Archiv der Kategorie: Gesellschaft

Zum Weiterlesen: Fotoworkshop für die Kids der Feinde

„Siedlerkinder in den Bergen…“ Die Anlehnung an Rolf Zuckowskis „Winterkinder“ bot sich hier geradezu an, aber der Artikel, den ich zu lesen empfehle, handelt von etwas mehr als das: Auf abseits vom mainstream – heplev – wurde  heute die Uebersetzung eines sehr schoenen Artikels ueber den gemischten Fotoworkshop der Organisation „Roots“ (habe oefter darueber berichtet) fuer lokale juedische und arabisch-palaestinensische Kinder aus der Times Of Israel vom 19.04.17 veroeffentlicht. Ich kenne die Organisatoren vom Nahen und hatte sogar einmal  – ich wuerde sagen, die Ehre – fuer eine Workshopsession fuer die Kinder aus dem Englischen zu uebersetzen. Sowohl ins Hebraeische als auch ins Arabische, uebrigens. Es ist ein sehr schoenes Projekt und ich empfehle euch sehr, den Artikel zu lesen. Klickt einfach unten auf den Link.

In der Westbank sorgt das Koexistenzprogramm ROOTS für eine wichtige Zusammenkunft von Teenagern aus dem Gush Etzion und dem nahe gelegenen Dorf Al-Khader.

Brett Kline, The Times of Israel, 19. April 2017

Die Teenager sammeln sich um ihren Referenten Bruce, als sie ihren Fotokurs beginnen. Die Gruppe 13- bis 15-jähriger, zu gleichen Teilen jüdische Israelis örtlichen Siedlung und Palästinenser von weiter runter an der Straße 60 […]

über Über einen Fotografie-Kurs treffen sich israelische und palästinensische Kinder zum ersten Mal — abseits vom mainstream – heplev

Advertisements

Schreibpause, Updates

Liebe Leser/-innen,

wie ihr schon gemerkt haben werdet, habe ich seit Längerem nichts Neues mehr veröffentlicht. Ich habe momentan eine Schreibpause eingelegt, die wohl noch etwas dauern wird; ich hoffe, ihr werdet es mir verzeihen und dennoch weiterhin auf den Blog schauen. Es lohnt sich, den Blog zu abonnieren, um so nicht zu verpassen, wenn ich wieder neue Beiträge hochladen werde. (Siehe „Lies mit“ rechts in der Seitenleiste ⇒ )

Es haben sich in dieser Zeit einige Dinge um die jüdische Gemeinschaft in Judäa und Samaria getan:

  • das Pessach-Fest ist am Montag (17.04) zu seinem Ende gekommen. Tausende von Besuchern aus dem ganzen Land bevölkerten während der Pessach-Feiertage (7 Tage insgesamt) die zahlreichen Besucherattraktionen und Wanderrouten in ganz
    Blick aufs Tote Meer

    Judäa und Samaria. Auch ich habe mich, wie vor fast drei Jahren, auf eine Nachtwanderung zwischen der Ortschaft Kfar Eldad im Osten Gush Etzions und dem Toten Meer, quer durch die Judäische Wüste, begeben;

  • wenige Tage vor Pessach ereignete sich ein Attentat gegen zwei an der Bushaltestelle gegenüber der Ortschaft Ofra wachende
    Sg.Elhai Taharlev sel.A.

    Soldaten. Ein Terrorist überfuhr diese mit seinem Wagen. Dabei wurde der Soldat Elhai Taharlev (20) aus der unweit von Ofra liegenden Ortschaft Talmon getötet. Die trauernde Familie musste ohne ihren Sohn das Pessachfest begehen;

  • der Gründer und rabbinische Vorstand der Vorbereitungsakademie für die Armee in Eli (Binyamin-Region), Rabbiner Yigal Levinstein, hat mit seinen taktlosen
    Rabbiner Yigal Levinstein

    Ausführungen zum geschlechtsgemischten Armeedienst einen Skandal und eine große Debatte innerhalb der Gesellschaft ausgelöst, vor allem in nationalreligiösen Kreisen und bei führenden Rabbinern der Siedlerbewegung;

  • das Mädchen Ayala Shapira, welche im Dezember 2014 (Die Siedlerin berichtete) von einer Brandbombe, die ein jugendlicher Attentäter auf das Familienauto geworfen hatte, schwer verletzt worden war, hielt eine Ansprache vor Mitgliedern des EU-Parliaments im Rahmen der neu gegründeten „Freundschaftsgruppe für Judäa und Samaria“, einer
    Ayala Shapira spricht vor den Parlamentariern

    Unterstützungsgruppe aus EU-Parlamentariern, die vom Vorsitzenden der Regionalverwaltung Judäa und Samaria, Yossi Dagan, initiiert worden war. In ihrer Ansprache, bei welcher auch ihre Eltern dabei gewesen waren und gesprochen hatten, wies Ayala die Anwesenden darauf hin, dass bestimmte EU-Gelder, die an die palästinensische Autonomiebehörde überwiesen werden, von dieser an die Attentäter und ihre Familien gezahlt würden, und bat, die Überweisung dieser Gelder zu stoppen.

  • die „Autobahn des Terrors“ zwischen dem Dorf Hussan und der Stadt Beitar Illit in Gush Etzion, auf welcher es täglich
    Das Auto von Eli’ezer Lesovoy nach der Attacke

    Steinattacken gegen israelische Fahrzeuge gegeben hatte, wurde gerade durch die Armeekräfte als „ungefährlich“ erklärt – kurz darauf begann der Steinterror wieder, und das trotz eines Briefes der Einwohner von Hussan, sie würden sich gegen die Attacken stellen und sich die jüdischen Einkäufler im Dorf zurückwünschen. Auch das Auto meiner Freunde wurde von einem großen Steinblock getroffen – es gab zu Glück keine Verletzte;

    Shlomo Neeman
  • der neue Regionalvorsitzende von Gush Etzion, Shlomo Ne’eman, der im März dieses Jahres gewählt worden war, hat endlich seine Arbeit vollends aufgenommen;
  • und natürlich kommt man nicht um Steinattacken und hin und wieder Molotow-Cocktails auf israelische Autos und Molotow-Cocktails auf  herum. Und ab und zu gibt es auch feindliche Auseinandersetzungen zwischen jüdischen und arabischen Nachbarn – zumeist in der Samaria-Region.

Auch ich habe einiges hinter mich gebracht – so beispielsweise eine kleine Gruppe deutschsprachiger Teilnehmer einer Bildungsreise, die von der taz und ihrer Israel-Korrespondentin Susanne Knaul, zusammen mit ihrem Kollegen Georg Baltissen, organisiert worden war.

Ich hoffe, bald wieder zum Schreiben zu kommen und verbleibe bis dahin mit herzlichen Grüßen und guten Wünschen für den Frühling. Ich hoffe sehr, dass diejenigen unter euch, die Ostern feiern, ein gelungenes Fest gehabt haben!

Chaya

 

Zum Weiterlesen: Efrat hilft Syrern (Ilana Messika)

Eine kleine Reportage zum Thema Unterstützung für syrische Bürgerkriegsopfer aus Judäa und Samaria, ähnlich meines Artikels Siedler für Syrer, diesmal über die Beteiligung von Jugendlichen. Verfasst von Ilana Messika für Tazpit Press Service, veröffentlicht auf Deutsch auf Audiatur Online am 13.03.17.


Es ist ein Montagabend Ende Februar und im Keller des Gemeindezentrums wimmelt es nur so von Jugendlichen. Auf dem Boden verstreut, auf Tischen und auf provisorischen Plastikregalen gestapelt befinden sich Kinderkleidung, Decken, Windelpakete, Schnuller, Babypflegetücher und Säuglingsnahrung. Sieben oder acht Jugendliche packen die Hilfsgüter in Care-Pakete, während die übrigen Freiwilligen den Überblick über die vorhandenen Bestände halten und neu angekommene Waren sortieren.

Von Ilana Messika/TPS, 13.03.17

Auf den ersten Blick sieht das Ganze wie ein beliebiges Hilfsprojekt aus; bei näherer Betrachtung stellt sich jedoch heraus, dass bei diesem Projekt etwas anders ist: Die Teenager gehören zu den orthodoxen Bewohnern von Efrat, der grössten Stadt in Gusch Etzion, und die Empfänger der Hilfspakete sind syrische Bürgerkriegsflüchtlinge.

„Es herrscht die verbreitete Meinung, selbst bei Freunden aus anderen Staaten, dass Gusch Etzion einzig aus rechtsgerichteten Bewohnern besteht, denen die Palästinenser gleichgültig sind und die alle Araber als Feinde betrachten“, sagte Asher Krohn, ein Schüler der zwölften Klasse an der Orot Yehuda Schule, der die Aktion leitet. „Aber das stimmt nicht. Abgesehen von dem rein humanitären Aspekt war es uns wichtig, aktiv etwas zu tun und zu zeigen, dass die Menschen aus Judäa und Samarien nicht gleichgültig sind, sondern sich wirklich Sorgen machen und helfen wollen.“

Gusch Etzion ist ein Verbund jüdischer Gemeinden im Judäischen Bergland, unmittelbar südlich von Jerusalem und Bethlehem. Damit steht die Region im Zentrum der politischen Kontroverse um die Siedlungen. Die Bemühungen der hiesigen Bewohner vermitteln jedoch ein anderes Bild von der Gemeinschaft. In den vergangenen zwei Monaten kamen alle vierzehn Tage Lastwagen in die Stadt, um die Spenden der Einwohner von Efrat, Kfar Etzion, Elazar, Neve Daniel und Alon Shvut abzuholen. Die Hilfsgüter werden dann Richtung Norden zu den „Buses of Angels“ von Amaliah gebracht, die sie dann weiter an bedürftige Kinder jenseits der Grenze verteilen.

Das Projekt wird von etwa 30 Jugendlichen aus der Region um Gusch Etzion durchgeführt, die auch verantwortlich sind für die Öffentlichkeitsarbeit, das Sammeln der Spenden sowie die Werbung um  Unterstützung bei lokalen Politikern und Firmenchefs.

„Die Idee ist, so viel zu helfen, wie wir können und die Menschen zu sensibilisieren, denn zu viele wissen immer noch nicht, was dort passiert. Demnächst werden wir auch die Adressliste der verschiedenen Gemeinschaften in Gusch Etzion, die wir hier in Efrat als weitverzweigtes Verbindungsnetz haben, verwenden, um so viele Menschen wie möglich zu erreichen“, so Krohn weiter.

Nach den Ergebnissen des UNICEF-Berichts 2016 zur humanitären Lage in Syrien wurden seit Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs im Jahr 2011 über 8 Millionen Kinder (innerhalb und ausserhalb von Syrien) von diesem Krieg betroffen, einschliesslich über 2,4 Millionen vertriebener Kinder.

„Die Jugendlichen arbeiten in einem etwas anderen Tempo, denn für sie ist die Beteiligung an dem Projekt Teil eines Bildungs- und Reifeprozesses. Wir Erwachsenen sind sehr schnell in allem, was wir tun. Die Kinder jedoch haben viele Fragen über das Wie und Warum. Sie müssen sich erst einmal mit dem vertraut machen, was jenseits der Grenze geschieht“, erklärte Shoshi Bogoch, die Leiterin des Gemeindezentrums in Efrat.

„Das Projekt hat zu einem dynamischen Diskurs in den Familien geführt, den ich für ebenso wichtig halte, wie die Spenden und Beiträge selbst.“

Die Gruppe nahm auch Kontakt zu Rabbi Shivi Froman auf, einem Einwohner von Tekoa – einer weiteren Gemeinde des Siedlungsblocks von Gusch Etzion – und Gründer der Initiative ‚Syrians on the Fences‘. Zusammen mit der Hilfsorganisation Israel Flying Aid (IFA) hat diese Gruppe über eine Million Schekel von rund 8.000 Spendern eingesammelt, um Hilfsgüter für Kinder zu kaufen. Fromans verstorbener Vater, Rabbi Menachem Froman, war eine der führenden israelischen Stimmen für Frieden und Versöhnung mit den Palästinensern.

„Die Initiative ‘Syrians on the Fences‘ wurde gegründet, nachdem sich viele Israelis unterschiedlichster Herkunft zusammengetan hatten, um darüber zu reden, was wir für die syrischen Opfer tun könnten, ausser für sie zu beten“, erklärte Froman. „Ich weiss, woher die Menschen kommen, die uns unterstützen und ich kann mit Sicherheit sagen, dass ein grosser Teil von ihnen aus Gusch Etzion stammt.“

Laut Bogoch war die Initiative auch ein Fürsprache-Projekt für die ‚Siedlungen‘.

„Ich habe einige Jahre in den USA gelebt und hatte dadurch die Gelegenheit, Israel mit den Augen eines Aussenstehenden zu sehen – wie schlecht wir erscheinen und wie häufig uns die Anerkennung und Wertschätzung für das Gute, das wir tun, aberkannt wird“, erläuterte Shoshi Bogosh.

„Diese Initiative dient dazu, diese Wahrnehmung von Judäa und Samarien zu verändern und zu zeigen, wieviel Gutes von hier kommt und dass wir 90 Prozent unserer Zeit im Frieden mit unseren Nachbarn leben.

„Darüber hinaus ist eines der wichtigsten Ergebnisse dieses Projekts ein neues Verständnis von uns selbst – nicht als selbstbezogene und ohnmächtige Minderheit, sondern eher als Menschen mit der wunderbaren Gelegenheit, sich in einer Lage zu befinden, die es uns erlaubt, einen Beitrag zu leisten“, so Bogoch gegenüber TPS.

Siedler für Syrer

Die internationalen Medien haben jahrelang über die medizinische Hilfe berichtet, welche der Staat Israel über die israelische Armee über 2600 syrischen Verletzten, welche über die israelisch-syrische Grenze in teilweise waghalsigen Manövern geschmuggelt werden mussten, in den israelischen Krankenhäusern erwiesen hat. Der syrische Bürgerkrieg wütet nun schon seit fast 6 Jahren im Nachbarland und in den letzten Jahren nahmen die Gewaltverbrechen an der Zivilbevölkerung nur noch weiter zu. Das offizielle Israel enthielt sich bisher der militärischen oder diplomatischen Einmischung in die blutigen Auseinandersetzungen, reagierte hier und dort mit Antwortschüssen auf Waffenstellungen, wenn Mörsergranaten oder Schüsse aufs eigene Territorium gelangten und griff lediglich bei Waffentransporten der Hisbollah, unabhängig von den Kämpfen innerhalb Syriens, mithilfe der Luftwaffe an. (So ungefähr lässt es sich zusammenfassen; für die Genauigkeit der militärischen Details will ich keine Garantie übernehmen.)

In der letzten Zeit, vor allem nach der erschütternden Belagerung von Aleppo (Haleb), aber auch schon zuvor, regten sich soziale Initiativen innerhalb Israels, die massiv die Bevölkerung zum Spenden für syrische Flüchtlinge anregen sollten. Hilfsgruppen wie IsrAid waren schon lange Zeit zuvor in den Flüchtlingslagern für Syrer im Einsatz, beispielsweise in Griechenland, und Spenden gelangten zumeist dorthin, oder aber über private Aktivisten nach Syrien und in die Türkei.

Angeregt durch die akute Not in Aleppo in November/Dezember des vergangenen Jahres und, wenn man will, dem „Ruf der Stunde“ folgend, bahnte sich am 16.12.2016 eine Massenspenden-Initiative

Das Logo der Kampagne "Die Syrer sind amZaun/Just beyond your border" (Klicken zur Kampagne selbst)
Das Logo der Kampagne „Die Syrer sind amZaun/Just beyond our border“ (Klicken zur Kampagne selbst)

namens „Die Syrer sind am Zaun – Just Beyond Our Border“ ihren Weg. Das Ziel dieses Crowdfunding-Projektes – 600.000 Schekel (etwa 155.000 Euro) die über die Hilfsorganisation „Israeli Flying Aid“ vor allen Dingen an Kinder in Syrien gelangen sollten. Unter den Initatoren des Projekts, welcher auch im israelischen Fernsehen dazu interviewt worden ist, ist ein junger Mann namens Shivi Fruman. Shivi ist der Sohn des verstorbenen Rabbiners Menachem Fruman aus der Siedlung Teko’a im östlichen Gush Etzion, eine Legende seiner Art – Rabbiner Fruman förderte die Vision eines

Shivi Fruman und seine Frau Michal. Quelle: Facebook
Shivi Fruman und seine Frau Michal. Quelle: Facebook

Friedens zwischen Juden und Arabern in Judäa und Samaria und war der geistige Anführer dieser Idee. Shivi, ebenso in Teko’a ansässig und mit Michal verheiratet (die am 18.01.2016 einen Terroranschlag überlebt hatte), widmet sich ebenso verschiedenen Projekten, die Koexistenz und Spiritualität fördern sollen. Seine Mutter Hadassah Fruman leitet heute den „Fruman Fonds“ (???) und ist eine zentrale Figur in lokalen Initiativen für Zusammenarbeit zwischen palästinensischen Arabern und Juden, so beispielsweise in der Organisation „Roots/Shorashim/Judur“ (mehr dazu zum Beispiel hier).

Shivi  und die anderen Aktivisten begannen die Kampagne  mit dem Ziel, 600.000 Schekel zu sammeln. Innerhalb von 2 Tagen stieß sie auf enormes Interesse und zog  tausende Spender und Spenderinnen aus ganz Israel mit sich – es waren über 400.000 Schekel gesammelt worden. Die Kampagne lief weiter; innerhalb einigerTage waren über 800.000 Schekel gesammelt worden, was das gesetzte Ziel sprengte.  Obwohl die geplante Summe längst überschritten worden ist, läuft die Spendekampagne online – erst gestern hatte eine Frau namens Marcela eine Spende überwiesen. Insgesamt haben bis heute 7224 Menschen in die Kampagne investiert und zu einer stattlichen Spendesumme von 1.346.728 Schekel (etwa 351.691 Euro) verholfen. Gal Luski, eine Verantwortliche für die Übergabe der Spenden vor Ort, berichtet an Ynet (18.12.16) über die Reaktion syrischer Ärzte auf die Spendenaktion:

„Sie waren den Tränen nahe und sagten zu mir, ’sag deinem Volk Israel, dass es überhaupt nicht wichtig ist, wieviel Geld sie geben werden, die Hauptsache ist, dass wir es bis in ihr Herz geschafft haben.“ 

Über die Aktion wurde in den internationalen Medien so gut wie überhaupt nicht berichtet (wenn man von Ynetnews, Times of Israel und Ha’aretz in Englisch absieht).


Eine weitere, weniger bekannte Aktion an Materialspenden starteten zwei Frauen namens Ruti Doron und Lilach Cohen,

ebenso aus Teko’a. Ihren Spendenaufruf „We cannot be silent anymore“ richteten sie an Einwohner von Gush Etzion, Jerusalem und anschließend auch ans ganze Land, organisierten Sammelstellen und Kontaktpersonen in beinahe jeder Ortschaft, stellten Listen für benötigten Spendeartikel zusammen und

Ruti Doron. Foto: Facebook
Ruti Doron. Foto: Facebook

versandten diese über Sammelmails. Ruti Doron sammelte gezielt Materialspenden, und zwar Hygieneartikel für Frauen und Kinder

 

Lilach Cohen. Foto: Facebook
Lilach Cohen. Foto: Facebook

und Windelpackungen verschiedener Größen.  Die Spendeartikel wurden bei den Kontaktpersonen abgelegt und an Ruti weitergegeben. Diese hatte über die israelische Hilfsorganisation „Amaliah“ Kontakt zu syrischen Hilfsstellen innerhalb des Kriegsgebiets aufgenommen und überwies die Artikel mit ihrer Hilfe an die Bedürftigen. Da Syrien wohlbemerkt in einem Kriegsstatus mit Israel liegt und als Feindesland klassifiziert wird, wurde der Versand nach Syrien auf Umwegen und ohne große Bekanntmachung durchgeführt. Fotos durften vor Ort nicht gemacht werden.

Die Kampagne "We cannot be silent anymore" von Ruti Doron und Lilach Cohen
Die Kampagne „We cannot be silent anymore“ von Ruti Doron und Lilach Cohen

Die Sammelaktion hatte mehrere Durchläufe; eine davon war mit einem „Notruf“ gekommen – Spendeartikel sollten innerhalb eines Tages abgeliefert und überwiesen sein; die Reaktion in Gush Etzion war positiv und viele Artikel landeten bei Ruti im Haus.

So beschrieb die Gruppe unter der Leitung von Ruti und Lilach ihre Motivation auf Facebook:

Diese Gruppe ist eine Privatinitiative von einigen Frauen aus Jerusalem und Umgebung, die sich zusammengeschlossen haben, um humanitäre Hilfe für Frauen und Kinder in den Flüchtlingslagern in Syrien zu überbringen, aus dem einfachen Grund, dass wir nicht mehr an der Seite stehen und zuschauen, schweigen und stillhalten konnten, während nur 8 Stunden Autofahrt von Tel Aviv entfernt ein Völkermord betrieben wird. 

Die letzte Mail erhielt ich vor einigen Wochen und in ihr richtete Ruti Doron den Dank an diejenigen aus, die bei den Spendenaktionen mitgeholfen hatten – diesmal waren auch Orte und Gruppen aus dem ganzen Süden und Norden Israels dabei.

Fotos von der Aktion – Ruti Doron:

Es mag sein, dass auch in Zukunft solche Projekte mit und von Leuten aus Gush Etzion oder anderen Regionen in Judäa und Samaria laufen werden. Trotz großer mentaler Ferne und nationaler Feindschaft, waren Shivi, Ruti und ihre Helfer und Unterstützer der Not der leidtragenden Menschen in Syrien nicht fremd. Auch die international so gewohnte Verteufelung der jüdischen Einwohner von Judäa und Samaria spielte hier weder eine Bedeutung noch hatte sie etwas mit den Menschen vor Ort gemeinsam. Gutes Tun und Nächstenliebe sind kein fremder Begriff in unserer Region und es ist sehr gut so. Nur über die wenigsten Fälle werden reißerische Schlagzeilen veröffentlicht. Damit ihr auch von solchen Aktivitäten erfährt, wollte ich diesen kurzen Beitrag darüber schreiben. Weiterhin viel Erfolg an Shivi Fruman, Ruti Doron, Lilach Cohen und Co.

 

(Wer sich jetzt fragt, weshalb ich nicht schon früher darüber geschrieben habe – mea culpa, aber besser später als nie…)

Frauenabend

Im Karavanenviertel von Alon Shvut ist die Gemeinschaft recht nachbarschaftlich und zusammengewachsen. Man kennt sich zumeist gegenseitig, hilft einander, leiht sich Dinge aus, gibt einander Ratschlaege, macht Witze in der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe, bietet erste Hilfe bei Naturkatastrophen (Schnee und Regen) und ihren Konsequenzen (Stromausfall und Kabelbrand) an, kocht fuer stillende Muetter und was nicht alles noch.

16683895_10155214912956842_5967303993871990709_n
Karmit mit ihrer Juengsten

Auch gemeinsame Abende, vor allem vom Frauen, werden ab und zu veranstaltet. Von einem solchen habe ich einmal berichtet, „Kleidertausch“-Abend vor etwa zwei Jahren, der bei uns in der Synagoge stattgefunden hat (natuerlich gab es in der Zwischenzeit weitere Treffen). Vor einigen Tagen fand ein „Frauenabend“ bei einer Einwohnerin, Naomi, statt. An die 20 junge Damen im Alter zwischen 20 und 45 Jahren hatten sich versammelt; eine davon brachte ihre kleinste Tochter mit, der Rest liess die Vaeter auf diese aufpassen. Die Kinder von Naomi – oh Wunder – schliefen und ihr Mann Elias, auch er knapp 30, wurde „ausser Haus“ geschickt.

Alle Maedels wurden gebeten, etwas zu essen zu bringen: der geraeumige Salon von Naomi fuellte sich alsbald mit Salaten, Q

Da hatten wir schon das Meiste gegessen.
Da hatten wir schon das Meiste gegessen.

uiches und Suppen, eine Nachbarin namens Liat brachte sogar vselbstgemachten Apfelcider mit („mein Mann hat’s gekocht!“). Nach Essen und Plaudereien sollten wir gemeinsam etwas machen, so hatte eine weitere Nachbarin vorgeschlagen und so brachte sie auf Eigeninitiative Bastelmaterial mit (ja, auch „grosse Kinder“ basteln gern, so hatten wir herausgefunden 🙂 ) und die letzte Stunde, bevor alle heimgingen, waren wir damit beschaeftigt, Blumentoepfe anzumalen und darin Mini-Kaktusse zu pflanzen.  Als zur Mitte unserer Bastelstunde eine Frau aus Alon Shvut selbst gekommen war, um ein wenig ihren Lieblingskandidaten fuer die bevorstehenden Wahlen fuer das Regionalkonzil von Gush Etzion (am 14.02.17 ist es soweit) zu werben, konnte ihr kaum eine

Die Kaktusse und wir
Die Kaktusse und wir

Aufmerksamkeit schenken („was fuer ein Wahlprogramm hat er denn? – Moment, ich will die Pompons da fuer den Topf!“).

Nachdem alle langsam, aber sicher heimgegangen waren (Elias war zurueck ins Haus gekommen, Naomis Kinder wachten auf und die Zeit naeherte sich Mitternacht), folgten dann Dankeschoen-Nachrichten, Fotos vom Essen und Kaktussen, mit vielen Smilies versehen, ueber WhatsApp. Und ich konnte mir von Liats Ehemann das Apfelcider-Rezept abholen. Hoffentlich kriege ich es demnaechst hin. 😛


Ueber unsere kleine Frauengruppe moechte ich euch Aussenstehenden nun einige „kuriose Details“ offenbaren 😉

Alle der Maedels, mit mir inklusive, leben in den Wohncontainern bzw. Leichtbauten vor Ort. Alle ausser mir sind verheiratet. Von allen Anwesenden waren mindestens fuenf hochschwanger (ob mehr schwanger waren, konnte ich so einfach nicht feststellen). Eine war mit einem wenige Wochen altem Sohn dabei, eine weitere mit einer unter einem Jahr alten Tochter. Drei weitere haben daheim ein Baby unter einem Jahr, allerdings waren es von allen nur drei Frauen, fuer die es das erste Baby bzw.die erste Schwangerschaft war – alle anderen hatten schon mindestens zwei Kinder. Die Mehrheit der Frauen arbeitet als Lehrerinnen oder in einem anderen Fach im Sozial- und Gemeindewesen. Eine ist freischaffende Kuenstlerin mit eigenem Studio. Mit Ausnahme einiger weniger hat jede mindestens einen BA-Abschluss. Von ihren kulturellen Wurzeln her sind die meisten

Von links: Liat - die mit dem Cider-, Maya und Yaffa - die mit dem Studio.
Von links: Liat – die mit dem Cider-, Maya und Yaffa – die mit dem Studio.

europaeischstaemmig; eine hat tunesische Wurzeln, eine andere jemenitische, eine weitere persische und die Frau mit der Tochter indische Wurzeln (habe ueber die Familie hier berichtet). Die kulturell europaeischen Frauen hatten zu einem Teil orientalische Maenner geheiratet – so liegen die Wurzeln von Elias, dem Mann der Gastgeberin Naomi, in Marokko. Die meisten der Frauen trugen lange oder knielange Roecke und Kopfbedeckungen, allerdings nicht alle – unsere Bastelinitiatorin Hana trug Jeans und offene Haare, Liat eine Strickmuetze und Yaffa, die Kuenstlerin, nur ein breites Haarband statt einem Tuch oder „Turban“, wie manche nationalreligioese Frauen gerne ihre Kopftuecher auftuermen. An Paruecken, wie man sie aus der ultraorthodoxen Welt kennt, denkt bei uns niemand.


Wenn ihr mehr wissen und nachfragen wollt, nutzt gerne die Kommentarspalte!

Amona – das Ende. Ende?

Polizisten auf dem Vormarsch nach Amona. Quelle: Walla
Polizisten auf dem Vormarsch nach Amona. Quelle: Walla

Seit gestern mittag bis in den heutigen Tag hinein (Donnerstag, 02.02.17) arbeiten Grenzschutzpolizisten und Spezialkräfte der israelischen Sicherheitseinheiten an der kompletten Räumung der Ortschaft Amona und der Ausweisung ihrer Bewohner/-innen und über tausend Untersützer/-innen, welche sich in den letzten Tagen vor dem Räumungsbeginn zu den Einwohnern dazugesellt hatten, um gegen die Ausweisung zu protestieren und die Evakuierung zu erschweren. Der erwartete und gefürchtete Schritt, auf dessen Aufhebung lange Zeit gehofft wurde, wurde gestern mittag (Mittwoch) in die Wege geleitet, als an die 3000 Sicherheitskräfte begannen, sich auf die Kleinbauten der Siedlung zuzubewegen. Heute (Donnerstag) werden die letzten Anwesenden auf dem Hügel herausgeholt – als letzte Barrikade diente bisher das Gebaeude der lokalen Synagoge, in welcher sich bis zur Mittagszeit Jugendliche und Erwachsene verschanzt hatten und Unterredungen mit den Sicherheitskraeften abgelehnt hatten. Die letzten Einwohnerfamilien hatten bis zu den Morgenstunden das Gelaende verlassen. Das Synagogengebaeude soll das letzte geraeumte Gebaeude werden. In den naechsten Tagen werden die Habseligkeiten der Familien durch die Raemungkraefte verpackt und herausgeholt, anschliessend wird die Entfernung der Bauten vom Huegel abgeschlossen werden.

Schon 24 Stunden zuvor hatte die Armee entsprechend den Anweisungen Betretungsverbote für Nichteinwohner auferlegt, nur nach Vorzeigen des Ausweises die Menschen auf den Hügel kommen lassen und den Räumungsbefehl an Familien ausgehändigt, welche ihre Bauten für widerrechtlich erklärt und den Betritt dieser nach Ablauf einer 48-Stunden-Frist verbietet. Trotz der Belagerung des Hügels durch die Sicherheitskräfte gelang es mehreren hundert Protestierenden, vor allen Dingen Jugendlichen, auf den Hügel zu gelangen. Diese nutzten die Zeit, als der genaue Zeitpunkt der Räumung noch nicht feststand, um den Zugang zu und in die Häuser so nachhaltig wie es geht zu verbarrikadieren. Zwar kündigten die Einwohner Amonas durch ihre Leitung und über verschiedene andere Kanäle an, keiner Gewalt zuzustimmen und riefen dazu auf, sich nur des passiven Widerstands zu bedienen, hatten sich viele aufgebrachte Jugendliche vorgenommen, den Widerstand physisch bedeutendvoller anzugehen. Müllcontainer wurden vor die Wege angestellt und angezündet, dazu Barrikaden aus brennenden Reifen und Möbeln.

Familie verlässt ihr Haus. Quelle: Channel 20
Familie verlässt ihr Haus. Quelle: Channel 20

Gruppen von Jugendlichen banden sich an Möbelstücke, um ihre Räumung zu erschweren. Andere verschanzten sich in den Häusern und auf den Dächern. Das unmittelbare Vordringen von Grenzschutzkräften (welche generell bei Räumungen zum Einsatz kommen, ungleich Soldaten) rief stärkere Proteste hervor. Gegenstände und Flüssigkeiten wurden auf die Polizisten

Jugendliche auf Barrikaden. Quelle: Channel 20
Jugendliche auf Barrikaden. Quelle: Channel 20

geworfen – die Presse berichtete von Wasserbomben, Öl, Reinigungsmittel, Möbelteilen und Steinen. Etwas mehr als ein Dutzend von Beamten wurde leicht verletzt. Eine Polizistin soll mittelschwer verletzt worden sein (Ynet). Auch unter den Protestierenden – erneut, den meisten davon Jugendlichen aus anderen Orten – gab es leicht Verletzte, welche in naheliegende Krankenhäuser evakuiert worden waren.

Angesichts der verstörenden Bilder aus demselben Amona vor elf Jahren, im Winter 2006, bei dessen  Räumungseinsatz ungezügelte Polizeigewalt gegen Demonstranten zu schockierenden Szenen von niedergetrampelten und geschlagenen Menschen geführt hatte, wurden die Einsatzkräfte speziell auf möglichst gewaltfreie Evakuierungstechniken im Umgang mit Widerstand vorbereitet. So erschienen die Polizisten und auch die Spezialeinsatzkräfte am Ort in Schutzkleidung, aber unbewaffnet. Mehrere Familien – etwa ein Dutzend – erklärten sich bereit, ihre Häuser freiwillig zu verlassen, andere hatten sich geweigert und ließen sich von Beamten zumeist wegtragen – darunter auch kleine Kinder der Familien.

Fotos: AP; EPA; AFP
Fotos: AP; EPA; AFP

Im Laufe des Räumungsablaufs, der von Nachrichtenkanälen wie dem von Ynet live im Fernsehen und über die App übertragen wurde und mitangesehen werden konnte, wurde im Hintergrund durch die Richter des Obersten Gerichtshofs entschieden, ob der im Dezember 2016 ausgearbeitete Entwurf zwischen den Bewohnern Amonas und der Regierung – inklusive Neubauten auf einem anliegenden Grundstück und Sorge für den Großteil der ausgewiesenen Familie, dazu finanzielle Verlustkompensation – angenommen werden sollte oder nicht.

Am späten Nachmittag wurde die Entscheidung mitgeteilt – der Oberste Gerichtshof hatte den Entwurf abgelehnt – ohne dabei die Begründung für die Ablehnung zu veröffentlichen. Gegen seine Annahme hatte die pro-palästinensische Organisation „Yesh Din“ im Namen der Grundstücksbesitzer, auf welchen Amona 1995 errichtet worden war, geklagt, um die Nutzung anliegender Flächen, welche die Kläger ebenso als ihr Eigentum bezeichnen, zu verbieten. Die Nachricht hatte niemanden mehr überrascht.

Politiker aus der Koalition – insbesondere solche, die sich für den Fall Amona eingesetzt hatten – kommentierten die Ereignisse unterschiedlich: so erklärte Erziehungsminister Naftali Bennett und einer der zentralen Figuren in der Affäre, „der Kampf um Amona“ sei verloren, dafür wäre aber der „Kampf um das Land gewonnen“ – und verwies dabei auf das „Eingliederungsrecht“, welches angesichts der bevorstehenden Räumung und der ablehnenden Haltung des Obersten Gerichtshofs vom Premierminister zur zweiten und dritten Lesung in der Knesset zugelassen worden war. Abgeordneter Betzalel Smotritch sparte nicht an deftigen Begriffen und verglich den Schmerz der Ausweisung der Bewohner mit der Vergewaltigung einer Frau (und löste daraufhin wie erwartet empörte Reaktionen aus). MK Shuli Mu’allem-Refaeli, Vorsitzende der Partei „Jüdisches Heim“, kommentierte die Entscheidung:

„Linksextreme Organisationen machen Gebrauch vom Rechtssystem, um ihre politischen Ziele zu verfolgen. Die Amona-Affäre ist keine rechtliche, sondern politische Angelegenheit gewesen und der Gerichtshof hätte dabei keine Rolle haben sollen. Die Art und Weise, in welcher die linksextremen Organisationen vorgehen, stützt die Notwendigkeit, gegen sie vorzugehen und Gesetzesregelungen zu erlassen.“

Einige Tage vor dem Räumungsdatum veröffentlichten PM Netanyahu gemeinsam mit dem Verteidigungsminister Avigdor Liebermann die Erlassung für den Bau von etwa 3000 neuen Wohneinheiten im gesamten Gebiet von Judäa und Samaria, davon 2500, welche für direkte Ausschreibung offenstehen sollen. Neue Wohneinheiten sollen u.a. für die Gemeinden von Efrat, Alfey Menashe, Kfar Eldad und Shilo.

Auch der Vorsitzende der Verwaltung des arabischen Dorfes Silwad, aus welchem zwei der gegen Amona klagenden arabischen Familien stammen, – Abdarrachman Abu-Salah- meldete sich zu Wort: Dem Kanal „Alquds“ gegenüber erklärte er, die Räumung von Amona sei nicht genug, vielmehr sollten ihre Bewohner dorthin zurückkehren, woher sie stammen würden – aus Europa (Reshet B berichtete).

Die sozialen Netzwerke -insbesondere das in Israel sehr beliebte Facebook – füllten sich mit Inhalten über Amona – lakonischen Analysen, wütendem Schimpfen gegen die Regierung, traurigen Liedern, Videos von den Protesten und den Evakuationen, Aufnahmen von Ansprachen der Einwohner und Bildern von Jugendlichen und Kindern auf dem Hügel. Vergleiche mit der

Quelle: Facebook
Quelle: Facebook

Räumung der jüdischen Ortschaften im Gazastreifen, Bloßstellungen des Staatsapparats und seiner politischen Interessen und viel Zorn gegen die „linksextreme Diktatur des Obersten Gerichtshofs“. Andere

Foto: Ynet
Foto: Ynet

versuchten sich mit religiösen Botschaften zu trösten, Bitten um Gebete für die „Brüder in Not“ und Proteste auf öffentlichen Kreuzungen wurden veröffentlicht und über WhatsApp-Gruppen verschickt. Fast überall wiederholte sich dasselbe Mantra: „Juden vertreiben keine Juden“ und das Entsetzen darüber, dass dies auch in dieser Zeit der Fall sei.

Facebook: Video eines Mädchens bei der Räumung. Sie wirft den Polizisten vor:

„Wie können Menschen, Juden, in der Lage sein, sowas zu tun? Erklärt es mir! Wofür? Für deine Beförderung? Das ist es nicht wert! Es ist dieses Leid, das du den Leuten hier zufügst, nicht wert! So viele Familien, 40 Familien, 200 Kinder! 200 Kindern nehmt ihr die Grundfesten weg, reißt ihnen die Wurzeln ab, reißt sie heraus! Nimm deine Sonnenbrille ab,ich rede mit dir!“ 

 

Die Gefühle – in den sozialen Netzwerken als auch unter meinen Freunden und Bekannten – waren aber auch durchaus gemischt. Das störrische Beharren des Obersten Gerichtshofs darauf, dass es sich beim Land um erwiesenes Privatland handle, die politischen Turbulenzen, die von den Unterstützern von Amona monatelang

Foto: Ynet
Foto: Ynet

verursacht wurden, die Tatsache, dass es sich mehr um einen „Vorposten“ als um eine etablierte Gemeinde handle und auch die Einsicht darüber, dass eine nachhaltige Lösung für ähnliche Situationen nicht durch die Rettung von einer kleinen Anzahl Leichtbauten gefunden werden wird und das Projekt Judäa und

Mädchen in Amona. Quelle: Ari Fold
Mädchen in Amona. Quelle: Ari Fold

Samaria anderer Herangehensweise bedürfe – das alles löste Diskussionen und Gedanken aus. Gemischte Gefühle wie Trauer, Wut, Zorn, Enttäuschung, Zynismus, Emotionalität, Verleugnung, Ärger, Hoffnung, Schmerz, Empathie, Nüchternheit, Idealismus, Resignation. „Die Siedler“ sind kein monolithischer Block, genauso wenig wie die gesamte israelische Gesellschaft es ist.


Von Amona selbst wird in der nächsten Zeit nicht viel mehr als ein Haufen Gerümpel auf karger Erde bleiben. Die Unterstützer schwören, zurückzukommen, so, wie sie es auf Gebäudewände gesprayt haben.  Die  Amona-Ausgewiesenen (oder Vertriebenen, wie man sie auch nennt) werden zunächst provisorisch unterkommen, anschließend temporär irgendwo unterkommen, und bei allen politischen Versprechen ist es alles andere als klar, ob sie irgendeine Kompensation erwartet oder nicht. Auch nach dem gestern geäußerten Statement von PM Netanyahu, er würde für den Bau einer neuen Siedlung für die Ausgewiesenen sorgen und habe schon die erste Suche nach passenden Grundstücken eingeleitet.Auch andere Häuser und Familien stehen in der Warteliste zur Demolierung – 9 Häuser in Ofra, der „Muttergemeinde“ von Amona, 17 Häuser in Elazar…

Ist es nun das Ende der Amona-Saga, ein Höhepunkt oder nur ein weiteres Glied in einer Kette von Verfehlungen?

Fakt ist, ganz egal, wie man politisch zur Amona-Frage stehen mag, die Bilder sind dennoch schwer anzusehen und sollten niemandem Genugtuung bereiten. Der Antagonismus der Affäre bekam vor Ort ein Gesicht: zwischen den in Massen auf den Hügel zuschreitenden Grenzschitzpolizisten in Uniformen, den schreienden, rennenden, weinenden und teilweise steinwerfenden Jungen und Mädchen, den Familien mit Kindern in den Häusern, dem Schimpfen und den Gebeten, den Baggern, die sorgfältig angelegte Pfade und Schilder und Gartenzäune niederrissen, der Sonne, dem Sternenhimmel und dem kalten Wind.

In unserem Viertel hier im Nahen Osten scheint es so schnell nicht ruhig zu werden, ob nun mit oder ohne Amona, das kann ich versichern. Das Unrecht, das den Grundstückbesitzern angetan worden war, kann mit dem Unrecht, Familien und Kinder nach jahrelangem Wohnen und Gedeihen aus ihren Heimen zu zerren, nicht gut korrigiert werden. Es macht keinen Sinn. Menschlich gesehen ist es würdelos, politisch gesehen durchschaubar und lachhaft, und für die Zukunft ist es nicht förderlich und sogar schädlich.

„Ringsum senkte sich Stille nieder, bald würde sie den letzten Kreis schließen, und wenn die Stille alles umschlossen hatte, und keiner mehr das Schweigen störte, würde leise das zu summen anfangen, was jenseits der Stille liegt – dann würde Gott… hinabgehen und dort wandeln,um zu sehen, ob ihr Tun gleich dem Klagegeschrei.“ (S.Yitshar, „Chirbet Chisa“)

Chanukkah überall

Noch drei Tage sind vom Chanukkah-Fest übrig, und die Aktivitäten und Veranstaltungen für Familien, Kinder und andere Interessierte rund um den Feiertag neigen sich ihrem Ende zu. Wie im ganzen Land, so war auch der Eventkalender von Judäa und Samaria gefüllt mit Events für Groß und Klein –  vor allem, wenn man bedenkt, dass auch diese Region für ihre Geschichtsbezogenheit zu den historischen Vorgängen zur Zeit der Makkabäerrevolte gegen die Griechen im 2.Jhdt v.d.Z. bekannt ist. Es folgt eine kleine Übersicht dessen, was die Israelis in Judäa und Samaria während des Chanukkah-Festes erwartet(e), von Norden nach Süden:

Samaria

Festival des Lichts 2017 – organisiert von der Regionalverwaltung Samaria und dem Ministerium für Kultur und Sport.

Im Programm: 

  • Musical-Auffführung, inspiriert durch Lieder von Arik Einstein und Shalom Hanoch in Sha’arey Tikva (östlich von Kfar Kassem), 26.12
  • Gesangsabende für Senioren in Shaked (südöstlich von Umm el-
    Ausflug für Samaria-Jugendliche. Foto: Regionalverwaltung Samaria
    Ausflug für Samaria-Jugendliche. Foto: Regionalverwaltung Samaria

    Fahm), Elon More (östlich von Nablus/Shchem) und Nofim (östlich von Kfar Saba) (27-29.12)

  • Theateraufführung für Kinder ab der fünften Klasse in Sha’arey Tikva (25.12)
  • „Der große Ausflug für Samaria-Teens“, Wanderung für Jugendliche im Jordantal mit Kerzenzünden in Ma’ale Efraim
  • Joggling- und Feuerschlucker-Show von Nissan Hess in Kfar Tapuach, Nofey Nehemia (südlich von Nablus/Shchem, östlich von Ariel) und Havat Gilad (westlich von Nablus/Shchem) (25./26.12)

    Mitarbeiterinnen der Regionalverwaltung Samaria in Chanukkah-Atmosphäre
    Mitarbeiterinnen der Regionalverwaltung Samaria in Chanukkah-Atmosphäre. Quelle: Regionalverwaltung Samaria

Binyamin-Region (im Norden von Jerusalem,Süd-Samaria):

Im Programm: 

  • Makkabäer-Festival in der Talmonim-Region (nordöstlich von Modi’in, nordwestlich von Ramallah) – Straßenkünstler, Wanderung mit Überraschungen für Kinder,
    Makkabäer-Festival. Quelle: Webseite des Festivals
    Makkabäer-Festival. Quelle: Webseite des Festivals

    Höhlenentdeckungen, Bastelaktivitäten, Jeep-Touren von Modi’in nach Talmon und mehr (28-29.12.)

  • Orientierungs-Spiel „Extreme“ mit Herausforderungen für Kinder und Familien im Shiloh-Tal und auf der Ausgrabungsstelle und Besucherzentrum „antikes Shiloh“ (zwischen Ramallah und Nablus/Shchem), (28.-19-12)

Gush Etzion (Judäa)

Im Programm: 

  • Konzerte in Gush Etzion. Foto: Regionalverwaltung Gush Etzion
    Konzerte in Gush Etzion. Foto: Regionalverwaltung Gush Etzion

    Musikkonzerte von bekannten Künstlern im Kulturzentrum Gush Etzion und Teko’a – Jane Bordeaux, Dani Rubin, Shlomo Gronich, Ziv  Yechezkeli (25.-27.12)

  • Vortrag des Nahost-Experten und Journalisten von Channel 10, Tzvi Yechezkeli, über die Situation und Entwicklungen der muslimischen Welt in Alon Shevut (Gush Etzion, südlich von Jerusalem) (30.12)
  • Wanderungen der Feldschule Kfar Etzion rund um Gush Etzion, Binyamin-Region und Jerusalem (Hariton-Höhle, Wadi Kelt, Patriarchenhöhle in Hevron, Kanada-Park, Herodion)
  • Spenden-Aktion von „Chanukkah-Geld“ der Mädchenschule Neve Chana in Efrat

Hevron-Region (Judäa)

Im Programm: 

  • 12.Konferenz „Das Buch und die Wüste“ zu den neuesten archäologischen und anderenForschungen über das Hevron-Bergmassiv in Susia (südlich von Hevron, nordwestlich von Arad) (29.12)
  • Theatervorstellung des Theaters „Aspaklaria“ für Erwachsene nach der Erzählung „Das Kleid“ von Nobelpreisträger Shai Agnon in Kiryat Arba (Hevron), (31.12)

    Theateraufführung in den Hevron-Bergen. Foto: Regionalverwaltung Har Hevron
    Theateraufführung in den Hevron-Bergen. Foto: Regionalverwaltung Har Hevron