Archiv der Kategorie: Siedler

NEWS: Terrorattacke in Adam, Yotam Ovadia getötet

Am 26.07, spätabends, ereignete sich ein Terroranschlag in der jüdischen Großsiedlung Adam (Geva Binyamin) in Südsamaria, die neben dem Viertel Pisgat Ze’ev in Jerusalem und nahe der palästinensischen Stadt Ramallah, an der Autobahn 60, liegt. Der Attentäter, ein 17-Jähriger aus dem Dorf Kubar, ebenso in Südsamaria, sprang über den Zaun der Ortschaft und machte sich den Berichten zufolge, mit einem Messer bewaffnet, auf die Suche nach Passanten, die er angreifen konnte. Ihm kam ein 58-jähriger unwissender Einwohner entgegen, den der Terrorist angriff und als Resultat mittelschwer verletzte. Ein weiterer war Yotam Ovadia, 31, der den Terroristen entdeckte und diesen mehrfach angriff und zu überwältigen versuchte, hatte aber keinen Erfolg und wurde mehrmals von Messerstichen getroffen und lebensgefährlich verletzt. Ein weiterer Einwohner, der den Geräuschen auf der Straße folgend hinauskam und meinte, es würde sich um eine Rauferei handeln, wurde leicht verletzt, als er ebenso angegriffen worden war, konnte aber mit der Pistole, die er an sich trug, den Attentäter unschädlich machen. Ein der Attacke beiwohnender Autofahrer fuhr den Täter an, ein weiterer schoss ihn schließlich nieder, sodass dieser noch am Tatort verstarb. (Jpost)

Das am schwersten verletzte Opfer der Attacke, Yotam Ovadia, 31 Jahre alt und Vater von zwei Kindern, wurde ins Hadassah-Hospital evakuiert, allerdings verschlechterte sich der Zustand von Ovadia schnell und er verstarb an seinen Wunden im Krankenhaus.

Der Notfalldienst und die Sicherheitskräfte der Ortschaft, der Polizei und der Armee wurden kurze Zeit nach dem Attentat informiert, gelangten allerdings erst zum Tatort, als der Attentäter schon erschossen worden war. Da es zum Zeitpunkt der Angriffs unbekannt gewesen war, ob sich weitere Terroristen in der Ortschaft befanden, wurden die Einwohner von der Armee angewiesen, sich in ihren Häusern zu verschließen, bis Soldaten jedes Haus nach seinen Einwohnern und ihrem Wohlergehen geprüft hatten.

Der Terrorist selbst gelangte nach Adam mit seinem Auto aus dem Dorf Kubar. Aus demselben Dorf stammte der 19-jährige Attentäter, der vor fast exakt einem Jahr das Massaker an der Familie Solomon  im benachbarten Halamish/Neve Tzuf durchgeführt hatte und mit einem Messer 3 Familienmitglieder (Vater Elad, Tochter Chaya und Sohn Elad Solomon) am Shabbattisch erstochen und zwei weitere verletzt hatte. Er wurde am 15.02 zu viermal lebenslänglich und einer Geldstrafe von 1.8 Millionen Shekel verurteilt. Es ist gut möglich, dass der neue jugendliche Terrorist sich ein Beispiel an dem Attentäter vor einem Jahr genommen hatte und die Attacke am Datum des Attentats vor einem Jahr ausrichten wollte.

In verschiedenen Medien (Jerusalem Post, Ha’aretz) wurde berichtet, dass der Terrorist vor der Attacke in Adam an einem nahegelegenen Beduinendorf vorbeigefahren und den anwesenden Beduinen mitgeteilt habe, er würde Juden angreifen wollen. Diese hätten daraufhin per Telefon den Wachposten der Siedlung informiert, allerdings gelangte die Information zu spät an und der Attentäter war bereits innerhalb des Geländes von Adam.

Nach dem Angriff beschwerten sich die Einwohner von Adam, dass der Sicherheitszaun um die Ortschaft herum nicht genügend schützend sei; so soll er schon über ein Jahrzehnt nicht mehr erneuert worden sein, und würde leicht zu passieren sein, da keine elektronischen Sensoren angebracht seien und daher ein Überqueren des Zauns, wie es der Attentäter getan hatte, nicht zu ermitteln seien. (Soweit mir bekannt ist, besitzt die Mehrheit der von einem Sicherheitszaun beschützten Siedlungen diese Sensoren, die an ein zentrales Warnsystem angeschlossen sind und relevante Berührungen mit Fremdkörpern an die Zentrale vermitteln.)

Yotam Ovadia, der bei der Attacke ermordet worden war, war mit Tali verheiratet und lebte mit ihr und zwei kleinen Söhnen, Harel und Itai, in Adam, ebenso wie seine Eltern. Er war bei der Geldsicherheitsfirma Brinks angestellt und arbeitete dort als Techniker in der Jerusalemer Filiale. Noch am Abend vor seinem Mord, dem Vorabend des „Tages der Liebe“ (der 15. des hebräischen Monats Aw) hatte er seiner Frau bei seinem Heimkommen einen Blumenstrauß und Schokolade gebracht. In einem Video der lokalen Sicherheitskamera, über das die Nachrichtenseite Ynet geschrieben (aber nach Bitte der Familie nicht veröffentlicht hatte), konnte im Nachhinein gesehen werden, dass Yotam Ovadia vom Terroristen angegriffen wurde, sich aber wehren konnte und ihn mehrmals zu überwältigen versuchte, bis er entgültig niedergestochen wurde. Am vergangenen Donnerstag (27.07) wurde er in Jerusalem beigesetzt. Seine Frau, Tal, sprach zu Ynet über ihren Ehemann:

„Er war ein Arbeitsmensch, fair, bescheiden und anständig. Er liebte mich und die Kinder auf eine Art, die ich noch nie gesehen hatte. Alles, was er tat, tat er für uns. Er sorgte immer dafür, dass es allen gut ging. Er dachte an sich immer als letztes. (…) Alles, was ich wollte und worum ich bat, tat er für mich und liebte mich auf eine Weise, die es gar nicht gibt. Er erfüllte mir jeden Traum. Ich sagte ihm immer, ‚du bist der Eine, der Einzige und der Besondere für mich‘.“ (Ynet, 29.07.18)

Der Leiter der Polizeistelle der Binyamin-Region, der den Polizeieinsatz rund um das Attentat leitete, war Eli Ovadia, ein Cousin von Yotam. Erst an Ort und Stelle erfuhr er, dass es sich bei dem Schwerverletzten um seinen Cousin handelte, und zwei Stunden später wurde er von seinem Tod informiert.

„Ich bin dort angekommen und einer der Nachbarn erzählte mir sofort, dass Yotam der Verletzte sein. Es war ein absoluter Schock. Ich explodierte fast innerlich, ich fühlte, als würde mir der Bauch zerreissen. (…) Wie sehr ich auch gedacht habe, dass ich widerstandsfähig bin, wenn es deine Familie ist, dann dreht sich dir der Magen um. Du weißt, dass du auf der Arbeit bist und nicht nach dem Gefühl handeln darfst, aber innerlich tobt es in dir. Ein schwerer Moment.“ (ibid.)

 

(Quellen: Mako, Ynet, Channel 2)

 

 

Advertisements

Rebloggt: Ausflüge nach Samaria und mit Siedlern reden

Habe den Beitrag erst jetzt gefunden und finde ihn sehr informativ und interessant. David Ha’Ivri aus der Ortschaft Tapu’ach in Samaria kenne ich persönlich als einen professionellen und klugen Mann und begeisterten Aktivisten. Bei der Blogger-Tour in Samaria war ich noch nicht gewesen, aber werde es sicherlich noch nachholen.
Hier ist der Erfahrungsbericht der Bloggerin Sheri Oz (israeldiaries.com) vom 28.06.2018 für euch zum Lesen, übersetzt ins Deutsche auf „abseits vom mainstream“ (Herbert).
Das Zitat eines der Veranstalter, David Hermelin, kann ich persönlich unterschreiben, denn es gilt auch für meinen Blog:

„Du kannst nicht beurteilen, ob ich das Recht habe in meinem eigenen Land zu leben. Mich kümmert es wirklich nicht, was du von mir denkst und ich werde nicht versuchen dich von irgendetwas zu überzeugen. Aber wenn du wissen willst, wie meine Erfahrungen aussehen, dann werde ich sie gerne mit dir diskutieren.“

abseits vom mainstream - heplev

Sheri Oz, Israel Diaries, 28. Juni 2018

Was würden Sie erwarten auf einer Tour durch Samaria zu sehen? Was würden Sie erwarten, wie Siedler sind?

Eine ganz kleines Bisschen Hintergrund

Samaria ist der klassische Name der Region, der auf den Namen dessen gründet, was einst eine Hauptstadt des nördlichen Königreichs Israel war. Der hebräische Name lautet „Schomron“. Nach der jordanischen Besatzung der Region westlich des Jordan ab 1948 wurde sie unter dem Namen „Westbank“ subsummiert. International und leider auch in Israel ist das der für die Region am häufigsten verwendete Name, während mit der Zeit immer mehr Israelis sie Judäa und Samaria oder Yehuda we-Schomron nennen.

Im Krieg von 1967 gewann Israel die Kontrolle über Judäa und Samaria (J&S) zurück, gab aber einiges davon ab, als es die Olso-Vereinbarungen mit der PLO unterschrieb, eine Vereinbarung, die zur Schaffung der palästinensischen Autonomiebehörde führte. Es wird heute so eine Art Krieg um…

Ursprünglichen Post anzeigen 1.454 weitere Wörter

Das Hallel-Ensemble – Frauen von Samaria singen

Aufmerksam geworden bin ich auf sie durch eine-Cover-Interpretation vom Lied „Mode Ani“ (Ich danke Dir) des bekannten israelischen Popsängers Omer Adam. Eine zarte, mehrstimmige women-only Version, gesungen von Frauen in bunten Kopftüchern nach national-religiöser Art, im Hintergrund des Videoclips atemberaubende Aufnahmen der Berge von Samaria. Ich dachte an eine einmalige Performance von einer Frauengruppe speziell für dieses Lied, aber es stellte sich heraus, dass es sich um ein schon 11 Jahre lang aktives Ensemble von Sängerinnen aus der ganzen Samaria-Region handelt .

Das Logo von „Hallel“

Das Ensemble trägt den Namen „Hallel“ (Lobpreisung, der Name eines Gebets an Feiertagen und Neumonaten) und besteht nur aus Frauen aus der Region Samarias. 15 Frauen singen im Ensemble, das von Meyrav Brenner geleitet wird und nur vor einem weiblichen Publikum auftritt (allerdings können ihre Lieder auch über Youtube angehört werden). Sie existieren schon seit 2007 und haben bisher zwei Alben hervorgebracht, das erste („Zu Dir bete ich“) in 2008 und das zweite („Hallel mit Kaffee und Kuchen“) in 2012. Das Repertoire besteht aus original komponierten Liedern und neu aufgenommenen Variationen zu schon existierenden Liedern anderer Interpreten bzw. traditionellen Gesangsstücken, beispielsweise aus der Liturgie. Unterstützt wird das Ensemble-Projekt durch die Regionalverwaltung Samarias und deren Freizeitzentrum. Einmal pro Woche treffen sich die Sängerinnen, um zu üben.

 

Meyrav Brenner. Foto: Facebook

Meyrav Brenner, die Leiterin des Ensembles, ist selbst Komponistin und Sängerin, und ist als Leiterin von Musikprojekten an einer religiösen Schule für Jungen, die nicht in reguläre schulische Einrichtungen zugelassen wurden. Sie lebt in der Siedlung Har Bracha nahe Schchem/Nablus. Die anderen Ensemblemitglieder – allesamt verheiratete Frauen – sind teilweise berufstätig (so ist eine Sängerin auch selbstständige Kosmetikerin, eine andere leitet das Büro des Direktoriums der Partei „Jüdisches Heim“, und eine dritte ist parallel auch selbstständige Schauspielerin) und teilweise Hausfrauen. Ihre Webseite (leider nur in Hebräisch) hat Verweise zu einigen der Lieder, auf einer anderen Webseite, die Frauengesang gewidmet ist, lassen sich (fast) alle Titel des letzten Albums mit Liedtext und Video finden. Wie gesagt, sind alle Lieder auch auf Youtube anseh- und anhörbar.  Die „Hallel“-Sängerinnen

Foto: Facebook

treten bei verschiedenen Veranstaltungen auf – auf Kongressen, Abschlussfeiern von Schulen oder Vortragsabenden und haben auch eigene Gesangsabende, all das nicht nur in Samaria, sondern im ganzen Land.

Die Entscheidung, entsprechend dem jüdischen Gesetz nur vor und für Frauen zu singen, erklärte die Chorleiterin Brenner in einem Interview Anfang 2013 so:

„Wir sind in es hineingeboren,die Halacha [das jüdische Gesetz, Anm.DS] ist ein Teil von uns, und so hatten wir auch niemals Zweifel gehabt. Wir sind ein Frauenensemble, das für Frauen singt. Von Anfang an haben wir das Ensemble ins Leben gerufen, um für Frauen zu singen. Es liegt etwas Besonderes in einem Auftritt von Frauen vor Frauen. Es ist schwer, es zu charakterisieren, aber die Atmosphäre ist anders, die Selbstmitteilung und das Gefühl von Befreiung, wenn Frauen miteinander singen – es ist eine ganz andere Form von Stärke.“


Hier habe ich euch zwei Videos verlinkt, das erste davon „Moda Ani/Ich danke Dir“ mit einem wunderschönen Videoclip, der die samarischen Berge in all ihrer Pracht zeigt; das zweite ist von einem gemeinsamen Gesangsevent des Ensembles mit jungen Mädchen und Frauen aus ganz Samaria mit dem Lied „Mashehu Hadash Matchil/Etwas Neues beginnt“ – auch hier ein schön arrangierter Videoclip, in dem die ganze Vielfalt der jüdischen Einwohnerinnen der Region zur Geltung kommt.  Hier findet ihr die Übersetzungen der beiden Liedtexte. Weitere Lieder kann man sich auf dem Videokanal von Meyrav Brenner auf Youtube anhören. Viel Vergnügen!

„Moda Ani/Ich danke Dir“

 

„Mashehu Hadash Matchil/Etwas Neues beginnt“

 

 

DPA’s Berichtedeutsch

Nicht, dass es uns etwas Neues ist. Deutsche Medien und jüdische „Siedler“ sind sich spinnefeind wie die meisten Hunde und Katzen, und die „Siedler“ ziehen bei dem ungleichen Aufeinandertreffen regelmäßig den Kürzeren. Ich muss wohl kaum an meinen Beitrag von vor fast 3 Jahren erinnern, in dem ich drastische Beispiele der deutschen Medienwortwahl bezüglich Juden in Judäa und Samaria angeführt habe. Inzwischen hat sich nicht viel verändert. Und obschon es nichts Neues ist, wollte ich mal wieder ein Goldstück aus der deutschen Presse vorlegen und es etwas „nachkorrigieren“ – diesmal aus der offiziellen deutschen Presseagentur, der DPA (Merkur vom 12.06.18) :


Israel räumt Kleinsiedlung im Westjordanland

(Heißt Judäa und Samaria, aber das ist leider noch immer der offizielle Name. Kann man nicht viel machen.)

Israelische Sicherheitskräfte haben am Dienstag mit der Räumung eines illegalen Siedlungsaußenpostens im Westjordanland begonnen.

Tel Aviv (warum eigentlich Tel Aviv? Das Ganze lief in Gush Etzion ab-konnte sich der Korrespondent nicht hinbemühen, sondern berichtete über etwas aus dutzend Kilometer Entfernung?) –

Israelische Sicherheitskräfte haben am Dienstag mit der Räumung eines illegalen Siedlungsaußenpostens im Westjordanland begonnen. Polizisten seien dabei, 15 Häuser in der Kleinsiedlung Netiv Ha-Avot zu räumen, teilte ein Polizeisprecher mit. Das Höchste Gericht (offizieller Begriff: Oberstes Gericht. Umgangssprache)  hatte die Zerstörung der Häuser in dem Außenposten in der Nähe der Palästinenserstadt Bethlehem angeordnet. (Palästinenserstadt? Entweder „palästinensische Stadt“ oder „Stadt im Westjordanland“, oder einfach „Stadt“, es heißt schließlich noch immer nicht „Judenstadt Tel Aviv“, oder?)

Nach Medienberichten kam es bei der Räumung zu Konfrontationen zwischen israelischen Jugendlichen und Polizisten. Am Montagabend hatten rund 2000 Menschen in der 2001 errichteten Kleinsiedlung gegen die Evakuierung demonstriert. Die Polizei sei im Gespräch mit der Siedlerführung (na wenigstens nicht Siedlerführer), um unnötige Reibungen zu verhindern, teilte ein Sprecher mit.

Alle Siedlungen völkerrechtlich illegal

Rund 600 000 Israelis leben in mehr als 200 Siedlungen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem. Israel unterscheidet zwischen Siedlungen, die mit Genehmigung der Regierung entstanden, und wilden Außenposten (also, meine Gemeinde hat zwar noch keine Baugenehmigung, aber wild ist bei uns keiner), die per Gesetz rückwirkend legalisiert werden sollen. (Das Gesetz existiert noch nicht. Wie man sieht, werden sie eher abgerissen.) Aus internationaler Sicht sind dagegen alle Siedlungen illegal. Der UN-Sicherheitsrat hatte Israel im Dezember 2016 zu einem vollständigen Siedlungsstopp in den besetzten Palästinensergebieten einschließlich Ost-Jerusalems aufgefordert. (Es sind keine offiziellen Palästinensergebiete. Es wird in den C-Gebieten unter offizieller israelischer VErwaltung entsprechend den Oslo-Abkommen gebaut. Ostjerusalem ist kein „Palästinensergebiet“, nie gewesen.)

Der israelische Erziehungsminister und Vorsitzende der ultra-rechten Siedlerpartei (erstens ist sie nicht ultra-recht; die ultra-rechte „Jüdische Stärke“ ist bei den Wahlen nicht durchgekommen; zweitens ist sie keine absolute „Siedlerpartei“, drittens hat sie einen Namen – „Jüdisches Heim“), Naftali Bennett, kritisierte die Gerichtsentscheidung zur Räumung des Außenpostens bei der Demonstration am Montagabend als „absurd“, wie die „Times of Israel“ berichtete. Justizministerin Ajelet Schaked, ebenfalls von der Siedlerpartei (offenbar ihr offizieller Name laut dpa), kündigte bei der Veranstaltung eine Legalisierung aller Außenposten im Westjordanland an. (Sie kann sie nicht ankündigen, da das Gesetz nicht vorliegt und nicht durchgesetzt wurde. Sie kann sich höchstens dafür aussprechen.)

dpa


So viel zur Qualität deutscher Medien. Dabei waren die meisten meiner Korrekturen absolut sachlich und nicht ideologisch bedingt.

Eine Nacht und 169 Weinpflanzen sind dahin

Landwirtschaftlicher Terror ist momentan hoch im Kurs, wie meine Leser/-innen spätestens seit den letzten Beiträgen zum Thema wissen.  Da werden an die 1000 Weinpflanzen auf einem jüdischen Feld in Samaria abgeschnitten, 400 Weinpflanzen eines arabischen Farmers bei Hevron abgeschnitten, ein arabisches Weizenfeld verbrannt, 150 von Juden gepflegte Weinpflanzen im Jordantal zugrunde gerichtet; Kfar Etzions Kirschen leideten wochenlang unter brennenden Reifen und Massendiebstählen, bis sogar der sonst kulturell offene und für Zusammenleben plädierende Direktor der Feldschule des Kibbutzes, Jaron Rosenthal, in einem wütenden Facebook-Post zu einem Boykott der in der Gegend von palästinensischen Händlern verkauften Kirschen aufrief, da diese möglicherweise gestohlen sein könnten.

Mich schmerzen diese Angriffe, die immer wieder auf Kosten unschuldiger Natur und Menschen und deren Einkommen irgendeine fiese und nichtsnützige „nationale Botschaft“ vermitteln möchten, sehr. Und es schmerzt mich auch besonders, wenn dies aus unseren Reihen geschieht, denn Vandalismus, erst recht nationalistisch begründeter Vandalismus, war und ist niemals Teil der zionistischen Ideologie gewesen und ist im Judentum (und auch im Islam, aber für den bin ich nicht zuständig) verboten. Die Attacken nützen niemandem etwas, und sorgen immer wieder international für böse Schlagzeilen, die sich gegen „die Siedler“ im Allgemeinen wenden.

Am 28.Mai habe ich über unseren Nachbarn Salah Shahin berichtet, dem von offenbar jüdischen Extremisten insgesamt 60 Weinpflanzen und Aprikosenbäume abgeholzt worden waren. Damals war ich mit einer kleineren Gruppe bei einem Solidaritätsbesuch dabei gewesen.

Am 14.06 aber stellte sich der Schaden als relativ „erträglich“ heraus – im Vergleich zu den 169 Weinpflanzen und einem Olivenbaum, die in der Morgenfrühe auf zwei Feldern des Bauern Abu Jamil aus dem

Alle erwähnten Orte auf der Karte

arabischen Dorf Hirbet Zakaria neben dem Kibbutz Rosh Tzurim entdeckt wurden! Die Schande hatte offenbar im Kontext mit der am vorherigen Tag durchgeführten und kollektiv als sehr schmerzhaft empfundenen Räumung und dem Abriss des Viertels Netiv Avot bei Elazar gestanden. Elazar liegt direkt gegenüber dem besagten Dorf, und in der Nacht auf den nächsten Tag wurden die Felder verwüstet. Bei der Räumung hatten hinzugekommene Jugendliche nicht gerade ruhigen Widerstand geleistet und könnten theoretisch zum Profil der Täter passen.

Ich erfuhr darüber von einem guten Freund, Myron Joshua aus dem Kibbutz Kfar Etzion, der sich viel für das Zusammenleben von Juden und Arabern engagiert und gut mit dem Dorfvorsteher von Hirbet Zakaria befreundet ist, und war entsetzt. Bei solchen Fällen handelt es sich um Schaden von vielen tausenden von Schekeln, die in den meisten Fällen das einzige Einkommen des betroffenen Bauern über Jahre hinweg darstellen. Über die Organisation „Roots“ hatte sich für den kommenden Sonntag schnell eine Solidaritätsgruppe organisiert. Noch am selben Tag wurde mir berichtet, dass der Vorsitzende des Regionalbezirkes, Shlomo Ne’eman, zusammen mit dem Colonel (Brigadiergeneral) der lokal stationierten Armeebrigade, Abu Jamil besucht hatte. Ein gutes Zeichen, dachte ich mir. Die Tat wird von offizieller Stelle ernstgenommen. Es ist leider nicht immer so der Fall.

Am Sonntag (17.06) waren wir, eine kleine Gruppe von Leuten aus Teko’a, Bat Ayin, Alon Shvut, Efrat, Elazar und Kfar Etzion, im Dorf und sprachen mit dem Dorfvorsteher und Abu Jamil, einem älteren, kein Hebräisch sprechenden Mann, der mit seiner Frau vor seinem Haus saß, und bekundeten ihm unser Beileid. Es war wie angenommen – das Einkommen für mehrere Jahre war dahin. Hadassah Fruman, die Witwe des bekannten „Friedensrabbis“ Menachem Fruman sel.A. aus Teko’a, hielt eine hoffnungsvolle

Bei Abu Jamil. Foto: Andye Friedman

glaubensbezogene Rede, anschließend fuhren wir mit mehreren Fahrzeugen hinunter zum Feld und mussten schließlich hinunterklettern, das die Fahrzeuge den steilen Weg nicht erklommen hätten.

Die toten Weinstöcke konnte man leicht erkennen – inmitten des saftigen Grüns waren diese traurig graubraun und trocken. Auch der junge Baum in deren Mitte hatte Pech gehabt. Der Dorfvorsteher, der mit uns gekommen war, Abu Ibrahim, zeigte uns auf die Stämme der Pflanzen – sie waren nicht mit einer einfachen Säge, sondern mit einer Elektrosäge abgeholzt worden. Etwas weiter lagen zahlreiche Früchte um einen Apfelbaum herum – den abzuholzen war wohl zu schwer, also schüttelten ihn die Unbekannten, sodass die Früchte hinunterfielen. Eine Terasse tiefer gab es denselben traurigen Anblick der vertrockneten Weinpflanzen.

Abu Ibrahim erzählte uns, wie die (beduinischen) Spurenleser der Armee am vergangenen Donnerstag die zu der Zeit noch grünen Weinpflanzen ermittelt hatten und wie sie herausgefunden hatten, aus welcher Richtung und wie die Täter gekommen waren – sie kamen mit einem kleinen Traktor angefahren. Eine auf dem Hügel oben stationierte Überwachungskamera hätte verdächtige Bewegungen gesehen – aber niemand kam, um nachzusehen.

An einer Felswand fanden wir schließlich die „Unterschrift“ der Täter, die mit schwarzem Graffiti-Spray geschrieben hatten: „Genug des landwirtschaftlichen Terrors“. Wie ironisch.

„Genug des landwirtschaftlichen Terrors“

Nach dem deprimierenden Besuch ereiferten sich einige, darunter ein Teenager aus Elazar, man solle dem Bauern bestmöglich helfen – mit Freiwilligen aus „Roots“, die neue Weinstöcke anlegen würden, oder finanzielle Hilfe anbieten. Noch ohne konkret etwas zu planen, fuhren wir heim, mich brachte das Paar Yifat und Avraham aus Efrat nach Hause.

Später am Tag kamen auch einige Rabbiner ins Dorf, darunter der Rabbiner des benachbarten Kibbutzes Rosh Tzurim Mordechai Vardi, um Solidarität zu zeigen – ein ehrenvolles Zeichen von unmittelbaren Nachbarn und Würdenträgern.

Abu Ibrahim meinte, der Besuch wäre für Abu Jamil wichtig gewesen. Auch für mich war er wichtig und richtig, auch wenn die absolute Mehrheit unserer Einwohner in Gush Etzion, Judäa und ganz Judäa und Samaria nichts mit diesen Taten zu tun hat und diese auch nicht propagiert.

Ach, wenn doch mal die Gegenseite uns nach einem wiederholten Vandalismusvorfall oder Diebstahl besuchen würde…

Schild und Segen

Heute beginnt der 4-tägige muslimische Feiertag E’id al-Fitr, der auf das 30-tägige Ramadan-Fasten folgt. Die arabisch-muslimische Bevölkerung von Judäa und Samara ist in Feiertagsmodus – in den Dörfern und Städten im ganzen Gebiet; palästinensische Arbeiter bekommen (manche noch bis Sonntag) freigestellt.

Das „Forum für gute Nachbarschaft“, eine Gruppe von einzelnen jüdischen Einwohnern aus Samaria und Judäa, hat den Vorstehenden der Regionalverwaltung die Initiative vorgelegt, den Segensschilder zum Feiertag auf Arabisch und Hebräisch auf den Schnellstrassen aufzustellen. Vor einem Jahr hatte der Vorschlag kein Interesse gefunden, in diesem Jahr sprach eins der Forumsmitglieder, Jacky Fried, den Regionalvorstehenden von Binyamin (Südsamaria), Avi Roeh, an, und dieser erklärte sich bereit, die Veröffentlichung zu übernehmen – auch nachdem andere Verwaltungsmitglieder dafür abgestimmt hatten. Das Schild wurde in den letzten Tagen auf einer Schnellstrasse im Binyamin-Gebiet aufgestellt. Es hat kein offizielles Verwaltungslogo („Das war offenbar schon zuviel“, so Fried), aber dennoch die angenehme Botschaft:

„Segenswünsche des ‚Forums für gute Nachbarschaft in Binyamin‘ an unsere muslimischen Nachbarn zum E’id al-Fitr-Feiertag“

Segenswunsch zum E’id al-Fitr Feiertag in Binyamin. Foto: Jacky Fried

 

Vielleicht werden weitere die Initiative aufgreifen, wenn in einigen Monaten das Opferfest E’id al-Adha stattfindet, meinte Jacky Fried. Wir lassen uns überraschen.

 

 

NEWS: Die Netiv Avot-Saga: Heute wird geräumt

Heute wird der als illegal eingestufte Aussenposten/das Viertel der Ortschaft Elazar im Gush Etzion geraeumt. 15 Haeuser, die als illegal gebaut und teilweise auf fremdem Land errichtet (so entschied es nach ueber einem Jahrzehnt von Verhandlungen der Oberste Gerichtshof, nachdem mehrere Klagen seitens der

Straße in Netiv Avot. Quelle: Ynet

linksaussen-Organisation „Peace Now“ und einigen arabischen Klaegern eingereicht wurden) erklaert wurden, werden heute abgerissen. Die Einwohner bekommen fuer ungefaehr die naechsten 2 Jahre sogenannte „Karavillot“ (etwa mehr als doppelt so gross wie ein Karavann aus Leichtmaterial angefertigte Baustrukturen) bereitgestellt. Diese wurden auf zuvor als fuer Bau legitimen Grundstueck errichtet – es befindet sich direkt gegenueber unserem Huegel und in den letzten Wochen wurden dort intensive Bauarbeiten durchgefuehrt, sogar am Shabat, um sie zum Raeumungszeitpunkt fertigzustellen. Ich weiss nicht, ob das ehemalige Grundstueck durch rechtliche Bemuehungen zum legitimen Staatsgrundstueck erklaert werden wird, aber in den kommenden Jahren sollen 350 neue Wohnungen auf anderen Grundstuecken von Elazar errichtet werden. Auch werden die geraeumten Einwohner von der Regierung mit bis zu 500.000 Shekel kompensiert. Ob und wer hier etwas bei dem ganzen Konflikt gewonnen hat, entscheide jeder selber.

Gestern abend (11.06) hatte es eine grosse Zusammenkunft in Netiv Avot gegeben, mit Tausenden von Teilnehmern, vielen Jugendlichen, Rabbinern, dem Regionalvorstand von Gush Etzion Shlomo Ne’eman und den Ministern Naftali Bennet und Ayelet Shaked, die die Raeumung als „unlogisch“ und „absurd“ bezeichneten:

„Eines der Maedchen hier hatte mich gefragt, ‚warum?‘ Ich wusste nicht, was ich ihr sagen sollte. Es gibt keine Antwort, keinen Grund und keine Logik. Manchmal ist der Oberste Gerichtshof enorm aktivistisch, wenn es um Menschenrechte geht, aber wenn es um die Rechte der Bewohner hier handelt, wird er ploetzlich passiv.“ (Naftali Bennett, Ynet 11.06.18)

Heute hatte es ein Massengebet um 7.30 Uhr gegeben, danach begann die Raeumung der Einwohner. Die Gegend um das Viertel herum wurde hermetisch abgeriegelt; wer noch zur Unterstuetzung oder Widerstand dazukommen wollte, wurde nicht mehr durchgelassen. An der Einfahrt zu Elazar selbst gab es ein grosses Polizeiaufgebot, das einen langen Stau verursachte. Jeder, der hineinfahren wollte, wurde nach seinen Papieren gefragt. Zahlreiche Grenzzschutzkraefte (Magav-Einheit), die solche Raeumungen im Allgemeinen durchfuehren, mussten mit den Anwesenden verhandeln und die Einwohner bei der Raeumung begleiten sowie das Gebiet absichern. Jugendliche eher radikaler Natur, die zu passivem Widerstand und zu einer „ruhigen Raeumung“, zu der sich die Nativ Avot-Einwohner selbst verpflichtet hatten, nicht bereit waren, begannen, sich mit den Sicherheitskraeften ausseinanderzusetzen und zuendeten sogar Autoreifen. Andere eroeffneten Gesangsrunden trauriger Natur.

Auch Politiker wie der Landwirtschaftsminister Uri Ariel, Bezalel Smotritch und der stellvertretende Minister Michael Oren kamen, um gegen die Raeumung zu protestieren.

„Ich bekunde meine Trauer und meine Solidaritaet mit den Ausgewiesenen aus Netiv Avot, ihr seid Teil der Besten unseres Volkes. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, ganze Haeuser zu zerstoeren, die nur gaenzlich teilweise auf nicht israelischem Gebiet errichtet worden waren, zeigt erneut auf die Kluft zwischen dem Gerichtshof und der israelischen Wirklichkeit. Ich rufe erneut dazu auf, eine sofortige Reform in der Methode der Wahl der Richter zum Obersten Gerichtshof einzuleiten, sodass sie die oeffentliche Meinung in Israel repraesentieren koennen.“ (Michael Oren, Kipa, 12.06.18)

Bildergalerie von heute Morgen:

 

(Quellen: Ynet, Kipa, Channel 7)