zwei neue Menüseiten haben es auf meine Blogseite geschafft, ganz zu euren Diensten!
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Für Vorschläge zu Veränderungen und andere Kritik bin ich immer offen.
Wer kennt sie nicht, die dramatischen „Landverlust-Karten“, die stets im Argumentationskampf gegen Israel-Unterstützer eingesetzt werden?
Der folgende Beitrag, aus dem Blog „abseits vom mainstream“ entnommen, ist immer aktuell, sehr relevant und lesenswert, detailliert und mit ausreichenden Ausführungen auch für weniger Bewanderte.
Antiisrael-Aktivisten benutzen oft manipuliert Landkarte, um Israels angebliche Vergehen im Verlauf des letzten Jahrhunderts zu zeigen. Solche Behauptungen werden von Leuten aufgestellt, die im besten Fall keine Faktenkenntnis, im schlimmsten Fall keinen moralischen Kompass haben.
Dieser Tage kann man nicht auf einem amerikanischen oder europäischen Universitäts-Campus nicht weit gehen, ohne irgendeiner Version der Landkarten zu „Verlust von palästinensischem Land“ zu begegnen. Diese Serie von vier – gelegentlich fünf – Landkarten gibt vor zu zeigen, wie räuberische Zionisten fortlaufend auf palästinensisches Land übergegriffen haben. Davon kann man zur Verteilung Postkarten kaufen und sie sind in bezahlten Werbeanzeigen auf Bussen in Vancouver wie in Bahnhöfen in New York dargeboten worden. Die Antiisrael-Blogger Andrew Sullivan und Juan Cole haben Versionen davon gepostet und sie schleichen sich gelegentlich in angeblich seriöse Medienquellen wie Al-Jazira English ein.
der jährliche Deutschlandbesuch bahnt sich bei mir an. Einige Wochen, ca. Ende August bis Anfang September, werde ich in Deutschland verbringen, mich ein wenig von der Hitze in Israel erholen, Familie, Freunde und Kollegen besuchen. Den Abschluss meines Besuches wird meine Teilnahme bei einer der Podiumsdiskussionen im Rahmen der ACHAVA-Festspiele in Thüringen am 06.September bilden, wo ich zum Thema Israel zusammen mit Ulrich Sahm und Richard C.Schneider diskutieren werde (hier der Programmhinweis). Dazu lade ich selbstverständlich herzlich alle Leser/-innen dieses Blogs ein, und empfehle auch die Festspiele selbst für alle, die zwischen dem 27.August und dem 06.September in Thüringen sein werden.
Meine „Basis“ in Deutschland liegt in NRW, möglicherweise steht auch Berlin auf dem Programm. Solltet ihr an einer Kontaktaufnahme interessiert sein – Gruppengespräch, themenbezogene Diskussion oder einfach nur ein Treffen auf einen Kaffee oder ein Bier – bitte so gut es geht im Voraus anschreiben, ich werde mich sehr freuen. Meine Kontaktdaten in Deutschland verbleiben dieselben – ich kann jederzeit unter chaya@diesiedlerin.net erreicht werden, und ebenso über Facebook:
Selbstverständlich werde ich auch weiterhin Beiträge schreiben, auch aus Deutschland.
bei der folgenden Frage bin ich auf eure Meinung angewiesen bzw. möchte sie gerne kennenlernen!
Es geht um Gastartikel, um übersetzte Texte aus dem Hebräischen ins Deutsche, welche meines Erachtens den Horizont zum Siedlungsthema erheblich erweitern können, frische Aspekte und Ansichten „vom Feld“ vermitteln können – und vor allem auch aktuell und relevant für die heutige israelische Gesellschaft sind. Es sind Artikel, die sonst nur hebräischsprachigen Lesern vorbehalten sind, und meist auch zahlungspflichtig sind. Der Durchschnittsleser kommt an sie also nicht heran. Dabei stellen diese Texte ein direktes Spiegelbild der israelischen Gesellschaft dar und bringen zum Fragen und zum Nachdenken. Das Konzept wäre einfach: Ich würde, je nach Relevanz, einen bestimmten Artikel entweder gänzlich übersetzen oder zusammenfassen und hier für euch publizieren. Das würde keinesfalls, wie bei bestimmten Blogs, die persönlichen Einträge ablösen, wohl aber kompetente Stimmen in den Diskurs bringen.
Hier also meine Umfrage, ich freue mich auf Antworten, um etwas Überblick zu euren Wünschen zu bekommen:
auf euch wartet eine neue Menüseite meines Blogs, freigegeben zur Nutzung in jedem positiven Sinne – die Seite Zum Nachlesen!
Dort findet ihr von mir empfohlene Bücher – von historischen Zeugnissen über neuzeitige Forschungswerke bis zu Romanen -, Artikel und sonstige Schriftwerke zum Thema Israel, Nahostkonflikt und natürlich das Hauptthema – Siedlungen und der Kampf um das Land Israel. Die Liste wird sich stetig erweitern und garantiert Vielseitigkeit und die Möglichkeit, sich verschiedene Meinungen bilden zu können – darauf werde ich bei meinem Verzeichnis achten. Meine Kriterien bei der Auswahl der vorgestellten Lektüre sind – ich muss selbst etwas Wertvolles aus ihr gezogen haben, und sie muss von der „Mainstream“-Herangehensweise abweichen, und selbstverständlich Themenrelevanz haben. .
aufgrund persoenlicher Anfragen an mich und auch meiner eigenen Beobachtungen musste ich leider feststellen, dass mein Blog mitunter von hartnaeckigen Besuchern, die ihre persoenlichen Angelegenheiten und Streitereien gerne oeffentlich austragen wollen, ueberfuellt wird. Die Kommentare haeufen sich abseits jeder relevanten Diskussion unter bestimmten Beitraegen und trotz mehrerer Anfragen halten die Personen nicht inne, sondern fuellen weiterhin die Kommentarspalten, verursachen ueberfluessige Benachrichtigungen bei den Abonnenten dieses Blogs und fuehren Beitraege ad absurdum.
Ich moechte mich zunaechst fuer das entstandene Chaos und die Belaestigungen, die dadurch bei Betroffenen entstanden sind, entschuldigen. Zudem moechte ich darauf hinweisen, dass von nun an in Zukunft leider alle Kommentare vor ihrer Veroeffentlichung durch mich manuell bestaetigt werden muessen, ungeachtet ihres Inhalts. Vom Thema abweichende Kettenkommentare, welche nichts als persoenliche Gespraeche ohne jeglichen inhaltlichen Wert fuer diesen Blog in meinen Augen darstellen, werden nicht genehmigt.
Tut mir leid, dass es dazu kommen musste, und ich hoffe, von nun an wird etwas mehr Ordnung herrschen. Ich danke im Voraus fuer euer Verstaendnis und ebenso fuer alle relevanten, interessierten und interessanten und respektvollen Kommentare auf meinem Blog und fordere euch alle dazu auf, Rueckmeldungen zu meinen Artikeln zu geben und Diskussionen beizuwohnen.
Mit diesem ersten Beitrag möchte ich hiermit ein öffentliches Frage- und Antwort-Programm im Rahmen dieses Blogs starten, bei welchem ausführliche Fragen zum Blog öffentlich gemacht und die Antworten für alle ersichtlich offen gepostet werden. Private Nachrichten, an mich abgeschickt, werden hier ohne Namen veröffentlicht, Kommentare unter Blogeinträgen, sofern relevant für das neue Programm, mit Namen versehen. Man kann mich auch ausdrücklich darum bitten, bestimmte Fragen nicht zu veröffentlichen.
Da viele Fragen und Antworten für eine große Anzahl meiner Leser relevant sein können, sehe ich es als notwendig an, diese der Öffentlichkeit einfacher zugänglich zu machen. Here we go.
Lieber Michael,
vielen Dank für Ihre Kommentare und Fragen. Ich will in den folgenden Antworten zu Ihren Bemerkungen mehr auf diese eingehen- Meine Antworten vermerke ich innerhalb des Textlaufes, damit man direkt den Kommentar und meine Antwort dazu sieht. Die Fragen udn Antworten habe ich nach Themengebieten strukturiert.
Thema: Jüdischer Anspruch
„Für Chaya ist es ganz natürlich sich auf erobertem Boden niederzulassen. Es ist Gott-gegebenes Land.(?)“
>>Die Niederlassung auf dem besagten „eroberten Boden“, nämlich in den Gebieten von Judäa und Samaria nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967, erfolgte vor allem durch die Tatsache, dass Israel diesen herrscherlosen Boden, welcher bis dato zu keinem Staat rechtens gehörte, von den Jordaniern im Krieg erobert hatte, welche diesen Boden ihrerseits 1948 im Krieg gegen Israel erobert hatten. Generell stehen von einem Land im Krieg eroberte Gebiete, insbesondere, wenn es sich um einen Verteidigungskrieg gegen das besagte Land handelt, ganz regulär zur Besiedung frei. Gott muss dabei gar nicht herangezogen werden.
„Chayas Beitrag ist frisch, frech, intelligent und Ausdruck einer überzeugten Siedlerin, die weiss, dass sie sich auf den militärischen Schutz einer Besatzungsmacht verlassen kann.“
>>Als Staatsbürgerin und Einwohnerin Israels verlasse ich mich darauf, dass die Rechtsorgane meines Staates mich schützen werden. Das hat nichts mit der „Besatzungsmacht“ zu tun. Als Aktivistin der Siedlerbewegung weiß ich nur zu gut, dass man sich in Sachen Besiedlung sehr häufig überhaupt nicht darauf verlassen kann, dass man nicht geräumt und der eigene Besitz nicht zerstört wird, sobald die eigenen Gerichtshöfe, die Militärverwaltung etwas dagegen haben – sei es begründet oder weniger begründet. Nach der Entscheidung Ariel Sharons in 2005 konnten sich die Juden in Gaza/Gusch Katif leider auf gar nichts mehr verlassen, und wurden teilweise brutal aus ihren Wohnorten vertrieben.
Thema: Landraub
„Für Chaya aus Köln (!) ist es ein Recht, sich da in Palästina -sprich Westjordanland- niederzulassen, wo es ihr gerade gefällt. Es ist Land von Gott gegeben und über Widerstand der Bevölkerung, denen das Land gehört, muss man sich nur lange genug hinwegsetzen, bis der Widerstand verschwunden ist. „
>> Viele Unwahrheiten in einem kurzen Absatz. Fangen wir von vorne an: „Palästina“ – ehemal.britisches Mandatsgebiet, beinhaltete bis 1948 das heutige Jordanien, Teile Syriens, Libanons, Ägyptens und das Gebiet zwischen dem Jordanfluss und dem Mittelmeer. Seit 1948 existiert „Palästina“ als solches nicht mehr.
>>“Wo es ihr gerade gefällt“ – falsch. Das Land wurde seitens der israel.Militärverwaltung in Zonen aufgeteilt. Zonen A stehen unter kompletter palästinensischer Verwaltung, und in Zone A und B dürfen keine Juden leben. Zonen A dürfen sie nicht einmal betreten. Innerhalb der Zonen C gibt es Privatgrundstücke, da dürfen sich Juden nicht niederlassen und nicht bauen, und sie werden, sollten sie es tun, vertrieben.
>>Dass die jüdische Geschichte mit diesem Land hinreichend verbunden ist, wurde bisher durch jeden noch so kleinen archäologischen Befund bewiesen. Es ist also nicht nur „gegeben“, es ist auch nachweislich von Juden bewohnt gewesen, weit bevor Vertreter des arabischen Volkes dieses Land betreten haben.
>>“Widerstand der Bevölkerung, denen das Land gehört“ – wem gehört das Land? Welches Land? Und welcher Bevölkerung? Großangelegte und unwahre Behauptung. Es gibt kein „den Palästinensern gehörendes Land“, es gibt Privatgrundstücke, siehe oben. Alles Andere ist Mär und Propaganda.
„Das Volk des Buches lässt sich vom Buche leiten, während andere Abkommen und Regeln, die versuchen das internationale Miteinander zu ermöglichen, ignoriert und unterlaufen werden.“
>> Da müssten Sie genauer werden. Meines Wissens lässt sich die momentane israelische Regierung vom israelischen Gesetz leiten, und nicht, wie Sie andeuten wollen, von der Bibel, ansonsten hätten wir einen ganz anderen Staat vor uns.
Thema: Flüchtlinge, Rückkehrrecht
„Welche Rechte haben die Menschen, die dort Jahrhunderte gelebt haben und nicht mehr in ihrer Heimat leben dürfen, da sie vertrieben wurden, geflohen sind und nicht mehr zurück können?“
>>Mich stört eindeutig die Bemerkung „Jahrhunderte“. Ich würde gerne einen Nachweis erbracht sehen, auf wen genau Sie sich beziehen, wenn Sie von „Jahrhunderten“ reden, die die (nichtjüdischen) Menschen, die Sie heute als Palästinenser wahrnehmen, in diesem Landstrich verbracht haben. Nein, ich bezweifele nicht, dass es gewisse Familien gegeben hat und gibt, die eine lange Ahnenreihe in dieser Region vorweisen können. Das können sehr viele ehemalige (auch vertriebene) jüdische Bewohner von Hevron, Tzfat, Tiberias/Tveria, Jerusalem, Pki’in ebenso, und das sogar in einer größeren Anzahl. Die heutigen palästinensischen Araber, wenn man sich ihre Nachnahmen anschaut, oder auch Biografien, stammen zu einem großen Teil aus den umliegenden Ländern – Ägypten, Syrien, Libanon, Tunesien, Irak etc. Erst die letzten Generationen landeten im Osmanischen Reich. Ebenso fanden unter der osmanischen und auch der britischen Herrschaft Austausche, Wanderungen, Zuzug und Wegzug von Menschen statt. Somit sind die „Jahrhunderte“ hier eine nicht zutreffende Behauptung, um damit das Recht von „Palästinensern“ auf das Land zu begründen.
„Wenn die Siedlerin sich das Recht nimmt oder meint das Recht zu haben, auf palästinensischem Land sich wohnhaft machen zu können, dann haben palästinensische Araber im Libanon, Syrien, Jordan und anderen Ländern dann wohl das gleiche Recht auf Rückkehr in ihre ehemalige Heimat, sei es im jetzigen Israel, Gaza oder der West Bank. Gleiche Rechte muss es geben. Oder?!“
>>Wieso reden Sie von „palästinensischem Land“? Vor der britischen Mandatszeit gehörte das meiste Land, außer es lag brach, türkischen Effendis, welche auf ihrem Land lokale Bauern (Fellachen) beschäftigten. Viele dieser türkischen Effendis verkauften dieses Land an jüdische Unternehmer und Philantropen (Montefiore, Rothschild, Holzmann, andere), auf diesen wurden dann jüdische Siedlungen gegründet und später der jüdische Staat. Mit den Gebieten von Judäa und Samaria, welche die Juden nicht geschafft hatten, vor der jordanischen Besetzung 1949 zu retten, war es nicht anders. Heutzutage liefen und laufen viele Prozesse, bei denen private Ansprüche auf bestimmte Grundstücke festgestellt werden sollen. Haben Sie von Abrissen und Räumungen von jüdischen Orten in J&S gehört? Diese werden vom israelischen Gerichtshof (!) angeordnet, wenn Ansprüche von Palästinensern bez.eines bestimmten Grundstückes nachgewiesen werden können – und des Öfteren auch, wenn das bestimmte Grundstück, auf welchem gebaut worden ist, nur unter Verdacht liegt, jemandem zu gehören, noch bevor es überhaupt beansprucht oder nachgewiesen werden konnte. Nach der Eroberung in 1967 wurde im Laufe der Jahre die besetzte Zone in verschiedene Gebiete unterteilt, in welchen die einen bauen dürfen und die anderen nicht, und vice versa. Dort wird dann festgelegt, wer baut, und wo „palästinensisches“ Land ist und wo „jüdisches“. Wissen Sie beispielsweise, dass die Siedlung Efrat in ihrer Mitte und an ihren Rändern mehrere Plantagen hat, welche ganz offiziell palästinensischen Bauern gehören, welche dorthin regulär kommen und ihre Felder bestellen können? Dasselbe gilt bsp.auch für Alon Shevut. Die Siedlungen werden von diesen Plantagen zerklüftet, und die Bestellung der Felder ist durchaus ein Garant für Sorge seitens der jüdischen Bewohner, aber die Plantagen werden nicht angerührt, und man hat sich an vielen solchen Orten auf Nachbarschaftsverhältnisse geeinigt, von welchen beide Seiten profitieren können.
>>Was das Rückkehrrecht betrifft – so muss ich widersprechen. Nirgendwo war von „gleichen Rechten für alle“ die Rede. Die Flüchtlinge, vor allem im Zuge der zwei Kriege von 1948 und 1967 entstanden, sind Ergebnis von Auseinandersetzungen mit bestimmten Ländern, beides Verteidigungskriege, bei welchen Israel die Oberhand behalten hatte (bedingt in 1948, absolut in 1967). Israel hat gesiegt, und hat die Gebiete von einer Macht in eine andere Macht übergehen lassen. Das Ergebnis von einem solchen Krieg ist die Flucht oder Vertreibung der Einwohner, welche sich zur feindlichen Seite zählen. Diejenigen, die sich bereit erklärten, zu bleiben, die nicht vertrieben wurden usw.usf., leben heutzutage im israelischen Kernland bzw. in J&S. Ihre Nachkommen und sie bilden in Israel die 20% der arabischen Minderheit, und in J&S die palästinensische Bevölkerung. Alle anderen sind die Ergebnisse der Kriege, und ich wüsste nicht, unter welchem Recht sie darauf pochen können, zurück zu kommen. Das Gebiet ist nunmal unter der Kontrolle von anderen Leuten, es existiert dort ein Staat. Die Realität hat sich geändert. Das nennt man Geschichte.
„Man muss annehmen, wenn jüdische Siedler ein Recht auf Rückkehr zu ihren ‘Ursprüngen’ haben, die sie nur aus dem BUCH ableiten, dann müssen Palästinenser tausend Mal mehr das Recht haben in ihre zeitlich viel näher liegende Heimat wieder zurückkehren zu dürfen. Oder? Gleiches Recht für alle. Ist aber nicht so. Warum regt sich niemand darüber auf?“
>>Die Tatsache, dass Sie darüber schreiben, dass dieser Blog existiert, und dass in den internationalen Medien keine Woche und manchmal kein Tag vergeht, ohne dass die internationale Gemeinschaft das vermaledeite Siedlungsthema anspricht, beweist hinreichend, dass sich darüber sehr viele „aufregen“ – mehr als genug. Das Recht von Juden auf das Land leitet sich nicht aus dem „BUCH“ ab, sondern ist ebenso begründet auf der Archäologie, auf der Geschichtsschreibung, auf der kontinuierlichen jüdischen Anwesenheit in diesem Land seit ca. 3000 Jahren – und, ja, auf „dem Buch“. Warum die Araber, von welchen eine große Zahl Anfang des 20.Jahrhunderts aus politischen und wirtschaftlichen Gründen in diesen Landstrich gezogen ist, Ihrer Meinung nach „tausend Mal mehr das Recht haben“, zurückzukehren, wird mir nicht ersichtlich. Nach Kriegen und Eroberungen gilt nicht das „gleiche Recht für alle“, insbesondere, wenn die Betroffenen und ihre Anführer diese Kriege angezettelt haben. Siehe oben. „Hunderttausende Palästinenser leben in Flüchtlingslagern in Palästina, Jordanien, Syrien und im Libanon. Wer aus Köln kommt und Jude ist, hat also mehr Rechte als ein Palästinenser, der vertrieben wurde oder geflohen ist und gerne in sein Haus zurückkehren möchte, in dem er seit Jahrhunderten zu Hause war. Chaya, bitte erkläre mir das.“
>>Nehmen wir die „Flüchtlinge“ in Jordanien, Syrien und Libanon. Entstanden durch die Kriege und Auseinandersetzungen von 1948 und 1967. Die Nachkommen wurden in den „Lagern“ geboren. Die Lager wurden nie aufgelöst, die Menschen in den Ländern von ihrer eigenen Gesellschaft (arabisch-muslimische Gesellschaft) nie integriert und nie rechtens behandelt. Weshalb? Weil man hoffte, bei jedem nächsten Krieg die Juden zu vertreiben, und dann wieder fröhlich zurückzukehren. Israel machte diesen Plänen einen Strich durch die Rechnung. Die politischen Funktionäre hatten und haben weiterhin ein großes Interesse daran, die „Lager“ als solche am Leben zu halten, denn sie bekommen für diese Politik Unsummen von Geld. Flüchtlinge sind Geldquelle, also werden sie auch Generationen für Generationen als solche gehalten. „Flüchtlingslager“ in Judäa, Samaria und Gazastreifen können sich solche nicht nennen. Es sind ausgewachsene Städte, und die Bevölkerung ist dieselbe Bevölkerung wie in der Umgebung dieser „Lager“, und dass die Anführer der Palästinenser ihre eigenen Leute in Städten und Einrichtungen eingepfercht halten, diese nicht versorgen und sie dann unverschämt „Flüchtlingslager“ nennen – die eigene Bevölkerung in ihren eigenen verwalteten Gebieten – ist ihre eigene Schuld und hat nichts mit Israel zu tun.
>>Anstatt des britischen Mandatsgebiets und des Osmanischen Reiches steht heute auf dieser Stelle ein neuer Staat, Israel. Dieser hat bestimmte Rechte und Bedingungen, und eine davon ist, dass ein Jude und ein Nachfahre von Juden in diesen Staat kommen kann und leben kann. So sind die Gesetze, so ist die politische Realität on the ground, ob es gefällt oder nicht.
Thema: Militär, Gewalt
„Warum gefällt es Siedlern, palästinensische Bauern anzugreifen, ihre Olivenbäume zu vernichten, während die IDF nur darauf bedacht ist die Täter zu beschützen, nicht aber die Opfer (scheint ein beliebter Sport zu sein).“
>>Die Behauptung ist im Kern und in ihrer Darstellung unwahr. Der überwiegenden Mehrheit der jüdischen Bewohner von J&S „gefällt es nicht“, arabische Bauern anzugreifen, und sie tun es auch nicht. Wann immer solche Vorfälle der Armee gemeldet werden bzw. in den Nachrichten erscheinen, ist entweder von privaten Aktionen von einzelnen Jugendlichen die Rede, welche selten genug vorkommen und nicht von der Gemeinschaft unterstützt werden; oder aber es sind beidseitige Konflikte, bei welchen keine Seite der anderen schuldig bleibt. Die einen vernichten Olivenbäume, die anderen werfen Molotovcocktails und Steine. Da frage sich einer, was gefährlicher ist.
>>Auch die Anschuldigungen gegen die IDF sind unwahr. Die Soldaten der IDF und des Grenzschutzes befinden sich im permanenten Konflikt mit den radikalen Elementen der Siedlerbewegung; sie verhaften die Täter, sie gehen gewalttätigen Aktionen nach, und dort, wo sie im Konflikt sind, bekommen sie es auch zu spüren. Ich kann ihnen auf zahlreiche Fälle hinweisen, bei welchen sich Extremisten bei der Armee gegen das Vorgehen gegen die „eigenen Leute“ gerächt haben – mit Angriff auf Armeebesitz, Sachbeschädigung und tätlichen Auseinandersetzungen. Es werden bestimmte Leute auch aus den Gebieten verbannt, für einen festgelegten Zeitraum – auch das kommt vor. Vielleicht kommt es Ihnen aber vor, dass die IDF „nur die Täter schützt“, weil Sie die jüdischen Siedler als „Täter“ (wovon auch immer, wohl wegen ihrer bloßen Anwesenheit) betrachten, willentlich oder unbewusst aber ignorieren, wenn tagtäglich Übergriffe auf Juden seitens der palästinensischen Araber vorkommen: Steinewürfe, Molotowcocktails etc.
Thema: Zusammenleben
„Meiner Meinung nach ist das Geschichtskapitel 1948 noch nicht abgearbeitet. Wäre es nicht gut zusammen mit den Palästinensern die Zeit vor und nach 1948 zu erklären und aus zwei Narrativen eine zu machen, die auch Grundlage für Frieden und friedliche Kooxistenz ist?“
Fake oder wahr? Klick aufs Bild!
>> Ich hoffe, dass eines Tages eine bestimmte Form von Koexistenz möglich sein wird; selbstverständlich, wenn man der Annahme folgt, dass weder die einen, noch die anderen so schnell nicht verschwinden werden. Das Geschichtskapitel reicht in diesem Fall allerdings viel früher als 1948. 1948 war lediglich der Ausdruck eines langen Reifungsprozesses und vieler regionaler und globaler Entwicklungen. Narrative sind generell keine Grundlagen für friedliche Koexistenz; aus verschiedenen Geschichtsbetrachtungen eine zu machen, ist nicht möglich und nicht wünschenswert, da man damit das persönliche Empfinden zugunsten politischer Kompromisse unterdrückt. Grundlage für Koexistenz sind gemeinsame Übereinkünfte, und die innere Bereitschaft einer Gesellschaft. Noch sind wir leider an diesem Punkt angekommen, beidseitig nicht. Allerdings dürfen Sie nicht ausblenden, dass seitens der Israelis – sowohl innerhalb der Gesellschaft, als auch auf der politischen Ebene, sehr viele, auch recht fantastische, Zugeständnisse und Angebote an die politische Führung der Palästinenser gemacht worden sind und nicht akzeptiert wurden. Das zeigt nur, dass es auf der anderen Seite keinen Partner gab und gibt, und wohl so schnell nicht geben wird.
„Soll die Besetzung der West Bank und die militärische Kontrolle Gazas ein permanenter Zustand sein?“
>>Was ein Siedler dazu sagen würde? Hoffentlich nicht! Die militärische Verwaltung von Judäa und Samaria (es gibt keine „Besetzung der Westbank“, das Gebiet gehört rechtlich niemandem, wird also auch nicht seitens irgendwem besetzt, sondern wurde erobert und wird verwaltet) und ihr unklarer Status Quo sowie die ständige Überwachung des Gazastreifens (es gibt keine „militärische Kontrolle Gazas, die IDF ist dort vollends abgezogen in 2005 und kontrolliert die Grenzen mit Israel) sind ein ermüdender und fruchtloser Zustand. Es müssen Lösungen gefunden werden. Auch innerhalb der Siedlerbewegung sind sich durchaus nicht alle einig, ob die komplette Eingliederung von J&S die beste Lösung ist, bzw. eine Wiedereroberung des Gazastreifens oder dergleichen mehr.
(Zum Thema der kompletten Eingliederung des Gazastreifens empfehle ich den Beitrag über Caroline Glicks Buch „The One State Solution“, hier.)
„Deine Behauptung, Checkpoints diskriminieren nicht gegen Palästinenser, sondern schützen Leben ist so richtig, wie ein Dieb nach ausgeführter Tat um seine Sicherheit fürchten muss.“
>>Also sind deiner Meinung nach wehrlose Zivilisten, welche in Israel in Cafes, Kinos und Schulen sitzen, in Bussen fahren, Züge nutzen, einkaufen gehen – Diebe und Verbrecher, bei denen es nur verständlich ist, dass sie „um ihre Sicherheit fürchten müssen“, wenn sie Gefahr laufen, hochgesprengt, erstochen, niedergemetzelt etc. zu werden? Damit negierst du defacto das Existenzrecht Israels, denn du siehst die wehrlose zivile Bevölkerung, welche die Checkpoints vor dem Eindringen und den Übergriffen von Terroristen schützen sollen, pauschal als „Diebe“ (Landdiebe?), welche ihre gerechte Strafe und Reaktion bekommen sollen, und durch Checkpoints davor geschützt werden.
Dann ist natürlich alles klar. „Es ist sehr erfrischend dich anzuhören. Aber mit deinen Ansichten und Einsichten verstehe ich sehr gut, dass du mit dem Begriff ‘Frieden’ nichts anfangen kannst. Wer kolonisiert, den stören Begriffe wie Moral, friedliche Koexistenz, Frieden.“
>> Zum Ersten: Ich würde gerne wissen, was so erfrischend ist – aus reinem Interesse. Ich freue mich natürlich, etwas Neues zur Diskussion beigetragen zu haben. Das zum Einen.
>>Zum Zweiten: Fragen nach Moral, friedliche Koexistenz und Frieden dürfen Sie gerne an diejenigen wenden, die in ihrer öffentlichen Erklärung für den Tod von Juden kämpfen, die Juden mithilfe von Selbstmordattentätern bekämpfen, und die gegen sie beim Freitagsgebet hetzen. Nach einer gebührenden Antwort können wir dann im israelischen Kontext darüber weiterreden.
>>Und zum Dritten: Juden kolonisieren nicht in einem Gebiet namens Judäa. Kolonisiert ist, wer sich fremdes Land aneignet und die Urbevölkerung vertreibt, und eine fremde Macht auflegt. Juden in Judäa und im Land Israel – dessen Erwähnung in den drei Büchern vorkommt, welche für die Bevölkerung dieses Landstrichs eine zentrale Rolle spielen – sind nicht fremd. Sie leben in dem Land ihrer Vorfahren, und manche sogar schon in dem Land ihrer unmittelbaren Familienmitglieder. Die arabische Bevölkerung des Landstrichs zwischen dem Jordan und dem Mittelmeer ist keine Urbevölkerung, sie wurde auch nicht gänzlich vertrieben und die Macht, die hier ausgeübt wird, ist nicht fremd, sondern erneuert, aber sie folgt nach einer langen Unterbrechung dem, was zuvor hier gewesen ist – vor den Briten, den Osmanen, den Mameluken, den Kreuzfahrern und den Eroberern Mohammeds, den Römern, den Griechen, den Persern, den Assyrern, den Ägyptern….habe ich wen vergessen? Ach ja, die Kna’aniter. Diese könnten als Einzige einige Einwände hier erheben – aber die existieren nicht mehr. So ein Pech aber auch!
…Es ist vier Uhr morgens. Ich stehe am Fenster. Ich bin mitten in der Nacht aufgewacht und mache mir einen Tee. Gleich werde ich wieder ins Bett gehen. Das Fenster ist leicht geöffnet, draußen ist es ruhig, alles schläft, das Dunkel wird gleichmäßig von den Lampen der Karavans, der Schnellstraße und dem nahgelegenen Städtchen Efrat aufgehellt. Hinter der Lichtgrenze – tiefschwarze Nacht.
Und plötzlich ist es da. Ein Schall rollt langsam heran, von den Bergen, und erhebt sich in die Luft; eine Stimme, der von überall her gleichzeitig zu kommen scheint. Der Schall spaltet sich auf in verschiedene Töne, die ihn mittragen, und auf verschiedener Höhe sich zusammenfinden in eine mächtige Stimme, die sich wie eine Welle über die Umgebung auszubreiten scheint. Sie kommt näher, nimmt zu und wird dann geringer, und während eine Melodie, die sich entfernt aufzusteigen wähnt, einen nur ihr bekannten Höhepunkt erreicht hat und wieder abklingt, stärkt sie ein aufwallendes Echo, das ihr folgt und sie nicht verschwinden lässt. Und hinter diesem noch eines, und noch eines.
Das muslimische Gebet. Fünf Mal innerhalb von vierundzwanzig Stunden erschallt die Stimme des Mu’azzins in jedem arabisch-muslimischen Dorf und ruft die Gläubigen zum Gebet auf. Tagsüber wird man bei dem hohen Lautpegel, der selbst hier in den Bergen herrscht, kaum darauf aufmerksam. Wer aber wach ist, noch bevor die Sonne aufgeht, wird Zeuge dieses Phänomens.
Kein Tag, an dem er nicht ruft. Und nie ruft er allein. Ob nun eine Tonbandaufnahme, oder ein tatsächlicher Geistlicher, der rund um die Uhr seine Pflicht erfüllt, der dort in den Moscheen steht und mitten in der Nacht Menschen aus dem Schlaf zur heiligen Bestimmung reißt – es wird nicht ausgelassen. Der Mu’azzin ruft, und er ruft in jedem der umliegenden arabischen Dörfer, und er macht dies schon, seit diese hier existieren, und in jedem muslimischen Land macht er es. Worte schallen aus seinem Ruf hervor, und ich kann nicht unterscheiden, wo der Ruf zuerst beginnt, und wo er von den anderen aufgegriffen wird – in Abdallah Ibrahim, in Wadi Nis, in Bet Fajjar, in Betlehem, in El Arub, in Jjaba, Zurif, Nahalin, Bet Jjalla…? Und sie alle singen und rufen in einer Monotonie, die keinen Raum für Interpretationen lässt. Sie rufen Gott, und sie reden von der Größe Gottes, und sie holen den Propheten in ihrem Ruf vom Himmel*, und in einem gespenstischen Vielklang, der sich von jedem Hügel wiederholt und vervielfältigt, bezeugen die Rufe die Anwesenheit derjenigen, die die Botschaft von der Größe Gottes hinaustragen sollen. Die Untergebenen vor Gott**, die wahren Gläubigen. Sie tragen es in die Welt, und die, die sich nicht in ihren Reihen finden, sollen es hören und verinnerlichen.
– Zweierlei Bedeutung hat der Mu’azzin für die, die ihn hören: Wer ihm folgt – folgt dem Aufruf, in den Reihen der Armee des Weltschöpfers zu stehen, und seinen Befehlen und den Befehlen seines Gesandten, des Propheten, zu gehorchen. In allem, was er tut, sagt und denkt. Auch wenn er schläft, und der Schöpfer ruft, dann steht er auf, und schließt sich der Reihe an. Der Schöpfer steht über ihm. Es gibt kein Wenn und Aber.
Wer aber den Mu’azzin hört und nicht weiß oder nicht verstehen will, was der Schöpfer will, und wofür der Prophet hierhergekommen ist – der soll verinnerlichen und wissen – er wird gesehen, und seine Taten werden gesehen, und die Menschen, die das Wort des Schöpfers und seines Propheten erfüllen, kennen ihn. Er wird sich nicht lange davon enthalten können , nicht lange wird er die Geduld des Schöpfers strapazieren, der will, dass der Mensch, den Er geschaffen hat, ihm folgt. Seine Getreuen sind um ihn herum, und sie stehen bereit. Höre, oh Ungläubiger, was der Schöpfer dir zu sagen hat. Höre, dass sein Prophet hier gewesen ist, um dir mitzuteilen, dass du nicht tust, was der Schöpfer will. Seinen Willen willst du nicht sehen, aber seine Stimme kannst du nicht überhören. –
Und fünf Mal am Tag und in der Nacht, bei jeder Tätigkeit, übertönt der Ruf im Namen des Schöpfers der Welt alles Weltliche, und hallt von den Bergen, aus jedem Dorf. Und ich stehe am Fenster des kleinen Karavans, blicke in die Nacht hinein und begreife, wo ich lebe.
Das ist keine virtuelle Welt, und kein illusionsbeladenes Gedankenexperiment, kein Diskurs, kein Logikspiel, kein Film und keine Theorie.
Das hier ist ein Universum, in welchem jede Existenz fest verbunden ist mit dem, woher sie kommt, was sie tut, wohin sie geht.
Ich lebe mitten unter Menschen, deren gesamte Lebenssicht keinen Platz für Zweifel lässt, keine Notwendigkeit für Fragen hat und die sich nicht mit einer Suche befasst. Hier sucht niemand, und hinterfragt niemand. Hier wird gelebt, was als richtig festgelegt wurde, hier wird geboren, gekämpft und gestorben, für das, was als Wahrheit gilt. Es ist eine Entehrung der Wahrheit, eine Entehrung von allem, was wichtig ist – Gott, Familie, und man selbst – wenn man für diese nicht bereit ist, alles zu tun – das letzte Hemd hinzugeben und das letzte Hemd zu nehmen. Und diese Menschen halten fest in ihrer Hand, woran sie glauben, und sie halten sich mit Zähnen und Krallen daran, wo sie leben, und was sie haben. Sie fragen nicht, ob es gut ist, ob es strategisch ist, ob es der Sicherheit oder dem guten Ruf dient, oder ob es die Welt verbessern kann, oder Gnade oder Menschlichkeit erwirken wird oder Fortschritt bringt. Ihnen wurde gesagt, was richtig ist. Vom Vater, vom Großvater, vom geistigen Vorsteher, vom Propheten. Und selbst, wenn es der politische Funktionär der einen oder anderen Partei gewesen ist. Es ist alles eins. Alles Wille des Schöpfers, und vorgeschrieben***, und nichts kann und wird es vom Fleck bewegen – das, was richtig ist.
Diese Menschen finden sich nicht ab mit Erklärungen von Fremden. Sie haben nicht viel, sie haben sich nie darum bemüht, viel zu haben, viel zu schaffen, viel zu bewegen. Das ist nicht die Lebensaufgabe. Lebensaufgabe ist es, zu gehorchen. Und die Ehre nicht zu Schaden kommen zu lassen. Sie sind die älteren Brüder****. Sie wissen, was sie wollen, und sie verstecken es nicht. Wie kannst du deinen Stolz und deine Ehre verteidigen, wenn du sie versteckst? Was hast du, wenn du diese nicht mehr hast? Nichts.
Die jüngeren Brüder**** hingegen suchen noch nach sich, und nach tausenden von Jahren sind sie sich nicht mehr sicher, wer sie sind, und was sie wollen. Ihre Lebensideologie ist eine andere. Die Menschen in den Karavanen, und den hübschen Steinhäusern, die sich in die Gegend gewagt haben, wollen auch nicht mehr in einer Welt von Virtualität, Illusionen und Zweifeln leben. Sie wissen, man hat ihnen das generationenlang erzählt, dass sie auf der Suche nach sich selbst sich genau hier wiederfinden werden. Auch sie kämpfen darum, die Wahrheit zu finden, und diese zu verteidigen.
Aber sie kommen aus einer Welt, die jahrhundertelang nirgendwo anders existiert hat, als im Buch. Das Volk des Buches°*. Der Gedanken, der Fragen, der Gespräche, der Zweifel und der *Abwägungen, des ständigen Prüfens und Hinterfragens – ist es gut, ist es richtig, ist es nötig, ist es förderlich, was ich im Leben tue? Habe ich Recht?
Diese Menschen sollten untergeben sein, sie sollten tun und dann sollten sie hören° und nachdenken. Aber ihr Charakter und ihr Innerstes widerstrebt sich diesem. Sie fragen. Sie streiten. Sie suchen. Sie sehen und hören und können es nicht glauben°°. Und jetzt, wo sie endlich die Möglichkeit bekommen, aus der Wanderung herauszugehen und so, wie es scheint, das Zepter zu ergreifen und zurückzukehren dorthin, woher sie zu stammen scheinen – weichen sie zurück. Und nehmen zaghaft die „Einladung“ an, aber wissen nicht, wie sie mit all dem umgehen sollen.
Ihnen gegenüber stehen ernste Menschen. Kampferprobt, und ohne Fragen. Um zu überleben, um fest auf dem Boden der Tatsachen zu stehen, brauchen sie nicht zu differenzieren. Sie sehen ihre jüngeren Brüder, die erst so spät gekommen sind, um in diesem Land, von welchem sie wissen, dass es ihr Ursprung ist, Tatsachen zu schaffen. Aber sie schaffen keine! Sie reden, sie fragen, sie zweifeln, sie halten sich am Land fest, aber sind sich nicht sicher, ob und was es bringt.
Sie verteidigen nicht die Ehre dieses Landes, und ihre Wahrheit, und den Stolz kennen sie auch nicht recht. Sie sind jung, sie haben viel erlebt, das ist wahr; aber hier in diesem Land benehmen sie sich nicht wie Hausherren, sondern wie launische Gäste, wie verträumte Mieter und wie unzufriedene Erben, die nicht um den Wert ihres eigenen Nachlasses wissen.
– Und so stehe ich am Fenster, höre mich in die Töne der Dunkelheit hinein, und ich verstehe, dass wir hier, an diesem Ort, andere Augen haben müssen, um zu sehen, andere Ohren, um zu hören, und vor allem ein Herz, das sich seiner Liebe treu sein muss. Wir, trotz unser aller Bemühungen, trotz der gewaltigen Leistung der Transplantation einer ganzen Nation in einen für uns schon lange Zeit in Totenstarre verharrten ‚Körper“°°° in so kurzer Zeit, sind noch nicht am Ziel angekommen.
Wir sind noch nicht mit der Umgebung hier verwachsen. Noch nicht in die Erde eingegangen, noch keine Wurzeln geschlagen, noch nicht verschmolzen. Wir träumen noch. Wir können nicht glauben, was wir sehen, und sehen nicht, wer neben uns ist. Wir verstehen noch nicht die Sprache dieses Ortes, trotz der Tatsache, dass wir die Ursprungssprache hier haben aufleben lassen. Aber mit den Menschen, die sich hier in unserer Abwesenheit verwurzelt und diesen Ort mitgestaltet haben, können wir nicht sprechen. Wir kennen ihre Sprache nicht, und sie verstehen nicht, weshalb sie die unsere sprechen sollen. Wir wissen, wie man die Wüste aufblühen lässt und wie man Wein aus dem Bergen bringt, aber wir wissen nicht, wie man diese verteidigt.
Denn wir kommen aus vielen Welten, und haben es uns nicht mehr und nicht weniger zum Ziel gesetzt, diese hier zu vereinen! Ein Paradies zu schaffen, in dem jeder seinen Platz haben würde! – Und haben in aller Eile und heiliger Begeisterung uns nicht die Mühe gegeben, diesen Platz für das Paradies erst fest in den Händen zu haben, dafür zu schwitzen, zu leiden, zu leben und zu sterben. Viel zu eilig sind wir, viel zu hochstrebend, viel zu visionär, viel zu abstrakt. Unsere Füße stehen unruhig auf der Erde, der Kopf ist im Himmel und die Füße wollen immer wieder auf die Leiter steigen^. Unsere Seele mag das Hier und Jetzt nicht; sie klammert sich an die Vergangenheit und träumt schon heute vom übermorgen^^. Das kann nicht jemand verstehen, der fünf Mal am Tag daran erinnert wird, dass er sich demjenigen zu unterwerfen hat, der ihm diesen Tag gegeben hat.
Noch viel haben die Juden aufzuholen, und das, so schnell es nur geht, wenn sie nicht verlieren wollen, was sie eben erst wieder entdeckt haben – ihr Selbstverständnis. Denn die Araber werden das ihre für niemanden hinterfragen. So sind die Regeln des Nahen Ostens.
Textverweise:
* Der Ruf des Mu'azzins, der Gebetsrufers:
الله أكبر, أشهد أن لا اله إلا الله, أشهد أن محمدا رسول الله, أشهد ان عليا ولي الله, حي على الصلاة , حي على الفلاح, حي على خير العمل , الصلاة خير من النوم, الله أكبر, لا اله إلا الله
Gott ist groß, ich bezeuge, dass es keine Gott außer Gott (Allah) gibt, ich bezeuge, dass Mohammed Gottes Prophet ist, ich bezeuge, dass Gott über mir und mir (meiner) ist, eilt zum Gebet, eilt und habt Erfolg, eilt zu dem vorzüglichsten Dienst, das Gebet ist vorzüglicher als der Schlaf, Gott ist groß, es gibt keinen Gott außer Gott (Allah).
** Islam, (arab.) - totale Hingabe und Unterwerfung an Gott und Seinen Wunsch.
*** Der Determinismus im Quran: "maktub" und "muqaddar" als Begriffe, die darauf deuten sollen, dass Gott 1. ein Vorwissen von allen Taten und Entscheidungen des Menschen hat, und 2. schon vorentschieden hat, was für Ereignisse geschehen werden.
**** 1.Buch Moses, Kap.16, 15 - Geburt Yishma'els, Sohnes Avrahams, der als Vorvater der Araber gilt. Kap.21, 1-7 - Geburt Yitzhaks, Sohnes Avrahams, der als Vorvater der Juden/Hebräer gilt.
°* أهل الكتاب Das Volk des Buches. Islamischer Begriff für Anhänger der "Buchreligionen", denen Gottesoffenbarungen in einem Buch verkündet worden sind, namentlich Juden und Christen (und andere Gruppen, je nach Ausnahmen; zeitweise waren nur Juden darunter gezählt). Die Anhänger der Buchreligion sollten nach islamischem Recht nicht zwangsweise konvertiert oder bedrängt werden, sondern eine spezielle Kopfsteuer für die Befreiung von islamischen Pflichten zahlen und wurden in der muslim.Gesellschaft vom Gesetz geschützt.
° In Anlehnung an 2.Buch Moses, Kap.24, 7 - die Antwort der Juden auf das Vorlesen des Gesetzes Gottes am Berg Sinai - "wir wollen tun und wir wollen hören".
°° Ähnlich werden die Reaktionen des Volkes Israel auf den Auszug aus Ägypten, das Versprechen des Landes Israel in der Tora beschrieben. Psalm 126, 1: "Als Gott die Rückkehrer von Zion zurückbrachte, da waren wir wie Träumende." Theodor Herzl im Buch "Altneuland": "Wenn ihr wollt, ist es kein Märchen."
°°° In Anlehnung an die "Vision der trockenen Knochen", Yehezkel 37: Die Prophezeihung der "Wiederbelebung der trockenen Knochen" wird im Text des Buches Yehezkel und von späteren Kommentatoren als das Wiederbeleben des Volkes Israel als Nation im eigenen Land und als Versprechen der Rückkehr aus dem Exil gesehen. (37, 11-15; 21-22)
^ In Anlehnung an 1.Buch Moses, Kap.28,12 - die Leiter im Traum von Ya'akov, dem Vorfahren der Juden, deren "Füße" auf der Erde stehen und deren "Kopf" im Himmel gründet.
^^ In Anlehnung an den Erlösungsgedanken der Glaubenssätze der jüdischen Religion. Siehe auch: Sprüche der Väter, Kap.4, 22: "Besser eine Stunde der Rückkehr und der guten Taten in dieser Welt als das ganze Leben der kommenden Welt; besser eine Stunde im Geiste der kommenden Welt, als das ganze Leben in dieser Welt."
Diese flotte ältere Dame mit leichtem amerikanischen Akzent hatte mich heute Nachmittag nicht nur auf der Kreuzung Richtung Judäa als Trampistin mitgenommen; nein, sie hatte dann ganz selbstverständlich, nachdem ich eingestiegen war, jüdisch-religiöse Party-Musik mit schwerem Beat (ja, so etwas gibt’s!) laut aufgedreht und war mit etwas mehr als 90 km/h, vergnügt im Takt aufs Armaturenbett trommelnd, über die Schnellstraße gedüst. Am Ende hatte sie mich auch bis vor die Haustür gefahren („Ich lasse dich doch nicht mit den Einkaufstüten heimwandern“).
An so etwas kann man sich gewöhnen 😉
Über dasTACHELES-Projekt der ARD habt ihr, verehrte Leser, schon von mir gehört, nicht wahr? Nein? Ihr hört den Namen zum ersten Mal? Dann könnt ihr das ganz schnell nachholen, und zwar hier: Die ARD und ich !
In dieser Woche vom 18.-25.Mai ist das Video von mir Gesprächsgegenstand der restlichen 7 Protagonisten des Projektes: Sherry & Ori aus Teheran/München, Niklas aus München, Samuel aus Frankfurt/Jerusalem, Liad aus Tel Aviv, Gad aus Tel Aviv/Berlin, Joujou aus Deutschland/Jafo, Chris aus Jerusalem/Ramallah.
Das Video komprimiert in seinen 4 Minuten die zwei Filmtage, welche ich mit den netten Journalisten vom Bayerischen-Rundfunk-Büro hier bei mir im Karavan und in der Umgebung verbrachte: Filmaufnahmen im „Begegnungszentrum“ Supermarkt, am Zaun und vor dem Einfahrtstor in die Siedlung, im Karavan, mit der Einkaufstasche in den Hügeln.
Vielleicht fragt sich der eine oder andere, wie zum Kuckuck ist denn die ARD über mich gestolpert?
Torsten Teichmann hat vor Kurzem eine Antwort genau dazu bei Twitter veröffentlicht, im O-Ton:
Wie war denn die Zielsetzung des Videos?, würde man mich fragen. Vermittlung von knappen Ideen und Weltvorstellungen, würde ich antworten; kurze Reflexion über das eigene Leben, ohne in Details zu gehen und in Erklärungsnot zu verfallen. So viel Eindeutigkeit und Prägnanz wie möglich. Keine Pro-Israel-Kongressrede halten und auch keine philosophischen Diskussionen über den Landanspruch der betroffenen Parteien.
Und natürlich muss Provokation mit dabei sein. Den reißerischen Titel des Videos und den Hauptsatz des Kurzfilms habe ich meinem Zitat aus einer Ansprache von Professor Moshe Zimmermann zu verdanken; dieser trat vor einigen Monaten auf einer Konferenz zu den deutsch-israelischen Beziehungen in Jerusalem auf, zusammen mit dem Schriftsteller Tuvia Tenenbom. und hatte den Grund für Krieg im Nahen Osten schnell parat: die jüdischen Siedler von Judäa und Samaria.
Nun bin ich schon seit einigen Jahren im Bilde über die ideologischen Neigungen Professor Zimmermanns (hier gibt es eine Rezension eines seiner Bücher), aber dieser Satz hatte mich einfach ‚umgehauen‘, wenn man so will, und weil er so außerordentlich peinlich und niveaulos für einen angeblich hochgebildeten Geschichtsprofessor der Hebräischen Universität klang, kam ich nicht umher und habe ihn zitiert.
Ich empfehle sehr, sich das Video anzuschauen und auch die Videokommentare der anderen Beitragenden sich unbedingt anzuhören. Ich kann zu den anderen Beiträgen leider nichts sagen, aber ich verspreche euch, sie lassen einen nachdenken.