In der Nacht auf heute (16.10.15) haben an die hundert randalierende palästinensische Araber aus der Stadt Shchem/Nablus das innerhalb des Stadtgebietes gelegene Josefsgrab, eine den Juden heilige Städte des Vorvaters Josef, des Urenkels Avrahams, in Brand gesetzt und die Behausung um das Grab zerstört. Sie warfen laut den Berichten der palästinenischen und israelischen Sicherheitskräfte Brandbomben in das Gebäude, in welchem sich das Grab befindet. Dazugekommene palästinenische Sicherheitskräfte schafften es nach einiger Zeit, die Randalierer zu verjagen, u.a. mit Schüssen in die Luft, und das Feuer zu löschen. Allerdings soll das Grab erheblich beschädigt worden sein.
Qjuelle: YNET
Die israelische Armee gab zur Antwort, das Grab werde umgehend saniert werden und es soll ebenso garantiert werden, dass jüdische Gläubige freien Zugang zur Stätte erhalten sollen (Quelle: IDF). Später am Tag gab PA-Präsident Mahmud Abbas eine Rückmeldung dazu, in welcher er die Tat verurteilte und sagte, die Täter haben „unserer Religion einen schlechten Namen gemacht“. Er gab ebenfalls bekannt, man wolle mit israelischen Regierungsstellen die Sanierung der Grabstätte besprechen.
Hier liegt das Grab
Das Josefsgrab, welches der jüdischen Tradition entsprechend an der Stelle steht, wo Josef, der Urenkel des Stammvaters Avraham und der Sohn von Ja’akov, begraben worden ist. Es ist eine der wichtigsten heiligen Stätten für die Juden. Der Zugang zum Grab wurde bisher durchgängig von der israelischen Armee bewacht, und religiösen Juden war der Zugang nur eingeschränkt und unter schwerer Bewachung erlaubt, da das Grab mitten in der Stadt Nablus/Shchem liegt, dessen Bevölkerung für ihre Feindseligkeit gegenüber Juden und Israelis bekannt ist. Viele Terrornetzwerke operieren in Nablus. Ebenso liegt in unmittelbarer Nähe das als „Flüchtlingslager“ bekannte Problemviertel Balata, ebenso ein bekannter Krisenherd und ein Zentrum von Terror und organisierter Kriminalität innerhalb der Stadt.
In fast ausnahmslos jeder Stadt in Israel werden Araber mit palästinensischem Pass und/oder israelischer Einwohnerkarte beschäftigt. Sei es als Bauarbeiter, Handwerker, Bauunternehmer, Angestellte, Gärtner, Klempner, Müllmänner. Es gibt Arbeiten in vielen Sektoren, die große Abnahme bei den palästinensischen Arabern und auch Arabern mit israelischem Pass finden. Dazu muss man sagen, dass viele dieser Berufe und Beschäftigungen als unbeliebt in der jüdisch-israelischen Bevölkerung gelten. Palästinensisch-arabische Dienstleister – Firmeninhaber, Verkäufer – welche Geschäfte mit Juden aus Israel betreiben, verlangen deutlich geringeres Geld als ihre israelischen Counterparts. Arabische Arbeiter sind schnell, geübt, verlangen wenig, sind ausdauerfähig. Für viele dieser Menschen ist die Arbeit auf israelischem Territorium (incl.Zone C in Judäa und Samaria) die einzige Einkommensquelle für die Familie. Nicht alle der Arbeiter stammen jedoch aus Orten, die der jüdischen Bevölkerung wohlgesinnt sind, sondern können in allen möglichen arabischen Dörfern und Städten wohnen, die israelische Juden aufgrund von der ihnen dort drohenden Lebensgefahr nicht betreten dürfen – beispielsweise Hevron, Bet Fajjar, Shchem (Nablus), Bet Ummar, Zurif, Jenin.
Aus denselben Orten stammen auch die zahlreichen Funktionäre der verschiedenen Terrorkampfgruppen wie der Hamas, den Al-Quds-Brigaden, der Fatah etc., und ebenso aktive Terroristen und ihre Lehrlinge, welche entweder Stein- und Brandbombenwürfe auf israelische Autos verüben, Soldaten und Polizisten attackieren, Zivilisten in Großstädten niederstechen, niederschießen oder sich selbst in die Luft sprengen. Alle sie leben auf engstem Raum nebeneinander, sind Teil derselben Gesellschaft, und allzu häufig kreuzen sich ihre Wege – und aus einem simplen Bauarbeiter oder Techniker wird ein mordlustiger Terrorist, wie das neueste Attentat in Jerusalem (13.10.15) anschaulich darlegt.
Nun dient diese Einleitung dazu, um die Reibung zwischen den beiden – einander von nicht besonders bis auf den Tod nicht wohlgesinnten – Bevölkerungsgruppen in Israel im regulären Alltag aufzuzeigen. Das Aufeinandertreffen sowie die das Niveau der Feindseligkeiten zwischen der jüdischen und der arabischen Bevölkerung sind in Judäa und Samaria noch erheblich größer als im offiziellen Staatsgebiet Israels. Die auf den Erfahrungen vor allem der letzten 30 Jahre basierenden Befürchtungen der Juden vor den unvorhersehbaren Terrorattacken lokaler Araber, welche bei Juden arbeiten, führen dazu, dass viele gegen eine Beschäftigung von Arabern in jüdischer Umgebung protestieren. Was nur in wenigen Fällen anschlägt, da das gesamte Bauunternehmen, die Gastronomie und die Instandhaltung der Infrastruktur der Siedlungen auf den arabischen Arbeitern basiert. Auch glauben viele daran, dass das Aufrechterhalten der wirtschaftlichen Beziehungen und einer ökonomischen Balance stabile nachbarschaftliche Beziehungen fördern kann, was auch sich auch an einigen Beispielen erkenntlich zeigt, so die Kooperation zwischen den Bewohnern der Stadt Beitar Illit und der Stadt Hussan, welche direkt gegenüber liegt, und ebenso zwischen der Siedlung Efrat und den umliegenden arabischen Dörfern.
Hier liegt Efrat
Jetzt sind aber Krisenzeiten angekommen. Tagtäglich finden in Jerusalem Attentate statt, und auch im Rest des Landes, durchgeführt von israelischen oder palästinensischen Arabern. Die Straßen innerhalb Judäas und Samarias werden durch Steine und Brandbomben und in einigen Fällen auch Schießereien und Entführungsversuche unsicher gemacht. Aufgrund der aufgeheizten Situation und der Besorgnis um die Sicherheit der Bevölkerung entschlossen sich Bezirksvorsitzende in Judäa und Samaria –
Hier liegt Beitar Illit
namentlich in Gush Etzion, in der Region der Südhevronberge und in einigen Regionen von Samaria, für arabische Arbeiter vorübergehend keinen Zutritt zu gewähren. Das Verbot gilt seit etwa zwei Tagen. Auch die ultraorthodoxen Städte Beitar und Modi’in Illit haben beschlossen, zurzeit keine arabischen Arbeiter mehr hineinzulassen, obwohl sich diese Städte nicht als Teile der Siedlerbewegung zählen. Nach einigen Attentaten auf ultraorthodoxe Juden jedoch wurde diese Entscheidung dennoch getroffen.
Den Arbeitern, welche am Morgen des Verbots zur Arbeit gekommen waren, wurde ein Flyer in Hebräisch und Arabisch ausgehändigt, auf dem u.a. geschrieben stand:
Sehr geehrter Arbeiter/Unternehmer,
wir sind bestürzt über den vorübergehenden Schaden, der eurem Einkommen zugefügt wird. Wir danken euch für Ihre treue Arbeit in unserer Siedlung. In der letzten Zeit werden wir, eure jüdischen Nachbarn…, welche mit euch auf denselben Straßen fahren, von Terroristen, die aus Ihren Dörfern stammen, angegriffen. Sie bewerfen uns mit Steinen und Brandbomben. Als Nachbarn, welche hier schon 40 Jahre leben und so Gott will noch viele Jahre leben werden, ist uns klar, dass dies nicht eure Art und Weise ist. Als Menschen, die ihr Einkommen von uns beziehen und uns kennen, wissen wir, dass ihr dies verurteilt. WIr fordern daher von euch, dass ihr von den Vorstehern eurer Dörfer verlangt, dieses ernstzunehmende Phänomen zu beenden, denn so können wir nicht weiterleben.“
(Quelle des Textes: 0404.co.il, Flyer der Gemeinschaften der Südhevronberge)
Heute, so berichtete mir der Bezirksvorsitzende von Gush Etzion, Davidi Perl, soll eine Sitzung stattfinden, in welcher die Sicherheitslage ermittelt und entschieden werden soll, das Verbot zu belassen oder aufzuheben.
Was noch einen unmittelbaren Treffpunkt zwischen Juden und Arabern betrifft – die Großsupermarktkette Rami Levy, in welcher sowohl die einen als auch die einen angestellt sind – , so ließ der Besitzer Rami Levy in einem Interview neulich verlauten, er würde als Sicherheitsmaßnahme die Bewachung an den Eingängen verdoppeln und Messer aus dem Sortiment entfernen. Allerdings weigerte er sich, die arabischen Angestellten zu vermindern und durch jüdische zu ersetzen – auch nicht an Reibungsorten wie Gush Etzion.
Dieser Text wurde von Na’ama Henkin, der ermordeten jungen Frau und Mutter aus Neria, vor etwa drei Jahren auf der israelischen Blogplattform „Point of View“ veröffentlicht. Na’ama Henkin bloggte dort zusammen mit anderen jungen Frauen aus Judäa und Samaria auf Englisch über verschiedene Aspekte ihres Lebens. In diesem Text versucht sie, anhand eigener Erfahrung als erfolgreiche religiöse Grafikerin aus einer Siedlung die Diskrepanz der gegenseitigen Wahrnehmungen innerhalb der israelischen Gesellschaft, zwischen „Religiösen“, „Siedlern“, „Tel Avivern“ und „Sekulären“ darzustellen. Vor drei Jahren habe ich diesen Text nicht gekannt, und heute gelangt er an die Oberfläche durch den grausamen Mord an Na’ama und ihrem Mann Eytam, und zeigt auf einige schmerzvolle Aspekte der Selbstwahrnehmunng der israelischen Gesellschaft. Übersetzt von mir.
Na’ama Henkin hy“d
Das irrelevante Kopftuch*
Hier bin ich wieder, bereite mich für ein Meeting in Tel Aviv vor, öffne zum hundertsten Mal meinen Schrank, um mir herauszusuchen, was ich anziehen soll. Was wird bescheiden, aber modisch aussehen, elegant, aber nicht zu sehr? Trotz meiner Bestrebungen weiß ich, dass wenn ich im Herzen Tel Avivs aus dem Auto steigen werde, ich anders aussehen und mich anders fühlen werde. Ich werde „eine von denen“ sein. Mein Designer-Kopftuch, das mir viele Komplimente von meinen Freundinnen in meiner Gemeinschaft einbringen wird, dasselbe Kopftuch ist so üblich und relevant in Tel Aviv wie ein Hijab – nämlich absolut irrelevant.
Nachdem ich es geschafft habe, meinen Minderwertigkeitskomplex zu überwinden, betrete ich das das Gebäude, in dem mein Meeting stattfindet (natürlich bin ich 10 Minuten zu spät, denn der Tel Aviver Verkehr scheint mich immer wieder von Neuem zu überraschen). Ein kurzer Stopp auf der Toilette gibt mir noch mal die Chance, mein Aussehen neu zu ordnen, mein Make-up zu korrigieren und mein Kopftuch neu festzubinden. Wen versuche ich hier eigentlich zum Narren zu halten?, denke ich mir, ein religiöses Mädel wird immer ein solches bleiben.
Während ich mir meinen Weg zum Treffen bahne, überlege ich vor mich hin: werden sie überrascht sein, zu sehen, dass ich gläubig bin? Wird die Person, die meine Arbeit bestellt hat, zu meiner professionellen Beschreibung hinzufügen: ‚Wir werden mit Na’ama zusammenarbeiten, sie macht Interface-Design. Ja, die eine Religiöse mit dem Kopftuch, aber sie ist eigentlich ganz cool“… Ich war niemals dabei, wenn ein solcher Satz gesagt wurde, aber ich fühle ihn immer, wenn ich in den Raum hineinkomme. Auch wenn ich mit einem Lächeln begrüßt werde, versuchen die Männer immer, diesen peinlichen Moment, die Hände zum Händeschütteln auszustrecken in der Erwartung, meine Hand zu schütteln, zu vermeiden. Und die Sekretärin bestätigt mir lächelnd, der Kaffee sei koscher.
Dann kommt der Smalltalk. Jemand wird fragen: „So, woher sagten Sie, dass Sie kommen? Jerusalem?“ Und ich werde rot anlaufen und sagen, „nein, ich komme aus einer kleinen Stadt in der Nähe von Modi’in.“ „Oh“, werden sie sagen und mit den Köpfen nicken, „wir haben von dieser Stadt gehört. Ein netter Ort. Wir sollten wirklich einmal dorthin mit unseren Kindern fahren, dort müsste ein schöner Park sein.“
Hier liegt Neria
Eines Tages – so verspreche ich dem verstörten Verlangen nach Gerechtigkeit in meinem Inneren – , vielleicht, wenn ich erwachsen sein werde, werde ich den Mut haben, die Wahrheit zu sagen. Ich lebe in Neria, einer Gemeinschaft in der Binyamin-Region. Ja, es liegt auf der anderen Seite der Grünen Linie. Die Medien mögen es eine „Siedlung“ nennen, aber für uns ist es einfach „Zuhause“. Kommt vorbei, wenn ihr die Gelegenheit dazu findet, es ist wirklich wunderschön dort.
*Anmerkung: Das Haar zu bedecken, ist religionsgesetzliche Pflicht für verheiratete jüdische Frauen. Dabei gibt es verschiedene Bräuche, wie man das Haar zu bedecken hat – in welchem Maße, oder auch womit. Heute entscheiden sich sehr viele religiöse jüdische Frauen für Kopftücher. Andere wählen dafür eine Echthaar-Perücke.
Hier kommt die ersehnte Videoaufnahme der Podiumsdiskussion „Unter dem Feigenbaum“ zum Thema Israel, an welcher am 06.09.15 der Korrespondent Ulrich Sahm, Vorsitzender des Ausländerbeirates Weimar Ayman Qasarwa und ich teilgenommen haben. Die Diskussion wurde in Erfurt im Rahmen der ACHAVA-Festspiele gehalten. Dauer: 1 Stunde 35 Minuten.
Hier kann sich, wer will, einige Berichte zur Diskussion durchlesen, sowie zu der jüngsten Vergangenheit meines Opponenten Ayman Qasarwa als Vorsitzender des Ausländerbeirates in Weimar – und Facebookhetzer gegen Israel und Juden:
Bald soll eine schriftliche Zusammenfassung der wichtigsten Punkte der Diskussion folgen. Ich werde sie hier und auf der Unterseite Projekte & Events hochladen und einstellen.
Vier Jahre bin ich in Israel, und erst ein Jahr lang erlebe ich die Realität der „besetzen Gebiete“ hautnah, und habe einen solch radikalen Wandel meines Lebensalltags mitmachen müssen – einen solchen hätte ich mir nicht erträumen lassen. Für die meisten Israelis ist „Intifada“ kein neuer Begriff, und auch Terrorattacken sind Teil ihrer Geschichte. Das Land und seine Leute haben in den letzten 67 Jahren außergewöhnlich viele Extremsituationen und reale Gefahren durchgehen müssen. Ich allerdings komme aus einer Welt mit einem relativ „heilen“ Selbstverständnis, aus einem Deutschland und Europa, welches die Bedrohung des islamisch motivierten Terrors noch nicht gekannt hatte. Zum Beispiel hätte ich mir niemals ausmalen können, in einem Land zu leben, in welchem die Polizei oder der Notfalldienst per Internet die Einwohner über Abwehrmethoden von Messerattacken informieren. Über Raketenangriffe. Über Brandbombenattentate. In einem Land, in dem ein Bürgermeister die Mitbürger auffordert, Waffen bei sich zu tragen. Wo Menschen Steinblöcke auf vorbeifahrende Autos werfen. Und wo eine Wellblechhütte auf einem Hügel einen internationalen Skandal hervorruft, jedoch der Ruf nach totaler Vernichtung eines Volkes als der Schrei von Unterdrückten übersetzt wird.
Und nun, da ich hier lebe, bleibt mir nichts anderes übrig, als das oben Aufgezählte und noch weitere „irre“ Elemente des Alltags in meinem Leben zu akzeptieren, ohne sich zu wundern, übermäßig zu beschweren oder Alarm zu schlagen. Ich dachte, Raketenbeschuss auf Städte sei etwas Unfassbares? Es gibt Terrortunnel. Tunnel seien inakzeptabel? Es kann auch Krieg geben. Krieg ist ein Notstand? Und was sagt man zu Messerstechereien auf der Straße? Entsetzlich? Es gibt auch Schüsse aus vorbeifahrenden Autos. Sprachlos? Man kann jemanden auch an der Halterstelle über den Haufen fahren und dazu Videoanleitungen zum besseren Gelingen im Internet verbreiten.
Ich habe in all den vier Jahren noch kein einziges Mal den Gedanken gehabt, aufgrund der zahlreichen Bedrohungen meine Koffer zu packen und zurück nach Deutschland zu kehren. Stattdessen lerne ich, mich in die Lebenswirklichkeit der Menschen hier einzufügen nd beobachte die Art und Weise, wie meine Mitbürger und meine Umgebung mit den Situationen umgehen.
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Mädchen mit Torarolle bei der Demo in Jerusalem. Foto: Efrat Kislev
Trotz oder gerade wegen der großen Enttäuschung, welche die nationalreligiös geprägte Gesellschaft gegenüber der von ihr gewählten Regierung fühlt, gibt es politischen Aktivismus. Nicht nur seitens der offiziellen Vertreter der jeweiligen Interessen, sondern bei den regulären Bürgern. So erschienen zu einer in der israelischen Presse als „rechte“ Demonstration katalogisierten Veranstaltung am 05.10.15vor der Residenz des Premierministers in Jerusalem (Paris Square) mehrere Tausend Israelis, um gegen die Terrorwelle und die Bedrohungen zu protestieren. Die Demo fiel auf den Abschluss des „Tora-Freudenfestes“. Aus allen Ecken der „Siedlerwelt“, von Tal Menashe im Norden Samarias bis Yatir an der „Grünen Linie“ im Süden, organisierte man Busse mit Teilnehmerwilligen. Es kamen meist junge Teilnehmer, Familien, Kinder aus Jugendbewegungen, Schulabgänger und auch ältere Menschen. Sie hörten Rednern aus der politischen Sphäre zu (darunter auch zwei Ministern aus der Regierungspartei des Likud), hörten den Aufruf zur Tatkraft von Terroropfer Adva Bitton, protestierten, tanzten, sangen. Trotz des großen Aufgebots, der zentralen Lage und des Timings berichteten führende deutsche Medien über die Demonstration nicht.
Protest auf der Autobahn 398 Richtung Teko’a. Foto: Ulrich J.Becker
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Spontane Zusammenkünfte, wie der Protest gegen Steinwürfe auf die Autobahn bei Teko’a am 07.10.15, nachdem eine jüdische Fahrerin von Arabern am selben Tag beinahe gelyncht worden ist (siehe Facebook-Meldung), fanden und finden weiterhin überall in den Gebieten statt. Vor allem kursieren Flyer, Aufrufe zu Protestevents, Bitten um Gebete für die Verletzten der täglichen Attentate über Whatsapp. Whatsapp muss das beliebteste Kommunikationsmedium in Israel sein. Interessant wäre zu wissen, wie stark seine Popularität infolge der momentanen Situation zugenommen hat – und wie viele Chats von den Shin Bet-Agenten tatsächlich abgefangen werden, um „unliebsame“ Zusammenkünfte zu vereiteln und Aktivisten auszuspionieren.
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Schon seit Wochen sitzt Yossi Dagan im Zelt vor der Residenz des Premierministers Netanyahu im Zentrum Jerusalems und protestiert durch seine Anwesenheit gegen den wachsenden Terror und die seines Erachtens mangelhafte Reaktion darauf innerhalb der Region, welche er verwaltet. Yossi ist der stellvertretende Vorsitzende des Judäa- und Samaria-Rates (YESHA), und er ist bekannt als einer, dem die Angelegenheiten seiner Mitbürger am Herzen liegen. Zusammen mit Yossi haben sich dorthin auch mehrere andere Bezirksvorsitzende begeben, so unser Vorsitzender Davidi Perl aus Gush Etzion, der sein Büro „vorübergehend“ vor das
Yossi Dagan auf der Demo am 05.10.15
Haus des Premierministers verlegt hat. Seine Kollegen und er haben eine lange Liste von Forderungen an den Premierminister. Hin und wieder berichten sie von Treffen mit diesem, er scheint bereit sein, sie anzuhören, aber von Einigungen hört man nicht. Die Forderungen betreffen verschiedene Sicherheitsaspekte – vor allem die notwendigen finanziellen Mittel für Maßnahmen, die die Einwohnersicherheit in Judäa und Samaria stärken sollen. Andere wirken globaler – ein Verlangen nach hartem Durchgreifen gegenüber Terroristen und ihrer sozialen Umgebung. Und dann noch die lauteste Forderung von allen, die auch die letzte Demo angeführt hat – „Bauen gegen Terror“. „Die gebührende zionistische Antwort gegenüber den Morden ist das Bauen und Niederlassen im Land Israel“ ist seit längerer Zeit ein Standart-Leitsatz der Siedlerbewegung. Die einen sagen, eine effektive Sicherung und Vergrößerung der jüdischen Präsenz vor Ort, gerade im Hinblick auf die Übergriffe vor Ort, würde an die Attentäter und ihre Anstifter ein Signal von Stärke senden – ohne sich dabei im Nahkampf oder durch militärische Maßnahmen die „Finger schmutzig zu machen“. Andere aus derselben Bewegung sehen dies als politischen Missbrauch an, sehen die Notwendigkeit der Sicherheit nicht mit dem Bau von Häusern erfüllt, und weigern sich, den Aufrufen der Bezirksräte zu folgen.
Wo liegt die Autobahn 398?
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So wie Natan (Name geändert) aus Teko’a. Ein Mann mit Kontakten, Draht zu den Einwohnern und dem Interesse daran, die Autobahn 398 zwischen Jerusalem und Teko’a für Juden sicher zu machen. Nachdem neulich erneut eine Fahrerin von einem Mob auf der Straße angegriffen und beinahe entführt worden worden war, erstellte er eine Liste aus Freiwilligen mit Waffenschein, die von nun an zusätzlich zur Armee und Polizei auf der Straße patroullieren würden, um im richtigen Moment zur Stelle zu sein, sollte die Armee vor Ort nicht genügend Präsenz zeigen.
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Man macht auch Witze. Bildüberschrift: „Ich gehe grad‘ mal den Müll runterbringen“, Quelle: Facebook
Derweilen versendet unsere Regionalverwaltung im Namen von Davidi Perl erneut warnende Emails, diesmal mit direkten Anweisungen, wie man sich im Falle eines Angriffs verhalten sollte. Aufgelistet werden Tipps je nach Art des Angriffs. Schwierig für mich, nachzuvollziehen oder zu akzeptieren, was solche Anweisungen tatsächlich bedeuten – dass wir uns in einer Kampfzone befinden, dass kriegsähnliche Zustände herrschen, und das im ganzen Land und nicht etwa an den Grenzen allein. Und das nennt sich heute Alltag. Das soll man vereinen mit einem Gang in den Supermarkt, einem Ausflug in die Natur, der Fahrt zur Arbeit oder zur Uni. Wie schwer muss es erst für einen Außenstehenden sein, nachzuvollziehen, was hier geschieht?…
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Sportverein „Israeli Combat Experience“ in Gush Etzion
Ein Bekannter von mir bietet seit Neuestem kostenlose Selbstverteidigungskurse an. Das Angebot werde ich mir anschauen, Und auch das mit dem Waffenschein sollte man sich vielleicht überlegen. Denn in den letzten Tagen ist die israelische Presse voll von Berichten von Zivilisten, welche durch eine Waffe, die sie bei sich trugen, das Leben von anderen retten konnten. Bevor Sicherheitskräfte sich einmischen konnten.
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Dem gegenüber stehen auch wütende Israelis aus den Siedlungen und auch aus anderen Städten, die ihre Wut über das Geschehen in Taten verwandeln; heute (09.10) bewarfen Siedler laut YNET die Autobahn nach Shchem (Nablus) in Samaria mit Steinblöcken. Dabei wurden arabische Fahrer verletzt und Autoscheiben zerschmettert. Ebenso wurde die Einfahrt nach Shchem blockiert. In Netanya wurden drei Araber von Einwohnern angegriffen und einer davon verprügelt; laut YNET soll einer von ihnen „Allahu Akbar“ gerufen haben (der übliche Ruf vor Terrorangriffen), der Kontext ist allerdings unklar. In Dimona, einer Stadt, in welcher neben Juden auch Beduinen mit israelischem Pass leben, verletzte ein jüdischer Mann mit einem Messer vier Beduinen, zwei davon offenbar schwer. Die Familie des einen weigerte sich, die Tat ausführlich zu kommentieren, um die Atmosphäre „nicht aufzuheizen“(Zitat).
Was kann ich sagen? Das Fazit ist noch lange nicht gesprochen, für Bilanzen ist es noch zu früh. Welche Forderungen der „Siedlerbewegung“ werden erfüllt werden, welche davon haben keinen Anteil an der Entscheidung der Regierung zu ihrer Verhaltensweise gegenüber dem Terror? Ich weiß es nicht und kann leider keine Prognosen anstellen. Heutzutage kann ich nicht einmal sagen, dass das „Bau-Credo“ der Siedlerbewegung für Judäa und Samaria einen Fortschritt für diese einbringt, wenn es keine offizielle Verstaatlichung von ganz Judäa und Samaria mit sich führt. Eine Verstaatlichung – Annexion – Eingliederung dieser Regionen würde zumindest schon einmal die Hoffnung der Gegenseite und ihrer Wortführer ersticken, die jüdische Bevölkerung von diesem Fleck Land vertreiben und das Land unter sich aufteilen zu können. Eine Hoffnung, die jeder mit sich führt, der israelische Juden angreift und terrorisiert. Diese Hoffnung wird genährt von der Propaganda der eigenen arabischen Führungskräfte, welche sie seit 1921 und bis heute führen. Sie wird aber auch genährt von der israelischen Gesellschaft, welches nicht eindeutig bereit ist, zu sagen, was sie als ihr Land erachtet und was nicht. Das Ergebnis dieses Mangels an Entschlossenheit, Unklarheit über die eigenen Ziele und Wünsche ist der fast 50-jährige Status Quo der Militärherrschaft in Judäa und Samaria – und alles, was daraus folgt – , unter anderem jeder der bisherigen Gewaltaufstände der Araber in Israel. Vieles hat sich die israelische Politik und Gesellschaft selbst zuzuschreiben – allerdings in anderer Weise, als es heute in der Medienwelt dargestellt wird.
Die Frage ist, gerade in solchen brenzligen Tagen – werden wir die Gelegenheiten, die sich ergeben werden, nutzen, und wenn ja – wie?
Leider keine „News“ mehr, sondern eine sich in alle Richtungen ausbreitende Entwicklung.
Heute wieder Terrorattacken „innerhalb“ und „außerhalb“ der Grünen Linie. Die Terroristen machen keinen Hehl daraus, dass die sog.“Grüne Linie“ eine Farce ist, denn ihre Zielobjekte sitzen auf beiden Seiten dieser Linie und nennen sich Juden. Und auf diese haben es muslimisch-arabische Terroristen mit „Palästinenser“-Etikett abgesehen.
So gab es heute und gestern Anschläge in Tel Aviv, Petach Tikva, Kiryat Gat. Steine auf reguläre Verbindungsstrecken nach Norden und Süden. Jetzt (Stand 19:27 Uhr) erreicht uns auf YNET eine Meldung über ein mögliches Messerattentat in der Nordstadt Afula. Alles Orte, die nichts mit „Siedlern“ zu tun haben – im internationalen Sinne. Aber alles jüdische Orte, welche legitime Ziele darstellen für Ideologen und ihre Anhänger, deren Idee darin besteht, Juden zu töten.
Und natürlich waren auch Jerusalem, die Straßen und Orte in Judäa und Samaria wieder Ziele für mordlustige muslimische Araber.
Me’ir Pavlovsky
Heute wurde ein junger Mann namens Me’ir Pavlovsky in der Stadt Kiryat Arba bei Hevron niedergestochen. Me’ir ist ein entfernter Bekannter von mir und ist Teil derselben Lernbewegung für Russischsprachige in Israel und Ukraine wie ich, „Midrasha Zionit“ (das zionistische Lernhaus). Er wurde schwer verletzt und in das Shaarey Tzedek Hospital in Jerusalem eingeliefert. Wir beten für seine Gesundheit.
Heute flogen Steine auf israelische Autos auf der Autobahn 60 in Gush Etzion, bei Hevron, es gab Zusammenstöße in Samaria zwischen gewalttätigen arabischen jungen Männern und der Polizei bzw. der Armee.
In Jerusalem wurde ein 25-jähriger Jeschiwa-Student auf der Straßenbahnhaltestelle „French Hill“ niedergestochen und ebenso schwer verletzt. Der Täter – ein arabischer Israeli aus Shu“afat, Jerusalem. Gestern wurden in der Altstadt, dort, wo zuvor Rabbi Nehemia Lavi und Aharon Bennett getötet wurden, von einer arabischen Terroristin zwei Passanten angegriffen. Einer von ihnen schaffte es, auf die Angreiferin zu schießen und schwer zu verletzen.
In Tel Aviv wurde eine Soldatin niedergestochen, ein Offizier eilte ihr zur Hilfe und rannte dem Terroristen hinterher. In Petach Tikva stach ein Araber aus Hevron (wie kam er nach Petach Tikva?!) einen jungen Passanten nieder. In manchen Fällen werden die Terroristen getötet, in anderen verletzt und verhaftet.
Wer noch immer meint, eine „Intifada“ würde erst dann ausbrechen, wenn ein ranghoher Politiker sie als solche benennt, irrt. Eine „Intifada“ ist dann ausgebrochen, wenn sich ein jüdischer Mensch in Israel nicht mehr sicher sein kann, wenn er weiß, dass um ihn herum potenzielle Mörder herumlaufen, die sich der Idee verpflichtet haben, Juden zu töten.
Eigentlich nennt man das auch gar nicht „Intifada“. Vielmehr passt der Begriff „Bürgerkrieg“. Nur dass die andere Seite zumeist keine Staatsbürger sind, sondern eine fremde feindliche Bevölkerung darstellen. Dann kann man das „Bürger“ getrost weglassen, und bei „Krieg“ verbleiben. Würden die israelischen Führungskräfte das einsehen, würden sie vielleicht entsprechend reagieren. Aber darauf kann man, wie die Geschichte beweist, lange warten.
Das sind die Überschriften und Titel, mit welchen die deutsche Presse in den letzten Tagen den Mord an Rabbi Eytam und Na’ama Henkin und die Ereignisse um diesen herum bedachte. Kamen in den Artikeln selbst ausführlichere Erklärungen zum ominösen „Siedlerpaar“ vor, so war der abstoßende Effekt dieses durch die Abwesenheit jeglicher journalistischen Ethik gekennzeichneten Begriffs schon durch den ersten Blick auf die Schlagzeile erreicht. Selbst Soldaten, die direkten „Handlanger“ der israelischen „Besatzungsmacht“, bekamen in den deutschen Medien eine ihrem Dienst entsprechende Bezeichnung. Nicht aber Na’ama und Eytam, das „Siedlerpaar“.
Schlagzeile der Tagesschau zur Gefangennahme der Mörder von Na’ama und Eytam Henkin. 05.10.15
Insbesondere die Tagesschau und die Süddeutsche Zeitung, aber auch die Rheinische Post, der Deutschlandfunk, die Deutsche Welle und andere bedienten sich der degradierenden Wortwahl. Eine Parteinahme oder eine direkte Deutung auf die politische Linie der jeweiligen Redaktionen zu verschleiern war schon gar nicht mehr vonnöten. Der Präfix „Siedler-“ (-auto, -kinder, -häuser, -paar et al.) ist bei den deutschen Medien eine willkommene Abwechslung zum immer wiederkehrenden Mantra „Juden-„. Denn wenn Juden heutzutage aufgrund ihres Jüdischseins erneut als Opfer herhalten müssen, kann man diese nach „Siedlern“ und „Nichtsiedlern“ selektieren. Das Siedler-Präfix ist eine bequeme Entfremdung vom eigentlichen Mensch- und Jüdischsein, es deutet auf eine Teilnahme und Mitschuld im Konflikt hin und dient auch als ein erfogreiches Alibi, um den palästinensisch-arabischen Terrorismus im selben Artikel in Anführungszeichen zu setzen, die Mörder als mutmaßlich zu bezeichnen, und so die Handlungen im Sinne einer palästinenserfreundlichen Politkorrektheit zu relativieren.
Was aber keinesfalls relativiert oder mit besonderen Titel bedacht wurde, waren der Tod eines 18- und eines 13-jährigen Aufständischen, welche jeweils bei gewalttätigen Ausschreitungen gegen israelische Sicherheitskräfte erschossen wurden. Der Minderjährige, welcher im Zuge der Zusammenstöße mit den Sicherheitskräften erschossen wurde (noch ist unklar, unter welchen genauen Zusammenhängen), wurde „palästinensischer Junge bzw.Teenager“ genannt. Beide erhielten in den Nachrichtenmeldungen mindestens so viel Berichtplatz wie der Mord an den Eltern Na’ama und Eytam vor den Augen ihrer Kinder, und doppelt so viel Platz wie die jüdischen Opfer Rabbi Nehemia Lavi und Aharon Bennett, welche am Samstagabend (04.10) von einem arabischen Terroristen in der Jerusalemer Altstadt ermordet wurden. Deren Namen oer Details zu deren Ermordung waren den Journalisten keine Erwähnung wert. Nur in einem WELT-Beitrag vom 03.10 wurde das Attentat in Jerusalem ausführlich besprochen, auch die Details zur verletzten Frau eines Getöteten wurden wiedergegeben. Das hinderte die WELT leider nicht daran, in den Beiträgen der Tage danach die Wortwahl „Siedler/-paar“ zu benutzen.
All diese Beispiele werden jemandem, der die Israel-Berichterstattung nicht erst seit gestern verfolgt, nichts Neues über die Art und Weise der deutschen Medieneinstellung zu Israel und seinen Juden verraten. Sie dienen allerdings explizit als Nachweise dafür, dass in einer Zeit, wo die Medien nebst den Politikern den größten Aufwand darauf legen, ihre Kundschaft politisch zu beeinflussen und ihr interessenbezogene Falschinformation zu unterbreiten, es umso wichtig ist, Dinge beim Namen zu nennen, und nicht die Berichterstattung ohne Nachfrage hinzunehmen. Die Medienwelt ist nicht minder ein Kriegsschauplatz geworden als die Straßen der Jerusalemer Altstadt oder von Gush Etzion. Daher werde auch ich die Entblößung von Falschinformationen und gängig gebrauchten Worthülsen weiterhin betreiben, insbesondere im Bezug auf die Juden in Judäa und Samaria.
→ Ein weiterer, sehr gut recherchierter und qualitativer Beitrag zum Thema Deutschsprachige Medien und die aktuelle Nahostberichterstattung, von Lizas Welt.
Unsere Nachrichten sind in den letzten Tagen erstaunlicherweise voll. Voll von Meldungen ueber Gewaltakte in Judäa und Samaria. Von Steinwürfen, Brandbomben, Schüssen hier und dort, auch in Jerusalem und auch in Lod – einer Stadt mit gemischter arabsich-jüdischer Bevölkerung, weit weg von jeder gruenen oder sonstigen Linie.
Mit einem Mal sind Berichte über arabischen Terror gegenüber Juden „populär“ geworden. Dafür hat es vier grausige Morde innerhalb der letzten 2 Tage gebraucht. Was sonst regelmäßig übergangen und interessenlos zur Behandlung an die Sicherheitskräfte übergeben wird, bekommt auf einmal Namen. Wohlbemerkt, in der israelischen Presse, nicht in der internationalen.
Ich möchte mit euch einen Bericht von Erica Chernovsky teilen. Sie wurde vor einigen Tagen von Steinewerfern in Gush Etzion angegriffen, und hat das Erlebnis niedergeschrieben. Auf Englisch.
Ich habe den Eintrag zum Mord an Na’ama und Eytam Henkin unter dem Stichwort „Siedleralltag“ hochgeladen, und nicht etwa aus Zynik. Das Geschehene ist der Alltag unserer Bevölkerung hier. Ein täglicher Anteil an unserem Bewusstsein, an unseren Gefühlen, Träumen, Zukunftsvorstellungen.
Vor Kurzem hat die Tagesschau unter Beiwirkung von Journalist Markus Rosch einen Beitrag zum „traurigen Alltag in den Palästinensergebieten“ gegeben. Unser jüdischer Alltag in denselben „Palästinensergebieten“ – und das noch lange vor der Ermordung von Na’ama und Eytam! – hat dort keinen Platz gefunden, wieder einmal – wie schon immer. Eine Realität, in welcher normative
Mein Beitrag an Markus Rosch auf Facebook. 02.10.15
Bürger, wertvolle Träger der Gesellschaft – ach was, zum Kuckuck! Unschuldige Frauen, Männer und Kinder neben Menschen und Gruppierungen leben, deren moralische Werte ihnen vorgeben, tagtäglich nach deren Tod zu trachten! Welche sie mit Lebensgefahr fast in jedem Aspekt ihres Lebens konfrontieren und dies mit Unterstützung der Weltgemeinschaft tun – wie das Geld, das in die Hände arabischer Vereinigungen, Terrorgruppen und Verwaltungen fließt, und die Flagge dieser Menschen am UN-Hauptquartier beweisen – diese Realität ist nicht von Wert und nicht von Interesse für diejenigen, die sich für „Berichterstattung im Nahen Osten“ aussprechen. Der widerliche doppelte Standart, den deutsche Medien an den Tag legen, wenn es heißt, Lebensrecht der Einen gegen das Lebensrecht der Anderen zwischen Juden und Arabern in unserem Gebiet aufzuwiegen, wird nicht nur nicht mehr verschleiert – er wird offen und gültig an den Tag gelegt. Denn das ist die Leitlinie, welche in der westlichen Öffentlichkeit gegenüber uns gilt: Juden haben keinen Anspruch auf ein gleichwertiges Lebensrecht in ihrem historischen Heimatland. Juden haben keinen Anspruch auf Mitspracherecht im Diskurs um ihr eigenes Heimatland, und im Diskurs über Standarts von Moral und Menschlichkeit. Juden haben keinen journalistischen Wert in der Berichterstattung.
Und genau deshalb sollten Juden sich das nicht gefallen lassen. Die Zeiten sollten vorbei sein, in welchen wir auf das Gewissen der Weltöffentlichkeit gewartet haben, dass wir auf die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit gewartet haben, dass wir auf die Legitimation durch die Weltöffentlichkeit gewartet haben. Nicht zuletzt haben wir dies bei der Gründung des Staates Israel selbst bewiesen – das Warten kostete uns 6 Millionen. Das Handeln brachte uns unser Land zurück, und der Weg zur kompletten Rückkehr ist noch nicht bis zum Ende gegangen. Immer mehr Menschen in Israel verstehen, „dank“ der oben angeführten Dinge und des Bewusstseins dafür, dass sich die Aufmerksamkeit und die Handlungsweise der die Weltöffentlichkeit repräsentierenden Handlungsträger sich nicht nach ethischen Werten richtet und sich niemals danach richten wird. Der Traum von Brüderlichkeit und globaler Solidarität ist kein Vertrag und keine Zielabsicht, sondern eine Gemütslaune und ein philosophisches Konstrukt, und wie ein jedes solches suggeriert es etwas, wofür es nicht verbindlich einstehen kann.
Jeder Mensch und jede Gemeinschaft ist für ihr eigenes Überleben selbst verantwortlich.
Nicht, dass wir Juden, wir Israelis und wir „Siedler“ es nicht schon aus den Jahrhunderten zuvor gewusst haben. Aber entgegen dem allseits umspannenden Drang zur Selbstauflösung im scheinbaren universalen Humanismus ist jede Entlarvung diesen als Lüge ein Weckruf, der den süßen Nebel der Verliebtheit in diese erfundenen Ideale mit einer Dreistheit vertreibt, und uns zuruft – öffnet die Augen, werdet nüchtern, nimmt euer Gesetz und euren Gott und geht voran, verjagt den giftigen Nebel aus euren Augen und Gemütern. Nur so garantiert ihr, dass das Chaos, das hinter euch ausbricht, euch nicht in seinen Abgrund ziehen wird.
Mit Entsetzen, in tiefster Trauer und Wut berichte ich über diese Tat.
Seht in ihre Gesichter, und seht nicht weg. Na’ama und Eytam Henkin hy“d (Quelle: INN)
Gestern abend (01.10.15) fuhren das Elternpaar Na’ama und Rabbiner Eytam Henkin, in ihren 30ern aus der Siedlung Neria, mit ihren vier Kindern auf der Autobahn 555 in Samaria, zwischen den Ortschaften Elon More
Karte zum Attentatsort
und Itamar, im Umkreis der Stadt Shchem (Nablus). Die Autobahn führt am arabischen Ort Bayt Furik vorbei. In der Nähe von Bayt Furik wurden aus einem vorbeifahrenden Auto auf das Fahrzeug von Familie Henkin mehrere Schüsse abgefeuert. Beide Eltern wurden schwer verletzt. Ihr Auto hielt auf der Straße an. Vorbeifahrende israelische Fahrer erkannten, dass es sich um eine Terrorattacke handelte, und riefen Einsatzkräfte. Als erste medizinische Versorgung ankam, bemühten sie sich, Na’ama und Eytam wiederzubeleben, doch mussten in kurzer Zeit ihren Tod feststellen. Die vier Kinder – Matan Hillel, 9, Nitzan Yitzhak, 7, Netta Eliezer, 4 und Baby Itamar (8 Monate) – waren direkte Zeugen der Ermordung ihrer Eltern, wurden leicht verletzt, aus dem Auto evakuiert und zur Erstversorgung nach Itamar gebracht.
Hier liegt Neria/Talmon B
Die Armee gelangte am Ort des Geschehens an und eröffnete eine breite Fahndung nach den Tätern. Noch ist unbekannt, aus welchem Ort der Täter stammen könnte. An die vier zusätzlichen Einsatztruppen, die zur Region beordert wurden, bekamen den Befehl, die umliegenden Dörfer einzukesseln und eine verstärkte Durchsuchung und Fahndung einzuleiten.
Quelle: INN
Die Nachricht verbreitete sich über soziale Netze, Radio und Schnellnachrichtendienste wie 0404 über das ganze Land. Einwohner in Judäa und Samaria organisierten Spontanzusammenkünfte an öffentlichen Kreuzungen mit Israelflaggen.
Auf dem Jerusalemer Friedhof. Quelle: INN
Heute morgen (02.10.15) um 11 Uhr wurde, entsprechend dem jüdischen Gesetz, das Ehepaar Henkin auf dem „Har Hamenuchot“-Friedhof in Jerusalem beigesetzt. Zum Begräbnis waren tausende Anwesende erschienen, darunter viele, welche das Paar nicht persönlich gekannt hatten. Israels Präsident Ruven Rivlin erschien ebenso zur Beerdigung. Er sprach über die Persönlichkeiten von Na’ama und Eytam, die er viel zu späte habe kennenlernen können. Er zitierte einen Brief, den die Ermordete früher im Jahr an ihn nach dem Mord an Dani Gonen geschickt hatte, und dass er ihr geantwortet habe. Zudem stärkte Rivlin, der sich nach dem Brandanschlag im arabischen Dorf Duma und noch vor dem Ermittlungsergebnissen äußerte „Mein Volk wählte den Weg des Terrors“, in seiner Ansprache die Siedlerbewegung und nannte die jüdischen
Präsident Ruven Rivlin
Bewohner von Judäa und Samaria „die Ersten an der vordersten Front“ im Kampf gegen den Terrorismus, die den „Preis zahlen, der zu schwer zum Tragen “ sei: „Der Terror folgt uns seit den Tagen von 1929 bis heute. Wir haben nie aufgrund des Terrors gebaut und werden nicht für einen Moment aufhören, wegen des Terrors zu bauen.“
Verwandte hielten Ansprachen auf die Ermordeten. Die Großeltern, welche den Zusammenhalt und die offenkundige gegenseitige Liebe des Ehepaares ins besondere Licht stellten, versprachen, die Kinder gemeinsam aufzuziehen. Der älteste Sohn der Familie Henkin, Matan Hillel (9 Jahre), sprach das Kaddisch-Gebet, welches für Verstorbene gesprochen wird. Er war Augenzeuge des Mordes an seinen Eltern.
Während der Beisetzung von Na’ama und Eytam hielten Bewohner von Judäa und Samaria Protestkundgebungen in der gesamten Region, versammelten sich auf Kreuzungen, wehten Israelflaggen und sperrten teilweise Straßen ab.
Rabbiner Eytam lehrte an einem Frauenseminar in Jerusalem, und hatte sein erstes Buch zu jüdischer Denk-und Lebensweise schon mit 20 veröffentlicht. Er war ein vielversprechender Pädagoge und Rabbiner. Na’ama arbeitete als erfolgreiche Grafikerin und schrieb einen Blog bei PointOfView.org.il, einer Blogplattform für Frauen aus Judäa und Samaria in Englisch.
An der Gush Etzion-Kreuzung. Foto: Nadia MatarAn der Gush Etzion-Kreuzung. Foto: Nadia MatarAn der Gush Etzion-Kreuzung. Foto: Nadia MatarIn Kochav Hashachar, Samaria. Foto:INNBei Bet Haggai. Foto: M.Dana-Picard