Islam hat ein Problem

An jenem verhängnisvollen Freitag, dem ersten Julitag, waren der junge Mann aus dem als Flüchtlingslager bekannten Al-Fawar nahe Hevron und seine Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um die überlebenden Mitglieder der Mark-Familie aus Otniel nach dem tödlichen Attentat aus dem zerschossenen Wagen zu zerren. Sein Name und seine herzerwärmende Erklärung zu seiner Tat bekamen ihren Platz in den israelischen Nachrichten und er wurde hochgelobt. Verständlich – er hatte der 15-jährigen Tehila, dem 13-jährigen Pedaya und ihrer Mutter Chava das Leben gerettet, und das, obwohl die Familie Mark als der größte Feind der palästinensischen Araber gilt: sie sind jüdische Siedler. Zum israelischen Channel 1 sagte er noch am Tatort,

Ich will nicht, dass mir jemand Danke sagt. Ich habe es aus menschlichen Gründen getan und für Gott.

Heute hat dieser junge Mann, Islam al-Bayd (Bid) heisst er, ein Problem: Seine Tat hat bei vielen seiner Mitbrüder sowie bei der von ihnen gewählten Regierungsvertretung – der palästinensischen Autonomiebehörde – Unmut erregt, und das gelinde ausgedrückt:

Islam wurde seine Arbeitsstelle, die er bei der PA innehatte, fristlos gekündigt. So vermeldeten es vor wenigen Wochen einige der israelischen Medien, darunter auch Ynet. Darüber ausgesagt haben sowohl der Vorstand der Bezirksverwaltung der Südhevronberge, Yochai

Bezirksvorstand der Region Suedhevron, Yochai Damari (links) und Islam al-Bayd. Quelle: Bezirksverwaltung S.H.
Bezirksvorstand der Region Suedhevron, Yochai Damari (links) und Islam al-Bayd. Quelle: Bezirksverwaltung S.H.

Damari, als auch die Justizministerin Ayelet Shaked. Auf Nachfrage einiger israelischer Reporter handelte es sich bei dem Entlassenen nicht um Dr.Ali Shuruch, dem dritten arabischen Helfer am Tatort, da dieser eine Privatklinik besitzt. Dieser verneinte es auch.

Auf die Veröffentlichung dieser Affäre hin reagierten viele mit Empörung und im Netz kamen Rufe auf, dass dem Helfer, der nun nun den Status eines Helden erhielt, von israelischer Seite zwingend geholfen werden sollte. Derselben Ansicht war auch die Bezirksverwaltung von Südhevron, die führenden Köpfe der Siedlung Otniel und die Ministerin Shaked. Yochai Damari wurde bei Ynet wie folgt zitiert, wobei die Nachrichtenseite auch angab, dass die Umstände der Entlassung nicht gänzlich geklärt seien:

„Darauffolgend (nach der Hilfeleistung, Anm.D.S.) wurde er von seiner Arbeit entlassen. Ich habe mich mit ihm getroffen und er bat mich, ihm dabei zu helfen, ein Arbeitsvisum (in Israel, Anm.D.S.) für ihn zu genehmigen. Ich habe mich in einem Brief an den Verteidigungsminister gewandt und ihn um Mithilfe bei der Erteilung eines Arbeitsvisums für beide (Islam und den Arzt, Anm.D.S.). Ich habe mich mit ihnen getroffen, ich kenne die allgemein bekannten Schwierigkeiten, aber ich bin überzeugt, dass es unsere Pflicht als jüdisches Volk ist, denjenigen Dank zu zollen, die sich wie Menschen verhalten und das, was von ihnen erwartet wird, auch tun.“ (Ynet 08.08.16)

Auch wurde in den Artikeln berichtet, dass Islam und seine Frau Drohungen aus ihrer persönlichen Umgebung bekommen hatten. Islam bat die Journalisten, sein Gesicht nicht öffentlich zu zeigen.

Zwei Dinge lassen sich aus diesem bedauernswerten Inzident, knapp formuliert, lernen: Die Siedler sind den fremden Freunden Freunde. Die palästinensische Autonomiebehörde ist sowohl den Fremden als auch den Eigenen Feind.

 

(Auf Deutsch wurde über dieses Thema nur bei Audiatur Online und Israel Heute berichtet: Audiatur Online Israel Heute )

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10 Kommentare zu “Islam hat ein Problem”

  1. He did not work for the Palestinian Authority, and he was fired for helping settlers who are illegally occupying Palestinian land. Any nation in place of the Palestinians would have done the same thing toward people usurping its land.

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    1. U surp, Issam. The whole of Muslim-Arabic… story is about usurping the land of others. So why would U blame the Jews for living (settling) on „Jewish“ lands? Everbody knows of the Jewish presence in the land for, at least, more than 3000 years.

      People who cry after they lost what they have brutally robbed in the first place don’t deserve any compassion.
      To say it in a mannered way: they -as U, ie.?- could be gentlemen about it and accept the facts instead of acting like misled „childs“.

      The person Islam -as mentioned in the article above- acted like a mentsh. A mentsh, for instance, is a person who is able to do wrong (ie. by doing nothing) but instead did right. Kol ha kawod!

      The person Islam did the right thing – there’s no doubt about it.
      May he and all of his beloved be blessed in his life on earth even though menaced by those who envy and hate the right people. He is blessed for the time after passing away for he did right – for sure. Please mind.

      Shabat shalom lekulam.

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  2. an Uli Zabe
    ob der Islam ein Problem hatt oder so wie er sich heute darstellt das Problem ist, (…)
    Vor der eigenen Haustüre kehren meint nicht das Wühlen in der Geschichte der Christenheit, sondern den Kniefall der Kirche vor dem Islam. Dies geschieht, weil die Kirche unsere mehr als lausige Trennung von Staat und Religion nie verwinden konnten und daher jeden Versuch der Islamverbände die Definitionsmacht über den Islam zu erreichen, Kritk am Islam zu unterbinden, unterstützen.

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  3. Hallo Chaya,
    ich finde das Verhalten von PA und der Nachbarn von Islam entlarvend… (falls das noch nötig war…)
    Friedrich

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  4. Hallo Chaya,
    vielen Dank für Deine Informationen.
    Jedoch glaube ich, dass der Islam mehr als nur ein Problem hat. Alles Menschliche wird ausgeblendet und vernichtet. Das eigene Volk wird bei menschlichem Handeln unterdrückt und verfolgt. Wie können diese Unmenschen behaupten, dass Sie an einen Gott glauben? Kann jemals Vertrauen und gegenseitige Achtung zwischen den Religionen entstehen, wenn rudimentäres menschliches Handeln zum Problem wird? Ich bin entsetzt.

    Dies ist sicher ein Thema das die ARD niemals behandeln wird.

    Alle Gute
    UZ

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    1. an Uli Zabe
      1) Islam ist der Vorname des nunmehr entlassenen arabischen Helfers/Retters.
      2) Ob der Islam als Weltanschauung ein Problem hat oder das Problem ist, sei hier mal dahingestellt.
      Und was die Achtung zwischen den Religionen angeht, da haben wir vor der eigenen Türe genug zu kehren.

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      1. Hallo Eberhard,
        vielen herzlichen Dank für die Erläuterung des Textes. Ich hatte schon den Islam (nicht den Helfer) gemeint, aber bei der eindeutig zweideutigen Überschrift konnte ich nicht an mich halten. Zu Deiner 2. Bemerkung kann man Bände füllen, aber vor lauter „Kehren vor unseren eigenen Türen“ haben wir sicherlich keine Zeit hierzu.
        Alles Gute
        UZ

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