Robin Löhnert profiliert sich mit dem folgenden Artikel zum völkerrechtlichen Status der israelischen Siedlungen in Judäa und Samaria.
Großer Dank an Gerd Buurmann für den Text. Sehr aufschlussreich und daher sehr empfehlenswert.
Völkerrechtswidrig, das ist ein Begriff, den man im Zusammenhang mit den israelischen Siedlungen in Judäa und Samaria sehr häufig zu hören und zu lesen bekommt. Der Umstand, dass Juden in einem bestimmten Teil der Welt wohnen und arbeiten möchten, soll nach Meinung mancher Leute gegen einen überstaatlichen Kanon aus Verträgen, Prinzipien und Normen verstoßen, dessen Anspruch es ist, die Beziehungen der Völker der Welt zueinander auf Basis der Gleichrangigkeit zu regeln.
Zugegeben, das Völkerrecht ist keine einheitliche Institution. Es gibt nicht das Völkerrecht, sondern mehrere Rechtsquellen, aus denen sich ein Völkerrecht ableiten lässt. Manche dieser Quellen sind so genanntes Gewohnheitsrecht, also ungeschriebene Regeln, die deshalb als Recht gelten, weil sich bisher jeder danach gerichtet hat.
Das macht die Abwägung verschiedener Rechtsgüter gegeneinander zuweilen schwierig, weil nicht jede Quelle des Völkerrechts von allen globalen Akteuren gleichermaßen anerkannt wird. Mehr als in anderen Rechtssystemen ist die Bewertung…
UPDATE von gestern, 30.06., bezueglich Malachi Moshe Rosenfeld, des jungen israelischen Basketballspielerswelcher in der Nacht auf den 30.06 auf dem Heimweg in die Siedlung Shevut Rachel zusammen mit drei weiteren Freunden Opfer einer Terrorattacke geworden ist und dabei von Schuessen aus dem vorbeifahrenden Auto der Terroristen schwerverletzt wurde.
Quelle: INN.co.il
Leider ist Malachi Rosenfeld, der 25-jaehrige Sohn des Ehepaares Sarah und Eli’ezer Rosenfeld und der zweitaelteste Sohn der Familie, gestern infolge der Schussattacke gestorben. Heute fand seine Beerdigung statt. Malachi hinterliess ausser seinen Eltern noch sieben weitere Geschwister. Sein aelterer Bruder Yitzhak Menahem war bei einem Armeeausflug im Jahr 2002 n einer Felsschlucht umgekommen.
Malachi Moshe Rosenfeld. Quelle: nrg.co.il
Die Eltern von Malachi aeusserten sich nach der tragischen Nachricht in den Medien. Vor der Kamera erzaehlten sie immer und immer wieder von der Tuechtigkeit ihres Sohnes, seiner Empfindsamkeit und dem Verantwortungsgefuehl gegenueber der Familie; und auch von seinen Erfolgen in der Universitaet, seinen Basketballspielen, seinen Auszeichnungen – so, als muessten sie das Lebensrecht ihres ermordeten Sohnes vor jemandem verteidigen, der an diesem ohne ihre Beteuerungen
Eliezer und Sarah Rosenfeld. Quelle: srugim.co.il
Zweifel haette. Seine Mutter bat darum, zu betonen: „Hinter all diesen Vorfaellen stehen einfache, gute Leute. Ein wunderbarer Junge, der mit Auszeichnung sein Studium absolvierte, der Basketball spielte. Es gibt Menschen, die denken, da leben welche hinter den dunklen Bergen und sie haben das selbst verdient.“
Ihre Aussage duerfe in den Herzen vieler ihrer Mitbuerger und Einwohner der juedischen Ortschaften in Judaea und Samaria wiederhallen und an einem wunden Punkt kratzen – ach was, nicht kratzen, wie Messerstiche wird sich diese Aussage in ihr Bewusstsein rammen, und das durchaus nicht zum ersten Mal. Seit zwei Wochen nun haeuft sich ein Attentat auf das andere, und auch vor dem Beginn des Ramadans hatten Einwohner der Siedlungen kein besonders ruhiges Leben. Ueber die Ramadan-Zeit hinweg erleichterte die Zivilverwaltung, die in Samaria und Judaea zustaendig ist, die Bewegungsfreiheit von vielen Palaestinensern und ihren angereisten Verwandten innerhalb israelisch verwalteter Gebiete und in Jerusalem – in unmittelbarer Naehe der juedischen Bevoelkerung (Die Siedlerin berichtete). Mittlerweile lassen sich 8 Attentate in dieser kurzen Zeit aufzaehlen – Steinewuerfe und Brandbomben nicht mitgezaehlt, alle jeweils durchgefuehrt von „Einzeltaetern“, welche in den meisten der Faelle nach Ermessen der Armee keinen organisierten Terrorhintergrund gehabt hatten. Zwar gibt es kein Statement der offiziellen Stellen zu dem Thema, aber in der israelischen Presse kursieren anonyme Aussagen von Armeefunktionaeren, welche die Schuld fuer den Terroranstieg sowohl der vermehrten Propaganda in den arabischen Medien als auch dem erleichterten Zugang fuer die muslimische Bevoelkerung zu juedisch besiedelten Gebieten zuweisen.
In YNET erschien heute endlich auch ein Artikel , in welchem Einwohner der Siedlungen ihre Frust und Unsicherheit ueber die Sicherheitssituation und die mangelnde Reaktion der Regierung ausliessen. „Vor meiner Fahrt muss ich mir ueberlegen, welche Autobahnen ich nehme, um potenzielle Gefahren zu vermeiden“, sagte eine Einwohnerin. Ein anderer bemerkte zum Thema, dass man auch bei einer Welle von Autodiebstaehlen in einer Stadt wie Kfar Saba das Problem nicht mit Polizeischutz fuer jedes Auto angehen wuerde, sondern gegen die Diebe vorgehen muesste. Laut einer anderen Bewohnerin von Shilo, unmittelbar an der Strecke, auf welcher Malachi Rosenfeld angeschossen worden war, hoerte man nach dem Attentat Freudenschreie in einem der arabischen Doerfer – das habe ihre Nachbain traumatisiert. Es wurde jedoch betont, dass sie nicht vorhaetten, aus ihren Wohorten auszuziehen.
Ebenso heute wurde bekannt, dass der interne israelische Nachrichtendienst (Shabak) an die 40 Terroraktivisten der Hamas im noerdlichen Samaria nahe Shchem (Nablus) verhaftete. (Galgalatz, YNET)
Und zwischen all diesen Spannungen und der Gewalt gibt es auch Alltagsleben, arabisches und juedisches; Arbeit, Wanderungen, grosse Ferien, Export und Import, Freizeit, Alltagssorgen….
Es ist das Jahr ders Jubiläums der deutsch-israelischen Beziehungen. Aufgrund dieses erfreulichen Ereignisses wurden wir deutschsprachige Juden in den letzten Monaten mit einigen relativ sanftmütigen Beiträgen zum Thema Israel verwöhnt und durften uns ein wenig von dem sonstigen Stil der Berichterstattung der deutschen Mainstream-Medien ausruhen.
Die Schonzeit wird wohl mit dem folgenden Beitrag beendet sein. Gefilmt vom Tel Aviver Fernsehteam der ARD und moderiert von Korrespondent Markus Rosch ist das Video „Verlorene Kindheit zwischen Siedlern und Soldaten“, welches am 28.06.15 im Ersten im Rahmen des Programms „Weltspiegel“ ausgestrahlt worden ist.
Handlungsort ist Hevron, Spitzname – Geisterstadt. Hauptpersonen: der arabische Junge Jussuf al Rajabi, seine Mutter Sahar, die religiöse NGO-Aktivistin Leah Shakdiel, das ARD-Filmteam, Siedler Ofer Ohana, ‚Siedlerjugend‘, Soldaten. Dauer – ca. 7 Minuten. Thema: Unterdrückung der arabischen Mehrheit in Hebron.
Es sei vorausgeschickt: Verweise auf FAQs und Antworten zum Thema Hevron führen auf diese Seite – FAQs und Antworten zu Hevron – es lohnt sich, bei Anmerkungen darauf zu schauen!
Arabisches Hevron, links unten – Taxistände, Grenze des Verwaltungsbereiches der israelischen Armee.
Das Filmteam des ARD inklusive Markus Rosch gelangt im genannten Beitrag nach Hevron (arabisch: al Khalil). Für das ARD-Team ist Hevron – eine Stadt mit einer Viertelmillion Einwohner, die Vororte nicht mitgerechnet – eine „Geisterstadt“. Die „letzten Einwohner“, die hier laut dem mit bedeutungsvollen Stimme sprechendem Moderator am Betragsbeginn noch leben, sind fünf palästinensische Familien. Ansonsten ist „Hebron, die größte Stadt Westjordanlands – eine Geisterstadt“. Ungeachtet des Absurds im eigenen Terminus, wird das Image der „Geisterstadt“ vom Moderator im gesamten Beitrag aufrecht erhalten. In den ersten Filmshots des Beitrags sehen die Zuschauer Ruinen, zugerammelte Läden, Graffiti und verlassene Straßen. Ein Schelm, der dabei an etwas anderes denken könnte als an eine verarmte, erbärmliche palästinensische Kleinstadt! – Wie etwa daran, dass Hevron seit Jahrzehnten das größte Wirtschafts- und Hi-Techzentrum der gesamten palästinensischen
Links oben – mit der silbernen Kuppel – das Shoppingcenter.
Autonomiebehörde darstellt. Etwa daran, dass nur einige wenige Meter hinter einer Grenzabsperrung die Straßen voll sind mit Taxis, schönen Autos, Hupen summen in der Luft, Markengeschäfte haben geöffnet, Menschen laufen vergnügt durch saubere Straßen auf dem Weg zur Arbeit und zum Shopping im größten Shoppingcenter des Westjordanlandes. (Wer es nicht glaubt – siehe Hevron FAQ 1)
Das weiß der einfache Zuschauer aber nicht. Das zeigt auch Markus Rosch nicht, und ob er es weiß, bleibt nur zu erraten. Der Anblick im ARD-Beitrag ist trist und trostlos. Fragt sich, wer sind die Geister dieser verlassenen Stadt auf dem Bildschirm?
Das sind die Soldaten und die Siedler. Sie sind überall. Sie joggen auf der Straße. „Es ist bedrohlich“, kommentiert Markus Rosch . Die israelische Armee hat laut der ARD in diesem Teil der Stadt die Kontrolle.
Quelle: Jewish Virtual Library
Und das stimmt: Dieses spezielle Gebiet, und noch einige andere, stellen zusammen etwa 20% der eigentlichen Stadt dar, die unter die Regelung des H2-Gebiets seit 1997 unter israelischer Kontrolle fallen. In diesem Gebiet leben ca.9000 Juden. In der Kleinstadt Kiryat Arba, die an Hevron grenzt, sind es 8000, und im jüdischen Viertel Hevrons sind es ca. 1000.
In diesem Gebiet leben aber auch ca. 35.000 Palästinenser. Das Gebeit schließt das Industriegebiet Hevron mit ein, und eine beträchtliche weitere Anzahl von arabischen Vierteln. Laut dem Moderator in der ersten Minute des Videos ist es aber das „Sperrgebiet“, in dem sich Palästinenser „nicht aufhalten dürfen“.
Palästinenser nahe der Shuhada-Straße. Aus dem Video.Eine palästinensische und eine israelische Flagge in Hevron. So nah leben Juden beieinander im Stadtgebiet H2.
Und das stimmt offenkundig nicht: In dem H2-Gebiet, dort, wo die Palästinenser leben, dürfen sie sich auch aufhalten. Allerdings ist das H2-Gebiet so ziemlich das einzige , wo sich auch Juden aufhalten dürfen (FAQ 6). Die H1-Zone – das ist der Rest von Hevron, 80% und gänzlich „judenrein“. Für jüdische Israelis betreten verboten. Dieses Hevron steht komplett unter palästinensischer Verwaltung. Mit Stadtrat, Bürgermeister und allem drum und dran – inklusive einer sehr informativen Webseite auf Englisch, welche alle notwendige Information bietet für diejenigen unter den deutscher Korrespondenten, die über ihre Jahre hinweg im Nahen Osten noch immer kein Arabisch gelernt haben (FAQ 2, FAQ 3).
Wie schon oft, so ist es auch diesmal die Shuhada-Straße, die ins Visier der ARD-Korrespondenten gerät. Geschlossene Läden, Ruinen und mangelnde Stadthygiene sprechen von sich. Filmen lässt sich in dieser Straße prächtig. Laut der Moderation darf diese Straße „kein Palästinenser betreten“. Seit der Zweiten Intifada ist diese Straße die bekannteste „Apartheid-Straße“ im gesamten Westjordanland. Fragt sich, wie kommt es dazu?
Das Patriarchengrab. Synagoge und Moschee mit einer Kirche auf dem Dach.
Vor allem liegt es an der Berichterstattung. Lange Zeit war die Shuhada-Straße, deren Nebenstraßen zum Grab der Patriarchen in Hevron führen, eine der Hauptstraßen in Hevron. Denn das Grab der Patriarchen, oder für Muslime die Ibrahimi-Moschee ist einer der heiligsten Plätze für die Juden, und seit dem 7.Jhdt n.d.Z. auch relevant für die Muslime geworden. Diese Stätte wurde im Laufe der Jahrhunderte hart umkämpft, und ohne sich auf die Geschichte näher einzulassen, haben Juden im Jahr 1967 erstmals seit ca. 1000 Jahren das Recht bekommen, diesen Ort ohne Einschränkungen zu betreten und darin zu beten. Daran war der Sechs-Tage-Krieg der Israelis schuld. Nach der Wiederherstellun der jüdischen Gemeinde um und in Hevron in 1970, nach ihrer Auslöschung im Jahr 1929, wurde diese Stätte für Juden wie für Muslime offengehalten. Lange Rede, kurzer Sinn. Es kam Ende der 80er zur Ersten Intifada. Anschläge, Attentate, Schüsse. Kein angenehmes Leben für Juden inmitten der Krawalle in Hevron. 1994 dann ein Schock für die Weltgemeinschaft – der Jude Baruch Goldstein (wer war das nochmal? FAQ 8) erschoss 29 Muslime in der Grabstätte. Ausschreitungen, Auseinandersetzungen folgten. Die Armee sperrte die Hauptstraße ab aus Sorge, die Juden in Hevron könnten aktive Ziele von Anschlägen werden.
Dann die Zweite Intifada. 2000 bis 2002. Ausschreitungen, Auseinandersetzungen, und Terror, Terror, Terror. Unproportionale Zahl von jüdischen Opfern auf sehr kleinem Raum. Der Terror ging von organisierten Gruppen, aber vor allem von Einzeltätern aus, welche sich erfolgreich in der zivilen Menge mischen konnten – vor allem auf dem sehr aktiven Markt in der Shuhada-Straße. (FAQ 7) Im Jahr 2002 beschloss die Armee, die Straße für privaten Autoverkehr zu sperren, nur noch Palästinenser mit Arbeitserlaubnis bzw. lokal Ansässige die Straße passieren zu lassen. 2005 bestätigte der Oberste Gerichtshof die Entscheidung. Der Markt wurde geschlossen, die entrüsteten Händler finanziell entschädigt und für sie neue Läden im größeren Teil Hevrons eröffnet. Neue Benutzung finden die Häuser nicht, jüdische Siedler dürfen dort nicht ansässig werden, die Häuser zerfallen.
Palästinenser leben weiterhin in der Shuhada-Straße und ihrer Umgebung, nur steht an einer ihrer Stelle ein Grenzübergang. Neben dem Grenzübergang steht ein Schild. Das verbietet israelischen Staatsbürgern, das Gebiet hinter dem Übergang zu betreten. Palästinensischen Passinhabern verbietet es das nicht. Und entgegen der Behauptung von Markus Rosch, einer ihrer Mitarbeiter hätte den „falschen Pass“ (im Clip wird ein israelischer Ausweis abgebildet), gelangen vor den Augen eines jeden aufmerksamen Besuchers am Grenzübergang zur Kasbah (so nennt sich das alte Zentrum Hevrons, Zone H1) Palästinenser hinein und hinaus. Paare spazieren die Shuhada-Straße entlang. Frauen sitzen hinter den Gitterfenstern der Häuser. Kinder laufen an einem vorbei oder sitzen hinter den Toren der Vorgärten. Eindeutig sind diese Palästinenser keine Inhaber eines israelischen Ausweises. Wohl aber haben sie eine Erlaubnis, in diesem Teil der Stadt zu leben und/oder zu arbeiten. Auf einigen Teilen der Straße verteilt, neben einer größeren Konzentration von jüdischen Anwohnern, stehen Soldaten. Diese fangen sowohl Anfeindungen arabischer Jugendlicher ab, als auch die der zahlreichen, in Pali-Tücher gewickelten linken Aktivist/-innen, welche vor ihrer Nase mit Kameras, Bannern, Flyern oder Touristengruppen herumlaufen.
Deutsche Journalisten filmen, aber möchten nicht gefilmt werden, vor allem nicht von „Siedlern“. Aus dem Video
Auch Journalisten laufen dort herum. Viele von ihnen benutzen dasselbe Vokabular wie die ARD und machen genau dasselbe. Sie nennen jüdische Jugendliche die „Siedlerjugend“ (klingelt’s?), behaupten, die Araber dürften die Straße nicht betreten und filmen kleine arabische Jungen. Diese wissen genau, wem man zulächelt, und wie man einige Worte auf Englisch wechselt. Und sie wissen auch, dass ihre Kameras, welche ihnen von den Aktivisten zahlreicher europäischer NGOs ausgeteilt wurden, auf weitaus mehr Verständnis treffen werden, als die der „Siedlerjugend“.
Als das ARD-Team auf den kleinen Jussuf mit dem einen Arm trifft, werden die Szenen rührend, beinahe tragisch. Tragisch ist auch der Kommentar von Markus Rosch. Mit todernster Stimme berichtet dieser von der Gefahr „dort draußen“, wo er und das brave Kamerateam noch vor einigen Minuten von der „Siedlerjugend“ bedrängt worden sind, und nun, seufzt er auf, entspannt sich die Lage, denn „ein Bus mit Siedlern verlässt die Straße“. Der Zuschauer seufzt dankbar auf.
Jussuf und seine Mutter Sahar. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Aus dem Video.
Viele Fragen kommen beim Bericht über den neunjährigen Jussuf auf, der seltsamerweise allein mit seiner Mutter (ohne Geschwister? Unüblich) in einem vierstöckigen Haus lebt (wem gehört das Haus?), kein Geld hat, um aus dem Haus wegzuziehen, wohl aber, um eine kleine Viehherde im dritten Stock zu halten (aus welchen Mitteln wird sie versorgt?), um das eigene Überleben zu sichern (wie genau?).
Natürlich ist auch für die folgenden Faktendarstellungen der kleine Jussuf eine viel verlässlichere Quelle als beispielsweise die palästinensische Stadtverwaltung, oder gar die israelische Armee. Die Freunde des Jungen dürfen ihn nicht besuchen – hat Jussuf keine Freunde in den arabischen Vierteln um die Shuhada-Straße herum? Kann er nicht als Kind einer Palästinenserin in das H1-Gebiet der PA? Und wo geht er genau zur Schule? Joggen darf das Kind folglich Markus Rosch ebenso nicht, das dürfen nur die Siedler. Warum eigentlich – was belegt diese felsenfeste Überzeugung des Korrespondenten?
Dann das mit dem Wasser. „Nur selten wird in dem Niemandsland zwischen jüdischen Siedlungen und militärischen Kontrollpunkten Wasser geliefert“, kommentiert ein wieder einmal todernster Markus Rosch. Wallah? Hören die palästinensischen Wasserleitungen an der Grenze zum „Niemandsland“, in welchem immerhin 35.000 Araber leben, etwa auf? Hat jemand mal gesehen, dass in Hevron 2015 noch immer „Wasserlieferer“ um die Straßen fahren und Wasserrationen an Familien ausgeben, als seien sie Milchboten? Wo sind denn die Wasserrohre geblieben, die die gesamte Stadt versorgen? Haben die Juden auch aus dem armen Haus von Jussuf das Wasser gestohlen oder vergiftet? Die Idee wäre ja nicht neu.
Aber es gibt auch einen Trost: die guten Juden. Auch diese tauchen im Video auf, sonst wäre die Berichterstattung unerlaubt einseitig und man will ja beide Seiten darstellen. Da die Siedler um das ARD-Team herum sich einfach nicht interviewen lassen wollen (ein vorbeigehender älterer Mann, der etwas in Richtung Kamera murmelt, wird als „schreiender Siedler“ abgetan), sondern nur selber
Leah Shakdiel von „Machsom Watch“. Ein Beweis für die ARD, dass es noch gute religiöse Juden gibt.
mit ihren Smartphones wedeln, schnappt sich Herr Rosch kurzerhand eine religiös wirkende linke Aktivistin namens Leah Shakdiel. Woher sie kommt – unklar. Was sie dort macht – ebenso unklar. Dass sie etwas zu sagen hat – natürlich, noch dazu vor internationaler Kamera: „Es gibt keinen Grund, warum ein Palästinenser, der hier lebt, kontrolliert werden soll.“ Offenbar hat sie nichts von der Zweiten Intifada gehört, oder vom Scharfschützen aus dem Viertel Abu Snena, der am 26.03.2001 die
Baby Shalhevet und ihre Eltern vor dem Attentat 2001. Quelle: calevbenyefune.blogspot.co.il
zehn Monate alte Shalhevet Pass mit einem Kopfschuss ermordete. „Als religiöse Jüdin kann ich das nicht verstehen und nicht akzeptieren, dass die Siedler hier alles im Namen Gottes machen“, sagt Leah. Als religiöse Jüdin scheint sie nicht zu wissen, dass Juden in Hevron in Gottes Namen schon über 3000 Jahre lebten und weiterleben wollen. Und in wessen Namen morden die arabischen Scharfschützen?
Ein jüdischer Mensch abseits des Konzensus kommt einmal kurz zu Wort bei der ARD. In den Untertiteln ist auch er ein „Siedler“, unklar, was er macht, woher er kommt. Er bekommt brav einen Untertitel verpasst, mehr als 3 Sekunden darf er alledings nicht reden. „Wir sind die Herrscher!“, soll er behauptet haben. Nun, das Gebiet steht tatsächlich unter israelischer Verwaltung. In welchem Kontext sagt er das?
Das letzte Wort zu diesem so authentischen, lebensnahen und aufwühlenden Bericht der ARD über die Unterdrückung von einer Viertelmillion Arabern, Bewohnern einer reichen Wirtschaftsmetropole, durch auf 3 Straßen lebende Juden , gebührt meines Erachtens dem kleinen Jussuf al Rajabi.
Dieser berichtet dem Zuschauer über seine Gegend: „Das ist meine Shuhada-Straße, mein Viertel. Keiner aus Hebron darf diese Gegend betreten. Wenn jemand erwischt wird, wird er geschlagen oder landet im Gefängnis“.
Im „Sperrgebiet“ dürfen keine Palästinenser sein, so ARD. Moscheen stehen dort aber dennoch und sehen noch gut aus.
Wenn ein Neunjähriger die Realität mit solch einer Ernsthaftigkeit widerlegt, dann muss man ihm das einfach glauben, und für die Zuschauer des ARD-Fernsehens einfach stehenlassen. Und sollte jemand zufällig einen Palästinenser aus Hevron, einen der 250.000+, über die Shuhada-Straße laufen sehen, etwa weil er dort arbeitet oder wohnt, dann sollte man sich an den Bericht von Jussuf erinnern und der ARD zu Ehren die Augen verschließen. Wo würden wir schließlich hinkommen, wenn die Realität die Berichterstattung deutscher Staatsmedien so unverschämt und strafffrei widerlegen dürfte? Nach oben
Wenn wir schon beim vorherigen Eintrag beim Thema Jugend und Kinder gelandet sind, dann werden die folgenden Bilder wohl passend sein.
Wie ich schon erwähnt habe, leben im Gusch Etzion, eine Gegend mit ca. 22.000 Einwohnern, sowie in ganz Judäa sehr viele Kinder und Jugendliche – überdurchschnittlich viele innerhalb der jüdischen Bevölkerung, und erst recht innerhalb der arabischen.
Die jüdische Gesellschaft in den Siedlungen legt besonderen Wert auf Kindererziehung, auf Freizeitbeschäftigung, Bildung und vor allem Sozialisierung. Beinahe jeder der 19 Siedlungen im Ballungsraum Gusch Etzion (Ost und West) hat ein Jugendzentrum und mindestens eine Jugendgruppe für verschiedene Altersgruppen von Kindern und Jugendlichen. Nachmittagsaktivitäten innerhalb von Hobbygruppen sind populär wie Zeichnen, Gymnastik, Tanz, Ballett, und auch in Rahmen des Unterrichts werden viele Projekte veranstaltet, die die Kinder und Jugendlichen aus der Klasse in die Umgebung befördern – Wandern, Freiwilligenarbeit, Gestaltungsprojekte.
Nun habe ich bei einem meiner täglichen Gänge zur Arbeit einige Werke zweifellos junger Künstler entdeckt, dort, wo sie zweifellos eher weniger zu erwarten wären: Auf den Betonschutzwällen und Armeewachpunkten an der großen zentralen Verkehrskreuzung. Die Betonaden, wie sie bei uns heißen, stehen vor den Haltestellen und an der Kreuzung aus der bitteren Notwendigkeit heraus, die Wartenden vor Autoattentaten zu schützen, wie sie leider vor allem in der letzten Zeit die Fußgänger und Reisende betroffen haben. Die Armeewachpunkte dienen als Schutzstand für Soldaten für den Fall, dass sich ein größeres Attentat ereignet und es beispielsweise zu Schusswechsel kommt.
Diese Bilder, die ich weiter unten zeige, sind eine kleine Illustration dessen, wie man Leben auch in schweren Bedingungen lebenswert gestalten kann. Nicht nur der berühmte und berühmt gemachte britische Wandkünstler Banksy weiß, wie man Bilder auf die palästinensische Seite der Sicherheitsmauer in Bet Lehem malt – aber diese Bilder werden wohl kaum die internationale Presse erreichen.
Soldaten-Wachpunkt. Dahinter: Haltestelle Richtung Hevron.
„Gusch Etzion – Haus Israels“, eins der Slogans der Regionalverwaltung. Soldatenwachpunkt. Dahinter - Haltestelle Richtung Hevron.
Ein Zitat aus dem Buch Jeshayahu/Jesaja, Kap.2 Vers 4, die Prophezeihung für die Menschheit in der Endzeit: „Und sie werden ihre Schwerter zu Spaten umschmieden und ihre Speere zu Baumscheren (und kein Volk wird gegen ein anderes in den Kampf ziehen und man wird keinen Krieg mehr lernen).“
Soldatenwachpunkt, Haltestelle Richtung Jerusalem
„Lächel mal – alles ist zum Guten“, bekannter und beliebter Spruch in ganz Israel.
Soldatenwachpunkt und Haltestelle Richtung Jerusalem
„Noch ist unsere Hoffnung nicht verloren.“ Zitat aus der israelischen Nationalhymne (geschrieben von Naftali Herz Imber). Betonschutzwälle.
Zitat des 22-jährigen Offiziers Uriel Peretz sel.A., welcher 1998 im Südlibanon bei einem Überfall von Terroristen getötet wurde. In seinem Notizblock im Offizierskurs schrieb er: „Aus all den Dornen, die mir in den Körper eingedrungen sind, könnte man eine quadratmetergroße Rasenfläche anlegen, aber das sind nicht einfach nur Dornen. Das sind Dornen Israels. Wer in diesem Land lebt, muss auch seine Dornen mit Liebe annehmen können.“ Ein Teil dieser Notiz steht auf dem Betonwall.
„Einigkeit“. Daneben – eine Israelkarte, wie man sie sich wünscht – ohne die Waffenstillstandsgrenzen von 1948.
„Am Israel Chai“ – „Ich lebe, mein Vater lebt noch, das jüdische Volk lebt“, Paraphrasierung auf den Ausspruch von Josef, dem Sohn des Vorvaters Ja’akov. Daneben: „Unsere Herzen werden wie ein Herz weiterschlagen“.
Es gibt ein Sprichwort im Hebräischen, das heißt „Es gibt zwei Arten, eine Lage zu beschreiben. Einmal kann man sagen: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Oder man kann sagen: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“
Meine Hebräischlehrerin aus Köln, gebürtige Israelin, pflegte zu sagen: „Der erste Satz gilt für die Deutschen, und der zweite für die Israelis.“
Kinderreiche Familien. Etwas, was ich bisher nur in Israel kennengelernt habe. Ja, es gab bei uns in der lokalen Gemeinde in Köln einen Rabbiner mit ganzen 8 (dann 9, 10, 11, 12) Kindern. Aber dieser war dann auch der Einzige in der Umgebung, und niemand konnte sich an ihm messen. Er war und blieb ein Familienphänomen und fernab allem Gewöhnlichen. Für mich als Einzelkind eines alleinerziehenden Elternteils waren schon drei Geschwister eine bemerkenswerte Erscheinung, die es sich zu studieren lohnte. Das war in Deutschland.
Hier in Israel war und bleibt alles ganz anders – und noch immer etwas nicht ganz Nachvollziehbares für mich. Hier heißen kinderreiche Familien „kindergesegnet“, und ein berühmter Satz, ich weiß gar nicht mehr, aus welcher alten Fernsehserie er stammen soll, heißt „Kinder bedeuten Freude“. Meist nutzt man ihn hier zum Spaß, wenn der Nachwuchs mal wieder furchtbares Chaos veranstaltet oder lärmt oder sonstwie bemerkbar wird. Aber ob es dabei bleibt? Weit gefehlt. Kindergesegnete Familien sind hier eine gewohnte Erscheinung, und nein, nicht nur bei den „Ultraorthodoxen“, also dem Stereotypenbild des Durchschnittseuropäers von einem religiösen Juden – dem mit dem schwarzen Hut, langem Bart, Frack und Frau mit langem Rock und Babybauch hintendran.
In allem macht sich die Kinderliebe bemerkbar – in den Unmengen an Freizeitangeboten für Kinder, in den großen Familienpackungen im Supermarkt für praktisch alles, in der Beliebtheit von Vielzimmerwohnungen und großen Häusern mit Garten, in der seltenen Haltung von Haustieren (wer will Katze und Hund, wenn man schon 5 Kinder hat?)…
Quelle: peopleil.org.il
Natürlich ist ein solcher Ort für alljährlichen Babyboom die Siedlungen. Hier lebt das nationalreligiöse Kontingent – sprich, gläubige Juden aller Farben und Ausrichtungen, die den Zionismus, den jüdischen Glauben und den Staat hochschätzen. Und auch Kinder schätzen sie sehr. Siedlungen sind Bastionen für Nachwuchs jeder Altersstufe, sie strotzen nur so vor Kindergärten, Schulen, Internaten, Freizeitangeboten, Jugendgruppen, Spielplätzen und anderem mehr. Junge Erwachsene, sofern nicht verheiratet, dürften bisweilen wohl von einem Leben in einer Siedlung irgendwo in den Bergen gelangweilt sein; für Eltern mit Kindern ist so ein Ort ideal. Kinder werden nicht geplant. Sie kommen, und wie und wann sie kommen, das entscheiden Gott und die Biologie, und wenn sie kommen, dann sind sie herzlich willkommen. Jeder bekommt irgendeinen originellen Namen verpasst – bei den nationalreligiösen Juden sind Namen mit viel Bedeutung, Neuschöpfungen und bis dato ungenutzte Namen aus den Heiligen Schriften sehr beliebt -, jeder wird getätschelt, geliebt, von Kleinkindalter bis zur Armee oder Heirat von allen Nachbarn gekannt und begutachtet. Kindererziehung in Siedlungen ist vielfältig, angereichert mit viel Zuwendung und Hingabe zu jedem Einzelnen, es gibt viele Angebote für diejenigen Sprosse, die sich nicht an das reguläre Erziehungssystem anpassen, Konzentrationsschwächen oder Übeschuss an Energie haben (und davon gibt es sehr, sehr viele!).
Aber dennoch ist die Herangehensweise standartisiert, und mächtig anders als die, die ich in meiner Kindheit erleben durfte. Und hier gibt es dann jedes Mal einen kleinen Kulturschock für mich, wenn ich von einem intensiven Austausch in einer solchen Familie irgendwo zurückkomme.
Dieses Wochenende war ich bei meinem Studiumskollegen Me’ir in einem kleinen Ort namens Bet Haggai in Judäa, südlicher der Stadt Hevron. Er und seine Frau Adi haben, sollen sie bloß gesund sein, 9 Kinder, der letzte ist erst vor Kurzem geboren worden. Den ganzen Shabbat habe ich bei ihnen zugebracht, und natürlich waren alle Kinder um mich herum, und sie waren alles andere als ruhig, entspannt oder, nennen wir es, behutsam. Es gibt Familien, da haben die Geschwister mehrere Jahre Altersunterschied. Es gibt auch Paare, die bevorzugen es, jung zu heiraten und Kinder im frühen Alter und schnell nacheinander auf die Welt kommen zu lassen – somit sparen sie sich die Mühe der Kindererziehung im späten Alter, und haben noch viel Energie übrig.
Wir kamen auf Kindererziehung zu sprechen, wobei ich mir vorkam, als würde ich die arme Frau mit Fragen durchlöchern und von ihr Antworten erwarten, die ihr ganz selbstverständlich schienen. Ich konnte es aber einfach nicht lassen, für all das eine Erklärung zu verlangen, was mir neu und unerwartet schien. Wie gesagt, mein familiärer Hintergrund ist komplett anders, und in nichts vergleichbar. Wie könnte ich da nicht fragen?
Foto: Yossi
Also erzählte mir Adi, wie sie zu den Namen der Kinder kamen: Jedes Kind habe seine spezielle Geschichte zum Namen, und obwohl es üblich ist, dass die Mutter den Namen entscheidet, sprachen die beiden sich gemeinsam ab.
Ob es gewollt gewesen war, dass die Kinder nicht mehr als anderthalb-zwei Jahre Altersunterschied untereinander hätten: Auf Kinder zu verzichten und das als Argument zu nutzen wäre eben das Einfachste, was viele tun würden, und sie würden auf etwas anderes verzichten – Luxus, Ruhe, Zeit – aber nicht auf Kinder.
Foto: Chaya Tal.
Warum sie ihre älteren Töchter nicht mit Jungs spielen lassen würde: Sie seien schon groß, und da wäre die Interaktion mit Mädchen und Jungen schon anders. Was getrennte Schulen anginge, sie selbst sei in einer gemischten Schule großgeworden und könne sich selbst nicht Unterricht nur für Mädchen bzw.nur für Jungen vorstellen, aber ihre Kinder kämen damit gut zurecht, und Statistiken bewiesen auch besseres Lernklimat und Lernqualität in getrennten Schulen.
Ich konnte auch die Dynamik im Haushalt beobachten. Ich habe schon viele kinderreiche Familien besucht, und jedes Mal ist die Dynamik anders, und sehr interessant. Je näher du dich der Familie fühlst, desto genauer schaust du hin und merkst die Beziehungen zwischen den Geschwistern, zwischen den Kindern und den Eltern, ihre Aufnahmefähigkeiten, ihre Offenheit bzw. ihre Charakterentwicklung und so vieles mehr.
Man kriegt immer Fotoalben vorgesetzt („hier war ich klein! Hier war meine Bat Mitzwa!“), Kinder stapeln sich praktisch um dich herum – der eine will mit dir spielen, die andere führt dich im Haus und in der Umgebung herum, der dritte erzählt dir alles über seine Legospielzeuge, und du wunderst dich, wie die Eltern mit dem Geschrei zurechtkommen. Bis dann die Eltern kommen, und ebenso schreien, dass es ruhig werden sollte. Der Geräuschpegel sinkt um ein Geringes, und die Mutter seufzt, wie es wieder unmöglich ist, und man nichts hört, und nicht zur Ruhe kommt. Ich denke mir gerade noch – ja, wieso wolltest du denn dann 9 Kinder haben? Aber schon sehe ich sie lachen, irgendeinen Kleinen umarmen, sich mit den anderen zwei unterhalten, und zwischen diesem und jenem sagt sie – sie machen so viel Spaß, die Kleinen, sie sind ein Völkchen für sich, ich liebe es.
Und wohlbemerkt, das Ganze geht schon über ein Jahrzehnt so. Für mich unvorstellbar, für sie ganz normale Realität. In der Familie haben sie nicht nur Großeltern, sondern sogar Ur- und Ur-Ur-Großeltern! Das passiert, wenn man Generation für Generation mit 19 Jahren heiratet. Ich war so erstaunt, ich konnte es zunächst gar nicht glauben.
Die älteren Mädels werden dazu beordert, auf die Kleinen aufzupassen, wenn die Eltern schlafen. Damit es nicht langweilig wird, kommen diese eine ganze Horde Freundinnen besuchen, und alle sitzen gemeinsam im Mädchenzimmer und tratschen und spielen stundenlang. Die Kleinen haben Ausgehzeiten. Von wegen Dorfluft und freies Leben – auch hier will man nicht, dass die Kinder lange außer Haus bleiben, wohl mehr aus Prestige heraus als aus irgendeiner anderen Sorge.
Vor Shabbat-Eingang segnen die Eltern jedes ihrer Kinder, nach jedem Segen küsst das Kind die Hand der Eltern – das verschafft Respekt und Elternachtung.
Das Neugeborene ist natürlich das beliebteste Spielzeug aller, und fast jeder der älteren Geschwister weiß, wie man es hält, dass es nicht schreit, wie man es streichelt, wie man es wiegt, selbstverständlich auch der Vater. Babysache ist auch Männersache. Und wenn der fünfjährige Bruder den Dreijährigen abfragt, wie denn wohl die Tiere im Bilderbuch heißen, schweige ich voller Bewunderung und höre ihnen zu…
Quelle: peopleil.org.il
Bei allen Feierlichkeiten sind die Kinder dabei, es wird begrüßt, dass sie in die Synagoge gehen (wobei junge Mädchen das eher seltener tun). Gekleidet sind alle mehr oder weniger im selben Stil – bunte Kleider und Röcke, viele Stickmuster und Spitzen und Blumen und darunter ellenbogenlange Shirts (manche auch nur schulterverdeckt) bei Mädchen, Sporthosen, Stoffhosen, Jeans und
Foto: Chaya Tal
T-Shirts oder Hemden und Sportschuhe bei Jungs. Viele Farben, meist bunt durcheinander, öfter mal auch nicht zusammengehörende Kleidungsstücke wie Turnschuhe und Festkleider, weiße Hemden und Sandalen…Immer endlos viel Wäsche in und um die Waschmaschine herum, Spielzeuge und Kinderbücher in jeder Ecke, und man denke bloß nicht, dass jemand sich die Mühe macht, Schuhe daheim auszuziehen…
Und es gibt noch viele andere, minimale alltägliche Aspekte, die mich staunen lassen: über die Ausdauer der Eltern, die Ausdauer der Kinder, und der Glauben dahinter.
Als Mensch gänzlich ohne Erfahrung mit Großfamilien, kann ich mir nicht vorstellen, wie man sich bei solch eine Anzahl von Menschen im Haushalt jedem individuell widmen kann, für jeden Zeit und Verständnis finden kann, wie man die Persönlichkeiten zu beobachten und zu entwickeln schafft. Ich habe das Gefühl, als käme bei der Massenerziehung von Kindern der persönliche Bezug und die Vertiefung in die Welt der Kinder zu kurz. Aber die Zeit vergeht, aus den Kindern wachsen gesunde, selbstbewusste, sicher innerhalb
Quelle: Gush Etzion Tourist Association
der Gesellschaft stehende, moralisch hohe, zufriedene und frohe junge Menschen heran, die nicht bis zum 30. oder 40.Lebensjahr auf Selbstsuche sind oder sich Drogen, Alkohol und sonstigen „Zeitvertreiben“ widmen, sondern ihrerseits früh heiraten, Familien gründen, diese liebevoll umsorgen und darunter noch Zeit fürs Lernen, fürs Arbeiten, für sozialen Aktivismus finden. Sie bauen Häuser, gehen wandern, dienen in der Armee, sorgen für Kinder und Gemeinde…. und der Kreis geht von vorne los.
Ich merke, ich habe noch viel zu tun, wenn ich diese Gesellschaft tatsächlich in ihrem Inneren kennenlernen will. Sie ist mir lieb und teuer, aber noch immer etwas fremd.
Der Frühling ist zu Ende, der Sommer kommt und mit ihm das gute Wetter, die Ferien (für wen sie gelten), die Freizeit und die gute Laune.
Natürlich sind die warmen Abende, der Sternenhimmel, die frische Luft und die Freunde ein Grund, sich öfter zusammenzusetzen, etwas gemeinsam zu unternehmen, und wenn man noch jung ist und sich jung schätzt, dann geht man auch mal feiern.
Und auch die „Siedler“ wissen, wie man feiert – und durchaus nicht nur Hochzeiten, Beschneidungen von neugeborenen Jungs und Bar Mitzwas. Nein, in Judäa und Samaria lebt eine beeindruckende Menge an jungen Leuten mit viel Energie und Lust am Leben, und die regionalen Verwaltungen, Klubs und Gemeindezentren haben seit einigen Jahren die Notwendigkeit erkannt, auch in der Heimumgebung Events zu veranstalten und nicht nur die Leute nach Jerusalem ausreisen zu lassen, um Spaß zu haben.
Foto: Gush Etzion Tourist Association.
So gibt es seit etlichen Jahren Veranstaltungen in Gush Etzion, Judäa und auch in Samaria von ganz verschiedener Art und für alle Altersgruppen: Theaterstücke, Stand-Up-Comedy, Marathons und Sportwettbewerbe, Konzerte bekannter israelischer Künstler, Musikfestivals, Bierfestivals, Erntefestivals und mehr – und das im gesamten Gebiet von
Judäa(südlich von Jerusalem bis zum Yattir-Wald, inkl.Hevron und Bet Lehem)
Samaria(bis zum Tal von Bet She’an, inklusive Jenin) und
Südsamaria/Binyamin(nördlicher von Jerusalem bis Ariel, inkl.Ramallah und Jericho).
Wollt ihr Beispiele? Gerne! So gab es im letzten halben Jahr speziell für junge Leute:
Das 9.Rennmarathon in Karney Shomron, Samaria, in Gedenken an Capt.Benaya Rein, ebenso durch Mithilfe von „Real Timing“, am 05.12.2014.
Bierfestival und Party in einem der größten Vergnügungsparks von Judäa und Samaria, der „Farm ‚Das Land der Hirsche‚„, im Zuge des Purim-Festes, am 05.03.2015. Die Farm – mit Restaurant und Vergnügungspark inklusive Riesen-Omega quer durch das Bergtal veranstaltet regelmäßig beliebte Abendparties.
Das 4.Rennmarathon in Samaria in Gedenken an Gilad Zar, organisiert vom Gemeindezentrum Shomron und der Sportvereinigung „Real Timing“ (und gestützt durch das israelische Gesundheitsministerium und andere), am 20.03.2015.
Das erste Kirschenfestival in der Region des südlichen Hevron-Gebirges, in der Siedlung Ma’on und dem nahegelegenen Yatir-Wald, am 03.06.2015.
Die Europameisterschaft wurde fleißig von allen geschaut, entweder daheim, bei Freunden, in Restaurants oder auf öffentlichen Plätzen, so zum Beispiel am 06.06.2015 in der Siedlung Bet Arieh im südlichen Samaria/Binyamin.
Das alljährliche Kirschenfestival im Kibbutz Rosch Tzurim am 12.06.2015, für geringen Eintritt, mit Musik, Essen, vielen Attraktionen – und Hauptsache – Kirschen soviel man will, frisch vom Baum!
Konzerte lokaler und landesbekannter Künstler wie Rami Kleinstein im Gemeindezentrum Kiryat Arba-Hevron, und Pe’er Tassi in einem Open-Air-Konzert im Rahmen einer Straßen-Party in Ma’ale Adumim bei Jerusalem.
Und was erwartet uns im Sommer? Hier einige bunten Beispiele:
Bierfestival in Teko’a
am 23.06.15 tritt eine der berühmtesten Sängerinnen Israels – RITA – im Country Club in Sha’arey Tikva, Westsamaria, im Rahmen eines Festivals für Frauen auf.
Rita kommt nach Sha’arey Tikva
am 02.07.15 ein Bierfestival in der Stadt Teko’a im Osten Gusch Etzions – mit lokalem und bekanntem Bier den Sommer eröffnen!
am 22.06.15 ein Riesen-Happening „Sommereröffnung“ für Jugendliche – Beduinenzelt,
Sommereröffnung für Teenies
Flugsimulator, Graffiti-Wand, Henna-Tattoos, Karaoke, Süßes & Getränke + Acoustic-Konzert des Sängers Yishai Ribo aus seinem neuen Album – im „Land der Hirsche“. Ein ähnliches Festival findet auch in Karney Shomron, Westsamaria, statt.
Ensemble „Piyut“ mit nordafrikanisch-jüdischen Gesängen in neuer Auflage + Nir Abukasis, Kelterei „Amos“ in Teko’a, am 25.06.15
am 17.07.15 in der Kelterei /Restaurant/Eventhalle „Nahalat Binyamin“, südliches Samaria: Künstler- und Bauernmarkt mit künstlerischen Werken aus der Region.
am 22.08.15, ebenso in der Eventhalle „Nahalat Binyamin“ – Konzert der israelischen Band „ALMA“ .
Und dazwischen noch viele Wanderungen, Traktor-Fahrten, Führungen, lokale Sommerverkäufe, Musikabende und mehr.
Auf so einem schönen Fleck Land muss man schließlich wissen, wie man das Leben genießen soll!
Manchmal muss man nicht das Rad immer wieder neu erfinden, sondern immer wieder auf dasselbe Rad hinweisen, bis auch dem Letzten deutlich wird, was mit „Rad“ gemeint ist. Aehnlich ist es auch im Nahostkonflikt, speziell beim Thema Siedlungsbau. Es muss unsererseits immer von Neuem auf die relevanten realpolitischen Zustaende hingewiesen warden, damit es auch ins Bewusstsein eingeht. Zu diesem Zweck moechte ich auf die folgenden Artikel hinweisen:
⇒ 2) Die Liste der sog.“No-Go“-Begriffe“, zuerst veroeffentlicht auf The Algemeiner, Lee S.Bender & Jerome R.Verlin. uebersetzt ins Deutsche bei Politisches.Blog-Net.Ch (03.06.2015). Sehr nuetzlich und waermstens empfohlen, sich den „Begriff-Guide“ zu Herzen zu nehmen und zu verwenden!
1. Siedlungsbau ist nicht illegal
Artur Cohn, CICERO, 09.12.2013
Das Argument, wonach die Siedlungen in Judäa und Samaria illegal seien, basiert auf dem 49. Artikel der Vierten Genfer Konvention, die nach dem Zweiten Weltkrieg und der Nazibesetzung europäischer Staaten 1949 in Kraft getreten ist. Danach ist die gewaltsame Transferierung einer Zivilbevölkerung in andere Staaten verboten.
Eine solche fand aber in der Westbank nie statt. Auch hat Israel keine Gebiete eines anerkannten, souveränen Staates besetzt. Jordanien, von dem Israel diese Gebiete im Sechstagekrieg (der von den arabischen Staaten provoziert wurde) übernahm, konnte dort nie seine Souveränität geltend machen, weil Jordaniens Besetzung dieser Gebiete ungesetzlich war und von keinem Staat der Welt außer von England und Pakistan anerkannt wurde.
2. NO-GO-Begriffe > Israel-Unterstützer müssen aufhören, diese 13 Begriffe zu benutzen
Politisches.Blog-Net.Ch , 03.06.2015
Die Berichterstattung der westlichen Mainstream-Medien über Israel ist gepflastert mit Ausdrücken, die absichtlich geschaffen wurden, um den jüdischen Staat zu delegitimieren. Die gute Nachricht ist, dass diese Begriffe nicht vor 3300 Jahren in Stein gemeisselt wurden, sondern Kreationen sind, die erst nach der Unabhängigkeit Israels entstanden. Durch das Aufgeben dieser Sprache verwirken wir unserer Geschichte. Hier sind 13 Sätze oder Begriffe, die zu wiederholen wir aufhören müssen.
#1 – “Westbank:” Behauptungen, dass “Judäa und Samaria” nur “biblische Namen für die Westbank” sind, stellt die Geschichte auf den Kopf. Die Namen hebräischen Ursprungs, “Judäa” und “Samaria”, sind bis 1950 benutzt worden, als nach der Invasion durch Transjordanien diese Gebiete in “Westbank” umbenannt wurden, um diese Bereiche des jüdischen Heimatlandes von den Juden zu disassoziieren. Der Teilungsplan der UNO von 1947 selber spricht vom “Hügelland von Samaria und Judäa.” Dieser Begriff ist keine Abkürzung für “Judäa und Samaria.” Unter dieser Formulierung ist Jordanien die “Ostbank” des ursprünglichen Palästinamandat, das als Heimatland für das jüdische Volk vorgesehen war.
#2 – “Ost”-Jerusalem oder “traditionelles arabisches Ost”-Jerusalem: Seit dem zweiten Millenium vor Christus bis 1947 nach Christus gab es keinen Ort namens “Ost”-Jerusalem. Die 19 Jahre zwischen der Eroberung von Teilen der Stadt 1948 durch die Invasionstruppen Jordaniens und ihrem Rauswurf durch Israel 1967 waren die einzige Zeit in der gesamten Menschheitsgeschichte, ausser zwischen 638 und 1099, als Araber irgend einen Teil von Jerusalem kontrollierten. Palästinensische Araber haben keinen einzigen Tag in der Geschichte irgend einen Zoll von Jerusalem beherrscht. In den letzten drei Jahrtausenden war Jerusalem die Hauptstadt von drei Staaten — Judah, Judäa, und dem modernen Israel — und hat eine erneuerte jüdische Mehrheit seit der türkischen Herrschaft im 19. Jahrhundert. Ostjerusalem ist ein Quartier der Stadt, die Israel 1967 wiedervereinigt hat.
#3 – “Die UNO wollte einen jüdischen und einen palästinensischen Staat schaffen:” Das wollte sie nicht. Palästina aufzuteilen zwischen “Palästinensern” und Juden ist wie eine Aufteilung von Deutschland zwischen Deutschen und Juden. Immer und immer wieder nimmt dieUNO Bezug auf “den jüdischen Staat” und “den arabischen” [nicht “palästinensischen”] Staat in der Partitionierungsresolution von 1947.
#4 – 1948 war die “Erschaffung” und “Gründung” von Israel: Israel ist nicht 1948 künstlich und aus der dünnen Luft heraus “geschaffen” und “gegründet” worden. Israel erreichte Unabhängigkeit in jenem Jahr als natürlichen Abschluss eines Reifungsprozesses in erneuerte Staatlichkeit eines Volkes, das vorher schon zweimal Unabhängigkeit hatte in diesem Land, und das nach Jahrhunderten harter Arbeit einen jüdischen Staat erneut etablierte in seinem historischen Heimatland.
#5 – “Der Krieg, der auf die Schaffung Israels folgte:” Israeli haben diesen Krieg nicht gewollt; Er wurde Israel aufgezwungen von fast jedem arabischen Staat, die den Teilungsplan der UNO ablehnten und versuchten, die Juden von Israel ins Meer zu treiben. Und aus der Armee des jüdischen Heimatlandes, der Haganah, wurde die IDF, die die multinationale ausländische Invasion zurückschlug.
#6– “Palestinensische Flüchtlinge des Krieges, der auf die Schaffung Israels folgte”, oder “das palästinensische Flüchtlingsproblem:” Es waren die eindringenden arabischen Armeen, die die Zerstörung Israels erwirken wollten, die den Grossteil der Araber dazu ermutigte, aus Israel zu flüchten, oder deren Flucht verursachte. Und eine grössere Zahl von Medien ignoriert konstant die eingeborenen Juden des mittleren Ostens, aus den riesigen arabischen und anderen muslimischen Ländern vertrieben worden waren in der Folge des arabisch-israelischen Krieges. Ihre Zahl ist grösser als die Anzahl Araber, die aus dem kleinen Israel flohen. Dass Israel den Grossteil dieser Juden absorbiert hat, während arabische “Gastgeber,” einschliesslich in Palästina selbst, die arabischen Flüchtlinge und ihre Nachkommen in “Flüchtlingslagern”, die vom Westen unterstützt werden, isolieren, verwandelt das zweiseitige Flüchtlingsproblem des arabisch-israelischen Konfliktes nicht in ein “palästinensisches” Flüchtlingesproblem. Hätten die palästinensische Araber den UNO-Teilungsplan akzeptiert, dann würden sie ebenfalls ihren 66stn Geburtstag feiern.
#7 – Israel hat 1967 arabisches Land “erobert:“Das tat es nicht. Der Krieg von 1967 war, wie seine Vorgänger, ein Verteidigungskrieg, der Israel aufgezwungen worden war. Die Nachbarn von Israel wollten keine Kompromisse eingehen; sie wollten ganz einfach den jüdischen Staat zerstören. Das neue israelische Territorium sollte eine Sicherheitsbarriere bieten und sicherstellen, dass das nicht mehr passieren kann. Ausserdem waren diese Gebiete nicht “arabisches Land,”
#8 – Israel’s Grenzen von “1967:” Die Waffenstillstandsvereinbarung zwischen Israel und Jordanien von 1949 hat audrücklich die “grüne Linie”, die sie zog zwischen den Waffenstillstandsstellungen der beiden Seiten als nur militärische Waffenstillstandslinie, ohne Präjudiz zu einem Grenzanspruch von einer der beiden Seiten. Die Nach-’67-UNO-Resolution 242 hat ausdrücklich nicht von Israel verlangt, sich von diesen Linien zurückzuziehen.
#9 – “Israelische Besatzung der Westbank und von Ostjerusalem:”Dass die Medien darauf bestehen, die israelische Präsenz im Herzen von Jerusalem und in Judäa und Samaria eine “israelische Besetzung palästinensischer Territorien” nennen, macht es nicht dazu. “Besetzung” ist ein völkerrechtlicher Begriff, der fremde Präsenz im souveränen Territorium eines anderen Staates bezeichnet. Der letzte souveräne Staat im Land von Israel vor dem modernen Israel war jüdisch Judäa. Das Landverhältnis von arabischem Land zu Israel beträgt 625–1, 23 Staaten zu eins.
#10 – “Jüdische Siedler und Siedlungen” gegenüber “palästinensischen Bewohnern von Nachbarschaften und Dörfern:” Ein beliebter Kontrast in Medien-Nachrichtenartikeln ist, im selben Satz von “jüdischen Siedlern” in “Siedlungen” sowie von “palästinensischen Bewohnern” von nahen “Nachbarschaften” und “Dörfern” zu reden. Juden sind keine fremden “Siedler” in einem Jerusalem, das seit dem 19. Jahrhundert eine jüdische Mehrheit hat, oder im Judäa-Samaria-jüdischen-historischen Herzland.
#11 – Die Anerkennung von Israels “jüdischem Staat” ist “ein neuer Stolperstein:” Neu seit Moses’ Zeiten. Das jüdische Heimatland Israel, einschliesslich kontinuierlicher Heimatland-beanspruchender jüdischer Präsenz, war immer zentral für das jüdische Volkstum. 1947 sagte der britische Aussensekretär Bevin dem Parlament, dass der Juden “essenzieller Prinzippunkt” die Souveränität von jüdisch-Palästina sei.
#12 – “Palästionenser akzeptieren die Zweistaatenlösung und Israel lehnt sie ab:” Falsch auf beiden Seiten. Sowohl die USA als auch Israel definieren ‘Zwei Staaten’ als zwei Staaten für zwei Völker — Juden und Araber. Viele auf der arabischen Seite lehnen zwei Staaten für zwei Völker mit Nachdruck ab. Viele Israelis, einschliesslich Premierminister Netanyahu, unterstützen den Plan — unter der Bedingung, dass der palästinensische Terror aufhört. Die Araber verneinen Israels Existenzrecht weiterhin und dauerhaft als Nationalstaat für das jüdische Volk, welche Grenzen auch immer gezogen werden.
#13 – “Die Palästinenser:” Die UNO-Resolution von 1947 mit dem Teilungsplan nannte die palästinensischen Araber und Juden “die zwei palästinensischen Völker.” Nichts ist selbst-delegitimierender und kontraproduktiver für die Erreichung eines Friedens, der auf arabischer Anerkennung des jüdischen Daseinsrechts basiert, als dass die Juden hingehen und die palästinensischen Araber “DiePalästinenser” nennen. Sie haben keine Sprache, Religion oder Kultur, die sie von benachbarten Arabern unterscheidet, und sie hatten nie Souveränität über Palästina, wogegen die Juden, mit einer Präsenz, die drei Jahrtausende in die Vergangenheit reicht, drei Staaten dort hatten, alle mit Jerusalem als Hauptstadt. Die wenigsten palästinensischen Araber können ihren eigenen Stammbaum weiter als 4 Generationen zurück verfolgen.
Mit diesem ersten Beitrag möchte ich hiermit ein öffentliches Frage- und Antwort-Programm im Rahmen dieses Blogs starten, bei welchem ausführliche Fragen zum Blog öffentlich gemacht und die Antworten für alle ersichtlich offen gepostet werden. Private Nachrichten, an mich abgeschickt, werden hier ohne Namen veröffentlicht, Kommentare unter Blogeinträgen, sofern relevant für das neue Programm, mit Namen versehen. Man kann mich auch ausdrücklich darum bitten, bestimmte Fragen nicht zu veröffentlichen.
Da viele Fragen und Antworten für eine große Anzahl meiner Leser relevant sein können, sehe ich es als notwendig an, diese der Öffentlichkeit einfacher zugänglich zu machen. Here we go.
Lieber Michael,
vielen Dank für Ihre Kommentare und Fragen. Ich will in den folgenden Antworten zu Ihren Bemerkungen mehr auf diese eingehen- Meine Antworten vermerke ich innerhalb des Textlaufes, damit man direkt den Kommentar und meine Antwort dazu sieht. Die Fragen udn Antworten habe ich nach Themengebieten strukturiert.
Thema: Jüdischer Anspruch
„Für Chaya ist es ganz natürlich sich auf erobertem Boden niederzulassen. Es ist Gott-gegebenes Land.(?)“
>>Die Niederlassung auf dem besagten „eroberten Boden“, nämlich in den Gebieten von Judäa und Samaria nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967, erfolgte vor allem durch die Tatsache, dass Israel diesen herrscherlosen Boden, welcher bis dato zu keinem Staat rechtens gehörte, von den Jordaniern im Krieg erobert hatte, welche diesen Boden ihrerseits 1948 im Krieg gegen Israel erobert hatten. Generell stehen von einem Land im Krieg eroberte Gebiete, insbesondere, wenn es sich um einen Verteidigungskrieg gegen das besagte Land handelt, ganz regulär zur Besiedung frei. Gott muss dabei gar nicht herangezogen werden.
„Chayas Beitrag ist frisch, frech, intelligent und Ausdruck einer überzeugten Siedlerin, die weiss, dass sie sich auf den militärischen Schutz einer Besatzungsmacht verlassen kann.“
>>Als Staatsbürgerin und Einwohnerin Israels verlasse ich mich darauf, dass die Rechtsorgane meines Staates mich schützen werden. Das hat nichts mit der „Besatzungsmacht“ zu tun. Als Aktivistin der Siedlerbewegung weiß ich nur zu gut, dass man sich in Sachen Besiedlung sehr häufig überhaupt nicht darauf verlassen kann, dass man nicht geräumt und der eigene Besitz nicht zerstört wird, sobald die eigenen Gerichtshöfe, die Militärverwaltung etwas dagegen haben – sei es begründet oder weniger begründet. Nach der Entscheidung Ariel Sharons in 2005 konnten sich die Juden in Gaza/Gusch Katif leider auf gar nichts mehr verlassen, und wurden teilweise brutal aus ihren Wohnorten vertrieben.
Thema: Landraub
„Für Chaya aus Köln (!) ist es ein Recht, sich da in Palästina -sprich Westjordanland- niederzulassen, wo es ihr gerade gefällt. Es ist Land von Gott gegeben und über Widerstand der Bevölkerung, denen das Land gehört, muss man sich nur lange genug hinwegsetzen, bis der Widerstand verschwunden ist. „
>> Viele Unwahrheiten in einem kurzen Absatz. Fangen wir von vorne an: „Palästina“ – ehemal.britisches Mandatsgebiet, beinhaltete bis 1948 das heutige Jordanien, Teile Syriens, Libanons, Ägyptens und das Gebiet zwischen dem Jordanfluss und dem Mittelmeer. Seit 1948 existiert „Palästina“ als solches nicht mehr.
>>“Wo es ihr gerade gefällt“ – falsch. Das Land wurde seitens der israel.Militärverwaltung in Zonen aufgeteilt. Zonen A stehen unter kompletter palästinensischer Verwaltung, und in Zone A und B dürfen keine Juden leben. Zonen A dürfen sie nicht einmal betreten. Innerhalb der Zonen C gibt es Privatgrundstücke, da dürfen sich Juden nicht niederlassen und nicht bauen, und sie werden, sollten sie es tun, vertrieben.
>>Dass die jüdische Geschichte mit diesem Land hinreichend verbunden ist, wurde bisher durch jeden noch so kleinen archäologischen Befund bewiesen. Es ist also nicht nur „gegeben“, es ist auch nachweislich von Juden bewohnt gewesen, weit bevor Vertreter des arabischen Volkes dieses Land betreten haben.
>>“Widerstand der Bevölkerung, denen das Land gehört“ – wem gehört das Land? Welches Land? Und welcher Bevölkerung? Großangelegte und unwahre Behauptung. Es gibt kein „den Palästinensern gehörendes Land“, es gibt Privatgrundstücke, siehe oben. Alles Andere ist Mär und Propaganda.
„Das Volk des Buches lässt sich vom Buche leiten, während andere Abkommen und Regeln, die versuchen das internationale Miteinander zu ermöglichen, ignoriert und unterlaufen werden.“
>> Da müssten Sie genauer werden. Meines Wissens lässt sich die momentane israelische Regierung vom israelischen Gesetz leiten, und nicht, wie Sie andeuten wollen, von der Bibel, ansonsten hätten wir einen ganz anderen Staat vor uns.
Thema: Flüchtlinge, Rückkehrrecht
„Welche Rechte haben die Menschen, die dort Jahrhunderte gelebt haben und nicht mehr in ihrer Heimat leben dürfen, da sie vertrieben wurden, geflohen sind und nicht mehr zurück können?“
>>Mich stört eindeutig die Bemerkung „Jahrhunderte“. Ich würde gerne einen Nachweis erbracht sehen, auf wen genau Sie sich beziehen, wenn Sie von „Jahrhunderten“ reden, die die (nichtjüdischen) Menschen, die Sie heute als Palästinenser wahrnehmen, in diesem Landstrich verbracht haben. Nein, ich bezweifele nicht, dass es gewisse Familien gegeben hat und gibt, die eine lange Ahnenreihe in dieser Region vorweisen können. Das können sehr viele ehemalige (auch vertriebene) jüdische Bewohner von Hevron, Tzfat, Tiberias/Tveria, Jerusalem, Pki’in ebenso, und das sogar in einer größeren Anzahl. Die heutigen palästinensischen Araber, wenn man sich ihre Nachnahmen anschaut, oder auch Biografien, stammen zu einem großen Teil aus den umliegenden Ländern – Ägypten, Syrien, Libanon, Tunesien, Irak etc. Erst die letzten Generationen landeten im Osmanischen Reich. Ebenso fanden unter der osmanischen und auch der britischen Herrschaft Austausche, Wanderungen, Zuzug und Wegzug von Menschen statt. Somit sind die „Jahrhunderte“ hier eine nicht zutreffende Behauptung, um damit das Recht von „Palästinensern“ auf das Land zu begründen.
„Wenn die Siedlerin sich das Recht nimmt oder meint das Recht zu haben, auf palästinensischem Land sich wohnhaft machen zu können, dann haben palästinensische Araber im Libanon, Syrien, Jordan und anderen Ländern dann wohl das gleiche Recht auf Rückkehr in ihre ehemalige Heimat, sei es im jetzigen Israel, Gaza oder der West Bank. Gleiche Rechte muss es geben. Oder?!“
>>Wieso reden Sie von „palästinensischem Land“? Vor der britischen Mandatszeit gehörte das meiste Land, außer es lag brach, türkischen Effendis, welche auf ihrem Land lokale Bauern (Fellachen) beschäftigten. Viele dieser türkischen Effendis verkauften dieses Land an jüdische Unternehmer und Philantropen (Montefiore, Rothschild, Holzmann, andere), auf diesen wurden dann jüdische Siedlungen gegründet und später der jüdische Staat. Mit den Gebieten von Judäa und Samaria, welche die Juden nicht geschafft hatten, vor der jordanischen Besetzung 1949 zu retten, war es nicht anders. Heutzutage liefen und laufen viele Prozesse, bei denen private Ansprüche auf bestimmte Grundstücke festgestellt werden sollen. Haben Sie von Abrissen und Räumungen von jüdischen Orten in J&S gehört? Diese werden vom israelischen Gerichtshof (!) angeordnet, wenn Ansprüche von Palästinensern bez.eines bestimmten Grundstückes nachgewiesen werden können – und des Öfteren auch, wenn das bestimmte Grundstück, auf welchem gebaut worden ist, nur unter Verdacht liegt, jemandem zu gehören, noch bevor es überhaupt beansprucht oder nachgewiesen werden konnte. Nach der Eroberung in 1967 wurde im Laufe der Jahre die besetzte Zone in verschiedene Gebiete unterteilt, in welchen die einen bauen dürfen und die anderen nicht, und vice versa. Dort wird dann festgelegt, wer baut, und wo „palästinensisches“ Land ist und wo „jüdisches“. Wissen Sie beispielsweise, dass die Siedlung Efrat in ihrer Mitte und an ihren Rändern mehrere Plantagen hat, welche ganz offiziell palästinensischen Bauern gehören, welche dorthin regulär kommen und ihre Felder bestellen können? Dasselbe gilt bsp.auch für Alon Shevut. Die Siedlungen werden von diesen Plantagen zerklüftet, und die Bestellung der Felder ist durchaus ein Garant für Sorge seitens der jüdischen Bewohner, aber die Plantagen werden nicht angerührt, und man hat sich an vielen solchen Orten auf Nachbarschaftsverhältnisse geeinigt, von welchen beide Seiten profitieren können.
>>Was das Rückkehrrecht betrifft – so muss ich widersprechen. Nirgendwo war von „gleichen Rechten für alle“ die Rede. Die Flüchtlinge, vor allem im Zuge der zwei Kriege von 1948 und 1967 entstanden, sind Ergebnis von Auseinandersetzungen mit bestimmten Ländern, beides Verteidigungskriege, bei welchen Israel die Oberhand behalten hatte (bedingt in 1948, absolut in 1967). Israel hat gesiegt, und hat die Gebiete von einer Macht in eine andere Macht übergehen lassen. Das Ergebnis von einem solchen Krieg ist die Flucht oder Vertreibung der Einwohner, welche sich zur feindlichen Seite zählen. Diejenigen, die sich bereit erklärten, zu bleiben, die nicht vertrieben wurden usw.usf., leben heutzutage im israelischen Kernland bzw. in J&S. Ihre Nachkommen und sie bilden in Israel die 20% der arabischen Minderheit, und in J&S die palästinensische Bevölkerung. Alle anderen sind die Ergebnisse der Kriege, und ich wüsste nicht, unter welchem Recht sie darauf pochen können, zurück zu kommen. Das Gebiet ist nunmal unter der Kontrolle von anderen Leuten, es existiert dort ein Staat. Die Realität hat sich geändert. Das nennt man Geschichte.
„Man muss annehmen, wenn jüdische Siedler ein Recht auf Rückkehr zu ihren ‘Ursprüngen’ haben, die sie nur aus dem BUCH ableiten, dann müssen Palästinenser tausend Mal mehr das Recht haben in ihre zeitlich viel näher liegende Heimat wieder zurückkehren zu dürfen. Oder? Gleiches Recht für alle. Ist aber nicht so. Warum regt sich niemand darüber auf?“
>>Die Tatsache, dass Sie darüber schreiben, dass dieser Blog existiert, und dass in den internationalen Medien keine Woche und manchmal kein Tag vergeht, ohne dass die internationale Gemeinschaft das vermaledeite Siedlungsthema anspricht, beweist hinreichend, dass sich darüber sehr viele „aufregen“ – mehr als genug. Das Recht von Juden auf das Land leitet sich nicht aus dem „BUCH“ ab, sondern ist ebenso begründet auf der Archäologie, auf der Geschichtsschreibung, auf der kontinuierlichen jüdischen Anwesenheit in diesem Land seit ca. 3000 Jahren – und, ja, auf „dem Buch“. Warum die Araber, von welchen eine große Zahl Anfang des 20.Jahrhunderts aus politischen und wirtschaftlichen Gründen in diesen Landstrich gezogen ist, Ihrer Meinung nach „tausend Mal mehr das Recht haben“, zurückzukehren, wird mir nicht ersichtlich. Nach Kriegen und Eroberungen gilt nicht das „gleiche Recht für alle“, insbesondere, wenn die Betroffenen und ihre Anführer diese Kriege angezettelt haben. Siehe oben. „Hunderttausende Palästinenser leben in Flüchtlingslagern in Palästina, Jordanien, Syrien und im Libanon. Wer aus Köln kommt und Jude ist, hat also mehr Rechte als ein Palästinenser, der vertrieben wurde oder geflohen ist und gerne in sein Haus zurückkehren möchte, in dem er seit Jahrhunderten zu Hause war. Chaya, bitte erkläre mir das.“
>>Nehmen wir die „Flüchtlinge“ in Jordanien, Syrien und Libanon. Entstanden durch die Kriege und Auseinandersetzungen von 1948 und 1967. Die Nachkommen wurden in den „Lagern“ geboren. Die Lager wurden nie aufgelöst, die Menschen in den Ländern von ihrer eigenen Gesellschaft (arabisch-muslimische Gesellschaft) nie integriert und nie rechtens behandelt. Weshalb? Weil man hoffte, bei jedem nächsten Krieg die Juden zu vertreiben, und dann wieder fröhlich zurückzukehren. Israel machte diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Die politischen Funktionäre hatten und haben weiterhin ein großes Interesse daran, die „Lager“ als solche am Leben zu halten, denn sie bekommen für diese Politik Unsummen von Geld. Flüchtlinge sind Geldquelle, also werden sie auch Generationen für Generationen als solche gehalten. „Flüchtlingslager“ in Judäa, Samaria und Gazastreifen können sich solche nicht nennen. Es sind ausgewachsene Städte, und die Bevölkerung ist dieselbe Bevölkerung wie in der Umgebung dieser „Lager“, und dass die Anführer der Palästinenser ihre eigenen Leute in Städten und Einrichtungen eingepfercht halten, diese nicht versorgen und sie dann unverschämt „Flüchtlingslager“ nennen – die eigene Bevölkerung in ihren eigenen verwalteten Gebieten – ist ihre eigene Schuld und hat nichts mit Israel zu tun.
>>Anstatt des britischen Mandatsgebiets und des Osmanischen Reiches steht heute auf dieser Stelle ein neuer Staat, Israel. Dieser hat bestimmte Rechte und Bedingungen, und eine davon ist, dass ein Jude und ein Nachfahre von Juden in diesen Staat kommen kann und leben kann. So sind die Gesetze, so ist die politische Realität on the ground, ob es gefällt oder nicht.
Thema: Militär, Gewalt
„Warum gefällt es Siedlern, palästinensische Bauern anzugreifen, ihre Olivenbäume zu vernichten, während die IDF nur darauf bedacht ist die Täter zu beschützen, nicht aber die Opfer (scheint ein beliebter Sport zu sein).“
>>Die Behauptung ist im Kern und in ihrer Darstellung unwahr. Der überwiegenden Mehrheit der jüdischen Bewohner von J&S „gefällt es nicht“, arabische Bauern anzugreifen, und sie tun es auch nicht. Wann immer solche Vorfälle der Armee gemeldet werden bzw. in den Nachrichten erscheinen, ist entweder von privaten Aktionen von einzelnen Jugendlichen die Rede, welche selten genug vorkommen und nicht von der Gemeinschaft unterstützt werden; oder aber es sind beidseitige Konflikte, bei welchen keine Seite der anderen schuldig bleibt. Die einen vernichten Olivenbäume, die anderen werfen Molotovcocktails und Steine. Da frage sich einer, was gefährlicher ist.
>>Auch die Anschuldigungen gegen die IDF sind unwahr. Die Soldaten der IDF und des Grenzschutzes befinden sich im permanenten Konflikt mit den radikalen Elementen der Siedlerbewegung; sie verhaften die Täter, sie gehen gewalttätigen Aktionen nach, und dort, wo sie im Konflikt sind, bekommen sie es auch zu spüren. Ich kann ihnen auf zahlreiche Fälle hinweisen, bei welchen sich Extremisten bei der Armee gegen das Vorgehen gegen die „eigenen Leute“ gerächt haben – mit Angriff auf Armeebesitz, Sachbeschädigung und tätlichen Auseinandersetzungen. Es werden bestimmte Leute auch aus den Gebieten verbannt, für einen festgelegten Zeitraum – auch das kommt vor. Vielleicht kommt es Ihnen aber vor, dass die IDF „nur die Täter schützt“, weil Sie die jüdischen Siedler als „Täter“ (wovon auch immer, wohl wegen ihrer bloßen Anwesenheit) betrachten, willentlich oder unbewusst aber ignorieren, wenn tagtäglich Übergriffe auf Juden seitens der palästinensischen Araber vorkommen: Steinewürfe, Molotowcocktails etc.
Thema: Zusammenleben
„Meiner Meinung nach ist das Geschichtskapitel 1948 noch nicht abgearbeitet. Wäre es nicht gut zusammen mit den Palästinensern die Zeit vor und nach 1948 zu erklären und aus zwei Narrativen eine zu machen, die auch Grundlage für Frieden und friedliche Kooxistenz ist?“
Fake oder wahr? Klick aufs Bild!
>> Ich hoffe, dass eines Tages eine bestimmte Form von Koexistenz möglich sein wird; selbstverständlich, wenn man der Annahme folgt, dass weder die einen, noch die anderen so schnell nicht verschwinden werden. Das Geschichtskapitel reicht in diesem Fall allerdings viel früher als 1948. 1948 war lediglich der Ausdruck eines langen Reifungsprozesses und vieler regionaler und globaler Entwicklungen. Narrative sind generell keine Grundlagen für friedliche Koexistenz; aus verschiedenen Geschichtsbetrachtungen eine zu machen, ist nicht möglich und nicht wünschenswert, da man damit das persönliche Empfinden zugunsten politischer Kompromisse unterdrückt. Grundlage für Koexistenz sind gemeinsame Übereinkünfte, und die innere Bereitschaft einer Gesellschaft. Noch sind wir leider an diesem Punkt angekommen, beidseitig nicht. Allerdings dürfen Sie nicht ausblenden, dass seitens der Israelis – sowohl innerhalb der Gesellschaft, als auch auf der politischen Ebene, sehr viele, auch recht fantastische, Zugeständnisse und Angebote an die politische Führung der Palästinenser gemacht worden sind und nicht akzeptiert wurden. Das zeigt nur, dass es auf der anderen Seite keinen Partner gab und gibt, und wohl so schnell nicht geben wird.
„Soll die Besetzung der West Bank und die militärische Kontrolle Gazas ein permanenter Zustand sein?“
>>Was ein Siedler dazu sagen würde? Hoffentlich nicht! Die militärische Verwaltung von Judäa und Samaria (es gibt keine „Besetzung der Westbank“, das Gebiet gehört rechtlich niemandem, wird also auch nicht seitens irgendwem besetzt, sondern wurde erobert und wird verwaltet) und ihr unklarer Status Quo sowie die ständige Überwachung des Gazastreifens (es gibt keine „militärische Kontrolle Gazas, die IDF ist dort vollends abgezogen in 2005 und kontrolliert die Grenzen mit Israel) sind ein ermüdender und fruchtloser Zustand. Es müssen Lösungen gefunden werden. Auch innerhalb der Siedlerbewegung sind sich durchaus nicht alle einig, ob die komplette Eingliederung von J&S die beste Lösung ist, bzw. eine Wiedereroberung des Gazastreifens oder dergleichen mehr.
(Zum Thema der kompletten Eingliederung des Gazastreifens empfehle ich den Beitrag über Caroline Glicks Buch „The One State Solution“, hier.)
„Deine Behauptung, Checkpoints diskriminieren nicht gegen Palästinenser, sondern schützen Leben ist so richtig, wie ein Dieb nach ausgeführter Tat um seine Sicherheit fürchten muss.“
>>Also sind deiner Meinung nach wehrlose Zivilisten, welche in Israel in Cafes, Kinos und Schulen sitzen, in Bussen fahren, Züge nutzen, einkaufen gehen – Diebe und Verbrecher, bei denen es nur verständlich ist, dass sie „um ihre Sicherheit fürchten müssen“, wenn sie Gefahr laufen, hochgesprengt, erstochen, niedergemetzelt etc. zu werden? Damit negierst du defacto das Existenzrecht Israels, denn du siehst die wehrlose zivile Bevölkerung, welche die Checkpoints vor dem Eindringen und den Übergriffen von Terroristen schützen sollen, pauschal als „Diebe“ (Landdiebe?), welche ihre gerechte Strafe und Reaktion bekommen sollen, und durch Checkpoints davor geschützt werden.
Dann ist natürlich alles klar. „Es ist sehr erfrischend dich anzuhören. Aber mit deinen Ansichten und Einsichten verstehe ich sehr gut, dass du mit dem Begriff ‘Frieden’ nichts anfangen kannst. Wer kolonisiert, den stören Begriffe wie Moral, friedliche Koexistenz, Frieden.“
>> Zum Ersten: Ich würde gerne wissen, was so erfrischend ist – aus reinem Interesse. Ich freue mich natürlich, etwas Neues zur Diskussion beigetragen zu haben. Das zum Einen.
>>Zum Zweiten: Fragen nach Moral, friedliche Koexistenz und Frieden dürfen Sie gerne an diejenigen wenden, die in ihrer öffentlichen Erklärung für den Tod von Juden kämpfen, die Juden mithilfe von Selbstmordattentätern bekämpfen, und die gegen sie beim Freitagsgebet hetzen. Nach einer gebührenden Antwort können wir dann im israelischen Kontext darüber weiterreden.
>>Und zum Dritten: Juden kolonisieren nicht in einem Gebiet namens Judäa. Kolonisiert ist, wer sich fremdes Land aneignet und die Urbevölkerung vertreibt, und eine fremde Macht auflegt. Juden in Judäa und im Land Israel – dessen Erwähnung in den drei Büchern vorkommt, welche für die Bevölkerung dieses Landstrichs eine zentrale Rolle spielen – sind nicht fremd. Sie leben in dem Land ihrer Vorfahren, und manche sogar schon in dem Land ihrer unmittelbaren Familienmitglieder. Die arabische Bevölkerung des Landstrichs zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer ist keine Urbevölkerung, sie wurde auch nicht gänzlich vertrieben und die Macht, die hier ausgeübt wird, ist nicht fremd, sondern erneuert, aber sie folgt nach einer langen Unterbrechung dem, was zuvor hier gewesen ist – vor den Briten, den Osmanen, den Mameluken, den Kreuzfahrern und den Eroberern Mohammeds, den Römern, den Griechen, den Persern, den Assyrern, den Ägyptern….habe ich wen vergessen? Ach ja, die Kna’aniter. Diese könnten als Einzige einige Einwände hier erheben – aber die existieren nicht mehr. So ein Pech aber auch!
Diese flotte ältere Dame mit leichtem amerikanischen Akzent hatte mich heute Nachmittag nicht nur auf der Kreuzung Richtung Judäa als Trampistin mitgenommen; nein, sie hatte dann ganz selbstverständlich, nachdem ich eingestiegen war, jüdisch-religiöse Party-Musik mit schwerem Beat (ja, so etwas gibt’s!) laut aufgedreht und war mit etwas mehr als 90 km/h, vergnügt im Takt aufs Armaturenbett trommelnd, über die Schnellstraße gedüst. Am Ende hatte sie mich auch bis vor die Haustür gefahren („Ich lasse dich doch nicht mit den Einkaufstüten heimwandern“).
An so etwas kann man sich gewöhnen 😉
…Eigentlich könnte es noch gar nicht genügend Zeit für einen Skandal gegeben haben. Dafür sind die Entscheidungen der israelischen Regierung zu nah aufeinander gefällt worden – am Morgen das Ja, am Nachmittag das Nein. Doch die Medien, die Nichtregierungsorganisationen und die sozialen Netzwerke sind heutzutage wohl in ihrer Schnelligkeit auf das Niveau von Spionageagenturen aufgestiegen, um darüber zu berichten, was der israelische Staat für neue Untaten betreibt. Wem es also in der letzten Woche an Berichten über die Terrorattacke an der Alon Shevut-Kreuzung und heute mittag an Berichten über die Terrorattacke in Jerusalem gemangelt hat (welche Terrorattacke?! Na dann, siehe hier), so wurde das schleunigst mit dem Bericht über die neuen „Apartheid“-Busse in Israel „kompensiert“.
Worum es geht? Das Verteidigungsministerium, angeführt von Moshe (Bugi) Ya’alon, hat in den letzten Tagen die Entscheidung gefällt, dass palästinensische Araber, die keine Staatsbürgerschaft Israels, wohl aber eine Arbeitserlaubnis besitzen, von nun an für eine Testphase von 3 Monaten A) nicht mehr durch verschiedene Grenzübergänge ins israelische Kernland hinein- und wieder heraus gelangen können, sondern nur noch über 4 bestimmte Übergänge, und dieselben Übergänge, durch welche sie zur Arbeit gefahren sind, auch für die Heimfahrt nutzen müssen; B) sollen diese Arbeiter, die keine Bleibeerlaubnis in Israel haben, nicht mehr mit israelischen Linienbussen aus Judäa&Samaria heraus ins Kernland fahren, sondern lokale Busse der PA-Behörde u.ä. nutzen.Das Ministerium für zivile Belange in Judäa und Samaria (COGAT) sollte diese Anweisungen seit gestern Abend und heute Morgen in Kraft setzen.
Der Grund für die Gesetzesänderung wurde offiziell als Sicherheitsnotwendigkeit im Kampf gegen illegales Eindringen von Palästinensern ins israelische Kernland ohne Überwachung, das erhöhte Potenzial von Terroranschlägen durch diese.
Nach der Veröffentlichung dieses neuen „Pilotprojektes“ heute Morgen explodierten die israelischen Medien, die Updates von reihenweise NGOs und natürlich die auf der Lauer liegende internationale Presse. Sie berichteten in Schlagzeilen über das „Busverbot für Palästinenser“ und zitierten die offiziellen Statements. Manche hatten keine Skrupel, anstatt die trockene Meldung weiterzuleiten, diese mit schmackhaften Adjektiven und Nomen zu schmücken, so „Siedlerbusse“ (Die Welt) und „Siedlerrat“ (Spiegel, Wiener Zeitung und andere) . Übersetzung ins Fachhochdeutsche = israelische Buslinien innerhalb Judäa und Samaria, israelische Regionalverwaltung von Judäa und Samaria. Mehr zu Siedler-Verkehrsmitteln findet ihr hier.
Nach den großen Schlagzeilen und der Torpedierung seitens der medialen und politischen Öffentlichkeit, wurde eine neue Meldung durchgegeben: Regierungschef Netanyahu lud den Verteidigungsminister vor und befahl, das Projekt einzufrieren und (vorerst) nicht ins Leben zu rufen.
Das Update wurde leicht verspätet, aber bei manchen Nachrichtenseiten dennoch durchgegeben.
Irgendwo zwischendrin wurde bei manchen Berichten der erneute Autoanschlag auf 2 Polizisten im A-Tur-Viertel in Jerusalem angeführt, bei dem die Polizisten verletzt und der arabische Täter getötet worden war. DIE WELT beschreibt das Attentat als
„tödlichen Zwischenfall, bei dem zwei israelische Polizisten vom Auto eines Palästinensers erfasst wurden. Der Fahrer aus Ost-Jerusalem sei mit seinem Wagen ausgeschert und in die beiden Grenzschützer gefahren, ein weiterer Polizist habe den mutmaßlichen Angreifer daraufhin erschossen, sagte eine Polizeisprecherin. Die beiden Polizisten seien leicht verletzt worden. Ein Cousin des 41-jährigen Fahrers äußerte sich bestürzt und die Vermutung, dass es sich um einen Unfall gehandelt haben müsse, wie auch Augenzeugen des Vorfalls im Stadtteil A-Tur gesagt hätten. Denn der fünffache Vater sei ein ruhiger Mann gewesen.“
Bei der Frankfurter Rundschau hieß es „möglicher Anschlag“, die Tagesschau befand eine Erwähnung des Vorfalls als nicht relevant.
Ich würde zu den Berichten meine persönliche Stellungnahme und einen Erklärungsansatz der Situation aus einer Sicht erklären, die mehr Einblick in den Alltag der jüdischen Bevölkerung an den Berührungspunkten mit der arabisch-palästinensischen Bevölkerung, aus der Sicht vieler jüdischer Israelis, vermitteln.
Es fallen dem aufmerksamen Beobachter mit etwas Hintergrundwissen nämlich einige Problemstellen in dieser Affäre auf.
Zunächst einmal passieren palästinensische Arbeiter aus den Gebieten unter PA-Kontrolle mit Arbeits-, aber ohne Bleibeerlaubnis auf dem Weg zu ihrer Arbeit täglich einen Grenzübergang, bei welchem ihre Papiere und das Tragen verbotener Gegenstände geprüft werden. Sie müssen laut Gesetz am selben Tag wieder heimfahren. Tun sie es nicht, halten sie sich illegal innerhalb israelischer Grenzen auf. Wird allerdings nicht kontrolliert, wer hinein- und wieder hinausgeht, kann es leicht vorkommen, dass derjenige in Israel trotz des Gesetzes bleibt, übernachtet, am nächsten Tag arbeitet, oder aber, wenn das Visum ausläuft, gesetzeswidrig innerhalb der Grenzen bleibt.
Das palästinensische Transportnetz existiert , vor allem in Judäa, aber es ist zeitlich mangelhaft aufgebaut und es existiert selbstverständlich nicht im israelischen Kernland.
Das bedeutet, dass sofern der Arbeitgeber (der palästinensische Mittelsmann oder der israelische Auftraggeber) seinen Angestellten keinen angemessenen Transport bereitstellt, der sie um die Uhrzeit X am Übergang oder am Haus abholt und um die Uhrzeit Y wieder zurückbringt, haben diese Menschen keine Wahl, außer nach dem Übergang entweder per Anhalter zu fahren, oder eben in israelischen Linienbussen, die von den Orten hinter zu den Orten vor der 67-Linie fahren.
Nur in Jerusalem gibt es innerpalästinensische Busse, die zwischen Ostjerusalem und Bet Lehem und südlicher pendeln. In diesen fahren keine Juden, wohl aber israelische Araber und Palästinenser.
Wenn die Arbeiter also nach dem Grenzübergang weiter nach Israel gelangen müssen, nehmen sie die regulären israelischen Busse. Darauf befinden sich alle möglichen Leute: Israelis, Touristen, Juden und Nichtjuden, solche aus dem Kernland und solche aus den Siedlungen.
Seit der Aufhebung des Verbotes für Palästinenser ohne Bleibeerlaubnis, mit diesen Bussen zu fahren (es gab ein solches!), gab es hinreichend Beschwerden seitens Israelis, welche sich ängstigten, in einem Bus voller palästinensische Araber aus allen möglichen Dörfern zu fahren. Es wurden an die Polizei Beschwerden über sexuelle Belästigung von Frauen und Mädchen in Wort und Tat uebermittelt. Ebenso stieg dadurch die Gefahr des Hineinschmuggelns von illegalen Arbeitern ins Land, die keine Bleibeerlaubnis haben und durch die Busfahrt sich ins Landeszentrum begeben und sich dort unkontrolliert beliebig weiter aufhalten könnten. Dies erhöht die Gefahr fuer Terroranschläge in Israel, wie in der Vergangenheit bewiesen worden ist: Zahlreiche Terroranschläge in Israel wurden von sich illegal im Land aufhaltenden Palästinensern verübt.
All das hat dazu geführt, dass man jetzt ein neues Pilotprojekt starten wollte, um die Berührung zwischen den beiden Bevölkerungen, die zurzeit nicht aufeinander abgestimmt sind, zu reduzieren, und ebenso die Zahl der illegalen Eindringlinge und dasTerrorpotenzial zu mindern.
Laut Berichten – was ich auch für durchaus logisch halte – hätte die neue Regelung den Arbeitsweg der Araber um ein Dopeltes, wenn nicht gar ein Dreifaches verlängert. Aufgrund der Kritik und vor allem von Vorwürfen, zusätzlichen „Hass der Welt“ auf sich zu schüren (wie DIE WELT es so schön formulierte: Es ist „wie kaum ein anderes geeignet ist, Assoziationen an Apartheidsgesetze zu wecken“) , wurde das Projekt fürs Erste fallengelassen.
Welche Alternativen für die Gemeinschaft der palästinensischen Arbeiter angeboten wurden, und ob sie es wurden, ist mir unklar.
Ich halte also fest.
Es gab/gibt bei der gegenwärtigen Situation mindestens zwei Probleme:
1. Das Problem der palästinensischen Arbeiter, welchen es an Verkehrsmitteln und angemessenen Arbeitsbedingungen mangelt, um den Arbeiteralltag zu meistern. Es gibt keine Abkommen über Transport und keine Wege, um die Ankunftszeit bei der Arbeit und bei der Heimfahrt zu verringern.
2. Das Problem der jüdischen Bevölkerung mit der Bedrohung durch das Hineinschmuggeln von illegalen und potenziell gefährlichen Personen in das Land; und das Treffen auf die arabische Bevölkerung der Dörfer der PA-Gebiete unvorbereitet, wobei die Angst und die Gefahr vor Terroranschlägen, Konflikten, Spannungen und Belästigung geschürt wird.
Die Frage ist dabei, wie erreicht man ein passables Gleichgewicht in dieser komplexen Angelegenheit, ohne die eine oder die andere Gruppe erheblich zu beeinträchtigen und die Sicherheit, aber auch die Menschenwürde aller zu wahren.