Alle Beiträge von Chaya

German-Israeli blogger, social activist, lecturer and acting student.

Mein Wort zu Chanukkah – Vielfältigkeit

Acht Tage dauert das Fest Chanukka, welches an den Sieg jüdischer Aufständischer gegen die griechische Besatzung im 2.Jahrhundert vor der Zeitrechnung, die Wiederherstellung der jüdischen Unabhängigkeit und die Aufhaltung des geistigen Verschwindens der jüdischen Kultur erinnert.

Chanukka, ein Fest des Lichts, der Familie, der Gemeinschaft, an welchem acht Tage lang die Spannung und die Besinnung an Tradition und Zukunft aufgebaut werden.

Können wir aber innerhalb so kurzer Zeit verstehen und verinnerlichen, was diese Lichterkette im wahrsten Sinne ihres Wortes bedeutet?

DSCI0017Das Fest, welches von durchgängig den meisten Juden auf der ganzen Welt gefeiert werden, geht zurück auf eine Zeit, welche uns näher an einen  gemeinsamen Ursprung als Volk und Gesellschaft bringt – die Zeit, als wir noch nicht verstreut gewesen sind, als wir noch dasselbe Land, das selbe Schicksal und eine gemeinsame Prognose für die Zukunft gehabt haben. Als die Tora uns noch zeitlich und emotional sehr nah gewesen ist; als der jüdischen Gemeinschaft die zukünftigen  Herausforderungen noch unbekannt waren. Damals hatten die jüdischen geistigen Anführer diese acht Tage als Tage der Erinnerung und der Heiligung festgelegt. Aber hatte damals jemand ahnen können, dass das Fest Generationen und Jahrhunderte später zu einer Feier der Neuidentifizierung werden würde? Zu Tagen von Neuentdeckung eigener, innerer Werte, Prioritäten und Zugehörigkeit in diesem Leben?

Chanukkafeiern rund um den Globus haben alle eine unterschiedliche Natur. Ob mit einem pompösen Leuchter im Glaskasten, angezündet im Blick der ganzen Straße; ob bei einer Gemeindefeier mit Marmelade-mangelnden, trockenen Donuts, schreienden Kindern, Wachskerzen und Süßigkeiten-Buffet. Ob intim im Kreise der Familie, am Fenster oder Türeingang, manchmal so, dass es die Umgebenden nicht mitbekommen, ja nicht aufmerksam werden. In Zeiten von Verfolgung, Unterdrückung und Krieg. In Zeiten von Unabhängigkeit, Einheit, Wohlstand; Bedrängnis, Identitätsverlust, kultureller Assimilation, religiöser Zurückziehung. Mit Familie, Freunden, Gemeinde, Schicksalskameraden, oder allein.

Es gibt einige Schwerpunkte bei der Erfüllung der Bräuche zu Chanukka, und einer davon ist das „Pirssum haNes“. Es besagt, dass das Chanukka-Wunder veröffentlicht werden soll. Die Kerzen sind nicht für das Hausinnere gedacht, sondern für die Außenwelt. Jeder soll wissen, was geschehen ist, jeder soll daran teilhaben. Ein Signal, ein Zeichen, eine Verbindung, und ein Ausruf. Das sind die Kerzen, das wollen sie sagen – demjenigen, der an ihrer Geschichte teilnimmt, und  demjenigen, der von außen zuschaut.

Meine ganz persönliche Verbindung mit Chanukka begann vor vielen Jahren; ich hatte damals nicht den geringsten Einblick in jüdische Religion und Tradition. Da war ich knappe 13 Jahre alt, und mein Wissen von der jüdischen Welt beschränkte sich auf etwas Israel und ganz viel Zweiten Weltkrieg. Ich lebte in Deutschland, und meine Familie hatte keinen Bezug zur jüdischen Gemeinde; assimilierte Nachkommen von belarussischen Juden, die schon in der dritten Generation in St.Petersburg lebten. Das einzige, mir bekannte jüdische Lied war „Tumbalalaika“ – wenigstens auf Jiddisch.

Nicht umsonst habe ich aber Chanukka als Fest der Neuorientierung bezeichnet. Denn bei diesem Fest holt man all die Identifikation hervor, die man noch mit dem Jüdischen hat; ob nun die Geschichte, der Brauch, die Sprache, die Lieder, der Glaube. Und als ich mit 13 Jahren begann, für eine Reise zu meiner Familie nach Israel Hebräischkurse zu besuchen, füllte sich mein Leben in rasantem Tempo mit einer unglaublichen Menge an neuem Inhalt. Ich lernte, dass die Juden nicht nur eine schöne, aus dem Sterben erweckte Sprache haben; sondern, dass sie auch gemeinsame Dinge begehen, und einen Gott haben, Der sie zusammenhält. Und sie haben Traditionen, und Feste, und das alles vermittelte Gutes, und Gemeinschaft, und eine ganz neue Lebensqualität.
Und ich war nicht dabei.

Wieso eigentlich?, fragte ich mich. Wieso habe ich keinen Anteil daran, wieso erzählte mir bisher niemand von diesem „historischen Gepäck“ in meinem Hinterzimmer, wieso habe ich keine  Zugang dazu? Ich wollte einen haben. Und es war ganz einfach. Als wir in einem der Unterrichte über Chanukka zu sprechen kamen, hörte ich gut zu. Und daheim, auf einer Plastikplatte mit Teelichtern, formte ich meine erste Chanukkia, den „Leuchter“. Für mich war das mein erster jüdischer Akt. Danach folgten die Kerzen an Shabbat – und die Verbindung war hergestellt. Aus Dunkelheit mach Licht.

Chanukkah-Leuchter in Alon Shevut
Chanukkah-Leuchter in Alon Shevut

Heute, viele Wandlungen und Wanderungen später, haben sich auch meine Leuchter evolutioniert, so wie mein ganzes Leben. Heute zündet auch meine ganze Umgebung Kerzen an diesem Tag, ich habe viele, mit denen ich mich über die Bedeutung dieser wunderbaren Zeit austauschen kann, viele, von denen ich lerne, und vielleicht lernt ja auch jemand von mir.

Chanukka ist und bleibt für mich wie ein ganz intimes Licht in meinem Herzen, das Licht, von dem alles begann, und die Heiligkeit, die es  in mir weckt, ist schwer zu beschreiben, sondern nur zu erleben.

Acht Tage – 8, die Zahl, die Unendlichkeit darstellt, die Öl im Hebräischen paraphrasiert, und die über der Naturordnung steht.

Auf dass sich auch in unserem Alltag, Tag für Tag, Sinn und Tiefe offenbaren, und wir das Leben in seiner ganzen Fülle erleben können.

NEWS: Neue Entwicklungen im Fall der Duma-Attacke

Die israelischen Medien berichten seit einigen Tagen, dass es neue Entwicklungen im Ermittlungsfall der Brandbombenattacke auf das Haus der Familie Dawabshe im arabischen Dorf Duma gibt, welche am 31.07. dieses Jahres offenbar von juedischen Extremisten durchgefuehrt wurde. Die ersten Informationen ueber die Verhaftungen und Verhoere der Verdaechtigen wurden erst heute an die Oeffentlichkeit gelassen; ueber der Ermittlung, die schon nahezu ein halbes Jahr andauert, hing bisher eine Gag-Order (Nachrichtensperre). Noch immer werden Details und Namen der Verdaechtigen zensiert, da der Shin Bet ebenso wie die restlichen Verantwortlichen fuer die Ermittlungen ueberzeugt sind, dass eine Freigabe der Informationen dem Verfahren schaden wuerde.

Zur Erinnerung, in der Nacht auf den 31.Juli wurde in das Haus der Familie Dawabshe im Zentrum des Dorfes Duma in Ostsamaria eine Brandbombe geworfen. Das Haus fing Feuer. In den Flammen kam der 18 Monate alte Ali ums Leben, seine Eltern Sa’ad und Reham wurden schwerverletzt, als sie versuchten, das Baby und seinen Bruder Ahmad, 4, aus den Flammen zu retten. Sa’ad und Reham verstarben kurze Zeit spaeter nach intensiver medizinischer Behandlung im israelischen Krankenhaus. Am Leben blieb der 4-jaehrige Ahmad, welcher schwere Verbrennungen erlitt und noch immer in Intensivbehandlung in Israel ist.

Der YESHA-Rat der Siedlerbewegung begruesste die Festnahme der Verdaechtigen (Times of Israel/Channel 2). In einer Pressemitteilung erklaerte er, die besagten Verbrechen „verletzten die Werde des Staates Israel und seiner Besiedlung. Wir sind ueberzeugt, dass die juristischen und sicherheitstechnischen Organe des Staates Israel gegenueber den Teilhabenden an dieser abscheulichen Tat das Gesetz walten lassen werden.“

 

In den ersten Tagen nach dem Attentat folgten viele Spekulationen bezueglich der Identitaet der Taeter. Der Diskurs wurde in saemtlichen Medien heiss gefuehrt und landesweit distanzierten sich oeffentliche Personen, Regierungsvertreter und Organisationen von der grausigen Tat. Ausser des Graffitis lieferte der Tatort keinen Hinweis auf die Taeter, und daher widersetzten sich viele insbesondere in Judaea und Samaria der Anschuldigung gegen  juedische Gruppen und Aktivisten aus der Siedlerbewegung (der sog.“Huegeljugend“).

Zwei Monate spaeter erklaerten anonyme Quellen aus der israelischen Armee, die ihnen vorliegenden Hinweise deuteten eindeutig darauf, dass es sich bei den Taetern um juedische Extremisten handle. Im Laufe des letzten halben Jahres fuehrte die israelische Regierung mehrere verschaerfte Massnahmen zugunsten eines haerteren Vorgehens gegen juedisch-israelische Extremisten – so beispielsweise die Administrativhaft, bei welcher ein Verdaechtiger mit einer Schluesselrolle fuer eine Ermittlung ohne Prozess und Anwalt bis zu einem halben Jahr festgehalten werden darf und diese Haft bei Notwendigkeit auch ohne langwierige Buerokratieprozesse verlaengert werden kann, sofern noetig.

(Quellen: Times of Israel, Yediot Ahronot)

Uwe sagte „YES“

Schalom, Chemnitz. Foto: schalom-chemnitz.de
Schalom, Chemnitz. Foto: schalom-chemnitz.de

Der Eingang schaut einladend aus. In den Fenstern stehen jüdische Symbolleuchter, an den Wänden im Innenraum hängen Bilder. Die Wand am Saal-Ende, gleich nach der Bar, ist tapeziert mit Fotos von historischem Wert; darauf wurde der Restaurantbesitzer mit seinen berühmten Besuchern über die Jahre hinweg abgelichtet. Im anderen Teil des Raumes befindet sich ein großes, farbiges, mit jüdischen Symbolen gespicktes Wandgemälde. Momentan ist es noch keine Öffnungszeit, aber anhand der Tischanzahl kann man

Schalom, Chemnitz. Foto: schalom-chemnitz.de
Schalom, Chemnitz. Foto: schalom-chemnitz.de

absehen, dass es hier unter der Woche generell nicht still zu sein scheint. An der Wand steht ein altmodisch wirkendes Klavier mit zwei Kerzenleuchtern und signalisiert mit seinem Retro-Look, dass dieses Restaurant nicht auf den Kopfsprung in die Moderne setzt, sondern auf ein Gefühl von Vertrautheit und Heimatmosphäre. Das Gebäude selbst ist groß und geräumig, sehr schlicht, mit hoher Decke und großen, auch bei häufig grauem Wetter viel Licht spendenden Fenstern. Ein typisches Chemnitzer Gebäude eben, das sich nicht besonders vom restlichen Stadtbild unterschiedet, 1870 erbaut, an der Heinrich-Zille- Straße im „Chemnitzer Brühl“, nahe des Stadtzentrums.

Eine jüdische Story
Geschäftsführer Uwe Dziuballa
Geschäftsführer Uwe Dziuballa

Wer sich so im Restaurant umsieht und nicht näher mit dem jüdischen Leben in Chemnitz oder Sachsen bekannt ist, wird sich kaum denken können, dass Geschäftsführer Uwe Dziuballa erst vor zweieinhalb Jahren den Umzug in diese Straße vollzogen hat, und zwar nicht etwa wegen Platzmangel oder auf der Suche nach besserer Kundschaft, sondern vor allem wegen großflächiger Bedrohung durch lokale Neonazis. Das ehemalige „Schalom“ lag näher an der Innenstadt und wurde regelmäßig Schauplatz von Angriffen von Schmierereien bis Scheibeneinwürfen durch Extremisten, welche auch vor Drohungen, Schweinsköpfen und anderem nicht zurückschreckten. Lokale und landesweite Medien berichteten über die Schließung des Restaurants im März 2012, über die Unfähigkeit der Polizei, die Täter zu fassen, und lobten den Durchsetzungswillen von Dziuballa, nicht aufzugeben, sondern mit Bruder Lars Ariel an einer Wiedereröffnung zu arbeiten. So ist die Biografie dieses Lokals, das sich scheinbar so natürlich in die Umgebung von Chemnitz einfügt, erst aber im März 2000 eröffnet wurde, übersät mit Höhen und Tiefen und nicht zuletzt Vertreibung und Neuanfang. Eine jüdische Geschichte eben, in gewissem Sinne.

In den deutschen Medien lassen sich einige Berichte über das „einzige koschere Restaurant in Sachsen“ (Jüdische Rundschau, 8/2014) und über Uwe Dziuballa, Jahrgang 1965, den hochgewachsenen, schlanken Unternehmer und gebürtigen Chemnitzer finden. Was mich aber nun interessierte, war nicht Uwes spannende Lebensgeschichte zwischen DDR, Jugoslawien, USA und Bundesrepublik, sondern sein neuestes Projekt. Als bekanntem Aktivisten, der 1998 den Verein Schalom e.V. gründete, um „deutsch-israelisch-jüdische Begegungen“ zu provozieren (und dem dann das Restaurant selbst in 2000 folgte), ist ihm die Verwirklichung waghalsiger Ideen in fast komplettem Alleingang nichts Neues und scheint auch nicht besonders zu schrecken.

Und Uwe sagte „YES“

Seit mehreren Jahren schon versuchte sich die Europäische Union darauf zu einigen, unter welchen Bestimmungen und Gesetzesparagrafen sie die israelischen Waren, welche in Fabriken innerhalb der Judäa und Samaria-Region fabriziert worden sind, kennzeichnen will. Einzelne Mitgliedsstaaten der EU, allen voran Großbritannien, Belgien und Frankreich, hatten darauf gedrängt, das lange Zeit nicht angewandtes Herkunftsgesetz der EU in Bezug auf Israel  „endlich“ in Kraft zu setzen (DIE SIEDLERIN berichtete). Die vermehrte Aufmerksamkeit und die Eile, mit welcher die europäische Staatengemeinschaft auf die Durchführung der Warenkennzeichnung drängte, ließ den Verdacht offen, dass dabei nicht nur ein wiedererwachter Sinn für Gesetzestreue eine Rolle spielten, sondern gehöriger politischer Druck.

Während also die europäischen Medien über eine baldige Einführung der Warenkennzeichnung spekulierten, die israelischen Nachrichtenseiten vor einem Warenboykott warnten, die Stadtverwaltung des isländischen Reykjavik auf ein Einfuhrverbot aller israelischer Waren drängte und Benjamin Netanyahu vergeblich an die unrühmlichen Warenkennzeichnungen jüdischer Produkte zur Nazizeit erinnerte, machte sich Uwe Dziuballa auf, auf seine Art einem Boykott entgegenzuwirken.

Yes„I say YES to Jewish products“ (Ich sage JA zu jüdischen Produkten) heißt die Initiative, und will gegen einen industriellen Boykott des Staates Israel und um Unterstützung für israelische Betriebe werben, die von einem solchen in Zukunft betroffen werden könnte. Dziuballa ließ Aufkleber mit dem Slogan und einem originellen Logo drucken, wappnete sich mit einem finanziellen Konzept und begann, diese auf der Theke für alle sichtbar zu verkaufen. Im Juni 2015 berichtete die lokale BILD-Zeitung über ihn – da hatte er schon 1500 Aufkleber mit 1€ pro Stück verkauft. So weit, so gut. An wen aber geht aber der Erlös? Und was verspricht sich Dziuballa von der Idee? Ich habe mich mit ihm darüber unterhalten.

⇒ Herr Dziuballa, wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, eine aktive Tätigkeit in der jüdischen Gemeinschaft auszuüben? Sie wissen ja, es gibt viele Juden, genau wie sie, die sich aber lieber um ihr persönliches Wohl kümmern, anstatt sich der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen.

Mal abgesehen von meiner generellen Entwicklung, bei der mein Vater immer großen Wert darauf gelegt hat, mich für schwächere Mitmenschen in der Schule einzusetzen, habe ich den Spannungsbogen in der deutschen Gesellschaft kaum ausgehalten – entweder du bist als Jude der Aggressor, der auf Palästinenser eindrischt, oder du bist das Opfer, welches die Schoah überlebt hat. Es gab eigentlich keine Grauzonen. Als ich dann die Gelegenheit hatte, in den USA einige Monate zu leben, habe ich jüdisches Leben als ganz normalen Teil des Alltags kennengelernt. In New York oder in Miami war man als Jude – gleich, welche Strömung – Teil des „Stadtbildes“ und weder machte sich besondere Aggression noch überschwängliche Liebe breit. Dies hat mir sehr gefallen. Man war als Jude Teil der Gesellschaft, der wie ein Stück Zucker im Kaffee aufgeht, nur dass der Kaffee etwas süßer schmeckt. Und dann kommt hinzu, dass ich als Jugendlicher während meiner Zeit in Jugoslawien und eben in den USA merkte, wie gut es tut, bei aller Stärke des Charakters, wenn man hin und wieder in bestimmten Situationen auch mal eine helfende Hand entgegengestreckt bekommt.

Als ich 1993 wieder nach Deutschland gekommen bin, habe ich noch immer diese Reduzierung der jüdischen Geschichte in Deutschland auf die nationalsozialistische Herrschaft und Unterdrückung von Palästinensern in Israel reduziert vorgefunden. Parallel stieg die Mitgliedszahl auch in der jüdischen Gemeinde in Chemnitz an und keiner konnte mit dem „neuen Potential«“ (der jüdischen Einwanderer aus der ehem.Sowjetunion, Anm.d.A.) etwas anzufangen. Mein Erleben von „Normalität“ oder besser Gelassenheit in den USA, das wachsende Potential an Juden aus Russland in Chemnitz und mein Grundcharakter haben mich mit Verbündeten den Verein SCHALOM gründen lassen.

Als Folge der Vereinsgründung wurde auch die Idee für das Restaurant „SCHALOM“ geboren, das heute noch immer das einzige koschere Restaurant in Sachsen ist, richtig?

Die Bar. Foto: schalom-chemnitz.de
Die Bar.
Foto: schalom-chemnitz.de

Da mir bald durch die Sozialarbeit, Bildungsarbeit und Kulturarbeit langsam das Geld ausging, habe ich die Gastronomie gegründet. Das hatte neben der Tatsache, dass jetzt wieder in vernünftigen Größenordnungen Geld eingespielt wurde, den wunderbaren Nebeneffekt, dass die Quantität der Leute, die wir erreichten, mit einem Mal viel größer wurde. Denn egal, wie inhaltlich gut die vielen Veranstaltungen und Aktivitäten des Vereins auch waren, so war das angesprochene Publikum in der Anzahl doch etwas limitiert. Mit der Gastronomie ist es anders. Es geht hin und wieder jeder einmal auf die Suche nach etwas Neuem  und eine Gaststätte wird von Leuten mit weniger Anspannung aufgesucht, als ein Museum oder eine Gedenkstätte. Auf jeden Fall nimmt ab einem Punkt eine gesellschaftliche Entwicklung seinen Lauf, welche man so nicht geplant hat, die aber von sich aus stattfindet. Somit sind wir heute eine Institution, welche ich nie angestrebt, aber dennoch erreicht habe, und jetzt auch nicht mehr missen möchte. 

Was halten Sie von der  „Kennzeichnung“ israelischer Produkte und damit einer Ermöglichung eindeutig politisch motivierter, wirtschaftlicher Sanktionen gegenüber Israel?

Neben vielen positiven und negativen Erlebnissen auf dem Weg bis zum heutigen Tag war für mich das Signal einiger politisch Verantwortlichen in Europa dann doch etwas Schwachsinn zu viel – das demokratische Israel zu destabilisieren, um den Arabern zu helfen, und dabei ökonomisch zu schwächen. Ich habe erlebt, wenn man Infrastruktur erst einmal zerschlägt, dann braucht es einen unermesslichen Aufwand, ähnliches wieder aufzubauen. Und somit glaube ich fest, das eine wie auch immer geartete Schwächung Israels, einen (was auch immer für einen!) Frieden eher verhindern als stärken wird!

Welchen Einfluss hat dieses Projekt „I say YES to Jewish products“ tatsächlich auf dem Boden der Tatsachen?

Das kann ich nicht beantworten. Ich weiß nur, wenn man nichts macht, dann bewegt sich auch nichts. Und es kommt im Leben nicht immer das heraus, was man sich vorstellt, aber es gibt ein Resultat. Immerhin habe ich im Augenblick, nebst dem gesammelten Geld, viele, die auf die Aktion aufmerksam wurden – ob per Medien oder bei uns im Restaurant – für das Thema sensibilisiert und es geschafft, dass sie sich mit Produkten aus Israel bewusster auseinandersetzen. Das ist doch schon ein erster Schritt, weg vom ignoranten Tagesallerlei.

Wer macht alles beim Projekt mit – auf deutscher und israelischer Seite? Gibt es da konkrete Partner?

Auf deutscher Seite bin ich es und die BILD – Zeitung, die darüber berichtet hat! In der ersten Zeit war auch die israelische Botschaft in Berlin mit im Boot (das habe ich schriftlich), aber nach einem Anruf der Botschaft bei mir und dem Hinweis, dass sie kein Projekt einer Gastronomie unmittelbar unterstützen können, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Wenn ich Ende dieses Jahres weiß, wie viel Geld zusammengekommen ist, dann werde ich mich mit Personen, die ich in Israel kenne, in Verbindung setzen und mich „beraten“ lassen, wo der betreffende Betrag die größte positive Wirkung erzielen kann. Erst will ich aber ein echtes Endergebnis abwarten, da ich mich insgesamt mit dem Unterstützungswillen nicht lächerlich machen will.

Wer unterstützt Sie direkt?

Keiner – ich unterstütze mich selbst, von der Familie abgesehen, die immer 100%-ig hinter mir steht!

Würden Sie das Ganze etwas weiter ausbauen wollen oder soll es bei Aufklebern bleiben?

Ich würde es gern ausbauen, aber dafür fehlen noch die Partner, die Zeit und die Kraft.

 Laut Planung soll das Geld an Betriebe außerhalb der „Grünen Linie“ gehen, die von einer Schließung oder einer Exportreduzierung infolge der Kennzeichnung ihrer Produkte betroffen sein könnten. Diese Betriebe könnten in Judäa und Samaria, dem sog.“Westjordanland“, stehen, oder auch in den Golanhöhen, welche die EU noch immer als Teil der von Israel 1967 eroberten syrischen Gebiete ansieht. In den Betrieben arbeiten zumeist arabische Arbeiter mit palästinensischem Pass und wären die Ersten, denen eine Entlassung drohen würde, sollte ein solcher Betrieb nicht dieselben Einnahmen tätigen können – so, wie dies bereits mit der Firma „Sodastream“ geschehen ist, welche über 200 Mitarbeiter bereits entlassen hat, nachdem sie international wegen einer ihrer Produktionsstätten hinter der „Grünen Linie“ nahe Jerusalem längere Zeit seitens Medien und NGOs angegriffen wurde. SodaStream hatte in diesem Jahr angekündigt, die Produktionsstätte aus „finanziellen Gründen“ komplett in den Süden Israels zu verlegen und die Fabrik bei Jerusalem zu schließen.


 

Im November dieses Jahres traf die EU-Kommission schließlich die Entscheidung, Produkte aus israelisch-jüdischen Siedlungen speziell als solche zu kennzeichnen (DIE SIEDLERIN berichtete). Die ersten Aktionen und Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten, es entbrannten Diskussionen auf nationaler und internationaler Ebene. Noch ist nicht klar, wie die Ausübung dieser Maßnahme in Deutschland aussehen wird  – insbesondere nach dem Protest gegen das Berliner KaDeWe.

Wie sieht Uwe Dziuballa diese Entwicklungen und was hat es für einen Einfluss auf seine Kampagne?

Seit die EU das Gesetz zur Pflichtkennzeichnung israelischer Produkte aus Siedlungen eingeführt hat, gibt es bei Gästen und  Kunden von uns doch eine gewisse Verunsicherung. Ob wir deswegen zur Zeit weniger oder aus Solidarität stärker besucht werden, kann ich nicht sagen. Aber im Gegensatz zu früher fragen mich doch viele Gäste, ob bestimmte Produkte die wir verkaufen jetzt illegal in Deutschland sind, ob sie sich als Gäste jetzt strafbar machen, wenn sie bei uns essen oder Golan Wein trinken.
Ich werde gefragt, was die EU damit wirklich bewirken will, bis hin zur Frage ob das SCHALOM jetzt wegen der eventuellen Zurückhaltung von Waren schließen muss.
Das Letztere ist dann schon eher selten, aber es wird gefragt und das nervt mich schon etwas.
Was stellen Sie sich vor, welche Auswirkungen die Einführung und tatsächliche Ausübung der Kennzeichungspflicht auf Deutschland haben könnte?
Welche Auswirkungen dies auf Deutschland insgesamt hat, kann ich nicht wirklich einschätzen, da die Geschichte zeigt, wie wankelmütig großartige politische Erklärungen von politisch Verantwortlichen in Hinsicht auf Zuneigung und / oder Ablehnung sein können. Durch die Entwicklung politischer Meinungen in Richtung Wahlen gewinnen und möglichst nicht anecken, geht eine Menge Charakter und Standpunkt verloren.
Ich bin mir unsicher, ob die EU mit dem Gesetz eher  Schaden auf ganzer Linie anrichtet, anstatt irgend jemanden zu helfen. Wenn durch Absatzprobleme bestimmte Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage kommen, dann schadet man nicht nur jüdischen Unternehmern und Arbeitern, sondern auch palästinensischen, arabischen, christlichen etc. Mitarbeitern der betreffenden Betriebe. Ich sehe nicht, wie man durch den Versuch, Infrastruktur zu zerstören, die Basis für eine friedliche Zukunft schaffen will. Da in den verschiedenen Parteien in Deutschland weniger der Sachverstand bei Politikern im Vordergrund steht, sondern eher die Parteidisziplin und Anpassung, wächst nicht nur der Frust sich zu engagieren, sondern auch der Verstand bleibt etwas auf der Strecke. Davor habe ich, was die Zukunft der politischen Struktur in Europa angeht, schon manchmal Bedenken.
Haben sich bei Ihnen nun mehr  Bereitwillige gemeldet, um bei der „Yes“-Aktion mitzumachen, oder gab es einen Rückgang?
Was die „YES“ Aktion angeht, so haben jetzt noch einmal viele Kleber gekauft und sich damit zu jüdischen Produkten – gleich woher – bekannt. Da die Aktion noch einmal einen richtigen Aufwind bekommt, werde ich bis Ende Dezember dieses Jahres, nicht wie geplant Mitte Dezember, die Spenden sammeln und dann werden wir ein Projekt in Israel mit dem Erlös unterstützen.
Werden Sie jetzt im Angesicht dieser Entwicklungen aktiver werden und sich mehr engagieren?
Also, mehr, als mit meinem SCHALOM Restaurant jeden offenen Tag zu argumentieren, vormittags in Schulen und Einrichtungen bei Vorträgen und Gesprächsrunden Standpunkt beziehen und mein Projekt mit dem Aufkleber voranzutreiben, kann ich nicht machen.
Vielen Dank für das Interview, Herr Dziuballa! Viel Erfolg!

 


 

NEWS: Griechenland macht nicht mit!

Gute Nachrichten!

Auch Griechenland, so wie zuvor schon Ungarn, hat erklaert, bei der besonderen Kennzeichnung von Produkten aus israelisch-juedischen Siedlungen durch die EU-Einfuhrbehoerde nicht mitzumachen!

Nach dem Besuch des griechischen Premierministers Alexis Tsipras in Israel in diesen Tagen, bei welchem er sich mit Premierminister Binyamin Netanyahu traf, erklaerte die griechische Regierung, es werde den EU-Richtlinien nicht folgen und Produkte, welche in Industriegebieten ausserhalb der „Gruenen Linie“ hergestellt wurden, nicht anders kennzeichnen als auch andere israelische Produkte – sprich, mit der Trademark „Made in Israel“. Griechenland reagiert damit auf die neue und theoretisch gesehen verbindliche Richtlinie der EU, welche diese nach langjaehrigem Ueberlegungsprozess in diesem November gefaellt hat.

Ob es fuer Griechenland und auch fuer Ungarn fuer diesen Schritt rechtliche Konsequenzen seitens der EU gibt, ist noch nicht bekannt.

Der deutsche Bundestag , und Kanzlerin Angela Merkel in seinem Namen, reagierten im November mit Kritik auf das neue EU-Vorhaben und betitelten dieses als „falsch“, aeusserten sich jedoch nicht dazu, ob sie der Richtlinie folgen wuerden oder nicht. Wie schon bekannt, entfernte das Berliner Kaufhaus KaDeWe nach der Veroeffentlichung der neuen Anweisungen die ersten „Siedlerprodukte“ – Weine aus den Golanhoehen, stellte sie aber nach intensiven oeffentlichen Protesten wieder ins Regal und entschuldigte sich.

Quelle: Web
„Inspektion. Kennzeichnungspflicht von Waren aus den illegalen israelischen Siedlungen“ steht auf dem Schild Quelle: Web

In Bremen wurden am 28.11. derweil schon selbsternannte „Inspektoren fuer Waren aus illegalen Siedlungen“ gesichtet. Die aelteren Ladies, Mitglieder der BDS-Boykottbewegung, in weisse Plastikoveralls mit Papierschildern auf dem Ruecken gekleidet, wanderten mit Flugblaettern und Papierfaehnchen durch die Filialen von Karstadt und Rossmann und versuchten, israelische Produkte zu markieren, bei welchen sie „Siedlerherkunft“ vermuteten. Die moderne „Kauft nicht bei Juden“-Kampagne, mit welcher die Aktivistinnen der BDS-Bewegung „Israel zwingen“ beabsichtigten, „sich dem Voelkerrecht zu unterwerfen“ (TAZ), stiess auf taube Ohren bei Karstadt und Rossmann – sie wurden der Filialen verwiesen und bekamen  Hausverbot trotz Protesten. Aehnliche Vorfaelle aus anderen Staedten sind bisher nicht bekannt geworden.

(Quelle: Times of Israel , 01.12.15)

UPDATE: Themenuebersicht

Mein Blog hat in knapp einem Jahr ueber 130 Eintraege veroeffentlicht, zu allen moeglichen und unmoeglichen Themen. Das ist wirklich viel Information auf einen Schlag. Eine Nachricht jagt die andere, jedes Thema bedarf enorm viel Aufmerksamkeit – und dabei gibt es noch so viel zu zeigen, zu erklaeren, vorzustellen, und die Liste ist lang.

So ist auch die Liste meiner Blogeintraege von Dezember 2014 bis heute. Um es fuer euch uebersichtlicher zu gestalten und auch damit keiner meiner aelteren Beitraege in der Menge der neuen untergeht, habe ich eine Themenuebersicht erstellt (siehe auch Menueleiste oben).

Im Dropdown-Menue findet ihr alle relevanten Kategorien und die darunter einsortierten Beitraegen. Der letzte Artikel ist jeweils der erste in der Liste.

Viel Spass beim Stoebern!

Chaya 🙂

Mit Liebe verschickt

Ein Bericht von Dov Eilon auf seinem Blog Israel-Direkt.com:


 

Das Nachrichtenportal 0404 berichtete am 13.11. über die Organisation “Lev Haolam (Das Herz der Welt). “Lev Haolam” verschickt jeden Monat hunderte von Paketen mit Produkten, die die Organisation von kleinen Betrieben aus Judäa und Samaria kauft, ins Ausland zu Kunden, die Israel unterstützen. Die Pakete werden in Länder wie Norwegen, Schweden, Italien, Deutschland und die USA verschickt.

Nach der Entscheidung der EU-Kommission, Waren aus Samaria, Judäa und den Golanhöhen zu kennzeichnen, beschloss die Organisation, die Produkte, die ins Ausland versandt werden, mit einem Aufkleber ” This Product is made with love in Judea and Samaria ” zu kennzeichnen.

image1447359312
Honig aus „Siedlungsproduktion“ mit dem Aufkleber von Lev Haolam

Am 12.11., so berichtet Israel-Direkt.com, hat eine Gruppe von Israel-unterstützenden Touristen aus Holland einige Betriebe in Judäa und Samaria besucht, um aus der Nähe zu betrachten, woher die Waren, die sie monatlich zugeschickt bekommen, kommen und sie damit zu unterstützen.

image1447359280

Der Gründer von “Lev Haolam”, Rechtsanwalt Nati Rom, sagte : ”Der Beschluss der EU-Kommission gefährdet die Existenz von Dutzenden Geschäftsinhabern, die im ganzen Land tätig sind. Menschen, die ihr gesamtes Leben hart gearbeitet haben werden plötzlich boykottiert, als seien sie Kriegsverbrecher. Ich rufe alle Bürger des Landes und der Welt auf, sich nicht an diesem Verbrechen des Boykotts zu beteiligen. Wir kaufen Produkte aus Judäa und Samaria, aus Gush Etzion und Hebron, aus dem Jordantal und aus Galiläa.

Hier ein Video über “Lev Haolam” :

Um ein Paket von “Lev Haolam” zu bestellen, hier klicken.

 


Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

Die Überschrift für die folgende Geschichte, „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“, habe ich nach dem Titel des Erfolgsromans des israelischen Schriftstellers Amos Oz gewählt. Diese Geschichte enthält unbeschreiblich viel Finsternis, und unendlich viel Liebe. Nur dass Oz, als erklärter linksgerichteter säkularer Intellektueller, überzeugter Verfechter der Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern und Gegner der Rückkehr von Juden nach Judäa und Samaria, nicht unbedingt begeistert wäre von dieser Titelwahl. Oder? Und was würdet ihr sagen?

lovesar


…Es war einmal eine kinderreiche, fröhliche Familie. Vater Yaakov, Mutter Noa und sechs Kinder, zwei Jungen und vier Mädchen. Die Eltern waren noch jung, Anfang Vierzig. Der Vater liebte seine Familie, seine Kinder und weil er Kinder liebte, arbeitete er als Grundschullehrer. Beide waren sie traditionsbewusste und gläubige Menschen, hatten viele Freunde und Bekannte. Sie liebten das Land und die Berge und wohnten in einer kleinen Stadt inmitten von Hügeln und Olivenbäumen – Kiryat Arba, einer warmen Heimstätte für etwa 7000 Einwohner in den malerischen Bergen von Hevron. Ihre Kinder waren ihr großer Stolz. Die Eltern hatten ihnen bedeutungsvolle Namen gegeben, so wie es in ihrer Gemeinde üblich war: Moria – „Gott ist mein Lehrer“, Netanel – „ein Geschenk Gottes“, Sarah Techiya  – Sarah, „die Fürstin“, Techiya – „die Wiedererstehung“.  Der knapp 18-jährige Sohn Netanel arbeitete als Freiwilliger bei dem „Roten Davidsstern“ – dem Äquivalent des Roten Kreuzes in Israel. Sarah Techiya, 21, die Älteste der Familie,

Sara Techiya und Ariel, Quelle: Israellycool
Sara Techiya und Arie bei ihrer Verlobungl, Quelle: Israellycool

hatte schon früh die Liebe ihres Lebens, Ariel, der nur wenige Jahre älter als sie war, gefunden. Das junge Paar wollte feierte seine Verlobung im Kreise der Familie und schon wenige Monate später wollte es heiraten. Die Hochzeit sollte nirgendwo anders als im größten Veranstaltungssaal der Hauptstadt Jerusalem stattfinden. Der Tag? Dienstag, der 17.November 2015.

Es kam die entscheidende Woche vor der Hochzeit. Es mussten noch viele Vorbereitungen getroffen werden, die Aufregung war groß. Sarahs Vater, er hieß übrigens Yaakov, hatte schon am Donnerstag vor der Hochzeit den feierlichen Anzug anprobiert und auch der Bruder Netanel hatte sein Hemd gebügelt gehabt. Am Wochenende würden die Eltern und Geschwister die Zeit mit Sarahs Bräutigam Ariel verbringen, den alle schon längst in ihr Herz geschlossen hatten. Sarah würde das letzte Wochenende ihres „Single“-Daseins mit den Freundinnen feiern – eine Art „Junggesellinnenabschied“ eben.

Ariels Familie wohnte in der kleinen Ortschaft namens Meytar, nördlich von der Wüstenmetropole Beer Sheva. Genau dorthin machten sich Vater Yaakov, Mutter Noa, Sohn Dvir und die drei Mädchen Tehila, Moria und Avia am 13.11.15 auf im Familienauto. Am Steuer saß der 17-jährige Netanel. Die Strecke führte an kleineren und größeren Dörfern vorbei, die Autobahn wand sich durch die Berge, passierte Hevron, die Siedlungen Bet Haggai und Otniel.

Es war kurz vor drei Uhr nachmittags, Sarah hatte gerade daheim geduscht, da begann das Telefon zu klingeln. „Hast du gehört, auf der Autobahn bei Otniel hat es gerade ein Attentat gegeben!“, sprach der Onkel am Telefon, als Sarah den Hörer abhob. Von plötzlicher Angst ergriffen, wählte Sarah die Nummer ihrer Eltern. Niemand ging dran. Weitere Anrufe erreichten sie, und sie erfuhr, dass ihre Mutter und ihr Bruder Dvir verletzt wurden. Sarah rief in Panik ihre zukünftigen Schwiegereltern an. „Sind alle am Leben?“, wollte sie wissen. „Es ist nicht sicher“, bekam sie zur Antwort.

Sarah begann panisch zu schreien. Das Haus füllte sich plötzlich mit Leuten und es war alles ein großes Durcheinander. Beamte des lokalen Psychologendienstes kamen ins Haus und  ließen sie wissen, dass ihr Vater und ihr Bruder in der Terrorattacke auf das Familienauto auf der Autobahn ermordet worden waren. Sie hatte das schon geahnt. Sarah wurde umgehend nach Jerusalem gefahren, ihr folgte kurze Zeit später ihr Bräutigam Ariel, der begriff, dass er seiner Braut in diesen Stunden beistehen musste. Als Sarah im Krankenhaus angelangte, fiel sie ihrer Mutter um den Hals, schrie und weinte. „Pass auf mich auf“, flüsterte ihre Mutter Noa ihr zu, „ich habe keine Kraft.“ Sie hatte soeben dem Mord an ihrem Mann und ihrem Sohn zugesehen.

(Bericht auf DIE SIEDLERIN zum Attentat auf Yakov Litman: siehe hier)

Yaakov Litman und Sohn Netane hy'd
Yaakov Litman und Sohn Netane hy’d

Sarah Techiya Litman, die in der nächsten Woche heiraten sollte, war ab diesem Freitagnachmittag Waise, zusammen mit ihren vier überlebenden Geschwistern. Sie hatte ihren Vater und ihren Bruder verloren. Sie war am Boden zerstört. Den jüdischen Ruhetag, den Shabbat, verbrachte sie mit ihrer Familie und mit Ariel in unbeschreiblicher Trauer.

Die Details des Mordes an Yaakov  und Netanel Litman begannen sich schnell aufzuklären: Der erste Schuss des Terroristen, der hinter einer Abbiegung auf ein israelisches Auto wartete, der den Vater tötete. Netanel, der zusammen mit seinem jüngeren Bruder Polizei und Krankenwagen kontaktierte und Anweisungen an die restlichen Insassen weitergab, bevor der Terrorist sich dem stehenden Auto nähern und auch ihn aus unmittelbarer Nähe erschießen konnte. Die Schwestern, die beinahe ebenso getötet worden wären, hätte nicht etwas den Terroristen davon abgehalten – das Gewehr schien nicht nachladen zu wollen und dieser flüchtete. Die Fahrer  des „Roten Halbmonds“, der palästinensischen Variante des „Roten Kreuzes“, welche wenige Minuten später am Tatort vorbeikamen, und, anstatt den Verletzten zu helfen, sie unbeteiligt an die israelische Notfallnummer verwiesen und davonfuhren.

Sarah musste sehr viel Kraft aufbringen. Die Ermordeten wurden gleich am Samstagabend begraben und Tausende erschienen zur Beerdigung. „Wer wird mich unter den Hochzeitsbaldachin begleiten, Papa?„, weinte Sarah beim Begräbnis hemmungslos. Auf die Beerdigung folgte das Trauersitzen im Hause Litman. Die ersten Interviews. Die Trauerbesuche. Währenddessen

Sarah und ihr Hochzeitskleid. Quelle: Israel Hayom
Sarah und ihr Hochzeitskleid. Quelle: Israel Hayom

wich Ariel nicht einen Moment von Sarahs Seite. In allen Presseaufnahmen, auf allen Bildern sah man Sarah und Ariel, das vom Unglück getroffene Liebespaar, welches statt des schönsten

Tags ihres Lebens das schrecklichste Unglück erleben mussten, das ihnen passieren konnte. Selbstverständlich konnte die Hochzeit nicht am geplanten Dienstag durchgeführt werden. Die Absage einer jüdischen Hochzeit gilt als  etwas, das nur in extremen Umständen geschehen darf. Und anstatt im Hochzeitskleid zu tanzen, saßen Sarah und ihre Familie in zerrissenen Kleidern als Zeichen der Trauer auf dem Boden.

(Interview mit Sarah und Ariel auf Englisch)

Doch Sarah hatte viel Kraft in sich. Nicht umsonst trug sie wohl ihren zweiten Namen, Techiya, „Wiedererstehung“. Und sie fand die Kraft. Ariel und sie entschieden: Die Hochzeit würde stattfinden.

"Kommt zu unserer Hochzeit" Der Artikel über Sarah Techiya und Ariel in der Zeitung "Yediot Aharonot"
„Kommt zu unserer Hochzeit“ Der Artikel über Sarah Techiya und Ariel in der Zeitung „Yediot Aharonot“

Wir lassen es nicht zu, dass der Terror uns zerstört. Trotz der furchtbaren Katastrophe wird es eine fröhliche Hochzeit werden„, verkündeten sie schon in den ersten Trauertagen. „Wir werden gemeinsam ein Haus aufbauen, mit Freude, im Geiste von Papa und von Netanel.“ Bald darauf wurde auch die offizielle Mitteilung der Familie und des Brautpaares bekannt gemacht. Sie teilten das neue Datum der Hochzeit mit  – und luden ganz Israel zur Hochzeit ein:

„Freue dich nicht, meine Feindin, denn bin ich auch gefallen, so bin ich wieder auferstanden.“ *

Unsere Hochzeit wird, so Gott will, am Donnerstag, dem 14.Kislev, dem 26.November, in der Nationalhalle (in Jerusalem) stattfinden. Ganz Israel ist eingeladen, mit uns aus der Asche aufzuerstehen und an unserer Freude teilzuhaben. Sara Techiya und Ariel.

(*Zitat aus Prophet Micha, Kap.7)

Quelle: INN
Quelle: INN

Wir laden alle, die mit uns den Schmerz gefühlt haben, mit uns den Sieg zu feiern. Die Palästinenser wollten uns das Leben nehmen , doch wir werden es weiterleben. Wir werden froh sein und den Weg von Papa und Netanel gehen„, erklärten beide in einem kurzen Video der Nachrichtenseite Israel National News.

Landesweit und auch auf internationalen Ebene verfolgten Juden, Israelis und auch andere, die das Schicksal von Sarah und Ariel berührt hatte, den Auftritt des jungen Paares. Der bekannte israelische Rabbiner Yitzhak Neria eröffnete für Sarah und Ariel einen Spendefonds – nicht um der Familie finanziell zu helfen, das hätten sie nicht nötig, erklärte er, sondern damit jeder, der möchte dadurch eine Chance bekäme, dem Paar eine „warme Umarmung“ zu geben und Unterstützung zu zeigen. Ein weiterer Spendefonds sammelte in 9 Tagen über 21 Tausend Dollar als virtuelle Geschenke für das Brautpaar aus der ganzen Welt. Bei der Hochzeitsvorbereitung wirkten verschiedene israelische Firmen mit, die ihre Dienste dem Brautpaar umsonst zur Verfügung stellten, so beispielsweise einen Leihwagen für die ersten Wochen nach der Hochzeit. Und viele weitere im ganzen Land warteten gespannt auf den langersehnten Tag der Hochzeit – dem 26.November, um der Einladung zu folgen und um 22.30, nach der eigentlichen Trauungszeremonie, die im Kreise von Familie und Freunden durchgeführt werden würde, an den Tänzen teilzunehmen.


Und nun war es der 26.November, und die israelische Presse übertrug live die „Hochzeit des Jahres“ von Sarah Techiya Litman und Ariel Biegel. Die ersten Bilder und Videos tauchten schon im Internet auf: Sarah im Brautkleid unterwegs nach Jerusalem.

Um 19.00 Uhr fand die eigentliche Trauungszeremonie statt. Rabbiner und führende Persönlichkeiten aus ganz Israel kamen zur Feier – so auch die Ehefrau des Ministerpräsidenten, Sarah Netanyahu. Eine Gruppe amerikanisch-kanadischer jüdischer Studenten reiste speziell zur Hochzeit an, um am Fest teilzunehmen. Weitere Tausende Menschen versammelten sich um die Halle herum, sangen, schwenkten Fahnen und bemühten sich, ins Gebäudeinnere vorzudringen, um einen Blick von Sarah zu ergattern. Die glücklichen und ergriffenen Gesichter von Sarah und Ariel füllten die Titelseiten der Presse.

In der ersten gemeinsame Mitteilung des jungen Paares Litman-Biegel dankte Sarah ganz Israel vom Herzen für die enorme Unterstützung, welche sie erfuhren (Zitat: srugim.co.il):

„Noch vor zwei Wochen kannte niemand Ariel und mich und hat sich nicht für uns interessiert. Dann, binnen einem Moment, inmitten der Hochzeitsvorbereitungen, wurden mein Vater und mein Bruder von einem grausamen Terroristen ermordet. Es gibt keinen Moment, an dem ich mich nicht nach dem Lächeln von Netanel und der Bescheidenheit von Papa sehne, und es wird mich für immer begleiten.

Aber gerade aus dem Schmerz heraus, im Monat der Stärke und des Heldentums, vor dem Feiertag von Chanukka, werden wir gemeinsam mit dem Volk Israel das gewaltige Licht der Freude verbreiten, der Güte und der Liebe, mit welchen uns die ganze Nation überhäuft hat. Und die Hauptsache ist es, sich vor nichts zu fürchten.“

 

sarahwedding4

 

(Quellen für Berichterstattung und Zitate : INN, Channel 2, Srugim.co.il, Ynet)

Terror-Updates. Aus dem Leben von Ziv und Hadar

Der Terror wird fortgesetzt, auch wenn nicht jede Nachricht, die eingeht, in diesem Forum wiedergegeben wird. Jeder, der irgendein israelisches Nachrichtensystem und seine Aktualisierungen abboniert hat – Ynet, 0404, Channel 2, INN und das Journalistenupdate der israelischen Armee (privat) sind die Quellen, die ich mehrheitlich nutze -, bekommt den ganzen Tag über aktuelle Berichte über Anschläge und Verdacht auf Anschläge im ganzen Land. Leider kann ich auch euch nicht von den Nachrichten befreien, da ich mich verpflichtet fühle, über die Angriffe auf die Juden in Judäa und Samaria zu berichten.
(Updates für andere Regionen gibt es bei anderen vertrauensvollen deutschsprachigen Seiten wie Israelnetz, Israel Direkt und anderen).

Am 23.11. war erneut ein Tag des Terrors und der Opfer in Judäa und Samaria (ebenso in Jerusalem) gewesen.

1. Zwei Juden wurden auf einer Tankstelle auf der Autobahn 443 (Jerusalem – Modiin, Südsamaria) durch einen Terroristen verletzt – eine Offizierin und ihr Soldat. Der Soldat, Ziv Mizrachi, 18, aus der Siedlung „Givon Hachadasha“, wurde von einem Terroristen, selbst 16 Jahre alt, lebensgefährlich verletzt und starb kurze Zeit später an seinen Verletzungen.

Ziv Mizrachi hy'd
Ziv Mizrachi hy’d

Ziv wurde erst in diesem September in die Armee eingezogen. Seine Freunde beschrieben ihn als einen fröhlichen Jungen, der immer einen Witz parat hatte, sehr empfindsam war und seinen Dienst in der Armee genossen hatte. Die Familie von Ziv hatte 2003 ein furchtbares Trauma hinter sich gebracht – Zivs Onkel Alon wurde in einem Terroranschlag auf das Jerusalemer Café Hillel umgebracht, bei welchem 6 Israelis getötet wurden. Alon war erst 22 Jahre alt. Ziv erinnerte sich oft an den getöteten Onkel, insbesondere die letzte Zeit brachte viele Erinnerungen zurück.

Karte des Tatorts, Autobahn 443
Karte des Tatorts, Autobahn 443

Die Offizierin, welche zusammen mit Ziv auf der Tankstelle  gewesen war, wurde Zeuge des Attentats. Die beiden waren kurz zuvor nur knapp einem Autounfall entgangen und hielten bei der Tankstelle an, um die Schäden zu klären.

Die Offizierin am Tatort. Foto: Ynet
Die Offizierin am Tatort. Foto: Ynet

2. Am Morgen wurde ein Mann von 27 Jahren nahe der Siedlung Kfar Adumim angefahren und leicht verletzt. Der Fahrer flüchtete. (Channel 2, Ynet)

3. Auf der Huwara-Kreuzung versuchte ein Terrorist, einen Soldaten mit einem Messer anzugreifen und wurde erschossen.


Hadar Buchris hy'd
Hadar Buchris hy’d

Am 22.11 wurde die junge Hadar Buchris, 21, von einem arabischen Terroristen aus dem nahgelegenen Dorf Bet Fajjar ermordet. Der Terrorist war in das Areal der Gush Etzion-Kreuzung, welche als der momentan gefährlichste Brennpunkt Israels gilt (und auch die Kreuzung vor meinem Wohnort darstellt) und rundum bewacht ist, vorgedrungen und griff die an der Bushaltestelle wartende Hadar an. Er verletzte sie schwer und wurde anschließend von den Soldaten erschossen. Hadars Leben konnte nicht mehr gerettet werden – die schwerverletzte junge Frau starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Ortschaftenkarte Gush Etzion.
Ortschaftenkarte Gush Etzion.

Hadar war 21 und stammte aus Zfat (Safed) im Norden. Sie war einige Wochen lang auf der Suche nach einer WG in der Siedlung Bat Ayin im Gush Etzion. Vor etwa zwei Wochen kam sie aus einer halbjährigen Reise in Indien zurück und wollte ein neues Kapitel im Leben aufschlagen. An diesem Tag, an welchem sie ihr Leben verlor, war sie gerade zurück von der WG-Suche und wollte bei Freunden im Gush Etzion übernachten, als sie der Terrorist entdeckte und anfiel.

In Hadars Zimmer in Zfat fand man den folgenden Text über ihrem Bett stehen:

Foto: Yonatan Amrani
Foto: Yonatan Amrani

„Ich liebe das Leben. Ich liebe alles. Ich liebe es einfach. Liebe die Natur, liebe es zu lachen. Liebe es zu tanzen. Liebe das, was es nicht gibt, und was es gibt. Verstehe, dass alles zum Guten ist. Ich nehme in mein Leben auf, was ich brauche, und sage danke für das, was Er dort oben mir gibt. Glaube daran, dass es ein gutes Karma gibt. Ich liebe Menschen und bevorzuge die Guten unter ihnen. Zu wissen, dass alles vorbei geht. Dass nichts als Zufall passiert. Ich erinnere mich immer selbst daran. Das ist eine Entscheidung. Tief einatmen, nu… na und? 🙂 Ich liebe das Alleinsein, den kleinen Gott, der aus mir heraus spricht. Liebe die kleinen Gesten im Alltag. Versuche, das Jetzt so viel es geht, zu leben. Suche nach den kleinen Glücksmomenten. Liebe das Schaffen, die Kunst, die Seele in den Dingen. Musik, Natur, Kleider. Liebe ohne Ziel. Ich liebe einfach. Liebe das Meer, den Wind und die Stimme der Wellen. Liebe den Sonnenuntergang und mich selbst im Spiegel. Das ist mein Körper und er ist ein Geschenk. Liebe mich selbst. Punkt.“

Foto: Walla
Foto: Walla

Hadar wurde am 23.11 auf dem Jerusalemer „Har Hamenuchot“-Friedhof bestattet, mehrere hundert Menschen begleiteten sie. Die Knesset-Abgeordnete Shuli Mu’alem-Refa’eli (Jüdisches Heim), ebenso eine Einwohnerin der Gegend, eröffnete an der Stelle, wo Hadar ermordet wurde, aus Protest ein symbolisches „mobiles Büro“ (Zelt).

 

Am Morgen des 22.11. wurde der ehemalige Vorsitzende der Judäa und Samaria-Verwaltung, Gershon Messika (der wegen einer Korruptionsaffäre aus dem Amt entlassen wurde) Zeuge eines versuchten Attentates, als er eine Anhalterin in den Wagen

Gershon Messika. Rettete Wartende vor Messerattacke.
Gershon Messika. Rettete Wartende vor Messerattacke.

aufnahm und dabei eine muslimische Frau mit einem gezückten Messer auf weitere Wartenden auf einer Bushaltestelle in Südsamaria zurennen sah. Der Mann zögerte nicht lange und fuhr mit seinem Wagen in die Terroristin hinein. Dabei stieß er diese um. Der Wagen rutschte in einen Graben. Die herbeieilenden Soldaten konnten die Terroristin niederschießen. In den sozialen Netzwerken wurde Messika als Held gefeiert, einige Medien konnten die Rettungstat aber nicht ohne einen Kommentar zur Korruptionsaffäre stehen lassen.


Ich möchte, dass ihr wisst, dass im ganzen Umkreis von Judäa und Samaria in den letzten Tagen verstärkt Steine auf jüdische Autofahrer geworfen werden. Da die Straßen weiterhin Juden und Arabern zugänglich sind , ist diese Gefahr immens groß. Steine, Brandbomben, Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften sind tagtäglich präsent (Updates: IDF Blog). Nicht jedes solche Update wird sich auf meinem Blog finden – irgendwo symbolisiert es auch eine Tendenz dazu, solche Übergriffe auf den Alltag nach einer bestimmten Zeit als Alltag wahrzunehmen und nicht mehr gesondert zu betrachten. Dennoch  – ein jeder solcher Übergriff mit dem Ziel, Menschen zu schaden und umzubringen, ist ein Terrorakt für sich!

Spontankundgebungen jüdischer Einwohner mit Flaggen, Reden und Gesang bilden sich an größeren Kreuzungen, so am 23.11. an der Gush Etzion-Kreuzung, als sich mehrere dutzend Frauen aus den Siedlungen zum Protest gegen die Morde versammelten.

Teile von Landstraßen, welche direkt an Siedlungen vorbeiführen, so die Straße 367 bei der Siedlung Alon Shvut, auf welcher am letzten Donnerstag Yakov Don und Ezra Schwarz umgebracht wurden, werden für arabische Nichteinwohner zur Durchfahrt gesperrt. Erneut werden sogenanne „Roadblocks“, Spontansperren, eingeführt – welche schon fast ein Jahrzehnt nicht mehr so vorhanden gewesen sind und die Freifahrt für palästinensische Autofahrer garantiert gewesen ist (innerhalb von Judäa und Samaria, Jerusalem nicht inklusive).

In einige der Siedlungen werden arabisch-palästinensische Arbeiter aus Vorsichtsmaßnahmen vorerst nicht mehr hineingelassen – das unterliegt der Entscheidung der Lokalverwaltung. Das hindert sie entsprechend am täglichen Geldverdienst. Dörfer, aus welchen Terroristen auf Juden Attentate verüben, werden unter Ausgangssperre gesetzt, bis die notwendigen Verhaftungen durch die Armee vorgenommen werden. All das behindert erheblich den arabischen und auch den jüdischen Alltag.

So hat der Terror immer wieder einen Preis – den Tod Unschuldiger und die Beeinträchtgung der Lebensqualität aller Beteiligten und Unbeteiligten. Judäa und Samaria ähneln immer mehr einer Kriegszone mit allen zusätzlichen Soldaten und Sicherheitskräften, und trotz der enormen Dankbarkeit, welche wir gegenüber ihrem unaufhörlichen Einsatz empfehlen, füllt sich das Herz mit Trauer bei diesem rauen Anblick. Wir aber leben unser Leben weiter – auch und gerade trotz der Morde an unseren Mitbrüdern, ihrem Gedenken zu ehren.

„Durch ihren Tod trugen sie uns das Leben auf.“

(Chaim Nachman Bialik)

Ungarn macht nicht mit. KaDeWe würde gerne, aber…

Wenige deutschsprachige Medien (es belief sich meiner Suche nach auf lediglich 2  – RTF1 und Kath.net , ebenso wie das deutschsprachige jüdisch-schweizerische Magazin Tachles und die Jüdische Allgemeine)berichteten über die Erklärung des Außen- und Handelsministers Péter Szijjártó, bei der Etiketiterung israelischer Produkte aus den Siedlungen entsprechend der neuen EU-Richtlinie vom November 2015 nicht mitzumachen. Über 21.000 Mal wurde der Artikel der Jerusalem Post online geteilt, welche über den Besuch des Ministers in Israel am 16.11. und seine Aussagen beim Frühstückstreffen des Israelrates für außenpolitische Beziehungen berichtete. Szijjartó bezeichnete die Ettiketierung als „irrational“ und kritisierte diese Entscheidung der EU im Rahmen weiterer ausgiebiger EU-Kritik, welche der Diplomat auf der Reise parat hatte, insbesondere bezüglich der EU-Politik gegenüber Flüchtlingen und der Terrorbedrohung. Politische Korrektheit und Scheinheiligkeit würden verhindern, dass auf wichtige Dilemmas auf gebührende Art und Weise reagiert werden würde, sagte er.

Solche deutlichen Reaktionen gab es dagegen im Land der Einigkeit, des Rechtes und der Freiheit seitens der Regierung nicht zu hören. Dort verwies man ganz auf die Rechtsgrundlage für die EU-Richtlinie, hinter der man sich einig stellte, versicherte aber, es würde zu keinem Boykott führen und keinen beabsichtigen; außerdem nähmen sich die Betriebe wohl auch die Freiheit heraus, bei der Etikettierung nicht mitzumachen und die Ministerien würden sich auch erlauben, die Zuständigkeit für die Beaufsichtigung der Etikettierung nicht auf sich zu nehmen – so geht es zumindest aus dem Artikel der Jüdischen Allgemeinen hervor. Und neben Reaktionen einer gewissen Anzahl empörter Juden in Deutschland gab es auch Rückmeldungen seitens prominenter Deutscher zum Thema – so wie beispielsweise der berühmte Kommentar „Lex Anti-Israel“ von Ralf Schuler in der BILD und die Feststellung, die Etikettierung führe zur Stigmatisierung, von Bundestagsabgeordnetem für Solingen, Remscheid und Wuppertal, Jürgen Hardt.

(Am Ende, so würde ich meinen, werden es die Endverbraucher sein, die über die Zukunft des israelischen Exports in Europa entscheiden werden – mit oder ohne Etikett. Ich persönlich würde Israel raten, seinen Markt viel mehr nach Nah- und Fernost auszubauen.)

(Danke an heplev für die Links)


Seit Freitag, dem 20.11. und diesem SPIEGEL-Artikel ist ein Sturm durch das deutsch-jüdische Netz gezogen, den man fürwahr als Shitstorm bezeichnen kann. Ein wahrer Shitstorm – und das wegen „Siedlerwein„! (Eine weitere Bereicherung für das Siedler-X-Wörterbuch) Er richtete sich gegen das mehrheitlich in italienisch-österreichischem Besitz befindende Berliner Kaufhaus KaDeWe, welches am besagten Freitag mehrere Weinsorten aus den Golanhöhen (das „Siedler-Areal“ hat sich entsprechend den EU-Ansichten geweitet!) aus dem Sortiment gezogen hatte – um sie mit einer korrekten Kennzeichnung entsprechend den neuen EU-Richtlinien zu versehen, so die Sprecher des Kaufhauses laut SPIEGEL. Die gesetzestreue Eifrigkeit von KaDeWe wurde ausnahmsweise nicht belohnt: Eine Massenkampagne gegen die Entscheidung brach im Internet los, sämtliche Aktivisten schickten Protestbriefe an die „Nazi-Erben“ des Kaufhauses, welches während des nationalsozialistischen Regimes vom ehemals jüdischen Eigentümer enteignet worden war. Protestmemes (Grafiken) geisterten im Netz herum; die Nachricht vom „Israelboykott“ des deutschen Kaufhauses erreichte die israelische Presse und auch Premierminister Netanyahu meldete sich zu Wort.

Es dauerte kaum ein paar Tage, bis die Leitung des KaDeWe seine „unsensible“ Entscheidung überdacht hatte (FAZ) und die Weine wieder ins Regal stellte – mit der alten Etikettierung.

Rückmeldung des KaDeWe an Volker Beck
Rückmeldung des KaDeWe an Volker Beck

Volker Beck (Die Grünen) bekam eine persönliche Antwort des KaDeWe zum Thema, und auch ein offizielles Statement veröffentlichte die Geschäftsleitung zum „falschen Verhalten“ auf der Facebook-Seite. Die FAZ mochte zwar behaupten, das „Schwanzeinziehen“ des KaDeWe erfolgte auf die Rüge seitens Premierminister Netanyahu – aber wir wissen es besser. 😉

Jedenfalls war der Zusammenhalt und Aktivismus der Beteiligten gegen diese erniedrigende Entscheidung des KaDeWe geschlossen, eindrucks- und wirkungsvoll gewesen, und man möchte hoffen, dass in Zukunft ähnliche Aktionen folgen, sollte noch jemand beschließen, die leckeren Golan-Weine oder das Tote Meer-Salz aus den Regalen zu entfernen. Denn die leckeren Weine und der Likör aus Gush Etzion gelangen (leider!) nicht nach Deutschland, auch nicht nicht organisch rein hergestellten Produkte der Firma Givot Olam und, wenn mich nicht alles täuscht, auch nicht die süße Halva von ACHVA. Nur ca.1% der Produkte, welche in Betrieben außerhalb der „Grünen Linie“ hergestellt werden, werden insgesamt nach Europa exportiert. Für diese Leckerbissen müsst ihr euch also

Werner Hartstock und ich im "Hamama", Kfar Etzion.
Werner Hartstock und ich im „Hamama“, Kfar Etzion.

herbemühen – so wie Reiseleiter Werner Hartstock von den Sächsischen Israelfreunden, mit dem wir heute abend im Restaurant „HaHamama“ („Gewächshaus“) im Kibbutz Kfar Etzion gegessen haben. Auch ihr seid herzlich eingeladen, vorbeizuschauen! Keine Sorge, die Soldaten unterwegs beißen nicht, wir versorgen sie zu Genüge mit Leckerbissen, während sie auf uns Acht geben.

🙂

 

(Danke an Maria Fuhrmann für die Links)

 

Gefallen in den Augen von Gott und Mensch – nach dem Attentat auf Yakov Don (NEWS)

Den Wert mancher Menschen lernt man erst dann kennen, wenn es schon zu spät ist. Das muss ich mir immer wieder sagen in den letzten Monaten, in welchen eine Terrorattacke die andere jagt, und immer wieder Menschen getötet werden, von deren Liebe, Güte und Bedeutung für ihre Umgebung man erst nach dem Mord an ihnen erfährt.

Yakov Don hy'd.
Yakov Don hy’d.

Yakov Don war einer von diesen Menschen für mich, aber im Gegenteil zu mir haben ihn in Gush Etzion und Alon Shvut, wo die Familie Don wohnt, sehr, sehr viele gekannt. Der 49-jährige war Erzieher und Lehrer, der auch als Erziehungsberater in Efrat fungierte, Englisch und Religionsstudien unterrichtete und bei seinen zahlreichen Schülern und Schülerinnen sehr beliebt gewesen war. Yakov war verheiratet mit Sarah, gemeinsam haben sie vier Kinder in die Welt gesetzt – drei Jungen und ein Mädchen – Rachel, erst 13 Jahre alt. Familie Don war eine der alteingesessenen Familien von Alon Shvut. Über 20 Jahre arbeitete Yakov als Erzieher und Lehrer. Mehrere Generationen von Schülern wuchsen mit seinem Lächeln und unter seiner Anleitung auf. In den letzten Jahren schrieb er an seinem Doktorat und hätte es in den kommenden Tagen fertiggestellt.

Das Auto von Yakov Don. Foto: INN
Das Auto von Yakov Don. Foto: INN

Am Donnerstag, 19.11.15, in den Nachmittagsstunden, stand Don in seinem Auto im üblichen Stau, welcher schon lange Zeit die Anwohner von Gush Etzion und insbesondere von Alon Shvut plagt. Dabei ist die wenige hundert Meter lange Strecke zwischen dem Einfahrtstor zur Siedlung in Richtung der zentralen Kreuzung mit dutzenden Autos verstopft und die Wartezeit kann manchmal bis zu einer Stunde betragen. Auch an diesem Tag standen in diesem Stau die Autos von jüdischen und arabischen Fahrern, als ein arabischer Fahrer in entgegengesetze Richtung an der Warteschleife vorbeifuhr,

So sieht es auf der Karte aus.
So sieht es auf der Karte aus.

zurückdrehte und begann, die Wartenden aus nächster Nähe mit einem Gewehr zu beschießen. Dabei wurden mehrere verwundet, doch drei erlagen den Verletzungen – Yakov Don, 49, aus Alon Shevut, der Jeschive-Schüler Ezra Schwarz, 18, aus den USA, und auch ein arabischer Fahrer aus Hevron fand sich unter den Toten. Der Terrorist wurde von einem Anwohner überwältigt und verhaftet. Seine Opfer konnte dies nicht mehr retten.

Yakov war unterwegs zu seinem Unterricht, als er erschossen wurde. Der 18-jährige amerikanische Schüler Ezra befand sich neben den Autos, da er zusammen mit Freunden Essen und Süßigkeiten an die Soldaten verteilte, welche sich auf der Strecken befanden, um die Fahrer zu bewachen. Weshalb die Soldaten den bewaffneten Terroristen im Auto nicht bemerkten und seinen Amoklauf nicht verhindern konnten, ist nicht bekannt. Der Terrorist soll wie schon zahlreiche zuvor aus der Gegend von Hevron, einer Hamas-Hochburg, stammen.

Als die Gemeinschaft von Gush Etzion vom Tod des beliebten Erziehers erfuhr, machten sich Trauer und Schock breit. Freunde und Schüler veröffentlichten Nachrichten mit Erinnerungen an Don. Die Einwohner von Alon Shvut erhielten eine SMS des lokalen Notfallteams der Siedlung, in welcher vom Tod von Yakov Don informiert wurde. Ein Bekannter von mir schrieb auf Facebook:

„Ich bin absolut schokiert…schokiert! Mein Englischlehrer für 4 Jahre an der Hemshech-Schule…ein beliebter Lehrer, ein Mensch mit Witz und Pfiff, man konnte mit ihm auf Augenhöhe reden…ein Mann mit der Haltung eines hohen Offiziers…und noch mehr als das – ein geliebter Erzieher! So viele Schüler sind durch seine Hände gegangen. Er erzog sie zu jüdischen Werten…nichts Schlechtes würde man über ihn hören…er liebte alle Geschöpfe…

Rabbiner Yakov Don, soll Gott seinen Tod rächen, denn nur Er kann das…niemand sonst in unserer schwächlichen Regierung!“

Am darauffolgenden Freitag, 20.11., wurde Yakov zur letzten Ruhe auf dem Friedhof im naheliegenden Kibbutz Kfar Etzion getragen. Tausende Menschen wohnten der Beerdigung bei, darunter auch der Minister Avi Gabai und der Knessetsprecher Yuli Yoel Edelstein.

 „Du fandest Gefallen in den Augen von Gott und den Menschen“,

sagte Edelstein. Einer von Yakovs Söhnen, Ma’or, sagte in seiner Abschiedsrede:

„Die Welt kann mit einem Mal dunkel werden, das war der Moment, als man mir sagte, dass mein Vater ermordet wurde. Jetzt verbleibe ich im Dunkeln. (…) Mein Vater wusste selbst nicht, wie besonders er war. Ein Mensch der Berührung, des Lächelns. Ich fühle seine Liebe in meinen Venen fließen.“


Schon am Freitag selbst, vor und nach der Beerdigung, füllten sich die Email-Verteiler mit Nachrufen verschiedener Personen zum Tod von Yakov Don. Darunter waren der Rabbiner von Gush Etzion, der Bürgermeister von Efrat, aber auch reguläre Bekannte und Freunde, Außerdem wurde eine Liste herumgeschickt, auf welcher sich Bereitwillige eintragen würden, um der Familie Essen zu spenden. Nach jüdischem Gesetz dürfen Trauernde, welche sieben Tage um ihren nahen Verwandten in Trauer sitzen (Shiva), sich selbst nichts zubereiten und für nichts sorgen, sondern sich voll und ganz der Trauer und dem Gedenken widmen. Die Gemeinschaft sorgt für sie.

Am Fall von Yakov Don würde ich gerne exemplarisch zeigen, wie unsere Gemeinschaft sozial gesehen funktioniert.
Alle sorgen sich um alle. Jeder weiß, was passiert, und Hilfe wird schnellstmöglich organisiert. Das lokale Notfallteam, welches aus Einwohnern besteht, gibt Anweisungen in Falle von Notsituationen wie einem Attentat weiter und informiert über die Vorgehen. Sobald bekannt wird, dass das Opfer aus der eigenen Siedlung stammt (oder auch aus der Umgebung), werden Fahrten zur Beerdigung organisiert. Beileidswünsche füllen die Emailverteiler. Essensspenden werden lokal von den Anwohnern organisiert, und zwar so, dass die Essensmenge für 3 Mahlzeiten reicht – und im Falle der Familie Don für ganze 12 Menschen. Gebetszeiten werden organisiert und publik gemacht, zu Ehren des Verstorbenen werden bestimmte Traktate gemeinsam gelesen. Die Anteilnahme ist groß und aufrichtig, ebenso wie das Interesse am Wohlbefinden der Betroffenen.

Das Haus der Familie, in welchem  das Trauersitzen stattfindet, und welches auch ich an heutigem Abend, gleich nach Shabbat-Ausgang, besuchte, war mit Besuchern gefüllt, welche die Familie in Not zu stärken gekommen waren. Dutzende gingen ein und aus. Die Kinder

Das Trauersitzen im Hause Don., heute (21.11)
Das Trauersitzen im Hause Don., heute (21.11)

und die Witwe Sarah saßen auf niedrigen Stühlen, wie es die Tradition besagt, um sie herum saßen Bekannte, Freunde, ganze Schulklassen. Die Tochter Rachel empfing ihre Freundinnen in einem der Zimmer. Alle wirkten gefasst, tauschten Erinnerungen aus, tranken Tee, manchmal sah man  Sarah sogar lachen, wenn der eine oder andere Besucher eine schöne Erinnerung oder ein Foto von Yakov teilte;  ihr ausgelaugtes Gesicht verriet jedoch den Schmerz hinter der Maske der Stärke. „In den letzten Tagen hatte Yakov so vieles geschafft in so kurzer Zeit, ich hatte mich gewundert, wieso alle Pläne, die lange aufgeschoben wurden, mit einem Mal alle durchgeführt werden mussten„, erzählte sie, „auch hatte es Yakov geschafft, mit jedem der Kinder in dieser Woche einzeln zu sitzen und zu reden. Als hätte alles erledigt werden müssen, bevor…Vielleicht hätten wir die Pläne doch aufschieben sollen, wer weiß…


An der Kreuzung. Quelle: INN
An der Kreuzung. Quelle: INN
An der Kreuzung. Quelle: INN
An der Kreuzung. Quelle: INN

Auch andere Reaktionen innerhalb der Bevölkerung folgten auf das Attentat. Kinder und Jugendliche, welche an diesem Wochendende sich im Rahmen der Jugendbewegung „Bney Akiva“ treffen und feiern sollten, gingen zusammen in einem Gedenkmarsch vom Zentrum von Alon Shevut aus bis zur Kreuzung, vorbei an der besagten Attentatsstelle, bewacht von Polizei- und Armeekräften, sangen, in einem Halbkreis stehend, gemeinsam und wehten israelische Fahnen. Zuvor trafen sich Gruppen von Jugendlichen zusammen mit Erziehern, um über das Attentat zu reden und den Tod des Lehrers gemeinsam verarbeiten zu können.

Auch die Bezirksverwaltung von Gush Etzion traf sich mit führenden Armeekräften, so auch dem Oberbefehlshaber der Armee. Die gefährliche Verkehrslage an der Gush Etzion-Kreuzung, die Staus, die fehlenden Ampeln und der überfordernde Verkehr gerieten nun in dem tragischen Kontext des neuesten Anschlags ins Gespräch – obschon die Problematiken jahrelang unentwegt seitens der Bezirksverwaltung angesprochen wurden. Auch eine Einschränkung von arabischem Autoverkehr um die Kreuzung herum – so auf der Landstraße 367, welche an vier großen jüdischen Ortschaften und zwei kleineren arabischen Orten vorbeiführt, wurde angesprochen, denn diese Einschränkung wird schon länger im Zuge von blutigen Attentaten auf die lokalen jüdischen Einwohner gerade auf dieser Landstraße gefordert, Bisweilen beschloss der Verwaltungsrat von Alon Shevut, am kommenden Sonntag keinen Einlaß für arabische Arbeiter in die Siedlung zu gewähren. Schon seit einigen Tagen wurden zusätzliche Metallzäune um die Bürgersteige der Kreuzung herum angebracht – deren tatsächliche Relevanz ist jedoch fraglich. Noch vor Beginn der Unruhen in diesem Herbst wurde die Gush Etzion-Kreuzung von Soldaten bewacht und während der letzten Monate wurde die Bewachung von Zivilisten verstärkt.
Welche weiteren Maßnahmen vorgenommen werden, ist bisher unbekannt.