Hebron: FAQs und Antworten

Hier findet ihr kurze FAQs und Antworten rund um die Stadt Hevron – alles, was man wissen muss, um sich auch ohne die Faktensuppe der ARD zurechtfinden zu können.


Zur Liste: 

#FAQ 1 #FAQ 2 #FAQ 3 #FAQ 4 #FAQ 5 #FAQ 6 #FAQ 7 #FAQ 8

(Die Fragen und Antworten basieren auf diesem Blogeintrag über einen Bericht der ARD aus der Stadt Hevron in Judäa.)



FAQ 1) Welchen Status hat die Stadt Hevron?

Das arabische Hebron Hevron (ich plädiere für die korrekte Schreibweise des Namens mit v statt b) ist eine große Stadt. Es ist die größte Stadt der palästinensischen Autonomiebehörde, und beherbergt heutzutage im Rahmen der Kernstadt, ohne der sich an die Stadt angeschlossenen Peripherieortschaften, etwa 250.000 Einwohner. Mit den Kleinorten Halhul, Bani Kahil, Khirbat Zayta, Yatta, Awad und Dura,  welche sich heute geografisch und wirtschaftlich im Norden, Osten und Süden an die Stadt angeschlossen haben, hat der Großraum Hevron gar an die 700.000 Einwohner. Die Stadt liegt im Durchschnitt bei 930 Metern über dem Meeresspiegel. Die Verwaltung der Stadt unterliegt der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) und die Stadt hat einen Bürgermeister, eigene Polizeikräfte und eine sonstige unabhängige Infrastruktur.

Quellen dafür sind das Herzog-Institut Jerusalem (Ezri Rekanati), offizielle Landangaben, Landkarten.  


FAQ 2) Welche Wirtschaftszweige gibt es in Hevron und welche zentralen Gebäude?

Es befinden sich u.a. die polytechnische Universität, ein 12.000 Quadratmeter großer zentraler Gemüsemarkt, ein bedeutendes Shoppingcenter, zahlreiche Bürogebäude, eine vivide Verkehrsindustrie und weiteres mehr. Die Stadtverwaltung mit einem Bürgermeister und Angestellten sitzt in Hevron. Die Stadt zeichnet sich aus als ein Wirtschaftszentrum in Judäa. Hi-Tech-Industrie, Steinbrüche, Glas-, Möbel- und Bauunternehmen florieren und leben von Export der Herstellerwaren ins israelische Kernland, innerhalb der PA-Gebiete sowie nach Jordanien.

Quellen dafür sind das Herzog-Institut, Landkarten und die offizielle Seite der Stadtverwaltung Hevron auf Englisch.  
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FAQ 3) Was für Leistungen bietet die palästinensische Stadtverwaltung von Hevron ihren Bürgern?

Da ist einmal die Abteilung für IT, welche auch zusammen mit der geografischen Abteilung der Stadt arbeitet, Daten auswertet, Statistikaufstellung betreibt. Es gibt eine Umweltabteilung, natürlich etwaige administrative Abteilungen wie Finanzen und Umwelt, Landwirtschaft, Bau, Fahrzeugkontrolle, städtische Säuberung und Sanitätsanlagen und anderes mehr.

Quelle dafür ist die Seite der Stadtverwaltung Hevron. 
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FAQ 4) Wer herrscht in Hevron?

Teilung der Zonen in Hevron. Quelle: Ministry of Foreign Affairs, Israel
Teilung der Zonen in Hevron. Quelle: Ministry of Foreign Affairs, Israel

Nach offiziellen Angaben steht das Gebiet Hevrons (H1) unter der Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde.  Nur maximal ein Fünftel der Stadt, am Stadtrand, liegt in der Verwaltung der israelischen Armee (Zone H2), in welcher ein kleiner Teil der arabischen Bevölkerung Hevrons lebt oder arbeitet. Die vorherrschenden Familienclans in Hevron sind Ja’bri, Abu Snena und Kawasme. Diese haben ihren zentralen Einfluss auf die Gesellschaft in Hevron, die Wirtschaft und die Machtverhältnisse. Ebenso sind sie es, die die nachbarschaftlichen Beziehungen zur an Hevron gelegenen jüdischen Kleinstadt Kiryat Arba und der jüdischen Gemeinde unterhalten.

Quellen dafür sind die israelische Armee und das  Herzog-Institut in Jerusalem, Ezri Rekanati. 
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FAQ 5) Wo sind die Sehenswürdigkeiten Hevrons?

Hevron existiert archäologischen Erforschungen zufolge seit mindestens 4500 Jahren, zunächst längere Zeit als eine kna’anitische Stadt, anschließend als jüdische Stadt im Stammesbereich Jehuda  (Judäa), als Regierungssitz König Davids für 7 Jahre und als zentrale jüdische Stadt im Zuge der jüdischen Herrschaft über das Land Israel. Aus dieser Zeit stammt das antike Hügel Hevron, die 4500 Jahre alte Stadtmauer, sowie Ausgrabungen zentraler jüdischer Vorrichtungen auf dem antiken Hügel – Ritualbäder, Vorratshäuser, Gefäße etc.

Am Stadtrand befindet sich das eigentliche Herz der Stadt Hevron, die Grabstätte der Patriarchen Avraham, Yitzhak und Ya’kov – die Machpela-Höhle, in einem imposanten Gebäude aus herodianisch-osmanischer Zeit mit zwei Minaretten auf den Gebäudemauern und einer alten Kirche aus Kreuzfahrerzeiten auf dem Dach. Die Höhle ist seit über 4000 Jahren heilig für die Nachfahren Ya’kovs, die Hebräer/Juden und seit ca.dem 7-8.Jahrhundert der neuen Zeitrechnung auch heilig für die Muslime.

Auf dem Berg über der Machpela-Höhle, im Viertel Abu Snena und nahe dem antiken Ausgrabungshügel Hevrons, liegt der jüdischen Tradition zufolge das Grab des Vaters von König David, Yishai, und seiner Urgroßmutter Ruth.

Quellen dafür ist die nationale Behörde für Ausgrabungen in Israel, das 1.Buch Moses, das Buch Jehoschua, das Buch Samuel und Könige, und das Herzog-Institut Jerusalem. 
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FAQ 6) Was machen die Juden in Hevron und wo sind sie?

Die jüdische Gemeinde existiert seit der Landeroberung der Hebräer unter der Anführung von Jehoschua in biblischer Zeit, über die Periode der jüdischen Könige hinweg, durch das Frühmittelalter und Spätmittelalter, die  mamelukische und osmanische Zeit hindurch bis hin zur britischen Mandatszeit und dem Jahr 1929 kontinuierlich – über 3500 Jahre. Im Jahr 1929 wurde die jüdische Gemeinde nach einem Massaker durch die lokale arabisch-muslimische Bevölkerung ausgelöscht und die Überlebenden des Massakers vertrieben – ein Neuansiedlungsversuch wurde 1936 entgültig von den Briten vereitelt.

Im Sechs-Tage-Krieg wurde die Stadt von der israelischen Armee eingenommen und durch das Militär bis 1997 verwaltet. Nach einem Protest seitens jüdischer Aktivisten wurde schließlich in 1971 die jüdische Siedlung Kiryat Arba nahe der Stadt genehmigt. Heute leben in Kiryat Arba ca. 8000 jüdische Einwohner. Nach einem weiteren Protest gegen die Isolierung von Juden aus der Stadt und für die Wiederkehr von Juden nach Hevron in 1979 wurde 1980 von der damaligen israelischen Regierung die Wiederbesiedlung von Hevron durch Juden genehmigt, und 1980 entstand das erste jüdische Viertel in Hevron nach den Pogromen in 1929.

Hevron - jüdisches Viertel - die Sehenswürdigkeiten
Hevron – jüdisches Viertel – die Sehenswürdigkeiten

Das Viertel gliedert sich auf in 3 Teile: ‚Avraham Avinu‘ und ‚Bet Hadassa‘ liegen an der Hauptstraße (Shuhada-Straße/König David-Straße). Weiter oben, um das Grab von Yishai und Ruth liegt ‚Admot Yishai/Tel Rumeda‘.  Insgesamt leben in Hevron ca.800 Juden, hinzu kommen an die 150 Schüler der Talmudschule. Um sie herum liegen die äußeren Viertel des arabischen Hevrons – dort leben ca. 35.000 Araber; ebenso Halhul, Bani Kahil, Khirbat Zayta.

Quellen dafür sind die Jewish Virtual Library, das Bet Hadassah Museum Hevron, das Herzog-Institut Jerusalem. 
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FAQ 7) Wo sind die Berührungspunkte und Konflikte zwischen den Juden und den Arabern in Hebron?

Da der unter israelischer Verwaltung stehende Teil Hevrons nur 20% der gesamten Stadt ausmacht, und sich die Berührung zwischen der arabischen und der jüdischen Bevölkerung lediglich auf die drei jüdischen Blocks beschränkt, ist die Konfliktzone bezeichnenderweise klein, das Konfliktpotenzial allerdings groß. 80% der arabischen Stadt Hevron kommt nicht in Berührung mit den jüdischen Einwohnern, da diese in einem weit entfernten Teil der Stadt leben, mit einem Grenzübergang vom Rest der Stadt abgeschirmt sind und selbst diesen als israelische Staatsbürger nicht passieren dürfen. Allerdings leben im israelischen Kontrollbereich über 30.000 muslimische Araber, und teilen sich ebenso den Wohnbereich mit den Juden in den oben genannten Vierteln, kommen mit diesen daher tagtäglich in Berührung.

Die alten Häuser der Hevroner jüdischen Gemeinde, welche 1929 zertstört worden sind, befinden sich im alten Hevroner Zentrum – der Kasbah. Diese liegt offiziell im Kontrollbereich der israelischen Armee, allerdings hinter dem Grenzübergang, und darf außer bei Gruppenführungen mit Armeebegleitung  von Israelis nicht betreten werden – somit ist sie regulärer Teil der arabischen Stadt.

Die Hauptstraße Al-Shuhada, welche das arabische Hevron mit Hevron im israelischen Kontrollbereich verbindet, führt teilweise durch die jüdischen Viertel. Ebenso liegt dort ein ehemals benutzter Markt und eine ehemalige zentrale Bushaltestelle.

In der Ersten und Zweiten Intifada litt die jüdische Gemeinde in Hevron unter unaufhörlichen tödlichen Anschlägen gegen ihre Mitglieder seitens Terrorgruppen und einzelner Tätern aus der lokalen arabischen Bevölkerung. Insbesondere wurden Anschläge im Bereich des arabischen Markts in der Shuhada-Straße – der Verbindungsstraße der zwei Stadtteile und unmittelbar angrenzend an die jüdischen Viertel – ausgeführt, und die Täter und Planer der Terrorattacken genoßen die Deckung der arabischen Bevölkerung.

Im Jahr 2002 beschloß die israelische Armee, aufgrund der hohen Attentatszahlen und Opfer auf der jüdischen Seite, den Markt zu schließen. Die Händler protestierten und wurden von der israelischen Regierung finanziell entschädigt und ihre Läden in den von der PA regierten Teil der Stadt verlagert. Die Shuhada-Straße wurde für vermehrten palästinensischen Verkehr gesperrt – durch die Straße fahren Schulbusse, Touristenbusse, allerdings kaum Privatfahrzeuge, welche auf umliegende Straßen ausweichen müssen. 2005 bekräftigte der Oberste Gerichtshof Israels die Entscheidung der Armee.

In Hevron befindet sich neben Ramallah die größte Anlaufstelle von linksgerichteten Organisationen, finanziert und geleitet von propalästinensischen Aktivisten. Ihre Mitglieder patroullieren als Touristen gekleidet oder als Aktivisten erkennbar durch die Straßen der jüdischen Viertel und organisieren Demonstrationen vor dem Grenzübergang, belästigen Soldaten in ihren Stellungen und motivieren lokale Einwohner und Medienvertreter zu Auseinandersetzungen mit den Soldaten oder der jüdischen Bevölkerung. Die deutlich erkennbare Einmischung dieser Protagonisten in das Alltagsleben der gemischten Zone in Hevron führte in einem der Fälle dazu, dass die Vertreter der lokalen arabischen Bevölkerung eine angekündigte Demonstration linker Aktivisten zur Absage zwangen und ihre Organisatoren vertrieben, um Konflikte innerhalb der Bevölkerung zu vermeiden und nachbarschaftliche Konflikte nicht zu strapazieren (Quelle unbekannt).

Die herrschenden arabischen Clans der Stadt Hevron, allen voran die Vorsteher des Ja’abri-Clans, pflegen wirtschaftliche und logistische Zusammenarbeit mit den ansässigen Juden in Kiryat Arba und deren Regionalverwaltung. Diese Kooperation sowie die Bemühung seitens der Clanvorsteher, die arabische Bevölkerung von Konflikten fernzuhalten und ein ruhiges Nebeneinander zu praktizieren, führen dazu, dass das alltägliche Leben weniger von Zwischenfällen erschüttert wird und Konflikte om Voraus minimiert werden können.

Quellen hierfür sind die Jewish Virtual Library, das Herzog-Institut Jerusalem, die Zeitung Makor Rishon Nr.933. 
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FAQ 8) Was hat es mit Baruch Goldstein auf sich?

Baruch Koppel Goldstein war ein US-amerikanischer jüdischer Arzt, der 1982 nach Israel einwanderte, und während der Ersten Intifada 1987 bis 1990 als Arzt im Reservedienst der israelischen Armee diente. Goldstein lebte mit seiner Familie in Kiryat Arba und war ein Anhänger des Rabbiners Meir Kahane und Mitglied der rechtsnationalen Kach-Partei. Bis 1994 arbeitete er als Arzt in der Armee und auch im Privatleben und versuchte sich ebenso in der Politik als Teil der Kach-Partei, bis diese vom Wahlausschusskommittee der Knesset als illegal erklärt worden war.

Am 24.Februar 1994 betrat Goldstein bewaffnet die Machpela-Höhle, die bis dato noch für Juden und Muslime zur gleichen Zeit geöffnet war, und schoss auf die anwesenden muslimischen Beter. 29 seiner Opfer starben, weitere 115 wurden verletzt, Goldstein selbst wurde im Zuge der Tat von den Betenden umgebracht. Die Proteste nach der Tat breiteten sich schnell über Hevron aus und es kam zu zahlreichen gewaltvollen Ausschreitungen zwischen Palästinensern, der israelischen Armee und der jüdischen Gemeinde. Die Shuhada-Hauptstraße soll eine Zeit nach dem Attentat gesperrt worden sein, um weitere Auseinandersetzungen zu verhindern.

Baruch Goldstein selbst wurde in Kiryat Arba beigesetzt. Die Einstellung der Siedlerbewegung und der jüdischen Bevölkerung Judäas und Samarias zu Goldstein ist ambivalent.  In der Presse wurden nach dem Attentat schriftliche Auseinandersetzungen zwischen zwei führenden Rabbinern der Bewegung zu diesem Thema bekannt, von welchen beide komplett entgegengesetzte Positionen vertraten. Nach dem Massaker kamen Gerüchte auf, Goldstein wären die Absichten der Beter, einen Anschlag in der jüdischen Gemeinde zu verüben, bekannt geworden. Eine andere Version lautete, Goldstein habe zuvor im Zuge der Morde der Ersten Intifada zahlreiche Bekannte und Freunde verloren und hätte den Druck als Arzt und als Privatmensch im Angesicht der Situation nicht ausgehalten. Die meisten sind heute der Ansicht, die Tat Goldsteins sei ein Präzedenzfall und die Tat eines Verrückten, und distanzieren sich von seinem Handeln, jedoch ebenso von der Verteufelung der Siedlergesellschaft, welche auf die Bekanntmachung der Tat in den israelischen Medien folgte.

Quellen dafür sind das Herzog-Institut Jerusalem, Privatpersonen und der Wikipedia-Artikel (Hebräisch). 
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