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Die Siedlerin @ Fokus Jerusalem TV

Darauf aufmerksam gemacht haben mich diejenigen, die mich dank der Sendung  zum ersten Mal im Internet gefunden hatten. Plötzlich bekam ich eine Flut von Emails und Freundschaftsanfragen und Likes auf Facebook, dachte mir zuerst, „was sei denn jetzt los, mein letzter Beitrag war schon lange her“. Und dann las ich die Mails und mir fiel wieder ein, dass die netten Filmemacher von Fokus Jerusalem (Bibel TV), vor etwa anderthalb Monaten, nachdem sie bei mir einen Nachmittag  verbracht und mir wieder ein wenig Gefühl von „Showstar“ gegeben hatten, mir ankündigten, dass die Aufnahmen etwa in diesem Zeitraum veröffentlicht werden würden. Nun, ich habe keinen Fernseher daheim und schaue erst recht keine deutschen Sender, und mit BibelTV war ich noch nie vertraut gewesen… aber offenbar zahlreiche Christen aus Deutschland (und Österreich und der Schweiz), und dies habt ihr, die ihr mir Nachrichten und Anfragen geschickt habe, mich in der letzten Woche gelehrt. Ich habe mich sehr geehrt gefühlt, und bin Michael und Virginia Meisinger von Fokus Jerusalem für die Gelegenheit dankbar, durch die Sendung zu vielen interessierten und liebenswürdigen Menschen Kontakt bekommen zu haben.

Es ist nun mehr als eine Woche nach der ersten Ausstrahlung am 16.01 vergangen, aber für diejenigen, die es verpasst haben, und für den Blog gehört es dokumentiert.

Focus Jerusalem (Bibel TV)vom 16.01.2018 (Beitrag über mich ab Minute 06:18)

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Mein Karavan wird populär

Mein kleiner Karavan in den judäischen Bergen zieht immer mehr Besucher an. So hat mich neulich eine Gruppe aus Deutschland durch das „Keshet“-Reisebüro und die Reisefirma „Israelreise.de“ in Alon Shevut besucht und eine Führung sowie einen Blick in den

Reisegruppe "Keshet Journeys", 29.01.16
Reisegruppe „Keshet Journeys“, 29.01.16

Karavan bekommen (29.01); weitere Reisegruppen erwarte ich in den nächsten Wochen. Ich finde es immer wieder schön, wenn deutsche Besucher, vor allem auch solche, welche tatsächliches Interesse an Israel und an unserem Leben in den Siedlungen zeigen, kommen und die Führung mitmachen. Erstens, weil ich es mag, meine Erfahrungen und mein Wissen mit anderen zu teilen, und zweitens, weil ich noch immer ein Freund des deutschen Humors bin und auch ganz gerne „Landsleute“ treffe – beispielsweise Gruppenteilnehmer aus Köln und dem Rheinland 🙂

(c) Jennifer Bligh
(c) Jennifer Bligh

Ein weiterer spannender Besuch ereignete sich heute – die Journalistin Jennifer Bligh, zusammen mit dem Fotografen Jonas Opperskalski, kamen in unsere Siedlung, um mit mir ein Interview für das Magazin bento durchzuführen. bento scheint ein neues Jugendmagazin von SPIEGEL ONLINE zu sein, und so, wie ich es auf seiner Webseite mitbekommen habe, konzentriert es sich mehrheitlich auf persönliche Features – Lebensgeschichten, Interviews, Lebenswahrnehmungen. (Spannend fand ich auch die „Über uns“-Seite – die meisten der dort schreibenden Autoren und Autorinnen haben blaue, leuchtende Augen.)

Jennifer und Jonas haben mich mehrere Stunden lang begleitet. Jonas zeichnete sich durch seine Vorliebe für gutes Licht und seine professionellen Fotos aus (er ist auch einer der zentralen SPIEGEL-Fotografen, wurde ich aufgeklärt) und ließ sich unglaublich für den lokalen Sonnenuntergang begeistern. Jennifer erklärte mir, sie sei schon einige Male in Siedlungen unterwegs gewesen; mit ihr zusammen haben wir längere Zeit verschiedene Themen besprochen, die vor allem in meinem vorherigen Interview bei Deine-Korrespondentin.de aufgekommen waren (wie gut, dass es dieses Interview damals gegeben hat!). Fragegrad – von trivial bis tricky und teilweise auch gemütaufreibend – was eigentlich auch zu erwarten war.

Die Leitlinie von bento oder von Jennifer, was Israel angeht, kenne ich zwar persönlich nicht, aber dafür sollte das Resultat dieses Gesprächs umso spannender werden. Mal schauen also, wie sehr sich SPON und bento ähneln bzw,unterscheiden (von den Talkbackisten erwarte ich alleridings schon im Voraus nicht viel Gutes).

Die ersten Fotos von der Fotosession, der ich mich im Rahmen der Reportage unterzogen habe, stelle ich schon online, die offiziellen werden dann mit der Veröffentlichung folgen. Danke an Jennifer!


 

Eine eher weniger erfreuliche Nachricht gibt es leider auch – eins der Reisebüros, mit welchen ich zusammenarbeite, hat den Besuch der Gruppe bei mir abgesagt. Wie schon das ganze letzte halbe Jahr über, sind „Sicherheitsbedenken“ angeführt worden. Solche Dinge – zuvor hatte ich dieselben Fälle mit Reisegruppen seitens der Bundeszentrale für politische Bildung – ärgern mich immer ungemein, und dabei tut es mir vor allem für die Reiseteilnehmer selbst leid.

Der Ärger kommt auf, wenn ich von den Reiseveranstaltern neben der Absage für den Besuch bei mir höre, dass für diese Gruppen trotz „Sicherheitsbedenken“ ein Besuch in arabisch-palästinensischen Orten eingeplant ist wie Ramallah oder gar Bet Lehem oder Bet Jalla, welche nur wenige Kilometer von mir entfernt auf der selben Autobahn liegen. Trotz der Tatsache, dass auch in der unmittelbaren Umgebung arabischer Ortschaften Touristenbusse und „Nichtjuden“ von Steinewerfern angegriffen worden sind – darunter lassen sich selbst palästinensische Politiker und christliche Geistliche finden – sind es immer wieder unsere Orte, zu denen der Zugang von offiziellen Stellen verweigert wird, so, als würde den Reisenden  gerade in der Siedlung eine Gefahr auflauern. Kein Vortrag in einem Konferenzsaal, mag er noch so lebendig gestaltet sein, kann einen tatsächlichen Besuch ersetzen und ein Gefühl für die Situation vor Ort vermitteln.

Trotzdem muss ich sagen, dass ich für auch nur die geringste Möglichkeit, mein Thema weiterzuvermitteln, dankbar bin.

Soweit also die Neuigkeiten.

 

Deine-Korrespondentin interviewt Die Siedlerin

Mareike Enghusen von der Internetplattform „Deine-Korrespondentin.de“ traf mich Ende dieses Jahres in Jerusalem. Bei einem herzlichen und auch langen Gespraech in einem der gemuetlichsten Restaurants der Jerusalemer Neustadt sprachen wir ueber mein Leben und den Werdegang meines Blogprojektes ueber das juedische Leben in Judaea und Samaria.

Was herausgekommen ist, koennt ihr hier nachlesen – und auch sonst kann ich die Plattform sehr empfehlen. Danke, Mareike!

Interview auf deine-korrespondentin.de, 27.01.16
Interview auf deine-korrespondentin.de, 27.01.16

Uwe sagte „YES“

Schalom, Chemnitz. Foto: schalom-chemnitz.de
Schalom, Chemnitz. Foto: schalom-chemnitz.de

Der Eingang schaut einladend aus. In den Fenstern stehen jüdische Symbolleuchter, an den Wänden im Innenraum hängen Bilder. Die Wand am Saal-Ende, gleich nach der Bar, ist tapeziert mit Fotos von historischem Wert; darauf wurde der Restaurantbesitzer mit seinen berühmten Besuchern über die Jahre hinweg abgelichtet. Im anderen Teil des Raumes befindet sich ein großes, farbiges, mit jüdischen Symbolen gespicktes Wandgemälde. Momentan ist es noch keine Öffnungszeit, aber anhand der Tischanzahl kann man

Schalom, Chemnitz. Foto: schalom-chemnitz.de
Schalom, Chemnitz. Foto: schalom-chemnitz.de

absehen, dass es hier unter der Woche generell nicht still zu sein scheint. An der Wand steht ein altmodisch wirkendes Klavier mit zwei Kerzenleuchtern und signalisiert mit seinem Retro-Look, dass dieses Restaurant nicht auf den Kopfsprung in die Moderne setzt, sondern auf ein Gefühl von Vertrautheit und Heimatmosphäre. Das Gebäude selbst ist groß und geräumig, sehr schlicht, mit hoher Decke und großen, auch bei häufig grauem Wetter viel Licht spendenden Fenstern. Ein typisches Chemnitzer Gebäude eben, das sich nicht besonders vom restlichen Stadtbild unterschiedet, 1870 erbaut, an der Heinrich-Zille- Straße im „Chemnitzer Brühl“, nahe des Stadtzentrums.

Eine jüdische Story
Geschäftsführer Uwe Dziuballa
Geschäftsführer Uwe Dziuballa

Wer sich so im Restaurant umsieht und nicht näher mit dem jüdischen Leben in Chemnitz oder Sachsen bekannt ist, wird sich kaum denken können, dass Geschäftsführer Uwe Dziuballa erst vor zweieinhalb Jahren den Umzug in diese Straße vollzogen hat, und zwar nicht etwa wegen Platzmangel oder auf der Suche nach besserer Kundschaft, sondern vor allem wegen großflächiger Bedrohung durch lokale Neonazis. Das ehemalige „Schalom“ lag näher an der Innenstadt und wurde regelmäßig Schauplatz von Angriffen von Schmierereien bis Scheibeneinwürfen durch Extremisten, welche auch vor Drohungen, Schweinsköpfen und anderem nicht zurückschreckten. Lokale und landesweite Medien berichteten über die Schließung des Restaurants im März 2012, über die Unfähigkeit der Polizei, die Täter zu fassen, und lobten den Durchsetzungswillen von Dziuballa, nicht aufzugeben, sondern mit Bruder Lars Ariel an einer Wiedereröffnung zu arbeiten. So ist die Biografie dieses Lokals, das sich scheinbar so natürlich in die Umgebung von Chemnitz einfügt, erst aber im März 2000 eröffnet wurde, übersät mit Höhen und Tiefen und nicht zuletzt Vertreibung und Neuanfang. Eine jüdische Geschichte eben, in gewissem Sinne.

In den deutschen Medien lassen sich einige Berichte über das „einzige koschere Restaurant in Sachsen“ (Jüdische Rundschau, 8/2014) und über Uwe Dziuballa, Jahrgang 1965, den hochgewachsenen, schlanken Unternehmer und gebürtigen Chemnitzer finden. Was mich aber nun interessierte, war nicht Uwes spannende Lebensgeschichte zwischen DDR, Jugoslawien, USA und Bundesrepublik, sondern sein neuestes Projekt. Als bekanntem Aktivisten, der 1998 den Verein Schalom e.V. gründete, um „deutsch-israelisch-jüdische Begegungen“ zu provozieren (und dem dann das Restaurant selbst in 2000 folgte), ist ihm die Verwirklichung waghalsiger Ideen in fast komplettem Alleingang nichts Neues und scheint auch nicht besonders zu schrecken.

Und Uwe sagte „YES“

Seit mehreren Jahren schon versuchte sich die Europäische Union darauf zu einigen, unter welchen Bestimmungen und Gesetzesparagrafen sie die israelischen Waren, welche in Fabriken innerhalb der Judäa und Samaria-Region fabriziert worden sind, kennzeichnen will. Einzelne Mitgliedsstaaten der EU, allen voran Großbritannien, Belgien und Frankreich, hatten darauf gedrängt, das lange Zeit nicht angewandtes Herkunftsgesetz der EU in Bezug auf Israel  „endlich“ in Kraft zu setzen (DIE SIEDLERIN berichtete). Die vermehrte Aufmerksamkeit und die Eile, mit welcher die europäische Staatengemeinschaft auf die Durchführung der Warenkennzeichnung drängte, ließ den Verdacht offen, dass dabei nicht nur ein wiedererwachter Sinn für Gesetzestreue eine Rolle spielten, sondern gehöriger politischer Druck.

Während also die europäischen Medien über eine baldige Einführung der Warenkennzeichnung spekulierten, die israelischen Nachrichtenseiten vor einem Warenboykott warnten, die Stadtverwaltung des isländischen Reykjavik auf ein Einfuhrverbot aller israelischer Waren drängte und Benjamin Netanyahu vergeblich an die unrühmlichen Warenkennzeichnungen jüdischer Produkte zur Nazizeit erinnerte, machte sich Uwe Dziuballa auf, auf seine Art einem Boykott entgegenzuwirken.

Yes„I say YES to Jewish products“ (Ich sage JA zu jüdischen Produkten) heißt die Initiative, und will gegen einen industriellen Boykott des Staates Israel und um Unterstützung für israelische Betriebe werben, die von einem solchen in Zukunft betroffen werden könnte. Dziuballa ließ Aufkleber mit dem Slogan und einem originellen Logo drucken, wappnete sich mit einem finanziellen Konzept und begann, diese auf der Theke für alle sichtbar zu verkaufen. Im Juni 2015 berichtete die lokale BILD-Zeitung über ihn – da hatte er schon 1500 Aufkleber mit 1€ pro Stück verkauft. So weit, so gut. An wen aber geht aber der Erlös? Und was verspricht sich Dziuballa von der Idee? Ich habe mich mit ihm darüber unterhalten.

⇒ Herr Dziuballa, wie kamen Sie überhaupt auf die Idee, eine aktive Tätigkeit in der jüdischen Gemeinschaft auszuüben? Sie wissen ja, es gibt viele Juden, genau wie sie, die sich aber lieber um ihr persönliches Wohl kümmern, anstatt sich der Gemeinschaft zur Verfügung zu stellen.

Mal abgesehen von meiner generellen Entwicklung, bei der mein Vater immer großen Wert darauf gelegt hat, mich für schwächere Mitmenschen in der Schule einzusetzen, habe ich den Spannungsbogen in der deutschen Gesellschaft kaum ausgehalten – entweder du bist als Jude der Aggressor, der auf Palästinenser eindrischt, oder du bist das Opfer, welches die Schoah überlebt hat. Es gab eigentlich keine Grauzonen. Als ich dann die Gelegenheit hatte, in den USA einige Monate zu leben, habe ich jüdisches Leben als ganz normalen Teil des Alltags kennengelernt. In New York oder in Miami war man als Jude – gleich, welche Strömung – Teil des „Stadtbildes“ und weder machte sich besondere Aggression noch überschwängliche Liebe breit. Dies hat mir sehr gefallen. Man war als Jude Teil der Gesellschaft, der wie ein Stück Zucker im Kaffee aufgeht, nur dass der Kaffee etwas süßer schmeckt. Und dann kommt hinzu, dass ich als Jugendlicher während meiner Zeit in Jugoslawien und eben in den USA merkte, wie gut es tut, bei aller Stärke des Charakters, wenn man hin und wieder in bestimmten Situationen auch mal eine helfende Hand entgegengestreckt bekommt.

Als ich 1993 wieder nach Deutschland gekommen bin, habe ich noch immer diese Reduzierung der jüdischen Geschichte in Deutschland auf die nationalsozialistische Herrschaft und Unterdrückung von Palästinensern in Israel reduziert vorgefunden. Parallel stieg die Mitgliedszahl auch in der jüdischen Gemeinde in Chemnitz an und keiner konnte mit dem „neuen Potential«“ (der jüdischen Einwanderer aus der ehem.Sowjetunion, Anm.d.A.) etwas anzufangen. Mein Erleben von „Normalität“ oder besser Gelassenheit in den USA, das wachsende Potential an Juden aus Russland in Chemnitz und mein Grundcharakter haben mich mit Verbündeten den Verein SCHALOM gründen lassen.

Als Folge der Vereinsgründung wurde auch die Idee für das Restaurant „SCHALOM“ geboren, das heute noch immer das einzige koschere Restaurant in Sachsen ist, richtig?

Die Bar. Foto: schalom-chemnitz.de
Die Bar.
Foto: schalom-chemnitz.de

Da mir bald durch die Sozialarbeit, Bildungsarbeit und Kulturarbeit langsam das Geld ausging, habe ich die Gastronomie gegründet. Das hatte neben der Tatsache, dass jetzt wieder in vernünftigen Größenordnungen Geld eingespielt wurde, den wunderbaren Nebeneffekt, dass die Quantität der Leute, die wir erreichten, mit einem Mal viel größer wurde. Denn egal, wie inhaltlich gut die vielen Veranstaltungen und Aktivitäten des Vereins auch waren, so war das angesprochene Publikum in der Anzahl doch etwas limitiert. Mit der Gastronomie ist es anders. Es geht hin und wieder jeder einmal auf die Suche nach etwas Neuem  und eine Gaststätte wird von Leuten mit weniger Anspannung aufgesucht, als ein Museum oder eine Gedenkstätte. Auf jeden Fall nimmt ab einem Punkt eine gesellschaftliche Entwicklung seinen Lauf, welche man so nicht geplant hat, die aber von sich aus stattfindet. Somit sind wir heute eine Institution, welche ich nie angestrebt, aber dennoch erreicht habe, und jetzt auch nicht mehr missen möchte. 

Was halten Sie von der  „Kennzeichnung“ israelischer Produkte und damit einer Ermöglichung eindeutig politisch motivierter, wirtschaftlicher Sanktionen gegenüber Israel?

Neben vielen positiven und negativen Erlebnissen auf dem Weg bis zum heutigen Tag war für mich das Signal einiger politisch Verantwortlichen in Europa dann doch etwas Schwachsinn zu viel – das demokratische Israel zu destabilisieren, um den Arabern zu helfen, und dabei ökonomisch zu schwächen. Ich habe erlebt, wenn man Infrastruktur erst einmal zerschlägt, dann braucht es einen unermesslichen Aufwand, ähnliches wieder aufzubauen. Und somit glaube ich fest, das eine wie auch immer geartete Schwächung Israels, einen (was auch immer für einen!) Frieden eher verhindern als stärken wird!

Welchen Einfluss hat dieses Projekt „I say YES to Jewish products“ tatsächlich auf dem Boden der Tatsachen?

Das kann ich nicht beantworten. Ich weiß nur, wenn man nichts macht, dann bewegt sich auch nichts. Und es kommt im Leben nicht immer das heraus, was man sich vorstellt, aber es gibt ein Resultat. Immerhin habe ich im Augenblick, nebst dem gesammelten Geld, viele, die auf die Aktion aufmerksam wurden – ob per Medien oder bei uns im Restaurant – für das Thema sensibilisiert und es geschafft, dass sie sich mit Produkten aus Israel bewusster auseinandersetzen. Das ist doch schon ein erster Schritt, weg vom ignoranten Tagesallerlei.

Wer macht alles beim Projekt mit – auf deutscher und israelischer Seite? Gibt es da konkrete Partner?

Auf deutscher Seite bin ich es und die BILD – Zeitung, die darüber berichtet hat! In der ersten Zeit war auch die israelische Botschaft in Berlin mit im Boot (das habe ich schriftlich), aber nach einem Anruf der Botschaft bei mir und dem Hinweis, dass sie kein Projekt einer Gastronomie unmittelbar unterstützen können, bin ich mir da nicht mehr so sicher. Wenn ich Ende dieses Jahres weiß, wie viel Geld zusammengekommen ist, dann werde ich mich mit Personen, die ich in Israel kenne, in Verbindung setzen und mich „beraten“ lassen, wo der betreffende Betrag die größte positive Wirkung erzielen kann. Erst will ich aber ein echtes Endergebnis abwarten, da ich mich insgesamt mit dem Unterstützungswillen nicht lächerlich machen will.

Wer unterstützt Sie direkt?

Keiner – ich unterstütze mich selbst, von der Familie abgesehen, die immer 100%-ig hinter mir steht!

Würden Sie das Ganze etwas weiter ausbauen wollen oder soll es bei Aufklebern bleiben?

Ich würde es gern ausbauen, aber dafür fehlen noch die Partner, die Zeit und die Kraft.

 Laut Planung soll das Geld an Betriebe außerhalb der „Grünen Linie“ gehen, die von einer Schließung oder einer Exportreduzierung infolge der Kennzeichnung ihrer Produkte betroffen sein könnten. Diese Betriebe könnten in Judäa und Samaria, dem sog.“Westjordanland“, stehen, oder auch in den Golanhöhen, welche die EU noch immer als Teil der von Israel 1967 eroberten syrischen Gebiete ansieht. In den Betrieben arbeiten zumeist arabische Arbeiter mit palästinensischem Pass und wären die Ersten, denen eine Entlassung drohen würde, sollte ein solcher Betrieb nicht dieselben Einnahmen tätigen können – so, wie dies bereits mit der Firma „Sodastream“ geschehen ist, welche über 200 Mitarbeiter bereits entlassen hat, nachdem sie international wegen einer ihrer Produktionsstätten hinter der „Grünen Linie“ nahe Jerusalem längere Zeit seitens Medien und NGOs angegriffen wurde. SodaStream hatte in diesem Jahr angekündigt, die Produktionsstätte aus „finanziellen Gründen“ komplett in den Süden Israels zu verlegen und die Fabrik bei Jerusalem zu schließen.


 

Im November dieses Jahres traf die EU-Kommission schließlich die Entscheidung, Produkte aus israelisch-jüdischen Siedlungen speziell als solche zu kennzeichnen (DIE SIEDLERIN berichtete). Die ersten Aktionen und Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten, es entbrannten Diskussionen auf nationaler und internationaler Ebene. Noch ist nicht klar, wie die Ausübung dieser Maßnahme in Deutschland aussehen wird  – insbesondere nach dem Protest gegen das Berliner KaDeWe.

Wie sieht Uwe Dziuballa diese Entwicklungen und was hat es für einen Einfluss auf seine Kampagne?

Seit die EU das Gesetz zur Pflichtkennzeichnung israelischer Produkte aus Siedlungen eingeführt hat, gibt es bei Gästen und  Kunden von uns doch eine gewisse Verunsicherung. Ob wir deswegen zur Zeit weniger oder aus Solidarität stärker besucht werden, kann ich nicht sagen. Aber im Gegensatz zu früher fragen mich doch viele Gäste, ob bestimmte Produkte die wir verkaufen jetzt illegal in Deutschland sind, ob sie sich als Gäste jetzt strafbar machen, wenn sie bei uns essen oder Golan Wein trinken.
Ich werde gefragt, was die EU damit wirklich bewirken will, bis hin zur Frage ob das SCHALOM jetzt wegen der eventuellen Zurückhaltung von Waren schließen muss.
Das Letztere ist dann schon eher selten, aber es wird gefragt und das nervt mich schon etwas.
Was stellen Sie sich vor, welche Auswirkungen die Einführung und tatsächliche Ausübung der Kennzeichungspflicht auf Deutschland haben könnte?
Welche Auswirkungen dies auf Deutschland insgesamt hat, kann ich nicht wirklich einschätzen, da die Geschichte zeigt, wie wankelmütig großartige politische Erklärungen von politisch Verantwortlichen in Hinsicht auf Zuneigung und / oder Ablehnung sein können. Durch die Entwicklung politischer Meinungen in Richtung Wahlen gewinnen und möglichst nicht anecken, geht eine Menge Charakter und Standpunkt verloren.
Ich bin mir unsicher, ob die EU mit dem Gesetz eher  Schaden auf ganzer Linie anrichtet, anstatt irgend jemanden zu helfen. Wenn durch Absatzprobleme bestimmte Unternehmen in eine wirtschaftliche Schieflage kommen, dann schadet man nicht nur jüdischen Unternehmern und Arbeitern, sondern auch palästinensischen, arabischen, christlichen etc. Mitarbeitern der betreffenden Betriebe. Ich sehe nicht, wie man durch den Versuch, Infrastruktur zu zerstören, die Basis für eine friedliche Zukunft schaffen will. Da in den verschiedenen Parteien in Deutschland weniger der Sachverstand bei Politikern im Vordergrund steht, sondern eher die Parteidisziplin und Anpassung, wächst nicht nur der Frust sich zu engagieren, sondern auch der Verstand bleibt etwas auf der Strecke. Davor habe ich, was die Zukunft der politischen Struktur in Europa angeht, schon manchmal Bedenken.
Haben sich bei Ihnen nun mehr  Bereitwillige gemeldet, um bei der „Yes“-Aktion mitzumachen, oder gab es einen Rückgang?
Was die „YES“ Aktion angeht, so haben jetzt noch einmal viele Kleber gekauft und sich damit zu jüdischen Produkten – gleich woher – bekannt. Da die Aktion noch einmal einen richtigen Aufwind bekommt, werde ich bis Ende Dezember dieses Jahres, nicht wie geplant Mitte Dezember, die Spenden sammeln und dann werden wir ein Projekt in Israel mit dem Erlös unterstützen.
Werden Sie jetzt im Angesicht dieser Entwicklungen aktiver werden und sich mehr engagieren?
Also, mehr, als mit meinem SCHALOM Restaurant jeden offenen Tag zu argumentieren, vormittags in Schulen und Einrichtungen bei Vorträgen und Gesprächsrunden Standpunkt beziehen und mein Projekt mit dem Aufkleber voranzutreiben, kann ich nicht machen.
Vielen Dank für das Interview, Herr Dziuballa! Viel Erfolg!

 


 

Siedler über sich – 3. Josef

Es geht weiter mit der Interviewreihe „Siedler über sich“. Dieses Mal lesen wir, was uns Josef, ein junger Mann aus Petach Tikva nahe Tel Aviv zu erzählen hat, und wieso er sich entschloß, in einem Institut in der Siedlung Itamar seine Lernjahre zu verbringen. 

Hier findet ihr die Interviews von Orli und Asher

itamarmap
Wo liegt Itamar? Klick hier für eine größere Karte.

Zur Information: Itamar liegt nordöstlich von Tel Aviv, in den Bergen von Samaria, ca.55 km – 45 Minuten – Autofahrt entfernt von der Grenze mit Jordanien. Die nächstgrößte arabische Stadt ist Nablus (hebräischer Name: Shechem), die nächstgrößte jüdische Stadt: Ariel. 


 

Woher kommst du und wieso kamst du zum Lernen nach Itamar?

Josef lernt in Itamar
Josef lernt in Itamar

Ich heiße Josef, 21, und bin in Petach Tikva aufgewachsen. Nach meinem Armeedienst habe ich eine Jeshiva (religiöses Institut für Männer, Anm.) gesucht, in welcher ich meine innere Welt bereichern könnte, bevor ich in die „große, weite Welt“ hinausziehe. Einen Ort mit warmer Atmosphäre und ernsthaftem Lernen. Noch zu meiner Armeezeit hatte ich einige Freunde, die in Itamar lernten, also habe ich mir schon zuvor die Jeshiva anschauen können. Ich habe mich in den Ort verliebt – ein bergiges Dorf im Herzen des Landes, mit einer sehr familiären Atmosphäre und ganz viel Natur. Als jemand, der sein ganzes Leben in einer Stadt zugebracht hatte, verzauberte mich vor

Itamar
Itamar. Fotos: Josef Malka.

allem die Natur.

Welche Bildungseinrichtungen gibt es in Itamar und für wen? Kennst du noch weitere Kommilitonen, die in Itamar lernen, aber nicht in Judäa und Samaria leben, und wieso kommen sie dorthin?

Die Siedlung hat einige Einrichtungen, so zum Beispiel Grundschulen für Mädchen und für Jungen, und zu diesen Schulen kommen größtenteils Kinder aus den umliegenden Siedlungen. Es gibt eine Mittelschulen-Jeshiva für Jungen, in ihr lernen Schüler aus dem ganzen Land. Die Schule hat ein Programm für konzentrations- und lernschwache Schüler, und daher ist die Auswahl an Lernmöglichkeite groß. Die Jeshiva, in der ich lerne, ist auf Institutslevel – keine Schule mehr. Es hat einen sehr guten Ruf, und auch in ihr lernen Männer aus dem ganzen Land, in diesem Jahr gab es sogar die höchste Anzahl an Anmeldungen von allen zionistischen Jeshiva-Instituten im ganzen Land.

Erzähle ein wenig über Itamar selbst – welchen Hintergrund hat es, ist es auf biblischen Wurzeln gegründet oder eher ganz von neu entstanden?

Itamar wurde 1984 auf dem Bergmassiv südöstlich der Stadt Shechem (heute bekannt als Nablus, Anm.) gegründet. Diese Gegend hat eine vielfältige biblische Geschichte. Das Dorf selbst liegt an einer antiken Hauptstraße, welche auf dem Bergrücken verlief und das Land sozusagen in die Länge teilte; sie führte von Beersheva im Süden bis nach Megiddo im Norden. Dementsprechend spielten sich hier viele Ereignisse ab, welche wir aus der Tora kennen. Die Wanderroute von Avraham bei seinem Eintritt in das Land: „Und Avraham zog über das Land bis zum ort Shechem bis Elon More“ (1.Buch Moses, 12,6). Hier lebte Ja’akov mit seiner Familie und hier wurde seine Tochter Dina entführt (1.Buch Moses, 34). Hierher gelangten die Stämme des Volkes Israel nach ihrem Eintritt in das Land (nach Ende der Wüstenwanderung, Anm.) und erhielten den Segen auf dem Berg Gerizim und die Flüche auf dem Berg Eval (5.Buch Moses, 27, 12-14; Jehoshua 8, 33). Heute liegt auf dem Berg Gerizim die jüdische Siedlung Har Bracha. Unter dem Enkel König Davids, Rechavam, trennte sich das vereinte Königreich in Jehuda und Israel – hier war das Nordreich Israel. Und schließlich, so überliefert es die Tradition, ist der Sohn des ersten jüdischen Priesters Aharon namens Itamar hier bei dem naheliegenden arabischen Dort Awarta begraben, und nach ihm ist unsere Siedlung benannt.

Heute ist Itamar eine landwirtschaftliche Siedlung, es leben in ihr etwa 200 Familien. Es gibt einige landwirtschaftliche Betriebe und Bauernhöfe, mit Betonung auf organische Landwirtschaft. Leider hatte dieser Ort viel unter Terrorattacken zu leiden, seitens der Araber aus der Umgebung, und alles in allem fielen diesen 16 Einwohner und 3 Schüler der Mittelschule zum Opfer. Bei dem letzten verübten Anschlag wurden die Mitglieder der Familie Fogel umgebracht – darunter der Vater, Rabbiner Udi sel.A., der in meiner Jeshiva unterrichtet hatte.

(Anmerkung: Der Mord an Familie Fogel trug sich am 12.03.2011 zu, an einem Freitagabend. Zwei arabische Terroristen aus dem Dorf Awarta drangen durch den Zaun in die Siedlung ein und ermordeten Udi und Ruth Fogel und ihre 3 Kinder Yo’av, Elad und Hadas in ihrem Haus, anschließend flohen sie zurück in ihr Dorf. Sie wurden 3 Wochen nach dem Mord gestellt.)

Welche Bedeutung hat es für dich, an diesem Ort zu lernen?

Das Lernen, insbesondere hier, ist sehr wichtig für mich. Hier leben wir unsere Ideologie und machen sie wahr, wir üben praktischen Zionismus aus. Der Gedanke daran, dass vor 4000 meine Vorfahren hier gelebt haben, und die Erzählungen, die ich in der Tora lese, gar nicht weit weg von mir sind, sondern sich direkt vor meiner Nase ereignet haben – all das bringt neue Werte in das Leben hier und heiligt sie. Ich habe ein Privileg erhalten, ein Privileg, das Juden die letzten 2000 Jahre lang nicht gehabt haben –  das Privileg, im Land Israel zu leben, unserem historischen Ursprungsland. Hunderte von Jahren lebten Juden im Exil in allen Ecken der Welt, als ein unterdrücktes und erniedrigtes Volk, und ich, unbedeutend wie ich bin, habe das Privileg bekommen, zuzusehen, wie unser Volk auflebt und zurück in sein Land kehrt. Der Gedanke daran berührt mich immer wieder von Neuem und gibt mir Kraft, stolz darauf zu sein, in diesem Land zu leben.

Wenn dem so ist, könntest du dir vorstellen, hierher umzuziehen – nach Judäa oder Samaria?

itamar (1)Eigentlich bietet sich so ein Umzug an, ich habe keinen Zweifel daran, dass, sollte ich heiraten oder mein Institut verlassen, ich in irgendeine der Siedlungen ziehen werde. Und wenn ich es sogar einrichten kann, hier in Itamar zu bleiben, dann bin ich doppelt zufrieden. Itamar hat eine große Gruppe an jungen Paaren, und viele kleine günstige Wohnungen, die diese mieten können, daher ist es auch sehr bequem und einladend, hier wohnen zu bleiben. Das machen auch die meisten Studenten, wenn sie mit ihrem Lernprogramm fertig sind.

Was gefällt dir denn am Meisten an deinem Studium hier in dem Gebiet?

Die Verbindung zur Natur ist etwas, was mich sehr anzieht. Das Gemeinschaftsleben im Ort, insbesondere, da die Siedlung nicht so groß ist (an die 200 Familien), gibt es eine sehr familiäre Atmosphäre. Der Charakter der Jeshiva, in der ich lerne, ist sehr offen, und das ermöglicht aufrichtiges und seriöses Lernen, denn es basiert auf der persönlichen Verantwortung eines jeden Schülers.

Hast du irgendwelche Bedenken, Zweifel, Ängste bezüglich der Terrorgefahr?

Ganz ehrlich, man muss dumm sein, wenn man keine Bedenken hat, denn es gibt durchaus genug Gründe, um welche zu haben. Und dennoch ist man schwach, wenn man aufgrund dessen aufgeben und gehen will. So wie in allen Dingen, muss man auch hier einen Mittelweg und Ausgleich finden.

Einerseits, muss man verstehen, dass das Leben hier keine perfekte Harmonie  und Bequemlichkeit bietet, und in den Dörfern um dich herum leben Menschen, die dich umbringen möchten, und daher muss man Vorsicht walten lassen. Dafür hat Itamar eine sogenannte „Bereitschaftseinheit“ für den Fall, dass Terroristen in das Wohngebiet eindringen (was schon einige Male geschehen ist, so wie bei dem Mord an der Familie Fogel). Die Armee befindet sich hier in unmittelbarer Nähe, 24 Stunden am Tag, und viele der Einwohner haben eine eigene Pistole mit Waffenschein. Wie der Fall bei vielen kleinen Siedlungen, sind die öffentlichen Verkehrsmittel hier rar und die meisten bewegen sich hier per Anhalter. Wir sind daher vorsichtig, und schauen genau, zu wem wir zusteigen, und fahren nicht mit dem Erstbesten, der anhält.

Nebst all diesem, ist es auch wichtig zu wissen, dass auch auf der Seite der Araber es einfache Menschen gibt, die einfach nur ihr Leben in Ruhe leben möchten und am Ende des Tages einfach heim von der Arbeit kommen wollen. Nicht alle Araber sind Terroristen und diejenigen, die hier leben, wissen das sehr gut. Es ist schon witzig, dass die Leute, die außerhalb von Judäa und Samaria leben, viel mehr Angst haben als wir. Ich glaube, das liegt vor allem an Unkenntnis. Je weniger Kenntnis voneinander es zwischen Juden und Arabern gibt, desto größer wird die Angst auf beiden Seiten. Es gibt zwar Terroranschläge, und sie haben keinerlei Legitimation, aber die meisten Anwohner hier leben gut miteinander. Wir fahren zusammen auf denselben Straßen, in den öffentlichen Verkehrsmitteln und gehen sogar zusammen zu den selben Orten einkaufen.

Gibt es deiner Meinung nach etwas „Besonderes“ an der jüdischen Gesellschaft in den Siedlungen?

Es ist zwar von Ort zu Ort verschieden, aber alle jüdischen Ortschaften haben es gemeinsam, dass sie einem das Gefühl einer Umarmung geben. Sehr warmherzige Menschen, sehr viel Hilfe und Unterstützung. Die Jugendlichen hier sind gut und sehr aktiv, die Familien laden uns zu Shabbat-Mahlzeiten ein und auch die Soldaten, die hier in einer Basis in der Nähe stationiert sind, und das gilt nicht nur für Itamar. In den meisten Siedlungen leben junge Paare, und das ist ein zusätzliches Plus für die Gemeinschaft.

Haben die Einwohner von Itamar oder sogar du irgendeinen Kontakt zu den arabischen Nachbarn?

Leider haben die Araber, welche in Judäa und Samaria leben, noch immer nicht die Tatsache akzeptiert, dass hier Juden leben und sie sind hierhergekommen, um zu bleiben. Als Resultat davon, und aus Sicherheitsgründen, ist der Zutritt für Araber in die meisten jüdischen Siedlungen nicht erlaubt; die Siedlungen sind von Zäunen umgeben und am Einfahrtstor sitzt ein Wachmann. Daher hat man im Alltag, wenn das Leben innerhalb der Siedlung verläuft, keine Berührung mit den arabischen Nachbarn. Auch umgekehrt ist es der Fall: der Zutritt für Juden in arabische Ortschaften unter der Kontrolle der PA ist verboten.

Aber außerhalb der Siedlung, auf den Straßen und in den Einkaufszentren trifft man aufeinander. Das bringt zwar keinen engen Kontakt herbei, aber es gibt Interaktion. Ich kenne beispielsweise Leute, die in dem naheliegenden arabischenOrt Hawara einkaufen.

Glaubst du an die Zukunft der Siedlerbewegung in Judäa und Samaria?

Ja, sehr, ich glaube an sie und unterstütze sie. Ich sehe darin eine Verwirklichung sowohl der zionistischen Werte als auch der Prophezeiungen, die das Volk Israel erhalten hat. Dabei glaube ich aber auch, dass die Ansiedlung auf eine faire Weise gegenüber den arabischen Bewohnern verlaufen muss. Wenn man das weise durchführt, kann man zusammen Judäa und Samaria entwickeln und gestalten, denn dieses Gebiet hat ein gewaltiges und vielfältiges Potenzial. Aber wenn wir, und auch die Araber, nicht in der Lage sein werden, um das mit der notwendigen Klugheit zu tun und zusammenzuarbeiten, dann kann das hier zu einem Ort der „Verrückten und Radikalen“ werden, einem Kriegsschauplatz zwischen zwei Völkern, und das wird lediglich Leid für beide Seiten bringen. Es ist mir klar, dass wenn wir in seine solche Situation stürzen werden und zu kämpfen gezwungen sein werden, wir dabei gewinnen. Der Radikalismus und der Mangel an Geduld seitens der Muslime wird sie selbst zu Fall bringen.

 

©2015 Chaya Tal. Ohne ausdrückliche Genehmigung darf keines der Bilder oder Ausschnitte aus dem Interview in welchem Format auch immer weiterveröffentlicht werden.