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Blogprojekt abgeschlossen

Liebe Leserinnen und Leser,

liebe Besucherinnen und Besucher,

ich wünsche ein frohes und behütetes neues Jahr 2019!

Nach längerer Überlegungsphase habe ich beschlossen, das von mir im Dezember 2014 begonnene und bis heute selbstständig geführte Blogprojekt „Ich, die Siedlerin – eine jüdische Stimme aus Judäa“ zu beenden und den Blog zu schließen. Dieser Entscheidung gingen viele Gedankenschritte voraus, es ist durchaus keine leichte Entscheidung und sie setzt sich aus vielen Komponenten zusammen – gleichweise persönlicher, ideologischer und praktischer Natur. Nach mehreren  Versuchen in der Vergangenheit,  das Schreiben wieder aufleben zu lassen, erkenne ich, dass für mich die Zeit gekommen ist, mich neuen Dingen zu widmen und einen anderen Weg einzuschlagen.

 

Dieses Blogprojekt war für mich der treibende Motor auf einer besonderen kulturellen Reise gewesen, die ich vor mehr als 4 Jahren in Gush Etzion begonnen habe und die ich als eine der bedeutendsten und spannendsten Perioden meines (obschon noch relativ kurzen) Lebens ansehe. Im Blog habe ich meine Erfahrungen, Erkenntnisse und Reaktionen auf dieser Reise dokumentiert, um sowohl für euch, als auch für mich das festzuhalten, was ansonsten unter den Schichten der Zeit schnell begraben sein würde. Ich habe es mir ebenso zur Aufgabe gemacht, mehr Licht in das Leben von Menschen zu bringen, die mir nahe stehen, und deren Lebensalltag, ob man ihn verstehen mag oder nicht, einer medialen Verzerrung unterliegt, die Unrecht schafft, wo man es vermeiden kann.

Ich habe diesen Blog nach bestem Wissen und Gewissen –  politisch und finanziell unabhängig – geführt: Dann berichtet, wann immer es mir möglich war; versucht, so gut es mir die persönliche Subjektivität erlaubte, Klarheit und Ausgewogenheit in meine Berichte hinein zu bringen; ich habe sowohl auf die Licht- als auch auf die Schattenseiten des jüdischen Lebens in Judäa und Samaria aufmerksam gemacht und auch die Möglichkeiten und Hindernisse eines jüdisch-arabischen Zusammenlebens angesprochen, wann immer es relevant erschien. Ich stand und stehe unmissverständlich hinter dem historischen Recht von Juden, frei in Judäa und Samaria – dem Westjordanland – zu leben, Seite an Seite mit ihren arabischen Nachbarn, welche ebenso diesen Landstrich ihr Zuhause nennen, und wünsche mir (sowohl für das neue Jahr 2019, als auch darüber hinaus), dass die Verantwortlichen für die Millionen von menschlichen Leben in unserem Land eine gerechte und historisch und gesellschaftlich adäquate Lösung für unser Dasein finden, damit das Land und all seine Bewohner/-innen endlich zur Ruhe kommen können.

Das Beenden des Projekts bedeutet , dass ich keine weiteren Blogeinträge mehr veröffentlichen werde, ebenso werde ich auch nach einer bestimmten Pufferzeit die Kommentarfunktion schließen. Dasselbe betrifft auch die Facebook-Seite des Blogs, die ich deaktivieren werde . Meine E-Mailadresse wird beim Impressum weiterhin verfügbar sein und ich werde eure Nachrichten selbstverständlich weiterhin empfangen können, kann aber keine schnelle Antwortzeit garantieren.  Für Interviews, Führungen, Vorträge etc stehe ich weiterhin offen. 

Die Inhalte des Blogs werden bis auf Weiteres verfügbar bleiben (Unterseiten, Blogeinträge, Bilder). Ich plane ggf. einige der Inhalte der Unterseiten zu ordnen und zu vervollständigen, das werde ich dann als gesonderte Updates auf der Seite posten.

Seit dem ersten Beitrag  am 24.12.2014 und bis heute hat der Blog „Ich, die Siedlerin“ bei über 300 Einträgen über 242.000 Aufrufe hervorgebracht. Es hat viele Hochs und Tiefs erlebt; brisante Themen aufgearbeitet, viel mediale Aufmerksamkeit bekommen, dutzende Besucher in die Region gebracht, um sich das Geschehen vor Ort anzuschauen; durch das Projekt hatte ich das Glück, zahlreiche wunderbare Menschen kennen zu lernen, von denen ich heute viele zu meinen Freunden zählen darf.

Ich habe vor hunderten von Menschen in Israel, Deutschland und der Schweiz über mein Wissen, meine Erfahrungen und meine Auswertungen der Realität in Judäa und Samaria sprechen können; habe mit zahlreichen Reisebüros, mit namhaften Institutionen wie der Bundeszentrale für politische Bildung und mit Medien wie dem Bayerischen Rundfunk zusammengearbeitet und durfte an Kulturfestivals wie den ACHAVA-Kulturtagen in Erfurt teilnehmen. Neben solchen Persönlichkeiten wie Henryk Broder und Ulrich Sahm habe ich  Geistliche, WissenschaftlerInnen, PädagogInnen, JournalistInnen, UnternehmerInnen, ReiseleiterInnen und viele andere interessante Menschen aus verschiedensten Kreisen über die Zeit hinweg kennengelernt und mit ihnen viele Gespräche geführt und wertvolle Gedanken ausgetauscht. Und sind es doch gerade die Gedanken, die uns eine eigenständige Wahrnehmung unserer Welt ermöglichen und von den äußeren Filtern befreien, die die Umgebung uns aufzwingen will.

Ich bin unendlich dankbar an alle, die mich bei diesem Projekt begleitet, unterstützt und ermutigt haben; ich danke für die Mails, die Spenden, die Abonnements,die Einladungen, die Treffen und hoffe innigst, dass euch dieser Blog in guter Erinnerung bleiben wird.

Chaya Tal

 

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Schild und Segen 2

(Leider verspätet, da ich recht beschäftigt bin aufgrund der Vortragsreise)

Im Juni habe ich über die Initiative des „Forums für gute Nachbarschaft“, einer Gruppe von einzelnen jüdischen Einwohnern und Aktivisten aus Samaria und Judäa, zum muslimischen Feiertag E’id al-Fitr berichtet, die darin bestand, ein Poster mit Segenswünschen zum Feiertag auf Hebräisch und Arabisch auf einer der Autobahnen der Region aufzuhängen, um damit Interesse und Achtung vor der lokalen muslimischen Bevölkerung zu demonstrieren. Damals hatte einer der Mitglieder der Gruppe, Jacky Fried, die Hoffnung geäußert, dass auch zum nächsten Feiertag, E’id al-Adha (Opferfest), solche Poster aufgehängt werden könnten.

Genau das geschah auch, als das Opferfest seinen Anfang am 22.08 nahm. Mehrere großflächige Poster wurden gedruckt, und einige Mitglieder der Gruppe machten sich auf, diese an einem sichtbaren Ort aufzuhängen; darunter war auch die von palästinensischen Autos viel befahrene Kreuzung bei der israelischen Ortschaft Adam, in der sich am 27.07 ein Terroranschlag mit einem Toten ereignet hatte. Andere Poster wurden in Gush Etzion, in der Region von Südsamaria und im Jordantal aufgehangen. Den Berichten zufolge wurden sie nicht abgehängt. Während die Gruppenmitglieder die Poster aufhingen, wurden sie von einigen palästinensischen Fahrern im Vorbeifahren durch Hupen ermuntert.

Das Segensposter

„An unsere muslimischen Nachbarn anlässlich des gesegneten E’id al-Adha-Festes, wünschen wir euch ein frohes Fest und ein gesegnetes Jahr. Die israelischen Einwohner der Region – Forum für gute Nachbarschaft“

Solche Initiativen sind immer schön und machen hoffnungsvoll, obwohl niemand wirklich weiss, wie sie beim Zielpublikum ankommen. Viele Teile der palästinensischen Gesellschaft sind leider stark von der Anti-Normalisierungsideologe, die sich gegen nachbarschaftliche Beziehungen mit den „Siedlern“, beeinflusst; andere fassen es als Scheinheiligkeit dar, weil trotz der guten Wünsche der „eigentliche Grund“ für die Situation in der „Besatzung“ durch Israel liege und der größte Wunsch der Palästinenser wäre, dass Israel die Besatzung beenden und verschwinden möge.

Aber es gibt auch andere Meinungen, und ich bin sicher, viele wurden von der Botschaft angenehm überrascht.

VORTRAGSREISE: Termine

Liebe Leserinnen und Leser!

Wie schon angekündigt, veröffentliche ich hier die Daten und Orte, die ich während meiner Vortragsreise vom 12. August bis zum 05.September 2018 besuchen werde. Nicht jede Veranstaltung kann man besuchen, da sie im offiziellen6 Rahmen stattfindet, bei den meisten kann man sich allerdings im Voraus anmelden oder einfach kommen. Ich werde die Kontaktdaten der Veranstalter/-innen, wenn nötig, angeben.

Der Terminkalender ist auch auf der Menüseite Aktuelles zu finden, incl. Updates von der Reise selbst.


  • 17.-19.08: Heppenheim. Panel-Teilnahme und Vortrag im Rahmen des Seminars „Kleines Land, große Konflikte: Zum aktuellen Stand des israelisch-palästinensischen Verhältnisses“, organisiert von der „Akademie für politische und soziale Bildung des Bistums Mainz in Heppenheim“, unterstützt von der Bundeszentrale für politische Bildung.. Adresse: Haus am Maiberg, Ernst-Ludwig-Str. 19, 64646 Heppenheim. Kontaktperson: Titus Möllenbeck (t.moellenbeck AT haus-am-maiberg.de, 06252-9306-12). Keine Anmeldung mehr möglich!
  • 23.08: Köln. Uhrzeit: ab 19 Uhr. Für Ort und weitere Details: bitte 0160-93778778 kontaktieren.
  • 26.08: Hamburg. Adresse: Veranstaltungsraum der Ebenezer-Stiftung, Messberg1 (Innenstadt), 20095 Hamburg. Uhrzeit: ab 17 Uhr. Ohne Anmeldung. Link zum Flyer Kontaktperson: Michael Dierks: 01638369581, über Facebook
  • 27.08: Hannover. Adresse: Stadtteilzentrum Lister Turm, Walderseestr. 100, Hannover. Uhrzeit: 18 Uhr. Kontaktperson: Jörg Haller, 01748641572. Keine Anmeldung nötig.

  • 28.08: Bergisch Gladbach. Adresse: Ganey Tikva Verein e.V. ,
    Räume der Firma TAT Trainingsseminare, Vürfels 58, 51427 Bergisch Gladbach-Refrath. Uhrzeit: 19.30 Uhr. Kontaktperson: Petra Hemming, Vereinsvorsitzende: 0170 3555 968. Anmeldung erwünscht.
  • 02.09: Öhringen. Adresse: SV – Gemeinde Öhringen, Weygangstraße 31. Uhrzeit: ab 16 Uhr. Kontaktperson: Georg Ehrle, sugehrle (at) online.de. Anmeldung erwüscht.

  • 04.09: Fislisbach (Schweiz). Adresse: Kirchgemeindezentrum der reformierten Kirchgemeinde Fislisbach, Feldstr. 6, 5442 Fislisbach. Uhrzeit: 20 Uhr. Kontaktperson: Roland Stangl (roland.stangl AT bluewin.ch)
  • ABGESCHLOSSEN

    Die Liste wird je nach Veränderungen aktualisiert.

    500 Kinder aus Samaria singen zum Unabhängigkeitstag

    Der 5te Iyar 5778 ist das hebräische Datum für den Unabhängigkeitstag Israel. Wenn der 5te Iyar wie in diesem Jahr auf einen Freitag fällt, werden die Feierlichkeiten um einen Tag nach hinten verschoben.

    In diesem Jahr ist der Staat 70 Jahre alt geworden und daher fielen die Festlichkeiten besonders aufwendig und beeindruckend statt. Da die jüdische Bevölkerung von Judäa und Samaria besonders israelverbunden und zionistisch zu charakterisieren ist, wurde in jeder jüdischen Ortschaft die Zeremonie zum Unabhängigkeitstag mit viel Effort durchgeführt.

    Ein Projekt war in diesem Jahr besonders zu Ehren der 70 Jahre organisiert worden: 500 Kinder aus Samaria im Kindergartenalter wurden dazu ausgewählt, das Lied „Tfila/Gebet“ der israelischen und internationalen, im Jahr 2000 tragisch verstorbenen Sängerin Ofra Haza gemeinsam aufzuführen. Das Projekt wurde von dem Regionalvorsitzenden von Samaria, Yossi Dagan, initiiert. Das Lied wurde von den Kindern im Kindergartenalter eine Woche lang nach verschiedenen Stimmen (!) einstudiert und schließlich an verschiedenen Stellen im Samaria-Gebiet sowie bei einem gemeinsamem Gesang auf dem Kabir-Berg aufgeführt.

    Und so sah das Resultat aus: (Quelle: Ynet)

     

    Der Liedtext lautet:

    „Er, der dort oben in den Höhen sitzt, Er, der alle Kranken heilt

    Er, der den Kindern die Freude gibt, Er, der Der richtet

    Er, der im Himmel ist, Er, der Einzige,

    Er, der Große und Ehrfürchtige

    Er, der uns vor jeder Not beschützt!

    Refrain: 

    Oh, Gott

    Schütze uns alle wie Kinder, schütze uns und verlasse uns nicht

    Gib uns Licht und Jugendfreude, gib uns immer und immer wieder Kraft

    Oh Gott

    Schütze uns alle wie Kinder, schütze uns und verlasse uns nicht

    Gib uns Licht und Jugendfreude, und gibt uns die Möglichkeit zu lieben!

    Was bleibt uns übrig von all den Tagen, was bleibt uns von jedem Tag

    Sonne der Freude, viele Blicke, Tage und Nächte voller Träume

    Er, der im Himmel ist, Er, der Einzige,

    Er, der Große und Ehrfürchtige

    Er, der uns vor jeder Not beschützt!

    Refrain

    (Lyrics: Bezalel Aloni, Musik: Henry Bratter)

    NEWS: Mord an Familie Salomon: Viermal Lebenslänglich

    Der „lächelnde Mörder“ wandert entgültig hinter Gitter:

    Das Militärgericht verurteilte am Donnerstag (15.02.18) den Terrorist, der am 22. Juli 2017 drei Mitglieder der Familie Solomon, wohnhaft in der jüdischen Ortschaft Neve Tzuf (Halamish) mit einem Messer ermordet hatte. Elad (35), Chaya (46) und ihr Vater

    Chaya, Yosef und Elad Solomon hy“d. Quelle: Ynet

    Yosef (70) wurden am Abend am Shabat-Festtisch der Familie angegriffen, als sie die Geburt eines Enkels feiern wollten, und brutal erstochen. Die Mutter Tova Solomon wurde dabei lebensgefährlich verletzt, und befindet sich noch immer in Rehabilitation. Die Ehefrau Elads Michal schaffte es, ihre Kinder vor dem Terroristen zu verstecken. Ein Soldat, der sich im Nachbarhaus befand, hörte die Schreie aus dem Wohnhaus der Familie, rannte herbei und konnte den Attentäter neutralisieren, allerdings nicht töten. Sicherheitskräfte verhafteten den Täter.

    Der Mörder stammte aus dem nahegelegenen Dorf Kubar. Vor seinem Tod hatte er auf Facebook eine religiös begründete Glorifizierung des „Märtyrdoms“ der „Kämpfer für die Al-Aqsa-

    Karte von Neve Tzuf (Halamish) und Kubar

    Moschee“ veröffentlicht und kurz darauf brach er auf, um in die Siedlung einzubrechen; sein Eindringen über den Sicherheitszaun wurde von den örtlichen Sicherheitskräften als Fehlalarm interpretiert und so konnte der Terrorist ungehindert in den Ort eindringen und ins Haus der Familie gelangen.

    Der Vater der Familie des Attentäters stritt ein Beiwissen der Tat oder ihre Unterstützung ab; nichtsdestotrotz entschied das Militärgericht, dass sein Haus zerstört werden sollte. Diese Praktik wird als Abschreckungsmethode für palästinensische Terroristen genutzt. Kritik erhielt die Armee, nachdem nur ein Stockwerk des besagten Hauses zerstört worden war. Momentan wird Druck ausgeübt, dass auch der Rest des Hauses niedergerissen werden soll.

    Nach dem Mord plädierten zahlreiche Politiker, allen voran der Verteidigungsminister Avigdor Liebermann, für deine Todesstrafe für den Attentäter, angesichts der barbarischen Tat. Die Ehefrau von Elad und ihr Vater sprachen sich ebenso dafür aus, ebenso für eine harte Bestrafung und Mithelfer und Mitwisser. Michal kommentierte im Verlauf der Gerichtsverhandlung (bei welcher sie nicht anwesend gewesen war, um das Gesicht des Mörders nicht ansehen zu müssen, wie sie angab):

    Leider mussten seit damals bis heute weitere gute Menschen auf die Liste der Ermordeten und Verletzten von Terrorattacken gesetzt werden und weitere Familien wurden von der Wolke des Schmerzes umhüllt. Erst in der letzten Zeit haben wir wunderbare Erzieher verloren [Rabbiner Raziel Shevach und Rabbiner Itamar Ben Gal, Anm. DS], die Generationen von Schülern voller Werde und Kultur heranziehen konnten. Der Staat Israel steht der Palästinensischen Autnomiebehörde gegenüber, die offen mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zum Töten von Juden aufruft. Sie hat eine absurde Situation geschaffen, in der der Mord an Juden als leichtes Mittel für ein finanzielles Einkommen und Lösung von persönlichen und sozialen Problemen gilt.“ (Ynet, 15.02.18)

    Die Richter des Militärgerichtes stimmten im Endeffekt in der Mehrheit für das viermal lebenslängliche Urteil, ebenso für eine Kompensation der Familie von insgesamt 1.8 Millionen Shekel. Wo der Attentäter und seine Familie die Summe hernehmen werden, ist unklar.

    Seit dem Anschlag wurden die Stimmen nach einer Todesstrafe für Terroristen in extremen Fällen lauter. Am 03.01.18 wurde der Gesetzesvorschlag der Todesstrafe für Morde in Zusammenhang mit Terrorismus, vorgelegt von den Knessetmitgliedern Robert Iltov, Oded Furer und Julia Melinkovsky (Partei „Israel ist unser Haus/Israel Beytenu“ von Avigdor Liebermann), in der Vorabstimmung der Knesset mit 52 Fürstimmen bestätigt. Weitere 3 Abstimmungen liegen vor dem Gesetzesvorschlag. Momentan befindet er sich auf der Ausarbeitungsliste des Verfassungsausschusses. (Quelle: Knesset.gov.il)

    Generell neige ich nicht dazu, Namen und Fotos von Attentätern zu veröffentlichen. In diesem Fall möchte ich allerdings, dass ihr euch das Bild des Terroristen aus Kubar anschaut. Bei jeder dokumentierten Gerichtsverhandlung, auch bei der Urteilsverkündung,hatte der Mörder entspannt, sogar stolz gelächelt, als würde er sich bewusst sein, das Richtige getan zu haben. Es kann höchstwahrscheinlich sein, dass in seiner Weltanschauung er tatsächlich von der Richtigkeit seiner Tat überzeugt ist. Das zeigt uns nur, wie abgrundtief pervers und menschenhassend diese Weltanschauung aussieht und wie schwierig es ist, dieser entgegendzutreten.

    Der Mörder der Familienmitglieder Solomon. Quelle: Ynet)

    (Quellen: Mako, Ynet, Knesset.gov.il, Israel heute)

    Datteln, das Friedenshindernis

    Die Filiale der Denn’s Biomarkt-Kette in der Dürener Straße in Köln ist ein friedlicher Ort mit Waren aus der ganzen Welt, nach Qualitätsvorschriften ausgewählt und in Hülle und Fülle angeboten. Stiftung Warentest sagt gut (2,1), Verpackung wird gespart und jeden Freitag kann man kostenlos Produkte probieren. Die Facebook-Seite der Biomarkt-Kette in Köln nicht sehr aktiv, und in der Info steht:

    „denn’s Biomarkt ist ein Ort, an dem sich der Kunde beim Einkaufen wohl fühlen darf und Kommunikation gelebt wird. (…) Produkte mit Geschichte und für besondere Ernährungsformen. Auf den ersten Blick erkennen Sie Ursprung und Anbaumethode der zertifizierten Verbände. “

    So weit, so gut. Doch eines Tages füllt sich die Bewertungsliste der Kölner Zweigstelle innerhalb von weniger als 48 Stunden mit über 60 1-Stern-Bewertungen mit etwa dem folgenden Charakter:

    Der erste Supermarkt, der sich aussenpolitische Kompetenz anmaßt. Verkauft Datteln und nicht Eure Meinung. (Elio Adler)

    „Wenn sich ein Lebensmittelgeschäft in die Politik einmischt, hat es verloren.“ (Robert Baranj)

    Datteln aus „besetze pal. Gebiete“? Ernsthaft. Macht Ihr jetzt Außenpolitik? (Gerd Buurmann)

    Früchte mit politischer Botschaft; demnächst liefern Sie auch schlesische Pflaumen aus den deutschen besetzten Gebieten? (Salco Spanjaard)

    Was ist da passiert?

    Die Etikette im Denn’s Biomarkt. Foto: Privat

    Zurück geht der Bewertungs-„Shitstorm“ auf ein Foto einer Bekannten aus Köln, das sie vor zwei Tagen wütend in einem deutschsprachigen Aktivistenforum geteilt hatte. Auf diesem Bild ist das Preis- und Herkunftsschild von einer 100g-Packung der bekannten und beliebten israelischen Medjoul-Datteln abgebildet. Für 2.29 Euro kann man 100g Datteln aus dem Ursprungsland bes.paläst.Geb  kaufen.

    Bes.paläst.Geb?

    Was zum… , dachte sich meine Bekannte, und viele weitere auch, die durch das Foto auf die fragliche Initiative des Biomarkts, politische Verhältnisse im Ausland in drei willkürliche Abkürzungen zu fassen, aufmerksam wurden. Offenbar sei das besagte „Ursprungsland“ auf Etiketten derselben Marktkette in anderen Städten nicht gesichtet worden – so berichteten zumindest Käufer/-innen aus Berlin und Oldenburg. Was aber hat es mit dem vermeintlichen Ursprungsland in der Kölner Filiale an sich? Was für „besetzte palästinensische Gebiete“ sind hier gemeint und welche Interessen stehen hinter dieser Bezeichnung?


    Die beliebte (und umstrittene?) israelische Medjoul-Dattel. Quelle: Oren Farm

    Zum besseren Verständnis:  Medjoul-Datteln stellen die beliebteste und meistverkaufte Sorte Datteln auf dem Weltmarkt dar. Dabei liefert Israel etwa 65-75% aller Medjoul-Dattelexporte, insbesondere nach Europa (Quelle: The Marker). Andere größere Exportländer sind der Iran und Ägypten. Die Ursprünge der Dattelsorte liegen in Marokko, die Pflanze gelangte erst 1989 nach Israel, über Amerika. Innerhalb von knapp 30 Jahren übernahm Israel die Führung bei dem Dattelexport dieser Sorte auf dem Weltmarkt. Die Plantagen selbst befinden sich in mehreren Gebieten in Israel: im Norden, angefangen am See Kineret (Genezareth) bis hinunter ins Jordantal an der jordanischen Grenze und um Jericho herum (C-Gebiet, unter israelischer Militärverwaltung entsp. den Oslo-Abkommen von 1994); und im Südosten, in der Arava-Wüste (offizielles isr.Staatsgebiet), ebenso an der jordanischen Grenze. Die Landwirte, die sich dem Anbau der Medjoul-Dattelpalme im Jordantal und der Arava-Wüste widmen, unterstehen einer Dachorganisation namens „Dattel-Tisch“, die sie ihrerseits im nationalen Landwirtschaftsverband vertritt. Firmen, deren Datteln in Vertriebe von organischen Produkten exportiert werden, besitzen nationale Organwirtschaft-Auszeichungen und müssen internationale Vorschriften für organische Bewirtschaftung erfüllen.

    Unternehmen wie „The Golden Date תמר הזהב“ und „Oren Farm משק אורן“ besitzen Plantagen im Jordantal; andere, wie „Sea Gal“ bei Idan und in der Ortschaft En Yahav vertreiben Datteln aus der Arava. Von insgesamt ca.20.000 Dunam Dattelplantagen in ganz Israel ist die Plantagenfläche in der Arava von 4000 Dunam in 2014 auf 7023 Dunam in 2017 angewachsen und erstmals werden auch größere Mengen nach China und Indien geliefert, um abseits von Europa und den USA einen neuen Markt auszunutzen. (Quellen: Isr.Landwirtschaftsportal, INN)

    Gilad Dotan, Plantagenleiter aus der Arava-Wüste. Quelle: The Marker

    Warum man dem europäischen Markt beginnt, den Rücken zu kehren? Gilad Dotan, Plantagenleiter in En Yahav (Arava-Wüste):

    „Es gibt Anzeichen eines Boykotts auf israelische Waren.“

    Ein weiterer Plantagenbesitzer bekundete:

    „Vor zwei Jahren  (nach einer Obstmesse in Europa in 2014, Anm.DS)  kam man zu uns angerannt, heute hält man sich vom israelischen Export fern. Es ist ein stiller Boykott. Die Vertreiber bestellen die Produkte nicht, denn sie wollen Provokationen seitens der Israelgegner vermeiden.“ (The Marker, 01.03.16)

    Dabei würden Marktketten, die aus politischen Gründen keine Produkte aus dem Jordantal importieren wollen, die Datteln aus der Arava erhalten.


    Vielleicht ist jetzt die Lage, nach dieser kurzen Einführung oben, etwas leichter zu verstehen – und wird dadurch noch empörender:

    Weshalb bezeichnet ein Biomarkt seine Produkte in verschiedenen Filialen anders, zudem noch mit Bezeichnungen, die alles andere als den politischen Kontext und die gesetzliche Lage vor Ort widerspiegeln? Am 11.11.2015 hatte die EU-Kommission nach Abstimmung die Kennzeichnungspflicht für Produkte aus Judäa und Samaria bzw. „von Israel seit 1967 besetzten Gebieten“ eingeführt. In meinem Beitrag habe ich darüber ausführlich berichtet, u.a. auch darüber, dass schon seit 2003 Produkte von jenseits der „Grünen Linie“ anderen Zahlencode als restliche israelische Produkte hatten.

    Das alles macht aber das Ursprungsland der Medjoul-Datteln noch immer nicht zu „bes.paläst.Geb“! Denn:

    • Hell-/dunkelrosa: C-Gebiete. Quelle: Wikipedia

      Die Tatsache, dass ein Teil (!) des Jordantals  (südlich von Bet She’an bis nördlich von En Gedi) nicht offizielles Staatsgebiet Israels ist, sondern entsprechend den palästinensisch-israelischen Abkommen von 1994 unter demnach legaler israelischer Verwaltung steht (C-Gebiet), macht diese Territorien nicht zu „palästinensischen“! Das letztere ist eine politische Interpretation von nichtzutreffenden Zuständen und Schlussfolgerungen aus nichtstattfindenen Verhandlungen, und ein Lebensmittelmarkt hat keine Befugnis, diese in seine Bezeichnungen einfliessen zu lassen!

    • 90% der Dattelernte, die in der Arava-Wüste gesammelt wird, weit weg von etwaigen Palästinensern und ihren mutmaßlichen Gebieten, wird ins Ausland, mehrheitlich nach Europa, exportiert. Wie kann ich mich auf einen Biomarkt, der eigene politische Ansichten (möglicherweise basierendauf den Nahostkenntnisen des Filialleiters, der diese aus den öffentlich-rechtlichen Medien bezieht) auf Etiketten druckt, verlassen, dass dieser tatsächlich Datteln aus dem Jordantal und nicht Datteln aus der Arava als „palästinensisch“ etikettiert hat?
    • Wenn sich gesetztestreue deutsche Marktvertreiber seit 2015 nun mit einem Mal an Kennzeichnungspflichten für jüdische Produkte halten möchten, dann wäre die Bezeichnung „Westjordanland – israelische Siedlung“, wie sie 2015 im EU-Kommittee vorgelegt worden war, in diesem Sinne treffender. Aber, mit Verlaub, seit wann werden Dattelplantagen in Siedlungen angebaut? Die Plantagen umfassen tausende von Dunam an der jordanischen Grenze abseits fester Wohnpunkte (arabischer und jüdischer zugleich), und  das – wie schon oben erwähnt – in einem als unter israelischer Kontrolle vereinbartem Gebiet.

    Der Filialleiter aus der Dürener Straße wurde von meiner Bekannten auf die Bezeichnung auf der Etikette angesprochen, sah sich aber im Recht, beteuerte, politisch korrekt gewesen zu sein und verwies an die Zentrale, von welcher die Schilder an den Laden zugeschickt worden waren. Alles zusammen schaut die Leitlinie in diesem Fall so aus, wie sie schon 2015 die stellvertretende Außenministerin Tzipi Hotovely kommentierte: „Es riecht nach Boykott“, und nach Informationsvergabe à la „Wisset, dass ihr beim Juden kauft“ . Und sorgt dafür, dass sich Boykott- und Hetzkampagnen von propalästinensischen Extremisten wie BDS durch einen solchen Kniefall vor wirtschaftlicher Ausgrenzung bestärkt fühlen.

    Den palästinensisch-arabischen Bauern und der sonstigen Bevölkerung bringt es selbstverständlich nichts, außer Likes von ideologisch erregten Jugendlichen und leeren Geldbörsen bei ihren von der Arbeit entlassenen Vätern, wenn eine solche Firma sich entscheidet, ihren Vertriebsort in weniger umstrittene Gebiete zu verlegen. Aber wann stand das Wohl der einfachen arabischen Bevölkerung jemals auf der Agenda der Israelgegner?…

    Ob der „Shitstorm“ der Bewertungen auf der Facebook-Seite etwas bringt, wird sich zeigen. Ansonsten kann man sich vor Ort sehen lassen oder aber an die besagte Zentrale schreiben und dabei einige meiner Informationen und Argumente verwenden, die ich angeführt habe. Vielleicht hilft es ja, oder aber wird wenigstens darauf aufmerksam gemacht werden, dass sich manche Verbraucher nicht zu politischen Narren machen lassen.


    denn’s Biomarkt GmbH

    Hofer Str. 11
    D – 95183 Töpen
    Telefon: (+49) 09295-18 – 5000
    Telefax: (+49) 09295-9141 – 5000
    E-Mail: info@denns.de

    Vertretungsberechtigter Geschäftsführer: Thomas Greim

    denn’s Biomarkt Köln

    Dürener Straße 160-162, 50931 Köln

    +49 221 4065935

    Dialog an Weihnachten

    Frohe Weihnachten und schöne Feiertage an all meine Freunde und Leser und ein frohes und gelungenes neues Jahr!

    Quelle: pinterest

    Die Abbildung auf der Weihnachtskarte rechts hat mich zu einem kleinen Dialog inspiriert, wie er sich heute zwischen den heiligen drei Königen und einem palästinensischen Polizisten/UN-Funktionär/Menschenrechtsaktivisten/Journalisten anhören könnte…


    „Soso, nach Judäa wollen Sie. Judäa, das gibt es nicht. Es heißt Palästina. Wohin wollen Sie denn genau?“
    „Nach Bethlehem.“
    „Und wen suchen Sie dort?“
    „Den neugeborenen jüdischen Jungen, Jesus heißt er. Ist mit seiner Familie dort.“
    „Jüdisch? Juden sind hier in Judäa illegal, wissen Sie das nicht? Und wenn sie sich in Bethlehem aufhalten, machen sie sich strafbar!“
    „Oh…“
    „Außerdem kann es für Sie unangenehm werden, wenn Sie die Leute in Bethlehem nach einem Juden fragen. Wie heißen die Juden nochmal, sagen Sie?“
    „Maria und Josef. Das Neugeborene heißt Jesus.“
    „Kaum zu glauben. Hat es doch eine Siedlerfamilie geschafft, sich illegal in der Stadt einzunisten… Seien Sie vorsichtig. Sonst werden Sie noch für welche von ihnen gehalten…“

    Quelle: online