Archiv der Kategorie: Gesellschaft

NEWS: Kinder verunglückt, Tochter geboren

Zwei entgegengesetzte News aus dieser Woche, die die Gemeinschaften in Judäa und Samaria berühren:

Kinder aus Ma’ale Michmash (Binyamin) in Georgien bei einem Autounfall verunglückt.  

Achinoam Grinfeld sel.A. Quelle: Walla
Achino’am Grinfeld sel.A. Quelle: Walla

Zwei Kinder der Familie Grinfeld aus der Ortschaft Ma’ale Michmash (Binyamin-Südsamaria, mehr dazu hier), Achino’am (10) und Nevo (5), sind bei einem schweren Autounfall während eines Familienausflugs der Grinfelds in Georgien getötet worden. Die Familie – Vater Hanoch, Mutter Noa und vier ihrer Kinder –

Nevo Grinfeld sel.A. Quelle: Walla
Nevo Grinfeld sel.A. Quelle: Walla

Nevo, Ivri, Achino’am und Yiftach – waren mit einem Jeep im georgischen Nationalpark Tusheti unterwegs. Den ersten Ermittlungen zufolge sei der Jeep der Familie vom Weg abgekommen, habe sich überschlagen und in einem Kanal am Wegesrand gelandet. Mehr konnte die Polizei vor Ort nicht mitteilen. Achinoam und ihr Bruder Nevo starben bei dem Unfall, zwei weitere Brüder und der Vater wurden leicht verletzt, die Mutter schwer.

Hier liegt Ma'ale Michmash
Hier liegt Ma’ale Michmash

Das israelische Konsulat vor Ort in Zusammenarbeit mit dem israelischen Außenministerium organisierten die Notüberführung der Familie nach Israel und landeten – als Ausnahmeflug am Fasten- und Ruhetag Yom Kippur (12.10), an welchem der FLughafen nicht in Betrieb ist – im Ben-Gurion-Flughafen, von dort aus wurden sie ins Hadassah-Hospital in Jerusalem überführt. Noah Grinfeld wurde bisher operiert und ihr Zustand wird noch immer als schwer bewertet. Die Leichen der beiden Kinder werden offenbar heute nachmittag (13.10) in Israel ankommen, die Beerdigung findet voraussichtlich am kommenden Freitag statt. (Quelle: Walla)

Familienfoto links nach rechts: Nevo sel.A., Ivri, Achino'am sel.A., Vater Hanoch und Yiftach. Quelle: Walla
Familienfoto links nach rechts: Nevo sel.A., Ivri, Achino’am sel.A., Vater Hanoch und Yiftach. Quelle: Walla

Familie Litman, welche Vater und Sohn beim Attentat verloren hat, hat ihre erste Enkelstochter:

Vor etwa 11 Monaten, am 13.11.15, ermordeten Terroristen auf der Autobahn 60 Richtung Südhevronberge den Rabbiner Yakov

Yaakov Litman und Sohn Netane hy'd
Yaakov Litman und Sohn Netane hy’d

Litman und seinen Sohn Netanel. Die Schwester von Netanel, Sarah Techiya, sollte eine Woche später heiraten. Was als grausiger Terroranschlag und Verlust von Vater und Bruder begann, mündete

in einer „Hochzeit des Jahres“, welche Sarah und ihr Verlobter Ariel in der „Nationalkongresshalle“ in Jerusalem abhielten und zu der sie, zu Ehren der Ermordeten und als

Sara Techiya und Ariel, Quelle: Israellycool
Sara Techiya und Ariel, Quelle: Israellycool

Widerstandszeichen, das ganze Land einluden. Ich habe darüber in „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ berichtet, und war selbst bei dieser berührenden und einzigartigen Hochzeit zugegen.

Wie der Onlinenachrichtendienst INN gestern abend (12.10) mitteilte, ist dem schon fast ein Jahr verheirateten Paar Sarah und Ariel an diesem Versöhnungstag Yom Kippur  – sprich, gestern – eine gesunde Tochter geboren worden.  Es ist die erste Enkelin von Sarahs Mutter Noa – und dem ermordeten Vater Ya’akov.
Mazal Tov, Sarah Techiya und Ariel!

Beileid für Lama

Lama Marwan Mousa. Quelle: Mondoweiss
Lama Marwan Mousa sel.A.. Quelle: Mondoweiss

Das ist Lama Marwan Mousa. Auf dem Bild ist Lama sechs Jahre alt, sie ist die Nichte von Ashraf, einem bekannten Inhaber der Autowaschanlage bei der noerdlichen Einfahrt nach Efrat in Gush Etzion.  Ihre Eltern kommen aus El-Khader, einem Vorort von Betlehem. Am spaeten Samstagabend, da kam ich gerade zurueck von einem Freundetreffen in Bet Jalla, war Lama zu Besuch bei ihren Freundinnen bei der Familie von Ashraf. Die Strasse, an welcher das Haus von Ashraf gelegen ist, grenzt an die Einfahrtsstrasse nach Efrat, und diese wiederum ist eine Seitenstrasse der Autobahn 60. Die Beleuchtung auf dieser Strassenstrecke ist spaerlich, und die Strasse hat keinen Buergersteig. Es war spaet am Abend, als die sechsjaehrig e Lama und ihre Freundinnen vors Haus und zur Strasse gingen, offensichtlich, um dort zu spielen. Ob die Eltern diesem gaenzlich zugestimmt hatten, sei dahingestellt. Aber mittlerweile ist es leider nicht mehr so wichtig. Denn als Lama und die anderen Maedchen an der Strasse entlang gingen, erfasste ein nach Efrat fahrendes Auto

Israelische und palaestinensische Notaerzte versuchen, lama wiederzubeleben. Quelle: Ma'an
Israelische und palaestinensische Notaerzte versuchen, lama wiederzubeleben. Quelle: Ma’an

das Kind und ueberfuhr sie. Lama war auf der Stelle tot, noch bevor die Notfallwagen des Roten Davidsterns an der Unfallstelle ankommen konnten. Auf die Ambulanzwagen aus Efrat, welche hoechstwahrscheinlich aus dem Sicherheitszentrum benachrichtigt wurden (da die Strasse unter staendiger Videoueberwachung steht) folgten die Notfallwagen des palaestinensischen Roten Halbmonds.  Auch sie konnten nichts mehr fuer Lama tun. Ihre Leiche wurde auf Anweisung der palaestinensischen Notfallleitung in Betlehem an das Regierungshospital in Bet Jalla ueberfuehrt.

Lama. Quelle: Internet
Lama. Quelle: Internet

Ich erfuhr von dem Unglueck am selben Abend und wartete auf den Folgetag, um mehr darueber zu erfahren. Zunaechst kursierten Geruechte in den lokalen Gruppen auf Facebook, es haette sich um einen versuchten Anschlag gehandelt, weil die Strasse angeblich mit Steinen blokiert gewesen war, um einen Hinterhalt gegen die Autofahrer zu planen. Dieses Geruecht erwies sich schnell als gegenstandslos. Die Bezirksverwaltung von Efrat und der Buergermeister Oded Revivi liessen nichts von sich hoeren, daher mussten sich die Einwohner selbst informieren. Bald darauf folgten Berichte – auf Times of Israel und in den palaestinensischen Agenturen wie Ma’an. Ich begann, mich bei Einwohnern von Efrat zu informieren, was genau geschehen sei. Ein junger Mann, Natan, berichtete mehr darueber, er erzaehlte, dass er mit dem Autofahrer gesprochen habe, der unter Schock stuende.  Ein weiterer sprach ueber den genauen Tatort. Auch ueber die Berichte der arabischen Medien konnte ich ein wenig Information bekommen, und diese anhand meines Wissens um die Gegend bei der Einfahrt nach Efrat (durch meine Arbeit im Sicherheitszentrum) ueberpruefen.

Stimmen der arabischen Medien

Die Berichte dieser Medien waren selbstverstaendlich alles andere als neutral, wie zu erwarten, aber einige Details konnte man dennoch herausfischen – so den Namen des Maedchens, ueber die palaestinensischen Einsatzkraefte. Auch Zitate eines Augenzeugen und eines israelischen Polizeisprechers waren dort, aber der Rest war hoffnungslos von antiisraelischer Agenda durchdrungen.

Den Augenzeugen Ali Mousa zitierte Aljazeera im Artikel vom 11.09.16 so:

„Der israelische Siedler stieg aus dem Auto aus und fing an zu schreien, ‚was habe ich getan! Was habe ich getan!'“

Anschliessend schrieb Aljazeera, Ali sei sich nicht sicher, ob der Fahrer oder „ein anderer Siedler“ den Notruf gewaelt habe. Die Paramediker konnten allerdings bei ihrer Ankunft nichts tun, denn Lama war fast augenblicklich tot gewesen.

Man muss es Aljazeera zugute halten, dass es notierte, dass beide Seiten – sowohl die palaestinensischen als auch die israelischen Behoerden – bestaetigt hatten, dass es sich dabei um einen Unfall gehandelt habe. Auch die Familie, so Aljazeera, habe dies bestaetigt. Dagegen waren Berichte von der Agentur Ma’an oder Gulf News wahrheitsverfaelschend und tendenzioes; so schrieb Gulf News in einem Artikel, es sei ein Unfall mit Fahrerflucht gewesen und der Taeter sei nicht bekannt, und Autoattacken gegen Palaestinenser wuerden auf regulaerer Basis vorkommen, dabei wuerden die „Siedlertaeter“ nicht erfasst oder nicht bestraft werden.

Auch Aljazeera liess es sich nicht nehmen, von „Siedleraggression“ zu sprechen. Die Familie soll ausserdem den Verdacht geaeussert haben, dass der Taeter nicht strafrechtlich verfolgt werden wuerde, da es sich um einen Siedler handle.

Stimmen aus Efrat

Aber lassen wir Aljazeera, Ma’an und Gulf News, deren Einstellung zu der juedischen Bevoelkerung von Judaea und Samaria und den israelischen Behoerden eigentlich bekannt sein duerfte.

Was sagten zu dem toedlichen Unfall die unmittelbar betroffenen Einwohner von Efrat?

Gabriel Danzig aus Efrat postete in einer lokalen Facebookgruppe den folgenden Kommentar am 12.09:

Screenshot
Screenshot

An diejenigen, die ihr Auto bei Ashraf und seinem Team gewaschen bekommen ausserhalb der Einfahrt im Norden von Efrat, seine Nicht wurde vor zwei Tagen in einem tragischen Autounfall getoetet. Bitte ueberlegt es euch, eine Beileidskarte oder ein Geschenk an die Familie zu senden. Ich bin sicher, sie wuerden dafuer dankbar sein und es ist etwas, das ein guter Nachbarn tun wuerde. Ich werde es gerne ueberbringen.“

Daraufhin begann eine lange Diskussion mit Dutzenden von Teilnehmern, welche sich um die folgenden Themen drehte – was genau sollte man der trauernden Familie bringen? Blumen? Eine Beileidskarte? Essen? Eine Frau, Ruth, schlug vor, Essen vorzubereiten, wusste aber nicht, was. Jemand sagte, er habe bei der Familie nachgefragt und man solle Reis und Kaffee mitbringen. Andere fragten nach dem Namen, wie lange eine Trauerperiode bei den Muslimen dauert und ob das einen Einfluss auf das Opferfest hat, welches gerade gefeiert wird (E’id al-Ad’ha). Niemand kam auf die Idee, diesen Vorschlag mit Gegeneinwaenden zu torpedieren, lediglich eine Frau fragte vorsichtig, ob es erlaubt sei, als Israeli zum Haus der Familie zu kommen.

Ich lasse hier die Einwohner fuer sich sprechen:

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Ruth: „Danke, dass du eine solch barmherzige Aktion hier teilst. Was fuer eine Tragoedie.“

Ariella: „Danke, dass du uns Bescheid gibst.“

Michele: „So eine Tragoedie. Was fuer eine herzliche Geste. Was wuerde angemessen sein und sollen wir es so zum Laden hinbringen?“

Ruth: „(…) Ich weiss, dass sie eine dreitaegige Trauerperiode haben und es ist ueblich, Essen zu bringen, aber ich habe keine Ahnung, ob es besonderes Essen gibt oder ob sie alles essen wuerden, was wir ihnen vorbereiten.“

Noa: „Die letzte Nacht hat E’id al-Ad’ha begonnen, wo sie Schafe schlachten. Ich weiss nicht, ob das einen Einfluss auf die Trauer hat.“

Deborah: „Weiss jemand, was sie fuer Trauerbraeuche haben, Essen etc.“

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Micol: (…) „Als ich den Unfall gesehen habe, war mein erster Impuls, dass Efrat dort einen Buergersteig bauen muesste. Danke, dass ihr diese Diskussion initiiert habt. Ich habe mich seit Samstagabend gefragt, was wir als Gemeinschaft fuer diese Familie tun koennten.

Gabriel Danzig: „Hallo an alle, ich habe mit meinem Freund Achmed gesprochen, der die Fmailie kennt. Er sagt, dass sie ein dreitaegiges Trauersitzen im Dorf haben und besucht werden. Ich nehme an, der Feiertag unterbricht die Trauer nicht. Er denkt, wir sollten etwas danach tun. Er sagte, ich solle ihn uebermorgen an der Autowaschanlage treffen. Er sagte ebenso, dass die Sicherheit von Efrat mit ihm ueber dieses Thema geredet habe, vielleicht plant unser Buergermeister etwas?“

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Chavi: „Es ist eine tolle Idee angesichts der Tatsache, dass die PA ueberall berichtet und herumerzaehlt, sie sei als Maertyrerin gestorben. Sehr traurig und sehr tragisch. Die gesamte Woche bereiten sie sich auf den kommenden Feiertag und (jetzt die) Trauer. Alles ist zu und niemand arbeitet dort. Vielleicht koennen die Leute von Efrat bei der Anlage Blumen und Kerzen und Briefe ablegen, damit sie diese finden. Und andere koennen sie nach den Feiertagen besuchen.“

Von einem arabischen Freund aus der Gegend habe ich erfahren, dass der Buergermeister von Efrat, Oded Revivi, einen Beileidsbrief an die Familie von Ashraf und Lama geschrieben hat. Durch die Organisation Roots hat er diesen Brief ins Arabische uebersetzt. Jetzt ueberlegen wir gemeinsam, wie man ihn weiterverbreiten koennte. Er duerfte eine etwas andere Realitaet im Gegensatz zu der Berichterstattung von Aljazeera, Ma’an, Gulf News & Co. darstellen.

 

 

Price Tag und Polizeigewalt

Dieses verstoerende Video (oben) und die nachfolgenden Screenshots wurden am 12.09.16 in der Ortschaft Nahliel (Westsamaria) aufgenommen; darauf sieht man einen Teenager, der offensichtlich zusammengepruegelt wurde und nun von der Polizei verhaftet wird.

Quelle: INN (Yosef Frisman)
Quelle: INN (Yosef Frisman)

Den Augenzeugen zufolge, sowie auch einem Bericht darueber bei INN, wurden an diesem Montag vier Jugendliche, Schueler einer Yeshiva (religioesen Jungenschule) in der Ortschaft Nahliel, bei einer Razzia der Polizei in der Schule verhaftet, vor den Augen

Nahliel in Westsamaria
Nahliel in Westsamaria

ihrer Mitschueler. Ein Polizist soll dabei, wie im Video zu sehen, mindestens einen der Jungen verpruegelt haben, bevor er ihn abfuehrte. Dabei soll er und seine Kameraden dafuer verdaechtigt werden, Sabotage an palaestinensischen Wasseranlagen waehrend eines Ausflugs getaetigt zu haben – also einen als „Price Tag“ bekannten Vandalismusakt.

Die Jugendlichen, allesamt minderjaehrig, sind momentan inhaftiert. Die Organisation „Honenu“ (ich hatte sie hier schon einmal erwaehnt), welche sich speziell fuer die Rechte minderjaehriger juedischer Verdaechtigten einsetzt, berichtete ebenso, dass dem verpruegelten Jugendlichen mehrere Stunden lang kein Anwalt zur Verfuegung gestellt worden war.

Quelle: INN/Honenu
Quelle: INN/Honenu

Der verletzte Teenager wurde nach seiner Inhaftierung ins Krankenhaus eingeliefert und dort behandelt. Er erlitt mehrere Verletzungen im Gesicht.

Auch wenn dieser Jugendliche und seine Kameraden einen tatsaechlich einen nationalistisch motivierten Vandalismusakt gegen arabisches Eigentum ausgefuehrt haben sollten und dafuer verurteilt werden muessen – meines Erachtens, und man muesste sich sehr bemuehen, um mich vom Gegenteil zu ueberzeugen – ist eine solche Form von Polizeigewalt, insbesondere gegen Minderjaehrige nicht akzeptabel. Sollte sich der Minderjaehrige gewehrt haben oder auch von den Polizisten weggelaufen sein, wie einige weitere Augenzeugen berichten, ist es ebenso nicht zu akzeptieren. Im Moment der Verhaftung ging keine Gefahr und kein Schaden von den Jugendlichen aus, und Pruegel und Schlaege als Festnahmemethode – insbesondere bei Teenagern, und auch noch vor den Augen der Klassenkameraden – ist zu verurteilen. Ausserdem hat es keinesfalls Abschreckungspotenzial, sondern die respektlose und gewalttaetige Behandlung der Verdaechtigen wird bei den Teenagern noch mehr Ablehnung und Hass gegen die offiziellen Organe schueren. Leider bekomme ich immer wieder Berichte von solcher und aehnlicher Anwendung von Gewalt mit, insbesondere nach dem Duma-Attentat im Juli 2015, aber auch schon zuvor.

Und sollte sich jemand dies fragen – meine Meinung gilt auch fuer die Verhaftung von minderjaehrigen palaestinensisch-arabischen Jugendlichen durch die Armee. Insbesondere, wenn es sich dabei nicht um Mord oder versuchten Mord handelt.

(Quellen: INN, Natan Epstein, privat)

Ein Weinberg für Hallel

Hallel Yaffa Ariel. Quelle: Internet
Hallel Yaffa Ariel. Quelle: Internet

Hallel Yafa Ariel, 13 Jahre alt aus der Ortschaft Kiryat Arba bei Hevron, existiert seit dem 30. Juni dieses Jahres nur noch in den Erinnerungen und den Bildern der Familie Ariel, ihrer Freunde und Bekannten, und derjenigen, die von ihr erfahren haben – leider erst nach ihrem Tod. Am Morgen des 30.Juni wurde Hallel von einem 17-jährigen Terroristen in ihrem Bett ermordet. Das ganze Land beweinte die 13-Jährige, auch im Ausland erfuhr man vom tragischen Schicksal von Hallel. Über Hallel habe ich hier berichtet.

Jetzt gab es verschiedene Aktionen, die zu ihrem Gedenken von der Familie unternommen wurden. Die Mutter Hallels, Rina, ist eine

Hallel mit ihren Eltern Amichai und Rina und mit juengeren Geschwistern bei einem Besuch auf dem Tempelberg. Quelle: Nana
Hallel mit ihren Eltern Amichai und Rina und mit juengeren Geschwistern bei einem Besuch auf dem Tempelberg. Quelle: Nana

Aktivistin in der Frauenbewegung für den Tempelberg. Kurz nach den sieben Trauertagen riefen die Eltern Bereitwillige in ganz Israel dazu auf, gemeinsam über die Mughrabi-Brücke zum einzigen für Juden erlaubten Zugangstor zum Tempelberg, der heiligsten jüdischen Stätte, aufzusteigen und in einer Zeremonie die Brücke und das Tor selbst in „Hallel-Tor“ umzubenennen („Hallel“ heißt übersetzt Lobpreisung). Tatsächlich waren mehrere Dutzend Unterstützer erschienen, inklusive Knessetabgeordneter.

Eine weitere Initiative startete die Familie erst vor Kurzem und diese besitzt eine andere Natur. Der Vater Hallels, Amichai Ariel, besitzt seit dem Jahr 2000 ein Weingut bei Kiryat Arba, in welchem er eigenständig Weinbau betreibt und Wein produziert. Hallel, so In berichten die Eltern, hatte immer gerne dem Vater bei den Pflanzungen und der Ernte mitgeholfen, hatte eigenhändig Weinflaschen abgefüllt und den Vater bei der Arbeit unterstützt. Sie war sehr dem Weingut verbunden und verbrachte viele Stunden und leistete für ihr Alter harte Arbeit zugunsten des Weingutes ihres Vaters.

Die neue Initiative soll einem Besucherzentrum im Ariel-Weingut zugute kommen. Das Besucherzentrum soll die Geschichte des jüdischen Volkes in Judäa und des  Weinbergs der Ariel-Familie aufzeigen, über Weinbau in den Judäa-Bergen aufklären – und natürlich die Geschichte von Hallel, der das Besucherzentrum gewidmet wird, erzählen. Um dieses Projekt wahr werden zu lassen, haben Rina und Amichai Ariel eine Headstart-Spendenaktion gestartet, in welcher sie die Öffentlichkeit darum bitten, sie bei dem Kostenaufwand zu unterstützen und selbst auch Teil an der Entstehung des Besucherzentrums teilzuhaben.

„Der Kostenaufwand ist enorm groß, wir haben es so nicht geplant“, erzählt Rina im Begleitvideo auf der Webseite des Headstart-Aufrufs. „Der Mord traf uns sehr hart. Es ist ein Alptraum jeder Eltern. Es hat uns in einen tiefen Abgrund geworfen, ich wusste zuvor nicht, dass es solch tiefe Abgründe gibt. Es ist so einfach, daran zu zerbrechen. Daher halten wir uns fest an der Idee des Weinbergs, am Weinbau im Land, an einem Horizont, an etwas Bedeutendem, es gibt uns die Kraft, nicht zusammenzubrechen.“

„Hallel wusste, wie wertvoll es ist, Teil etwas Großen zu sein; sie kannte den Wert von Arbeit, von Kreativität. Ich rufe alle auf, Partner in der Erfüllung dieses Traumes zu werden.“

Mittlerweile sind 74% vom Zielbeitrag (450.000 Shekel) gespendet worden. Es bleiben nur noch 12 Tage, um das restliche Geld einzuzahlen, damit das Projekt tatsächlich seinen Lauf nehmen kann.

Wer die Familie Ariel unterstützen möchte, kann auf diesen Link klicken – es erscheinen Begleittexte in Englisch und man kann sich eine bestimmte Summe aussuchen. Bei festgelegten Summen bekommt man jeweils das eine oder andere Dankeschön, aber man kann die Summe auch selbst eingeben. Die Spende wird über eine Kreditkartenzahlung abgewickelt.

⇒ Hier zum Headstart-Projekt für Familie Ariel

 

Shalom erste Klasse! Schulbeginn

Der 1. September. Ganz nach der Tradition der guten alten Sowjetzeiten war es in Israel der erste Schultag nach den Ferien für alle Schüler und auch die Öffnung der Kindergärten, und die größte Aufregung herrschte natürlich bei den kleinen Schulanfängern/-innen und den stolzen Eltern.
Nun, ich weiß nicht genau, ob es an der sowjetischen Tradition liegt,

Schülerinnen bekommen Süßigkeiten beim Einstieg in den Schulbus. Foto: Regionalverwaltung Südhevron
Schülerinnen bekommen Süßigkeiten beim Einstieg in den Schulbus. Foto: Regionalverwaltung Südhevron

dass der erste Schultag bei uns wie in Russland der 1.September ist, aber auf jeden Fall ist es ein groß gefeierter Tag für alle neuen Erstklässler, ihre Eltern und Lehrer (bei den älteren Schülern setzt bekanntlich schnell die „Ich will nicht in die Schule“-Phase ein). Im Radio spielen Lieder zum ersten Schultag, Eltern, Kinder und Erstklässler werden interviewt, die Nachrichten handeln davon, und die Schulbusse im ganzen Land nehmen ihre Fahrten von Neuem auf.

Ayelet aus Tapuach, "Hallo erste Klasse". Foto: Regionalverwaltung Samaria
Ayelet aus Tapuach, „Shalom erste Klasse“. Foto: Regionalverwaltung Samaria

Es scheint ein wenig unpraktisch, dass die Schule an einem Donnerstag anfängt, denn dann bleiben nur anderthalb tatsächliche Schultage bis zum Wochenende. Aber, wie mir meine Nachbarin Yona einen Tag zuvor versichert hatte, „als Eltern sind wir über jeden Tag froh, der uns aufatmen lässt“. Kein Wunder, denn wie im vorherigen Beitrag beschrieben, sind die Kinder im letzten Sommerferienmonat zumeist auf die Aufsicht ihrer Eltern und Großeltern angewiesen und es ist durchaus nicht einfach für meist Vollzeit arbeitenden Eltern. Es handelt sich ja nicht um eins oder zwei Kinder, wie es bei der deutschen Bevölkerung auszusehen scheint (die Geburtsrate laut dem Statistischen Bundesamt liegt bei 1.47 Kinder pro Familie, Stand 2014); in Israel liegt die durchschnittliche Kinderanzahl bei stolzen 2,4 (Pressebüro für Statistik, Stand: 2015), und in Judäa und Samaria ist es entsprechend höher: Während es in einer israelischen Durschnittsfamilie 3,72 Familienmitglieder gibt, so beläuft es sich in Familien in Judäa und Samaria auf 4,6 Familienmitglieder im Durchschnitt (Ynet, Stand: 2014, Pressebüro für Statistik).

Wie viele Kinder sind denn nun bei uns in die Schule gekommen?
Greifen wir wieder auf die statistischen Angaben zurück – was erzählen sie uns über Judäa und Samaria?

Szenen aus dem Schulbeginn. Foto: Regionalverwaltung Samaria
Szenen aus dem Schulbeginn. Foto: Regionalverwaltung Samaria

In Samaria sind etwa 1100 Kinder Erstklässer geworden. Insgesamt sind es 17300 Schul- und Kindergartenkinder in diesem neuen Schuljahr in Samaria. In Gush Etzion sind es 4930 Schulkinder und 1840 Kindergartenkinder, darunter natürlich auch diejenigen, die zum ersten Mal in die Schule und den Kindergarten kamen. In Gush Etzion selbst gibt es 11 Grundschulen und 4 weiterführende Schulen, und dazu 69 Kindergärten. Die Regionalverwaltung von Südhevron berichtet von etwa 4000 Schul- und Kindergartenkindern. Zu manchen Schuleröffnungen kamen Abgeordnete zu Besuch und grüßten die Kinder und die Lehrer. Der

"Wilkommen im Namen Gottes". Erstklässler in Gush Etzion. Foto: Regionalverwaltung Gush Etzion
„Wilkommen im Namen Gottes“. Erstklässler in Gush Etzion. Foto: Regionalverwaltung Gush Etzion

Erziehungminister Naftali Bennet besuchte ebenso einige der Schulen. In diesem neuen Jahr werden neue Reformen, die er veranlasst und durchgebracht hatte, aktuell werden – so beispielsweise eine Verkleinerung von Schulklassen und neue Mathematiklernpläne, die das Erlernen von Mathematik fördern sollen.

Ich wünsche ihnen allen ein erfolgreiches neues Schuljahr.

Schulmädchen aus den Südhevronbergen. Foto: Regionalverwaltung Südhevron
Schulmädchen aus den Südhevronbergen. Foto: Regionalverwaltung Südhevron

 

 

Ferien-Sommermodus

Wie ihr vielleicht schon mitbekommen habt, war ich einige Zeit nicht im Blog aktiv. Das liegt vor allem daran, dass ich momentan in einer Art „Sommerpause“ bin. Es ist heißer Sommer bei uns im Land, und die Israelis verbringen ihn auf verschiedene Art und Weise: Die meisten Erwachsenen arbeiten; Erwachsene mit Kindern genießen die Ferien mit den Kindern, sofern sie Urlaub bekommen bzw. sie quälen sich die langen Monate durch  (2 bis 2,5 Monate je nach Kindesalter) bis zum 1.September, wenn der erste Schultag ist. Unmengen von Witzen, Filmen und Texten wurden über diese erheiternden / ermüdenden Sommermonate der Schulferien gedreht.

Studenten haben etwas mehr Genuss von den Semesterferien, sie verdienen entweder etwas mehr Geld, weil sie mehr Zeit zum Arbeiten haben als während des Semesters, oder fliegen ins Ausland. Staatsangestellte (so etwas wie Beamte, aber nicht ganz) und Knessetabgeordnete haben einige Wochen komplette Sommerpause. Kinder und Jugendliche haben in der ersten Hälfte ihrer Ferien Ferienlager und Kinderprogramme, und in der zweiten Hälfte haben sie freie Zeit und quälen ihre Eltern, bis diese mit ihnen in den Urlaub fahren oder an die Großeltern verfrachten.

Auch – natürlich auch – in den Siedlungen, den Ortschaften in Judäa und Samaria, herrscht der Ferien-Sommermodus. Die meisten der Siedlungen liegen auf den Bergen und der ständige Wind macht die Hitze erträglicher und holt die Menschen am Nachmittag und Abend aus den Häusern heraus für ein Abendessen im Freien oder einen Spaziergang.

Die Bezirksverwaltungen und einzelne Ortschaften organisieren Konzerte,

Klezmer-Festival in Samaria. Foto: Facebook
Klezmer-Festival in Samaria. Foto: Facebook

 

veranstalten Erlebnistage für die ganze Familie, Freizeitangebote für Groß und Klein gibt es in Hülle und Fülle – natürlich alles verbunden mit der Natur, es bietet sich ja auch an. Beispielsweise können Trecker gemietet und gefahren werden:

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Nahe Alon Shevut
Im Norden von Samaria. Foto: Facebook
Im Norden von Samaria. Foto: Facebook

Kinder und Jugendliche machen Aktivitäten gemeinsam mit dem Jugendzentrum, dem lokalen Sportverein, den Freunden aus der Schule, dem Kindergarten

Bilder aus Otniel. Quelle: Facebook
Bilder aus Otniel. Quelle: Facebook

 

Kleider- und Schmuckstände von Designer/-innen werden aufgebaut, es gibt Malworkshops für Kinder, Clowns, Kletterwände,

Foto: Facebook
Foto: Facebook

Bergwanderungen, Aktivitäten auf Farmen und Streichelzoos, Wasserquellen zum Plantschen und was nicht alles noch. Die Kinder müssen ja beschäftigt werden (wie oben erwähnt), und wenn die Eltern

Ziegenmelken in Samaria. Foto: Facebook
Ziegenmelken in Samaria. Foto: Facebook

oder Großeltern mit dabei sein können, um so besser. Wie man vielleicht schon weiß, Kinder und Kinderunterhaltung werden insbesondere in den Gemeinschaften von Judäa und Samaria großgeschrieben.

Wer sich die Originalstimmung bei einer solchen Veranstaltung anschauen möchte, soll sich dieses Video ansehen, aus der Ortschaft Meytarim im Süden Hevrons:

Auch für die Senioren wird man in den Gemeinden aktiv, so wie beispielsweise ein gemeinsamer Workshop mit älteren Einwohnern in Gush Etzion:

Quelle: Bezirksverwaltung Gush Etzion
Quelle: Bezirksverwaltung Gush Etzion

 

Daheim kann man sich im Sommer ebenso entspannen und sich das Leben schön gestalten. So werden provisorische Schwimmbecken aufgebaut,

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Gärten neu bepflanzt,

Fragt mich nicht, was das für eine Pfalnze ist.
Fragt mich nicht, was das für eine Pflanze ist.

auf Bäume geklettert und auf der Straße gespielt

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Die Zeit wird natürlich auch für Erneuerungen und Bau genutzt und so werden gleich neue Häuser gebaut, die die alten Karavane ablösen sollen.

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Es beginnt die Erntezeit für Früchte wie Granatäpfel, pünktlich zum jüdischen Neujahr, für welches der Granatapfel als Symbol dient.

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Trauben, Pflaumen und Feigen sind schon lange herangereift. Die Felder zeigen üppige Pflanzen und die arabischen Feldbesitzer ernten die Früchte fleißig – ich sehe jeden Morgen Tender und Autos und die Bauern selbst, welche die Ernte einsammeln. Zur Pflaumenernte habe ich hier schon etwas geschrieben.

Trauben auf einem arabischen Feld
Trauben auf einem arabischen Feld

Auch ich habe meinen Garten etwas erneuert, obschon ich noch immer auf meinen Feigenbaum warten muss, aber Geranien, Ysop (bekannt als das Za’atar-Gewürz) und Minze sind schon da und zeigen schöne Blüten. Und auch dem Rosmarinstrauch habe ich endlich gebührenden Platz gegeben.

Wen es interessiert, was die arabischen Einwohner unserer Gegend so machen, hier ein paar Bilder aus Nablus und Ramallah:

Sprich, wie ihr seht, Judäa und Samaria ist im Ferien-Sommermodus.

Mögen wir von hier nur gute Nachrichten hören! Schönen Sommer uns allen!

 

Islam hat ein Problem

An jenem verhängnisvollen Freitag, dem ersten Julitag, waren der junge Mann aus dem als Flüchtlingslager bekannten Al-Fawar nahe Hevron und seine Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um die überlebenden Mitglieder der Mark-Familie aus Otniel nach dem tödlichen Attentat aus dem zerschossenen Wagen zu zerren. Sein Name und seine herzerwärmende Erklärung zu seiner Tat bekamen ihren Platz in den israelischen Nachrichten und er wurde hochgelobt. Verständlich – er hatte der 15-jährigen Tehila, dem 13-jährigen Pedaya und ihrer Mutter Chava das Leben gerettet, und das, obwohl die Familie Mark als der größte Feind der palästinensischen Araber gilt: sie sind jüdische Siedler. Zum israelischen Channel 1 sagte er noch am Tatort,

Ich will nicht, dass mir jemand Danke sagt. Ich habe es aus menschlichen Gründen getan und für Gott.

Heute hat dieser junge Mann, Islam al-Bayd (Bid) heisst er, ein Problem: Seine Tat hat bei vielen seiner Mitbrüder sowie bei der von ihnen gewählten Regierungsvertretung – der palästinensischen Autonomiebehörde – Unmut erregt, und das gelinde ausgedrückt:

Islam wurde seine Arbeitsstelle, die er bei der PA innehatte, fristlos gekündigt. So vermeldeten es vor wenigen Wochen einige der israelischen Medien, darunter auch Ynet. Darüber ausgesagt haben sowohl der Vorstand der Bezirksverwaltung der Südhevronberge, Yochai

Bezirksvorstand der Region Suedhevron, Yochai Damari (links) und Islam al-Bayd. Quelle: Bezirksverwaltung S.H.
Bezirksvorstand der Region Suedhevron, Yochai Damari (links) und Islam al-Bayd. Quelle: Bezirksverwaltung S.H.

Damari, als auch die Justizministerin Ayelet Shaked. Auf Nachfrage einiger israelischer Reporter handelte es sich bei dem Entlassenen nicht um Dr.Ali Shuruch, dem dritten arabischen Helfer am Tatort, da dieser eine Privatklinik besitzt. Dieser verneinte es auch.

Auf die Veröffentlichung dieser Affäre hin reagierten viele mit Empörung und im Netz kamen Rufe auf, dass dem Helfer, der nun nun den Status eines Helden erhielt, von israelischer Seite zwingend geholfen werden sollte. Derselben Ansicht war auch die Bezirksverwaltung von Südhevron, die führenden Köpfe der Siedlung Otniel und die Ministerin Shaked. Yochai Damari wurde bei Ynet wie folgt zitiert, wobei die Nachrichtenseite auch angab, dass die Umstände der Entlassung nicht gänzlich geklärt seien:

„Darauffolgend (nach der Hilfeleistung, Anm.D.S.) wurde er von seiner Arbeit entlassen. Ich habe mich mit ihm getroffen und er bat mich, ihm dabei zu helfen, ein Arbeitsvisum (in Israel, Anm.D.S.) für ihn zu genehmigen. Ich habe mich in einem Brief an den Verteidigungsminister gewandt und ihn um Mithilfe bei der Erteilung eines Arbeitsvisums für beide (Islam und den Arzt, Anm.D.S.). Ich habe mich mit ihnen getroffen, ich kenne die allgemein bekannten Schwierigkeiten, aber ich bin überzeugt, dass es unsere Pflicht als jüdisches Volk ist, denjenigen Dank zu zollen, die sich wie Menschen verhalten und das, was von ihnen erwartet wird, auch tun.“ (Ynet 08.08.16)

Auch wurde in den Artikeln berichtet, dass Islam und seine Frau Drohungen aus ihrer persönlichen Umgebung bekommen hatten. Islam bat die Journalisten, sein Gesicht nicht öffentlich zu zeigen.

Zwei Dinge lassen sich aus diesem bedauernswerten Inzident, knapp formuliert, lernen: Die Siedler sind den fremden Freunden Freunde. Die palästinensische Autonomiebehörde ist sowohl den Fremden als auch den Eigenen Feind.

 

(Auf Deutsch wurde über dieses Thema nur bei Audiatur Online und Israel Heute berichtet: Audiatur Online Israel Heute )

ARD’s Wasserdilemma in Palästina, Folge Zwei

Hier wurde die Stellungnahme des BR Studio/ ARD Tel Aviv-Blogs zum besagten Beitrag über Wasserknappheit in Salfit veröffentlicht, nachdem es, nach eigenen Angaben, zahlreiche Rückfragen und Kritik bezüglich des Beitrags erreicht hatten.

Zunächst einmal, die Tatsache, dass sich so eine enorme Zahl an Kritikern an die zuständige Stelle gewandt hatte, dass sich das BR Studiozu einer Stellungnahme gezwungen sah, ist beachtlich und nicht zu unterschätzen: Die öffentliche Meinung hat eben doch Wirkungskraft, wenn sie entschlossen und zielgerichtet und zur richtigen Zeit geäußert wird.

Andererseits sollte sich niemand erleichtert fühlen. Das BR Studio (namentlich die Israel-Korrespondenten Markus Rosch und Susanne Glass) ist nur auf wenige der Kritikpunkte eingegangen, um die herum man sachlich argumentieren könnte. So gibt es nur einen

Hier liegt Salfit. Karte
Hier liegt Salfit. Karte

kleinen Verweis auf einen vorherigen Beitrag über den „Wasserstreit“ vom 28.07.16 mit einem „Siedlerstatement“  –  von Israel Meydad, der Sprecher von Shilo. Auf der Seite des kleinen Verweises gibt es einen kleinen  (im Vergleich zum Rest der Darstellung) Teil, der sich mit den israelischen Argumenten befasst – so beispielsweise dem unterentwickelten Wasserleitungsbau, der durch die palästinensische Autonomiebehörde vernachlässigt wird und es daher dauerhaft zu Rohrbrüchen kommt. Nirgendwo sonst – erst recht nicht in der offiziellen Stellungnahme selbst – kommt dieses Argument, was eine der Hauptursachen für die stetig gestörte Wasserversorgung der arabischen Ortschaften und Städte darstellt, vor. Niemand, der sich den zweiten, aufmerksamkeitsheischenden Videoclip anschaut, wird sich die Mühe machen, den Radiobeitrag anzuhören und auch noch bis zu der Minute zu warten, wenn die „Siedlerseite“ (O-Ton) zur Sprache kommt. Für den Zuschauer ist alles klar: Die Siedler rauben das Wasser. 

Seltsam nur, dass es nicht die „Siedler“ sind, die das Wasser von den armen palästinensischen Counterparts anzapfen. Das Wasser gelangt nach Judäa und Samaria über die israelische „Mekorot“-

Das Logo der Mekorot-Firma. Man kann sie kontaktieren.
Das Logo der Mekorot-Firma. Man kann sie über den Link kontaktieren.

Firma. Die Wassermenge, die sich Israel verpflichtet hat, zu liefern, ist in den Oslo-Abkommen gegenüber Yassir Arafat und der palästinensischen Autonomiebehörde festgehalten. Die Leitungen, die das Wasser in die arabischen Ortschaften führen sollen, sind seit Jahrzehnten nicht saniert. Hinzu kommt, dass sie illegal von Privatpersonen angezapft werden; das angezapfte Wasser wird dann an andere verkauft, die unter der besagten Wasserknappheit leiden. Die palästinensische Autonomiebehörde hat Schulden in Millionenhöhe bei der israelischen Firma „Mekorot“. Der Wasserverbrauch seitens der palästinensischen Araber findet unkontrolliert statt, Wasserrechnungen werden in nicht wenigen Fällen nicht gezahlt und die Zahlungen von offiziellen Stellen nicht eingeholt – daher auch die Schulden bei den israelischen Behörden.

Was den „Luxusverbrauch“ der „Siedler“ für Swimmingpools und Agrarwirtschaft angeht – welcher in beiden Beiträgen erwähnt wird:

Einen Swimmingpool wie diesen findet man in Siedlungen zu 99% nicht. Wo befindet sich dieser? Überraschung: In Salfit! (Quelle: Wikicommons)
Einen Swimmingpool wie diesen findet man in Siedlungen zu 99% nicht. Wo befindet sich dieser? Überraschung: In Salfit! (Quelle: Wikicommons)

A. Die wenigsten Siedlungen besitzen ein öffentliches Bad. Die wenigsten der Einwohner dieser Siedlungen besitzen einen Swimmingpool, wenn man von aufblasbaren Gummibecken für Kinder im Garten absieht. Keine einzige Siedlung, ob nun kleines Dorf oder Großstadt wie Ariel, besitzt einen Wasserpark – im Unterschied zu einigen palästinensischen Städten, siehe unten.

B. Die landwirtschaftliche Nutzung von Wasser in jüdischen „Siedlungen“ ist weitaus geringer als die in den arabischen Ortschaften, gemessen an der Tatsache, dass vielen der Einwohner der arabischen Ortschaften Ländereien und Felder gehören (über welche die deutschen Medien immer gerne berichten) – und das in ganz Judäa und Samaria. Die arabische Gesellschaft in Judäa und Samaria basierte schon immer auf Landwirtschaft. Bei den Einwohnern der jüdischen Ortschaften ist dem nicht so der Fall; die wenigsten unter ihnen beschäftigen sich mit Landwirtschaft (solche wie der Weinanbau in Shiloh oder Psagot); Einzelpersonen besitzen in der Regel keine Ländereien, sondern arbeiten in anderen Wirtschaftszweigen.

C. Wenn man sich über Swimmingpools und Wasserverbrauch unterhalten will, so sollte man sich etwas mehr darüber informieren, wie es um die Schwimmbäder in den palästinensischen Autonomiegebieten bestellt ist. Es gibt „einschlägige Blogs“ wie „Elder of Ziyon“, die sich schon im Jahr 2013 mit dem Thema befasst haben und dabei helfen könnten, mehr Informationen einzutreiben; aber es gibt auch die einfache Suchfunktion auf Facebook, die einem neugierigen Internetsurfer das offenbart, was offenbar so schwer herauszufinden ist:

Auch in „Palästina“ gibt es Schwimmbäder! Davon ganze sechs in der Region um Nablus. Selbst mit geringen Arabischkenntnissen kann man bei diesem Link auf der Karte erkennen, wo sich die

Das Hayat-Bad in Nablus. Beneidenswert. (Quelle: Facebook)
Das Hayat-Bad in Nablus. Beneidenswert. (Quelle: Facebook)

Vergnügungsplantschbecken befinden, und sich die Facebookkommentare arabischer Nutzer per Google Translate übersetzen lassen. Dieses Schwimmbad hier liegt beispielsweise im „Nablus Hayat Resort“ und scheint regelrechte Begeisterung hervorzurufen (siehe Bild). Die Vergnügungsanlage im „Palestine Park“ in Nablus liefert noch bessere Aussichten – und verbraucht sicherlich sehr viel Wasser, wie es sich auf den Rechnungen der Autonomiebehörde gegenüber „Mekorot“ auch bestimmt regelmäßig zeigt. Dasselbe gilt für das Al-Shaghour-Schwimmbad in Nablus, das Schwimmbad Wadi al-Akhdar  und den Al-Aqsa Olympic and Sports Complex in Jenin.

Eine ganze Liste von Schwimmbädern in den palästinensischen Autonomiegebieten, verteilt nach Städten, findet man bei WafaInfo, und wer des Arabischen mächtig ist und zumindest das Wort مسبح – Schwimmbad (Masbach) schreiben und lesen kann, wird die Angaben bestätigen: In Ramallah befinden sich 7 Schwimmbäder; in Hevron eins, in Jericho  zwei, in Nablus sind 5 aufgeführt, in Jenin 2 und in Qalqiliya eins. Soviel zur Wasserknappheit und Wasserverbrauch.


Es ist aus meiner Sicht traurig, wenn die Oslo-Abkommen, die maroden Wasserleitungen und die Rechtslosigkeit und Gleichgültigkeit für die eigenen Bewohner seitens der palästinensischen Autonomiebehörde dazu führen, dass Menschen in Salfit oder andernorts (wie vor einigen Tagen, am Donnerstag, 11.08.in Betlehem) ohne Wasser in der Hitze auskommen müssen. Seit jeher haben die Menschen unter der Politik ihrer Regierungen leiden müssen.

Jedoch widersetze ich mich vehement den absichtlichen Versuchen von Medienredaktionen, in diesem Fall der ARD-Redaktion, ihre Berichterstattung gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen zu wenden und diese für Dilemmas und Konflikte, die auf weitaus vielschichtiger Ebene ihren Ursprung haben, verantwortlich zu machen. Wie es bei der ARD üblich ist, sind es „die Siedler“ – diese anonymisierte, blut- und wassersaugende Bevölkerung, die sich in den Ländereien des nichtexistenten Staates Palästina herumtreibt und alles stiehlt, was nicht niet- und nagelfest ist. Wie es bei der ARD üblich ist, wird der Kontext nach Redaktionsansicht formuliert und dem Publikum serviert und von einer umfassenden Darstellung wird dringend Abstand genommen. Im Endeffekt läuft alles auf dieselbe Agenda heraus – die Unterstützung der Zweistaatenlösung und die offene Abneigung gegenüber allem und jedem, der diese etwaig „behindern“ könnte – selbst wenn es sich um die Renovierung alter Wasserleitungen zum Wohle der Bevölkerung handelt:

Doch neue Wasserleitungen sind im besetzten Westjordanland ein Politikum. Mit jeder Maßnahme, die die Siedler unterstützt, untergräbt die israelische Regierung eine mögliche Zweistaatenlösung, zu der sich der israelische Premier Netanjahu ja zumindest offiziell noch immer bekennt. (BR-Studio Tel Aviv, 28.07.16)

Es ist nicht neu. Es ist nicht überraschend. Aber es ist systematisch wahrheitsfälschend und daher habe ich diese Klarstellungen veröffentlicht.

Ich freue mich auf Rückmeldungen, Korrekturen, Vorschläge – nur zu.

 

Pflaumeneimer-Episode

Yamina schleppt die Pflaumeneimer
Yamina, palästinensisch-arabische Bäuerin aus Al-Khadr schleppt die Pflaumeneimer

Diese gute Bauernfrau* aus Al-Khadr, dem Dorf/Vorort von Bethlehem – Yamina ihr Name – habe ich heute um die 7 Uhr morgens auf meinem Arbeitsweg durch die Felder unter der Containersiedlung entdeckt. Wobei, zunächst bin ich auf diese Eimer voller Früchte auf dem Pfad neben den Mandelbäumen und einem von einer Steinmauer umgebenden Feld gestoßen. Es stellte sich heraus, dass es sich dabei um Pflaumen handelte. Die Eimer standen vereinzelt auf dem Weg und wie ich weiterging, fand ich die Eigentümerin der Ernte, eine kleingewachsene, eher dickliche arabische

Die vollbeladenen Eimer
Die vollbeladenen Eimer

Bäuerin, die sich mit einem solchen Eimer und einer ebenso randvollen Kiste auf dem Weg Richtung Schnellstraße dahinquälte. Sonst war niemand in der Nähe.

Ich suchte mir die passenden Worte auf Arabisch zusammen und fragte, ob sie Hilfe brauche. „Ya reit!“, atmete die Frau schwer auf und lächelte. Ich wünschte! Ich fragte, wohin sie das Gut bringen sollte. „Zur Strasse dort drüben.“ Ein Auto sollte sie dort abholen, aber hierher würde es wohl nicht gelangen.
Sie zeigte mir auf die Eimer hinter ihr, ich machte mich auf, diese aufzusammeln. Tatsächlich, sie waren schwer. Ich fragte sie verwundert, „schleppst du das alles alleine?“ „Ah, lahali“ (Ja, alleine),

Pflaumenbäume auf dem besagten Feld, nahe der Gush-Etzion-Kreuzung.
Pflaumenbäume auf dem besagten Feld, nahe der Gush-Etzion-Kreuzung.

war die Antwort. Ob sie das öfter mache,13925278_10154594808941842_2264037345894901487_n habe ich nicht gefragt – die arabische Formulierung fiel mir nicht ein. Ich wusste dafür jetzt, wem die üppigen Pflaumenbäume auf dem benachbarten Feld gehoerten.

13886510_10154594779706842_2378188966409552275_nWir schleppten mehr oder weniger gemeinsam die Eimer zur Strasse. Yamina wollte von mir wissen, ob ich aus Amerika sei oder „von hier“ und was ich mache. Ich erfuhr so auch ihren Namen und sagte ihr meinen. Er gefiehl ihr. (Dazu muss man sagen, dass „Chaya“ – die Lebendige bzw.Leben – auch im Arabischen ein Name ist.) Als wir die Straße erreicht hatten , umarmten wir uns. Zum Abschied gab sie mir ein paar Pflaumen. Sie blieb dort, in der aufsteigenden Hitze, um auf das Auto zu warten.  Ich ging zur Kreuzung und zum Bus.

Was soll ich euch sagen, kein leichtes Leben. Warum um Allahs Willen muss die arme Frau aber diese schweren Eimer – fünf! – so ganz alleine schleppen?…

 

*Anmerkung: Tut mir leid, dass ich oft keine Gesichter der mit mir sprechenden Personen veröffentliche. Manches geschieht aufgrund des Wunsches, die Identität der Person zu schützen, aber meistens liegt es daran, dass ich es etwas unhöflich finde, bei jeder einfachen Unterhaltung sofort um ein Foto mit dem/der Gesprächspartner/in zu bitten. Ich möchte mich niemandem aufdrängen. Bitte habt Verständnis dafür.

Ein „Haus“-Besuch aus Bethlehem

Über den Besuch bei der Familie Mark habe ich ja hier schon berichtet. 

Jetzt würde ich gerne aber von einem weiteren Besuch erzählen, der allerdings von ganz anderen Leuten durchgeführt worden ist.


Erfahren habe ich darüber von einem guten Freund und Friedensaktivisten (ja, genau das, Friedensaktivisten!), sein Name ist Inon Dan Kehati, er lebt in Jerusalem und wie jeder gute Friedensaktivist hat er einen Traum. Den Traum von einem gemeinsamen „Haus“ für Israelis und Palästinenser, für Juden und

Inon Dan Kehati. Quelle: Facebook.
Inon Dan Kehati. Quelle: Facebook.

Araber, indem das gesamte Land – Judäa, Samaria, Golan, Gaza und der Rest – ein Heim für beide Völker bieten soll, wenn man die Tatsache akzeptiert, dass niemand von den beiden von hier zu gehen beabsichtigt. Inon nennt „Westjordanland“ Judäa und Samaria, geht gleichzeitig in Bethlehem ein und aus, hat rund um sich (und bis vor Kurzem mit seinem palästinensisch-amerikanischen Partner John Elias Dabis) arabische und jüdische Gleichgesinnte gescharrt, spricht sich für jüdische Anwesenheit in den „umstrittenen Gebieten“ aus und ist im Netz vor allem für seine Jerusalemer Aktion „Cleaning the Hate“ bekannt, bei welcher er gemeinsam mit Freiwilligen in und um Jerusalem Müll sammelt. Als eine Art gemeinsamer Aktivität mit positivem Resultat. Er will sich und sein Tun nicht mit politischen Parteien in Zusammenhang gesehen werden. Auf Facebook, wo er sehr aktiv ist, folgen ihm unter anderem auch viele arabischstämmige junge Leute.

Die Organisation, die er in 2015 gemeinsam mit John E.Dabis 801c9f_ed31d22d43aa41b1a8b295a7432c6540gegründet haben, nennt sich genau wie seine Vision „The Home/Habait/Albeyt“ (Das Haus) und basiert auf einer sogenannten „Acht-Schritte-Jerusalem-Resolution“. Ich vertrete seine Organisation nicht und werde das Ganze hier nicht allzu breitlegen, wer sich interessiert, kann hier nachlesen, worum es sich dabei handelt (auf Englisch).

Ich wollte aber von einem Besuch erzählen, gell?


Am 21.Juli besuchte eine kleine Gruppe palästinensischer Araber aus Bethlehem die Familie Mark aus Otni’el, deren Familienoberhaupt Michael (Michi) Mark am 01.07.16 auf der Autobahn 60 nach Otniel von Terroristen erschossen worden war. Das Treffen wurde von Inon D.Kehati über den „The Home“-Verein initiiert und organisiert. Im praktischen Sinne sah es so aus, dass Inon selbst nach Bethlehem reiste, die Besuchswilligen aus dem als

Einfahrt zum Aida-Camp in Bethlehem. (c) Inon D.Kehati
Einfahrt zum Aida-Camp in Bethlehem. (c) Inon D.Kehati

Flüchtlingslager bekannten Aida-Camp in Bethlehem abholte und sie gemeinsam sich auf die Reise nach Otni’el in den Südhevronbergen aufmachten. Dort warteten, wie zuvor abgemacht, die Kinder der Familie Mark auf sie. Shlomi und Shira, die älteren Geschwister der Familie, hatten es mit Inon koordiniert.

Bethlehem auf der Karte. Eine Stadt mit rund 30.000 Einwohnern (Quelle: offizielle Seite der Stadtverwaltung. Unklar, ob auch die Außenregionen wie Elkhadr und Beyt Sahur dazugehören).
Bethlehem auf der Karte. Eine Stadt mit rund 30.000 Einwohnern (Quelle: offizielle Seite der Stadtverwaltung. Unklar, ob auch die Außenregionen wie Elkhadr und Beyt Sahur dazugehören).

Wie es bei einem Trauerbesuch üblich ist, saßen sie zusammen im Kreis, in demselben Wohnzimmer, wo auch die siebentägige Trauerperiode der Familie verbracht worden war, und unterhielten sich – die Kinder des Terroropfers Mark und die arabischen Besucher aus Bethlehem. Diesmal waren es nicht die an der Rettung der Familie beteiligten Araber wie Islam al-Bayd und Dr.Ali Shuruch,

Bei Familie Mark. (c) Inon D.Kehati
Bei Familie Mark. (c) Inon D.Kehati

sondern Menschen aus einer scheinbar fremden Gesellschaft, die ihr Beileid direkt aussprechen und sich solidarisieren wollten.

In einem Gespräch sagte Inon mir, er hätte noch niemals zuvor ein so emotional bedeutendes und eindrucksvolles Gespräch erlebt. Auf Facebook fasste er es so zusammen:

„Es ist nicht einfach, die Energie des Gespräches, die in dem Familienwohnzimmer entstanden war, zu beschreiben, daher werde ich sie in drei Worten zusammenfassen: Respekt, Aufrichtigkeit und Transparenz.“

Michael Mark war in Otni’el bekannt dafür gewesen, dass er auch zu den arabischen Nachbarn aus den umgebenden Dörfern Kontakt pflegte und diesen sogar aushalf, wenn es nötig gewesen war. Dass

Bei Familie Mark. (c) Inon D.Kehati
Bei Familie Mark. Im Bild: Shira Mark, ihr Mann und ein Besucher aus Bethlehem. (c) Inon D.Kehati

es gerade diesen Mann traf, der sich der Existenz anderer Menschen nicht verschloss und diese nicht delegitimierte oder hasste, bleibt eine bittere Ironie des Schicksals. Andererseits hatten schon in der Vergangenheit zahlreiche Tragödien die Bewohner von Otni’el befallen, und hinderten die Einwohner dennoch nicht daran, Kontakt mit der arabischen Bevölkerung aufzubauen und Verständnis für diese zu entwickeln, ob nun seitens Einzelpersonen, die darin aktiv gewesen waren (solche wie Dafna Me’ir) oder auch als Erziehungsauftrag in der Religionsschule für Jungen in Otni’el, deren Rabbiner und Schüler sich schon mehrfach mit Gruppen von arabischen Jugendlichen getroffen haben.

Auch sonst gibt es solche und andere Annäherungsversuche zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen, die doch so ineinanderverwachsen sind auf diesem Stück Land. Die meisten davon werden nicht so gut dokumentiert wie der Besuch von Inon und seinen Freunden. Aber sie existieren, und nur jemand, der bereit ist, in diese Materie aufmerksam hineinzuhorchen und sich damit vorsichtig zu befassen, wird sie für sich entdecken. Es ist ein riskantes Feld für alle Beteiligten. Aber wenn manchmal doch etwas nach außen dringt, erweckt es Hoffnung.

Das Fazit des Besuches von Inon kann ich persönlich wortlos unterschreiben, besagt es doch das, worüber ich schon mehrfach selbst geschrieben und allzu oft gesprochen habe: (aus Inons Facebook-Post, übersetzt von mir)

Wenn diese Menschen, von beiden Seiten des Konflikts, sich hinsetzen und miteinander auf Augenhöhe, gleichgestellt, reden, ist die Energie, die dabei erzeugt wird, stärker, als Worte sie darstellen können, und das ist es genau, was im ‚Friedensprozess‘ fehlt: Die authentischen Stimmen derjenigen, die diesen Konflikt auf beiden Seiten leben, und vor allem die der Palästinenser, die im Westjordanland, und die der Juden, die in Judäa und Samaria leben.

Drei hauptsächliche Erkenntnisse aus diesem außergewöhnlichen Besuch:

  1. Der Dialog zwischen Palästinensern und Israelis sollte auf diejenigen konzentriert sein, die in den jüdischen Gemeinden von Judäa und Samaria leben, und nicht auf diejenigen aus Tel Aviv, und das nicht einmal in drei Monaten, sondern wöchentlich. Leider ist es so, dass es auf beiden Seiten Menschen gibt, die bereit sind, diesen Weg zu gehen, aber es gibt keine Infrastruktur dafür, und daher bleiben wir beim Reden.
  2. Diese Art von Gesprächen ist genau das, was dem Friedensprozess fehlt, aber sie werden von der „Friedensindustrie“ absichtlich ignoriert und sogar verbannt.
  3. Beide Seiten sollten die Tatsache hinnehmen, dass nicht nur, dass keiner von beiden sein Heim verlassen wird, sondern dass das Schicksal uns beide aus einem besonderen Grund in dasselbe Land gebracht hat.

Unser Schicksal ist es, das gesamte Land zu teilen, ohne Grenzen, vom Fluss bis zum Meer. Das Resultat muss entwickelt, diskutiert und bestätigt werden – von dem palästinensischen und dem jüdischen Volk allein – nicht von der internationalen Gemeinschaft.

Shlomi Mark mit zwei Besuchern aus Bethlehem. (c) Inon D.Kehati
Shlomi Mark mit zwei Besuchern aus Bethlehem. Aus Personenschutzgründen wurden die Gesichter der Besucher unkenntlich gemacht.
(c) Inon D.Kehati