Archiv der Kategorie: Wandern

Schreibpause, Updates

Liebe Leser/-innen,

wie ihr schon gemerkt haben werdet, habe ich seit Längerem nichts Neues mehr veröffentlicht. Ich habe momentan eine Schreibpause eingelegt, die wohl noch etwas dauern wird; ich hoffe, ihr werdet es mir verzeihen und dennoch weiterhin auf den Blog schauen. Es lohnt sich, den Blog zu abonnieren, um so nicht zu verpassen, wenn ich wieder neue Beiträge hochladen werde. (Siehe „Lies mit“ rechts in der Seitenleiste ⇒ )

Es haben sich in dieser Zeit einige Dinge um die jüdische Gemeinschaft in Judäa und Samaria getan:

  • das Pessach-Fest ist am Montag (17.04) zu seinem Ende gekommen. Tausende von Besuchern aus dem ganzen Land bevölkerten während der Pessach-Feiertage (7 Tage insgesamt) die zahlreichen Besucherattraktionen und Wanderrouten in ganz
    Blick aufs Tote Meer

    Judäa und Samaria. Auch ich habe mich, wie vor fast drei Jahren, auf eine Nachtwanderung zwischen der Ortschaft Kfar Eldad im Osten Gush Etzions und dem Toten Meer, quer durch die Judäische Wüste, begeben;

  • wenige Tage vor Pessach ereignete sich ein Attentat gegen zwei an der Bushaltestelle gegenüber der Ortschaft Ofra wachende
    Sg.Elhai Taharlev sel.A.

    Soldaten. Ein Terrorist überfuhr diese mit seinem Wagen. Dabei wurde der Soldat Elhai Taharlev (20) aus der unweit von Ofra liegenden Ortschaft Talmon getötet. Die trauernde Familie musste ohne ihren Sohn das Pessachfest begehen;

  • der Gründer und rabbinische Vorstand der Vorbereitungsakademie für die Armee in Eli (Binyamin-Region), Rabbiner Yigal Levinstein, hat mit seinen taktlosen
    Rabbiner Yigal Levinstein

    Ausführungen zum geschlechtsgemischten Armeedienst einen Skandal und eine große Debatte innerhalb der Gesellschaft ausgelöst, vor allem in nationalreligiösen Kreisen und bei führenden Rabbinern der Siedlerbewegung;

  • das Mädchen Ayala Shapira, welche im Dezember 2014 (Die Siedlerin berichtete) von einer Brandbombe, die ein jugendlicher Attentäter auf das Familienauto geworfen hatte, schwer verletzt worden war, hielt eine Ansprache vor Mitgliedern des EU-Parliaments im Rahmen der neu gegründeten „Freundschaftsgruppe für Judäa und Samaria“, einer
    Ayala Shapira spricht vor den Parlamentariern

    Unterstützungsgruppe aus EU-Parlamentariern, die vom Vorsitzenden der Regionalverwaltung Judäa und Samaria, Yossi Dagan, initiiert worden war. In ihrer Ansprache, bei welcher auch ihre Eltern dabei gewesen waren und gesprochen hatten, wies Ayala die Anwesenden darauf hin, dass bestimmte EU-Gelder, die an die palästinensische Autonomiebehörde überwiesen werden, von dieser an die Attentäter und ihre Familien gezahlt würden, und bat, die Überweisung dieser Gelder zu stoppen.

  • die „Autobahn des Terrors“ zwischen dem Dorf Hussan und der Stadt Beitar Illit in Gush Etzion, auf welcher es täglich
    Das Auto von Eli’ezer Lesovoy nach der Attacke

    Steinattacken gegen israelische Fahrzeuge gegeben hatte, wurde gerade durch die Armeekräfte als „ungefährlich“ erklärt – kurz darauf begann der Steinterror wieder, und das trotz eines Briefes der Einwohner von Hussan, sie würden sich gegen die Attacken stellen und sich die jüdischen Einkäufler im Dorf zurückwünschen. Auch das Auto meiner Freunde wurde von einem großen Steinblock getroffen – es gab zu Glück keine Verletzte;

    Shlomo Neeman
  • der neue Regionalvorsitzende von Gush Etzion, Shlomo Ne’eman, der im März dieses Jahres gewählt worden war, hat endlich seine Arbeit vollends aufgenommen;
  • und natürlich kommt man nicht um Steinattacken und hin und wieder Molotow-Cocktails auf israelische Autos und Molotow-Cocktails auf  herum. Und ab und zu gibt es auch feindliche Auseinandersetzungen zwischen jüdischen und arabischen Nachbarn – zumeist in der Samaria-Region.

Auch ich habe einiges hinter mich gebracht – so beispielsweise eine kleine Gruppe deutschsprachiger Teilnehmer einer Bildungsreise, die von der taz und ihrer Israel-Korrespondentin Susanne Knaul, zusammen mit ihrem Kollegen Georg Baltissen, organisiert worden war.

Ich hoffe, bald wieder zum Schreiben zu kommen und verbleibe bis dahin mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen für den Frühling. Ich hoffe sehr, dass diejenigen unter euch, die Ostern feiern, ein gelungenes Fest gehabt haben!

Chaya

 

Mandelblüten-Schönheit

Der Frühling kehrt endlich ins Land ein, nach einem relativ trockenen und frostigen Winter, und es ist die Zeit für die Mandelbäume, die ersten Blüten zu zeigen, und nur einige Wochen später in voller weißer Pracht dazustehen und unsere Gärten, Straßen und Felder zu schmücken. Mandelbäume sind im gesamten israelischen Gebiet und somit auch in Judäa und Samaria weit verbreitet; entweder werden sie für Schönheit gepflanzt, oder für den Früchteertrag – vor allem bei den arabischen Bauern, die diese ernten.

Ich möchte euch gerne einige schöne Aufnahmen unserer blühenden Mandelbäume aus diesem Jahr zeigen. Einige habe ich

Yaron Rozental, Direktor der Feldschule (Quelle: NRG)
Yaron Rozental  (Quelle: NRG)

selbst aufgenommen, andere wurden von Yaron Rosental, dem Direktor der Feldschule Kfar Etzion, gemacht, der auch nebenbei ein begnadeter Fotograf ist. Wie die Mandeln selbst aussehen und was ich damit für Erfahrungen gemacht habe, könnt ihr hier lesen.

Laubhüttenfest überall

Das Laubhüttenfest – Sukkót-Fest auf Hebräisch – ist seit dem 16.Oktober im vollen Gange. Sieben Tage wird dieses aus der Tora stammendes Fest mit seinen Geboten gefeiert, und wird in derselben als ein Fest der letzten Ernte, ein Fest des Wassers, der Gottvertrauens und der Freude beschrieben.

(Sukkot in Judäa und Samaria – weiter nach unten scrollen)

Ernte, weil in dieser Zeit die zweite Erntezeit zu ihrem Ende kommt – im Land Israel gibt es sowohl im Früh- als auch im Spätjahr Erntezeit.

Wasser, weil in der Zeit um das Sukkot-Fest herum die ersten Regenfälle beginnen und die Sommerzeit offiziell zu Ende ist. Auch wird das Fest traditionell als die Zeit betrachtet, in der Gott darüber entscheidet, welche Wassermenge dem Neuen Jahr (das an Rosh Hashana vor drei Wochen begonnen hat) zugesprochen wird.

Gottvertrauen, weil eines der wichtigsten Gebote des Sukkot-Festes die eigentliche Sukká – die Laubhütte – ist, in Erinnerung an die Zeit, in der die Kinder Israels, die den Anfang des jüdischen Volkes legten, aus Ägypten zogen und die Zeit in der Wüste in laubhüttenähnlichen Gebilden verbrachten. Die Anweisung dazu, eine solche Sukka zu bauen und in ihr zu wohnen – sprich, zu essen und zu schlafen – findet sich mehrfach direkt in der schriftlichen Tora, so zum Beispiel im zweiten und dritten der fünf Bücher Moses (2.B.M. Kap.23, 16; 3.B.M.Kap.23,  39-42).

Die Sukka, so erklären es Gelehrte wie Maimonides (Rambam) und Rabbi Yakov Halevi (Maharil) aus Mainz, steht sowohl für die Unbeständigkeit der menschlichen Existenz als auch für die Bedrängnis, die das Volk in der Wüste durchmachen musste. Die Laubhütte, die von nun an in jeder Generation einmal im Jahr

So schläft sich in der Sukka von Tuvia, dem Nachbarsjungen (Alon Shevut)
So schläft sich in der Sukka von Tuvia, dem Nachbarsjungen (Alon Shevut)

errichtet werden soll, dient dazu, um jedem Juden und jeder Jüdin am eigenen Leib beispielhaft „klar zu machen“, was es bedeutet hatte, in einer Wüste ungeschützt unter offenem Himmel in einem wackeligen Gebilde zu sitzen und zu schlafen, und sich dabei nur auf den Schöpfer zu verlassen.  Eine weitere Interpretation besagt, dass durch den symbolischen (und physisch sehr nachvollziehbaren) Akt der Laubhütte wir unseren Glauben auch öffentlich stärken sollen – denn gerade, wenn das Wetter von warm zu kühl umschlägt und Regenschauer drohen, verziehen sich die meisten Menschen ins warme Heim; die Juden jedoch ziehen nach draußen und schlafen (meistens zumindest) in den unfesten Bauten, weil ihnen das Gesetz so befielt.

Und was soll die Freude besagen?

Sukkot soll das fröhlichste Fest der gesamten Jahreszeit werden. Tatsächlich sind es sieben Tage, die vor allem in Israel bemerkbar werden, wo die jüdische Religion heute endlich nach fast 2000 Jahren offen und in all ihren Variationen ausgelebt werden kann. Der erste Feiertag ist Ferientag und auch in den nachfolgenden sechs haben viele Ferien – vor allem die Kinder. Die meisten nutzen die Zeit für Wanderungen  und Ausflüge mit der Familie. Naturparks, Vergnügungsparks, Wanderwege, Konzerthallen, Freiluftmuseen, Zoos und andere Attraktionen und Veranstaltungen sind randvoll mit Menschen, als gehe die gesamte Bevölkerung auf Reisen. Andere ziehen es vor, in diesen Tagen ins Ausland zu fliegen,

Theatervorstellung in Samaria. Quelle. Facebook Shomron Tourism
Theatervorstellung in Samaria. Quelle. Facebook Shomron Tourism

aber die Statistiken zeigen, dass das Land nicht leergefegt wird – im Gegenteil, es kommen umso mehr Besucher aus dem Ausland nach Israel. Jerusalem bekommt über eine Million Besucher in dieser Zeit – denn Sukkot ist auch als eins der drei Pilgerfeste bekannt. Auch das ist in der Tora festgeschrieben – an Sukkot, so wie auch an Pessach und dem Wochenfest Shavu’ot (die beiden letzten im Frühjahr) sollen Juden nach Jerusalem, zum Tempel aufsteigen und dort das Fest feiern.

Als beide Tempel, deren Existenz die UNESCO beschlossen hat, zu verneinen, noch standen, fanden in ihnen festliche Opfergaben statt. Die Stadt war mit Familien der Pilger überfüllt; man kann sich vorstellen, dass zu dieser Zeit auch Veranstaltungen für diese stattfanden, und die wichtigste davon – die Wasserschöpf-Feier. Im Talmud wird beschrieben, wie das Wasser, welches aus der Shilo’ach-Quelle südlich des Tempelbergs in der damaligen Davidsstadt (heute als Ostjerusalemer Silwan-Viertel bekannt) entnommen und von Priestern in den Tempel gebracht und dort auf den Altar gegossen wurde. Von der Freifläche neben dem Altar führte ein Kanal tief unter den Tempelberg – so gelang das von oben gegossene Wasser wieder nach unten, der „Kreis“ schloss sich. Diesen Akt umrahmten Festlichkeiten und Vorstellungen zur Belustigung des Publikums – Akrobaten, Jongleure, Musik und Tanz. Kurzum, aller Grund zur Freude.

Noch etwas Erwähnenswertes fand in diesen sieben Tagen statt – im Tempel wurden 70 Stiere geopfert, symbolisch für die 70 Nationen dieser Welt. Sukkot sollte also nicht nur ein „innerjüdisches“ Fest sein, sondern auch die restliche Welt mit einschließen und diese am Gottesdienst teilhaben zu lassen. Traditionell dazu findet der „Jerusalem-Marsch“ in diesen Tagen statt – zu diesem kommen zehntausende israelbegeisterte Besucher aus verschiedenen Ländern, die meisten davon christlichen Glaubens, und marschieren durch Jerusalem in Nationaltrachten und mit Nationalfahnen.


Wie wird Sukkot in Judäa und Samaria gefeiert?

Natürlich sehr üppig. Was kleinere Orte und durchwegs religiöse Städte und Siedlungsblöcke wie Betar Illit, Modi’in Illit, Gush Etzion,

Sukka von Tzippi und Eli
Sukka von Tzippi und Elior

Talmon-Region, Nordwestbinyamin und Südhevronberge angeht, so findet man wohl bei jeder Familie eine Sukka vor dem Haus oder im Garten stehen, in allen möglichen Ausführungen – mit Holzwänden, Stoffwänden, Metallwänden, einem Laub-, Palmen- oder

Bambusdach, den ganzen  Garten und die Straße belegend oder nur in einer kleinen Ecke sich ans Haus drängend; und was die Innendekoration betrifft, so sind ihr keine Grenzen gesetzt. Eine

Sukka von Hanani und Rivka
Sukka von Hanani und Rivka

„koschere“, sprich gültige Sukka, hat eine bestimmte Mindestgröße

von etwa 60x60cm, mit einer Wandhöhe von min.80cm und max.10 Metern. Sie muss mindestens drei unvollständige Wände besitzen und das Dach muss mit Pflanzenmaterial bedeckt sein und etwas Lichteinfall in die Hütte selbst garantieren.

Auch in den größeren gemischten Städten wie Ma’ale Adumim und Ariel finden sich, wie in ganz Israel eigentlich, Sukkot. Besonders kurios für den nicht gewohnten Besucher sind die portablen Sukkot vor jedem Restaurant und Café, damit die Kunden auch bei Kaffee, Kuchen und Gulaschsuppe das Gebot des Sitzens in der Sukka erfüllen können. Natürlich standen auch bei uns an den Einkaufsläden im Gush Etzion diese niedlichen Bauwerke.

Drachen steigen lassen in Elon Moreh, Samaria. Quelle. Shomron Tourism
Drachen steigen lassen in Elon Moreh, Samaria. Quelle. Shomron Tourism

Was Freizeit angeht, so sind die Sukkot-Feiertage eine Hochsaison für den Tourismus in Judäa und Samaria. Sämtliche touristische Attraktionen werden von Menschenmengen aufgesucht – und das von einem sehr gemischten Kontingent. Sukkot ist die Zeit, in der die Freizeiteinrichtungen in Judäa und Samaria ihre Tore einem mannigfaltigen Publikum öffnen und sich stolz präsentieren können in der Hoffnung, dass die Besucher auch nach den Feiertagen

Kamelreiten in Samaria. Quelle: Shomron Tourism
Kamelreiten in Samaria. Quelle: Shomron Tourism

zurückkehren werden. In dieser Zeit werden die Sicherheitsstandarts in der Region erhöht, die Attraktionen in freier

Natur zusätzlich bewacht. Historische Stätten wie der archäologische Park in Sussya

Kinder in Shiloh, Südsamaria. Quelle: Ancient Shiloh Tourism
Kinder in Shiloh, Südsamaria. Quelle: Ancient Shiloh Tourism

(Südhevronberge), das Herodium bei Gush Etzion, das Freilichtmuseum bei der antiken Tempelstadt Shiloh in

Binyamin, der erste Samaria-Außenposten nach dem Sechstagekrieg in der antiken Stadt Sebastia, Wanderwege in den malerischen Bergen und Schluchten erwachen zum Leben; Campingplätze und Bed&Breakfast-Zimmer werden voll belegt. Feldschulen wie die von Kfar Etzion unter der Leitung von Yaron Rozental organisieren

Musik und Spiel in Binyamin, Quelle: BInyamin Tourism
Musik und Spiel in Binyamin, Quelle: BInyamin Tourism

themenpassende Ausflüge in die Natur.

Hier ein Video vom „Bibel-Marathon“ in Shiloh am 21.Oktober:


Das sind die Gewinnerinnen unter den Marathonläuferinnen:

Quelle: Facebook The Bible Marathon
Quelle: Facebook The Bible Marathon

Sukkot ist ein schöner Feiertag. Er ist vor allem auch schön, weil mit einem Mal vielen Israelis bewusst wird, dass die Geschichte ihrer

Quelle: Binyamin Tourism
Quelle: Binyamin Tourism

Vorväter sich gerade dort abspielte, wo sie in regulären Zeilen keinen Fuß hinsetzen wollen – in den Bergen und Tälern der Samaria-Judäa-Bergkette. Hier – und nicht in Tel Aviv, Ashdod oder Nahariya – befinden sich die Wegezeichen der alten Pilgerer, die durch die Berge nach Jerusalem zogen; hier sind die Wasserquellen,

Dolev-Wasserquelle, BInyamin-Gebiet. Quelle: Binyamin Tourism
Dolev-Wasserquelle, BInyamin-Gebiet. Quelle: Binyamin Tourism

die die tausendjährige Hauptstadt mit Wasser versorgten; hier waren die Zentren von Religion und Tradition; und noch immer warten viele Stätten darauf, dass die Nachfahren derjenigen, die sie errichtet und genutzt hatten, sie für sich wiederentdecken.

Auch ich habe eine Wanderung mitgemacht – im sogenannten Wadi Heletz, von der Aussichtsplattform bei Neve Daniel im Tal unter Beit Jalla-Bethlehem, durch die Olivenhaine des arabischen Dorfes Battir, vorbei an der Zugstrecke Jerusalem-Bet Shemesh und zum Biblischen Zoo in Jerusalem. Die Bilder kann man sich hier anschauen:

Sukkot ist ein Fest der Gastfreundschaft. Arbeitskollegen, Bekannte, Freunde – religiös,  nicht religiös, ja nicht mal jüdisch – treffen sich unter dem Laubdach. Arabische Gäste in jüdischen Sukkas sind kein seltener Anblick.

In Judäa und Samaria ist es leider kein Alltag und auch eine sehr, sehr große Seltenheit – soweit es überhaupt an die Öffentlichkeit dringt. Allerdings gibt es auch Präzedenzfälle – so wie den Bürgermeister von Efrat in Gush Etzion – Oded Revivi, welcher in diesem Jahr mehrere dutzend palästinensische Araber aus den

Arabische Dorfeinwohner und Soldaten umarmt - ein seltener Anblick. Quelle: Facebook, Oded Revivi
Arabische Dorfbewohner und Soldaten umarmt – ein seltener Anblick. Quelle: Facebook, Oded Revivi

Nachbardörfern gemeinsam mit israelischen Offizieren und Polizeibeamten zu sich in die Laubhütte eingeladen hatte. Die Veranstaltung soll freudig und in positiver Atmosphäre abgelaufen sein, es wurde gegessen, getrunken, gesprochen und viele Selfies geschossen. Die Folgen ließen leider nicht lange auf sich warten – aber dazu im gesonderten Beitrag.

Heute, 23.10.16, ist der letzte Tag des Sukkot-Festes und der Vorabend eines weiteren, mit Sukkot wenig zu tun habenden Feiertags – Shmini Atzeret bzw.Simchat Tora, das Tora-Freudenfest. Und nachdem alle Feiertage vorbei sein werden, erwartet alle der „Sprung ins kalte Wasser“ der regulären Wochentage…wir hoffen, dass der Regen nicht mehr lange auf sich warten lassen wird.

NEWS: Kinder verunglückt, Tochter geboren

Zwei entgegengesetzte News aus dieser Woche, die die Gemeinschaften in Judäa und Samaria berühren:

Kinder aus Ma’ale Michmash (Binyamin) in Georgien bei einem Autounfall verunglückt.  

Achinoam Grinfeld sel.A. Quelle: Walla
Achino’am Grinfeld sel.A. Quelle: Walla

Zwei Kinder der Familie Grinfeld aus der Ortschaft Ma’ale Michmash (Binyamin-Südsamaria, mehr dazu hier), Achino’am (10) und Nevo (5), sind bei einem schweren Autounfall während eines Familienausflugs der Grinfelds in Georgien getötet worden. Die Familie – Vater Hanoch, Mutter Noa und vier ihrer Kinder –

Nevo Grinfeld sel.A. Quelle: Walla
Nevo Grinfeld sel.A. Quelle: Walla

Nevo, Ivri, Achino’am und Yiftach – waren mit einem Jeep im georgischen Nationalpark Tusheti unterwegs. Den ersten Ermittlungen zufolge sei der Jeep der Familie vom Weg abgekommen, habe sich überschlagen und in einem Kanal am Wegesrand gelandet. Mehr konnte die Polizei vor Ort nicht mitteilen. Achinoam und ihr Bruder Nevo starben bei dem Unfall, zwei weitere Brüder und der Vater wurden leicht verletzt, die Mutter schwer.

Hier liegt Ma'ale Michmash
Hier liegt Ma’ale Michmash

Das israelische Konsulat vor Ort in Zusammenarbeit mit dem israelischen Außenministerium organisierten die Notüberführung der Familie nach Israel und landeten – als Ausnahmeflug am Fasten- und Ruhetag Yom Kippur (12.10), an welchem der FLughafen nicht in Betrieb ist – im Ben-Gurion-Flughafen, von dort aus wurden sie ins Hadassah-Hospital in Jerusalem überführt. Noah Grinfeld wurde bisher operiert und ihr Zustand wird noch immer als schwer bewertet. Die Leichen der beiden Kinder werden offenbar heute nachmittag (13.10) in Israel ankommen, die Beerdigung findet voraussichtlich am kommenden Freitag statt. (Quelle: Walla)

Familienfoto links nach rechts: Nevo sel.A., Ivri, Achino'am sel.A., Vater Hanoch und Yiftach. Quelle: Walla
Familienfoto links nach rechts: Nevo sel.A., Ivri, Achino’am sel.A., Vater Hanoch und Yiftach. Quelle: Walla

Familie Litman, welche Vater und Sohn beim Attentat verloren hat, hat ihre erste Enkelstochter:

Vor etwa 11 Monaten, am 13.11.15, ermordeten Terroristen auf der Autobahn 60 Richtung Südhevronberge den Rabbiner Yakov

Yaakov Litman und Sohn Netane hy'd
Yaakov Litman und Sohn Netane hy’d

Litman und seinen Sohn Netanel. Die Schwester von Netanel, Sarah Techiya, sollte eine Woche später heiraten. Was als grausiger Terroranschlag und Verlust von Vater und Bruder begann, mündete

in einer „Hochzeit des Jahres“, welche Sarah und ihr Verlobter Ariel in der „Nationalkongresshalle“ in Jerusalem abhielten und zu der sie, zu Ehren der Ermordeten und als

Sara Techiya und Ariel, Quelle: Israellycool
Sara Techiya und Ariel, Quelle: Israellycool

Widerstandszeichen, das ganze Land einluden. Ich habe darüber in „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ berichtet, und war selbst bei dieser berührenden und einzigartigen Hochzeit zugegen.

Wie der Onlinenachrichtendienst INN gestern abend (12.10) mitteilte, ist dem schon fast ein Jahr verheirateten Paar Sarah und Ariel an diesem Versöhnungstag Yom Kippur  – sprich, gestern – eine gesunde Tochter geboren worden.  Es ist die erste Enkelin von Sarahs Mutter Noa – und dem ermordeten Vater Ya’akov.
Mazal Tov, Sarah Techiya und Ariel!

NEWS: Zivilverwaltung zerstört Bäume

Die Feldschule des Kibbutz Kfar Etzion schlägt Alarm:

Die israelische Zivilverwaltung holzt unkontrolliert zehntausende von Bäumen im Bereich Gush Etzion ab!

Foto: Yaron Rosental
Foto: Yaron Rosental

 

Yaron Rosental ist der Direktor der lokalen Feldschule im Kibbutz

Yaron Rosental. Quelle: Facebook
Yaron Rosental. Quelle: Facebook

Kfar Etzion, im Herzen der Gush Etzion-Region von Judäa. Die Feldschule unter seiner Leitung fördert Natur- und Geschichtsbewusstsein, veranstaltet unzählige Wandertage, Informationsabende, Geschichtsforschung, leitet archäologische und ökologische Projekte, bietet Aktivitäten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene; sie steht

Symbol der Feldschule von Kfar Etzion
Symbol der Feldschule von Kfar Etzion. Zum Link in Englisch aufs Bild klicken

auch für die Förderung der nachbarschaftlichen Beziehungen zwischen den lokalen jüdischen und arabischen Einwohnern ein.

Yaron Rosental veröffentlichte diese Meldung bei sich im Facebook-Profil vor etwa drei Tagen und schickte sie ebenso weiter an die Mailverteiler der lokalen Ortschaften und und benachrichtigte darüber auch die Bezirksverwaltung und andere.

Was ist eigentlich passiert?

Rosental erklärt:

„Wir (von der Feldschule Kfar Etzion) haben rausgefunden, dass in der letzten Woche die Zivilverwaltung mehrere zehntausend Bäume in  Gush Etzion gefällt hat; in manchen Gegenden sind bis zu 80% der Bäume abgeholzt worden. Diese Bäume sind von den Pionieren von Gush Etzion vor etwa 50 Jahren gepflanzt worden, und wir spielten und picknickten zwischen diesen Bäumen als Kinder und Jugendliche.

Als wir bei der Zivilverwaltung nachfragten, warum diese Bäume abgeholzt werden würden, so wurde uns geantwortet, dass es Brandstiftungen vermeiden würde, denn wenn es keine Bäume gebe, würde es schwierig sein, einen Waldbrand zu legen.“

Foto: Yaron Rosental
Foto: Yaron Rosental

Weiterhin beschreibt er die Gebiete, in welchen ein umfassender Anteil des Waldes schon nicht existent geworden war – so rund um die Siedlung Geva’ot und den Vergnügungspark „Gazellenland“ (Eretz Ha’ayalim). Die nächsten Abholzungspläne würden die Bäume im Sadjme-Wadi und sogar das Wäldchen um den Park Oz veGa’on betreffen (dort, wo ich vier Monate lang im Zelt geschlafen und welchen ich miterrichtet habe).

Was ist die Zivilverwaltung?

Die Zivilverwaltung ist eins der offiziellen administrativen Organe, welche sich mit der Verwaltung der Bevölkerungsangelegenheiten und allem, was nicht direkt der Militärverwaltung in Judäa und Samaria unterliegt, befasst. Sie wurde 1981 eingerichtet und ist dem Verteidigungsministerium untergeordnet. Die Zivilverwaltung ist Teil eines größeren Verwaltungsorgans, des „Koordinators von Regierungsaufgaben in den Gebieten (COGAT)“. Wenn man das Wort „Zivilverwaltung“ in der Anwesenheit von israelischen Siedlern oder Arabern in Judäa und Samaria erwähnt, wird es bei beiden größtenteils unangenehme Assoziationen wecken: Ob es nun die Zerstörung illegaler oder als illegal deklarierter Baustrukturen, die Reglementierung von Feldarbeiten, die Ausstellung von Arbeitsvisa, die Kontrolle über politischen Aktivismus, unendliche bürokratische Hürden und unbegründete Wartezeiten bei diesen oder jenen Anträgen beider Seiten angeht – für all das ist die Zivilverwaltung zuständig und auf all diesen Gebieten hat sie „Sünden“ zu verzeichnen.

***

Über Waldbrände und Waldzündeleien habe ich schon im vorherigen Sommer geschrieben, vor allem auf meiner Facebook-Seite im Rahmen von Aktualisierungen. Das geschah noch während meiner Arbeit im Sicherheitscenter von Efrat. Damals gab es mehrmals pro Woche Benachrichtigungen über Waldbrände, vor allem im besagten Gebiet von Geva’ot (West-Gush Etzion) und bei

Kahlstellen nach Abholzung im lokalen Waldgebiet.  Foto: Yaron Rosental
Kahlstellen nach Abholzung im lokalen Waldgebiet.
Foto: Yaron Rosental

den meisten handelte es sich im Nachhinein um Brandstiftung. Die Spuren der Brandstifter, so äußerten sich damals beduinische Soldaten, die für die Aufspürung der Täter verantwortlich waren, führten zumeist in die umliegenden arabischen Dörfer – Geba‘, Nahalin und andere.

Es ist offenbar üblich, dass bei hoher Gefahr von Waldbränden eine bestimmte Anzahl von Bäumen gefällt werden muss, um die Anzahl von Bäumen und Lauf zu vermindern und auch den Feuereinsatzkräften eine schnelle Anfahrt zu ermöglichen. Allerdings übersteigt die gefällte und noch zu fällende Anzahl von Bäumen um ein Vielfaches die notwendige Menge, so Yaron Rosental. Ebenso kommentiert er:

„Wir sind zwar keine Experten für Waldbrandschutz, aber es scheint uns, dass man Waldbrände durch die Auffindung und Verhaftung von Brandstiftern und die Schaffung von Anfahrtsstraßen und nicht durch ein wahlloses Fällen von Bäumen erreichen sollte.“

Im Anschlus an den Aufruf bittet die Feldschule, eine angehängte Petition zu unterschreiben und den Post zu teilen; ansonsten möge sich jeder, der sich aktiv am Protest beteiligen möchte, bei Yaron Rosental persönlich melden.

In einer Mail zu diesem Thema schrieb eine Einwohnerin von Alon Shevut, dass nicht nur eine überflüssige Anzahl von Bäumen abgeholzt werden würde, sondern die dafür zuständigen Arbeiter die größeren Baumstämme später zum Weiterverkauf nutzen würden und daher speziell große und starke Bäume der Abholzung zum Opfer fielen. Dies wurde von Yaron Rosental noch nicht bestätigt, wäre aber theoretisch durchaus möglich.

Galerie: Resultat der Abholzung durch die Zivilverwaltung. Fotos: Yaron Rosental

Unterwegs in Binyamin: Ein Fenster in die Wüste

In den diesjährigen Ferientagen während des Pessach-Festes, das bei uns sieben Tage gefeiert wird, nutzt das ganze Landvolk die Zeit, um kreuz und quer durch das Land zu reisen. Die Touristenzentren und Hauptsehenswürdigkeiten sind voll belegt, nach Jerusalem kommt vielleicht eine ganze Milion Besucher innerhalb dieser Tage, und auch die entferntesten Naturschutzgebiete, Wasserfälle, Bäche, Wälder und Aussichtspunkte kommen nicht zu kurz. „Das Wandern ist des Israelis Lust“, sozusagen. Nicht alle haben natürlich Ferien in dieser Zeit, aber die Arbeitszeiten sind verkürzt und man hat mehr Chance, Familie und Freunde zu besuchen.

Judäa und Samaria - Westjordanland. Zentrale Orte in Rot/eingekreist. Oben: Samaria. Unten: Judäa.
Judäa und Samaria – Westjordanland. Zentrale Orte in Rot/eingekreist. Oben: Samaria. Unte Jerusalem: Judäa.

Auch ich habe diese Zeit etwas nutzen können, und zwar für Ausflüge in die Gebiete, in welche ich normalerweise im Alltag weniger gelange: Nämlich in die zweite und die größere Hälfte des „Westjordanlands“, nämlich in die Gebiete des ehemaligen Stammes Binyamin (so heißt es auch heute, Binyamin-Gebiet) und ins nördlich gelegene Samaria (Shomron), alles insgesamt heute als Samaria bekannt ist – oberhalb Jerusalems.

Das Binyamin-Gebiet ist relativ gut vernetzt, beinhaltet zentrale arabische Städte unter der Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde – so Ramallah und Jericho – und auch zentrale jüdische Bevölkerungspunkte, solche wie Beit El, Ofra, Adam, Shiloh. Der Ort Psagot ist bekannt für seinen erstklassigen Wein, welche auch internationale Preise gewonnen hat. Das Industriegebiet Sha’ar Binyamin besitzt den zentralen Supermarkt Rami Levy, der für die gesamte örtliche Bevölkerung offen ist, nicht zwischen Arabern und Juden unterscheidet und dafür auch mehrere Anschläge abbekommen hat, auch im letzten halben Jahr.

Binyamin (22)
Wer erkennt die Gazellen auf dem Bild?

Was noch besonders ist an Binyamin, ist, dass es einen faszinierenden Einblick auf den Übergang von der samaritischen Bergkette und dem Hügelland in die Berglandschaft der judäischen Wüste und das Jordantal bietet. Die Berge und Hügel von Binyamin zeichnen sich durch eine wenig bewaldete Landschaft aus, die Wälder wurden erst spät angepflanzt, Naturwald findet sich mehr in Richtung Westen (über eine Wanderung im Westteil habe ich hier berichtet). Je weiter östlich man sich wendet – dort, wo auch mein Reiseweg verläuft – werden die Berge steiniger, die Landschaft trockener, trotz Frühling gelber und spärlicher. Wenn man zu einer Aussichtsplattform kommt, die die Sicht auf die jordanischen Berge bietet, kann man auch bis zum Toten Meer sehen. Es ist eine faszinierende und von Touristen wenig bereiste oder dokumentierte Landschaft, obwohl die Möglichkeiten dazu eigentlich gegeben sein könnten. Fangen wir also an, Schritt für Schritt den Ostteil von Binyamin zu entdecken.


Mit einem Freund haben wir uns um die Mittagszeit von Jerusalem aus nach Ost-Binyamin aufgemacht. Bis nach Nord-Jerusalem (was fälschlicherweise immer als „Ostjerusalem“ bezeichnet wird), durch die arabischen Viertel hindurch bis zum Militärübergang Hizma fuhren wir mit der Bahn und gingen zu Fuß, von da an waren wir auf Autostopps angewiesen, wollten wir nicht auf den Bus warten, dessen Zeitplan nicht unbedingt bequem war.  Es gibt zwei mir bekannte Übergänge, welche reguläre Fahrer nutzen – einen neben dem Dorf Qalandia und den anderen neben dem Dort Hizma. Über

Unsere Wanderkarte mit allen angefahrenen und erwähnten Orten.
Unsere Wanderkarte mit allen angefahrenen und erwähnten Orten.

Hizma gelangt man einfacher weiter und muss nicht Ramallah passieren. Einige der Fahrer wollten uns nicht dort rauslassen, wo wir rausgelassen werden wollten – an einer Autobahnkreuzung, die uns direkt in die Siedlungen des Ostteils an der Wüstengrenze

Auf dem Schild steht: "Zeit für Souveränität!" Plakat der Organisation "Frauen in Grün"
Auf dem Schild steht: „Zeit für Souveränität!“ Plakat der Organisation „Frauen in Grün“

führen würde. Es sei zu unsicher. Aus Erfahrung wusste ich, dass dort die Einwohner dieser Siedlungen einen schnell mitnehmen würden. Ein Fahrer erklärte sich schließlich bereit, und wir fuhren los. Das erste Ziel – die Siedlung Rimonim (‚Granatäpfel‘).

Wir alberten ein wenig an der Kreuzung herum, im Angesicht der schönen gelblich gefärbten Berge, da kam auch schon ein Paar und fuhr uns nach Rimonim. Zu unserer Linken lagen einige wenige weit entfernte arabische Dörfer (Ramun), zu unserer Rechten nur Verkehrsschilder und die Hügelkette. Zwischen dem Beginn der Autobahn 458 und bis zur nächstgrößten Kreuzung – immerhin etwa 18 Kilometer entfernt – befinden sich nur zwei jüdische Ortschaften

Beduinenzelte
Beduinenzelte

direkt angelegt, und eine arabische – Mughayr, alle anderen sind weiter entfernt und so erinnert die Umgebung an eine Mondlandschaft mit Ausblick auf die in der Ferne sich auftürmenden jordanischen Berge, unterbrochen hier und dort von einigen sporadischen schwarzen Beduinenzelten oder einem eingezäunten Stromaggregator. Die Armee taucht hier für längere Zeit nicht mehr sichtbar auf.

Blumenbeet an der Einfahrt
Blumenbeet an der Einfahrt

Rimonim, wohin wir fuhren, ist eine vor 36 Jahren (1977) zunächst als Armee-Lager gegründete Ortschaft. Der Name, so lässt sich bei einer einfachen Suche erfahren, ist an einen zur biblischen Zeit sich im Stammesgebiet Binyamin befindenen Ort bzw.Fels, „Rimon-Fels“, angelehnt, welcher im Buch der Richter (20.Kapitel, Vers 45) auftaucht. Die Bevölkerung der modernen Siedlung war und ist bis heute größenteils säkular. Im Dorf wohnen etwa 160 Familien und arbeiten fast ausschließlich alle in Jerusalem, der nächstgrößeren Stadt. Dabei beträgt die Fahrzeit bei fließendem Verkehr etwa 15-20 Minuten bis zum Übergang, und dann muss man natürlich in der Stadt selbst fahren…

Ein-/Ausfahrt aus Rimonim
Ein-/Ausfahrt aus Rimonim

In Rimonim befinden sich alle für die Gemeinschaft nötigen Einrichtungen –  Wasserturm, Kindergärten, kleiner Supermarkt, Sportanlagen, Jugendclub, Bibliothek, Synagoge, Sekretariat. Mein Begleiter kannte Rimonim von früheren Zeiten

Darstellung von Granatäpfeln von Yaniv Uzana
Darstellung von Granatäpfeln von Yaniv Uzana

und machte mich auf das Studentendorf „Kedma“ aufmerksam, welches sich in kleinen Karavanen nahe der Einfahrt befindet. Dort leben einige hundert (?) Studenten und beschäftigen sich mit Landwirtschaft. Auch das Schwimmbad von Rimonim ist bekannt – dorthin kommen Besucher aus den umliegenden (jüdischen) Ortschaften hin. (Warum aus den jüdischen? Weil die arabischen Dörfer durch andere Organe verwaltet werden, weil die muslimischen Regelungen, was Schwimmen und Öffentlichkeit anbetrifft, anders sind, und weil die Menschen miteinander per Absicht nicht in Berührung kommen wollen und der eine in den Ort des jeweils anderen nicht traut, insbesondere heute nicht mehr). 

Binyamin (8)
Ein Glockenspiel, „Musikecke“ steht darüber

Als wir sie betraten, war die Siedlung still. Es herrschte ein heißer Sturm – extreme Hitze, viel Wind – die meisten Einwohner Binyamin (7)würden entweder Urlaub machen oder bei sich zuhause sitzen. Wir fanden einen Garten mit kreativen Basteleien aus Metall und recht imposante Gebäude. Wir wollten auch die archäologischen Ausgrabungen ansehen, welche es am Binyamin (9)Rande der Siedlung zu besichtigen gab.

Die Ausgrabungen, so stand auf einem von Korrosion schwer zerfressenen Schild geschrieben, fanden hier zwischen 1982 und 1992 statt. Ausgegraben hatte man einen Kirchenkomplex aus byzanthinischer Zeit, allerdings sollen die ersten Lebensspuren hier
noch aus seleukidischer Zeit stammen. Nach den Byzanthinern herrschten im Land die Umayyaden und die Abbassiden, auch unter ihnen erreichten Einwohner diesen Ort. Insgesamt, so besagte das Schild, soll hier 500 Jahre lang aktives Leben gegeben haben, danach wurde der Ort verlassen. Tatsächlich fanden wir in den Ruinen einen Stein mit dem Abbild eines Kreuzes und eine halbrunde Halle. Man erkennt Eingänge und Stauräume, in den Stein gehauene Abflusskanäle und seltsame runde Vertiefungen, die häufig auch mitten in einem Raum zu finden sind. Da ich nicht sonderlich bewandert bin in Archäologie, wusste ich dieses Phänomen leider nicht zu erklären.

Die Ruinen
Die Ruinen
Der Baukomplex
Der Baukomplex
Das in Stein gehauene Kreuz
Das in Stein gehauene Kreuz

Nach der Besichtigung gingen wir zum äußeren Zaun. Wie ich sicherlich schon einmal erwähnt habe, so werden bei uns so gut wie alle Ortschaften, ob nun in den „gefährlichen“ oder den weniger gefährlichen Gebieten, generell eingezäunt. So hat sich das offenbar seit längerer Zeit ergeben, vielleicht noch aus der Zeit vor der Staatsgründung, vielleicht noch früher. Jedenfalls standen wir am Zaun und betrachteten die Landschaft. An dieser Stelle, wo der

Binyamin-Berge - weiter unten die judäische Wüste
Binyamin-Berge – weiter unten die judäische Wüste und dahinter Jericho

Wadi Wahita unter uns sich durch die Berge Richtung judäische Wüste bahnt, konnte man den drastischen Unterschied zwischen den Felsformationen der zwei aneinander grenzenden Regionen erkennen und es faszinierte mich. Auf den Bildern kann man dies genau erkennen. Die Felsart der judäischen Wüste ist viel weicher als die der Binyamin-Berge, lässt sich einfacher verformen. Die Erde des Jordantals ist sandig und lässt eine völlig andere Art der Agrikultur zu als die auf den Bergen (im Jordantal werden größtenteils Dattelplantagen angebaut). Im Hintergrund sieht man die jordanischen Berge und weiter unten spannt sich Jericho aus.

Als wir am Einfahrtstor bei unserem Verlassen der Siedlung den Wächter fragten, ob die Einwohner hier mit den Bewohnern von Jericho Kontakt hätten, bejahte er dies – es kämen Arbeiter aus Jericho nach Rimonim.


Unsere Weiterfahrt führte uns in einen weiteren Ort, einen der zwei Siedlungen an der Autobahn 458 durch Ostbinyamin – Kochav Hashachar. Mitgenommen hatte uns eine Frau, die eigentlich ganz woanders hinfuhr – in die viel weiter gelegene Siedlung Itamar, gut bekannt für ihre hohen Berge und Aussichtsplattformen – und leider traurig bekannt wegen des Mordes an der Familie Vogel im Jahr 2011 durch zwei arabische Terroristen. Die Frau plauderte mit uns und lud uns ein, zu sich zu kommen. Sie ließ uns schließlich am

Unsere Wanderkarte mit allen angefahrenen und erwähnten Orten.
Unsere Wanderkarte mit allen angefahrenen und erwähnten Orten.

Einfahrtstor heraus.

Grüne und gelbe Felder füllten unseren Blick. Plantagen inmitten steiniger Hügel und vor uns, in die Höhe ragend  – der Berg Kuba (Kubat a-Nadjma), der soviel wie Sternberg heißen soll. Wir gingen durch Binyamin (13)das Einfahrtstor hinein und folgten einem Weg durch die Felder, welcher uns zu der Wasserquelle „Ma’ayan Hakramim“ führen sollte -so zumindest besagte das Schild. Autos fuhren hin und her, Jogger liefen an uns vorbei. Wir ruhten uns auf einer Bank aus, bevor wir Binyamin (14)uns auf die Suche nach der Quelle machten. Auf einem Hügel nahe dem Berg sahen wir plötzlich Reiter auf Eseln auf uns zukommen. Weit und breit um uns war kein arabisches Dorf zu sehen, und die Reiter sahen selbst weniger 13103385_10154331634741842_8257072048014240324_narabisch als eher folkloristisch aus. Es waren Jugendliche mit langen Schläfenlocken, wehenden alten Kleidern, einer davon äthiopischer Herkunft; sie ritten und liefen mit den Eseln, ein junger Esel trottete hinterher. Die Gesichter schmutzig oder sonnengebrannt – ich konnte es nicht erkennen. Hügeljugendliche, und zwar nicht irgendwelche, sondern von einem der berühmt-berüchtigten Vorposten, der als eine Art Zentrum für diese gilt – der „Baladi“-Vorposten, ein paar Hügel weiter von Kochav Hashachar. Ich fragte sie, ob sie dort herkommen würden. Einer antwortete mir kurz angebunden, dann ritten sie weiter.

Als ich später meine Freundin, bei der wir an diesem Tag in der Siedlung zu Abend saßen, nach der Herkunft der Jugendlichen fragte, meinte sie, nur ein Teil würde hier aus Kochav Hashachar stammen. Tatsächlich beherbergen diese Vorposten entlaufene Jugendliche aus allen möglichen Orten, auch außerhalb der „Grünen Linie“.

Sicht auf Kochav Hashachar
Sicht auf Kochav Hashachar

Wir machten uns weiter auf die Suche nach der Quelle und gingen den Weg hoch. Von dort bot sich uns eine atemberaubende Sicht auf die Siedlung selbst, auf die Weinplantagen neben ihr und auf das Jordantal – bis zum Toten Meer. Da mein Freund nicht zu lange gehen konnte, konnten wir uns die Aussicht vom Berg selbst nicht gönnen, sondern gingen weiter auf dem Weg. Den Berg habe ich schon vor einigen Jahren bestiegen und mich dort von dem Blick berauschen lassen, so sah es aus:

2013-08-25 16.37.00Binyamin (17)

Die Wasserquelle entdeckten wir – es handelte sich dabei aber nicht um eine wirkliche Quelle, sondern um zwei größere Plantschbecken, die zum Vergnügen der lokalen Kinder eingerichtet worden waren. Binyamin (19)Da es Feiertag war, war das Gelände voll mit kreischenden Kindern und wir bevorzugten es, das Geschehen von oben zu betrachten.

Schon bald kam meine Freundin Hadas angefahren und bot uns einen Ausflug  zu den zwei Aussichtsterrassen an, die bis an den Rand der Wüste hinausreichten. Von ihnen führte ein Wanderweg zu einer richtigen Wasserquelle unten in den judäischen Bergen; die Wanderung dorthin durfte aber nur mit einer Waffe oder einem Sicherheitsmann gemacht werden. Auch Jericho war von hier zu

Die Straße nach Jericho
Die Straße nach Jericho

sehen – Hadas  erklärte, es sei zu Fuß zu erreichen, sei aber nicht empfehlenswert. Ich glaubte es hier. Ich war schon einmal bei der Einfahrt nach Jericho. Mich hatten damals vier große, rote Schilder mit der Aufschrift „Für Israelis Einfahrt verboten und 2013-08-25 15.03.06lebensgefährlich“ empfangen und die Lust verging schnell. Die Schilder stehen noch immer da.

2013-08-25 14.28.06
Das ist keine Gazelle…

Kochav Hashachar, die Siedlung, in der Hadas und ihre Eltern wohnen, wurde 1975 als ein Armeelager ins Leben gerufen. 1980 gelangten dorthin mehrere einzelne Familien der Siedlerbewegung „Gush Emunim“ hin und bildeten den ersten Siedlungskern. Heute besitzt der Ort knapp 2000 Einwohner, hat Festbau, Gemeindeeinrichtungen, eine Religionsschule, einen Industriepark und sogar ein neues Viertel – „MItzpe Kramim“, direkt neben der Muttersiedlung, wo sich junge Paare aus dem Ort Häuser gebaut haben. Es besitzt sogar ein eigenes Sekretariat. Als einzelne Siedlung ist es noch nicht anerkannt, obwohl es schon seit 1999 existiert und sogar den Bauort durch die israelische Regierung genehmigt bekommen hat, weil es auf deren Verlangen den ursprünglich geplanten Ort verlassen musste.  Hadas versichert mich auf Nachfrage, dass es sich hierbei nicht um die Frage von Privatland, sondern um

Das ist keine Gazelle...
Das ist keine Gazelle…

bürokratische Schwierigkeiten seitens der Zivilverwaltung handeln würde.

Es wurde langsam spät und kühl. Wir setzten uns zu Hadas in die Küche und aßen ein schnell aufbereitetes Abendessen, danach liefen wir im Halbdunkel zu der einzigen Bushaltestelle im Ort, um den Bus oder einen Autostop nach Jerusalem zu bekommen. Die Rückfahrt machten wir schon gänzlich im Dunkeln, während die Lichter der Ortschaften der schwarzen Hügel Binyamins an uns vorbeizogen. Die Nacht hatte sich auf die Wüste und die Berge gesetzt, ihre Existenz konnte man nur noch erraten. So endete unsere Fahrt nach Binyamin.

Unterwegs in Binyamin: Allein im Wadi el-Hakim

 Lange Zeit warte ich schon darauf, euch von meiner Wanderung im malerischen Bergland Südsamarias, durch das Flussbett des „Wadi el-Hakim“, am 01.10.2015 zu berichten. Immer wieder kommen Meldungen und aktuelle Ereignisse dazwischen, die mich davon abhalten. Dadurch werden die Beiträge, die eigentlich auch Aspekte des Lebens in Judäa und Samaria außerhalb der aktuellen Berichterstattung zeigen möchten, leider nach hinten geschoben. Aber dem muss nicht für immer so sein. Hier also – ein Tagebucheintrag zu meiner Wanderung im „Wadi el-Hakim“.


Der Startpunkt meiner Wanderung durch das trockene Flussbett (auf Arabisch = Wadi) den sogenannten Wadi el-Hakim (Der Wadi des Weisen, ehemals benannt nach einer lokal ansässigen weisen Persönlichkeit) beginnt an den Wasserquellen unterhalb der Siedlung Nevé Tzúf-Halamísh in Südsamaria (Binyamin). Wie man der Webseite der Ortschaft entnehmen kann, wurde Neve Tzuf im November 1977 gegründet. Nachdem erste Familien der Siedlerbewegung „Gush Emunim“ ein verlassenes Gebäude der britischen Polizei bezogen und renoviert hatten, beschloss die israelische Regierung mit der Unterstützung der amerikanischen

Neve Tzuf, Karte 1
Neve Tzuf, Karte 1

Regierung, den  Grundstein zur Ortschaft Neve Tzuf zu legen. Der offizielle Namensausschuss, welcher für die Benennung von Ortschaften verantwortlich ist, hatte beschlossen, den ursprünglichen Namen „Neve Tzuf“ in „Halamish“ zu ändern, und so lässt sich die Siedlung heute auch auf der Karte finden. Die Einwohner stimmten diesem nicht zu; daher ist der Ort in der Region heute eher als „Neve Tzuf“ bekannt.

Heute leben in der religiösen Siedlung etwa 250 jüdische Familien verschiedener Herkünfte. Vom Verkehr her ist Neve Tzuf an die Autobahnstrecke 465 angebunden, über welche man in etwa 30 Minuten zum Ben-Gurion-Flughafen gelangt und in etwa 40 Minuten Tel Aviv erreicht.

20151001_114553Unterhalb von Neve Tzuf befinden sich die Me’ir-Quellen, welche erst vor kurzem durch die Jugendlichen der Siedlung renoviert wurden. Das Areal wurde besucherfreundlich gestaltet und gereinigt, ganze drei mit Steinen ausgelegte Wasserbecken laden zum Plantschen und Baden ein. Aus einem Fels fließt die eigentliche Quelle, die dann in die Becken weitergeleitet wird.

Arabische und jüdische Ortschaften. Karte 2
Arabische und jüdische Ortschaften. Karte 2

Neve Tzuf ist umgeben von 5 arabischen Ortschaften: Nabi Saleh und Deir Nizzam, weiter nördlich Kafr Eyn und Qarawat Bani Zeyd. Westwärts liegt Deir Abu Mash’al. Auf den Bergen über dem Wadi-Verlauf liegen Bait Rima und Abudt. Weiter nördlich liegt Deir Ghazzana.

Von den Wasserquellen von Neve Tzuf und auf der anderen Seite der Autobahn 465, welche an den Quellen vorbeiführt, fangen der eigentliche Wadi el-Hakim und die Wanderstrecke an. Der Wadi selbst misst etwa 10,28 km und führt von der Autobahn 465 durch die Berge westwärts Richtung Küste, an den drei arabischen Ortschaften vorbei (Deir Nizzam, Bait Rima und Abud), biegt

Verlauf des Wadis. Karte 3
Verlauf des Wadis. Karte 3

Richtung Norden bei der juedischen Ortschaft Beit Arye ab und mündet in das Flussbett des Flusses Shiloh  (arabisch: Wadi Amuriya).

Das Ende der Wanderstrecke ist die Siedlung Beit Arye, welche sich ebenso auf den Bergen hoch über dem Wadi befindet. Beit Arye ist eine größere Siedlung von über 4000 Einwohnern und wurde 1981 gegründet, 1989 schließlich zum Bau freigegeben. Der Charakter von Beit Arye ist gemischt, dort leben Menschen aus verschiedenen Schichten der israelischen Gesellschaft, religiöse und nichtreligiöse Juden leben zusammen. Die Siedlung gilt als insbesondere für diejenigen attraktiv, die im Zentrum des Landes und an der Küste arbeiten, sich aber einen Lebensunterhalt dort nicht leisten können oder aber eine engere Gemeinschaft und eine ländliche Umgebung bevorzugen. Aus der Siedlung selbst hat man einen Blick auf die Mittelmeerküste und die Skyline von Tel Aviv.


Teil 1: Die Fahrt

Fahrtroute zum Wanderweg
Fahrtroute zum Wanderweg

Als ich die Strecke von Jerusalem aus Richtung Neve Tzuf hochfahre, begegnet mir viel Verkehr auf den Strassen. Autos mit palaestinensischen und israelischen Kennzeichen fahren vorbei. Hinter dem Kontrollposten Hizme im Norden Jerusalems folgt eine kurze Fahrt an der arabischen Ortschaft Hizme vorbei und dann folgt das grosse Industriegebiet der Suedsamaria-Binyamin-Region, in welchem sich auch der grosse zentrale Discounter ‚Rami Levy‘ befindet. Die Supermarktkette ist vor allem bekannt dafür, dass bei der Einstellung der Mitarbeiter nach den Grundsätzen der Toleranz und Offenheit gehandelt wird; so wird der Supermarkt trotz Sicherheitsrisiko von sowohl israelisch-jüdischen als auch

Der 'Rami Levy' Supermarkt, Binyamin Industriezone (Quelle: Hakol Hayehudi)
Der ‚Rami Levy‘ Supermarkt, Binyamin Industriezone (Quelle: Hakol Hayehudi)

palästinensisch-arabischen Mitarbeitern betreut, und Kunden aus der gesamten Region, unabhängig ihrer Staatsangehörigkeit (somit also auch aus den PA-Zonen), ungestört einkaufen gehen können. Leider haben die Ereignisse der letzten Monate und Wochen (Die Siedlerin berichtete) gezeigt, dass die Sicherheitsbedrohung durch die Anwendung dieses Grundsatzes für jüdische Kunden immer wieder aktuell und nicht an den Haaren herbeigezogen ist.

20151001_110721Zu dem Beginn meiner Wanderroute fahre ich per Autostopp. Die wüstenähnliche Landschaft von Südostsamaria (ab jetzt: Binyamin-Region) begleitet meine Fahrt. 20151001_112549Es ist Oktober und dennoch sehr heiß.

Mein erster Autostopp, den ich vom Grenzübergang Hizme genommen habe, bringt mich vor die Tore der Siedlung Ofra. Ofra ist eine relativ große Siedlung mit etwas mehr als 3000 Einwohnern, sie wurde 1975 gegründet und 1977 offiziell von der Regierung anerkannt. Die Bewohner Ofras sind weitestgehend religiös, der Lebensstandard hoch. Business, Erziehung und Tourismus florieren in Ofra. Von außen kann ich eine Feuerwache erkennen.

20151001_110653Mit zwei Jugendlichen warte ich auf einen weiteren Autostopp westwärts. Die beiden wollen offenbar zum selben Ziel, der Me’ir-Wasserquelle, bei der der Wanderweg anfängt. Sie erzählen mir, dass in der dortigen Region es relativ viele Wasserquellen gibt. Mit uns an der Bushaltestelle stehen zwei Soldaten, die in Judäa und Samaria praktisch jede Haltestelle bewachen. Sie machen einen gelangweilten Eindruck (ich kann sie gut verstehen) und spielen mit ihren Smartphones herum. Ich muss relativ lange auf den Autostopp warten und scheine meine Hoffnung etwas zu verlieren, doch da hält ein Fahrzeug neben uns an und der Fahrer fährt zu unser aller Glück direkt nach Neve Tzuf.

Je weiter wir in Richtung der Siedlung fahren, desto niedriger werden die Hügel. Topografisch gesehen befinden wir uns im Abstieg, von einer Höhe von 800m über dem Meeresspiegel (Ofra) fahren wir bis zu 600m hinunter. Der Wanderweg im Wadi selbst wird uns schließlich bis zu 200m über dem Meeresspiegel bringen.

Die Natur verändert sich auch. Die wüsten und steinigen Hügel Ost-Binyamins, welche kaum Vegetation besitzen, weichen Bäumen und Olivenplantagen, welche den lokalen arabischen Grundbesitzern gehören . Es wird grüner. Ein Verkehrsschild weist darauf hin, dass sich hier in der Nähe die „sagenhafte“ palästinensische Metropole Rawabi befindet, ein Großprojekt der Palästinensischen Autonomiebehörde, welches allerdings keine konkrete Förderung erhält und daher eher im Stocken zu sein scheint, als tatsächlich eine 20151001_114000Alternative für die arabischen Dorf- und Stadtbewohner zu bieten. (Mehr über Rawabi kann man hier nachlesen).  Wir fahren auch an der wunderschönen Gebirgslandschaft um die Siedlung Ateret herum vorbei.

Nach etwa zwanzig Minuten kommen wir an der Me’ir-Wasserquelle an; der Fahrer ist so nett, uns direkt an die Quelle zu fahren. Wie schon in der Einleitung erwähnt, wurde die Anlage von den Jugendlichen der Ortschaft renoviert und erweitert. Auf dem 20151001_114438Bergabhang finden sich drei Wasserbecken und mehrere Sitzgelegenheit, mit und ohne Überdachung. Um zwei der Becken tummeln sich Familien mit Kindern, das dritte ist leer. Das Wetter ist wie geschaffen für einen Ausflug ans Wasser – heiß und sonnig, die Luft sauber.


 

Teil 2: Die Wanderung beginnt

Als ich ankomme, setze ich mich zu einer verheirateten Frau mit traditionellem Kopftuch auf einer Bank dazu und fange an, mich mit ihr zu unterhalten. Zu meinem Erstaunen zieht die Frau eine Zigarette hervor und beginnt zu rauchen – etwas für Frauen eher Unübliches in der nationalreligiösen Gemeinschaft. Sie wohnt in der benachbarten Siedlung Talmon, ist aber ebenso wie ich das erste Mal an dieser Quelle. Sie fragt mich, ob ich per Autostopp gekommen bin, was ich bejahe. Dann erzählt sie mir, dass sie das Trampen aufgegeben habe, als ihre Mutter ihr einst ihr erstes Auto gekauft hatte, denn diese wollte nicht, dass ihre Tochter sich ein Motorrad kaufe. Nach dieser Unterhaltung begebe ich mich zum Becken; das Wasser ist einladend und gar nicht so kalt und ich springe, mit T-Shirt und Rock bekleidet, hinein. Badekleidung wäre an diesem Ort nicht angemessen, und ist auch gar nicht nötig – die Kleider trocknen in der Sonne schnell. Kurze Zeit später gesellt sich zu mir ein junges und sehr verliebt wirkendes Paar – wahrscheinlich 20151001_115218frisch verheiratet, denke ich mir. Um sie nicht zu stören, steige ich aus dem Becken aus, ziehe mich in den Büschen um. Ich kann beobachten, wie die beiden auch ins Becken hineinklettern. Ein schönes Timing für einen romantischen Ausflug, muss ich zugeben.

Mithilfe von Google Maps und GPS (sehr nützliches Utensil für jeden Wanderer, fast schon besser als eine professionelle topografische Karte, zumindest für mich als Amateurin) finde ich den Beginn des Wadis auf der anderen Seite der Autobahn. Ursprünglich sollte ich die Wanderung mit einer organisierten Gruppe machen, zu dieser habe ich es allerdings nicht geschafft und muss somit den Weg alleine gehen.

20151001_124256Der Wadi beginnt auf der rechten Seite der Autobahn 465 abwärts, führt an einigen Weinplantagen und einem kleinen arabischen Bauernhof vorbei und weiter in das Tal zwischen den Hügeln. Ich klettere hoch auf die Hügel, um einen besseren Überblick zu behalten. Über mir kann ich einen Ziegenhirten erkennen, den ich auf Arabisch grüße, ebenso ein paar Feldarbeiter unterhalb von meinem Pfad. Der Pfad lässt sich nicht besonders gut erkennen, außerdem bevorzuge ich es, in dieser noch bewohnten Gegend eher weniger Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen –  immerhin wandere ich allein und kenne die arabischen Bauern hier nicht. Zu meiner Linken sehe 20151001_123021ich auf den Hügeln das Dorf Deir Nizzam und hinter mir weht auf einem anderen Hügel eine palästinensische Flagge. Dahinter befindet sich der Ort Nabi Saleh.

Nabi Saleh ist berühmt-berüchtigt für seine wöchentlichen, kravalleartigen Demonstrationen „gegen die israelische Besatzung“, bei welchen sich die lokalen Jugendlichen, angeführt von Mitgliedern der Tamimi-Familie und mit häufigem Beistand von pro-palästinensischen Aktivisten , gewalttätige Ausschreitungen mit der israelischen Armee liefern. Bei diesen Ausschreitungen gab es oft genug Tote und Verletzte; Steinewürfe und tätliche Angriffe stehen dabei an der Tagesordnung. Auch versuchen die Einwohner, an das benachbarte Neve Tzuf heranzukommen, woran sie die Armee hindert. Nabi Saleh ist auch bekannt durch seinen „Exportstar“, die heute 15-jährige Ahed Tamimi. In 2012 wurde die Tochter der

Ahed und ihre Eltern, die Aktivisten Nariman und Bassem Tamimi (Quelle: Ha'aretz)
Ahed und ihre Eltern, die Aktivisten Nariman und Bassem Tamimi (Quelle: Ha’aretz)

führenden „Widerstands“-Aktivisten aus Nabi Saleh, Nariman und Bassem Tamimi als Elfjährige zum ersten Mal gefilmt, wie sie, ihre Cousine und eine Gruppe anderer Kinder, in ärmellosem Hemd und Leggins Soldaten nahe der Ortschaft ankreischte und versuchte, auf einen eher amüsiert wirkenden Soldaten einzuschlagen. Die Szene wurde auf Youtube ausgestellt, ging um die Welt und wurde lange Zeit in den internationalen Medien diskutiert. Verschiedene Organisationen, solche wie CAMERA, stellten Recherchen zusammen, die eine organisierte Aktion und keinen „spontanen“ Protest hinter dem Auftritt von Tamimi aufdeckten. Ahed selbst, danach von ihren Spöttern als „Shirley Temper“ betitelt, tauchte

Ahed gegen die Soldaten, Quelle: Haber5
Ahed gegen die Soldaten, Quelle: Haber5

über Jahre in weiteren Clips der Tamimi-Familie auf (diese besitzt auch eine Facebook-Seite namens „Tamimi Press“). Für ihren Einsatz im „Palästinensischen Widerstand“ erhielt sie Auszeichnungen von Mahmud Abbas und sogar von

Ahed erhält die "Courage"-Auszeichnung in der Türkei (Quelle: DipnotTV)
Ahed erhält die „Courage“-Auszeichnung in der Türkei (Quelle: DipnotTV)

Erdogan, wofür sie extra in die Türkei geflogen wurde.  Mehr über Ahed Tamimi und Nabi Saleh kann man hier und hier nachlesen. 

Soweit zu Nabi Saleh. Ich gehe weiter, überquere den Wadi auf die andere Hügelseite, um dort einen einfacheren Pfad zu finden, und gehe entlang der dieser Region so typischen Steinterrassen. Die meisten davon scheinen verlassen zu sein, Früher wurden hier sicherlich Oliven oder gar Trauben angebaut, heute werden viele davon nicht benutzt. Die Terrassen können etliche Jahre alt sein – mehrere Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte, denn Terrassenbau war und ist hier die bevorzugte Art der Landbewirtschaftung. 20151001_130425

alonmatziu
So sieht eine lokale Eiche aus (Illustration)

Ich spüre einen leichten Wind. Die Luft ist sehr angenehm. Die Natur um mich herum ist sehr trocken; es ist Herbst und der Boden ist übersät mit Dornbüschen. Die Vegetation besteht aus lokalen Bäumen wie dem ‚Quercus Calliprinos‘, der lokalen Eiche, die im gesamten Mittelmeerraum verbreitet ist und auf Kalkstein wächst. Tatsächlich bestehen die Felshügel zum größten Teil aus Kalkstein.

Wer genau hinschaut: auf dem Hügel sind Ziegen zu sehen
Wer genau hinschaut: auf dem Hügel sind Ziegen zu sehen

Während der Wanderung lege ich einige Pausen ein, setze mich ins Gebüsch oder unter die Bäume, betrachte die Oliven, trinke viel und halte Ausschau nach Menschen. Das Tal ist einsam, in einiger Ferne auf den Felshügeln lassen sich hin und wieder Häuser der verschiedenen arabischen Ortschaften erkennen. Ich möchte allerdings ungern von deren Einwohnern erkannt werden.

Mein Weg führt mich entlang von Jeep-Spuren. Eine Zeit lang nehme ich an, dass dies der richtige Weg ist, muss aber nach wenigen hundert Metern einsehen, dass ich mich getäuscht habe. Der Pfad führt mich laut Google Maps in eine falsche Richtung, vielleicht zu einer Farm. Ich gehe die Meter zurück, befinde mich nun im Tal, zwischen den niedrigen Bäumen einer Olivenplantage und gehe weiter, in Talrichtung abwärts. Inmitten der Plantage, die bestellt aussieht, ist es aus mehreren Gründen vorteilhaft zu 20151001_133718wandern: Man hat sowohl Schatten als auch Blickschutz und kann herannahende Menschen hören. Die Bäume sind breit, kräftig, ihre Äste sehr niedrig und man kann viele Oliven sehen – offenbar wurde diese Ernte nicht oder noch nicht eingesammelt. Zu meiner Linken lässt sich bald eine Art trockenes Flussbeet erkennen – hier müsste in Regenzeiten der el-Hakim-Fluss selbst entlangfließen. Das ist mein eindeutiger Beweis dafür, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Nur nicht das Flussbeet aus den Augen verlieren!

Auf einer Terassenwand erkenne ich Graffiti auf Hebräisch und Arabisch. Je weiter ich gehe, desto mehr merke ich, wie sich die Landschaft langsam verändert. Die Hügeln weisen ein größeres Pflanzenwachstum auf; zu den Eichen gesellen sich nun auch die 20151001_134147Pistazienbäume. Es handelt sich dabei um die sogenannte ‚Pistacia palaestina/atlantica‘, eine regionale Art. Eine weitere, im Mittelmeerraum und speziell in Israel verbreitete Art ist der sogenannte Mastixstrauch oder -baum, ‚Pistacia lentiscus‘, und die Terpentin-Pistazie (Pistacia terebinthus). Leider kann mein

Die Früchte des Pistazienbaums
Die Früchte des Pistazienbaums

Photoapparat mit den Bildern nicht den Wind  übertragen, der nun, um die frühe Nachmittagszeit, durch das Tal weht und den Geruch von heißer Erde, Gewürzsträuchern und brennendem Holz mit sich trägt – offenbar wird irgendwo in der Nähe ein Feld zum Anbau freigemacht, und das wird hier mithilfe von kontrolliertem Feldbrand erledigt. Alles zusammen ergibt eine unvergleichliche Mischung von Gerüchen, die in hiesigen Bergen beheimatet ist.

Der Pfad taucht mal auf, mal verschwindet er. Ich treffe auf Brombeerbüsche; auch diese sind hier beheimatet, die Früchte sind allerdings noch nicht reif. Über mir, hoch auf dem Hügel, erkenne ich einige Bauten. Ich gehe etwas in Deckung und ziehe weiter; auf der Karte prüfe ich die Ortschaften nach. Offenbar handelt es sich dabei um die angrenzenden Gebäude des Dorfes Bait Rima.

Bait Rima hat eine besondere Geschichte. Der Name, den Untersuchungen von Forschern wie Yoel Elitzur (Ben Zwi-Institut / Akademie der Hebräischen Sprache) zufolge, geht auf ein antikes jüdisches Dorf namens Beit Rima zurück, welches im Talmud (Mishna, Minchot 88, 46) als eins der Orte erwähnt wurden, aus welchem der Wein in den Tempel gebracht wurde. Wir sprechen hier also von der Epoche des ZweitenTempels, noch vor seiner Zerstörung durch die Römer 70 n.d.Z. Interessanterweise wird an derselben Stelle ein weiterer Ortsname erwähnt – Beit Lavan. Das arabische Analog dazu, namens Al-Lubban al-Gharbi, lässt sich einige Kilometer weiter von Bait Rima, unweit der Siedlung Beit Arye (die das Endziel meiner Wanderung darstellt und sich auf derselben Bergkette befindet), wiederfinden. Es ist hinreichend bekannt und nachgewiesen, dass arabische Ansiedlungen in zahlreichen Fällen den Ursprungsnamen eines Ortes in arabischer Umwandlung übernahmen und so zu einem lebenden Nachweis für dessen frühere Existenz wurden. Mithilfe dieser Kenntnisse liessen sich schon über Jahre hinweg Nachweise für antike jüdische und kena’anitische Ortschaften finden.

Das Tal von Bait Rima war zur Zeit des Zweiten Tempels für seinen Weinanbau bekannt. Heute wurde der Weinbau durch Olivenbäume ersetzt, wobei nicht alle Plantagen tatsächlich bestellt werden, sondern nur zum Schein aufrecht erhalten werden: Es sind leider Fälle bekannt, bei welchen ausländische (= europäische) NGOs lokale Bauern ermutigten, auf unbearbeiteten Landflächen durch Baumpflanzung „Fakten“ zu schaffen und das Gebiet zu palästinensischer Anbaufläche zu erklären.

Heute ist Bait Rima ein als „feindlich“ eingestuftes Dorf und gehört offiziell der Zone A unter der Verwaltung der PA an. Aus dem Dorf stammten die Mörder des israelischen Generals und Tourismusministers Rechavam (Gandhi) Ze’evi, welche diesen am 17.Oktober 2001 in Jerusalem umbrachten.

Bait Rima gegenüber liegt das Dorf Abud. Heute sind ein Teil der Einwohner von Abud arabische Christen. Zu Zeiten des Zweiten Tempels (bis 70 n.d.Z.) und um den Bar-Kochba-Aufstand herum (2.Jahrhundert) lebten hier reiche Juden. In der Nähe des heutigen Abud wurden Grabfelder und Grabhöhlen gefunden, und auf den Grabsteinen sind teilweise Weinreben abgebildet – was darauf hinweist, dass die lokalen Bewohner im Weinbau tätig gewesen sind.

Arabische und jüdische Ortschaften. (Karte 2)
Arabische und jüdische Ortschaften. (Karte 2)

Der weitere Verlauf meiner Wanderung führt mich zu einer Brücke. Ich überquere die Straße, welche einerseits zwischen Abud und Bait Rima verbindet, und andererseits zu den Wasserquellen von Abud führt. Diese bekomme ich ebenso zu sehen, als ich weitergehe. An den Wasserquellen befinden sich kleine Anwesen, in manchen steht ein Schwimmbecken. Meine Ankunft überrascht einige arabische Jugendliche, die in einem aufblasbaren Swimmingpool herumtoben. Die Quellen scheinen beliebt zu sein; ich sehe weitere niedrige Häuser mit breiten Gärten und Autos, die davor parken. Der Weg führt mich hinab. Ein Bauer mit seinem Pferd bearbeitet sein Feld und sieht nicht, wie ich an ihm hinter den Bäumen, die uns trennen, vorbeigehe.

Vor mir auf den Hügeln sehe ich rotgeziegelte Häuser. Der Bauart nach (und auch laut meiner Karte) sollte das eine jüdische Ansiedlung sein. Beit Arye? Schon angekommen? Eigentlich wäre ich noch gerne weiter gelaufen, der Wadi schlängelte sich weiter zwischen den Hügeln, doch dann höre ich stimmen. Ich habe 20151001_160119tatsächlich meine Wandergruppe gefunden, mit der ich eigentlich hätte laufen sollen. Die Teilnehmer sitzen etwas erschöpft an einer aus einem Fels sprudelnden Quelle, an ihrer Seite zwei Soldaten und der Reiseleiter. Er winkt mir zu. Ich scheine noch rechtzeitig seine Erklärungen zu den früheren jüdischen Ansiedlungen hier in der Gegend mitzubekommen. Neben der Wasserquelle, an der wir sitzen, befindet sich eine alte britische Wassermühle, welche hier zur Mandatszeit die Wasserversorgung für die Ortschaften verwaltete.

Sicht auf die Berge hinter Beit Arye
Sicht auf die Berge hinter Beit Arye

Teil 3: Abschluss

Ich bin also am Ziel der Wanderung angelangt. Oberhalb des Wadis, hinter uns, befindet sich schon die Siedung Bet Arye, und ich scheine sogar etwas zu weit gelaufen zu sein. Es ist später Nachmittag, die Sonne wird weich, es wird etwas windig. Wir steigen den Hügel hoch und laufen den Häusern von Beit Arye entgegen, die von einer Stützmauer umgeben sind. Beit Arye ist eine nichtreligiöse Siedlung von etwa

Beit Arye
Beit Arye

3000 Einwohnern, in ihr leben und arbeiten Israelis aller möglichen Ausrichtung; viele arbeiten im Landeszentrum und an der Küste.

Die anderen Wanderer und ich setzen sich an den Straßenrand nahe des Ausfahrtstores, betrachten die Dämmerung und warten auf den Autostopp. Viele sind mit eigenen Autos gekommen. Es dauert eine Weile, bis jemand anhält, der Richtung Jerusalem fährt. Die meisten fahren nach Ofarim, einer weiteren kleinen Ansiedlung neben Beit Arye, in welcher ein Großteil der Einwohner Juden jemenitischen Ursprungs leben. Ich kenne einen guten Freund, der dort lebt, dieser ist jedoch nicht daheim.

Von Beit Arye aus gibt es eine Aussicht auf die Küste und die Hochhäuser von Tel Aviv. Diese sehe ich trotz Dämmerung am Horizont. 20151001_171135

Nach Jerusalem gelange ich über die Shilat-Kreuzung, eine große Kreuzung an der Autobahn 443 vor der Einfahrt in die Stadt Modi’in, zu der mich eine Fahrerin bringt. Es braucht mich noch zwei weitere Tramps, um ins Jerusalemer Zentrum zu gelangen, und von dort aus fahre ich heim, müde, aber zufrieden. Der Trip ist mir gelungen und meine Eindrücke sind wunderbar und zahlreich. Ich kenne nun einen weiteren, wunderschönen Teil des Landes Israel.


Als Fazit möchte ich noch erwähnen, dass solche Wanderrouten in Judäa und Samaria nicht ohne Sicherheitsvorkehrungen durchwandert werden sollten: Basismittel zur Selbstverteidigung  – Pfefferspray oder besser gar Handfeuerwaffe. Die Wanderrouten erfordern Ortskenntnis und Ortsverständnis. Eine Karte ist unbedingt notwendig. Der Wadi el-Hakim selbst ist als offizielle Wanderroute anerkannt und es lässt sich dazu online weiteres Material finden. Feldschulen, so beispielsweise die Feldschule „Ofra“, kennen sich mit den lokalen Wanderwegen aus und können Auskunft geben. Mit ihnen sollte man sich unbedingt beraten. Ebenso sollte auch bei der lokal stationierten Armeeeinheit/Sicherheitsabteilung Rat eingeholt werden, ob die Gegend zu gewünschten Zeit als begehbar gilt oder ob es Sicherheitswarnungen gibt.

Weiterführende Links: 

Mehr über die Binyamin-Region und lokalen Tourismusn(englisch)http://www.n-binyamin.co.il/eng/

Feldschulen in Israel: http://www.natureisrael.org/FieldSchools

Wanderweg Wadi el-Hakim (hebräisch)Hamaayanot