vereinigten Staaten und auch für Israel gut sein wird. Wir werden zur Verantwortung gerufen sein in den letzten Monaten der Regierungszeit des Präsidenten Obama, auf dass dieser Israel keinen Schaden zufügt. Und danach wird so Gott will alles offen sein für strategische Beziehungen zwischen Israel und den USA, auch im Bezug auf unsere ewigliche Zukunft und die Stärkung unserer Präsenz in Judäa und Israel. Guten Morgen USA. Guten Morgen Israel.“

Yossi Dagan. Quelle: Charedim 10
Yossi Dagan. Quelle: Charedim 10

Yossi Dagan, Vorsitzender der Regionalverwaltung von Judäa und Samaria, vermerkte in den ersten Stunden kurz auf seiner Facebookseite„Zeit zu bauen“ , in Anlehnung an den Vers aus Ecclesiastes 3 „(„Es gibt eine Zeit zum Durchbrechen und Zeit zu bauen„). In seiner ausführlichen Stellungnahme verdeutlichte er:

„Es ist nicht nur ein Festtag für die USA, sondern auch für Israel und die jüdische Besiedlung von Judäa und Samaria. Wir haben einen wahren Freund erhalten. Während der Wahlkampagne habe ich offen meine Unterstützung für Trump bekundet, denn dies war eine wichtige Stunde für das Siedlungsprojekt, für Samaria, die hiermit einen Israel-liebenden Präsident bekommt, der die Besiedlung Samarias stärkt. Einen Präsidenten, der sowohl seine Unterstützung  zugesagt hat, und dessen Hauptberater David Friedman vor unseren Augen nicht nur von seinem Glauben an die jüdischen Rechte in Judäa und Samaria, sondern auch von der Unterstützung der Annektierung dieser Gebiete zm Staatsgebiet Israels gesprochen hat. (…) Ich lade Trump dazu ein, uns in Samaria, dem Herzen des jüdischen Volkes und des Staates Israel, zu besuchen.“ (Quelle: INN, D.Ha’ivri)

Im September 2016 traf er sich während der Wahlkampagnen mit einer Delegation aus der Regionalverwaltung mit Donald Trump; bei diesem Treffen sicherte man ihm die Unterstützung für den Bau in Judäa und Samaria zu.
Yochai Damari, Vorsitzender der Regionalverwaltung Südhevronberge (mehr zu ihm hier), erklärte:
Yochai Damari. Quelle: Youtube
Yochai Damari. Quelle: Youtube

„(…) Ich hoffe, dass diese staatliche Umwälzung zu einer Revolution auf Bewusstseins- und Praxisebene in der Einstellung gegenüber der jüdischen Besiedlung in Judäa und Samaria führen wird – die Anerkennung dessen wird eine Möglichkeit zu einem wirklichen Frieden öffnen. (…) Die schweren Tage mit Obama im Bezug auf die Besiedlung sind vorbei. Wenn wir es jetzt schaffen werden, diese Angelegenheit klug und erfolgreich anzugehen, so gibt es die Chance auf eine neue Realität für die Besiedlung und für den Staat Israel als solchen. (Facebook)

Nadia Matar und Yehudit Katzover, Vorsitzende der Bewegung „Women in Green“ für die jüdische Besiedlung von Judäa und Samaria, veröffentlichten die folgende Pressemeldung:
Nadia Matar, links, und Yehudit Katzover
Nadia Matar, links, und Yehudit Katzover

„Durch ihre Stimme für Sie, hat das amerikanische Volk sein nüchternes und gutes Urteilsvermögen bewiesen, in seinem Streben nach den amerikanischen Prinzipien von Gerechitkeit, Ethik, nach biblischen Werten und der starken Haltung gegenüber internationalem Terror und der Achse des Bösen, sowie in der Loyalität gegenüber den Vorreitern der Wahrheit. (…) Wir glauben an das Potential des Wandels, welchen Sie in der amerikanischen Politik erwirken wollen, um die Kräfte des Lichts in der ganzen Welt im Allgemeinen und im Nahen Osten im Besonderen zu stärken. Wir basieren unsere Zuversicht auf Ihre langwierige Position zur Unterstützung des Staates Israel und des jüdischen Volkes; ebenso wie Ihr Versprechen, die amerikanische Botschaft nach Jerusalem, die Hauptstadt Israels, zu verlagern. Dasselbe gilt für den Wandel innerhalb des republikanischen Lagers, welcher (unserer) Regierung einen Schwung geben könnte, um die ersehnte Entscheidung zu treffen, eine Entscheidung, die mit dem ethischen Geist der Tora, mit dem Sicherheitsverständnis und der Wahrheit kompatibel ist – die Erklärung der israelischen staatlichen Souveränität über das Gebiet von Judäa und Samaria, die Wiege des Heimatlandes des jüdischen Volkes.“

Rabbiner Shlomo Riskin, Rabbiner der Bezirksverwaltung Efrat im

Rabbiner Riskin. Quelle: NRG
Rabbiner Riskin. Quelle: NRG

Gush Etzion und bekannt für seinen Einsatz für interreligiöse Begegnungen, beglückwünschte Trump und bezeichnete den Wahlsieg als den „Sieg der einfachen amerikanischen Bürger, und einen Sieg für das Volk Israel, sowohl für die Juden in Amerika als auch in Israel selbst. Der einfache Amerikaner mag keine Heuchelei und legt großen Wert auf Gleichberechtigung und Demokratie, in welcher ein jeder dem anderen gleichgestellt wird.“

Was den Bau in Judäa und Samaria angeht, so erklärte er:
„Präsident Obama war der erste, der die großen Siedlungsblöcke, die wir hier aufgebaut haben, nicht respektiert hatte. Alle anderen Präsidenten stimmten dem zu, dass man an diesen aus Sicherheitsbedenken für den Staat Israel festhalten sollte. Obama verhielt sich herablassend gegenüber unserem Premierminister und das können wir ihm nicht verzeihen. Trump hatte sich gänzlich anders ausgesprochen und erwähnte sogar die Notwendigkeit, die amerikanische Botschaft nach Jerusalem zu verlegen, und daher habe ich viele Hoffnungen in ihn.“ 

Der Anwalt und Radiosprecher Yoram Sheftel, bekannt für seine kontroverse Rolle als Anwalt des Nazi-Kriegsverbrechers John

Yoram Sheftel. Quelle: Mynet
Yoram Sheftel. Quelle: Mynet

Demjanjuk in den 80-ern (bei einem Säureanschlag auf ihn im Zuge der Verhandlungen wurde Sheftel nachhaltig verletzt) und Verteidigung von Angeklagten schweren Grades vor israelischen Gerichten, seine Unterstützung der Siedlerbewegung und seine exzentrischen Politanalysen im israelischen Radio, gab vor den Wahlen bekannt, bei einem Sieg Trumps würde er 100.000 Shekel an die jüdische Gemeinde in Hevron spenden. Heute äußerte er bei Channel 7, der Check solle innerhalb von 48 Stunden auf das Konto der Gemeinde übergehen:

„Noch nie habe ich mich so wohl dabei gefühlt, um 100.000 Shekel ärmer zu werden.“ (INN)

 


Was die öffentliche Meinung betrifft, so bewegt sich diese zwischen Gewinnertaumel und Zuversicht, aber auch Bange. Zum Einen ist man glücklich, dass die Bedrohung der Zukunft der jüdischen Gemeinden in Judäa und Samaria mit der Abwahl Hillary Clintons offenbar gänzlich vom Tisch gefegt worden ist – diese war durchgehend eine Unterstützerin der Zwei-Staaten-Lösung. Auch ist die Freude groß, dass man dem „linken Lager“, der „Elite“, wie sie häufig genannt wird, mit Donald Trump eine „auswischen“ konnte – angesichts der offenen Parteinahme der größeren israelischen Medienkanäle und Berichterstatter für Clinton und der Favoritisierung Clintons im linken politischen Lager eine verbreitete Ansichtsweise, nicht unbedingt nur im „Siedlerlager“.
Zum Anderen hat das Gerücht von Trump als einem „unberechenbaren Wütling“ auch hier Wurzeln geschlagen; auch die schlechte Erfahrung mit ehemaligen US-Präsidenten, die ihre Wahlversprechen bezüglich Israels nicht immer so hielten, wie sie sie formulierten, bringt manche dazu, Trumps Wahl mit Skepsis zu betrachten und nicht in den Freudentaumel mit einzustimmen.  Vor allem ist der Wahlausgang ein wiederholter Grund, sich auf die Verse der jüdischen heiligen Schriften zu besinnen, die so charakteristisch die Dilemmata gegenüber der Entscheidungen der Politiker und ihrer Konsequenzen darstellen:
„Wie Wasserbäche ist das Herz eines Königs in der Hand von Gott, Er lenkt es, wie es ihm gefällt.“ (Sprüche 21), oder auch der bekannteste davon: „Viele Gedanken weilen im Herzen eines Menschen und der Rat Gottes wird (am Ende) zur Wirklichkeit werden.“ (Sprüche 19)
Wie sich die Politik des neuen Präsidenten in Zusammenarbeit (oder auch nicht) mit dem Kongress und dem Senat auf Israel und speziell auf die Realität der Bevölkerung in Judäa und Samaria auswirken wird, können wir jetzt zunächst einmal nicht wissen. Auch ich blicke mit Skepsis, und doch mit Zuversicht auf die bevorstehenden Veränderungen. Zum Einen, weil ich mich dabei nur um die Zukunft meines Landes und meiner Bevölkerung sorgen muss und daher in keinen Interessenskonflikt mit der Sorge um die Zukunft der US-Amerikaner kommen brauche. Zum Anderen, weil nach der Obama-Regierung es tatsächlich einen Wandel bedarf, den Hillary Clinton offenbar nicht bieten konnte
Auf gut Glück also, und mazal tov, Mr.President Elect!

ARD: Anführungszeichen sind nicht niedlich

Janna Jihad Ayyad Tamimi. Niedlich, die Kleine, oder? Quelle: Palestina Libre
Janna Jihad Ayyad Tamimi. Niedlich, die Kleine, oder? Quelle: Palestina Libre

Eigentlich ist mit dem Artikel von Alex Feuerherdt, „Ein Propagandacoup namens Jihad“ vom 12.10.16 alles gesagt, was man über das dunkelblond gelockte, zehnjährige palästinensische Mädchen namens Janna Jihad Ayyad Tamimi aus dem Dorf Nabi Saleh in Samaria wissen muss:

Über den politischen Werdegang eines kleinen Mädchens, die schon ab dem dritten Lebensjahr von ihrer Großfamilie, der die Terroristin Ahlam Tamimi ( die 15 Israelis, darunter 7 Kinder auf dem Gewissen hat) angehört, zu einem „Widerstand gegen die Besatzung“ getrimmt wird. Die ab dem dritten Lebensjahr auf gewalttätige

Nationalbewusst, kriegerisch, genau, wie man palästinensische Kinder offenbar sehen sollte. Janna Jihad Ayyad Tamimi. Quelle: Periodico ABC
Nationalbewusst, kriegerisch, genau, wie man palästinensische Kinder haben möchte. Janna Jihad Ayyad Tamimi. Quelle: Periodico ABC

Demonstrationen geschickt wird, mit fünf Jahren Soldaten in Uniform anbrüllen soll. Die ihre „Karriere“ als Mediastar mit offiziell mit dem siebten Lebensjahr beginnt, als sie in Leggins und T-Shirt und wahlweise Keffiya und Palästinaflagge vor der Kamera posiert und Slogans gegen Israel aufsagt.

Über Klein Jannas „eigenständige“ Produktion von Videos und Bildern, welche sie in sozialen Netzwerken ausstellt, mit freundlicher Unterstützung der Großfamilie Tamimi aus dem besagten Dorf Nabi Saleh, welche eine eigene Propagandaagentur namens „Tamimi Press“ betreibt.

Über die begeisterten Berichte  der internationalen Medien über die „jüngste Journalistin Palästinas“ (VICE, Spiegel), „10-jährige palästinensische Journalistin“ (New York Times), „Kinder-Reporterin“ (Das Er

Janna posiert in traditioneller Tracht. Quelle: Ketnet
Ländliche Romantik – das schöne Palästina. Janna posiert in traditioneller Tracht. Quelle: Ketnet

ste), „Janna im Jihad“ (ZDF ) und so weiter und so fort.

Die Berichte über die niedliche Janna haben sich im letzten halben Jahr gehäuft und so auch die Responsen auf das „Phänomen“ der kriegerischen blonden Zehnjährigen, einer Cousine von ihrem mittlerweile bald 17-jährigen Counterpart Ahed Tamimi, ebenso blondgelockt,  niedlich und ein Fernsehstar: mehr zu ihr steht z.B. bei CAMERA und Times of Israel . Auch ich habe in meinem Bericht von der Wanderung in Binyamin – Wadi el-Hakim – über Nabi Saleh und die Familie Tamimi berichtet;  aber leider wurde all das nicht in  Medien mit größerer Reichweite aufgegriffen.

Susanne Glass, ARD Blog Tel Aviv. Quelle: Twitter
Susanne Glass, ARD Studio Tel Aviv. Quelle: Twitter

Und so konnte die deutsche Reporterin für das ARD-Studio in Tel Aviv – Susanne Glass – es sich einfach machen, sämtliche Details aus den schon vorausgegangenen Berichten als Vorlage nehmen, ein wenig  nachfilmen und am 2.Oktober 2016 einen fast 7 Minuten langen Bericht über Klein Janna präsentieren. Denn was sollte die Zuschauer der ARD mehr interessieren, als das längst durchgekaute Thema einer niedlichen „Widerstandskämpferin“.

Nun bin ich bei Weitem nicht so niedlich wie Janna und werde es im Laufe der Jahre immer weniger werden, daher bin ich auch wenig rentabel für die Medien; aber auch mein Blog „Ich, die Siedlerin“ hat es mit über 153.000 Besuchern zu einer einer bestimmten Popularität geschafft,  hat das Tabuthema von Juden in Judäa und Samaria/Westjordanland der  deutschen Leserschaft nähergebracht und so den Diskurs darüber geöffnet.

Daher sehe ich mich auch verpflichtet, das Folgende zu erwähnen; es geht mir weniger um Janna Jihad, von der ich auch recht müde bin  – wie oft kann man sich ein blondgezopftes Mädel vor wackeliger Kamera anschauen, das jede ihrer Amateuraufnahmen mit dem Ton einer Nachrichtenmoderatorin „Janna Jihad, besetztes Palästina“  abschließt?…

Es geht mir um Susanne Glass.

Und Susanne Glass macht es offenbar nichts aus, ihre politische Gesinnung im Netz mit entsprechenden visuellen Zeichen offenzulegen.

Denn liest man sich den geschriebenen Text ihrer Videoreportage über die Soldaten stoppende Kinder-Reporterin durch, so findet man es schnell heraus, wer geübten Auges hinschaut:

Die Anführungszeichen. 

Nein, es ist nicht das Zitat „Wir haben nichts gegen Juden, wir haben jüdische Freunde“ von Janna, einer Schülerin einer arabischen Mädchenschule in Ramallah, die sicherlich kein einziges jüdisches Kind im Leben getroffen oder gesprochen hat, insbesondere kein Kind ihrer jüdischen Nachbarortschaft. Es ist nicht die Aussage der Mutter Nawal, ihr Vater habe 1968 „wegen Widerstand“ im Gefängnis gesessen – wobei man sich gut vorstellen kann, was das für eine Art Widerstand gewesen sein muss.

Es ist der Name der Ortschaft – Siedlung – Halamish.

Denn obschon seit 1977 existent – geraume Zeit also -, obschon es keinerlei Belangen oder öffentliche Abrissbefehle gegen diese Ortschaft gibt und obschon Susanne Glass im Konflikt zwischen dem Dorf Nabi Saleh und der Gemeinde von Halamish weder das Recht besitzt, bestimmte Positionen einzunehmen, noch notwendiges Hintergrundwissen aufweist – erlaubt sie es sich dennoch.

Und setzt „Halamish“ in Anführungszeichen.

Nabi Saleh, Halamish, Dir Nizzam
Nabi Saleh, Halamish, Dir Nizzam. Google Maps.

Denn was kann es anderes sein, als ein nur in Anführungszeichen existierender Ort, de facto gar nicht existent, da für illegal erklärt, wie jeder Schritt und Tritt eines Juden in Judäa oder Samaria. Die Menschen von Halamish (oder auch Neve Tzuf genannt) leben über 30 Jahre an diesem Ort, mehrere Generationen sind dort aufgewachsen. Halamish ist auf Straßenschildern und auf Google Maps verzeichnet.

Aber Susanne Glass vom ARD-Blog in Tel Aviv macht es nichts aus, diese Menschen in Anführungszeichen zu setzen und ihre Existenz bewusst in Frage zu stellen – gegenüber dem ganz regulär erwähnten Ort Nabi Saleh. Wen interessiert es auch, seit wann Nabi Saleh dort steht, wo es steht; wem das Land gehört, worauf es steht; wer dort gewohnt hat und wer dort wohnen wird. Nabi Saleh als Siedlung zu bezeichnen (eigentlich ein ganz normaler Begriff für einen Wohnort) würde Blasphemie gleichkommen! Genau so, wenn man Halamish als das bezeichnen würde, was es ist – ein Dorf, ein Kleinort.

Aber Halamish ist eben nicht Nabi Saleh. Und die ARD ist eben kein sich um ausgewogene Berichterstattung bemühtes Fernsehen, sondern ist sich mit seiner Agenda ganz im Klaren und fragt dann auch nicht zweimal nach.

 

PS: Susanne Glass wird seit gestern (13..10.16) in guter Gesellschaft sein, denn auch die UNESCO hat in der letzten Resolutionsabstimmung beschlossen, von Anführungszeichen Gebrauch zu machen, und hat gleich den Platz vor der West-/Klagemauer in Jerusalem in solche gesetzt: „Western Wall Plaza“. Der eigentliche Name laut UNESCO 2016 ist also „Al-Buraq Plaza“. Und so wie Susanne Glass den Namen des arabischen Dorfes Nabi Saleh النبي صالح  im Video mehr schlecht als recht aussprechen kann, wird sie sich wohl in Zukunft auch mit Al-Buraq schwer tun.

Dann lieber schon mal üben,  Frau Glass. Anführungszeichen haben es eben in sich.