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Zum Weiterlesen: Fotoworkshop für die Kids der Feinde

„Siedlerkinder in den Bergen…“ Die Anlehnung an Rolf Zuckowskis „Winterkinder“ bot sich hier geradezu an, aber der Artikel, den ich zu lesen empfehle, handelt von etwas mehr als das: Auf abseits vom mainstream – heplev – wurde  heute die Uebersetzung eines sehr schoenen Artikels ueber den gemischten Fotoworkshop der Organisation „Roots“ (habe oefter darueber berichtet) fuer lokale juedische und arabisch-palaestinensische Kinder aus der Times Of Israel vom 19.04.17 veroeffentlicht. Ich kenne die Organisatoren vom Nahen und hatte sogar einmal  – ich wuerde sagen, die Ehre – fuer eine Workshopsession fuer die Kinder aus dem Englischen zu uebersetzen. Sowohl ins Hebraeische als auch ins Arabische, uebrigens. Es ist ein sehr schoenes Projekt und ich empfehle euch sehr, den Artikel zu lesen. Klickt einfach unten auf den Link.

In der Westbank sorgt das Koexistenzprogramm ROOTS für eine wichtige Zusammenkunft von Teenagern aus dem Gush Etzion und dem nahe gelegenen Dorf Al-Khader.

Brett Kline, The Times of Israel, 19. April 2017

Die Teenager sammeln sich um ihren Referenten Bruce, als sie ihren Fotokurs beginnen. Die Gruppe 13- bis 15-jähriger, zu gleichen Teilen jüdische Israelis örtlichen Siedlung und Palästinenser von weiter runter an der Straße 60 […]

über Über einen Fotografie-Kurs treffen sich israelische und palästinensische Kinder zum ersten Mal — abseits vom mainstream – heplev

Kleine, aber feine Bat Mitzva

Am letzten Donnerstag (16.03.)  feierte die Tochter meiner

Nachbarn, Shvut Rachel ihr Name, ihre Bat Mitzva – ihren 12.Geburtstag, der nach jüdischer Tradition als Beginn des Erwachsenwerdens gilt. Als Teil des Erwachsenwerdens tritt auch

Shvut hält ihre Ansprache

die vollständige Verpflichtung fuer alle religiösen Gebote in Kraft – daher übersetzt man den Namen „Bat Mitzva“ als „Tochter des Gebotes“ oder Diejenige, die die Gebote auf sich nimmt. (Mehr dazu in den Essays auf Talmud.de)

Die Feier wurde im lokalen Festsaal von Alon Shvut organisiert und es kamen Familie, Freundinnen und Freunde und viele unserer gemeinsamen Nachbarn. Insgesamt waren vielleicht knapp hundert Gäste anwesend, wenn nicht weniger – durchaus bescheiden  für eine solche Feier. Als Teil des Unterhaltungsprogramms wurden Diashows mit Fotos aus der Kindheit von Shvut und ein Film mit Glückwünschen von Familienmitgliedern wurden gezeigt; die Geschwister, Cousinen und Cousins sangen gemeinsam ein Lied, das sie, so erklärte mir Shvuts große Schwester Tohar, bei jeder Familienfeier singen würden und dabei die Strophen des Liedes immer für das entsprechende Event verändern würden – sei es

Die Familie singt für Shvut

Hochzeit, Geburt, Bat Mitzva oder anderes. Es wurde sehr viel musiziert und getanzt – natürlich tanzten dabei die Frauen und Mädchen von den Männern getrennt. Die Eltern erzählten von Shvut Rachels Werdegang und sie selbst hielt eine Rede, in der sie über den religiösen und geschichtlichen Hintergrund ihres Namens – Shvut („Rueckkehr“, Rückkehr aus dem Exil ins Land Israel) und Rachel (die Ehefrau von Vorvater Jaakov und „Urmutter“ der 12 israelitischen Stämme = des jüdischen Volkes) erzählte.

Die Verbindung zwischen dem Motiv der Rückkehr ins Heilige Land und Rachel ist biblisch sehr stark ausgeführt. Die Grabstelle von Rachel, der zweiten und Lieblingsfrau von Jaakov wird traditionell als bei der Stadt Bethlehem liegend gesehen, so wie es im 1.Buch Moses geschildert wird: „Und Rachel starb und wurde auf dem Weg nach Efrat, das Bethlehem ist, begraben.“ (1.Buch Moses 35, 19) Allerdings gibt es dabei auch andere Meinungen und Diskussionen darüber, die sich auf den Vers aus dem Buch Jirmiyahu (Jeremia) 31, 14 berufen, in welchem von „Rama“ gesprochen wird –

Hier befindet sich heute die Stätte des Rachelgrabs

dabei stellt sich die Frage, wie das Wort „Rama“ übersetzt werden soll – einer geologischen Beschreibung einer „Anhöhe“, welche das Grab in den Binyamin-Bergen (Südsamaria, nördlich von Jerusalem) vermuten lässt, oder der Beschreibung der Lautstärke gesprochen wird. Hier der volle Vers (35,14-15):

„So sagt Gott, eine (laute) Stimme lässt sich (auf der Anhöhe) hören – Rachel beweint ihre Kinder und weigert sich, sich trösten zu lassen, denn ihre Kinder sind nicht da. So sagt Gott, höre dein Weinen auf und lass deine Augen nicht tränen, denn dein Tun erhält seinen Lohn – so spricht Gott – und sie kommen aus dem Feindesland zurück; und es gibt Hoffnung zu deiner Letzt und die Kinder werden zu ihrer Grenze zurückkehren.“

Dieser Vers bezieht sich einerseits auf das babylonische Exil von Juden aus dem Land zur Zeit von Jirmiyahu (etwa um 589 v.d.Z.), andererseits wird es auch in der jüdischen Religion als prophetische Vision zur vollständigen Rückkehr aus jedem Exil (sprich, dem letzten – heutigen Exil) ins Land Israel angesehen. Dabei wird Rachel zur Symbolfigur der Wandernden und Heimatlosen, da sie selbst auf dem Weg begraben worden ist (und nicht wie ihre Schwester Leah, Jaakovs erste Frau, in der Patriarchenhöhle in Hevron) und daher um die „verlorenen Kinder“ trauert und um deren Rückkehr bittet. 

Herzliche Glückwünsche und viel Erfolg an Shvut Rachel und danke für die schöne Feier!

 

Frauenabend

Im Karavanenviertel von Alon Shvut ist die Gemeinschaft recht nachbarschaftlich und zusammengewachsen. Man kennt sich zumeist gegenseitig, hilft einander, leiht sich Dinge aus, gibt einander Ratschlaege, macht Witze in der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe, bietet erste Hilfe bei Naturkatastrophen (Schnee und Regen) und ihren Konsequenzen (Stromausfall und Kabelbrand) an, kocht fuer stillende Muetter und was nicht alles noch.

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Karmit mit ihrer Juengsten

Auch gemeinsame Abende, vor allem vom Frauen, werden ab und zu veranstaltet. Von einem solchen habe ich einmal berichtet, „Kleidertausch“-Abend vor etwa zwei Jahren, der bei uns in der Synagoge stattgefunden hat (natuerlich gab es in der Zwischenzeit weitere Treffen). Vor einigen Tagen fand ein „Frauenabend“ bei einer Einwohnerin, Naomi, statt. An die 20 junge Damen im Alter zwischen 20 und 45 Jahren hatten sich versammelt; eine davon brachte ihre kleinste Tochter mit, der Rest liess die Vaeter auf diese aufpassen. Die Kinder von Naomi – oh Wunder – schliefen und ihr Mann Elias, auch er knapp 30, wurde „ausser Haus“ geschickt.

Alle Maedels wurden gebeten, etwas zu essen zu bringen: der geraeumige Salon von Naomi fuellte sich alsbald mit Salaten, Q

Da hatten wir schon das Meiste gegessen.
Da hatten wir schon das Meiste gegessen.

uiches und Suppen, eine Nachbarin namens Liat brachte sogar vselbstgemachten Apfelcider mit („mein Mann hat’s gekocht!“). Nach Essen und Plaudereien sollten wir gemeinsam etwas machen, so hatte eine weitere Nachbarin vorgeschlagen und so brachte sie auf Eigeninitiative Bastelmaterial mit (ja, auch „grosse Kinder“ basteln gern, so hatten wir herausgefunden 🙂 ) und die letzte Stunde, bevor alle heimgingen, waren wir damit beschaeftigt, Blumentoepfe anzumalen und darin Mini-Kaktusse zu pflanzen.  Als zur Mitte unserer Bastelstunde eine Frau aus Alon Shvut selbst gekommen war, um ein wenig ihren Lieblingskandidaten fuer die bevorstehenden Wahlen fuer das Regionalkonzil von Gush Etzion (am 14.02.17 ist es soweit) zu werben, konnte ihr kaum eine

Die Kaktusse und wir
Die Kaktusse und wir

Aufmerksamkeit schenken („was fuer ein Wahlprogramm hat er denn? – Moment, ich will die Pompons da fuer den Topf!“).

Nachdem alle langsam, aber sicher heimgegangen waren (Elias war zurueck ins Haus gekommen, Naomis Kinder wachten auf und die Zeit naeherte sich Mitternacht), folgten dann Dankeschoen-Nachrichten, Fotos vom Essen und Kaktussen, mit vielen Smilies versehen, ueber WhatsApp. Und ich konnte mir von Liats Ehemann das Apfelcider-Rezept abholen. Hoffentlich kriege ich es demnaechst hin. 😛


Ueber unsere kleine Frauengruppe moechte ich euch Aussenstehenden nun einige „kuriose Details“ offenbaren 😉

Alle der Maedels, mit mir inklusive, leben in den Wohncontainern bzw. Leichtbauten vor Ort. Alle ausser mir sind verheiratet. Von allen Anwesenden waren mindestens fuenf hochschwanger (ob mehr schwanger waren, konnte ich so einfach nicht feststellen). Eine war mit einem wenige Wochen altem Sohn dabei, eine weitere mit einer unter einem Jahr alten Tochter. Drei weitere haben daheim ein Baby unter einem Jahr, allerdings waren es von allen nur drei Frauen, fuer die es das erste Baby bzw.die erste Schwangerschaft war – alle anderen hatten schon mindestens zwei Kinder. Die Mehrheit der Frauen arbeitet als Lehrerinnen oder in einem anderen Fach im Sozial- und Gemeindewesen. Eine ist freischaffende Kuenstlerin mit eigenem Studio. Mit Ausnahme einiger weniger hat jede mindestens einen BA-Abschluss. Von ihren kulturellen Wurzeln her sind die meisten

Von links: Liat - die mit dem Cider-, Maya und Yaffa - die mit dem Studio.
Von links: Liat – die mit dem Cider-, Maya und Yaffa – die mit dem Studio.

europaeischstaemmig; eine hat tunesische Wurzeln, eine andere jemenitische, eine weitere persische und die Frau mit der Tochter indische Wurzeln (habe ueber die Familie hier berichtet). Die kulturell europaeischen Frauen hatten zu einem Teil orientalische Maenner geheiratet – so liegen die Wurzeln von Elias, dem Mann der Gastgeberin Naomi, in Marokko. Die meisten der Frauen trugen lange oder knielange Roecke und Kopfbedeckungen, allerdings nicht alle – unsere Bastelinitiatorin Hana trug Jeans und offene Haare, Liat eine Strickmuetze und Yaffa, die Kuenstlerin, nur ein breites Haarband statt einem Tuch oder „Turban“, wie manche nationalreligioese Frauen gerne ihre Kopftuecher auftuermen. An Paruecken, wie man sie aus der ultraorthodoxen Welt kennt, denkt bei uns niemand.


Wenn ihr mehr wissen und nachfragen wollt, nutzt gerne die Kommentarspalte!

Grüne Mandeln

Heute morgen, als ich unterwegs zum Spendenstand für unser Naturreservat Oz veGaon in Gush Etzion war, traf ich auf dem Weg durch die Felder um meine Siedlung herum die arabischen Nachbarskinder der Abu Awwad Familie. Sie boten mir noch grüne Mandeln von den Bäumen ihrer Farm an. Die Kinder wissen genau, dass selbst noch unreife Mandeln Leckerbissen sind.
Jetzt weiss ich das auch.

Shukran ya aulad! شكرا يا اولاد!

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Kleidertausch

Wollte kurz von einer netten Initiative berichten, die im Karavanenviertel so unter den Nachbarn initiiert worden sit – Kleidertausch zwischen Frauen (nicht etwa Frauentausch).

Ein paar junge Nachbarsfrauen schlugen vor, sich heute abend in der Synagoge zu treffen und Second-Hand-Kleidung mitzubringen, die die eine nicht braucht, damit ggf.eine andere Gefallen daran finden kann. Second-Hand-Laden selbstgemacht und ohne Geld.

1klAlso schleppten wir Tüten mit Altkleidern an, verteilten es auf die Bänke, auch Kosmetik und Schmuck waren dabei, und begannen, nach attraktiven „Angeboten“ der anderen zu suchen. Die meisten wurden fündig und den für Rest erklärte sich eine bereit, ihn an einen Wohltätigkeitsladen zu spenden.

Das Beste war eindeutig das Zusammentreffen von uns Mädels und der Spaß, den wir hatten.  1kl2