Beileid für Lama

Lama Marwan Mousa. Quelle: Mondoweiss
Lama Marwan Mousa sel.A.. Quelle: Mondoweiss

Das ist Lama Marwan Mousa. Auf dem Bild ist Lama sechs Jahre alt, sie ist die Nichte von Ashraf, einem bekannten Inhaber der Autowaschanlage bei der noerdlichen Einfahrt nach Efrat in Gush Etzion.  Ihre Eltern kommen aus El-Khader, einem Vorort von Betlehem. Am spaeten Samstagabend, da kam ich gerade zurueck von einem Freundetreffen in Bet Jalla, war Lama zu Besuch bei ihren Freundinnen bei der Familie von Ashraf. Die Strasse, an welcher das Haus von Ashraf gelegen ist, grenzt an die Einfahrtsstrasse nach Efrat, und diese wiederum ist eine Seitenstrasse der Autobahn 60. Die Beleuchtung auf dieser Strassenstrecke ist spaerlich, und die Strasse hat keinen Buergersteig. Es war spaet am Abend, als die sechsjaehrig e Lama und ihre Freundinnen vors Haus und zur Strasse gingen, offensichtlich, um dort zu spielen. Ob die Eltern diesem gaenzlich zugestimmt hatten, sei dahingestellt. Aber mittlerweile ist es leider nicht mehr so wichtig. Denn als Lama und die anderen Maedchen an der Strasse entlang gingen, erfasste ein nach Efrat fahrendes Auto

Israelische und palaestinensische Notaerzte versuchen, lama wiederzubeleben. Quelle: Ma'an
Israelische und palaestinensische Notaerzte versuchen, lama wiederzubeleben. Quelle: Ma’an

das Kind und ueberfuhr sie. Lama war auf der Stelle tot, noch bevor die Notfallwagen des Roten Davidsterns an der Unfallstelle ankommen konnten. Auf die Ambulanzwagen aus Efrat, welche hoechstwahrscheinlich aus dem Sicherheitszentrum benachrichtigt wurden (da die Strasse unter staendiger Videoueberwachung steht) folgten die Notfallwagen des palaestinensischen Roten Halbmonds.  Auch sie konnten nichts mehr fuer Lama tun. Ihre Leiche wurde auf Anweisung der palaestinensischen Notfallleitung in Betlehem an das Regierungshospital in Bet Jalla ueberfuehrt.

Lama. Quelle: Internet
Lama. Quelle: Internet

Ich erfuhr von dem Unglueck am selben Abend und wartete auf den Folgetag, um mehr darueber zu erfahren. Zunaechst kursierten Geruechte in den lokalen Gruppen auf Facebook, es haette sich um einen versuchten Anschlag gehandelt, weil die Strasse angeblich mit Steinen blokiert gewesen war, um einen Hinterhalt gegen die Autofahrer zu planen. Dieses Geruecht erwies sich schnell als gegenstandslos. Die Bezirksverwaltung von Efrat und der Buergermeister Oded Revivi liessen nichts von sich hoeren, daher mussten sich die Einwohner selbst informieren. Bald darauf folgten Berichte – auf Times of Israel und in den palaestinensischen Agenturen wie Ma’an. Ich begann, mich bei Einwohnern von Efrat zu informieren, was genau geschehen sei. Ein junger Mann, Natan, berichtete mehr darueber, er erzaehlte, dass er mit dem Autofahrer gesprochen habe, der unter Schock stuende.  Ein weiterer sprach ueber den genauen Tatort. Auch ueber die Berichte der arabischen Medien konnte ich ein wenig Information bekommen, und diese anhand meines Wissens um die Gegend bei der Einfahrt nach Efrat (durch meine Arbeit im Sicherheitszentrum) ueberpruefen.

Stimmen der arabischen Medien

Die Berichte dieser Medien waren selbstverstaendlich alles andere als neutral, wie zu erwarten, aber einige Details konnte man dennoch herausfischen – so den Namen des Maedchens, ueber die palaestinensischen Einsatzkraefte. Auch Zitate eines Augenzeugen und eines israelischen Polizeisprechers waren dort, aber der Rest war hoffnungslos von antiisraelischer Agenda durchdrungen.

Den Augenzeugen Ali Mousa zitierte Aljazeera im Artikel vom 11.09.16 so:

„Der israelische Siedler stieg aus dem Auto aus und fing an zu schreien, ‚was habe ich getan! Was habe ich getan!'“

Anschliessend schrieb Aljazeera, Ali sei sich nicht sicher, ob der Fahrer oder „ein anderer Siedler“ den Notruf gewaelt habe. Die Paramediker konnten allerdings bei ihrer Ankunft nichts tun, denn Lama war fast augenblicklich tot gewesen.

Man muss es Aljazeera zugute halten, dass es notierte, dass beide Seiten – sowohl die palaestinensischen als auch die israelischen Behoerden – bestaetigt hatten, dass es sich dabei um einen Unfall gehandelt habe. Auch die Familie, so Aljazeera, habe dies bestaetigt. Dagegen waren Berichte von der Agentur Ma’an oder Gulf News wahrheitsverfaelschend und tendenzioes; so schrieb Gulf News in einem Artikel, es sei ein Unfall mit Fahrerflucht gewesen und der Taeter sei nicht bekannt, und Autoattacken gegen Palaestinenser wuerden auf regulaerer Basis vorkommen, dabei wuerden die „Siedlertaeter“ nicht erfasst oder nicht bestraft werden.

Auch Aljazeera liess es sich nicht nehmen, von „Siedleraggression“ zu sprechen. Die Familie soll ausserdem den Verdacht geaeussert haben, dass der Taeter nicht strafrechtlich verfolgt werden wuerde, da es sich um einen Siedler handle.

Stimmen aus Efrat

Aber lassen wir Aljazeera, Ma’an und Gulf News, deren Einstellung zu der juedischen Bevoelkerung von Judaea und Samaria und den israelischen Behoerden eigentlich bekannt sein duerfte.

Was sagten zu dem toedlichen Unfall die unmittelbar betroffenen Einwohner von Efrat?

Gabriel Danzig aus Efrat postete in einer lokalen Facebookgruppe den folgenden Kommentar am 12.09:

Screenshot
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An diejenigen, die ihr Auto bei Ashraf und seinem Team gewaschen bekommen ausserhalb der Einfahrt im Norden von Efrat, seine Nicht wurde vor zwei Tagen in einem tragischen Autounfall getoetet. Bitte ueberlegt es euch, eine Beileidskarte oder ein Geschenk an die Familie zu senden. Ich bin sicher, sie wuerden dafuer dankbar sein und es ist etwas, das ein guter Nachbarn tun wuerde. Ich werde es gerne ueberbringen.“

Daraufhin begann eine lange Diskussion mit Dutzenden von Teilnehmern, welche sich um die folgenden Themen drehte – was genau sollte man der trauernden Familie bringen? Blumen? Eine Beileidskarte? Essen? Eine Frau, Ruth, schlug vor, Essen vorzubereiten, wusste aber nicht, was. Jemand sagte, er habe bei der Familie nachgefragt und man solle Reis und Kaffee mitbringen. Andere fragten nach dem Namen, wie lange eine Trauerperiode bei den Muslimen dauert und ob das einen Einfluss auf das Opferfest hat, welches gerade gefeiert wird (E’id al-Ad’ha). Niemand kam auf die Idee, diesen Vorschlag mit Gegeneinwaenden zu torpedieren, lediglich eine Frau fragte vorsichtig, ob es erlaubt sei, als Israeli zum Haus der Familie zu kommen.

Ich lasse hier die Einwohner fuer sich sprechen:

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Ruth: „Danke, dass du eine solch barmherzige Aktion hier teilst. Was fuer eine Tragoedie.“

Ariella: „Danke, dass du uns Bescheid gibst.“

Michele: „So eine Tragoedie. Was fuer eine herzliche Geste. Was wuerde angemessen sein und sollen wir es so zum Laden hinbringen?“

Ruth: „(…) Ich weiss, dass sie eine dreitaegige Trauerperiode haben und es ist ueblich, Essen zu bringen, aber ich habe keine Ahnung, ob es besonderes Essen gibt oder ob sie alles essen wuerden, was wir ihnen vorbereiten.“

Noa: „Die letzte Nacht hat E’id al-Ad’ha begonnen, wo sie Schafe schlachten. Ich weiss nicht, ob das einen Einfluss auf die Trauer hat.“

Deborah: „Weiss jemand, was sie fuer Trauerbraeuche haben, Essen etc.“

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Micol: (…) „Als ich den Unfall gesehen habe, war mein erster Impuls, dass Efrat dort einen Buergersteig bauen muesste. Danke, dass ihr diese Diskussion initiiert habt. Ich habe mich seit Samstagabend gefragt, was wir als Gemeinschaft fuer diese Familie tun koennten.

Gabriel Danzig: „Hallo an alle, ich habe mit meinem Freund Achmed gesprochen, der die Fmailie kennt. Er sagt, dass sie ein dreitaegiges Trauersitzen im Dorf haben und besucht werden. Ich nehme an, der Feiertag unterbricht die Trauer nicht. Er denkt, wir sollten etwas danach tun. Er sagte, ich solle ihn uebermorgen an der Autowaschanlage treffen. Er sagte ebenso, dass die Sicherheit von Efrat mit ihm ueber dieses Thema geredet habe, vielleicht plant unser Buergermeister etwas?“

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Chavi: „Es ist eine tolle Idee angesichts der Tatsache, dass die PA ueberall berichtet und herumerzaehlt, sie sei als Maertyrerin gestorben. Sehr traurig und sehr tragisch. Die gesamte Woche bereiten sie sich auf den kommenden Feiertag und (jetzt die) Trauer. Alles ist zu und niemand arbeitet dort. Vielleicht koennen die Leute von Efrat bei der Anlage Blumen und Kerzen und Briefe ablegen, damit sie diese finden. Und andere koennen sie nach den Feiertagen besuchen.“

Von einem arabischen Freund aus der Gegend habe ich erfahren, dass der Buergermeister von Efrat, Oded Revivi, einen Beileidsbrief an die Familie von Ashraf und Lama geschrieben hat. Durch die Organisation Roots hat er diesen Brief ins Arabische uebersetzt. Jetzt ueberlegen wir gemeinsam, wie man ihn weiterverbreiten koennte. Er duerfte eine etwas andere Realitaet im Gegensatz zu der Berichterstattung von Aljazeera, Ma’an, Gulf News & Co. darstellen.

 

 

Price Tag und Polizeigewalt

Dieses verstoerende Video (oben) und die nachfolgenden Screenshots wurden am 12.09.16 in der Ortschaft Nahliel (Westsamaria) aufgenommen; darauf sieht man einen Teenager, der offensichtlich zusammengepruegelt wurde und nun von der Polizei verhaftet wird.

Quelle: INN (Yosef Frisman)
Quelle: INN (Yosef Frisman)

Den Augenzeugen zufolge, sowie auch einem Bericht darueber bei INN, wurden an diesem Montag vier Jugendliche, Schueler einer Yeshiva (religioesen Jungenschule) in der Ortschaft Nahliel, bei einer Razzia der Polizei in der Schule verhaftet, vor den Augen

Nahliel in Westsamaria
Nahliel in Westsamaria

ihrer Mitschueler. Ein Polizist soll dabei, wie im Video zu sehen, mindestens einen der Jungen verpruegelt haben, bevor er ihn abfuehrte. Dabei soll er und seine Kameraden dafuer verdaechtigt werden, Sabotage an palaestinensischen Wasseranlagen waehrend eines Ausflugs getaetigt zu haben – also einen als „Price Tag“ bekannten Vandalismusakt.

Die Jugendlichen, allesamt minderjaehrig, sind momentan inhaftiert. Die Organisation „Honenu“ (ich hatte sie hier schon einmal erwaehnt), welche sich speziell fuer die Rechte minderjaehriger juedischer Verdaechtigten einsetzt, berichtete ebenso, dass dem verpruegelten Jugendlichen mehrere Stunden lang kein Anwalt zur Verfuegung gestellt worden war.

Quelle: INN/Honenu
Quelle: INN/Honenu

Der verletzte Teenager wurde nach seiner Inhaftierung ins Krankenhaus eingeliefert und dort behandelt. Er erlitt mehrere Verletzungen im Gesicht.

Auch wenn dieser Jugendliche und seine Kameraden einen tatsaechlich einen nationalistisch motivierten Vandalismusakt gegen arabisches Eigentum ausgefuehrt haben sollten und dafuer verurteilt werden muessen – meines Erachtens, und man muesste sich sehr bemuehen, um mich vom Gegenteil zu ueberzeugen – ist eine solche Form von Polizeigewalt, insbesondere gegen Minderjaehrige nicht akzeptabel. Sollte sich der Minderjaehrige gewehrt haben oder auch von den Polizisten weggelaufen sein, wie einige weitere Augenzeugen berichten, ist es ebenso nicht zu akzeptieren. Im Moment der Verhaftung ging keine Gefahr und kein Schaden von den Jugendlichen aus, und Pruegel und Schlaege als Festnahmemethode – insbesondere bei Teenagern, und auch noch vor den Augen der Klassenkameraden – ist zu verurteilen. Ausserdem hat es keinesfalls Abschreckungspotenzial, sondern die respektlose und gewalttaetige Behandlung der Verdaechtigen wird bei den Teenagern noch mehr Ablehnung und Hass gegen die offiziellen Organe schueren. Leider bekomme ich immer wieder Berichte von solcher und aehnlicher Anwendung von Gewalt mit, insbesondere nach dem Duma-Attentat im Juli 2015, aber auch schon zuvor.

Und sollte sich jemand dies fragen – meine Meinung gilt auch fuer die Verhaftung von minderjaehrigen palaestinensisch-arabischen Jugendlichen durch die Armee. Insbesondere, wenn es sich dabei nicht um Mord oder versuchten Mord handelt.

(Quellen: INN, Natan Epstein, privat)

Ein Weinberg für Hallel

Hallel Yaffa Ariel. Quelle: Internet
Hallel Yaffa Ariel. Quelle: Internet

Hallel Yafa Ariel, 13 Jahre alt aus der Ortschaft Kiryat Arba bei Hevron, existiert seit dem 30. Juni dieses Jahres nur noch in den Erinnerungen und den Bildern der Familie Ariel, ihrer Freunde und Bekannten, und derjenigen, die von ihr erfahren haben – leider erst nach ihrem Tod. Am Morgen des 30.Juni wurde Hallel von einem 17-jährigen Terroristen in ihrem Bett ermordet. Das ganze Land beweinte die 13-Jährige, auch im Ausland erfuhr man vom tragischen Schicksal von Hallel. Über Hallel habe ich hier berichtet.

Jetzt gab es verschiedene Aktionen, die zu ihrem Gedenken von der Familie unternommen wurden. Die Mutter Hallels, Rina, ist eine

Hallel mit ihren Eltern Amichai und Rina und mit juengeren Geschwistern bei einem Besuch auf dem Tempelberg. Quelle: Nana
Hallel mit ihren Eltern Amichai und Rina und mit juengeren Geschwistern bei einem Besuch auf dem Tempelberg. Quelle: Nana

Aktivistin in der Frauenbewegung für den Tempelberg. Kurz nach den sieben Trauertagen riefen die Eltern Bereitwillige in ganz Israel dazu auf, gemeinsam über die Mughrabi-Brücke zum einzigen für Juden erlaubten Zugangstor zum Tempelberg, der heiligsten jüdischen Stätte, aufzusteigen und in einer Zeremonie die Brücke und das Tor selbst in „Hallel-Tor“ umzubenennen („Hallel“ heißt übersetzt Lobpreisung). Tatsächlich waren mehrere Dutzend Unterstützer erschienen, inklusive Knessetabgeordneter.

Eine weitere Initiative startete die Familie erst vor Kurzem und diese besitzt eine andere Natur. Der Vater Hallels, Amichai Ariel, besitzt seit dem Jahr 2000 ein Weingut bei Kiryat Arba, in welchem er eigenständig Weinbau betreibt und Wein produziert. Hallel, so In berichten die Eltern, hatte immer gerne dem Vater bei den Pflanzungen und der Ernte mitgeholfen, hatte eigenhändig Weinflaschen abgefüllt und den Vater bei der Arbeit unterstützt. Sie war sehr dem Weingut verbunden und verbrachte viele Stunden und leistete für ihr Alter harte Arbeit zugunsten des Weingutes ihres Vaters.

Die neue Initiative soll einem Besucherzentrum im Ariel-Weingut zugute kommen. Das Besucherzentrum soll die Geschichte des jüdischen Volkes in Judäa und des  Weinbergs der Ariel-Familie aufzeigen, über Weinbau in den Judäa-Bergen aufklären – und natürlich die Geschichte von Hallel, der das Besucherzentrum gewidmet wird, erzählen. Um dieses Projekt wahr werden zu lassen, haben Rina und Amichai Ariel eine Headstart-Spendenaktion gestartet, in welcher sie die Öffentlichkeit darum bitten, sie bei dem Kostenaufwand zu unterstützen und selbst auch Teil an der Entstehung des Besucherzentrums teilzuhaben.

„Der Kostenaufwand ist enorm groß, wir haben es so nicht geplant“, erzählt Rina im Begleitvideo auf der Webseite des Headstart-Aufrufs. „Der Mord traf uns sehr hart. Es ist ein Alptraum jeder Eltern. Es hat uns in einen tiefen Abgrund geworfen, ich wusste zuvor nicht, dass es solch tiefe Abgründe gibt. Es ist so einfach, daran zu zerbrechen. Daher halten wir uns fest an der Idee des Weinbergs, am Weinbau im Land, an einem Horizont, an etwas Bedeutendem, es gibt uns die Kraft, nicht zusammenzubrechen.“

„Hallel wusste, wie wertvoll es ist, Teil etwas Großen zu sein; sie kannte den Wert von Arbeit, von Kreativität. Ich rufe alle auf, Partner in der Erfüllung dieses Traumes zu werden.“

Mittlerweile sind 74% vom Zielbeitrag (450.000 Shekel) gespendet worden. Es bleiben nur noch 12 Tage, um das restliche Geld einzuzahlen, damit das Projekt tatsächlich seinen Lauf nehmen kann.

Wer die Familie Ariel unterstützen möchte, kann auf diesen Link klicken – es erscheinen Begleittexte in Englisch und man kann sich eine bestimmte Summe aussuchen. Bei festgelegten Summen bekommt man jeweils das eine oder andere Dankeschön, aber man kann die Summe auch selbst eingeben. Die Spende wird über eine Kreditkartenzahlung abgewickelt.

⇒ Hier zum Headstart-Projekt für Familie Ariel

 

Shalom erste Klasse! Schulbeginn

Der 1. September. Ganz nach der Tradition der guten alten Sowjetzeiten war es in Israel der erste Schultag nach den Ferien für alle Schüler und auch die Öffnung der Kindergärten, und die größte Aufregung herrschte natürlich bei den kleinen Schulanfängern/-innen und den stolzen Eltern.
Nun, ich weiß nicht genau, ob es an der sowjetischen Tradition liegt,

Schülerinnen bekommen Süßigkeiten beim Einstieg in den Schulbus. Foto: Regionalverwaltung Südhevron
Schülerinnen bekommen Süßigkeiten beim Einstieg in den Schulbus. Foto: Regionalverwaltung Südhevron

dass der erste Schultag bei uns wie in Russland der 1.September ist, aber auf jeden Fall ist es ein groß gefeierter Tag für alle neuen Erstklässler, ihre Eltern und Lehrer (bei den älteren Schülern setzt bekanntlich schnell die „Ich will nicht in die Schule“-Phase ein). Im Radio spielen Lieder zum ersten Schultag, Eltern, Kinder und Erstklässler werden interviewt, die Nachrichten handeln davon, und die Schulbusse im ganzen Land nehmen ihre Fahrten von Neuem auf.

Ayelet aus Tapuach, "Hallo erste Klasse". Foto: Regionalverwaltung Samaria
Ayelet aus Tapuach, „Shalom erste Klasse“. Foto: Regionalverwaltung Samaria

Es scheint ein wenig unpraktisch, dass die Schule an einem Donnerstag anfängt, denn dann bleiben nur anderthalb tatsächliche Schultage bis zum Wochenende. Aber, wie mir meine Nachbarin Yona einen Tag zuvor versichert hatte, „als Eltern sind wir über jeden Tag froh, der uns aufatmen lässt“. Kein Wunder, denn wie im vorherigen Beitrag beschrieben, sind die Kinder im letzten Sommerferienmonat zumeist auf die Aufsicht ihrer Eltern und Großeltern angewiesen und es ist durchaus nicht einfach für meist Vollzeit arbeitenden Eltern. Es handelt sich ja nicht um eins oder zwei Kinder, wie es bei der deutschen Bevölkerung auszusehen scheint (die Geburtsrate laut dem Statistischen Bundesamt liegt bei 1.47 Kinder pro Familie, Stand 2014); in Israel liegt die durchschnittliche Kinderanzahl bei stolzen 2,4 (Pressebüro für Statistik, Stand: 2015), und in Judäa und Samaria ist es entsprechend höher: Während es in einer israelischen Durschnittsfamilie 3,72 Familienmitglieder gibt, so beläuft es sich in Familien in Judäa und Samaria auf 4,6 Familienmitglieder im Durchschnitt (Ynet, Stand: 2014, Pressebüro für Statistik).

Wie viele Kinder sind denn nun bei uns in die Schule gekommen?
Greifen wir wieder auf die statistischen Angaben zurück – was erzählen sie uns über Judäa und Samaria?

Szenen aus dem Schulbeginn. Foto: Regionalverwaltung Samaria
Szenen aus dem Schulbeginn. Foto: Regionalverwaltung Samaria

In Samaria sind etwa 1100 Kinder Erstklässer geworden. Insgesamt sind es 17300 Schul- und Kindergartenkinder in diesem neuen Schuljahr in Samaria. In Gush Etzion sind es 4930 Schulkinder und 1840 Kindergartenkinder, darunter natürlich auch diejenigen, die zum ersten Mal in die Schule und den Kindergarten kamen. In Gush Etzion selbst gibt es 11 Grundschulen und 4 weiterführende Schulen, und dazu 69 Kindergärten. Die Regionalverwaltung von Südhevron berichtet von etwa 4000 Schul- und Kindergartenkindern. Zu manchen Schuleröffnungen kamen Abgeordnete zu Besuch und grüßten die Kinder und die Lehrer. Der

"Wilkommen im Namen Gottes". Erstklässler in Gush Etzion. Foto: Regionalverwaltung Gush Etzion
„Wilkommen im Namen Gottes“. Erstklässler in Gush Etzion. Foto: Regionalverwaltung Gush Etzion

Erziehungminister Naftali Bennet besuchte ebenso einige der Schulen. In diesem neuen Jahr werden neue Reformen, die er veranlasst und durchgebracht hatte, aktuell werden – so beispielsweise eine Verkleinerung von Schulklassen und neue Mathematiklernpläne, die das Erlernen von Mathematik fördern sollen.

Ich wünsche ihnen allen ein erfolgreiches neues Schuljahr.

Schulmädchen aus den Südhevronbergen. Foto: Regionalverwaltung Südhevron
Schulmädchen aus den Südhevronbergen. Foto: Regionalverwaltung Südhevron

 

 

Ferien-Sommermodus

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, war ich einige Zeit nicht im Blog aktiv. Das liegt vor allem daran, dass ich momentan in einer Art „Sommerpause“ bin. Es ist heißer Sommer bei uns im Land, und die Israelis verbringen ihn auf verschiedene Art und Weise: Die meisten Erwachsenen arbeiten; Erwachsene mit Kindern genießen die Ferien mit den Kindern, sofern sie Urlaub bekommen bzw. sie quälen sich die langen Monate durch  (2 bis 2,5 Monate je nach Kindesalter) bis zum 1.September, wenn der erste Schultag ist. Unmengen von Witzen, Filmen und Texten wurden über diese erheiternden / ermüdenden Sommermonate der Schulferien gedreht.

Studenten haben etwas mehr Genuss von den Semesterferien, sie verdienen entweder etwas mehr Geld, weil sie mehr Zeit zum Arbeiten haben als während des Semesters, oder fliegen ins Ausland. Staatsangestellte (so etwas wie Beamte, aber nicht ganz) und Knessetabgeordnete haben einige Wochen komplette Sommerpause. Kinder und Jugendliche haben in der ersten Hälfte ihrer Ferien Ferienlager und Kinderprogramme, und in der zweiten Hälfte haben sie freie Zeit und quälen ihre Eltern, bis diese mit ihnen in den Urlaub fahren oder an die Großeltern verfrachten.

Auch – natürlich auch – in den Siedlungen, den Ortschaften in Judäa und Samaria, herrscht der Ferien-Sommermodus. Die meisten der Siedlungen liegen auf den Bergen und der ständige Wind macht die Hitze erträglicher und holt die Menschen am Nachmittag und Abend aus den Häusern heraus für ein Abendessen im Freien oder einen Spaziergang.

Die Bezirksverwaltungen und einzelne Ortschaften organisieren Konzerte,

Klezmer-Festival in Samaria. Foto: Facebook
Klezmer-Festival in Samaria. Foto: Facebook

 

veranstalten Erlebnistage für die ganze Familie, Freizeitangebote für Groß und Klein gibt es in Hülle und Fülle – natürlich alles verbunden mit der Natur, es bietet sich ja auch an. Beispielsweise können Trecker gemietet und gefahren werden:

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Nahe Alon Shevut
Im Norden von Samaria. Foto: Facebook
Im Norden von Samaria. Foto: Facebook

Kinder und Jugendliche machen Aktivitäten gemeinsam mit dem Jugendzentrum, dem lokalen Sportverein, den Freunden aus der Schule, dem Kindergarten

Bilder aus Otniel. Quelle: Facebook
Bilder aus Otniel. Quelle: Facebook

 

Kleider- und Schmuckstände von Designer/-innen werden aufgebaut, es gibt Malworkshops für Kinder, Clowns, Kletterwände,

Foto: Facebook
Foto: Facebook

Bergwanderungen, Aktivitäten auf Farmen und Streichelzoos, Wasserquellen zum Plantschen und was nicht alles noch. Die Kinder müssen ja beschäftigt werden (wie oben erwähnt), und wenn die Eltern

Ziegenmelken in Samaria. Foto: Facebook
Ziegenmelken in Samaria. Foto: Facebook

oder Großeltern mit dabei sein können, um so besser. Wie man vielleicht schon weiß, Kinder und Kinderunterhaltung werden insbesondere in den Gemeinschaften von Judäa und Samaria großgeschrieben.

Wer sich die Originalstimmung bei einer solchen Veranstaltung anschauen möchte, soll sich dieses Video ansehen, aus der Ortschaft Meytarim im Süden Hevrons:

Auch für die Senioren wird man in den Gemeinden aktiv, so wie beispielsweise ein gemeinsamer Workshop mit älteren Einwohnern in Gush Etzion:

Quelle: Bezirksverwaltung Gush Etzion
Quelle: Bezirksverwaltung Gush Etzion

 

Daheim kann man sich im Sommer ebenso entspannen und sich das Leben schön gestalten. So werden provisorische Schwimmbecken aufgebaut,

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Gärten neu bepflanzt,

Fragt mich nicht, was das für eine Pfalnze ist.
Fragt mich nicht, was das für eine Pflanze ist.

auf Bäume geklettert und auf der Straße gespielt

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Die Zeit wird natürlich auch für Erneuerungen und Bau genutzt und so werden gleich neue Häuser gebaut, die die alten Karavane ablösen sollen.

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Es beginnt die Erntezeit für Früchte wie Granatäpfel, pünktlich zum jüdischen Neujahr, für welches der Granatapfel als Symbol dient.

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Trauben, Pflaumen und Feigen sind schon lange herangereift. Die Felder zeigen üppige Pflanzen und die arabischen Feldbesitzer ernten die Früchte fleißig – ich sehe jeden Morgen Tender und Autos und die Bauern selbst, welche die Ernte einsammeln. Zur Pflaumenernte habe ich hier schon etwas geschrieben.

Trauben auf einem arabischen Feld
Trauben auf einem arabischen Feld

Auch ich habe meinen Garten etwas erneuert, obschon ich noch immer auf meinen Feigenbaum warten muss, aber Geranien, Ysop (bekannt als das Za’atar-Gewürz) und Minze sind schon da und zeigen schöne Blüten. Und auch dem Rosmarinstrauch habe ich endlich gebührenden Platz gegeben.

Wen es interessiert, was die arabischen Einwohner unserer Gegend so machen, hier ein paar Bilder aus Nablus und Ramallah:

Sprich, wie ihr seht, Judäa und Samaria ist im Ferien-Sommermodus.

Mögen wir von hier nur gute Nachrichten hören! Schönen Sommer uns allen!

 

Islam hat ein Problem

An jenem verhängnisvollen Freitag, dem ersten Julitag, waren der junge Mann aus dem als Flüchtlingslager bekannten Al-Fawar nahe Hevron und seine Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um die überlebenden Mitglieder der Mark-Familie aus Otniel nach dem tödlichen Attentat aus dem zerschossenen Wagen zu zerren. Sein Name und seine herzerwärmende Erklärung zu seiner Tat bekamen ihren Platz in den israelischen Nachrichten und er wurde hochgelobt. Verständlich – er hatte der 15-jährigen Tehila, dem 13-jährigen Pedaya und ihrer Mutter Chava das Leben gerettet, und das, obwohl die Familie Mark als der größte Feind der palästinensischen Araber gilt: sie sind jüdische Siedler. Zum israelischen Channel 1 sagte er noch am Tatort,

Ich will nicht, dass mir jemand Danke sagt. Ich habe es aus menschlichen Gründen getan und für Gott.

Heute hat dieser junge Mann, Islam al-Bayd (Bid) heisst er, ein Problem: Seine Tat hat bei vielen seiner Mitbrüder sowie bei der von ihnen gewählten Regierungsvertretung – der palästinensischen Autonomiebehörde – Unmut erregt, und das gelinde ausgedrückt:

Islam wurde seine Arbeitsstelle, die er bei der PA innehatte, fristlos gekündigt. So vermeldeten es vor wenigen Wochen einige der israelischen Medien, darunter auch Ynet. Darüber ausgesagt haben sowohl der Vorstand der Bezirksverwaltung der Südhevronberge, Yochai

Bezirksvorstand der Region Suedhevron, Yochai Damari (links) und Islam al-Bayd. Quelle: Bezirksverwaltung S.H.
Bezirksvorstand der Region Suedhevron, Yochai Damari (links) und Islam al-Bayd. Quelle: Bezirksverwaltung S.H.

Damari, als auch die Justizministerin Ayelet Shaked. Auf Nachfrage einiger israelischer Reporter handelte es sich bei dem Entlassenen nicht um Dr.Ali Shuruch, dem dritten arabischen Helfer am Tatort, da dieser eine Privatklinik besitzt. Dieser verneinte es auch.

Auf die Veröffentlichung dieser Affäre hin reagierten viele mit Empörung und im Netz kamen Rufe auf, dass dem Helfer, der nun nun den Status eines Helden erhielt, von israelischer Seite zwingend geholfen werden sollte. Derselben Ansicht war auch die Bezirksverwaltung von Südhevron, die führenden Köpfe der Siedlung Otniel und die Ministerin Shaked. Yochai Damari wurde bei Ynet wie folgt zitiert, wobei die Nachrichtenseite auch angab, dass die Umstände der Entlassung nicht gänzlich geklärt seien:

„Darauffolgend (nach der Hilfeleistung, Anm.D.S.) wurde er von seiner Arbeit entlassen. Ich habe mich mit ihm getroffen und er bat mich, ihm dabei zu helfen, ein Arbeitsvisum (in Israel, Anm.D.S.) für ihn zu genehmigen. Ich habe mich in einem Brief an den Verteidigungsminister gewandt und ihn um Mithilfe bei der Erteilung eines Arbeitsvisums für beide (Islam und den Arzt, Anm.D.S.). Ich habe mich mit ihnen getroffen, ich kenne die allgemein bekannten Schwierigkeiten, aber ich bin überzeugt, dass es unsere Pflicht als jüdisches Volk ist, denjenigen Dank zu zollen, die sich wie Menschen verhalten und das, was von ihnen erwartet wird, auch tun.“ (Ynet 08.08.16)

Auch wurde in den Artikeln berichtet, dass Islam und seine Frau Drohungen aus ihrer persönlichen Umgebung bekommen hatten. Islam bat die Journalisten, sein Gesicht nicht öffentlich zu zeigen.

Zwei Dinge lassen sich aus diesem bedauernswerten Inzident, knapp formuliert, lernen: Die Siedler sind den fremden Freunden Freunde. Die palästinensische Autonomiebehörde ist sowohl den Fremden als auch den Eigenen Feind.

 

(Auf Deutsch wurde über dieses Thema nur bei Audiatur Online und Israel Heute berichtet: Audiatur Online Israel Heute )

Wasserdilemma Folge Drei: MdB’s und Pikantes

Abgeordnete schalten sich ein

Diese Reaktionen hatte ich nicht voraussehen können, aber sie zeigen eine deutliche positive Wendung im Konflikt:

Nach dem „Netzsturm“, den der Beitrag der Tagesschau über die Wasserknappheit in der palästinensischen Stadt Salfit am 14.08.16 (Sonntag) hervorgerufen hat; nach der eiligen Stellungnahme, welche die Verantwortlichen des BR-Blogs in Tel Aviv im Namen der ARD/Tagesschau auf die empörten Feedbacks hin veröffentlicht haben; und nach dem (gerechtfertigten) Zerreissen (Die Siedlerin) dieser in den Weiten und Breiten der sozialen Netzwerke (Tagesschau-Facebook) und der Blogosphäre (Achse des Guten) schalteten sich auch mehrere Bundestagsabgeordnete in die Affäre ein und kommentierten den unsachlichen und fälschlichen Beitrag des ARD.

MdB Michaela Engelmeier (SPD) war die Erste, die sich des Beitrags „annahm“ und unter dem Link der Tagesschau auf der Facebookseite der Sendung aufgebracht kommentierte:

Kommentar von MdB Engelmeier, 15.08.16
Kommentar von MdB Engelmeier, 15.08.16

Warum zeigt man in der Tagesschau einen schlecht bis gar nicht recherchierten Bericht, zitiert dort mehr als zweifelhafte „Experten“ und erzählt echte Unwahrheiten? Ich protestiere energisch und mit aller Schärfe gegen diese, so einseitigen und unwahren Behauptungen in diesem unsäglichen Bericht und erwarte eine Richtigstellung! Dieser Bericht, liebe ARD ist ein Fall für den Rundfunkrat und eine Richtigstellung ist mehr als nötig! Großes Dislike!

Dieses Zitat, welches später von Schauspieler Gerd Buurmann in seinem Blogeintrag bei „Tapfer im Nirgendwo“ übernommen worden war, wurde in der Stellungnahme des ARD bestritten – lächerlicherweise haben die Autoren der Stellungnahme sich nicht die Mühe gemacht, die Kommentarspalte  der eigenen Sendung zu durchzulesen und so die Authenzität der Rückmeldung der Abgeordneten zu überprüfen. Armutszeugnis, insbesondere angesichts der Tatsache, dass alle Kommentare als Benachrichtigungen bei den Webadministratoren auftauchen.

Aber dem nicht genug. MdB Dr.Thomas Feist (CDU) meldete sich anschließend zu Wort – ebenso auf Facebook, und schrieb:

MdB Dr.Feist und sein Kommentar. 16.08.16
MdB Dr.Feist und sein Kommentar. 16.08.16

Meine Kollegin Engelmeier hat recht – ein so einseitiger Bericht ist eben keiner, sondern kritiklose Übernahme von Propaganda. Leider ist die ARD in den letzten Jahren immer wieder mit solchen einseitigen Darstellungen in Erscheinung getreten. Man hätte ja auch mal Bilder aus dem neuen Hamas-Gaza-Imagefilm nehmen können: da wimmelt es nur so von Schwimmbädern und Fröhlichkeit in der Oase der Menschenfreunde….

Anschließend diskutierte er auch im Kommentarthread mit Nutzern, die ihm widersprachen und den Verweis auf Gerd Buurmann diskreditierten.

Und ein weiterer Abgeordneter  – MdB Egon Jüttner (CDU) – ließ nicht lange auf sich warten und vermeldete in einem Kommentar auf die Reaktion von MdB Dr.Feist das Folgende:

Rückmeldung von MdB Jüttner. 16.08.16
Rückmeldung von MdB Jüttner. 16.08.16

Manche Sendungen der ARD sind für den Gebührenzahler eine Zumutung – auch die unnötigen Wiederholungen von Tagesschau und Tagesthemen. Hier muß endlich eingegriffen werden.
Egon Jüttner MdB

 

Eine tatsächlich spannende Wendung. Verschiedene Online-Aktivisten verfolgen nun die Reaktionen des ARD, sollten solche darauf folgen; es ist nicht klar, ob eine Beschwerde eingereicht werden wird, aber man kann hoffen, dass die betreffenden Abgeordneten diese Sache nicht so einfach fallen lassen werden. Ich bin auf jeden Fall ermutigt von der Reaktion der Abgeordneten, die sich offenbar über die Thematik informieren und daran interessiert sind, für Israel einzustehen, wenn es der Verleumdung durch deutsche Medien ausgesetzt wird.

Auch die israelische Botschaft meldete sich zum Fall und veröffentlichte hier ihr offizielles Statement zum Bericht.

Feiertag oder doch nicht?

Noch ein weiterer pikanter Aspekt der hochwohlgepriesenen Stellungnahme des ARD-Tel Aviv-Studios ist etwas in den Wogen untergegangen – die Frage nach dem Datum des Zusammenschnitts dieser Reportage!

Weshalb ist es wichtig?

Weil in der Stellungnahme die Redakteure Markus Rosch und Susanne Glass darauf verwiesen, dass keine israelischen Statements in die Reportage eingebunden werden konnten, weil ein „hoher jüdischer Feiertag“ dem im Wege gestanden hat. Daher wurde (in einer Randerwähnung) nur ein Sprecher der Ortschaft Shiloh zitiert, der am 28.07.16 in der Reportage „Streit ums Wasser“ des Tel Aviv-Studios auftauchte.

Wortlaut ARD:

Was wir in diesem Zusammenhang aufrichtig bedauern – und künftig anders machen werden – ist, dass wir es versäumt haben, die israelische Seite durch einen eigenen O-Ton zu Wort kommen zu lassen. Grund dafür war, dass wir wegen eines hohen jüdischen Feiertages nicht in einer der angefragten Siedlungen drehen durften und uns auch die angefragten Experten abgesagt haben. Wir haben deshalb die israelische Seite aus dem Beitrag unserer ARD-Hörfunk-Studiokollegin zitiert. Die in der Woche zuvor zu diesem Thema mit Yisrael Medad, Sprecher der Siedlung Shilo und COGAT der israelischen Verwaltung für die besetzten Gebiete ein Gespräch geführt hat.

Leider haben beide Redakteure nicht angegeben, um welchen „hohen jüdischen Feiertag“ es sich da handeln sollte.

Welche Feiertage gab es genau in den letzten drei Wochen vor der Erscheinung der Kurzreportage von Markus Rosch?

Keine.

Wann erschien die Kurzreportage von Markus Rosch genau?

Am 12.08.16, einem Freitag, um 8 Uhr morgens. Zusammengeschnitten muss diese Reportage mindestens am Tag zuvor gewesen sein. Gefilmt dementsprechend ebenso zuvor.

Gab es sonst besondere Tage, die ein Statement einer israelischen Behörde oder eines Fachexperten verhindert hätten?

Ja und nein. Am 14.08, einem Sonntag, an dem der Wasserbericht von Markus Rosch auch in der Tagesschau selbst erschienen ist, war ein landesweiter Fastentag angesagt. Dieser Fastentag sollte aber, im Vergleich zu einem Samstag (Shabbat), keine israelische Behörde und keinen Fachexperten daran hindern, einem zentralen deutschen Fernsehsender eine Absage für ein Interview zu erteilen.

Hinzu sei bemerkt, dass das Reportagenmaterial für den Beitrag von Markus Rosch (wie gesagt, am Morgen des 12.08. veröffenticht) schon am 28.07., das heißt, etwa drei Wochen zuvor, verwendet worden war. Mit denselben Protagonisten: Familie Osman aus Salfit und Clemens Messerschmid.

Die Bürokratiemühlen in Israel mahlen lange, aber dass man innerhalb von drei Wochen keinen israelischen Experten für Markus Rosch auffinden konnte, und das aufgrund nichtexistenter jüdischer Feiertage – da stinkt doch etwas gewaltig. Zumindest die offizielle Stellungnahme.

Und zu guter Letzt

Eine neue, detaillierte und aufklärende Stellungnahme von Ulrich Sahm, veröffentlicht auf seiner Facebookseite. Wer sich eine zwar lange, aber dafür nachhaltige Beweisführung ansehen möchte, möge diesen Beitrag lesen:

Ali, Clemens, Rohrbruch und die ARD – Ulrich Sahm

Auf dass Salfit bald wieder Wasser hat!

 

 

 

 

Eine jüdische Stimme aus Judäa