Yom Kippur kann beginnen

Heute abend beginnt der höchste jüdische Feier- und Fastentag – Yom Kippur, oder der Buß (kippur) tag (yom) (auch Versöhnungstag genannt). Es ist ein Feier- und gleichzeitig auch Fastentag aus der Tora (3.Buch Moses, Kap.23), an dem man verschiedene Arbeits- und Genussverbote beachten muss, um zu fasten, Gott um Vergebung und Erbarmen für die eigenen Fehler und Taten zu bitten und ebenso darum, das neue Jahr (das 10 Tage zuvor beginnt) in Reinheit und von Sünden erleichtert zu beginnen. Diesem Tag der Buße und Reue und Bitte (ich nehme an, der christliche Buß- und Bettag hat in Yom Kippur seinen Ursprung) wird der hebräische Monat Elul, einen Monat vor Neujahr (Rosh Hashana), vorangestellt, der als eine Zeit der Umkehr, der persönlichen Bilanz und der Vorbereitung für die Hohen Feiertag – Neujahr und Versöhnungstag gilt. Je nach Brauch der jeweiligen Gemeinden, nach Herkunft unterteilt, werden entweder vom Beginn des Monats Elul an oder ab der letzten Woche spezielle Gebete und Gesänge aus der Liturgie gesprochen, um Mitternacht oder vor Sonnenaufgang, im Bethaus. Die ashkenasischen (europäischen) Juden beginnen diese Mitternachtsgebete in der letzten Woche vor Jahresbeginn,  die sephardischen (aus dem Mittelmeerraum stammenden) und orientalischen Juden beginnen damit gleich zu Beginn des Monats. Nach allen Riten werden diese Gebete mit speziellen Zusätzen in den 10 Tagen zwischen Rosh Hashana und Yom Kippur gesagt. Diese gelten als eine besondere Gelegenheit zur Selbstreinigung und Vorbereitung und heißen „die Zehn Tage der Rückkehr“.

Diese Gebete und Bitten um Vergebung (Slikhót, vom Wort slikhá, Vergebung) haben wunderschöne Melodien und sehr tiefgehende Texte und werden dabei auch vom Blasen des Shofars, des Widderhorns, das an den Hohen Feiertagen geblasen wird, begleitet.

Der Gebetsraum der sephardischen Synagoge in Alon Shvut, Gush Etzion.

Mehr über Yom Kippur und seine Traditionen kann man hier nachlesen , dort ist es sehr schön erklärt. Was die Slikhot angeht, so habe ich vom letzten Tag, in der vergangenen Nacht, einige Momente in der sephardischen Synagoge von Alon Shvut aufgenommen, natürlich, um die Betenden so gut wie möglich nicht zu stören, daher nur kurz.

Die Hauptbitte an Yom Kippur ist es, in das sogenannte „Buch des Lebens“ eingetragen und besiegelt zu werden, das bedeutet, ein weiteres Jahr zum Leben und zum Handeln zu bekommen, das von Gott gesegnet sein solle. Dabei gilt das nicht nur für Juden, sondern um diese Jahreszeit wird über die gesamte Menschheit gerichtet und eingetragen, wer weiteres Leben und Segen erhält, und wer nicht.

Ich wünsche euch und uns allen einen erfolgreichen Eintrag und eine Besiegelung im Buch des Lebens!

 

Eure Chaya

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Neues Jahr 5779 – neue Anfänge

Liebe Freunde und Follower,

das Neue Jahr (Rosh Hashana 5779) steht schon ganz vor der Tür und will auch hinein, und ich bin Gott sei Dank wohlauf daheim in Israel und in Gush Etzion angekommen, voller neuer Erfahrungen und willkommener Erinnerungen an die Gastfreundschaft all meiner GastgeberInnen während dieser spannenden (und meiner ersten!) Vortragsreise im Rahmen meines Blogs DieSiedlerin.net.

Ich habe mich überaus gefreut, viele wunderbare neue Menschen kennenzulernen, und werde dies mit Freuden in das nächste Jahr mit hineinnehmen. Ich hoffe sehr, dass das nächste Jahr uns Frieden und Gesundheit und Zufriedenheit bringt, viel Kraft für neue Ideen und Pläne und Inspiration für gute Taten!

Shana tova, mögen wir alle ins Buch des Lebens eingeschrieben werden!

In Freundschaft,
Chaya

Schild und Segen 2

(Leider verspätet, da ich recht beschäftigt bin aufgrund der Vortragsreise)

Im Juni habe ich über die Initiative des „Forums für gute Nachbarschaft“, einer Gruppe von einzelnen jüdischen Einwohnern und Aktivisten aus Samaria und Judäa, zum muslimischen Feiertag E’id al-Fitr berichtet, die darin bestand, ein Poster mit Segenswünschen zum Feiertag auf Hebräisch und Arabisch auf einer der Autobahnen der Region aufzuhängen, um damit Interesse und Achtung vor der lokalen muslimischen Bevölkerung zu demonstrieren. Damals hatte einer der Mitglieder der Gruppe, Jacky Fried, die Hoffnung geäußert, dass auch zum nächsten Feiertag, E’id al-Adha (Opferfest), solche Poster aufgehängt werden könnten.

Genau das geschah auch, als das Opferfest seinen Anfang am 22.08 nahm. Mehrere großflächige Poster wurden gedruckt, und einige Mitglieder der Gruppe machten sich auf, diese an einem sichtbaren Ort aufzuhängen; darunter war auch die von palästinensischen Autos viel befahrene Kreuzung bei der israelischen Ortschaft Adam, in der sich am 27.07 ein Terroranschlag mit einem Toten ereignet hatte. Andere Poster wurden in Gush Etzion, in der Region von Südsamaria und im Jordantal aufgehangen. Den Berichten zufolge wurden sie nicht abgehängt. Während die Gruppenmitglieder die Poster aufhingen, wurden sie von einigen palästinensischen Fahrern im Vorbeifahren durch Hupen ermuntert.

Das Segensposter

„An unsere muslimischen Nachbarn anlässlich des gesegneten E’id al-Adha-Festes, wünschen wir euch ein frohes Fest und ein gesegnetes Jahr. Die israelischen Einwohner der Region – Forum für gute Nachbarschaft“

Solche Initiativen sind immer schön und machen hoffnungsvoll, obwohl niemand wirklich weiss, wie sie beim Zielpublikum ankommen. Viele Teile der palästinensischen Gesellschaft sind leider stark von der Anti-Normalisierungsideologe, die sich gegen nachbarschaftliche Beziehungen mit den „Siedlern“, beeinflusst; andere fassen es als Scheinheiligkeit dar, weil trotz der guten Wünsche der „eigentliche Grund“ für die Situation in der „Besatzung“ durch Israel liege und der größte Wunsch der Palästinenser wäre, dass Israel die Besatzung beenden und verschwinden möge.

Aber es gibt auch andere Meinungen, und ich bin sicher, viele wurden von der Botschaft angenehm überrascht.

Stolpersteine mit Judenhass

Nathan Warschawski und seine Gedanken vor dem Besuch meines Vortrags, mit denen ich mich durchaus identifizieren kann.

Numeri 24:9

Köln ist eine große und laute Stadt. Hier findet das Herz alles, was es begehrt, und was Ohren und Augen ablehnen. Die Kölner Innenstadt ist größer als manch eingebildete Provinzstadt. Nichtsdestotrotz fahre ich hin, da die Siedlerin Chaya Tal aus Israel einen Vortrag halten wird. Die Einladung erhalte ich per Internet über einen guten Freund. Lediglich eine Telefonnummer wird angegeben. Ich rufe sie an und erfahre die Adresse und den Zeitpunkt des Ereignisses in Köln. Warum die Heimlichtuerei? Man befürchtet Krawalle, wenn Judenhasser und Israelkritiker erfahren, dass die Siedlerin kommt.

Der Vortrag findet im Zentrum Kölns statt. Die Straßen sind belebt und relativ sauber. In den Gehwegen sind viele kleine Pflastersteine eingelassen, die einigen Straßendreck abbekommen haben. Es handelt sich um künstlerisch wertvolle Stolpersteine (120 € das Stückchen), die die Fußgänger darauf aufmerksam machen, dass hier einst Juden gewohnt haben, die vor langer, langer Zeit vertrieben oder umgebracht worden sind.

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VORTRAGSREISE: Termine

Liebe Leserinnen und Leser!

Wie schon angekündigt, veröffentliche ich hier die Daten und Orte, die ich während meiner Vortragsreise vom 12. August bis zum 05.September 2018 besuchen werde. Nicht jede Veranstaltung kann man besuchen, da sie im offiziellen6 Rahmen stattfindet, bei den meisten kann man sich allerdings im Voraus anmelden oder einfach kommen. Ich werde die Kontaktdaten der Veranstalter/-innen, wenn nötig, angeben.

Der Terminkalender ist auch auf der Menüseite Aktuelles zu finden, incl. Updates von der Reise selbst.


  • 17.-19.08: Heppenheim. Panel-Teilnahme und Vortrag im Rahmen des Seminars „Kleines Land, große Konflikte: Zum aktuellen Stand des israelisch-palästinensischen Verhältnisses“, organisiert von der „Akademie für politische und soziale Bildung des Bistums Mainz in Heppenheim“, unterstützt von der Bundeszentrale für politische Bildung.. Adresse: Haus am Maiberg, Ernst-Ludwig-Str. 19, 64646 Heppenheim. Kontaktperson: Titus Möllenbeck (t.moellenbeck AT haus-am-maiberg.de, 06252-9306-12). Keine Anmeldung mehr möglich!
  • 23.08: Köln. Uhrzeit: ab 19 Uhr. Für Ort und weitere Details: bitte 0160-93778778 kontaktieren.
  • 26.08: Hamburg. Adresse: Veranstaltungsraum der Ebenezer-Stiftung, Messberg1 (Innenstadt), 20095 Hamburg. Uhrzeit: ab 17 Uhr. Ohne Anmeldung. Link zum Flyer Kontaktperson: Michael Dierks: 01638369581, über Facebook
  • 27.08: Hannover. Adresse: Stadtteilzentrum Lister Turm, Walderseestr. 100, Hannover. Uhrzeit: 18 Uhr. Kontaktperson: Jörg Haller, 01748641572. Keine Anmeldung nötig.

  • 28.08: Bergisch Gladbach. Adresse: Ganey Tikva Verein e.V. ,
    Räume der Firma TAT Trainingsseminare, Vürfels 58, 51427 Bergisch Gladbach-Refrath. Uhrzeit: 19.30 Uhr. Kontaktperson: Petra Hemming, Vereinsvorsitzende: 0170 3555 968. Anmeldung erwünscht.
  • 02.09: Öhringen. Adresse: SV – Gemeinde Öhringen, Weygangstraße 31. Uhrzeit: ab 16 Uhr. Kontaktperson: Georg Ehrle, sugehrle (at) online.de. Anmeldung erwüscht.

  • 04.09: Fislisbach (Schweiz). Adresse: Kirchgemeindezentrum der reformierten Kirchgemeinde Fislisbach, Feldstr. 6, 5442 Fislisbach. Uhrzeit: 20 Uhr. Kontaktperson: Roland Stangl (roland.stangl AT bluewin.ch)
  • ABGESCHLOSSEN

    Die Liste wird je nach Veränderungen aktualisiert.

    Die Siedlerin in Köln

    Gerd Buurmann von „tapfer im nirgendwo“ und wohl der tapferste Kölner, den ich kenne, hat schon im Voraus die Veranstaltung mit mir am 23.08 in meiner Zweitheimatstadt Köln geteilt, dafür einen Riesendank! Wie erwähnt, werde ich um 19 Uhr in Köln einen Vortrag/ein Gespräch halten, organisiert von Tal Kaizmann vom JNF Köln, und lade euch, die kommen können, gerne dazu ein. Anmelden und weitere Details kann man unter 0160-93778778 erhalten.

    Freue mich auf euch!

    Tapfer im Nirgendwo

    Am 23. August 2018 wird die Siedlerin in Köln sein.

    Es gibt viele Deutsche, die kennen keinen Juden, aber eine Meinung zu Juden haben sie dennoch. Es gibt noch mehr Deutsche, die kennen zwar keinen einzigen jüdischen Siedler im Nahen Osten, aber dennoch haben sie eine klare Meinung und sie ist vernichtend!

    Ein jüdische Siedler ist für viele Deutsche der Innbegriff des Bösen.

    So wie einst viele Deutsche Juden hassten, ohne einen zu kennen, so hassen sie heute jüdische Siedler, ohne einen zu kennen. Was einmal Antisemitismus in absentio war ist heute Antizionismus in absentio.

    Tapfer im Nirgendwostellt daher eine jüdische Siedlerin im Nahen Osten vor. Ihr Name ist Chaya Tal. Sie betreibt einen Blog unter dem Namen:

    „Ich, die Siedlerin. Leben auf der Grenze zu etwas Anderem“

    Wenn es nach der Mehrheit der Deutschen geht, ist Chaya Tal ein Problem, weil sie es wagt, wo zu leben, wo…

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    AKTUELL: Vortragsreise

    Shalom, liebe Leser/-innen!

    Es gibt aktuelle Nachrichten meinerseits:

    Ab etwa Mitte August plane ich (endlich wieder!) nach Deutschland

    zu kommen und dort bis etwa Anfang September zu verweilen. Die Entscheidung ist relativ spontan gefallen, daher hatte ich keine Möglichkeit, so kurzfristig viele Besuche und Vorträge zu planen. Deshalb wende ich mich hier an euch mit dieser Ankündigung: Wenn ihr Interesse daran habt, dass ich in Eure/n Gemeinde/Verein/Organisation zu Besuch für einen Vortrag und ein Gespräch komme, würde ich mich über eine Meldung per Email chaya (at) diesiedlerin.net freuen. Die Themen, die zur Verfügung stehen:

    • Juden in Judäa und Samaria
    • lokale Geschichte und Politik
    • Siedlerbewegung
    • lokale Koexistenz
    • jüdische Tradition und Religion
    • aktuelle palästinensische Gesellschaftslage
    • persönliche Erlebnisse aus meiner Zeit in Israel

    Bei einer Einladung wären das Bereitstellen von Anfahrtskosten und Unterkunft zwingend.

    Wem es jedoch tatsächlich zu knapp ist, keine Bange – es wird so Gott will nicht meine letzte Reise nach Deutschland sein. Alternativ kann man immer einen Besuch bei mir daheim oder in der Gegend anfragen.

    Alles Liebe!

    Chaya

    Cartoon: Jan Tomaschoff

    Eine jüdische Stimme aus Judäa