In eigener Sache: Eine gute Gemeinschaft

In der letzten Woche wurde ich krank. „Dank“ meiner momentanen Arbeit im Kindergarten hatte ich die Windpocken eingefangen, die ich im Kindesalter leider nie gehabt habe und wahrscheinlich auch nicht dagegen geimpft worden war.  Leider war auch eingetreten, wovor mich einige gewarnt hatten – im Erwachsenenalter würden Komplikationen auftreten und man würde die Krankheit schwerer überwinden – am vierten und fünften Tag nach dem Ausbruch bekam ich hohes Fieber und extreme Halsschmerzen. Es stellte sich heraus, dass die Pocken auch in den Rachen geraten waren, und nach der Einnahme von Antibiotika, die mir nicht geholfen hatten, riefen meine Freunde den Krankenwagen und ich wurde ins Jerusalemer „Sha’arey Tzedek“-Krankenhaus eingeliefert.

Dort ließ man mich in einem Isolationszimmer über Nacht, mit zahlreichen Infusionen versorgt, da ich selbst nicht trinken und essen konnte. Am Freitagnachmittag wurde ich schließlich nach erheblicher Besserungen und wieder einigermaßen schlucken könnend nach Hause entlassen, was sich als richtige Entscheidung herausstellte… denn es ist immer noch besser, sich daheim auszuruhen, als abgeschottet in einem Krankenhaus und seiner traurigen Atmosphäre.

Während der gesamten Zeit hatten sich die Einwohnerinnen aus unserer kleinen Gemeinde auf dem Hügel über meinen Zustand informiert, noch bevor der Krankenwagen bei mir vor der Tür erschien, und erst recht, als ich ihnen darüber Bescheid gab. Die einen schrieben mich an, andere riefen meine Freunde an, und zwei versuchten mich sogar im Krankenhaus per Telefon zu erreichen, als ich mich persönlich nicht meldete. In der Whatsapp-Gruppe hielten sie sich auf dem Laufenden und eine schrieb mir: „Werde bald gesund und dann können wir dich verwöhnen 🙂 “ Am nächsten Tag dasselbe – sie erkundigten sich, wann ich daheim wäre und was man mir zum Essen vorbereiten könnte. Da es eher riskant gewesen wäre, mich persönlich einzuladen – die Gefahr der Ansteckung war noch nicht vorbei und so gut wie jeder Haushalt hier hat kleine Kinder -, bereiteten mir einige Suppen vor, ich konnte ja noch immer nicht Festes essen.

Mittlerweile hat sich mein Zustand sehr verbessert, und so Gott will werde ich bald wieder auf festen Beinen stehen, alles Beliebige essen und mich auch draußen ohne Bedenken zeigen können (Windpocken stellt man halt nicht gerne zur Schau…), aber trotz dieser nicht schönen Erfahrungen habe ich etwas Tolles am eigenen Leib erfahren dürfen  –  die lebendige Kraft einer einwandfrei funktionierenden und warmen Gemeinschaft, die sich um einen sorgt und nach Möglichkeit das Gefühl von Zugehörigkeit und Relevanz verleiht und das alles, ohne etwas zurück zu erwarten. Es ist schön, Teil einer solchen Gemeinschaft zu sein und zu wissen, dass einen Menschen mit guten Herzen umgeben.

🙂

 

 

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13 Kommentare zu „In eigener Sache: Eine gute Gemeinschaft“

  1. Wenn man ohne Familie lebt sind gute Nachbarn wichtig.
    Ich wünsche Dir liebe Chaya aus ganzem Herzen baldige Genesung.
    Nicht nur weil ich weite von Dir lernen und mit Dir streiten möchte.
    Nils

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  2. Windpocken im Erwachsenenalters ist etwas ganz Übles. Ich wünsche Ihnen schnelle und gute Besserung! Und ja, eine funktionierende Gemeinschaft ist etwas sehr Schönes und Wertvolles!

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  3. Oh liebe Chaya, ich kann es dir 100% exakt nachfühlen, wie es dir ergangen ist. Ich bin auch Erzieher, der in verschiedenen Kitas gearbeitet hat (heute bin ich in einer Kita als Heilpädagoge tätig). 2002, im Alter von 37 Jahren, war ich Leiter eines Kindergartens und infizierte mich infolge einer Windpockenwelle in unserer Kleinstadt. Ich war ja so etwas von krank… ! Auch ich hatte die Wipos überall, am schlimmsten im Kopf-, Hals- und Brustbereich, auf der Kopfhaut und wie du im Rachenbereich, so dass ich auch kaum noch schlucken konnte. Dazu 40 Grad Fieber. Es war entsetzlich. Mein Hausarzt kam damals auf Hausbesuch. In die Klinik musste ich nicht. Aber nach etwa einer Woche war es überstanden. Meinen damals 2 1/2-jährigen Sohn habe ich dann auch gleich angesteckt, bei ihm verlief es glimpflich und ziemlich harmlos.
    Schön, dass du soviel freundliche Hilfsangebote erfahren durftest. Gute Besserung!

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