Die ARD und ihre Lieblings-Geisterstadt

Es ist das Jahr ders Jubiläums der deutsch-israelischen Beziehungen. Aufgrund dieses erfreulichen Ereignisses wurden wir deutschsprachige Juden in den letzten Monaten mit einigen relativ sanftmütigen Beiträgen zum Thema Israel verwöhnt und durften uns ein wenig von dem sonstigen Stil der Berichterstattung der deutschen Mainstream-Medien ausruhen.

Die Schonzeit wird wohl mit dem folgenden Beitrag beendet sein. Gefilmt vom Tel Aviver Fernsehteam der ARD und moderiert von Korrespondent Markus Rosch ist das Video „Verlorene Kindheit zwischen Siedlern und Soldaten“, welches am 28.06.15 im Ersten im Rahmen des Programms „Weltspiegel“ ausgestrahlt worden ist.

Handlungsort ist Hevron, Spitzname – Geisterstadt. Hauptpersonen: der arabische Junge Jussuf al Rajabi, seine Mutter Sahar, die religiöse NGO-Aktivistin Leah Shakdiel, das ARD-Filmteam, Siedler Ofer Ohana, ‚Siedlerjugend‘, Soldaten. Dauer  – ca. 7 Minuten.  Thema: Unterdrückung der arabischen Mehrheit in Hebron.

Es sei vorausgeschickt: Verweise auf FAQs und Antworten zum Thema Hevron führen auf diese Seite – FAQs und Antworten zu Hevron – es lohnt sich, bei Anmerkungen darauf zu schauen! 


Arabisches Hevron.
Arabisches Hevron, links unten – Taxistände, Grenze des Verwaltungsbereiches der israelischen Armee.

Das Filmteam des ARD inklusive Markus Rosch gelangt im genannten Beitrag nach Hevron (arabisch: al Khalil). Für das ARD-Team ist Hevron – eine Stadt mit einer Viertelmillion Einwohner, die Vororte nicht mitgerechnet – eine „Geisterstadt“. Die „letzten Einwohner“, die hier laut dem mit bedeutungsvollen Stimme sprechendem Moderator am Betragsbeginn noch leben, sind fünf palästinensische Familien. Ansonsten ist „Hebron, die größte Stadt Westjordanlands – eine Geisterstadt“. Ungeachtet des Absurds im eigenen Terminus, wird das Image der „Geisterstadt“ vom Moderator im gesamten Beitrag aufrecht erhalten. In den ersten Filmshots des Beitrags sehen die Zuschauer Ruinen, zugerammelte Läden, Graffiti und verlassene Straßen. Ein Schelm, der dabei an etwas anderes denken könnte als an eine verarmte, erbärmliche palästinensische Kleinstadt!  – Wie etwa daran, dass Hevron seit Jahrzehnten das größte Wirtschafts- und Hi-Techzentrum der gesamten palästinensischen

Links oben - mit der silbernen Kuppel - das Shoppingcenter.
Links oben – mit der silbernen Kuppel – das Shoppingcenter.

Autonomiebehörde darstellt. Etwa daran, dass nur einige wenige Meter hinter einer Grenzabsperrung die Straßen voll sind mit Taxis, schönen Autos, Hupen summen in der Luft, Markengeschäfte haben geöffnet, Menschen laufen vergnügt durch saubere Straßen auf dem Weg zur Arbeit und zum Shopping im größten Shoppingcenter des Westjordanlandes. (Wer es nicht glaubt – siehe Hevron FAQ 1)

Das weiß der einfache Zuschauer aber nicht. Das zeigt auch Markus Rosch nicht, und ob er es weiß, bleibt nur zu erraten. Der Anblick im ARD-Beitrag ist trist und trostlos. Fragt sich, wer sind die Geister dieser verlassenen Stadt auf dem Bildschirm?

Das sind die Soldaten und die Siedler.  Sie sind überall. Sie joggen auf der Straße. „Es ist bedrohlich“, kommentiert Markus Rosch . Die israelische Armee hat laut der ARD in diesem Teil der Stadt die Kontrolle.

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Quelle: Jewish Virtual Library

Und das stimmt: Dieses spezielle Gebiet, und noch einige andere, stellen zusammen etwa 20% der eigentlichen Stadt dar, die unter die Regelung des H2-Gebiets seit 1997 unter israelischer Kontrolle fallen. In diesem Gebiet leben ca.9000 Juden. In der Kleinstadt Kiryat Arba, die an Hevron grenzt, sind es 8000, und im jüdischen Viertel Hevrons sind es ca. 1000.

In diesem Gebiet leben aber auch ca. 35.000 Palästinenser. Das Gebeit schließt das Industriegebiet Hevron mit ein, und eine beträchtliche weitere Anzahl von arabischen Vierteln. Laut dem Moderator in der ersten Minute des Videos ist es aber das „Sperrgebiet“, in dem sich Palästinenser „nicht aufhalten dürfen“.

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Palästinenser nahe der Shuhada-Straße. Aus dem Video.
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Eine palästinensische und eine israelische Flagge in Hevron. So nah leben Juden beieinander im Stadtgebiet H2.

Und das stimmt offenkundig nicht: In dem H2-Gebiet, dort, wo die Palästinenser leben, dürfen sie sich auch aufhalten. Allerdings ist das H2-Gebiet so ziemlich das einzige , wo sich auch Juden aufhalten dürfen (FAQ 6). Die H1-Zone – das ist der Rest von Hevron, 80% und gänzlich „judenrein“. Für jüdische Israelis betreten verboten.  Dieses Hevron steht komplett unter palästinensischer Verwaltung. Mit Stadtrat, Bürgermeister und allem drum und dran – inklusive einer sehr informativen Webseite auf Englisch, welche alle notwendige Information bietet für diejenigen unter den deutscher Korrespondenten, die über ihre Jahre hinweg im Nahen Osten noch immer kein Arabisch gelernt haben (FAQ 2, FAQ 3).

Wie schon oft, so ist es auch diesmal die Shuhada-Straße, die ins Visier der ARD-Korrespondenten gerät. Geschlossene Läden, Ruinen und mangelnde Stadthygiene sprechen von sich. Filmen lässt sich in dieser Straße prächtig. Laut der Moderation darf diese Straße „kein Palästinenser betreten“. Seit der Zweiten Intifada ist diese Straße die bekannteste „Apartheid-Straße“ im gesamten Westjordanland. Fragt sich, wie kommt es dazu?

Die Patriarchenhöhle. Synagoge und Moschee mit einer Kirche auf dem Dach.
Das Patriarchengrab. Synagoge und Moschee mit einer Kirche auf dem Dach.

Vor allem liegt es an der Berichterstattung. Lange Zeit war  die Shuhada-Straße, deren Nebenstraßen zum Grab der Patriarchen in Hevron führen, eine der Hauptstraßen in Hevron. Denn das Grab der Patriarchen, oder für Muslime die Ibrahimi-Moschee ist einer der heiligsten Plätze für die Juden, und seit dem 7.Jhdt n.d.Z. auch relevant für die Muslime geworden. Diese Stätte wurde im Laufe der Jahrhunderte hart umkämpft, und ohne sich auf die Geschichte näher einzulassen, haben Juden im Jahr 1967 erstmals seit ca. 1000 Jahren das Recht bekommen, diesen Ort ohne Einschränkungen zu betreten und darin zu beten. Daran war der Sechs-Tage-Krieg der Israelis schuld. Nach der Wiederherstellun der jüdischen Gemeinde um und in Hevron in 1970, nach ihrer Auslöschung im Jahr 1929, wurde diese Stätte für Juden wie für Muslime offengehalten. Lange Rede, kurzer Sinn. Es kam Ende der 80er zur Ersten Intifada. Anschläge, Attentate, Schüsse. Kein angenehmes Leben für Juden inmitten der Krawalle in Hevron. 1994 dann ein Schock für die Weltgemeinschaft – der Jude Baruch Goldstein (wer war das nochmal? FAQ 8) erschoss 29 Muslime in der Grabstätte. Ausschreitungen, Auseinandersetzungen folgten. Die Armee sperrte die Hauptstraße ab aus Sorge, die Juden in Hevron könnten aktive Ziele von Anschlägen werden.

Dann die Zweite Intifada. 2000 bis 2002. Ausschreitungen, Auseinandersetzungen, und Terror, Terror, Terror. Unproportionale Zahl von jüdischen Opfern auf sehr kleinem Raum. Der Terror ging von organisierten Gruppen, aber vor allem von Einzeltätern aus, welche sich erfolgreich in der zivilen Menge mischen konnten – vor allem auf dem sehr aktiven Markt in der Shuhada-Straße. (FAQ 7) Im Jahr 2002 beschloss die Armee, die Straße für privaten Autoverkehr zu sperren, nur noch Palästinenser mit Arbeitserlaubnis bzw. lokal Ansässige die Straße passieren zu lassen. 2005 bestätigte der Oberste Gerichtshof die Entscheidung. Der Markt wurde geschlossen, die entrüsteten Händler finanziell entschädigt und für sie neue Läden im größeren Teil Hevrons eröffnet. Neue Benutzung finden die Häuser nicht, jüdische Siedler dürfen dort nicht ansässig werden, die Häuser zerfallen.

Palästinenser leben weiterhin in der Shuhada-Straße und ihrer Umgebung, nur steht an einer ihrer Stelle ein Grenzübergang. Neben dem Grenzübergang steht ein Schild. Das verbietet israelischen Staatsbürgern, das Gebiet hinter dem Übergang zu betreten. Palästinensischen Passinhabern verbietet es das nicht. Und entgegen der Behauptung von Markus Rosch, einer ihrer Mitarbeiter hätte den „falschen Pass“ (im Clip wird ein israelischer Ausweis abgebildet), gelangen vor den Augen eines jeden aufmerksamen Besuchers am Grenzübergang zur Kasbah (so nennt sich das alte Zentrum Hevrons, Zone H1) Palästinenser hinein und hinaus. Paare spazieren die Shuhada-Straße entlang. Frauen sitzen hinter den Gitterfenstern der Häuser. Kinder laufen an einem vorbei oder sitzen hinter den Toren der Vorgärten. Eindeutig sind diese Palästinenser keine Inhaber eines israelischen Ausweises. Wohl aber haben sie eine Erlaubnis, in diesem Teil der Stadt zu leben und/oder zu arbeiten. Auf einigen Teilen der Straße verteilt, neben einer größeren Konzentration von jüdischen Anwohnern, stehen Soldaten. Diese fangen sowohl Anfeindungen arabischer Jugendlicher ab, als auch die der zahlreichen, in Pali-Tücher gewickelten linken Aktivist/-innen, welche vor ihrer Nase mit Kameras, Bannern, Flyern oder Touristengruppen herumlaufen.

Deutsche Journalisten filmen, aber möchten nicht gefilmt werden, vor allem nicht von "Siedlern". Aus dem Video
Deutsche Journalisten filmen, aber möchten nicht gefilmt werden, vor allem nicht von „Siedlern“. Aus dem Video

Auch Journalisten laufen dort herum. Viele von ihnen benutzen dasselbe Vokabular wie die ARD und machen genau dasselbe. Sie nennen jüdische Jugendliche die „Siedlerjugend“ (klingelt’s?), behaupten, die Araber dürften die Straße nicht betreten und filmen kleine arabische Jungen. Diese wissen genau, wem man zulächelt, und wie man einige Worte auf Englisch wechselt. Und sie wissen auch, dass ihre Kameras, welche ihnen von den Aktivisten zahlreicher europäischer NGOs ausgeteilt wurden, auf weitaus mehr Verständnis treffen werden, als die der „Siedlerjugend“.

Als das ARD-Team auf den kleinen Jussuf mit dem einen Arm trifft, werden die Szenen rührend, beinahe tragisch. Tragisch ist auch der Kommentar von Markus Rosch. Mit todernster Stimme berichtet dieser von der Gefahr „dort draußen“, wo er und das brave Kamerateam noch vor einigen Minuten von der „Siedlerjugend“ bedrängt worden sind, und nun, seufzt er auf, entspannt sich die Lage, denn „ein Bus mit Siedlern verlässt die Straße“. Der Zuschauer seufzt dankbar auf.

Jussuf und seine Mutter Sahar. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Aus dem Video.
Jussuf und seine Mutter Sahar. Viele Fragen bleiben unbeantwortet. Aus dem Video.

Viele Fragen kommen beim Bericht über den neunjährigen Jussuf auf, der seltsamerweise allein mit seiner Mutter (ohne Geschwister? Unüblich) in einem vierstöckigen Haus lebt (wem gehört das Haus?), kein Geld hat, um aus dem Haus wegzuziehen, wohl aber, um eine kleine Viehherde im dritten Stock zu halten (aus welchen Mitteln wird sie versorgt?), um das eigene Überleben zu sichern (wie genau?).

Natürlich ist auch für die folgenden Faktendarstellungen der kleine Jussuf eine viel verlässlichere Quelle als beispielsweise die palästinensische Stadtverwaltung, oder gar die israelische Armee. Die Freunde des Jungen dürfen ihn nicht besuchen – hat Jussuf keine Freunde in den arabischen Vierteln um die Shuhada-Straße herum? Kann er nicht als Kind einer Palästinenserin in das H1-Gebiet der PA? Und wo geht er genau zur Schule? Joggen darf das Kind folglich Markus Rosch ebenso nicht, das dürfen nur die Siedler. Warum eigentlich – was belegt diese felsenfeste Überzeugung des Korrespondenten?

Dann das mit dem Wasser. „Nur selten wird in dem Niemandsland zwischen jüdischen Siedlungen und militärischen Kontrollpunkten Wasser geliefert“, kommentiert ein wieder einmal todernster Markus Rosch. Wallah? Hören die palästinensischen Wasserleitungen an der Grenze zum „Niemandsland“, in welchem immerhin 35.000 Araber leben, etwa auf? Hat jemand mal gesehen, dass in Hevron 2015 noch immer „Wasserlieferer“ um die Straßen fahren  und Wasserrationen an Familien ausgeben, als seien sie Milchboten? Wo sind denn die Wasserrohre geblieben, die die gesamte Stadt versorgen? Haben die Juden auch aus dem armen Haus von Jussuf das Wasser gestohlen oder vergiftet? Die Idee wäre ja nicht neu.

Aber es gibt auch einen Trost: die guten Juden. Auch diese tauchen im Video auf, sonst wäre die Berichterstattung unerlaubt einseitig und man will ja beide Seiten darstellen. Da die Siedler um das ARD-Team herum sich einfach nicht interviewen lassen wollen (ein vorbeigehender älterer Mann, der etwas in Richtung Kamera murmelt, wird als „schreiender Siedler“ abgetan), sondern nur selber

Leah Shakdiel von "Machsom Watch". Ein Beweis für die ARD, dass es noch gute religiöse Juden gibt.
Leah Shakdiel von „Machsom Watch“. Ein Beweis für die ARD, dass es noch gute religiöse Juden gibt.

mit ihren Smartphones wedeln, schnappt sich Herr Rosch kurzerhand eine religiös wirkende linke Aktivistin namens Leah Shakdiel. Woher sie kommt – unklar. Was sie dort macht – ebenso unklar. Dass sie etwas zu sagen hat – natürlich, noch dazu vor internationaler Kamera: „Es gibt keinen Grund, warum ein Palästinenser, der hier lebt, kontrolliert werden soll.“ Offenbar hat sie nichts von der Zweiten Intifada gehört, oder vom Scharfschützen aus dem Viertel Abu Snena, der am 26.03.2001 die

Baby Shalhevet und ihre Eltern vor dem Attentat 2001. Quelle: calevbenyefune.blogspot.co.il
Baby Shalhevet und ihre Eltern vor dem Attentat 2001. Quelle: calevbenyefune.blogspot.co.il

zehn Monate alte Shalhevet Pass mit einem Kopfschuss ermordete. „Als religiöse Jüdin kann ich das nicht verstehen und nicht akzeptieren, dass die Siedler hier alles im Namen Gottes machen“, sagt Leah. Als religiöse Jüdin scheint sie nicht zu wissen, dass Juden in Hevron in Gottes Namen schon über 3000 Jahre lebten und weiterleben wollen. Und in wessen Namen morden die arabischen Scharfschützen?

Ein jüdischer Mensch abseits des Konzensus kommt einmal kurz zu Wort bei der ARD. In den Untertiteln ist auch er ein „Siedler“, unklar, was er macht, woher er kommt. Er bekommt brav einen Untertitel verpasst, mehr als 3 Sekunden darf er alledings nicht reden. „Wir sind die Herrscher!“, soll er behauptet haben. Nun, das Gebiet steht tatsächlich unter israelischer Verwaltung. In welchem Kontext sagt er das?

Das letzte Wort zu diesem so authentischen, lebensnahen und aufwühlenden Bericht der ARD über die Unterdrückung von einer Viertelmillion Arabern, Bewohnern einer reichen Wirtschaftsmetropole, durch auf 3 Straßen lebende Juden , gebührt meines Erachtens dem kleinen Jussuf al Rajabi.

Dieser berichtet dem Zuschauer über seine Gegend: „Das ist meine Shuhada-Straße, mein Viertel. Keiner aus Hebron darf diese Gegend betreten. Wenn jemand erwischt wird, wird er geschlagen oder landet im Gefängnis“.

Im "Sperrgebiet" dürfen keine Palästinenser sein, so ARD. Moscheen stehen dort aber dennoch und sehen noch gut aus.
Im „Sperrgebiet“ dürfen keine Palästinenser sein, so ARD. Moscheen stehen dort aber dennoch und sehen noch gut aus.

Wenn ein Neunjähriger die Realität mit solch einer Ernsthaftigkeit widerlegt, dann muss man ihm das einfach glauben, und für die Zuschauer des ARD-Fernsehens einfach stehenlassen. Und sollte jemand zufällig einen Palästinenser aus Hevron, einen der 250.000+, über die Shuhada-Straße laufen sehen, etwa weil er dort arbeitet oder wohnt, dann sollte man sich an den Bericht von Jussuf erinnern und der ARD zu Ehren die Augen verschließen. Wo würden wir schließlich hinkommen, wenn die Realität die Berichterstattung deutscher Staatsmedien so unverschämt und strafffrei widerlegen dürfte?
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NEWS: Verletzte bei Schuss-Attentat und mehr

Erneut schlechte Nachrichten aus unseren Gegenden. 4 Attentate innerhalb  von 5 Tagen. Hier die Zusammenfassung :

Shevut Rachel - Lokalisierung
Shevut Rachel – Lokalisierung

29.06.15, abends: 4 Verletzte, einer davon schwer, in einer Schussattacke auf israelische Autofahrer nahe der Siedlung Shvut Rachel in Südsamaria. Die Polizei und die Einsatzkräfte der Armee sind sich über das Attentats-Szenario im Unklaren, ob die Schüsse von einem vorbeifahrenden Auto abgefeuert worden sind oder ob ein geplanter Überfall stattgefunden hat. Die Einsatzkräfte fahnden nach den Tätern in den umliegenden arabischen Dörfern. Die verletzten Israelis, welche auf ihrem Heimweg von einem Basketballspiel gewesen sind, wurden in Krankenhäuser eingeliefert.

Stech-Attacke auf Soldatin, Übergang beim Rachel-Grab  nach Bet Lehem
Messerattacke auf Soldatin, Übergang beim Rachel-Grab nach Bet Lehem

29.06.15, morgens: Eine Palästinenserin stach bei dem Grenzübergang nahe des Rachel-Grabs/Bet Lehem einer 20-jährigen Soldatin mit einem Messer in den Hals. Die Soldatin wurde schwerverletzt und ins Krankenhaus eingeliefert; die Terroristin gefasst und in Gewahrsam genommen; bei der Durchsuchung fanden sich bei ihr weitere Messer.

26.06.15, abends: Schüsse wurden auf einen israelischen Krankenwagen nahe der Siedlung Bet El in Samaria abgefeuert. Niemand wurde verletzt, die Täter wurden bisher nicht gefunden.

Ort der Schüsse auf den Krankenwagen
Ort der Schüsse auf den Krankenwagen

26.06.15, morgens:  Ein Anschlagsversuch auf den Grenzübergang im Jordantal, 30km südlicher der Stadt Bet She’an, wurde vereitelt. Ein Palästinenser, welcher Feuer auf den Übergang eröffnete, wurde von einem Reservesoldaten getötet. Keiner der Soldaten wurde verletzt.

(Quelle: YNET, IDF)

Beton und Farben

Wenn wir schon beim vorherigen Eintrag beim Thema Jugend und Kinder gelandet sind, dann werden die folgenden Bilder wohl passend sein.
Wie ich schon erwähnt habe, leben im Gusch Etzion, eine Gegend mit ca. 22.000 Einwohnern, sowie in ganz Judäa sehr viele Kinder und Jugendliche – überdurchschnittlich viele innerhalb der jüdischen Bevölkerung, und erst recht innerhalb der arabischen.

Die jüdische Gesellschaft in den Siedlungen legt besonderen Wert auf Kindererziehung, auf Freizeitbeschäftigung, Bildung und vor allem Sozialisierung. Beinahe jeder der 19 Siedlungen im Ballungsraum Gusch Etzion (Ost und West) hat ein Jugendzentrum und mindestens eine Jugendgruppe für verschiedene Altersgruppen von Kindern und Jugendlichen. Nachmittagsaktivitäten innerhalb von Hobbygruppen sind populär wie Zeichnen, Gymnastik, Tanz, Ballett, und auch in Rahmen des Unterrichts werden viele Projekte veranstaltet, die die Kinder und Jugendlichen aus der Klasse in die Umgebung befördern – Wandern, Freiwilligenarbeit, Gestaltungsprojekte.

Nun habe ich bei einem meiner täglichen Gänge zur Arbeit einige Werke zweifellos junger Künstler entdeckt, dort, wo sie zweifellos eher weniger zu erwarten wären: Auf den Betonschutzwällen und Armeewachpunkten an der großen zentralen Verkehrskreuzung. Die Betonaden, wie sie bei uns heißen, stehen vor den Haltestellen und an der Kreuzung aus der bitteren Notwendigkeit heraus, die Wartenden vor Autoattentaten zu schützen, wie sie leider vor allem in der letzten Zeit die Fußgänger und Reisende betroffen haben. Die Armeewachpunkte dienen als Schutzstand für Soldaten für den Fall, dass sich ein größeres Attentat ereignet und es beispielsweise zu Schusswechsel kommt.

Diese Bilder, die ich weiter unten zeige, sind eine kleine Illustration dessen, wie man Leben auch in schweren Bedingungen lebenswert gestalten kann. Nicht nur der berühmte und berühmt gemachte britische Wandkünstler Banksy weiß, wie man Bilder auf die palästinensische Seite der Sicherheitsmauer in Bet Lehem malt – aber diese Bilder werden wohl kaum die internationale Presse erreichen.

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Soldaten-Wachpunkt. Dahinter: Haltestelle Richtung Hevron.

„Gusch Etzion – Haus Israels“, eins der Slogans der Regionalverwaltung.

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Soldatenwachpunkt. Dahinter - Haltestelle Richtung Hevron.

Ein Zitat aus dem Buch Jeshayahu/Jesaja, Kap.2 Vers 4, die Prophezeihung für die Menschheit in der Endzeit: „Und sie werden ihre Schwerter zu Spaten umschmieden und ihre Speere zu Baumscheren (und kein Volk wird gegen ein anderes in den Kampf ziehen und man wird keinen Krieg mehr lernen).“

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Soldatenwachpunkt, Haltestelle Richtung Jerusalem

„Lächel mal – alles ist zum Guten“, bekannter und beliebter Spruch in ganz Israel.

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Soldatenwachpunkt und Haltestelle Richtung Jerusalem

„Noch ist unsere Hoffnung nicht verloren.“ Zitat aus der israelischen Nationalhymne (geschrieben von Naftali Herz Imber).

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Betonschutzwälle.

Zitat des 22-jährigen Offiziers Uriel Peretz sel.A., welcher 1998 im Südlibanon bei einem Überfall von Terroristen getötet wurde. In seinem Notizblock im Offizierskurs schrieb er:
„Aus all den Dornen, die mir in den Körper eingedrungen sind, könnte man eine quadratmetergroße Rasenfläche anlegen, aber das sind nicht einfach nur Dornen. Das sind Dornen Israels. Wer in diesem Land lebt, muss auch seine Dornen mit Liebe annehmen können.“ Ein Teil dieser Notiz steht auf dem Betonwall.

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„Einigkeit“. Daneben – eine Israelkarte, wie man sie sich wünscht – ohne die Waffenstillstandsgrenzen von 1948.

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„Am Israel Chai“ – „Ich lebe, mein Vater lebt noch, das jüdische Volk lebt“, Paraphrasierung auf den Ausspruch von Josef, dem Sohn des Vorvaters Ja’akov. Daneben: „Unsere Herzen werden wie ein Herz weiterschlagen“.

Es gibt ein Sprichwort im Hebräischen, das heißt „Es gibt zwei Arten, eine Lage zu beschreiben. Einmal kann man sagen: Die Lage ist ernst, aber nicht hoffnungslos. Oder man kann sagen: Die Lage ist hoffnungslos, aber nicht ernst.“
Meine Hebräischlehrerin aus Köln, gebürtige Israelin, pflegte zu sagen: „Der erste Satz gilt für die Deutschen, und der zweite für die Israelis.“

Kindersegen und Kulturschock

Kinderreiche Familien. Etwas, was ich bisher nur in Israel kennengelernt habe. Ja, es gab bei uns in der lokalen Gemeinde in Köln einen Rabbiner mit ganzen 8 (dann 9, 10, 11, 12) Kindern. Aber dieser war dann auch der Einzige in der Umgebung, und niemand konnte sich an ihm messen. Er war und blieb ein Familienphänomen und fernab allem Gewöhnlichen. Für mich als Einzelkind eines alleinerziehenden Elternteils waren schon drei Geschwister eine bemerkenswerte Erscheinung, die es sich zu studieren lohnte. Das war in Deutschland.

Hier in Israel war und bleibt alles ganz anders – und noch immer etwas nicht ganz Nachvollziehbares für mich. Hier heißen kinderreiche Familien „kindergesegnet“, und ein berühmter Satz, ich weiß gar nicht mehr, aus welcher alten Fernsehserie er stammen soll, heißt „Kinder bedeuten Freude“. Meist nutzt man ihn hier zum Spaß, wenn der Nachwuchs mal wieder furchtbares Chaos veranstaltet oder lärmt oder sonstwie bemerkbar wird. Aber ob es dabei bleibt? Weit gefehlt. Kindergesegnete Familien sind hier eine gewohnte Erscheinung, und nein, nicht nur bei den „Ultraorthodoxen“, also dem Stereotypenbild des Durchschnittseuropäers von einem religiösen Juden – dem mit dem schwarzen Hut, langem Bart, Frack und Frau mit langem Rock und Babybauch hintendran.

In allem macht sich die Kinderliebe bemerkbar – in den Unmengen an Freizeitangeboten für Kinder, in den großen Familienpackungen im Supermarkt für praktisch alles, in der Beliebtheit von Vielzimmerwohnungen und großen Häusern mit Garten, in der seltenen Haltung von Haustieren (wer will Katze und Hund, wenn man schon 5 Kinder hat?)…

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Quelle: peopleil.org.il

Natürlich ist ein solcher Ort für alljährlichen Babyboom die Siedlungen. Hier lebt das nationalreligiöse Kontingent – sprich, gläubige Juden aller Farben und Ausrichtungen, die den Zionismus, den jüdischen Glauben und den Staat hochschätzen. Und auch Kinder schätzen sie sehr. Siedlungen sind Bastionen für Nachwuchs jeder Altersstufe, sie strotzen nur so vor Kindergärten, Schulen, Internaten, Freizeitangeboten, Jugendgruppen, Spielplätzen und anderem mehr. Junge Erwachsene, sofern nicht verheiratet, dürften bisweilen wohl von einem Leben in einer Siedlung irgendwo in den Bergen gelangweilt sein; für Eltern mit Kindern ist so ein Ort ideal. Kinder werden nicht geplant. Sie kommen, und wie und wann sie kommen, das entscheiden Gott und die Biologie, und wenn sie kommen, dann sind sie herzlich willkommen. Jeder bekommt irgendeinen originellen Namen verpasst – bei den nationalreligiösen Juden sind Namen mit viel Bedeutung, Neuschöpfungen und bis dato ungenutzte Namen aus den Heiligen Schriften sehr beliebt -, jeder wird getätschelt, geliebt, von Kleinkindalter bis zur Armee oder Heirat von allen Nachbarn gekannt und begutachtet. Kindererziehung in Siedlungen ist vielfältig, angereichert mit viel Zuwendung und Hingabe zu jedem Einzelnen, es gibt viele Angebote für diejenigen Sprosse, die sich nicht an das reguläre Erziehungssystem anpassen, Konzentrationsschwächen oder Übeschuss an Energie haben (und davon gibt es sehr, sehr viele!).

Aber dennoch ist die Herangehensweise standartisiert, und mächtig anders als die, die ich in meiner Kindheit erleben durfte. Und hier gibt es dann jedes Mal einen kleinen Kulturschock für mich, wenn ich von einem intensiven Austausch in einer solchen Familie irgendwo zurückkomme.

wpid-20150620_211827.jpgDieses Wochenende war ich bei meinem Studiumskollegen Me’ir in einem kleinen Ort namens Bet Haggai in Judäa, südlicher der Stadt Hevron. Er und seine Frau Adi haben, sollen sie bloß gesund sein, 9 Kinder, der letzte ist erst vor Kurzem geboren worden. Den ganzen Shabbat habe ich bei ihnen zugebracht, und natürlich waren alle Kinder um mich herum, und sie waren alles andere als ruhig, entspannt oder, nennen wir es, behutsam. Es gibt  Familien, da haben die Geschwister mehrere Jahre Altersunterschied. Es gibt auch Paare, die bevorzugen es, jung zu heiraten und Kinder im frühen Alter und schnell nacheinander auf die Welt kommen zu lassen – somit sparen sie sich die Mühe der Kindererziehung im späten Alter, und haben noch viel Energie übrig.

Wir kamen  auf Kindererziehung zu sprechen, wobei ich mir vorkam, als würde ich die arme Frau mit Fragen durchlöchern und von ihr Antworten erwarten, die ihr ganz selbstverständlich schienen. Ich konnte es aber einfach nicht lassen, für all das eine Erklärung zu verlangen, was mir neu und unerwartet schien. Wie gesagt, mein familiärer Hintergrund ist komplett anders, und in nichts vergleichbar. Wie könnte ich da nicht fragen?

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Foto: Yossi

Also erzählte mir Adi, wie sie zu den Namen der Kinder kamen: Jedes Kind habe seine spezielle Geschichte zum Namen, und obwohl es üblich ist, dass die Mutter den Namen entscheidet, sprachen die beiden sich gemeinsam ab.

Ob es gewollt gewesen war, dass die Kinder nicht mehr als anderthalb-zwei Jahre Altersunterschied untereinander hätten: Auf Kinder zu verzichten und das als Argument zu nutzen wäre eben das Einfachste, was viele tun würden, und sie würden auf etwas anderes verzichten – Luxus, Ruhe, Zeit – aber nicht auf Kinder.

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Foto: Chaya Tal.

Warum sie ihre älteren Töchter nicht mit Jungs spielen lassen würde: Sie seien schon groß, und da wäre die Interaktion mit Mädchen und Jungen schon anders. Was getrennte Schulen anginge, sie selbst sei in einer gemischten Schule großgeworden und könne sich selbst nicht Unterricht nur für Mädchen bzw.nur für Jungen vorstellen, aber ihre Kinder kämen damit gut zurecht, und Statistiken bewiesen auch besseres Lernklimat und Lernqualität in getrennten Schulen.

Ich konnte auch die Dynamik im Haushalt beobachten. Ich habe schon viele kinderreiche Familien besucht, und jedes Mal ist die Dynamik anders, und sehr interessant. Je näher du dich der Familie fühlst, desto genauer schaust du hin und merkst die Beziehungen zwischen den Geschwistern, zwischen den Kindern und den Eltern, ihre Aufnahmefähigkeiten, ihre Offenheit bzw. ihre Charakterentwicklung und so vieles mehr.

Man kriegt immer Fotoalben vorgesetzt („hier war ich klein! Hier war meine Bat Mitzwa!“), Kinder stapeln sich praktisch um dich herum – der eine will mit dir spielen, die andere führt dich im Haus und in der Umgebung herum, der dritte erzählt dir alles über seine Legospielzeuge, und du wunderst dich, wie die Eltern mit dem Geschrei zurechtkommen. Bis dann die Eltern kommen, und ebenso schreien, dass es ruhig werden sollte. Der Geräuschpegel sinkt um ein Geringes, und die Mutter seufzt, wie es wieder unmöglich ist, und man nichts hört, und nicht zur Ruhe kommt. Ich denke mir gerade noch – ja, wieso wolltest du denn dann 9 Kinder haben? Aber schon sehe ich sie lachen, irgendeinen Kleinen umarmen, sich mit den anderen zwei unterhalten, und zwischen diesem und jenem sagt sie – sie machen so viel Spaß, die Kleinen, sie sind ein Völkchen für sich, ich liebe es.

Und wohlbemerkt, das Ganze geht schon über ein Jahrzehnt so. Für mich unvorstellbar, für sie ganz normale Realität. In der Familie haben sie nicht nur Großeltern, sondern sogar Ur- und Ur-Ur-Großeltern! Das passiert, wenn man Generation für Generation mit 19 Jahren heiratet. Ich war so erstaunt, ich konnte es zunächst gar nicht glauben.

Die älteren Mädels werden dazu beordert, auf die Kleinen aufzupassen, wenn die Eltern schlafen. Damit es nicht langweilig wird, kommen diese eine ganze Horde Freundinnen besuchen, und alle sitzen gemeinsam im Mädchenzimmer und tratschen und spielen stundenlang. Die Kleinen haben Ausgehzeiten. Von wegen Dorfluft und freies Leben – auch hier will man nicht, dass die Kinder lange außer Haus bleiben, wohl mehr aus Prestige heraus als aus irgendeiner anderen Sorge.
Vor Shabbat-Eingang segnen die Eltern jedes ihrer Kinder, nach jedem Segen küsst das Kind die Hand der Eltern – das verschafft Respekt und Elternachtung.

Das Neugeborene ist natürlich das beliebteste Spielzeug aller, und fast jeder der älteren Geschwister weiß, wie man es hält, dass es nicht schreit, wie man es streichelt, wie man es wiegt, selbstverständlich auch der Vater. Babysache ist auch Männersache. Und wenn der fünfjährige Bruder den Dreijährigen abfragt, wie denn wohl die Tiere im Bilderbuch heißen, schweige ich voller Bewunderung und höre ihnen zu…

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Quelle: peopleil.org.il

Bei allen Feierlichkeiten sind die Kinder dabei, es wird begrüßt, dass sie in die Synagoge gehen (wobei  junge Mädchen das eher seltener tun). Gekleidet sind alle mehr oder weniger im selben Stil – bunte Kleider und Röcke, viele Stickmuster und Spitzen  und Blumen und darunter ellenbogenlange Shirts (manche auch nur schulterverdeckt) bei Mädchen, Sporthosen, Stoffhosen, Jeans und

Foto: Chaya Tal
Foto: Chaya Tal

T-Shirts oder Hemden  und Sportschuhe bei Jungs. Viele Farben, meist bunt durcheinander, öfter mal auch nicht zusammengehörende Kleidungsstücke wie Turnschuhe und Festkleider, weiße Hemden und Sandalen…Immer endlos viel Wäsche in und um die Waschmaschine herum, Spielzeuge und Kinderbücher in jeder Ecke, und man denke bloß nicht, dass jemand sich die Mühe macht, Schuhe daheim auszuziehen…

Und es gibt noch viele andere, minimale alltägliche Aspekte, die mich staunen lassen: über die Ausdauer der Eltern, die Ausdauer der Kinder, und der Glauben dahinter.

Als Mensch gänzlich ohne Erfahrung mit Großfamilien, kann ich mir nicht vorstellen, wie man sich bei solch eine Anzahl von Menschen im Haushalt jedem individuell widmen kann, für jeden Zeit und Verständnis finden kann, wie man die Persönlichkeiten zu beobachten und zu entwickeln schafft. Ich habe das Gefühl, als käme bei der Massenerziehung von Kindern der persönliche Bezug und die Vertiefung in die Welt der Kinder zu kurz. Aber die Zeit vergeht, aus den Kindern wachsen gesunde, selbstbewusste, sicher innerhalb

Quelle: Gush Etzion Tourist Association
Quelle: Gush Etzion Tourist Association

der Gesellschaft stehende, moralisch hohe, zufriedene und frohe junge Menschen heran, die nicht bis zum 30. oder 40.Lebensjahr auf Selbstsuche sind oder sich Drogen, Alkohol und sonstigen „Zeitvertreiben“ widmen, sondern ihrerseits früh heiraten, Familien gründen, diese liebevoll umsorgen und darunter noch Zeit fürs Lernen, fürs Arbeiten, für sozialen Aktivismus finden. Sie bauen Häuser, gehen wandern, dienen in der Armee, sorgen für Kinder und Gemeinde…. und der Kreis geht von vorne los.

Ich merke, ich habe noch  viel zu tun, wenn ich diese Gesellschaft tatsächlich in ihrem Inneren kennenlernen will. Sie ist mir lieb und teuer, aber noch immer etwas fremd.

NEWS: Toter und Verletzter beim Attentat an Wasserquelle

UPDATE 21.06.15:
Nach intensiver Suche, Straßensperren und Befragungen haben die Armeeeinsatzkräfte bisher den Täter nicht gefunden und konzentrieren sich von nun an mehr auf nachrichtendienstliche Ergebnisse und weniger auf Einsätze vor Ort.
Offizielle Quellen der Armee geben an, dass die Bewegungsfreiheit und Einreiseerleichterungen für die arabische Bevölkerung in Samaria im Zuge des Ramadans nicht vom Attentat beeinflusst werden. Man geht momentan von einem Einzeltäter aus.

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Dani Gonen sel.A.. Quelle: Natan Epstein

Dani Gonen aus der Stadt Lod, das Opfer des Attentats an der Wasserquelle, wurde heute abend in Lod beigesetzt. Seine Organe wurden zuvor von seiner Mutter gespendet, da Dani zu Lebzeiten einen solchen Spenderausweis besessen hatte. (Quelle: YNET)


Umsonst dachte ich, mit einem lebensfrohen Text über Feiern und Sommeranfang ins Wochenende gehen zu können. Schon hat uns wieder der Tod erreicht. Diesmal auf eine besonders hinterhältige Art und Weise:

Als zwei 25-Jährige, Dan Gonen und sein Freund, nach einem Freitagsausflug zu einer bekannten Wasserquelle nahe der Siedlung Dolev in Südsamaria (Binyamin) nach Hause fahren wollten, sahen sie einen arabischen Palästinenser, der ihnem Zeichen machte, anzuhalten. Als diese bei ihm anhielten, fragte er sie, ob es Wasser in der Quelle gäbe. Gerne gaben die jungen Maenner Auskunft – doch ihre Hilfsbereitschaft hatte einen Preis: Der Unbekannte schoß plötzlich aus einer Handwaffe aus nächster Nähe auf die beiden und flüchtete vom Tatort. Einer der Wanderer wurde leicht bis mittelmässig verletzt, Dan Gonen schwer. Beide wurden von den alarmierten Einsatzkräften evakuiert.
Der schwerverletzte Dan Gonen wurde bewusstlos eingeliefert und starb schließlich nach Wiederbelebungsversuchen im Tel Hashomer-Krankenhaus.

Nach den Angaben des zuständigen Offiziers weiß die Armee noch nicht, ob es eine Verbindung zwischen irgendeiner Terrororganisation und dem Täter gibt oder ob es ein Einzeltäter gewesen ist. Einsatzkräfte fahnden nach dem Terroristen in den umliegenden arabischen Dörfern.

(Quelle: YNET, IDF)

Was für eine furchtbare Nachricht für die Familie, Freunde und uns alle – ein grausames Ende nach einem unschuldigen Freizeitausflug und einer hilfsbereiten Geste!

#diesiedlerin #israel #arabterror

Auch Siedler feiern!

Der Frühling ist zu Ende, der Sommer kommt und mit ihm das gute Wetter, die Ferien (für wen sie gelten), die Freizeit und die gute Laune.

Natürlich sind die warmen Abende, der Sternenhimmel, die frische Luft und die Freunde ein Grund, sich öfter zusammenzusetzen, etwas gemeinsam zu unternehmen, und wenn man noch jung ist und sich jung schätzt, dann geht man auch mal feiern.

Und auch die „Siedler“ wissen, wie man feiert – und durchaus nicht nur Hochzeiten, Beschneidungen von neugeborenen Jungs und Bar Mitzwas. Nein, in Judäa und Samaria lebt eine beeindruckende Menge an jungen Leuten mit viel Energie und Lust am Leben, und die regionalen Verwaltungen, Klubs und Gemeindezentren haben seit einigen Jahren die Notwendigkeit erkannt, auch in der Heimumgebung Events zu veranstalten und nicht nur die Leute nach Jerusalem ausreisen zu lassen, um Spaß zu haben.

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Foto: Gush Etzion Tourist Association.

So gibt es seit etlichen Jahren Veranstaltungen in Gush Etzion, Judäa und auch in Samaria von ganz verschiedener Art und für alle Altersgruppen: Theaterstücke, Stand-Up-Comedy, Marathons und Sportwettbewerbe, Konzerte bekannter israelischer Künstler, Musikfestivals, Bierfestivals, Erntefestivals und mehr – und das im gesamten Gebiet von

Judäa (südlich von Jerusalem bis zum Yattir-Wald, inkl.Hevron und Bet Lehem)

Samaria (bis zum Tal von Bet She’an, inklusive Jenin) und

Südsamaria/Binyamin (nördlicher von Jerusalem bis Ariel, inkl.Ramallah und Jericho).

Wollt ihr Beispiele? Gerne! So gab es im letzten halben Jahr speziell für junge Leute:

  • Das 9.Rennmarathon in Karney Shomron, Samaria, in Gedenken an Capt.Benaya Rein, ebenso durch Mithilfe von „Real Timing“, am 05.12.2014.
  • Bierfestival und Party in einem der größten Vergnügungsparks von Judäa und Samaria, der „Farm ‚Das Land der Hirsche„, im Zuge des Purim-Festes, am 05.03.2015. Die Farm – mit Restaurant und Vergnügungspark inklusive Riesen-Omega quer durch das Bergtal veranstaltet regelmäßig beliebte Abendparties.
  • Das 4.Rennmarathon in Samaria in Gedenken an Gilad Zar, organisiert vom Gemeindezentrum Shomron und der Sportvereinigung „Real Timing“ (und gestützt durch das israelische Gesundheitsministerium und andere), am 20.03.2015.
  • Das erste Kirschenfestival in der Region des südlichen Hevron-Gebirges, in der Siedlung Ma’on und dem nahegelegenen Yatir-Wald, am 03.06.2015.
  • Die Europameisterschaft wurde fleißig von allen geschaut, entweder daheim, bei Freunden, in Restaurants oder auf öffentlichen Plätzen, so zum Beispiel am 06.06.2015 in der Siedlung Bet Arieh im südlichen Samaria/Binyamin.
  • Das alljährliche Kirschenfestival im Kibbutz Rosch Tzurim am 12.06.2015, für geringen Eintritt, mit Musik, Essen, vielen Attraktionen – und Hauptsache – Kirschen soviel man will, frisch vom Baum!
  • Konzerte lokaler und landesbekannter Künstler wie Rami Kleinstein im Gemeindezentrum Kiryat Arba-Hevron, und Pe’er Tassi in einem Open-Air-Konzert im Rahmen einer Straßen-Party in Ma’ale Adumim bei Jerusalem.

 

Und was erwartet uns im Sommer? Hier einige bunten Beispiele:

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Bierfestival in Teko’a
  • am 23.06.15 tritt eine der berühmtesten Sängerinnen Israels – RITA – im Country Club in Sha’arey Tikva, Westsamaria, im Rahmen eines Festivals für Frauen auf.

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    Rita kommt nach Sha’arey Tikva
  • am 02.07.15 ein Bierfestival in der Stadt Teko’a im Osten Gusch Etzions – mit lokalem und bekanntem Bier den Sommer eröffnen!
  • am 22.06.15 ein Riesen-Happening „Sommereröffnung“ für Jugendliche – Beduinenzelt,
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    Sommereröffnung für Teenies

    Flugsimulator, Graffiti-Wand, Henna-Tattoos, Karaoke, Süßes & Getränke + Acoustic-Konzert des Sängers Yishai Ribo aus seinem neuen Album – im „Land der Hirsche“. Ein ähnliches Festival findet auch in Karney Shomron, Westsamaria, statt.

  • Ensemble „Piyut“ mit nordafrikanisch-jüdischen Gesängen in neuer Auflage + Nir Abukasis, Kelterei „Amos“ in Teko’a, am 25.06.15
  • am 17.07.15 in der Kelterei /Restaurant/Eventhalle „Nahalat Binyamin“, südliches Samaria: Künstler- und Bauernmarkt mit künstlerischen Werken aus der Region.
  • am 22.08.15, ebenso in der Eventhalle „Nahalat Binyamin“ – Konzert der israelischen Band „ALMA“ .

Und dazwischen noch viele Wanderungen, Traktor-Fahrten, Führungen, lokale Sommerverkäufe, Musikabende und mehr.

Auf so einem schönen Fleck Land muss man schließlich wissen, wie man das Leben genießen soll!

INN: Erleichterungen für Palästinenser

Erleichterungen für Palästinenser

(Quelle: Israel National News/Channel 7, übersetzt und veröffentlicht auf Israelnetz.com, 15.06.2015)

JERUSALEM (inn) – Israelische Sicherheitskräfte haben massive Erleichterungen für Palästinenser im Westjordanland angeordnet. Sie hoffen, damit die derzeit relativ sichere Lage in dem Gebiet zu erhalten.

Die israelische und die palästinensische Zivilverwaltung sowie die Behörde COGAT, welche die Aktivitäten der israelischen Regierung in den Palästinensergebieten koordiniert, haben zahlreiche Maßnahmen beschlossen, um das Leben der Palästinenser zu erleichtern. So erhalten Besitzer von Steinbrüchen erstmals seit Jahren die Erlaubnis zu Sprengungen, was eine enorme Zeitersparnis beim Abbau bedeutet. Die Sprengungen werden ausschließlich von israelischen Unternehmen durchgeführt.

Großen palästinensischen Landwirtschaftsunternehmen wurde die Nutzung von Mehrzweckdüngern genehmigt. Die Folge sei eine erhöhte Produktion und die Einstellung von mehr Arbeitern, berichtet die Tageszeitung „Yediot Aharonot“. Die Dünger können auch zur Herstellung von Sprengsätzen benutzt werden und waren daher bislang verboten.

Zehntausende Palästinenser haben zudem die Erlaubnis erhalten, anlässlich des bevorstehenden Fastenmonats Ramadan zum Gebet nach Jerusalem zu reisen. Die Infrastruktur an den Grenzübergängen wurde dafür verbessert.

Ferner hat Israel mehrere bislang gesperrte Zugangsstraßen geöffnet, um Reisewege zu verkürzen. Des Weiteren wurden neun Baupläne zur Erweiterung palästinensischer Dörfer um Hebronbewilligt.

Vor einigen Wochen hatte Israel bereits palästinensischen Ärzten erlaubt, mit ihren Privatfahrzeugen zum Arbeiten nach Israel zu fahren. Die Maßnahme soll auf weitere Berufsgruppen ausgeweitet werden. Palästinenser über 55 Jahren dürfen mittlerweile ohne besondere Genehmigung nach Israel einreisen – betroffen sind mehr als 400.000 Menschen. Eine solche Maßnahme hat es seit den 1980er Jahren nicht gegeben. Das Mindestalter für verheiratete Palästinenser, um nach Israel einzureisen und dort nach Arbeit zu suchen, wurde von 24 auf 22 Jahre gesenkt. (dn)