An jenem verhängnisvollen Freitag, dem ersten Julitag, waren der junge Mann aus dem als Flüchtlingslager bekannten Al-Fawar nahe Hevron und seine Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort, um die überlebenden Mitglieder der Mark-Familie aus Otniel nach dem tödlichen Attentat aus dem zerschossenen Wagen zu zerren. Sein Name und seine herzerwärmende Erklärung zu seiner Tat bekamen ihren Platz in den israelischen Nachrichten und er wurde hochgelobt. Verständlich – er hatte der 15-jährigen Tehila, dem 13-jährigen Pedaya und ihrer Mutter Chava das Leben gerettet, und das, obwohl die Familie Mark als der größte Feind der palästinensischen Araber gilt: sie sind jüdische Siedler. Zum israelischen Channel 1 sagte er noch am Tatort,
Ich will nicht, dass mir jemand Danke sagt. Ich habe es aus menschlichen Gründen getan und für Gott.
Heute hat dieser junge Mann, Islam al-Bayd (Bid) heisst er, ein Problem: Seine Tat hat bei vielen seiner Mitbrüder sowie bei der von ihnen gewählten Regierungsvertretung – der palästinensischen Autonomiebehörde – Unmut erregt, und das gelinde ausgedrückt:
Islam wurde seine Arbeitsstelle, die er bei der PA innehatte, fristlos gekündigt. So vermeldeten es vor wenigen Wochen einige der israelischen Medien, darunter auch Ynet. Darüber ausgesagt haben sowohl der Vorstand der Bezirksverwaltung der Südhevronberge, Yochai
Bezirksvorstand der Region Suedhevron, Yochai Damari (links) und Islam al-Bayd. Quelle: Bezirksverwaltung S.H.
Damari, als auch die Justizministerin Ayelet Shaked. Auf Nachfrage einiger israelischer Reporter handelte es sich bei dem Entlassenen nicht um Dr.Ali Shuruch, dem dritten arabischen Helfer am Tatort, da dieser eine Privatklinik besitzt. Dieser verneinte es auch.
Auf die Veröffentlichung dieser Affäre hin reagierten viele mit Empörung und im Netz kamen Rufe auf, dass dem Helfer, der nun nun den Status eines Helden erhielt, von israelischer Seite zwingend geholfen werden sollte. Derselben Ansicht war auch die Bezirksverwaltung von Südhevron, die führenden Köpfe der Siedlung Otniel und die Ministerin Shaked. Yochai Damari wurde bei Ynet wie folgt zitiert, wobei die Nachrichtenseite auch angab, dass die Umstände der Entlassung nicht gänzlich geklärt seien:
„Darauffolgend (nach der Hilfeleistung, Anm.D.S.) wurde er von seiner Arbeit entlassen. Ich habe mich mit ihm getroffen und er bat mich, ihm dabei zu helfen, ein Arbeitsvisum (in Israel, Anm.D.S.) für ihn zu genehmigen. Ich habe mich in einem Brief an den Verteidigungsminister gewandt und ihn um Mithilfe bei der Erteilung eines Arbeitsvisums für beide (Islam und den Arzt, Anm.D.S.). Ich habe mich mit ihnen getroffen, ich kenne die allgemein bekannten Schwierigkeiten, aber ich bin überzeugt, dass es unsere Pflicht als jüdisches Volk ist, denjenigen Dank zu zollen, die sich wie Menschen verhalten und das, was von ihnen erwartet wird, auch tun.“ (Ynet 08.08.16)
Auch wurde in den Artikeln berichtet, dass Islam und seine Frau Drohungen aus ihrer persönlichen Umgebung bekommen hatten. Islam bat die Journalisten, sein Gesicht nicht öffentlich zu zeigen.
Zwei Dinge lassen sich aus diesem bedauernswerten Inzident, knapp formuliert, lernen: Die Siedler sind den fremden Freunden Freunde. Die palästinensische Autonomiebehörde ist sowohl den Fremden als auch den Eigenen Feind.
(Auf Deutsch wurde über dieses Thema nur bei Audiatur Online und Israel Heute berichtet: Audiatur OnlineIsrael Heute )
Diese Reaktionen hatte ich nicht voraussehen können, aber sie zeigen eine deutliche positive Wendung im Konflikt:
Nach dem „Netzsturm“, den der Beitrag der Tagesschau über die Wasserknappheit in der palästinensischen Stadt Salfit am 14.08.16 (Sonntag) hervorgerufen hat; nach der eiligen Stellungnahme, welche die Verantwortlichen des BR-Blogs in Tel Aviv im Namen der ARD/Tagesschau auf die empörten Feedbacks hin veröffentlicht haben; und nach dem (gerechtfertigten) Zerreissen (Die Siedlerin) dieser in den Weiten und Breiten der sozialen Netzwerke (Tagesschau-Facebook) und der Blogosphäre (Achse des Guten) schalteten sich auch mehrere Bundestagsabgeordnete in die Affäre ein und kommentierten den unsachlichen und fälschlichen Beitrag des ARD.
Warum zeigt man in der Tagesschau einen schlecht bis gar nicht recherchierten Bericht, zitiert dort mehr als zweifelhafte „Experten“ und erzählt echte Unwahrheiten? Ich protestiere energisch und mit aller Schärfe gegen diese, so einseitigen und unwahren Behauptungen in diesem unsäglichen Bericht und erwarte eine Richtigstellung! Dieser Bericht, liebe ARD ist ein Fall für den Rundfunkrat und eine Richtigstellung ist mehr als nötig! Großes Dislike!
Dieses Zitat, welches später von Schauspieler Gerd Buurmann in seinem Blogeintrag bei „Tapfer im Nirgendwo“ übernommen worden war, wurde in der Stellungnahme des ARD bestritten – lächerlicherweise haben die Autoren der Stellungnahme sich nicht die Mühe gemacht, die Kommentarspalte der eigenen Sendung zu durchzulesen und so die Authenzität der Rückmeldung der Abgeordneten zu überprüfen. Armutszeugnis, insbesondere angesichts der Tatsache, dass alle Kommentare als Benachrichtigungen bei den Webadministratoren auftauchen.
Aber dem nicht genug. MdB Dr.Thomas Feist (CDU) meldete sich anschließend zu Wort – ebenso auf Facebook, und schrieb:
MdB Dr.Feist und sein Kommentar. 16.08.16
Meine Kollegin Engelmeier hat recht – ein so einseitiger Bericht ist eben keiner, sondern kritiklose Übernahme von Propaganda. Leider ist die ARD in den letzten Jahren immer wieder mit solchen einseitigen Darstellungen in Erscheinung getreten. Man hätte ja auch mal Bilder aus dem neuen Hamas-Gaza-Imagefilm nehmen können: da wimmelt es nur so von Schwimmbädern und Fröhlichkeit in der Oase der Menschenfreunde….
Anschließend diskutierte er auch im Kommentarthread mit Nutzern, die ihm widersprachen und den Verweis auf Gerd Buurmann diskreditierten.
Und ein weiterer Abgeordneter – MdB Egon Jüttner (CDU)– ließ nicht lange auf sich warten und vermeldete in einem Kommentar auf die Reaktion von MdB Dr.Feist das Folgende:
Rückmeldung von MdB Jüttner. 16.08.16
Manche Sendungen der ARD sind für den Gebührenzahler eine Zumutung – auch die unnötigen Wiederholungen von Tagesschau und Tagesthemen. Hier muß endlich eingegriffen werden. Egon Jüttner MdB
Eine tatsächlich spannende Wendung. Verschiedene Online-Aktivisten verfolgen nun die Reaktionen des ARD, sollten solche darauf folgen; es ist nicht klar, ob eine Beschwerde eingereicht werden wird, aber man kann hoffen, dass die betreffenden Abgeordneten diese Sache nicht so einfach fallen lassen werden. Ich bin auf jeden Fall ermutigt von der Reaktion der Abgeordneten, die sich offenbar über die Thematik informieren und daran interessiert sind, für Israel einzustehen, wenn es der Verleumdung durch deutsche Medien ausgesetzt wird.
Auch die israelische Botschaft meldete sich zum Fall und veröffentlichte hier ihr offizielles Statement zum Bericht.
Feiertag oder doch nicht?
Noch ein weiterer pikanter Aspekt der hochwohlgepriesenen Stellungnahme des ARD-Tel Aviv-Studios ist etwas in den Wogen untergegangen – die Frage nach dem Datum des Zusammenschnitts dieser Reportage!
Weshalb ist es wichtig?
Weil in der Stellungnahme die Redakteure Markus Rosch und Susanne Glass darauf verwiesen, dass keine israelischen Statements in die Reportage eingebunden werden konnten, weil ein „hoher jüdischer Feiertag“ dem im Wege gestanden hat. Daher wurde (in einer Randerwähnung) nur ein Sprecher der Ortschaft Shiloh zitiert, der am 28.07.16 in der Reportage „Streit ums Wasser“ des Tel Aviv-Studios auftauchte.
Wortlaut ARD:
Was wir in diesem Zusammenhang aufrichtig bedauern – und künftig anders machen werden – ist, dass wir es versäumt haben, die israelische Seite durch einen eigenen O-Ton zu Wort kommen zu lassen. Grund dafür war, dass wir wegen eines hohen jüdischen Feiertages nicht in einer der angefragten Siedlungen drehen durften und uns auch die angefragten Experten abgesagt haben. Wir haben deshalb die israelische Seite aus dem Beitrag unserer ARD-Hörfunk-Studiokollegin zitiert. Die in der Woche zuvor zu diesem Thema mit Yisrael Medad, Sprecher der Siedlung Shilo und COGAT der israelischen Verwaltung für die besetzten Gebiete ein Gespräch geführt hat.
Leider haben beide Redakteure nicht angegeben, um welchen „hohen jüdischen Feiertag“ es sich da handeln sollte.
Welche Feiertage gab es genau in den letzten drei Wochen vor der Erscheinung der Kurzreportage von Markus Rosch?
Keine.
Wann erschien die Kurzreportage von Markus Rosch genau?
Am 12.08.16, einem Freitag, um 8 Uhr morgens. Zusammengeschnitten muss diese Reportage mindestens am Tag zuvor gewesen sein. Gefilmt dementsprechend ebenso zuvor.
Gab es sonst besondere Tage, die ein Statement einer israelischen Behörde oder eines Fachexperten verhindert hätten?
Ja und nein. Am 14.08, einem Sonntag, an dem der Wasserbericht von Markus Rosch auch in der Tagesschau selbst erschienen ist, war ein landesweiter Fastentag angesagt. Dieser Fastentag sollte aber, im Vergleich zu einem Samstag (Shabbat), keine israelische Behörde und keinen Fachexperten daran hindern, einem zentralen deutschen Fernsehsender eine Absage für ein Interview zu erteilen.
Hinzu sei bemerkt, dass das Reportagenmaterial für den Beitrag von Markus Rosch (wie gesagt, am Morgen des 12.08. veröffenticht) schon am 28.07., das heißt, etwa drei Wochen zuvor, verwendet worden war. Mit denselben Protagonisten: Familie Osman aus Salfit und Clemens Messerschmid.
Die Bürokratiemühlen in Israel mahlen lange, aber dass man innerhalb von drei Wochen keinen israelischen Experten für Markus Rosch auffinden konnte, und das aufgrund nichtexistenter jüdischer Feiertage – da stinkt doch etwas gewaltig. Zumindest die offizielle Stellungnahme.
Und zu guter Letzt
Eine neue, detaillierte und aufklärende Stellungnahme von Ulrich Sahm, veröffentlicht auf seiner Facebookseite. Wer sich eine zwar lange, aber dafür nachhaltige Beweisführung ansehen möchte, möge diesen Beitrag lesen:
Hier wurde die Stellungnahme des BR Studio/ ARD Tel Aviv-Blogs zum besagten Beitrag über Wasserknappheit in Salfit veröffentlicht, nachdem es, nach eigenen Angaben, zahlreiche Rückfragen und Kritik bezüglich des Beitrags erreicht hatten.
Zunächst einmal, die Tatsache, dass sich so eine enorme Zahl an Kritikern an die zuständige Stelle gewandt hatte, dass sich das BR Studiozu einer Stellungnahme gezwungen sah, ist beachtlich und nicht zu unterschätzen: Die öffentliche Meinung hat eben doch Wirkungskraft, wenn sie entschlossen und zielgerichtet und zur richtigen Zeit geäußert wird.
Andererseits sollte sich niemand erleichtert fühlen. Das BR Studio (namentlich die Israel-Korrespondenten Markus Rosch und Susanne Glass) ist nur auf wenige der Kritikpunkte eingegangen, um die herum man sachlich argumentieren könnte. So gibt es nur einen
Hier liegt Salfit. Karte
kleinen Verweis auf einen vorherigen Beitrag über den „Wasserstreit“ vom 28.07.16 mit einem „Siedlerstatement“ – von Israel Meydad, der Sprecher von Shilo. Auf der Seite des kleinen Verweises gibt es einen kleinen (im Vergleich zum Rest der Darstellung) Teil, der sich mit den israelischen Argumenten befasst – so beispielsweise dem unterentwickelten Wasserleitungsbau, der durch die palästinensische Autonomiebehörde vernachlässigt wird und es daher dauerhaft zu Rohrbrüchen kommt. Nirgendwo sonst – erst recht nicht in der offiziellen Stellungnahme selbst – kommt dieses Argument, was eine der Hauptursachen für die stetig gestörte Wasserversorgung der arabischen Ortschaften und Städte darstellt, vor. Niemand, der sich den zweiten, aufmerksamkeitsheischenden Videoclip anschaut, wird sich die Mühe machen, den Radiobeitrag anzuhören und auch noch bis zu der Minute zu warten, wenn die „Siedlerseite“ (O-Ton) zur Sprache kommt. Für den Zuschauer ist alles klar: Die Siedler rauben das Wasser.
Seltsam nur, dass es nicht die „Siedler“ sind, die das Wasser von den armen palästinensischen Counterparts anzapfen. Das Wasser gelangt nach Judäa und Samaria über die israelische „Mekorot“-
Das Logo der Mekorot-Firma. Man kann sie über den Link kontaktieren.
Firma. Die Wassermenge, die sich Israel verpflichtet hat, zu liefern, ist in den Oslo-Abkommen gegenüber Yassir Arafat und der palästinensischen Autonomiebehörde festgehalten. Die Leitungen, die das Wasser in die arabischen Ortschaften führen sollen, sind seit Jahrzehnten nicht saniert. Hinzu kommt, dass sie illegal von Privatpersonen angezapft werden; das angezapfte Wasser wird dann an andere verkauft, die unter der besagten Wasserknappheit leiden. Die palästinensische Autonomiebehörde hat Schulden in Millionenhöhe bei der israelischen Firma „Mekorot“. Der Wasserverbrauch seitens der palästinensischen Araber findet unkontrolliert statt, Wasserrechnungen werden in nicht wenigen Fällen nicht gezahlt und die Zahlungen von offiziellen Stellen nicht eingeholt – daher auch die Schulden bei den israelischen Behörden.
Was den „Luxusverbrauch“ der „Siedler“ für Swimmingpools und Agrarwirtschaft angeht – welcher in beiden Beiträgen erwähnt wird:
Einen Swimmingpool wie diesen findet man in Siedlungen zu 99% nicht. Wo befindet sich dieser? Überraschung: In Salfit! (Quelle: Wikicommons)
A. Die wenigsten Siedlungen besitzen ein öffentliches Bad. Die wenigsten der Einwohner dieser Siedlungen besitzen einen Swimmingpool, wenn man von aufblasbaren Gummibecken für Kinder im Garten absieht. Keine einzige Siedlung, ob nun kleines Dorf oder Großstadt wie Ariel, besitzt einen Wasserpark – im Unterschied zu einigen palästinensischen Städten, siehe unten.
B. Die landwirtschaftliche Nutzung von Wasser in jüdischen „Siedlungen“ ist weitaus geringer als die in den arabischen Ortschaften, gemessen an der Tatsache, dass vielen der Einwohner der arabischen Ortschaften Ländereien und Felder gehören (über welche die deutschen Medien immer gerne berichten) – und das in ganz Judäa und Samaria. Die arabische Gesellschaft in Judäa und Samaria basierte schon immer auf Landwirtschaft. Bei den Einwohnern der jüdischen Ortschaften ist dem nicht so der Fall; die wenigsten unter ihnen beschäftigen sich mit Landwirtschaft (solche wie der Weinanbau in Shiloh oder Psagot); Einzelpersonen besitzen in der Regel keine Ländereien, sondern arbeiten in anderen Wirtschaftszweigen.
C. Wenn man sich über Swimmingpools und Wasserverbrauch unterhalten will, so sollte man sich etwas mehr darüber informieren, wie es um die Schwimmbäder in den palästinensischen Autonomiegebieten bestellt ist. Es gibt „einschlägige Blogs“ wie „Elder of Ziyon“, die sich schon im Jahr 2013 mit dem Thema befasst haben und dabei helfen könnten, mehr Informationen einzutreiben; aber es gibt auch die einfache Suchfunktion auf Facebook, die einem neugierigen Internetsurfer das offenbart, was offenbar so schwer herauszufinden ist:
Auch in „Palästina“ gibt es Schwimmbäder!Davon ganze sechs in der Region um Nablus. Selbst mit geringen Arabischkenntnissen kann man bei diesem Link auf der Karte erkennen, wo sich die
Das Hayat-Bad in Nablus. Beneidenswert. (Quelle: Facebook)
Vergnügungsplantschbecken befinden, und sich die Facebookkommentare arabischer Nutzer per Google Translate übersetzen lassen. Dieses Schwimmbad hier liegt beispielsweise im „Nablus Hayat Resort“ und scheint regelrechte Begeisterung hervorzurufen (siehe Bild). Die Vergnügungsanlage im „Palestine Park“ in Nablus liefert noch bessere Aussichten – und verbraucht sicherlich sehr viel Wasser, wie es sich auf den Rechnungen der Autonomiebehörde gegenüber „Mekorot“ auch bestimmt regelmäßig zeigt. Dasselbe gilt für das Al-Shaghour-Schwimmbad in Nablus, das Schwimmbad Wadi al-Akhdar und den Al-Aqsa Olympic and Sports Complex in Jenin.
Eine ganze Liste von Schwimmbädern in den palästinensischen Autonomiegebieten, verteilt nach Städten, findet man bei WafaInfo, und wer des Arabischen mächtig ist und zumindest das Wort مسبح – Schwimmbad (Masbach) schreiben und lesen kann, wird die Angaben bestätigen: In Ramallah befinden sich 7 Schwimmbäder; in Hevron eins, in Jericho zwei, in Nablus sind 5 aufgeführt, in Jenin 2 und in Qalqiliya eins. Soviel zur Wasserknappheit und Wasserverbrauch.
Es ist aus meiner Sicht traurig, wenn die Oslo-Abkommen, die maroden Wasserleitungen und die Rechtslosigkeit und Gleichgültigkeit für die eigenen Bewohner seitens der palästinensischen Autonomiebehörde dazu führen, dass Menschen in Salfit oder andernorts (wie vor einigen Tagen, am Donnerstag, 11.08.in Betlehem) ohne Wasser in der Hitze auskommen müssen. Seit jeher haben die Menschen unter der Politik ihrer Regierungen leiden müssen.
Jedoch widersetze ich mich vehement den absichtlichen Versuchen von Medienredaktionen, in diesem Fall der ARD-Redaktion, ihre Berichterstattung gegen bestimmte Bevölkerungsgruppen zu wenden und diese für Dilemmas und Konflikte, die auf weitaus vielschichtiger Ebene ihren Ursprung haben, verantwortlich zu machen. Wie es bei der ARD üblich ist, sind es „die Siedler“ – diese anonymisierte, blut- und wassersaugende Bevölkerung, die sich in den Ländereien des nichtexistenten Staates Palästina herumtreibt und alles stiehlt, was nicht niet- und nagelfest ist. Wie es bei der ARD üblich ist, wird der Kontext nach Redaktionsansicht formuliert und dem Publikum serviert und von einer umfassenden Darstellung wird dringend Abstand genommen. Im Endeffekt läuft alles auf dieselbe Agenda heraus – die Unterstützung der Zweistaatenlösung und die offene Abneigung gegenüber allem und jedem, der diese etwaig „behindern“ könnte – selbst wenn es sich um die Renovierung alter Wasserleitungen zum Wohle der Bevölkerung handelt:
Doch neue Wasserleitungen sind im besetzten Westjordanland ein Politikum. Mit jeder Maßnahme, die die Siedler unterstützt, untergräbt die israelische Regierung eine mögliche Zweistaatenlösung, zu der sich der israelische Premier Netanjahu ja zumindest offiziell noch immer bekennt. (BR-Studio Tel Aviv, 28.07.16)
Es ist nicht neu. Es ist nicht überraschend. Aber es ist systematisch wahrheitsfälschend und daher habe ich diese Klarstellungen veröffentlicht.
Ich freue mich auf Rückmeldungen, Korrekturen, Vorschläge – nur zu.
Das BR Studio Tel Aviv (namentlich Markus Rosch und Susanne Glass,
In Salfit verdursten die Menschen regelmäßig. Und in der benachbarten Großstadt Nablus? (Quelle: Facebook)
die für den unteren Beitrag verantwortlich gewesen sind) hat eine Stellungnahme infolge der zahlreichen Kritik an ihrer Darstellung abgegeben. Über diese habe ich ausführlicher geschrieben, denn leider war auch diese unzureichend und wichtige Aspekte zum Verständnis des Sachverhaltes wurden dort nicht angeführt. Dies habe ich dann „für die ARD erledigt. ⇒ Lest hier nach!
Freunde haben mich auf eine erneute Farce des oeffentlich-rechtlichen deutschen Fernsehens – ARD/Tagescchau mal wieder – aufmerksam gemacht. Offenbar habe ich gestern, im Laufe des Fastentages, einen Beitrag ueber die durch Israel schwer verschuldete Wasserknappheit der arabischen Kleinstadt Salfit in Samaria verpasst. Ich habe mir natuerlich schleunigst den Beitrag angeschaut, der am 14.08.16 online gegangen ist und mehrfach ueber Twitter, Facebook und Fernsehen verbreitet wurde.
Der Beitrag, in seiner Knappheit und oberflaechlichen, unzureichenden Darstellung, ist wie des Oefteren ein enttaeuschendes Beispiel fuer die heruntergekommene Qualitaet der Berichterstattung des ARD/tagesschau. Ich kann mich daran entsinnen, dass es beispielsweise in selbst sehr negativ gefaerbten Beitraegen stets zwei Seiten zur Sprache kamen. Insbesondere, wenn es ein vielschichtiges Thema wie den Wasserverbrauch und die Abkommen zur Resourcennutzung zwischen der israelischen Regierung und der palaestinensischen Autonomiebehoerde betrifft. Im Beitrag allerdings findet die Vielschichtigkeit ein Ende. Dort dreht „Israel“ hoechstpersoenlich der Familie Osman den Hahn ab und ueberfuehrt offenbar das
Hier liegt Salfit. Karte
gesamte „palaestinensische Wasser“ an die Siedlung Shiloh. Wieso, weshalb, warum, und was haben die Israelis dazu zu sagen? Keine Zeit, der Beitrag muss knapp sein. Daher erfahren wir von der Waschmaschine der Familie Osman, der Abneigung des Hydro-Geologen Clemens Messerschmidt gegen „die Besatzung“, dem kleinen Maedchen, das nicht duschen kann und dem Plastikgeschirr, das aber nirgendwo im Bild auftaucht. Und es gibt zwei kurze Panoramabilder von Shiloh.
Da ich, zugegeben, nur allgemeine Fakten zu den Wasserabkommen zwischen der israelischen Regierung und der palaestinensischen Autonomiebehoerde kenne, lasse ich an dieser Stelle lieber einen Experten sprechen, der nach seinen 40 Jahren Journalistendienst und einem erheblich grossen Wissen und Verstaendnis des Nahen Ostens im Allgemeinen und der Israel/Palaestina-Thematik im Besonderen besser zu diesem Thema beitragen kann als ich. Im Nachfolgenden also der Artikel von Ulrich W.Sahm, entnommen aus der Plattform „Honestly Concerned“ (Sacha Stawski).
Palästinenser leiten unter Wassermangel und die Tagesschau unter Qualitätsmangel ihrer Berichterstattung. Screenshot aus dem Beitrag.
Die Tagesschau der ARD brachte am Sonntagabend um 20 Uhr ohne aktuellen Aufhänger einen Bericht von Markus Rosch über die „Wassernot“, unter der „viele Palästinenser“ leiden, wie Moderator Jan Hofer verkündete. „Die Ressource ist knapp und wird von den Israelis streng rationiert“, behauptet Hofer weiter. Das Wasser ist gewiss knapp, aber von einer „Rationierung“ kann keine Rede sein!
„Verschärfend komme hinzu, dass Palästinenser keine Baugenehmigungen für Brunnen erhielten, um sich selbst zu versorgen,“ setzt Hofer fort.
Selbstverständlich muss es Genehmigungen für das Bohren von Brunnen geben. Genauso ist es in Deutschland und anderswo. Da kann nicht jeder in seinem Hinterhof nach Gutdünken einen Brunnen bohren oder das Wasser aus dem Rhein, der Elbe oder der Spree abpumpen. Denn sonst würde sehr schnell das passieren, was im Gazastreifen kurz nach dem kompletten Abzug der Israelis 2005 geschehen ist. Sowie die „scharfe Kontrolle“ der Israelis weggefallen war, und die örtlichen Behörden der Palästinenser sich um nichts mehr kümmerten, haben die Menschen nur ein paar Meter tief in den Sand gebohrt, eine Pumpe angeschlossen und schon sprudelte kostenfrei das Wasser ins Haus. Ohnehin war man im Gazastreifen (und teilweise auch im Westjordanland) nicht „gewöhnt“, eine Wasser- (oder Strom-) Rechnung zu zahlen. Das Dumme war, dass der hohe Spiegel des Grundwassers in Gaza ganz schnell sank. Dann floss Salzwasser aus dem Mittelmeer nach. Heute ist 95% des Süßwassers im Gazastreifen ungenießbar. Das einzige Trinkwasser im Gazastreifen pumpt Israel dorthin. Eine „Selbstversorgung“, wie Hofer sagt, indem man Brunnen bohrt, muss in jedem Fall mit allen Beteiligten abgesprochen sein, weil man sonst ganz schnell das Grundwasser unwiederbringlich zerstört und dem Nachbarn das Wasser abgräbt.
Nun zur Reportage von Markus Rosch. Er berichtet über die Ortschaft Salfit, ohne mitzuteilen, wann er die Reportage gedreht hat.
Vor etwa 2 Wochen hat es (wegen schlechter Instandhaltung) einen Rohrbruch bei einer Hauptleitung gegeben. Einige Tage lang war tatsächlich in Salfit wie in Siedlungen, die alle über das gleiche Rohr versorgt wurden, das Wasser knapp.
Rosch erwähnt nicht, dass es sich hierbei um Wasser handelt, das von Israel in das Westjordanland gepumpt wird. Er sagt auch nicht, ob er seine Reportage ausgerechnet während dieses Rohrbruchs gedreht hat. Die emotionalen Darstellungen, des Mädchens, das sich nicht waschen könne, der Vater mit den Wasserflaschen oder die entnervte Schwester, die nicht einmal die Waschmaschine benutzen kann, bedürfen keines Kommentars. Angemerkt sei nur, dass die sich gewiss keine Waschmaschine angeschafft hätte, wenn die Wasserknappheit ein Dauerzustand wäre. Auch der feine tröpfelnde Wasserhahn wirkt nicht so, als würde der nur im Winter nach einem Regenfall benutzt werden.
Rosch schwenkt mit der Kamera in Richtung einer Siedlung und auf das Schild nach Schiloh. O-Ton: „Doch während Siedlungen wie Schiloh, das in der Nähe von Salfit liegt, viel Wasser bekommen, gehen palästinensische Dörfer oft leer aus.“ Anstatt in der Siedlung mal nachzufragen oder mit einem israelischen Hydrologen zu sprechen, bleibt es bei seiner Behauptung, ohne jegliche Nachweise.
Im Gegenteil. Rosch trifft sich mit den deutschen Hydrologen Clemens Messerschmidt.
Über Messerschmidt sei hier erst einmal erwähnt, dass er Empfänge der deutschen diplomatischen Vertretung in Ramallah grundsätzlich aus ideologischen Gründen boykottiert. Er scheint also nicht in deutschen Diensten zu stehen. Das verriet er im Dezember 2014, als es im ganzen Nahen Osten schwere Unwetter mit Schnee in den Bergen und Überschwemmungen in Tel Aviv gab. Selbstverständlich stand wegen der Regengüsse auch der Gazastreifen unter Wasser. Was behauptete damals der diplomierte Hydrologe aus Deutschland? Israel habe Staudämme geöffnet, die es allein gebaut habe, um im Winter den Gazastreifen zu überschwemmen – oder vielleicht besser ausgedrückt – wegzuschwemmen. Tatsache ist, dass es diese von Messerschmidt behaupteten „Staudämme“ gar nicht gibt. Sie waren reine Erfindung. Messerschmidt tritt übrigens auch im „Muslim-Markt“ auf, eine üble anti-israelische Plattform.
Messerschmidt hat sogar recht mit der Behauptung, dass das Bergland im Westjordanland ziemlich regenreich sei. Doch verschweigt er, dass der Regen die unterirdischen Grundwasser-Seen füllt und dass Wasser per Schwerkraft immer nach unten fließt. Anders ausgedrückt: Der Regen fällt im „palästinensischen“ Gebiet, fließt aber unterirdisch nach Westen in Richtung Israel und nach Osten in Richtung Jordan und Totes Meer. Aus Sicht Messerschmidts müssten die Israelis offenbar alles Wasser ihrer Quellen ins Westjordanland pumpen, weil der Regen dort gefallen ist und deshalb den Palästinensern gehöre. Auf Europa übertragen müssten alle Anwohner des Rheins ihre Wasserrechnung an die Schweiz entrichten, weil dort der Rhein entspringt.
Rosch verschweigt zudem, dass Israel heute etwa ein Drittel mehr Wasser in die palästinensischen Gebiete pumpt, als in den Osloer Verträgen festgelegt. Er verschweigt auch, dass etwa 40% des verfügbaren Wassers bei den Palästinensern wegen maroder Infrastruktur verloren geht. In Israel und in Europa sind 10% Wasserverlust „normal“.
Während in Israel etwa 90% das Abwassers geklärt und in separaten Rohren der Landwirtschaft zugeführt wird, haben die Palästinenser Lieferungen billigen geklärten Wassers für ihre Landwirtschaft abgelehnt mit dem Argument: „Eure Sch… wollen wir nicht“. So vergeuden palästinensische Bauern weiterhin kostbares Trinkwasser in traditionell verschwenderischer Weise für ihr Gemüse auf den Feldern.
Abschließend sei hier erwähnt, dass viele Palästinenser ihre Wasserrechnung nicht bezahlen. In der Folge hat sich ein Schuldenberg in Millionenhöhe für Strom und Wasser angehäuft. Rosch hat sich nicht die Mühe gemacht, die Familie Osman nach ihrer monatlichen Rechnung zu befragen. Dass Israel dennoch weiterhin Strom und Wasser liefert, liegt am internationalen Druck und an der Selbstverständlichkeit, dass Israel die Palästinenser weder verdursten noch im Finsteren sitzen lassen wollen.
Hier sei noch angemerkt, dass die „palästinensische“ Familie Osman einen Namen führt, der nicht sehr arabisch klingt, sondern eher „osmanisch“.
Die Situation an der Gush-Etzion-Kreuzung, meiner taeglichen Arbeitsroute, ist eine der schwierigsten der letzten Jahre.Im Folgenden ein Gespraech mit einem Offizier vor Ort, von heute morgen.
Seit der erschuetternden Entfuehrung der drei Jugendlichen von der Bushaltestelle bei Alon Shevut im Sommer 2014, welche einige wenige Kilometer von der Kreuzung selbst liegt; nach den toedlichen Rammattacken, u.a. auf Dalia Lemkos aus Teko’a und Hadar Buchris aus Zfat, nach dem Schussattentat auf Ezra Schwarz aus den USA und Yaakov Don aus Alon Shevut, dem Tod im Kreuzfeuer vom IDF-Offizier Eliav Gelman aus Karmey Tzur, mehrere versuchten und durchgefuehrten, aber nicht zum Tod gefuehrten Messerattacken auf Wartende und Soldaten an der Kreuzung – seit all diesen Ereignissen, speziell ab Oktober 2015 – wird diese Kreuzung, die als eine der Orte mit groesstmoeglichem Gefahrenpotenzial fuer Terrorismus gilt, durch Offiziere, Spezialeinheiten und regulaere Soldaten bewacht.
Im Laufe der Ereignisse wurden dieser Kreuzung, dem Bushaltestellen und dem Einkaufslaeden-Areal um sie herum, immer mehr sicherheitstechnische Schutzbarrieren hinzugefuegt, bis die Kreuzung angefangen hat, wie eine Militaerbasis auszusehen. Zwei Soldaten bewachen von morgens bis abends jede der 4 Haltestellen nach Norden, Osten, Westen und Sueden. Mittlerweile stehen bei uns zwei Aussichtstuerme, die jeweils nach Norden und Sueden blicken und nach verdaechtigen Personen Ausschau halten. Die Freiflaechenareale um die Haltestellen wurden mit einem provisorischen Zaun umgeben, damit dieser im Falle eines sich herannaehernden Terroristen diesen zu einem Umweg zwingen und den Soldaten genuegend Reaktionszeit verschaffen koenne. Betonkloetze wurden fuer die in praller Sonne stundenlang mit schussbereiten Waffen stehende Soldaten mit Ueberdachungen versehen. Auf der Einfahrt zum Rami Levy stehen Soldaten, die die Autofahrer ueberpruefen – nach einem Messerattentateines Hevroner Terroristen auf eine Frau am 28.10.15.
im Begriff zu sein, sich zu lockern. Auf meinem Arbeitsweg durch die arabischen Felder von meiner Containersiedlung aus werde ich fast taeglich von Soldaten angesprochen, die mich aus der Ferne ueber den Aussichtsturm und die Kameras erkennen. Heute morgen wurde ich zwar nicht abgefangen, aber an der Bushaltestelle angekommen, befragte mich ein streng und sehr „motiviert“ wirkender Offizier, woher ich eben heruntergekommen sei und teilte mir mit, dass jede aus den Feldern kommende und auf der Strasse zur Kreuzung gehende Person als verdaechtig eingestuft wird. Ich wollte daraufhin wissen, wie es um die Situation der arabischen Bewohner der umgebenden Doerfer oder ueberhaupt der palaestinensischen Araber hier bestellt sei. Wie sieht die Reaktion aus, wenn ein arabischer Fahrgast an der Kreuzung aussteigen muss oder sonstwie an die Kreuzung gelangen will?
„Sie muessen an der Kreuzung selbst herausgelassen werden. Das gilt dann automatisch als verdaechtig. Fuer sie gilt die Prozedur fuer die Ueberpruefung verdaechtiger Personen. Jeder gilt automatisch als verdaechtig. Wenn jemand zu Fuss kommt, ueberpruefen wir diesen auf Dokumente, Waffen, sagen ihm, er soll umdrehen (bez.weitergehen, ich habe die Antwort nicht genau verstanden, bitte nicht beim Wort nehmen!), nicht hier anhalten. Wenn jemand herueber muss, begleiten wir ihn persoenlich ueber die Kreuzung.“
Ich selbst war schon mehrmals Zeuge einer solcher Sicherheitsueberpruefungen gewesen. Arabische Fussgaenger, die zur Kreuzung kamen, wurden angehalten, befragt. Ein junger Mann wurde an einen Lampenpfahl gestellt und nach Waffen durchsucht. Ein anderer, den ich vor Kurzem beobachten konnte, diskutierte mit Papieren in der Hand mehrere Minuten lang aufgeregt mit den Soldaten, die ihn abgefangen hatten. Ich konnte leider nicht verstehen, worum es dabei ging, aber die Gesten verrieten es natuerlich – die Passiereinschraenkungen. Am Schluss wurde der Mann von zwei Soldaten auf die andere Strassenseite eskortiert.
Was sei mit den hier in den Geschaeften Arbeitenden, wie kaemen sie zur Arbeit? fragte ich.
„Sie haben besondere Erlaubnispapiere. Wir haben eine Liste der hier angestellten Arbeiter. „
Einige Meter weiter von der Stelle, wo der oben beschriebene Mann angehalten worden war, hinter dem provisorischen Zaun, befindet sich ein Kiosk mit einigen Gluecksspiel- und Wettautomaten und ist besonders zu Abendzeiten gut besucht – von lokalen arabischen Einwohnern. Der Kioskbetreiber ist ebenso Araber. Ich tauche dort immer auf, wenn ich schnell mein Telefon aufladen muss, sie kennen mich dort schon. Ich habe sie nicht gefragt, woher sie dorthin kaemen. Offenbar mit Autos, die auch davor geparkt werden. Fahrzeuge duerfen auf dieser Strasse fahren, werden nicht angehalten. Es koennten auch alles lokale Arbeiter sein, aber ich bezweifle, dass sie das alleinige Publikum ausmachen. Ich muesste tatsaechlich einmal nachfragen.
Die Situation ist seltsam – auf der Kreuzung werden Araber angehalten und ueberprueft, einige Meter weiter sitzen sie gemuetlich im Kiosk an Gluecksautomaten, rauchen, wetten und spielen Lotto…
Noch eine Frage habe ich an den Offizier: Wie kommen palaestinensische Bewohner zum Rami Levy-Supermarkt?
„Auch beim Supermarkt stehen Soldaten, die die Ankommenden ueberpruefen.“
Ich persoenlich weiss, dass zum Supermarkt generell nicht zu Fuss gegangen wird; die palaestinensisch-arabischen Kaeufer gelangen dorthin mit Fahrzeugen. Auch fuer die Restaurants im Einkaufsareal gibt es keine Einschraenkungen fuer arabische Interessierte – nicht fuer das Fleischrestaurant „ROZA“, nicht fuer das Cafe „English Cake“, nicht fuer den Pizzaladen hinter „Rami Levy“. Habe nachgefragt.
Nicht zu vergessen, auch die Landstrasse, die zu den westlichen Ortschaften – Alon Shevut, Kfar Etzion, Bat Ayin, Rosh Tzurim, Gevaot fuehrt – ist mit einem Soldatenposten versehen. Nach den letzten Angaben, die ich erfragt habe, duerfen nur palaestinensische Wagen hinein, von denen die Besitzer dort in der Gegend wohnen bzw. arbeiten. Eine Lektion aus dem Schussattentat auf den Stau neben Alon Shevut, bei dem zwei Israelis getoeten worden waren und ein offenbar nicht absichtlich getoeteter palaestinensischer Araber, „Kollateralschaden“ des Attentats sozusagen (ein schwerer Begriff, ich weiss. Ich frage mich, ob die Familie des Attentaeters sich bei den Verwandten des Ermordeten entschudigt hat oder ob dieser auch in die Statistik der „Maertyrer von Palaestina“ eingegangen ist).
Seit wann seien diese erschwerten Sicherheitsmassnahmen eingefuehrt worden, seit der letzten Terrorwelle?
„Ja“, bestaetigt der Offizier.
Mir wird es bitter zumute. So vieles ist im letzten Dreivierteljahr kaputtgegangen, so vieles erschwert worden. Die Araber leiden unter der Einschraenkung ihrer Bewegungsfreiheit. Die Juden fuerchten um ihr Leben. Der Lebensalltag ist absurd und durch und durch kontrolliert. Nicht viele koennen sich den Mut leisten, auf die Einschraenkungen zu pfeifen. Viele versuchen, ueber diese hinwegzusehen, so gut es geht, um dennoch die Vernunft und die Ruhe zu behalten. Manchen gelingt es, manchen nicht.
Mir kommt der Satz in den Sinn, der zur Zeit des Nationalsozialismus in Deutschland sehr populaer gewesen ist: „Die Juden sind selbst schuld an ihrem Unglueck.“
Ja, die israelischen Regierungen haben sehr viele Fehler gemacht. Zu viele gravierende Missstaende geschaffen. Die bedeutendsten Fehler waren die Nicht-Annektierung von Judaea und Samaria nach dem Sechstagekrieg 1967 und die Schaffung der Palaestinensischen Autonomiebehoerde und ihre Inkraftsetzung durch die Osloer Vertraege in 1994.
Aber wenn der beruechtigte Satz im Bezug auf die Juden auch nur irgendwo ein Fuenkchen Wahrheit in sich traegt, dann stimmt er, im Hinblick auf die letzten 100 Jahre, fuer die palaestinensischen Araber im vollen Umfang.
Dieses Transparent haben heute zwei Kinder mehrfach auf den Zäunen rund um die Gush Etzion-Kreuzung aufgehängt. Darauf steht „Nach Hause – wir kehren zurück nach Gush Katif“.
Für diejenigen, die es nicht wissen – Gush Katif war ein aus mehr als einer Dutzend Ortschaften bestehender Wohn- bzw.Siedlungsblock im Gazastreifen, welchen seit den 80er Jahren Israelis bewohnten und landwirtschaftlich entwickelten. Im Jahr 2005 wurden diese Ortschaften abgerissen und der Gazastreifen wurde komplett in palästinensische Hände übergeben. Seitdem dürfen keine Juden mehr im Gazastreifen leben. Die Entscheidung, aus eigenen Erwägungen heraus den Gazastreifen komplett zu verlassen und mehrere Tausende jüdischer Bewohner aus ihren Orten herauszuholen und diese niederzureissen , wurde von damaligen Premierminister Ariel Sharon gefällt. Heute übt die Terrororganisation HAMAS Gewaltherrschaft über die Bewohner des Gazastreifens aus.
Der Abzug bzw. „Die Vertreibung“, so wie sie von den Juden in Judäa und Samaria genannt wird, hinterließ eine noch immer nicht verheilte Wunde im Bewusstsein der nationalreligiösen Gemeinschaft.
Diesen Sommer (August) jährt sich das Ereignis zum 11.Mal.
Was ich zum Transparent zu sagen habe?
Ganz ehrlich, ich halte nicht viel von Wunschdenken, mag es noch so verlockend ideologisch klingen. Wir kommen momentan kaum mit der Situation in Judäa und Samaria zurecht, wie können wir da noch vom überbevölkerten, hermetisch abgeriegelten, judenfreien und von einem Terrorregime regierten Gazastreifen „träumen“? Aktive Weiterentwicklung von Judäa und Samaria und realpolitisch ausgerichtetes Bemühen um die Ausweitung der israelischen Souveränität über Judäa und Samaria wären hierbei mehr angebracht.
Jetzt würde ich gerne aber von einem weiteren Besuch erzählen, der allerdings von ganz anderen Leuten durchgeführt worden ist.
Erfahren habe ich darüber von einem guten Freund und Friedensaktivisten (ja, genau das, Friedensaktivisten!), sein Name ist Inon Dan Kehati, er lebt in Jerusalem und wie jeder gute Friedensaktivist hat er einen Traum. Den Traum von einem gemeinsamen „Haus“ für Israelis und Palästinenser, für Juden und
Inon Dan Kehati. Quelle: Facebook.
Araber, indem das gesamte Land – Judäa, Samaria, Golan, Gaza und der Rest – ein Heim für beide Völker bieten soll, wenn man die Tatsache akzeptiert, dass niemand von den beiden von hier zu gehen beabsichtigt. Inon nennt „Westjordanland“ Judäa und Samaria, geht gleichzeitig in Bethlehem ein und aus, hat rund um sich (und bis vor Kurzem mit seinem palästinensisch-amerikanischen Partner John Elias Dabis) arabische und jüdische Gleichgesinnte gescharrt, spricht sich für jüdische Anwesenheit in den „umstrittenen Gebieten“ aus und ist im Netz vor allem für seine Jerusalemer Aktion „Cleaning the Hate“ bekannt, bei welcher er gemeinsam mit Freiwilligen in und um Jerusalem Müll sammelt. Als eine Art gemeinsamer Aktivität mit positivem Resultat. Er will sich und sein Tun nicht mit politischen Parteien in Zusammenhang gesehen werden. Auf Facebook, wo er sehr aktiv ist, folgen ihm unter anderem auch viele arabischstämmige junge Leute.
Die Organisation, die er in 2015 gemeinsam mit John E.Dabis gegründet haben, nennt sich genau wie seine Vision „The Home/Habait/Albeyt“ (Das Haus) und basiert auf einer sogenannten „Acht-Schritte-Jerusalem-Resolution“. Ich vertrete seine Organisation nicht und werde das Ganze hier nicht allzu breitlegen, wer sich interessiert, kann hier nachlesen, worum es sich dabei handelt (auf Englisch).
Ich wollte aber von einem Besuch erzählen, gell?
Am 21.Juli besuchte eine kleine Gruppe palästinensischer Araber aus Bethlehem die Familie Mark aus Otni’el, deren Familienoberhaupt Michael (Michi) Mark am 01.07.16 auf der Autobahn 60 nach Otniel von Terroristen erschossen worden war. Das Treffen wurde von Inon D.Kehati über den „The Home“-Verein initiiert und organisiert. Im praktischen Sinne sah es so aus, dass Inon selbst nach Bethlehem reiste, die Besuchswilligen aus dem als
Einfahrt zum Aida-Camp in Bethlehem. (c) Inon D.Kehati
Flüchtlingslager bekannten Aida-Camp in Bethlehem abholte und sie gemeinsam sich auf die Reise nach Otni’el in den Südhevronbergen aufmachten. Dort warteten, wie zuvor abgemacht, die Kinder der Familie Mark auf sie. Shlomi und Shira, die älteren Geschwister der Familie, hatten es mit Inon koordiniert.
Bethlehem auf der Karte. Eine Stadt mit rund 30.000 Einwohnern (Quelle: offizielle Seite der Stadtverwaltung. Unklar, ob auch die Außenregionen wie Elkhadr und Beyt Sahur dazugehören).
Wie es bei einem Trauerbesuch üblich ist, saßen sie zusammen im Kreis, in demselben Wohnzimmer, wo auch die siebentägige Trauerperiode der Familie verbracht worden war, und unterhielten sich – die Kinder des Terroropfers Mark und die arabischen Besucher aus Bethlehem. Diesmal waren es nicht die an der Rettung der Familie beteiligten Araber wie Islam al-Bayd und Dr.Ali Shuruch,
Bei Familie Mark. (c) Inon D.Kehati
sondern Menschen aus einer scheinbar fremden Gesellschaft, die ihr Beileid direkt aussprechen und sich solidarisieren wollten.
In einem Gespräch sagte Inon mir, er hätte noch niemals zuvor ein so emotional bedeutendes und eindrucksvolles Gespräch erlebt. Auf Facebook fasste er es so zusammen:
„Es ist nicht einfach, die Energie des Gespräches, die in dem Familienwohnzimmer entstanden war, zu beschreiben, daher werde ich sie in drei Worten zusammenfassen: Respekt, Aufrichtigkeit und Transparenz.“
Michael Mark war in Otni’el bekannt dafür gewesen, dass er auch zu den arabischen Nachbarn aus den umgebenden Dörfern Kontakt pflegte und diesen sogar aushalf, wenn es nötig gewesen war. Dass
Bei Familie Mark. Im Bild: Shira Mark, ihr Mann und ein Besucher aus Bethlehem. (c) Inon D.Kehati
es gerade diesen Mann traf, der sich der Existenz anderer Menschen nicht verschloss und diese nicht delegitimierte oder hasste, bleibt eine bittere Ironie des Schicksals. Andererseits hatten schon in der Vergangenheit zahlreiche Tragödien die Bewohner von Otni’el befallen, und hinderten die Einwohner dennoch nicht daran, Kontakt mit der arabischen Bevölkerung aufzubauen und Verständnis für diese zu entwickeln, ob nun seitens Einzelpersonen, die darin aktiv gewesen waren (solche wie Dafna Me’ir) oder auch als Erziehungsauftrag in der Religionsschule für Jungen in Otni’el, deren Rabbiner und Schüler sich schon mehrfach mit Gruppen von arabischen Jugendlichen getroffen haben.
Auch sonst gibt es solche und andere Annäherungsversuche zwischen den beiden Bevölkerungsgruppen, die doch so ineinanderverwachsen sind auf diesem Stück Land. Die meisten davon werden nicht so gut dokumentiert wie der Besuch von Inon und seinen Freunden. Aber sie existieren, und nur jemand, der bereit ist, in diese Materie aufmerksam hineinzuhorchen und sich damit vorsichtig zu befassen, wird sie für sich entdecken. Es ist ein riskantes Feld für alle Beteiligten. Aber wenn manchmal doch etwas nach außen dringt, erweckt es Hoffnung.
Das Fazit des Besuches von Inon kann ich persönlich wortlos unterschreiben, besagt es doch das, worüber ich schon mehrfach selbst geschrieben und allzu oft gesprochen habe: (aus Inons Facebook-Post, übersetzt von mir)
Wenn diese Menschen, von beiden Seiten des Konflikts, sich hinsetzen und miteinander auf Augenhöhe, gleichgestellt, reden, ist die Energie, die dabei erzeugt wird, stärker, als Worte sie darstellen können, und das ist es genau, was im ‚Friedensprozess‘ fehlt: Die authentischen Stimmen derjenigen, die diesen Konflikt auf beiden Seiten leben, und vor allem die der Palästinenser, die im Westjordanland, und die der Juden, die in Judäa und Samaria leben.
Drei hauptsächliche Erkenntnisse aus diesem außergewöhnlichen Besuch:
Der Dialog zwischen Palästinensern und Israelis sollte auf diejenigen konzentriert sein, die in den jüdischen Gemeinden von Judäa und Samaria leben, und nicht auf diejenigen aus Tel Aviv, und das nicht einmal in drei Monaten, sondern wöchentlich. Leider ist es so, dass es auf beiden Seiten Menschen gibt, die bereit sind, diesen Weg zu gehen, aber es gibt keine Infrastruktur dafür, und daher bleiben wir beim Reden.
Diese Art von Gesprächen ist genau das, was dem Friedensprozess fehlt, aber sie werden von der „Friedensindustrie“ absichtlich ignoriert und sogar verbannt.
Beide Seiten sollten die Tatsache hinnehmen, dass nicht nur, dass keiner von beiden sein Heim verlassen wird, sondern dass das Schicksal uns beide aus einem besonderen Grund in dasselbe Land gebracht hat.
Unser Schicksal ist es, das gesamte Land zu teilen, ohne Grenzen, vom Fluss bis zum Meer. Das Resultat muss entwickelt, diskutiert und bestätigt werden – von dem palästinensischen und dem jüdischen Volk allein – nicht von der internationalen Gemeinschaft.
Shlomi Mark mit zwei Besuchern aus Bethlehem. Aus Personenschutzgründen wurden die Gesichter der Besucher unkenntlich gemacht. (c) Inon D.Kehati
Ma’ale Adumim, die große Stadt im Nordosten Jerusalems, am Rande der Judäischen Wüste, an der Autobahnstrecke von Jerusalem zum Toten Meer als Siedlung zu bezeichnen grenzt nahezu an Lächerlichkeit. 1975 gegründet, beherbergt die mit dem traditionellen Jerusalemer Stein verzierte Stadt um die 38.000 Einwohner aller gesellschaftlichen Schichten und religiöser Ausrichtungen. Sie umgeben die Judäischen Berge, hinter denen das
Quelle: INN
Tote Meer liegt, Hinter Ma’ale Adumim befindet sich das dazugehörige weitausholende Industriegebiet Mishor Adumim. Eine Schnellstraße verbindet zwischen der auch gerne als Vorort Jerusalems betrachteten Ortschaft und der Hauptstadt selbst, etwa 15-20 Minuten braucht ein Durchschnittsbürger, um ins Zentrum Jerusalems zu gelangen. Mit Stau können es mehr werden. Die Kleinstadt hat ein großes Einkaufszentrum, eine Bibliothek, Schulen, Kindergärten, medizinische Einrichtungen und Restaurants zu bieten. Die meisten ihrer Einwohner arbeiten in Jerusalem.
So gesehen könnte diese Beschreibung auf jede ganz normale Stadt in Israel passen. Eine solche wie Bet Shemesh, Petach Tikva und Modi’in. Aber was ist schon normal? Auf jeden Fall nicht die Tatsache, dass trotz der israelischen Staatsbürgerschaft der absoluten Mehrheit der Einwohner von Ma’ale Adumim, trotz der industriellen Bedeutung, der staatlichen Förderung und der Größe der Stadt diese gesetzlich mehr oder weniger genauso gehandhabt wird wie ein Häufchen Wohncontainer auf einem als Staatsland erklärtem Fleck Erde irgendwo auf einem Hügel in Samaria oder Judäa.
Vom gesetzlichen Status gesehen, ist Ma’ale Adumim eine Stadt , die in den militärisch von Israel verwalteten Gebieten sind, die noch immer als Niemandsland gelten bzw. die noch niemand offiziell annektiert oder sonst irgendwie für autonom erklärt hat (‚Siedlerstadt‘ wäre ein Begriff für die deutschen Medien!). Ma’ale
Quelle: Maveze.co.il
Adumim liegt in der C-Zone, die seit den Oslo-Abkommen 1994 als ein vom israelischen Militär verwaltetes Areal gilt. Nah zu Ma’ale Adumim liegt die Stadt („Flüchtlingslager“) A-Za’im und das Dorf Jahalin. Ma’ale Adumim ist somit eine Siedlung und verwaltet wird sie offiziell von der israelischen Militärverwaltung! Ein freilich unsäglicher Dauerstatus für Bürger einer Stadt, die nichts getan haben, um sich diese Militärverwaltung „verdient“ zu haben, außer Bürger eines Staates zu sein, dessen Regierungen sich seit 49 Jahren nicht darauf einigen können, wie sie mit dem im Verteidigungskrieg von Feinden erobertem Gebiet verfahren sollen. Während der Bau und der Ausbau von Ma’ale Adumim im Laufe der Zeit voranschritt, kümmerte sich niemand um den gesetzlichen Status der Stadt.
Hier liegt Ma’ale Adumim
Im Laufe der Jahre wuchs die Stadt, und die Forderungen nach einer offiziellen Eingliederung von Ma’ale Adumim in die israelischen Grenzen wurden lauter. Der Status Quo solle endlich verändert werden, die Grenzen erweitert, sodass größere Ansiedlungsblöcke Teil des Staates werden können. (Tatsächlich war die Idee des sog.“Landtausches“ von größeren jüdischen Siedlungsblöcken im Gegenzug mit größeren arabischen Siedlungsblöcken im Zuge der Erschaffung eines Staates Palästina).
Seit einigen Monaten kriegt man wieder etwas von den Diskussionen zu spüren, das heißt, das Thema Annexion/Eingliederung wird von Knessetabgeordneten wieder aufgerollt, die Medien berichten, wenn auch nur zaghaft. Aber die Bemühungen sind da und so versuchen Abgeordnete, Lobbyisten und andere, diese Angelegenheit voranzubringen. Ich habe darüber in diesem Beitrag (Good news, bad news) im Juni schon kurz berichtet.
Jetzt scheinen die Bemühungen intensiver zu werden, und auch angesichts der Terrorwelle neue Motivation zu wecken. Die „Land Israel“-Lobby der Knesset (geleitet von den Abgeordneten Yoav Kisch, Likud, und Betzalel Smotritch, Jüdisches Heim), welche die Idee der Annexion und Eingliederung von Judäa und Samaria in israelisches Staatsgebiet vorantreibt, legte den ersten Gesetzesentwurf zu Ma’ale Adumim dem Knessetsprecher Yuli (Yoel) Edelstein (Likud) vor, welcher „das Gesetz, die Gesetzesausführung und die Staatsverwaltung über Ma’ale Adumim walten lassen“ soll (INN, Ynet). Außer den Vorsitzenden der Lobby unterstützen andere Knessetabgeordnete, darunter auch Minister wie Zeev Elkin, Miri Regev und Ayelet Shaked, die Initiative. Mehrere weitere Abgeordnete aus der Koalition haben den Gesetzesentwurf unterschrieben.
Der Knessetsprecher Edelstein selbst äußerte sich bei der Sitzung der Lobby for einigen Tagen positiv über den Entwurf und wird ihn voraussichtlich problemlos dem Ministerausschuss für Gesetzesgebung weiterleiten. Edelstein nannte ein offizielles Ma’ale Adumim einen „Konzensus“. So wie die Dinge momentan bestellt sind, wird wohl auch im Ministerausschuss eine Mehrheit für die Unterstützung des Entwurfs sprechen. Sobald ihre Bestätigung erfolgt, gelangt der Entwurf in die Vorabstimmung. Dort wird sich dann entscheiden, ob er angenommen und zur Ausarbeitung in einen der ständigen Ausschüsse der Knesset gelangen oder aber für ein halbes Jahr verworfen wird. Auch in der letzten Knesset (der 19,) wurde der Entwurf diskutiert, aber ohne Erfolg, da die vorgezogenen Wahlen den Prozess stoppten.
(Quellen: Ynet, Makor Rishon, INN)
P.S. In der deutschen Presse kennt man Ma’ale Adumim übrigens über die Affäre um das E1-Gebiet. Das E1-Gebiet, welches im von Israel verwalteten C-Gebiet liegt, sollte ursprünglich für eine Erweiterung der Stadt dienen, erregte aber schnell internationales Interesse, wie es bei „Siedlungsaktivitäten“ oft so ist. Die internationale Gemeinschaft, allen voran die USA, bedauerten und beklagten den „fortschreitenden Siedlungsbau“. Allerdings gab es auch noch andere Aspekte des E1-Gebietes: So die illegalen Siedlungsaktivitäten der EU, der notorischen Hasserin jeder Wohnprojekte für Israelis in Judäa und Samaria. Damals – Februar 2015 – veröffentlichte die israelische Organisation REGAVIM für illegale Bodenbebauung in Israel und Judäa und Samaria einen Bericht, dem nach von der EU unberechtigt über 400 Bauten im C-Gebiet (so auch E1) errichtet worden wären.
„Bitte fotografiere nicht, wir bitten darum, es nicht zu tun“, wendet sich Orit Mark an mich, die 17-jährige Tochter von Michael (Michi) Mark aus Otni’el, der am Freitagnachmittag, dem 01.07.16, von Attentätern auf der Autobahn 60 erschossen worden war. Ich laufe rot an, nicke schnell und stecke mein Smartphone weg, das ich zuvor herausgeholt habe, um wenigstens ein Foto von den Trauernden für den Blog zu erhaschen. Ein Moment der Peinlichkeit. Die Augen der jungen und erwachsenen Besucher sind für einen kurzen Augenblick alle auf mich gerichtet. Aber Orit selbst wirkt nicht verstört. „Entschuldige, mach dir keine Sorgen. Du bist wunderbar!“, fügt sie hinzu und lächelt dabei ein angenehmes, strahlendes Lächeln und ihre Augen glänzen.
Orit Mark. Quelle: Öffentliche Aufnahme aus dem Facebook-Profil
Die Gestalt von Orit wird mich noch lange begleiten, auch wenn ich sie nur verschämt angeschaut habe und ganz am Ende meines Trauerbesuches, den ich auf Anregung eines Freundes am Donnerstagnachmittag, sechs Tage nach dem Mord an Michi Mark, sie nur kurz umarmen konnte. Obwohl ich es vorgezogen habe, im Hintergrund zu bleiben, ihr zuzuhören und selbst nichts zu sagen.
Michael und seine Frau Chava. Quelle: INN
Orit ist eine von zehn Kindern der Familie Mark aus der Ortschaft Otni’el in den Südhevronbergen. Sie kommt nach den Sommerferien in die 12.Klasse. Orit war es, die nach dem Mord an ihrem Vater ihre Geschwister vor der Kamera versammelte und die Öffentlichkeit darum bat, zu dem Begräbnis zu kommen: „Papa war nicht nur unser Vater, sondern ein Vater von ganz, ganz vielen Menschen“, sagte
Das Video der Waisen von Michael Mark. Quelle: INN
sie im Video. Auch war es sie, deren Grabrede am darauffolgenden Tag in den meisten Medien zitiert wurde. Orit ist es nun, die auf dem niedrigen Stuhl im Wohnzimmer der Familie sitzt, um sie herum junge Leute versammelt, Männer und Frauen, die ihr zuhören. Sie nimmt die Hände der Frauen und Mädchen in die Hand, die zu ihr hinkommen und sie umarmen, lächelt ihnen zu. Es ist der sechste Tag, am nächsten Tag wird die Familie von der traditionellen Trauerperiode, der Shivah (Sieben Tage) aufstehen, nicht mehr auf niedrigen Stühlen sitzen müssen, die Kleidung auswechseln können, sich selbst essen zubereiten können. Die Besucherflut wird abflauen, obwohl nicht vollkommen, denn die Menschen aus der Siedlung und aus den umgebenden Wohnorten werden weiterhin kommen und sie stärken.
Besucher im Haus der Familie Mark
Jetzt ist es aber Orit, welche die sie Umgebenden stärkt. Die Besucher sitzen um sie herum auf Plastikstühlen. Orit erzählt von ihrem Vater. Von dem Guten, was er im Leben getan hat, davon, wie er die Familie gestärkt hat, und dass er ein enormes Licht in sich trug. Immer wieder unterbricht sie sich, um einem anderen Besucher oder Besucherin zuzulächeln und anzusprechen, als würde sie Segen austeilen. Ihre Augen leuchten. Sie weint nicht mehr wie in den ersten Tagen. Ihr Lächeln strahlt jeden an, sie heißt jeden willkommen, sie ist dankbar. Der Blick weich. Jedem wendet sie sich persönlich zu, und hört nicht auf, zu ermutigen. Das offene, jugendliche Gesicht leuchtet. Es ist verrückt. Woher kommt dieses Licht?
Orit hat ein einfaches T-Shirt an, offenbar von einem ihrer älteren Brüder aus seiner Armeezeit. Ein knielanger, leichter schwarzer Rock, sie sitzt barfuß, die lockigen Haare offen. Alles muss so einfach wie möglich gehalten werden in der Trauerperiode. Im Haus und auf der Terrasse sind Tische aufgestellt, Tee, Kaffee, Früchte, Kuchen, für die Besucher, so besagt es die Tradition. Natürlich sind es nicht die Trauernden, die das Buffet aufstellen, sondern Freunde und Besucher. Den Trauernden ist es verboten, Essen vorzubereiten oder sich sonstwie zu beschäftigen, sie dürfen sogar nicht aufstehen, um sich Essen zu holen; das müssen ihnen die anderen bringen.
Es fällt schwer, die Atmosphäre zu beschreiben. Um Orit herum sitzen die Menschen und hören ihr konzentriert zu, die Gesichtsausdrücke zeigen Verständnis, aber kein Erbarmen. Sie zeigen Verbundenheit. „Gespräch ist Verbindung“, zitiert Orit ihren Vater, und wendet sich an alle, immer wieder:
„Verbreitet Gutes, lasst mehr Gutes an eurem Leben teilhaben, seid gute Menschen. Jeder von euch hier ist wunderbar. Gebt anderen Komplimente. viele Komplimente! Sagt zu jemandem, ‚du bist eine gute Seele‘, ‚du bist ein rechtschaffender Mensch‘! Wir haben viel Kraft, unglaublich viel Licht in uns!“
Wenn sie es sagt, und wenn man sie dabei anschaut, werden aus klischeehaften Sätzen Bitten und Vorsätze, die Orit uns vorlegen möchte. Um sie herum erzählen ihr die Besucher von ihrem Vater, gute Erinnerungen. Sie nickt. „Jede Tochter sagt sicherlich von ihrem Vater, ‚Mein Vater ist der Beste‘, auch ich habe es immer gesagt“, und sie lacht dabei ein wenig, „aber ich höre all das von anderen. Dass er ganz und gar gut gewesen ist, dass er etwas Besonderes gewesen ist.“ Mehr als sie selbst erzählen will, will sie andere stärken und ermutigen. Anderen Zuwendung, Licht in die Seele zu geben, von welchen sie möchte, dass andere es in sich entdecken und nutzen.
Ein weiterer Mann sitzt auf einem niedrigen Stuhl. Vielleicht ist es der Bruder. Neben ihm sehe ich einen alten Mann, in traditioneller muslimischer Kleidung. Ein Scheich, vielleicht, oder einfach ein altes Familienoberhaupt. Schon als wir angekommen sind, war im und vor dem Haus eine große Menschenmenge versammelt. Als ich fragte, was passiert war, erklärte man mir, die arabisch-palästinensische Familie, die nach dem Attentat den Verletzten Erste Hilfe erteilte und das Leben von Mutter Chava und Tochter Tehila gerettet hatte, sei zum Trauerbesuch gekommen.
Tatsächlich ging die Geschichte durch die Presse (wäre ich nicht auf sie bei dem Besuch gestoßen, hätte ich getrennt darüber berichtet): Direkt nach dem tödlichen Anschlag, als das Auto sich überschlug und alle drei Insassen verletzt drin eingeschlossen bzw. darum herum lagen, fuhr ein palästinensisches Auto vorbei, darin zwei Insassen – ein Ehemann und seine Frau aus al-Fawar (bekannt als Flüchtlingslager). Das Auto hielt an – so berichtete der Mann, Islam al-Bayd, der israelischen Presse; beide stiegen aus und begannen, die Eingeschlossenen aus
Das Auto der Familie Mark nach dem Attentat. Quelle: Hidabroot
dem Wagen zu zerren – die Tochter Tehilaת ebenso wie ihren Bruder Pedaya.
Tehila Mark bei der Beerdigung, daneben zwei ihrer Brüder. Quelle: Ynet
Die Frau, von Beruf Krankenschwester, begann, den Kindern Erste Hilfe zu leisten. Islam telefonierte mit den palästinensischen und israelischen Notfalldiensten. Da kamen ein Arzt, Dr. Abu Shuruch aus Dahariya bei Hevron, und sein Bruder hinzu. Dr.Abu Shuruch gelang es, Tehilas Blutung zu stoppen. Ebenso behandelten sie die Mutter Chavi, die schwerverletzt worden war. Vor Ort waren noch keine Krankenwagen angekommen, erst kurze Zeit später kamen ein Armeewagen und der israelische Notdienst an und der Arzt rief den Soldaten zu, sie sollen schnell den israelischen Notdienst rufen.
Islam Al-Bayd sprach mit dem israelischen Channel 1 am Tatort und sagte im Interview:
„Ich will nicht, dass mir jemand Danke sagt. Ich habe es aus menschlichen Gründen getan und für Gott.
Dr.Abu Shuruch. Quelle: Channel 1
Nun ist die Familie von Abu Shuruch zu Besuch gekommen; der alte Mann, den ich auf dem Plastikstuhl bemerkt habe, gehört ebenso dazu. Es ist verboten, Fotos zu machen, und außer dem Alten bekomme ich niemanden mehr zu Gesicht. Obwohl Dr.Abu Shuruch berichtet hat, dass auch seine Bekannten seiner Tat zugestimmt haben und er keine Angst vor Drohungen habe, da er seine Pflicht als Arzt getan habe, darf dennoch kein Material nach außen dringen, keine gemeinsamen Fotos entstehen etc. Hier in der Gegend ist es eine Frage von Leben und Tod.
Das Thema der arabischen Nachbarn ist nicht erst seit dem Attentat aufgekommen, sondern hatte die Familie schon länger begleitet. Michi Mark war in Otni’el für seine Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft gegenüber den Bewohnern der umgebenden arabischen Ortschaften bekannt. Offenbar erzog er auch seine Kinder in diesem Geiste; als bei der Beerdigung von Mark dazugekommene Jugendliche anfingen, laut „Rache“ zu rufen, wurden sie schnell leisegepfiffen. Das sei nicht der Weg, erklärte die Familie. Tehila, die auch beim Begräbnis dabei gewesen war, erzählte von der Rettung durch den arabischen Arzt, ihr Satz „es gibt auch gute Menschen, nicht alle Araber sind Terroristen“ wurde immer wieder in den Medien zitiert – das Terroropfer, das statt Hass Worte des Trostes findet. Die Menschenmenge vor dem Haus spricht leise über das Geschehene, über die Familie, will diese rechtschaffenen Menschen sehen, die es gewagt haben, einer jüdischen Familie Hilfe zu lassen, wenige Minuten nachdem andere Angehörige ihres Volkes versucht hatten, diese zu töten.
Das Haus der Familie Mark in Otni’el.
Der Platz vor dem Haus und weiter die Straße herunter, vor der atemberaubenden Aussicht auf die braunen Hügel des judäischen Bergmassivs ist voll mit Autos. Eine weitere Welle von Besuchern strömt herein. Alle möglichen Menschen kommen zur Familie Mark – religiös, säkular, aus allen Ecken des Landes, so schrieb man auch in der Presse, obwohl die nationalreligiösen Juden und Menschen aus der Siedlung den größten Teil ausmachen, Und dennoch – ein buntes Publikum.
„In unserer Familie gibt es alles, Säkulare, Religiöse, Ultraorthodoxe, und wir sind dennoch eine Familie, ein Volk“,
erklärt Orit, und wieder strahlt ihr Gesicht ehrliche Überzeugung aus.
Die Situation, die sich uns im Wohnzimmer bietet, ist absurd, aber charakteristisch hier in Israel: Bärtige Männer, Familienväter, junge Mädchen und ältere Frauen, sitzen und stehen im Kreis und lauschen konzentriert einer Siebzehnjährigen in einem ihr zu großen T-Shirt, schütteln ihr die Hände, neben das Gesagte mit sich, wollen es sich einprägen, damit es, wenn sie das Haus verlassen und in ihren nicht ruhigen, aber dennoch nicht dermaßen erschütterten Alltag zurückkehren. Es fällt mir schwer, sich vorzustellen, dass irgendwo anders so viel Zuwendung, Wichtigkeit und Ehre einem einfachen Mädchen gezeigt wird.
Im Zimmer nebenan liegt Tehila. Sie wurde am vergangenen Dienstag aus dem Krankenhaus entlassen. An ihrer Tür klebt ein
„Tehila, wir lieben dich!“
großes, farbiges Plakat, „Wir lieben dich“, steht darauf. Sie ist von ihren Freundinnen umgeben, sitzt nicht im Wohnzimmer und die Menschenmenge kommt nicht zu ihr. Nicht jeder der Kinder von Michi Mark ist in der Lage, dem Ansturm so gefasst und offen entgegenzustehen wie Orit. Hier und dort erspähe ich die anderen Kinder der Familie – die verheiratete Shira mit ihrem Mann, der eher schüchterne Shlomi mit den langen Schläfenlocken. Draußen sitzt ein eher locker gekleidetes Mädchen mit einer Zigarette in der Hand, mehreren Ohrringen im Ohr, Jeans. Ganz und gar nicht passend zu diesem scheinbar so religiösen Haus. Es ist Miriam, sie ist 18 und die Schwester von Orit. Freundinnen umgeben auch sie, sie plaudern und lachen auch. Jeder nimmt seine Trauer anders wahr, jede Art und Weise muss akzeptiert werden. Die Hauptsache ist es, den Trauernden zu unterstützen, da zu sein, Zuwendung und Verständnis zu geben. Jeder versteht es, jeder nimmt teil an dem Leid – jeder kennt es auch, entweder aus der eigenen Familie, von anderen Freunden, aus demselben Ort, wie dem von Terror geplagten Otni’el, oder auch nur aus den Nachrichten.
Orit. Quelle: Öffentliche Aufnahme aus dem Facebook-Profil
Und daher ist es schwer zu erzählen und darzustellen, wie die Realität hier, in diesem Ort, Otni’el, und auch in anderen Orten so schnell ihr Gesicht wandeln kann, in einigen Sekunden, in denen ein intaktes Leben plötzlich in Scherben zerbricht. Ein Leben, in dem man zwar um die möglichen Gefahren weiß, aber niemals erwartet, dass es gerade über einem zerfällt. Es braucht nur einige Sekunden wie an jenem Freitag auf der Schnellstraße, und die Realität ist anders, unumkehrbar, und niemand ist darauf vorbereitet. Der Tod bricht ein in das ländliche Idyll, das sich die Menschen in einem
Familie Mark vor dem Attentat. Tochter Orit im Vordergrund. Quelle: INN
Ort wie Otni’el aufzubauen versuchen, er steht vor der Tür des schönen, geräumigen Hauses, auf der Terasse im liebevoll gepflegten Garten, er besetzt den gesamten Parkplatz, der niemals der Anzahl der Trauerbesucher gewachsen sein wird. Er nimmt den Platz eines seiner Bewohner ein, der nun nicht mehr sein wird…
Das Leben ist nicht vorhersehbar. Die Realität verändert sich ständig, und wir dürfen nicht erwarten, dass es wie bestellt, so geliefert wird. Der Mensch ist geboren, um sich an das Leben anzupassen und aus jedem Moment, aus jeder Rolle, die er einnimmt im Laufe seiner Lebenszeit, das Beste und das Wichtigste herauszuholen. Die Familie Mark versteht es sehr gut, und sie versteht es auch, wie es den anderen um sie herum, die nicht diese Erfahrung gemacht haben, zu vermitteln ist. Jetzt, da ihre Welt über ihnen zusammengebrochen ist, müssen sie einen neuen Weg vorzeichnen und gehen, im Geiste des immer im Herzen weilenden Vaters, so wie Orit es ausdrückt:
„Jetzt, da Papa nicht mehr hier ist, um das Gute weiterzugeben, werde ich es machen, so gut ich es kann.“
Ich komme noch einmal ins Wohnzimmer hinein, um sich von ihr zu verabschieden. Neue Besucher sind gekommen, darunter ein feierlich angezogenes Paar. Sie sprechen Englisch und wie es sich herausstellt, sind sie ultraorthodoxe Juden aus Amerika, Miami. Orit spricht mit Hilfe einer Freundin mit ihnen, auf einem relativ guten Englisch. Sie erklären ihr, sie seien zu Besuch und hätten gefühlt, dass sie kommen sollten. Orit betrachtet sie, lächelt dankbar, hält die Hand der Frau in ihrer und fragt ihre Freundin, wie man „Grübchen“ auch Englisch sagt. Dann wendet sie sich an die Frau und sagt ihr, fast schon fasziniert – „Ich wollte schon immer solche Grübchen in den Backen haben, all my life!“
Orit, ihr Name bedeutet „Licht“, „die Lichtige“. Offenbar kann Licht vererbt werden. Und alle, die etwas näher an dieses Licht kommen, finden es heraus und stimmen diesem zu. Man kann nur hoffen, dass sie es weiterreichen werden. Das Licht desjenigen, dessen Leben ihm genommen worden war, muss weitergegeben werden, und das ist jetzt die Aufgabe von uns allen.
Am Samstagabend (02.07.16) veroeffentlichten die israelischen Medien die Entscheidung von Premierminister Netanyahu und
Hallel Yaffa Ariel. Quelle: Internet
Verteidigungsminister Liebermann, als Antwort auf den Mord an Hallel Yaffa Ariel am 30.06. 42 neue Wohneinheiten in der Ortschaft Kiryat Arba bei Hevron zur Ausschreibung und damit zum Bau freizugeben. Sollte dies in die Mainstreammedien gelangen (wenn es nicht schon ist), wird es wieder mit Hoechstwahrscheinlichkeit als ein Preis fuer die Siedlerbewegung und Friedenshindernis abgetan werden.
Es sollte allerdings etwas sonderbar erscheinen, dass die Redefuehrer der „Siedlerbewegung“ ganz anderer Meinung ueber diese „Geste“ seitens der Regierung sind. So reagierte auf die Entscheidung die Vorsitzende der mit der Gemeinschaft in Judaea und Samaria assoziierten Partei“Juedisches Heim“, Shuli Mu’allem-Refaeli:
Die Genehmigung zum Ausschreiben der 42 Wohneinheiten in Kiryat Arba ist nichts anderes als eine leere Ueberschrift. Wir haben uns an Ueberschriften wie den Bau als ‚eine angemessene zionistische Antwort auf Attentate‘ gewoehnt, aber wir haben keinen wirklichen Bau daraufhin gesehen.“
„Es handelt sich in diesem Fall um die Genehmigung von Projekten, die diese schon in der Vergangenheit erhalten haben, und auch diesmal werden sie irgendwo stecken bleiben. Die Oeffentlichkeit kauft das nicht mehr ab und auch die Europaeische Union und die PA beunruhigt diese Erklaerung nicht mehr.“
Das Rueckmeldung der Regionalverwaltung von Judaea und Samaria fiel ebenso negativ und unzufrieden aus:
„Es ist keine eine Besiedlung befuehrwortende Antwort, sondern eine Verhoehung. Diese geringfuegige Genehmigung wird die momentanen Tendenzen (der Regierung) nicht veraendern. (…) Zusammen mit den militaerischen und sicherheitsbezogenen Vorkehrungen, die momentan in der Region von Hevron durchgefuehrt werden, muss auch eine entschiedene und aufrichtige zionistische Besiedlungsaktivitaet erfolgen, so die Genehmigung von tausenden von Wohneinheiten und die Foerderung der Infrastruktur in der Region.“
Und der stellvertretende Vorsitzende der lokalen Bezirksverwaltung von Kiryat Arba, Israel Bramson, aeusserte sich noch vernichtender:
Es handelt sich hier um einen Bluff und um einen Betrug der Oeffentlichkeit. Es ist von Haeusern die Rede, die sich schon seit Monaten im Bauprozess befinden, die Traktoren arbeiten schon vor Ort. Wie immer ist es eine Wiederverwertung von Wettbewerbsausschreibungen. Es gibt nichts Tatsaechliches. Noch eine Ente nach bester Tradition von Netanyahu und Liebermann.“