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NEWS: Siedlungsgebiet im Gush Etzion erweitert

Erfreuliche Nachrichten fuer Gush-Etzion-Bewohner und die Siedlerbewegung:

Der Gush-Etzion-Bezirk wird um ein weiteres Gebiet nach Sueden hin erweitert! Das berichteten einige Medien Anfang dieses Monats (Januar 2016). Dabei handelt es sich um eine Gebietsflaeche von 40 Dunam (0,04 Quadratkilometer), welche an der Autobahn 60 gegenueber dem sogenannten Fluechtlingslager/Dorf El-Arub liegt und insgesamt 8 Steingebaeude umfasst. Diese wurden noch vor der Gruendung des Staates Israel, so berichtet die Nachrichtenplattform Kipa.co.il, in den 40er Jahren von einem amerikanischem Presbyterianer Kirchenverband erbaut  und dienten mehrere Jahre lang als Krankenhaus fuer Tuberkulose-Patienten. Nach einigen Jahren war die Kirche aufgrund finanzieller Schwierigkeiten genoetigt, das Land und die Gebaeude zu verkaufen.

Auf der Karte
Auf der Karte

Das Areal, das unter den Bewohnern der Gegend als „Bet haBracha/Bayt alBarake“ (Haus des Segens) bekannt ist, wurde schon vor etwas mehr als einem halben Jahr von dem amerikanisch-juedischen Arzt, Geschaeftsmann und Philantropen Irving Moskowitz in Zusammenarbeit mit dem „Verband zur Ausloesung von Land in Israel“ aufgekauft. Der Kauf wurde mithilfe des bekannten Jerusalemer Geschaeftsmanns Arye King getaetigt, welcher, ebenso wie  Moskowitz, als Patron der Siedlerbewegung gilt und dieser grossflaechige Unterstuetzung beim Aufkaufen von Land bereitstellt. Der Kauf wird generell ueber dritte Parteien und unter kompletter Verschwiegenheit durchgefuehrt, welche vor allem die arabischen Verkaufspartner fordern, um die eigene Sicherheit vor der Palaestinensischen Autonomiebehoerden zu garantieren. Auf Landverkauf an Juden steht in der PA die Todesstrafe, welche auch vollstreckt wird, sobald der betreffende Landverkaeufer entlarvt wird.

Vor einem halben Jahr wurde das Gebiet heimlich aufgekauft und zur 24-stuendigen Bewachung der Gebaeude wurden private Sicherheitsleute eingesetzt. Der Kauf und die Bewachung wurden, soweit moeglich, von offiziellen Stellen und der Oeffentlichkeit geheim gehalten, obwohl sich Geruechte ueber den Kauf in Gush Etzion schnell verbreitet hatten. Unterdessen fuehrte die lokale Bezirksverwaltung von Gush Etzion Unterredungen mit Verantwortlichen innerhalb der Regierung und Militaerverwaltung  mit dem Bestreben, von diesen die Besitzgenehmigung fuer das Gebiet zu erhalten. Schon im Oktober 2015 berichtete das Armeeradio „Galey Zahal“ ueber geplante Schritte zur Legalisierung des Areals seitens des Verteidigungsministeriums. Dabei wurde angegeben, dass die neuen Besitzer der Gebaeude nicht die Absicht haetten, das Areal zu einer neuen Siedlung umzufunktionieren, sondern touristisch auszubauen, etwa zu einer Hostel.

Anfang Januar 2016 berichteten Kipa.co.il, Israel National News und weitere Medien ueber den entgueltigen Abschluss des Legalisierungsprozesses, welcher durch das Verteidigungsministerium und Minister Moshe Ya’alon ermoeglicht worden war. Dieser gab seine Zustimmung zur Anfrage, das Gebiet des „Bet haBracha“ der rechtlichen und verwaltungstechnischen Befugnis der Bezirksregierung von Gush Etzion zu unterstellen; der zustaendige Armeekommandant unterschrieb die Verfuegung, entsprechend den Prozedurregeln der israelischen Militaerverwaltung im Gebiet Judaea und Samaria. Damit wurde das Areal offiziell zum Teil des Gush-Etzion-Bezirkes erklaert und kann nun ab sofort von Einwohnerwilligen  legal bezogen werden. Eine Baugenehmigung fuer neue Gebaeude liegt momentan nicht vor, allerdings ist es rechtlich moeglich, die alten vorhandenen Gebaeude zu beziehen.

Das 40 Dunam grosse Areal liegt an strategisch wichtiger Stelle, direkt an der Autobahn 60, welche das Gebiet von Judaea von Jerusalem ueber Hevron bis Yatir noerdlich von Beer Sheva durchschneidet und die zentrale Route darstellt. Ebenso liegt es direkt gegenueber dem heute sog.“Fluechtlingslager“ El-Arub, welches heute eine Ortschaft von mehreren Tausend arabischen Einwohnern darstellt und Anfang des 20.Jahrhunderts auf den Ruinen eines antiken Dorfes namens El-Arub erbaut wurde. Inmitten des Dorfes befinden sich Wasserquellen, aus welchen einst roemische Wasserleitungen das Wasser nach Jerusalem transportierten.

Offenbar schienen die acht Steingebaeude auf einem Feld in den juedaeischen Bergen fuer bestimmte Kreise von hoeherer Relevanz als der beruehmte Sack Reis in China oder auch die Ereignisse rund um Israels Grenzen zu sein. Denn die Reaktion liess nicht lange auf sich warten: John Kirby, Pressesprecher des US-Aussenministeriums ( die Nachrichtenplattform Newsru.co.il berichtete am 09.01), aeusserte die „Beunruhigung“ der US-Regierung angesichts der israelischen Bautaetigkeit ausserhalb der „Gruenen Linie“, welche, so Kirby, eine friedliche Loesung des israelisch-palaestinensischen Konfliktes nach dem Prinzip „Zwei Staaten fuer zwei Voelker“ gefaehrden wuerde.

Terror-Updates. Aus dem Leben von Ziv und Hadar

Der Terror wird fortgesetzt, auch wenn nicht jede Nachricht, die eingeht, in diesem Forum wiedergegeben wird. Jeder, der irgendein israelisches Nachrichtensystem und seine Aktualisierungen abboniert hat – Ynet, 0404, Channel 2, INN und das Journalistenupdate der israelischen Armee (privat) sind die Quellen, die ich mehrheitlich nutze -, bekommt den ganzen Tag über aktuelle Berichte über Anschläge und Verdacht auf Anschläge im ganzen Land. Leider kann ich auch euch nicht von den Nachrichten befreien, da ich mich verpflichtet fühle, über die Angriffe auf die Juden in Judäa und Samaria zu berichten.
(Updates für andere Regionen gibt es bei anderen vertrauensvollen deutschsprachigen Seiten wie Israelnetz, Israel Direkt und anderen).

Am 23.11. war erneut ein Tag des Terrors und der Opfer in Judäa und Samaria (ebenso in Jerusalem) gewesen.

1. Zwei Juden wurden auf einer Tankstelle auf der Autobahn 443 (Jerusalem – Modiin, Südsamaria) durch einen Terroristen verletzt – eine Offizierin und ihr Soldat. Der Soldat, Ziv Mizrachi, 18, aus der Siedlung „Givon Hachadasha“, wurde von einem Terroristen, selbst 16 Jahre alt, lebensgefährlich verletzt und starb kurze Zeit später an seinen Verletzungen.

Ziv Mizrachi hy'd
Ziv Mizrachi hy’d

Ziv wurde erst in diesem September in die Armee eingezogen. Seine Freunde beschrieben ihn als einen fröhlichen Jungen, der immer einen Witz parat hatte, sehr empfindsam war und seinen Dienst in der Armee genossen hatte. Die Familie von Ziv hatte 2003 ein furchtbares Trauma hinter sich gebracht – Zivs Onkel Alon wurde in einem Terroranschlag auf das Jerusalemer Café Hillel umgebracht, bei welchem 6 Israelis getötet wurden. Alon war erst 22 Jahre alt. Ziv erinnerte sich oft an den getöteten Onkel, insbesondere die letzte Zeit brachte viele Erinnerungen zurück.

Karte des Tatorts, Autobahn 443
Karte des Tatorts, Autobahn 443

Die Offizierin, welche zusammen mit Ziv auf der Tankstelle  gewesen war, wurde Zeuge des Attentats. Die beiden waren kurz zuvor nur knapp einem Autounfall entgangen und hielten bei der Tankstelle an, um die Schäden zu klären.

Die Offizierin am Tatort. Foto: Ynet
Die Offizierin am Tatort. Foto: Ynet

2. Am Morgen wurde ein Mann von 27 Jahren nahe der Siedlung Kfar Adumim angefahren und leicht verletzt. Der Fahrer flüchtete. (Channel 2, Ynet)

3. Auf der Huwara-Kreuzung versuchte ein Terrorist, einen Soldaten mit einem Messer anzugreifen und wurde erschossen.


Hadar Buchris hy'd
Hadar Buchris hy’d

Am 22.11 wurde die junge Hadar Buchris, 21, von einem arabischen Terroristen aus dem nahgelegenen Dorf Bet Fajjar ermordet. Der Terrorist war in das Areal der Gush Etzion-Kreuzung, welche als der momentan gefährlichste Brennpunkt Israels gilt (und auch die Kreuzung vor meinem Wohnort darstellt) und rundum bewacht ist, vorgedrungen und griff die an der Bushaltestelle wartende Hadar an. Er verletzte sie schwer und wurde anschließend von den Soldaten erschossen. Hadars Leben konnte nicht mehr gerettet werden – die schwerverletzte junge Frau starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Ortschaftenkarte Gush Etzion.
Ortschaftenkarte Gush Etzion.

Hadar war 21 und stammte aus Zfat (Safed) im Norden. Sie war einige Wochen lang auf der Suche nach einer WG in der Siedlung Bat Ayin im Gush Etzion. Vor etwa zwei Wochen kam sie aus einer halbjährigen Reise in Indien zurück und wollte ein neues Kapitel im Leben aufschlagen. An diesem Tag, an welchem sie ihr Leben verlor, war sie gerade zurück von der WG-Suche und wollte bei Freunden im Gush Etzion übernachten, als sie der Terrorist entdeckte und anfiel.

In Hadars Zimmer in Zfat fand man den folgenden Text über ihrem Bett stehen:

Foto: Yonatan Amrani
Foto: Yonatan Amrani

„Ich liebe das Leben. Ich liebe alles. Ich liebe es einfach. Liebe die Natur, liebe es zu lachen. Liebe es zu tanzen. Liebe das, was es nicht gibt, und was es gibt. Verstehe, dass alles zum Guten ist. Ich nehme in mein Leben auf, was ich brauche, und sage danke für das, was Er dort oben mir gibt. Glaube daran, dass es ein gutes Karma gibt. Ich liebe Menschen und bevorzuge die Guten unter ihnen. Zu wissen, dass alles vorbei geht. Dass nichts als Zufall passiert. Ich erinnere mich immer selbst daran. Das ist eine Entscheidung. Tief einatmen, nu… na und? 🙂 Ich liebe das Alleinsein, den kleinen Gott, der aus mir heraus spricht. Liebe die kleinen Gesten im Alltag. Versuche, das Jetzt so viel es geht, zu leben. Suche nach den kleinen Glücksmomenten. Liebe das Schaffen, die Kunst, die Seele in den Dingen. Musik, Natur, Kleider. Liebe ohne Ziel. Ich liebe einfach. Liebe das Meer, den Wind und die Stimme der Wellen. Liebe den Sonnenuntergang und mich selbst im Spiegel. Das ist mein Körper und er ist ein Geschenk. Liebe mich selbst. Punkt.“

Foto: Walla
Foto: Walla

Hadar wurde am 23.11 auf dem Jerusalemer „Har Hamenuchot“-Friedhof bestattet, mehrere hundert Menschen begleiteten sie. Die Knesset-Abgeordnete Shuli Mu’alem-Refa’eli (Jüdisches Heim), ebenso eine Einwohnerin der Gegend, eröffnete an der Stelle, wo Hadar ermordet wurde, aus Protest ein symbolisches „mobiles Büro“ (Zelt).

 

Am Morgen des 22.11. wurde der ehemalige Vorsitzende der Judäa und Samaria-Verwaltung, Gershon Messika (der wegen einer Korruptionsaffäre aus dem Amt entlassen wurde) Zeuge eines versuchten Attentates, als er eine Anhalterin in den Wagen

Gershon Messika. Rettete Wartende vor Messerattacke.
Gershon Messika. Rettete Wartende vor Messerattacke.

aufnahm und dabei eine muslimische Frau mit einem gezückten Messer auf weitere Wartenden auf einer Bushaltestelle in Südsamaria zurennen sah. Der Mann zögerte nicht lange und fuhr mit seinem Wagen in die Terroristin hinein. Dabei stieß er diese um. Der Wagen rutschte in einen Graben. Die herbeieilenden Soldaten konnten die Terroristin niederschießen. In den sozialen Netzwerken wurde Messika als Held gefeiert, einige Medien konnten die Rettungstat aber nicht ohne einen Kommentar zur Korruptionsaffäre stehen lassen.


Ich möchte, dass ihr wisst, dass im ganzen Umkreis von Judäa und Samaria in den letzten Tagen verstärkt Steine auf jüdische Autofahrer geworfen werden. Da die Straßen weiterhin Juden und Arabern zugänglich sind , ist diese Gefahr immens groß. Steine, Brandbomben, Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften sind tagtäglich präsent (Updates: IDF Blog). Nicht jedes solche Update wird sich auf meinem Blog finden – irgendwo symbolisiert es auch eine Tendenz dazu, solche Übergriffe auf den Alltag nach einer bestimmten Zeit als Alltag wahrzunehmen und nicht mehr gesondert zu betrachten. Dennoch  – ein jeder solcher Übergriff mit dem Ziel, Menschen zu schaden und umzubringen, ist ein Terrorakt für sich!

Spontankundgebungen jüdischer Einwohner mit Flaggen, Reden und Gesang bilden sich an größeren Kreuzungen, so am 23.11. an der Gush Etzion-Kreuzung, als sich mehrere dutzend Frauen aus den Siedlungen zum Protest gegen die Morde versammelten.

Teile von Landstraßen, welche direkt an Siedlungen vorbeiführen, so die Straße 367 bei der Siedlung Alon Shvut, auf welcher am letzten Donnerstag Yakov Don und Ezra Schwarz umgebracht wurden, werden für arabische Nichteinwohner zur Durchfahrt gesperrt. Erneut werden sogenanne „Roadblocks“, Spontansperren, eingeführt – welche schon fast ein Jahrzehnt nicht mehr so vorhanden gewesen sind und die Freifahrt für palästinensische Autofahrer garantiert gewesen ist (innerhalb von Judäa und Samaria, Jerusalem nicht inklusive).

In einige der Siedlungen werden arabisch-palästinensische Arbeiter aus Vorsichtsmaßnahmen vorerst nicht mehr hineingelassen – das unterliegt der Entscheidung der Lokalverwaltung. Das hindert sie entsprechend am täglichen Geldverdienst. Dörfer, aus welchen Terroristen auf Juden Attentate verüben, werden unter Ausgangssperre gesetzt, bis die notwendigen Verhaftungen durch die Armee vorgenommen werden. All das behindert erheblich den arabischen und auch den jüdischen Alltag.

So hat der Terror immer wieder einen Preis – den Tod Unschuldiger und die Beeinträchtgung der Lebensqualität aller Beteiligten und Unbeteiligten. Judäa und Samaria ähneln immer mehr einer Kriegszone mit allen zusätzlichen Soldaten und Sicherheitskräften, und trotz der enormen Dankbarkeit, welche wir gegenüber ihrem unaufhörlichen Einsatz empfehlen, füllt sich das Herz mit Trauer bei diesem rauen Anblick. Wir aber leben unser Leben weiter – auch und gerade trotz der Morde an unseren Mitbrüdern, ihrem Gedenken zu ehren.

„Durch ihren Tod trugen sie uns das Leben auf.“

(Chaim Nachman Bialik)

Gefallen in den Augen von Gott und Mensch – nach dem Attentat auf Yakov Don (NEWS)

Den Wert mancher Menschen lernt man erst dann kennen, wenn es schon zu spät ist. Das muss ich mir immer wieder sagen in den letzten Monaten, in welchen eine Terrorattacke die andere jagt, und immer wieder Menschen getötet werden, von deren Liebe, Güte und Bedeutung für ihre Umgebung man erst nach dem Mord an ihnen erfährt.

Yakov Don hy'd.
Yakov Don hy’d.

Yakov Don war einer von diesen Menschen für mich, aber im Gegenteil zu mir haben ihn in Gush Etzion und Alon Shvut, wo die Familie Don wohnt, sehr, sehr viele gekannt. Der 49-jährige war Erzieher und Lehrer, der auch als Erziehungsberater in Efrat fungierte, Englisch und Religionsstudien unterrichtete und bei seinen zahlreichen Schülern und Schülerinnen sehr beliebt gewesen war. Yakov war verheiratet mit Sarah, gemeinsam haben sie vier Kinder in die Welt gesetzt – drei Jungen und ein Mädchen – Rachel, erst 13 Jahre alt. Familie Don war eine der alteingesessenen Familien von Alon Shvut. Über 20 Jahre arbeitete Yakov als Erzieher und Lehrer. Mehrere Generationen von Schülern wuchsen mit seinem Lächeln und unter seiner Anleitung auf. In den letzten Jahren schrieb er an seinem Doktorat und hätte es in den kommenden Tagen fertiggestellt.

Das Auto von Yakov Don. Foto: INN
Das Auto von Yakov Don. Foto: INN

Am Donnerstag, 19.11.15, in den Nachmittagsstunden, stand Don in seinem Auto im üblichen Stau, welcher schon lange Zeit die Anwohner von Gush Etzion und insbesondere von Alon Shvut plagt. Dabei ist die wenige hundert Meter lange Strecke zwischen dem Einfahrtstor zur Siedlung in Richtung der zentralen Kreuzung mit dutzenden Autos verstopft und die Wartezeit kann manchmal bis zu einer Stunde betragen. Auch an diesem Tag standen in diesem Stau die Autos von jüdischen und arabischen Fahrern, als ein arabischer Fahrer in entgegengesetze Richtung an der Warteschleife vorbeifuhr,

So sieht es auf der Karte aus.
So sieht es auf der Karte aus.

zurückdrehte und begann, die Wartenden aus nächster Nähe mit einem Gewehr zu beschießen. Dabei wurden mehrere verwundet, doch drei erlagen den Verletzungen – Yakov Don, 49, aus Alon Shevut, der Jeschive-Schüler Ezra Schwarz, 18, aus den USA, und auch ein arabischer Fahrer aus Hevron fand sich unter den Toten. Der Terrorist wurde von einem Anwohner überwältigt und verhaftet. Seine Opfer konnte dies nicht mehr retten.

Yakov war unterwegs zu seinem Unterricht, als er erschossen wurde. Der 18-jährige amerikanische Schüler Ezra befand sich neben den Autos, da er zusammen mit Freunden Essen und Süßigkeiten an die Soldaten verteilte, welche sich auf der Strecken befanden, um die Fahrer zu bewachen. Weshalb die Soldaten den bewaffneten Terroristen im Auto nicht bemerkten und seinen Amoklauf nicht verhindern konnten, ist nicht bekannt. Der Terrorist soll wie schon zahlreiche zuvor aus der Gegend von Hevron, einer Hamas-Hochburg, stammen.

Als die Gemeinschaft von Gush Etzion vom Tod des beliebten Erziehers erfuhr, machten sich Trauer und Schock breit. Freunde und Schüler veröffentlichten Nachrichten mit Erinnerungen an Don. Die Einwohner von Alon Shvut erhielten eine SMS des lokalen Notfallteams der Siedlung, in welcher vom Tod von Yakov Don informiert wurde. Ein Bekannter von mir schrieb auf Facebook:

„Ich bin absolut schokiert…schokiert! Mein Englischlehrer für 4 Jahre an der Hemshech-Schule…ein beliebter Lehrer, ein Mensch mit Witz und Pfiff, man konnte mit ihm auf Augenhöhe reden…ein Mann mit der Haltung eines hohen Offiziers…und noch mehr als das – ein geliebter Erzieher! So viele Schüler sind durch seine Hände gegangen. Er erzog sie zu jüdischen Werten…nichts Schlechtes würde man über ihn hören…er liebte alle Geschöpfe…

Rabbiner Yakov Don, soll Gott seinen Tod rächen, denn nur Er kann das…niemand sonst in unserer schwächlichen Regierung!“

Am darauffolgenden Freitag, 20.11., wurde Yakov zur letzten Ruhe auf dem Friedhof im naheliegenden Kibbutz Kfar Etzion getragen. Tausende Menschen wohnten der Beerdigung bei, darunter auch der Minister Avi Gabai und der Knessetsprecher Yuli Yoel Edelstein.

 „Du fandest Gefallen in den Augen von Gott und den Menschen“,

sagte Edelstein. Einer von Yakovs Söhnen, Ma’or, sagte in seiner Abschiedsrede:

„Die Welt kann mit einem Mal dunkel werden, das war der Moment, als man mir sagte, dass mein Vater ermordet wurde. Jetzt verbleibe ich im Dunkeln. (…) Mein Vater wusste selbst nicht, wie besonders er war. Ein Mensch der Berührung, des Lächelns. Ich fühle seine Liebe in meinen Venen fließen.“


Schon am Freitag selbst, vor und nach der Beerdigung, füllten sich die Email-Verteiler mit Nachrufen verschiedener Personen zum Tod von Yakov Don. Darunter waren der Rabbiner von Gush Etzion, der Bürgermeister von Efrat, aber auch reguläre Bekannte und Freunde, Außerdem wurde eine Liste herumgeschickt, auf welcher sich Bereitwillige eintragen würden, um der Familie Essen zu spenden. Nach jüdischem Gesetz dürfen Trauernde, welche sieben Tage um ihren nahen Verwandten in Trauer sitzen (Shiva), sich selbst nichts zubereiten und für nichts sorgen, sondern sich voll und ganz der Trauer und dem Gedenken widmen. Die Gemeinschaft sorgt für sie.

Am Fall von Yakov Don würde ich gerne exemplarisch zeigen, wie unsere Gemeinschaft sozial gesehen funktioniert.
Alle sorgen sich um alle. Jeder weiß, was passiert, und Hilfe wird schnellstmöglich organisiert. Das lokale Notfallteam, welches aus Einwohnern besteht, gibt Anweisungen in Falle von Notsituationen wie einem Attentat weiter und informiert über die Vorgehen. Sobald bekannt wird, dass das Opfer aus der eigenen Siedlung stammt (oder auch aus der Umgebung), werden Fahrten zur Beerdigung organisiert. Beileidswünsche füllen die Emailverteiler. Essensspenden werden lokal von den Anwohnern organisiert, und zwar so, dass die Essensmenge für 3 Mahlzeiten reicht – und im Falle der Familie Don für ganze 12 Menschen. Gebetszeiten werden organisiert und publik gemacht, zu Ehren des Verstorbenen werden bestimmte Traktate gemeinsam gelesen. Die Anteilnahme ist groß und aufrichtig, ebenso wie das Interesse am Wohlbefinden der Betroffenen.

Das Haus der Familie, in welchem  das Trauersitzen stattfindet, und welches auch ich an heutigem Abend, gleich nach Shabbat-Ausgang, besuchte, war mit Besuchern gefüllt, welche die Familie in Not zu stärken gekommen waren. Dutzende gingen ein und aus. Die Kinder

Das Trauersitzen im Hause Don., heute (21.11)
Das Trauersitzen im Hause Don., heute (21.11)

und die Witwe Sarah saßen auf niedrigen Stühlen, wie es die Tradition besagt, um sie herum saßen Bekannte, Freunde, ganze Schulklassen. Die Tochter Rachel empfing ihre Freundinnen in einem der Zimmer. Alle wirkten gefasst, tauschten Erinnerungen aus, tranken Tee, manchmal sah man  Sarah sogar lachen, wenn der eine oder andere Besucher eine schöne Erinnerung oder ein Foto von Yakov teilte;  ihr ausgelaugtes Gesicht verriet jedoch den Schmerz hinter der Maske der Stärke. „In den letzten Tagen hatte Yakov so vieles geschafft in so kurzer Zeit, ich hatte mich gewundert, wieso alle Pläne, die lange aufgeschoben wurden, mit einem Mal alle durchgeführt werden mussten„, erzählte sie, „auch hatte es Yakov geschafft, mit jedem der Kinder in dieser Woche einzeln zu sitzen und zu reden. Als hätte alles erledigt werden müssen, bevor…Vielleicht hätten wir die Pläne doch aufschieben sollen, wer weiß…


An der Kreuzung. Quelle: INN
An der Kreuzung. Quelle: INN
An der Kreuzung. Quelle: INN
An der Kreuzung. Quelle: INN

Auch andere Reaktionen innerhalb der Bevölkerung folgten auf das Attentat. Kinder und Jugendliche, welche an diesem Wochendende sich im Rahmen der Jugendbewegung „Bney Akiva“ treffen und feiern sollten, gingen zusammen in einem Gedenkmarsch vom Zentrum von Alon Shevut aus bis zur Kreuzung, vorbei an der besagten Attentatsstelle, bewacht von Polizei- und Armeekräften, sangen, in einem Halbkreis stehend, gemeinsam und wehten israelische Fahnen. Zuvor trafen sich Gruppen von Jugendlichen zusammen mit Erziehern, um über das Attentat zu reden und den Tod des Lehrers gemeinsam verarbeiten zu können.

Auch die Bezirksverwaltung von Gush Etzion traf sich mit führenden Armeekräften, so auch dem Oberbefehlshaber der Armee. Die gefährliche Verkehrslage an der Gush Etzion-Kreuzung, die Staus, die fehlenden Ampeln und der überfordernde Verkehr gerieten nun in dem tragischen Kontext des neuesten Anschlags ins Gespräch – obschon die Problematiken jahrelang unentwegt seitens der Bezirksverwaltung angesprochen wurden. Auch eine Einschränkung von arabischem Autoverkehr um die Kreuzung herum – so auf der Landstraße 367, welche an vier großen jüdischen Ortschaften und zwei kleineren arabischen Orten vorbeiführt, wurde angesprochen, denn diese Einschränkung wird schon länger im Zuge von blutigen Attentaten auf die lokalen jüdischen Einwohner gerade auf dieser Landstraße gefordert, Bisweilen beschloss der Verwaltungsrat von Alon Shevut, am kommenden Sonntag keinen Einlaß für arabische Arbeiter in die Siedlung zu gewähren. Schon seit einigen Tagen wurden zusätzliche Metallzäune um die Bürgersteige der Kreuzung herum angebracht – deren tatsächliche Relevanz ist jedoch fraglich. Noch vor Beginn der Unruhen in diesem Herbst wurde die Gush Etzion-Kreuzung von Soldaten bewacht und während der letzten Monate wurde die Bewachung von Zivilisten verstärkt.
Welche weiteren Maßnahmen vorgenommen werden, ist bisher unbekannt.

Die Regionalverwaltung warnt…

Die Nachrichten (zumindest in Israel) berichten schon über eine Woche von vermehrten Zusammenstößen von gewalttätigen arabischen Randalierern in Jerusalem mit Sicherheitskräften und ziviler Bevölkerung – auf den Verkehrsstraßen, in der Altstadt, auf dem Tempelberg. Der Tod von Alexander Levlowitz am 13.09.15 (Neujahrsabend) konnte der Bevölkerung nicht entgehen. Seit diesem sind in und um die Hauptstadt herum noch viele Steine und Brandbombencocktails durch die Luft gesaust. Sprich, dass die Lage in Jerusalem angespannter ist, als sie vor Kurzem noch gewesen ist, sollte eindeutig sein.

Ab und zu tauchen Meldungen oder zitierte Aussagen hochrangiger Sicherheitsvertreter auf, welche auf eine „Aufheizung der Stimmung“ auch in den Gebieten von Judäa und Samaria hinweisen. Zwar kann man dort keinen Tag lang von einer „Entspannung“ sprechen, dennoch scheint die Gewaltwelle auch um uns keinen Umweg zu machen. Selten tauchen in den traditionellen israelischen Medien Meldungen zu Unruhen und Attentatsversuchen  in Judäa und Samaria auf – seltener, als diese tatsächlich stattfinden. Nicht jeder Angriff auf einen Kontrollposten, auf einen Soldaten, nicht jeder Stein- oder Brandbombenwurf auf ein vorbeifahrendes Zivilauto werden dokumentliert. Internetplattformen und sog.“neue Medien“ wie 0404.co.il, Facebook, aber auch die lokal vertretenen Kanäle mit eher religiös oder konservativ gerichteten Zielgruppe, so die Seite INN.co.il, informieren mal mehr, mal weniger über die Vorkommnisse.

Aus meiner diesjährigen Arbeit beim Sicherheits- und Überwachungszentrum des Regionalbezirkes Efrat weiß ich um die Häufigkeit der „gewohnten“ Vorfälle  – Steinwürfe, Brandbomben, verdächtige Personen, und die dadurch verursachten Einsätze von Sicherheitskräften. Es ist für diese kaum möglich, zur Echtzeit die Täter, wenn über diese von einem Zivilisten berichtet wird, zu ergreifen und festzunehmen. Die Meldung, die am Meisten per Funk übermittelt wird nach einem erneuten Einsatz an Ort und Stelle eines Steinwurfes, eines gezündelten Brandes u.ä. – „keine Befunde“. Erst bei speziellen Nachtdurchsuchungen oder Recherche durch armeeinterne Nachrichtendienste können manche der Täter aufgefunden werden, aber auch da ist die Effizienz nicht immer hoch, da die Indizien fehlen, und die Familien bzw. die Bewohner der arabischen Siedlungen die Betreffenden nicht freiwillig herausgeben.  Zurück bleiben dann zerschmetterte Fensterscheiben, abgefackelte Wälder, angebrannte Autos und ein ständiges Gefühl, mit einer anderen Realität wäre so bald nicht zu rechnen.

Wie dem auch sei. Am Freitagmorgen schickte der Vorsitzende Davidi Perl im Namen der Regionalverwaltung an die Bewohner von Gush Etzion eine Mail mit dem folgenden Inhalt:

„In den letzten Wochen erleben wir einen fühlbaren Anstieg von Terrorakten in Gush Etzion. Steinwürfe, Brandbomben und Attentatsversuche ereignen sich tagtäglich. Viele Terrorhandlungen, die nur durch ein Wunder bisher keine Opfer brachten.

Die Vorkommnisse, die sich bei uns ereignen, sind Teil abgestimmter und geplanter Aktionen, welche dazu dienen, Schaden anzurichten und die Regionen von Judäa, Samaria und Jerusalem aufzuheizen. Das soll natürlich keinen Trost darstellen, und die Regionalverwaltung ist unermüdlich aktiv in ihrer Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbeauftragten, um eine Truppenverstärkung und einen kompromisslosen Kampf gegen die Terroristen zu erwirken. Ein jeder von Ihnen ist in diesen Tagen gefordert, doppelte Vorsicht walten zu lassen und wachsam zu sein. Es ist sehr wichtig, dass diejenigen der Einwohner, die ihren Wagen noch nicht geschützt haben, dies umgehend tun. Es kostet kein Geld und rettet Leben!

Auf das wir mit Gottes Willen bald Frieden und Gutes erleben werden. „

Etwas von mir: In meinem Alltag, der sich momentan rund um Alon Shvut dreht, erlebe ich momentan keine Unruhen oder Gewalt. Mir geht es gut, und das oben Geschriebene sollte dennoch niemanden stören, hierher zu kommen, insbesondere, wenn jetzt die Sukkot-Feiertage anfangen und ganz Israel zum Wandern und Picknicken aufbricht. In allen Siedlungen hört man bis spät in die Nacht ein Hämmern und Herumwerkeln – die Männer und Jungen (zumeist) arbeiten an den „Laubhütten“ für das Laubhütten (Sukkot-)-Fest, welches am Sonntagabend beginnen wird. Die Bilder werde ich mit euch noch teilen.

Wünsche allen eine gute Zeit und viel Ruhe.

Chaya

Holocaust-Überlebende ziehen nach Efrat

Foto: Efrat Municipality
Foto: Efrat Municipality

Schöne Neuigkeiten. Auf den israelischen Nachrichtenseiten Srugim und Cursorinfo wurde berichtet, dass in den letzten Wochen eine Gruppe von Neueinwanderern aus den Vereinigten Staaten nach Israel gekommen ist und sich in die Stadt Efrat in Gush Etzion, Judäa aufgemacht hat, um dort ein neues Leben in der neuen Heimat zu beginnen. An und für sich eine erfreulich, jedoch keine außergewöhnliche Nachricht für das von amerikanischen Einwanderern reich besiedelte Efrat, wäre da nicht das Ehepaar Bandos: Felix und Feiga Bandos aus Wisconsin, beide 94 und 90 Jahre alt. Felix und Feiga hatten sich im Zweiten Weltkrieg in einem der schrecklichsten Plätze für die Juden von damals kennengelernt – im Konzentrationslager Bergen-Belsen auf deutschem Boden. Nach der deutschen Kapitulation und der Auflösung der Konzentrationslager zogen die beiden zunächst nach Schweden und anschließen in die USA, wo sie bis zuletzt gelebt hatten. Ihre Tochter Marylin lebte schon über 25 Jahre in Efrat, als sie von dem Wunsch ihrer Eltern erfuhr, nach Israel umzuziehen. Felix und Feiga erfüllten sich nicht einfach einen Wunsch, sondern den Traum ihres Lebens und zogen im Alter vpn über 90 Jahren nach Judäa.

(Dabei sei erwähnt, dass sich speziell Efrat zurzeit in einem Bauboom in zwei neuen Vierteln befindet, in welchen an die 1000 Wohneinheiten zur Verfügung stehen werden.

Quellen: CursorinfoSrugim

 

Aufruf zum Gebet in Gush Etzion

Sonntag früh (02.08.15)  erreichte die Posteingänge der meisten Bewohner des Gush Etzion-Blocks eine Mail mit dem Aufruf zu einer Solidaritätskundgebung. Die Kundgebung sollte schon am Abend des selben Tages stattfinden. Der Text an die Bewohner besagte Folgendes:

„Aufruf zum Gebet und Aufschrei

Alle Einwohner von Gush Etzion und der Hevron-Gegend sind eingeladen zur Kundgebung des Gebetes und des Aufschreis.

Wir sind erschüttert und voller Schmerz über den gemeinen Mord, der im Namen unseres Volkes am letzten Freitagmorgen begangen worden ist. Aus dem Gefühl der Verpflichtung heraus, unseren Protest gegen diesen verbrecherischen Mord  im Dorf Duma herauszuschreien, und im Angesicht der gewaltigen Schändung des Gottesnamens, drängen wir dazu, gemeinsam aufzustehen und mit lauter Stimme zu rufen, „Entferne das reine Blut aus Deiner Mitte“ (5.Buch Moses, 21, 9). Wir werden gemeinsam für die Genesung der Verletzten der Familie Dawabshe beten.“

Als Versammlungsort war die zentrale Gush-Kreuzung angegeben, Uhrzeit 18:00 Ortszeit, und es wurde gebeten, Psalmenbücher mitzunehmen.

Wer waren die Organisatoren dieser Kundgebung? 

roots2Es handelt sich um die Mitglieder und Aktivisten des Vereines „Shorashim-Roots-Judur“ (zu Deutsch: Wurzeln), eines Verbandes aus israelischen und palästinensischen Freiwilligen, aber nicht etwa eine der vielen Organisationen im Namen des Friedensstiftens im Nahen Osten, deren Namen man im In- und Ausland nur zu gut kennt. Dies ist ein Verband/eine Bewegung, welche sich speziell an jüdische Siedler und ihre arabischen Nachbarn in Judäa und Samaria richtet. Die Initiative ist vor etwas mehr als einem Jahr auf der Basis der Ideen des Rabbiners Menachem Froman (hier zum Nachruf auf Rabbi Froman von Ulrich Sahm) aus der Siedlung Teko’a entstanden. „Shorashim/Judur“ gründet auf dem Verständnis, dass die Juden und die Araber/Palästinenser gerade in Judäa und Samaria viele Gemeinsamkeiten teilen, und durch gegenseitige Annäherung und Vertrauensaufbau eine Basis für einen authentischen Frieden bilden können – im Gegenteil zu den misslungenen Friedensbemühungen auf politischer Ebene. Jüdische Siedler und ihre arabischen Nachbarn haben, so das Leitmotiv der Organisation, eine tatsächliche und praktische Chance, durch Zusammenarbeit positive und dauerhafte nachbarschaftliche Beziehungen aufzubauen, Verurteile dagegen abzubauen und ein friedvolles Nebeneinander zu entwickeln.

Von links nach rechts: Ali Abu Awwad, Rav Hanan Schlesinger, Shaul Judelman. Quelle: friendsofroots.net
Von links nach rechts:
Ali Abu Awwad, Rav Hanan Schlesinger, Shaul Judelman.
Quelle: friendsofroots.net

Der Verein wird zur Zeit von Rabbi Hanan Schlesinger, einem amerikanisch-israelischen Rabbiner aus Alon Shevut, dem Friedensaktivisten (und ehemaligen Fatah-Mitglied) Ali Abu Awwad  und dem Aktivisten Shaul Judelman aus dem benachbarten Efrat geleitet. Zu den weiteren zählen sich Geistliche wie Rabbiner aus den lokalen Lernschulen der Siedlungen, der Sheich Ibrahim Abu al-Hawa und Bewohner einiger arabischer Städte und jüdischer Siedlungen.

Die Organisation, die sich als Bewegung verstanden haben will, hat ihren Sitz in Gush Etzion und organisiert Gespräche und Treffen auf lokaler Ebene, ebenso kleinere Aktivitäten für jüdische und arabische Kinder. Die letzte Aktivität war ein gemeinsames Fastenbrechen von Juden und Arabern, welches schon das zweite Mal  in diesem Rahmen durchgeführt wird – während des jüdischen Fastentages 17.Tammuz und des Ramadan-Monats der Muslime.

Die Idee einer zentralen Kundgebung – das erste größere öffentliche Event dieser Art seitens „Shorashim/Judur“ – kam schon am Freitagnachmittag nach dem Attentat auf die Familie Dawabshe auf und wurde in der Mailingliste und auf Facebook exzessiv diskutiert. Die Schwierigkeit lag bei der Verfassung eines Aufrufs, welcher das Kollektiv von Gush Etzion ansprechen und zu einer Teilnahme bewegen könnte, ohne die üblichen Klischees, Ausdrucksweisen und politische Einstellungen zu bedienen, welche in den Massenkundgebungen in Tel Aviv und Jerusalem  in den letzten Tagen vorherrschten. Bei der Kundgebung sollten sowohl Araber als auch Juden anwesend sein, Rabbiner und Journalisten, Personen öffentlichen Lebens. Die Kurzfristigkeit der Aktion ließ keine große Bekanntmachung zu. Die Information wurde über Mailinglisten und private Nachrichten verbreitet, die Kundgebung bei Polizei und Armee angemeldet.

wpid-20150802_180624.jpgAn Ort und Stelle erschienen im Verlauf des Abends mehr als 200 Personen (Times of Israel sprach sogar von 300), davon eine beträchtliche Anzahl an Journalisten: Reuters, CNN, AFP, Walla News, Jerusalem Post, i24 waren präsent, um nur einige zu nennen. Unter den Anwesenden befanden sich zahlreiche junge Leute, die meisten von ihnen religiös. Einen Teil davon machen Aktivisten der „Shorashim/Judur“-Initiative aus, ebenso interessierte Passanten und solche, die sich zeitig über die Veranstaltung informiert hatten.

Begonnen wurde die Kundgebung mit emotionalen Ansprachen. „Wir sind für einen Aufschrei hierhergekommen. Wir sind aber auch gläubige Menschen. Wir beten. Und wir sind auch Optimisten, wir lassen uns durch Verzweiflung und Zorn unseren Glauben nicht zerstören“, begann der Veranstaltungsleiter Rabbiner Sarel Rosenblatt. „Im Angesicht der Zerstörung und der Bosheit wollen wir der Welt Gerechtigkeit und Liebe hinzufügen.“

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Links nach rechts: Rav Yaakov Katz, Rav Dov Singer, Rav Yaakov Nagen, Rav Yaakov Madan, Yair Lapid

„Der Frieden wird nicht von den Politikern herrühren, sondern er kommt von unten, von den Menschen vor Ort, die tagtäglich Schulter an Schulter zusammenarbeiten. Hier vor Ort gibt es Coexistenz“, Rabbiner Ya’akov Madan, Leiter des Yeshiva-Gymnasiums in Alon Shvut und nationalreligiöser Lehrer und wpid-20150802_182136.jpgGeistlicher, ergriff das Wort. „Unser Festhalten an diesem Land hat drei Ursprünge, auf welche es sich beruht. Der erste – ist Gott und seine Vorsehung. Ich kann nicht glauben, dass Gott eine Legitimierung für den Mord am Kleinkind geben könnte. Der zweite – der gute Wille des jüdischen Volkes und der israelischen Regierung, welche hier verbleiben möchten.  – Diese Tat entwurzelt das Volk von hier. Und der dritte Ursprung – unsere Standhaftigkeit hier. Eine Standhaftigkeit, die auf den Werten der Reinheit, der Stärke, des Gewissens, der Wahrheit beruht.“

Während seiner Rede erschien in der Menge der Scheich Ibrahim Abu al-Hawa, bekannt für seine Aktivitäten im interreligiösen Dialog in der Gegend. Die Presse stürzte sich auf den alten Mann, der einige der Initiatoren der Kundgebung herzlich umarmte.wpid-20150802_182636.jpgwpid-20150802_182651.jpg„Jeder von uns kennt jemanden, der jemanden kennt, dem jemand bekannt ist, der vielleicht mit dieser Tat etwas zu tun haben könnte. Auf uns liegt die Pflicht, solche Sachen an die Sicherheitskräfte weiterzuleiten! Und wenn wir davon wissen, dass eine ähnliche Tat bevorsteht, und wenn es keinen anderen Weg gibt, diese zu verhindern, so müssen wir auch das melden!“, rief Rabbiner Madan mit lauter Stimme und fügte anschließend hinzu: „Man muss den Unterschied kennen. Bei uns sind es die Randgruppen der Randgruppen, die so etwas tun können, und welche wir verurteilen. Bei der anderen Seite werden die Terrorakte im Namen des ganzen Volkes verübt, und bei ihnen werden die Terroristen zu Helden. Wir werden niemals auf dieser Ebene stehen.“

„Als Siedler, der an unser Recht auf dieses Land glaubt, als Israeli, der die strategische Wichtigkeit dieser Gegend für die Sicherheit des Staates sieht, sage ich – der Mord an einem Baby wird unserem Volk keine Erlösung bringen. ‚Zion wird mit Gesetz erlöst und Jerusalem mit Gerechtigkeit‘ (Jesaja 1, 27). Ein jeder, der uns nichts zuleide tun wollte, verdient unseren Schutz.“ So wandte sich der Rabbiner und Vorsteher der Religionsschule in Otni’el, südlich von Hevron, Rabbiner Benny Kalmanson, an das Publikum. „Wir haben wunderbare nachbarschaftliche Verhältnisse. Wir könnten zusammen den Gush Etzion  zu einem Beispielort für alle machen.“

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Rebbetzin Hadassah Froman am Mikrofon

Zugegen war auch der ehemalige Finanzminister Yair Lapid, der ausnahmsweise mit einer Kippa auf dem Kopf aus der Tora zu zitieren beschloss, um sein religiöses Publikum besser anzusprechen. Hadassah Froman, die Witwe des „Friedensrabbis“ aus Teko’a, wurde mehrfach von der Presse interviewt. Vor den Versammelten erinnerte sie mit schmerzerfüllter Stimme daran, dass das letzte Mal ein solches Zusammenfinden im Sommer 2014 stattgefunden hatte, zur Zeit der Entführung der 3 Jugendlichen durch Terroristen. Dieser folgte die Verbrennung des arabischen Teenagers aus Jerusalem. „Wie kommt es dazu, dass erneut ein Kind verbrannt wird?!“

Wie es bei interreligiösen Treffen üblich ist, wurden als Teil des gemeinsames Gebetes Psalmen aufgesagt – so der Psalm 130, 127 und 133, und es wurde ein gemeinsames Gebet für die Gesundheit der Verwundeten gebetet – die Familie Dawabshe, aber auch die letzten Opfer eines Autoanschlags an der Kreuzung von Alon Shevut vor einigen Monaten. Die Anwesenden wiederholten die Psalmen gemeinsam mit den Vorbetern.

Hier kann man sich einen kurzen Eindruck von der Kundgebung machen: Gemeinsames Psalmenlesen und Beten für Genesung;

Die Anwesenden warteten gespannt, wann würde ein arabischer Teilnehmer sich äußern? Tatsächlich waren unter den Versammelten kaum Palästinenser zu erkennen – außer selbstverständlich des 73-jährigen Scheichs, welcher vor dem

Scheich Ibrahim abu al Hawa
Scheich Ibrahim abu al Hawa

Publikum eine flammende Rede in Arabisch hielt (mein Arabisch war leider nicht gut genug, um alles zu verstehen). „In diesem Land sollte man 4 Sprachen sprechen – Hebräisch, Arabisch, Russisch und Englisch“, witzelte der Scheich und fasste seine Rede dann in gebrochenem Englisch zusammen: „Ich bin kein Bürger von keinem Staat. Ich bin Palästinenser, ich gehöre hierher. Aber dieses Land gehört nicht den Juden und niemand anderem. Dieses Land gehört Gott“ und „Wir sind alle Gäste in diesem Land. Wir müssen zusammenleben. Mein Haus ist immer offen für alle“, und sagte auch, „ich möchte meine Gefühle mit den Müttern teilen, die als Einzige wirklich verstehen, was Babies bedeuten.“ Der Scheich erhielt den lautesten Applaus von allen Rednern.

Zum Abschluss gab Rabbiner Schlesinger bekannt, dass ein Fonds zur Unterstützung der geschädigten Familie Dawabshe eröffnet wurde. „Diese Versammlung von ‚Shorashim‘ ist das Mindeste, das wir tun können“, stellte er fest. Er las aus einem Brief seines arabischen Partners vor, Ali Abu Awwad, der nicht zur Veranstaltung kommen konnte: „Diese Kundgebung gibt uns Palästinensern Hoffnung und wird ein Beispiel für jeden darstellen, der ein Friedenspartner sein will. (…) Vor allem ist die moralische und die religiöse Aussage hinter der Kundgebung wichtig.“ Ein weiterer Redner wurde konkreter: „Wenn keine Taten folgen, ist es schade um das ganze Gerede. Wir wissen, dass es Rabbiner und wpid-20150802_184139.jpgAnführer gibt, die diese radikalen Ideologien unterstützen. Solange sie nicht dagegen sprechen, müssen wir sie aus unserer Mitte verbannen!“

Der letzte schließlich war ein arabischer Aktivist, Ziad Sabateen, der sich lange Zeit nicht traute, vorzutreten. Offenbar war er kein Fan großer Reden.  „Diese Kundgebung hätte in Duma stattfinden sollen“, sagte er, „ich selbst wurde zu einer anderen Kundgebung eingeladen, aber meine Nachbarn waren mir wichtig, also bin ich hier. Die Mütter sind diejenigen, die den Kindern als erste Essen geben, und sie auch erziehen. Wir müssen unsere Mütter schützen.“ Er wünschte sich auch eine ebenso strenge Behandlung der israelischen Täter wie die gegenüber den palästinensischen.

Nach der Kundgebung löste sich die Versammlung schnell auf, Menschen unterhielten sich noch, andere gingen im Supermarkt „Rami Levy“ nebenan einkaufen – ein bekanntes „Symbol der Koexistenz“ für sich.

Was meine allgemeine Skepsis für öffentliche Kundgebungen dieser Art angeht, so muss ich zugeben, dass diese Veranstaltung eindeutig einen weitaus mehr authentischen und respektvolleren Charakter besaß als alle ihr vorangegangenen seit dem letzten Freitag. Bleibt nur zu hoffen, dass alle Redner auch ehrlich und aufrichtig in dem gewesen sind, was sie den Anwesenden mitzuteilen hatten.



 

Mehr zu Shorashim-Judur-Roots: hier geht’s zur Homepage

In Zukunft werde ich mehr über diese Organisation berichten. Bleibt dran!

1- Die brennende Fackel von Gush Etzion

„Wenn heute ein hebräisches Jerusalem steht, wenn der Todesstoß für die jüdische Besiedlung, die ganz in der Hand des Feindes lag, nicht gegeben wurde – dann gebührt der Dank der israelischen Geschichte und des ganzen Volkes zuallererst den Kämpfern von Gush Etzion…“ (David Ben Gurion, 1948)

Vor genau 67 Jahren fiel der Kibbutz Kfar Etzion, gelegen in der Bergregion namens Gush Etzion zwischen Jerusalem und Hevron, zwei antiken Städten und Zentren jüdischer Geschichte, in einem erbitterten Kampf zwischen den jüdischen Einwohnern, gemeinsam mit den Verteidigungseinheiten und den Kämpfern der Arabischen Legion aus Jordanien und der umliegenden arabischen Bevölkerung. In den letzten Tagen vor der Gründung des Staates Israel am 14.Mai 1948 wurden die vier Kibbutzim in den Judäischen Bergen, auf halbem Weg zwischen Jerusalem und Hevron  – Kfar Etzion, Massuot Yitzhak, En Tzurim und Rewadim – durch die Arabische Legion eingenommen, zerstört und verbrannt. Ihre Einwohner und Kämpfer wurden zur Aufgabe der Positionen gezwungen, im Kampf teils getötet und teils gefangen genommen. Erst 19 Jahre später, im Zuge der Eroberung der Gebiete von Judäa und Samaria im Sechs-Tage-Krieg 1967 konnten die ehemaligen Einwohner der Kibbutzim und ihre Kinder zu den zerstörten Häusern und Ställen und den Gräbern der gefallenen Kameraden zurückkehren, um ihre Präsenz in den Bergen zu erneuern.


Überblick – Geschichte und Kontext

Gush Etzion - Großansicht
Gush Etzion – Großansicht

Die jüdische Anwesenheit in der Region von Judäa reicht zurück bis zu den biblischen Vorvätern Abraham, Yitzhak und Ya’akow, welche zwischen den damaligen Ansiedlungen von Jerusalem und Hevron pendelten und in der Patriarchenhöhle von Hevron begraben wurden. Sie zieht sich weiterhin über die Zeit der Eroberung des Landes durch die jüdischen Stämme von den Kana’anitern unter Jehoschua und über die Geburts- und Regierungszeit König Davids in Hevron und Jerusalem hinweg, gefolgt von den Kriegen der Makkabäer gegen die griechisch-seleukidischen Eroberer, der Herrschaft König Herodes und dem Aufstand jüdischer Kämpfer unter Bar Kochva gegen die Legionen des römischen Imperators Hadrian. Auch als das jüdische Exil seinen Lauf nimmt und die jüdische Bevölkerung sich in ferne Länder zerstreut, bleiben kleine Gemeinden im Kern der antiken Städte Jerusalem und Hevron erhalten und durchleben Fremdherrschaft, Zerstörungen, Kriege, Armut und Seuchen, aber auch Ruheperioden und geistigen Aufschwung bis in das zwanzigste Jahrhundert hinein.

Die Welle des Zionismus, die vor allem die Juden in Europa erfasst und sie zur Auswanderung in das Land Israel bewegt, um dort ein neues Schicksal  für das jüdische Volk zu schaffen, trägt die frischen Winde des nationalen Aufschwungs auch in die Berge von Judäa. Bis in die 20er Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts gibt es nur in Hevron eine kleine jüdische Gemeinde. Wie bei den meisten Neugründungen jüdischer Ortschaften im Land Israel, so ist es auch hier eine Organisation, „Zichron David„, unter der

Rabbiner Yitzhak Grinwald. http://www.etzion-bloc.org.il/
Rabbiner Yitzhak Grinwald. http://www.etzion-bloc.org.il/

Leitung von Rabbiner Yitzhak Grinwald, die sich 1925 aufmacht, einen passenden Ort und Ackerland für die Schaffung einer religiösen landwirtschaftlichen Siedlung in der Gegend von Jerusalem zu suchen. 1927 wird der Ort „Migdal Eder“* gegründet, westlich der heutigen Lage der Gush-Etzion-Kreuzung. Die ersten Siedler sind tiefreligiöse europäische als auch jemenitisch-jüdische Familien und einige Toraschüler. Die Bewohner Migdal Eders erhalten keine Unterstützung durch die zionistische Führung des Landes, haben sehr geringe bis keine Erfahrung in Ackerbau und Landwirtschaft, und haben mit der harten, felsigen

Wasserbecken und britische Polizeistation bei Migdal Eder.
Wasserbecken und britische Polizeistation bei Migdal Eder.

Beschaffenheit des Grundes zu kämpfen, auf welchem die Siedlung errichtet wird. Sie leben in großer Armut bis 1929. Zwei Jahre nach der Gründung wird die junge Siedlung Opfer der landesweiten brutalen Progrom seitens der arabischen Bevölkerung in den Städten und Dörfern des britischen Mandatsgebietes Palästina im August 1929, welche ihren Anfang in Jerusalem nehmen und von dort aus auch die Gemeinde in Hevron erreichen. Bei den Pogromen werden mehr als 66 Juden der Gemeinde in Hevron von ihren Nachbarn und dem gewaltbereiten Mob aus der Umgebung

Familien in Migdal Eder, 1927
Familien in Migdal Eder, 1927

niedergemetzelt und der Rest von der britischen Armee evakuiert. Als die Berichte über die Pogrome die Gegend um Migdal Eder erreichen, kontaktiert der Dorfälteste des arabischen Nachbarortes Bet Ummar die Juden, nimmt diese noch vor Ankunft der Plünderern bei sich im Haus auf und lässt sie durch die Briten verdeckt nach Hevron und dann nach Jerusalem evakuieren.

Migdal Eder hört auf zu existieren, doch die Ländereien bleiben in Besitz des „Zichron David“-Vereins, welcher darum zu kämpfen hat , diese nicht wieder an die Araber verkaufen zu müssen. 1933 schließlich bietet ein Züchter aus Rehovot namens Shmuel Zwi Holzmann seine Hilfe an und kauft die Ländereien von dem Verein, und hinzu noch viele weitere Flächen mit der Absicht, drei neue landwirtschaftliche Siedlungen auf dem Grund zu errichten, und jüdische Landwirtschaft und Viezucht zu fördern.

Der Ländereien-Kauf gestaltet sich schwierig, da die Araber die unfruchtbarsten und steinigsten Flächen zu verkaufen pflegen und zudem der Besitz sich nicht auf eine Person  beschränkt, sondern zumeist einem ganzen Clan gehört und nicht leicht abzukaufen ist. Holzmann schafft  die Organisation „El Hahar“ (eine ihrer Filialen befindet sich damals in Wien), welche sich aus zionistisch motivierten Arbeitern zusammensetzt, die sich 1933 aufmachen, neben einem alten verlassenen russischen Kloster auf einem der Berge der Umgebung das Dorf „Kfar Etzion“ ** zu gründen. Die Entfernung zwischen Kfar Etzion und Jerusalem – ca.21 km, Höhe über dem Meeresspiegel – ca. 900m. Es werden Plantagen errichtet, erste Häuser, Hühner- und Viehställe gebaut. Die Arbeitsbedingungen sind hart; die erste Zeit leben die Arbeiter in Zelten und ohne ihre Familien.

Galerie:  Die Gründung von Kfar Etzion 1933. © http://www.etzion-bloc.org.il/. Einfach auf das Bild zur Vergrößerung klicken!

1936, im Zuge einer weiteren arabischen Pogromwelle, wird die kleine Siedlergruppe nahe des verlassenen russischen Klosters von arabischen Aufständischen bedroht. Die Bewohner retten sich rechtzeitig nach Jerusalem. Kfar Etzion und alle dort bis dato errichteten Projekte werden zerstört.

Sieben Jahre später, im April 1943, erfolgt der dritte Aufstieg, diesmal seitens der Leute der Gruppe „Kwutzat Avraham“, auf die Berge Gush Etzions. Sie gründen auf den alten Ruinen den religiösen Kibbutz Kfar Etzion.

Galerie:  Kibbutz Kfar Etzion. © http://www.etzion-bloc.org.il/. Einfach auf das Bild zur Vergrößerung klicken!

Gush Etzion - die Lage der Kibbutzim
Gush Etzion – die Lage der Kibbutzim

Dies legt den Grundstein für die Errichtung drei anderer Kibbutzim durch religiöse und nichtreligiöse zionistische Bewegungen in den Folgejahren1945 bis 1947: Massuot Yitzhak, En Tzurim und Rewadim, allesamt inmitten dutzender arabischer Dörfer, zu manchen sie teils nachbarschaftliche Verhältnisse pflegen, andere ihnen jedoch feindlich gegenüberstehen.  Die Gründung des Siedlungsblocks ist nicht nur ideologisch gestützt, sondern wird auch wegen ihrer enormen strategischen Wichtigkeit von der jüdischen Führung, allen voran David Ben Gurion, begrüßt: Die Grenzen jüdischer Ansiedlungen im Mandatsgebiet sollen in absehbarer Zukunft die Grenzen eines Staates bestimmen, um dessen Errichtung sich die Führungskräfte angesichts der Entwicklungen im Nahen Osten und in Europa und Amerika bemühen. Der Etzion-Block könnte durch seine Anwesenheit die Verbindung zu Hevron und den Puffer um Jerusalem herum bilden – eine Berechnung, die sich im Unabhängigkeitskrieg 1947-1949 als wahr erweist und fatale Auswirkung auf die Region hat.

 Teil 2: Reaktionen auf den UN-Teilungsplan 1947, der Unabhängigkeitskrieg, der Fall Gush Etzions, Neuanfang 1967 bis heute

Fortsetzung folgt!


 

Der Name leitet sich aus dem Vers 20 im 1.Buch Moses, Kap.35 ab, in welchem der Name „Migdal Eder“ erwähnt wird, aufgrund der Nähe des Ortes am antiken Wanderweg des Vorvaters Ya’akov.  

** Holz, auf Hebräisch: Etz, daher auch der Name: Etzion. 


 

Quellen: 

„Gush Etzion“, Johanan ben Ja’akov, 1982

http://www.nrg.co.il/online/1/ART2/690/264.html?hp=1&cat=402&loc=1

http://www.etzion-bloc.org.il/

Feldinstitut Kfar-Etzion

http://lib.cet.ac.il/

NEWS: Abriss zweier Häuser in Teko’a

Heute morgen wurden 2 Häuser in der Siedlung Tekoa D vom israelischen Grenzschutz niedergerissen, eins davon aus Beton. Die Anweisung zur Zerstörung der Häuser kam vom Verteidigungsminister Moshe Ya’alon und wurde eine Woche vor dem Abriss an die Bewohner weitergegeben.

Hier eine Übersicht der Fotos vom Häuserabriss. Quelle: Daniel Brochin: 

Hier liegt Teko'a.
Hier liegt Teko’a.

Teko’a D ist die neueste der 3 Erweiterungen der Hauptsiedlung Teko’a, im Osten Gush Etzions, am Wadi Teko’a, welche am Rande der Judäischen Wüste liegt.
Die zerstörten Häuser gehörten den Familien Levy und Niro. Laut dem Statement des Vorstandes der Bezirksverwaltung Gush Etzion, Davidi Perl, wurden diese erst vor Kurzem zum Bewohnen freigegeben und daher sei es nicht verständlich, weshalb der Abriss durchgeführt worden ist.
Wie Channel 7/Israel National News berichteten,  war der Baugrund, auf welchem die Häuser errichtet worden waren, laut der zuständigen Behörde für Zivilverwaltung in Judäa und Samaria kein privatisiertes und bebautes arabisches Land, sondern seit langer Zeit nicht mehr berührter, unkultivierter Felsgrund. Mithilfe von Luftaufnahmen ließe sich dies leicht feststellen – so Bezirksvorstand Davidi Perl im Interview mit INN. Ebenso stellte er fest, dass dem neuen Prüfungsteam, welches in der Bezirksverwaltung zusammengestellt wurde, um Landbesitz- und Baufragen zu prüfen, keine Chance gegeben worden war, diesen Fall zu untersuchen;  die Häuser wurden noch vor dem abschließenden Ergebnis niedergerissen.

Einwohner von Teko’a und Umgebung, die von dem Vorfall erfuhren, zeigten sich bestürzt.
(Quellen – INN, privat).

Siedlungen und Sicherheit 1

Viele, die noch nie in einer Siedlung gewesen sind, fragen sich (und mich), wie unsere Ortschaften eigentlich geschützt werden. Werden sie geschützt? Stehen da rund um die Uhr bewaffnete Soldaten am Tor? Türmt sich ein meterhoher Zaun um jede Siedlung? Gibt es Stromzäune ähnlich wie in Gefängnislagern, oder Sicherheitskameras, oder irgendwelche versteckten anderen Maßnahmen? Haben Einwohner per Fingerabdruck eine Registrierung vor der Einfahrt durchzugehen, oder gibt es Sicherheitscodes? Freilich, manche der Vorschläge, an die bestimmte Leute denken, lassen mich im Glauben, da hätte jemand zu viele Holocaustfilme geschaut oder wäre die Erinnerungen an die Berliner Mauer noch nicht los.
Denn noch nicht einmal die Terrorabwehrmauer, die 2001 um größere Städte und Orte unter PA-Kontrolle errichtet worden ist und aus Beton bzw. Drahtzaun  besteht, hat Fließstrom, sondern lediglich bestimmte Sensoren, die ein Herumwerkeln an der Mauer, eine Berührung oder einen Eindringungsversuch registrieren sollen.

Siedlungen sind wesentlich simpler geschützt – so, wie viele Ortschaften innerhalb der „Grünen Linie“, beispielsweise landwirtschaftliche Dörfer im Norden, bloß ist man in Siedlungen aufmerksamer und hat auch fortlaufende Kooperation mit der Armee vor Ort, da Judäa und Samaria offiziell unter Militärverwaltung stehen.

Die meisten Siedlungen sind von einem einfachen oder zweifachen Zaun umgeben, und die Einfahrten – je nachdem, wie viele es gibt – haben jeweils ein elektrisches Einfahrtstor und einen Wächter. Dieser kann ein sich in Fragen Sicherheit auskennender Einwohner sein oder ein bei einer Sicherheitsfirma arbeitender Berufswächter. Manche Siedlungen vertrauen lediglich auf den Zaun und eine gelegentliche Autopatroullie. Andere haben Kameras installiert, und diese unterstützen die Überwachung. Bestimmte Siedlungen – aber solche sind  nicht in der Mehrheit – haben sich gegen einen Zaun entschieden, nutzen aber Nacht- und Tageskameras, die von einer Einsatzzentrale aus überwacht werden. Am Einfahrtstor erkennt der Wächter die Einwohner – oder er nutzt seine Menschenkenntnis, um  festzustellen, von wem eine Gefahr ausgehen könnte und vom wem nicht, oder er schaut sich die Einfahrtserlaubnis ein, redet mit dem Fahrer und lässt hinein. Dasselbe gilt auch für die Nachtzeit.

Das klingt für einen Unaufgeklärten nach einer Festung, ich gebe es zu. Ein Journalist, der neulich bei mir zu Besuch gewesen ist, hatte sich das Einfahrtstor angesehen, ein großes,  gelbes Tor mit einer Schranke, wie man sie von Bahngleisen kennt, und dem Zaun um die Ortsgrenze herum – eine ganz normale Sicht für mich – und meinte genau das: „Das ist ja eine Festung.“ In Deutschland ist man schon länger nicht gewohnt, in Orten zu leben, wo die Umgebung einem feindlich gesinnt sein könnte. Zugegeben, es ist wohl in ganz Europa keine Regel mehr.

Allerdings ist der Aufwand um diese Maßnahmen längst Alltag, und gar nicht so massiv, wie er sich anhört. Außerdem sind Siedlungen mehr geschlossene Gemeinschaften denn Städte oder Dörfer im europäischen Verständnis. In Siedlungen leben Menschen, deren Anwesenheit von einer großen Zahl der umgebenden Bevölkerung unerwünscht ist, und die auch regelmäßig daran in Wort und Tat erinner. Außerdem wollen die Einwohner von Siedlungen sicher sein, dass ihre Kinder frei auf der Straße spielen können, dass auch nachts es sicher ist, von Haus zu Haus zu gehen, dass man nicht immer die Tür mit zwei Schlössern abschließen muss und dass man auch ein Fahrrad im Garten unabgeschlossen lassen kann – wie es generell der Fall ist in einer „normalen Stadt“. Kein Fremder hat einen triftigen Grund, in so eine Gemeinschaft zu fahren – alle Einkaufszentren, Tankstellen und andere öffentliche Orte liegen außerhalb der Siedlungen. Wenn dennoch jemand eine Siedlung besuchen möchte oder jemanden, der dort wohnt, der braucht eigentlich nicht viel – nett lächeln, begrüßen, ganz entspannt auf Fragen antworten, wenn sie gefragt werden, und vor allem, ganz wichtig – nichts Böses wollen. Denn Gastfreundschaft wird nicht nur in der arabischen Gesellschaft großgeschrieben, sondern ebenso in der jüdischen. Wir sind ja schließlich beide die Nachkommen Avrahams, wenn man so will. 😉

– Auf die Frage hin, ob Siedlungen geschützt werden sollen, gibt es vom sicherheitstechnischen Aspekt her – sprich, seitens der Armee – ein eindeutiges „Ja“ zur Antwort, und auch viele der Einwohner von Siedlungen fühlen sich durch Sicherheitsmaßnahmen um ihren Ort herum sicher und zufrieden – siehe die obige Begründung. Es gibt allerdings auch genügend Siedler, die im Prinzip gegen einen Zaun sind – auch gegen den Terrorabwehrzaun, der in unserer Gegend zwischen der Autobahn 60 und Bet Lehem verläuft. Hier einige der Argumente:

„Er schafft Fakten, er wird zu einer Grenze, wo keine ist.“ „Wieso können Araber frei ohne Zäune und Angst leben, und wir müssen uns hinter Abgrenzungen verkriechen?“ „Ein Zaun schafft den Eindruck, als höre das jüdische Land bei dem Zaun auf, und die Araber nutzen es aus.“

Aufgrunddessen führen einige Gemeinschaften, so z.B. die Agrarsiedlung Bat Ayin in Gush Etzion einen erbitterten Widerstand gegen die Errichtung eines Zauns durch die Armee, bis hin zu dem Punkt, dass jeder angebrachte Zaun von Einwohnern in derselben Nacht herausgerissen wird, wenn gerade keiner hinschaut. Das Problem speziell bei Bat Ayin ist, dass im arabischen Nachbardorf Zurif nicht minder selbstbewusste und stolze Araber leben, und Jugendliche aus Zurif und aus Bat Ayin haben regelmäßig Auseinandersetzungen. Manchmal sind es auch Diebstähle seitens der Zurif-Bewohner, oder Steinewürfe von beiden Seiten oder gar mehr. Die Armee beißt sich regelmäßig die Zähne an den Einwohnern von Bat Ayin und Zurif aus und fordert vehement einen Schutzzaun, um die Übergriffe zu mindern. Bisher ist es noch zu keiner Einigung gekommen.

Wo es aber zu Einigungen kommt, dort reichen auch nur Überwachungskameras, und die jeweilige Seite respektiert die vereinbarten Grenzen – der eine rührt das Feld nicht an, der andere kommt nicht in die Siedlung, und man grüßt sich von weitem. So etwas gibt es auch, und bekannt ist diese Art von guter Kooperation vor allem aus der Gegend von Gush Etzion.

Nur noch kurz zur Rolle der Armee: Die Armee dient in den Bereichen hinter der Grünen Linie als hauptsächlicher Verwalter und Gesetzesgeber, basierend  auf den Anweisungen der Regierung. Die Armee ist Hoheitsverwalter, die Anweisungen kommen vom Verteidigungsminister, und die höchste Instanz vor Ort ist der Hauptbefehlshaber der gesamten Fläche Judäa und Samaria. Heutzutage ist es General Nitzan Alon. Durch ihn kommen die Anweisungen an die verschiedenen Verwaltungsstellen der Armee, so beispielsweise bei uns in der Etzion-Basis im Herzen Gush Etzions. Dort sitzt die Kommandozentrale, die entscheidet, welche Orte wann, wo und wie  bewacht werden. Mit dieser Zentrale ist jede Siedlungsverwaltung und jeder Sicherheitsbeauftragte in Verbindung, und koordiniert die eigenen Aufgaben. In Fällen, wo ein Armeeeinsatz notwendig wird, wird diese kontaktiert, sofern die Einheiten vor Ort nicht selbst schon informiert sind.

⇒ Zum zweiten Beitrag über „Siedlungen und Sicherheit“ geht es hier. 

Jeden Tag eine gute Tat

Die letzte Woche vor dem Großfeiertag Pessach  (auch Ungesäuerten-Fest oder Frühlingsfest genannt) hat begonnen, die Menschen in ganz Israel zählen den letzten Putz-Countdown und schrubben sich wild, streichen Wände, wechseln Möbel, essen wie wild ihre gesäuerten Produkte und rennen in Einkaufzentren auf wilder Suche nach Geschenken für Freude und Familie. Eine wahnsinnige Symphonie der Erneuerung spielt von allen Ecken, noch viel mehr, als man das zum jüdischen Neujahr im Herbst erleben kann.

In der Woche zuvor, namentlich zwischen dem 20. und dem 27.März hat eine bezeichnende soziale Aktion in ganz Israel und speziell in Gush Etzion stattgefunden, nämlich „die Woche der Guten Taten“. Eigentlich existiert die Initiative schon seit 2007, ins Leben gerufen durch die Geschäftsfrau und Philantropin Sheri Arison, und beschränkt sich auf ein Großaufgebot an sozialen Aktionen in allen Lebensbereichen rund ums ganze Land an einem besonderen Tag. An diesem Tag werden alle möglichen freiwilligen Projekte, sei es im Bereich des Umweltschutzes, der Altenpflege, der kreativen Arbeit mit Kindern, Behinderten, im Tierschutz, der Verschönerung von öffentlichen Einrichtungen oder anderem sozialen Engagement, konzentriert und ausgeführt, in der Hoffnung, die freiwillige Beteiligung an der Verbesserung der eigenen Gesellschaft vor allem bei Kindern und Jugendlichen, aber eigentlich Mitbürgern jeden Alters zu fördern. Freiwilligenarbeit ist das Motto, und engagieren tun sich einzelne und organisierte Gruppen, Schulklassen, Jugendzentren, Hobbyvereine, Geschäftsleute, Sportler, Künstler und mehr.

Wie gesagt, seit 2007 gibt es das als „Tag der Guten Taten“ in Israel – dieses Jahr fiel es auf den 24.März. Laut der Facebookseite des Projekts Good Deeds Day engagierten sich an diesem Tag über 800.000 Israelis in über 260 israelischen Städten und 50 Gemeinden weltweit an der Aktion. Bildergalerien und anderes kann man sich auf der (hebräischsprachigen) Webseite hier anschauen.

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Quelle: Email-Verteiler der Bezirksverwaltung

In Gush Etzion, Judäa, beschlossen es die Verantwortlichen für Freiwilligenarbeit in der Verwaltung, es auf eine ganze Woche auszuweiten. Und so gab es in Gush Etzion die „Woche der Guten Taten“ – 20.-27.03. 15 ! Laut den Angaben, welche der Vorsitzende der Bezirksverwaltung, Davidi Perl, Ende letzter Woche veröffentlichte, waren an der Projektwoche über 3000 Einwohner von Gush Etzion in über 80 Projekten beteiligt, welche Grußkarten an Soldaten und Kranke, Hilfe für behinderte Kinder, Verschönerung öffentlicher Anlagen, Krankenbesuche, Putzaktionen, Vorbereitungen für Pessach und anderes mehr beinhalteten. Das Besondere an diesem Jahr – auch ältere Menschen, Rentner und kurz vor der Rente Stehende, wurden in die Tätigkeiten miteinbezogen, gemeinsam mit den Kleinsten und den Jugendlichen, um einen Austausch von Generationen zu ermöglichen.

Ich habe dazu den Sprecher der Bezirksverwaltung, Herrn Jehuda Shapira, befragt. 

Erzählen Sie mir ein wenig über die Aktion speziell auf Gush Etzion bezogen. 

 Die Aktion der „Guten Taten“ ist nicht unsere Erfindung, das war eine Initiative von Sheri Arison und es wird landesweit ausgetragen. Unsererseits haben an die 3000 Menschen teilgenommen – Ältere, Kinder, Jugendliche, Kindergärten und Schulen. Im Internet kann man sich das gesamte Programm für diese Woche herunterladen.

⇒ Wieso aber eine Woche lang?

Es fiel so einfacher, die verschiedenen Projekte zu koordinieren. Die Entscheidung wurde von der Beauftragten für Freiwilligenarbeit getroffen.

⇒ Was ist so besonders an dieser Aktion? Welche besonderen Projekte hat es gegeben?

Beispielsweise den Wohltätigkeitsmarathon, der am  letzten Tag, dem 27.03, für die Kinder des SHALVA-Verbandes für behinderte Kinder und Jugendliche organisiert wurde. Oder es gab auch die Krankenbesuche seitens Mitarbeitern der Bezirksverwaltung, welche gemeinsam mit der „Volume“-Soundfirma für die bettlägerigen Kinder in verschiedenen Krankenstationen gesungen haben. Es wurde in Gärten und öffentlichen Parks gearbeitet, Parkbänke wurden gefärbt…. All das waren spezielle Aufgaben, und nicht Teil der regulären Freiwilligenarbeit, die es gibt. Einige der Teilnehmer haben sich auch an Projekten außerhalb Gush Etzions beteiligt, so im Erlebnispark „Mini Israel“.

In diesem Jahr haben wir etwas Neues eingeführt, nämlich den Einbezug von Menschen im Alter von 50+ und Rentnern in die Aktivitäten gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen. Diese Menschen haben generell Zeit, und viel Lebenserfahrung, die sie an die Jungen weitergeben können. Sie wurden in verschiedene Erziehungsprojekte einbezogen, haben kleine Kurse und künstlerische Aktivitäten mit den Kindern durchgeführt und gemeinsam gelernt. Das ist wirklich etwas Neues, das wir vorher nicht hatten.

⇒ Wer entscheidet, welche Aufgaben man in dieser Woche erfüllen wird?

Die Jugendleiter, Gemeindeverwaltung, es gibt nichts Verpflichtendes, wir sind für alle Ideen offen. Hauptsache, dass es an diesem Tag oder in dieser speziellen Woche ausführbar ist.

⇒ Gab es auch Projekte, die beispielsweise den Ausbau von Siedlungen betrafen?  

Es wurden Parks oder Gärten oder generell das Aussehen von Vierteln verbessert, aber keine Vorposten gebaut, wenn Sie das meinen.

⇒ Gab es einen Einbezug der arabischen Bevölkerung in dieses Projekt?

Nein, was dieses Projekt angeht, so gab es da keinen Einbezug, von anderen Interaktionen müsste man getrennt sprechen.

⇒ Sind auch Gruppen von anderswo zur Freiwilligenarbeit nach Gush Etzion gekommen?

Nein, aber wir haben es auch nicht erwartet.

⇒ Gibt es im Rest des Landes Rückmeldungen zu eurem Aktivismus?

Auf Landesebene gibt es kein Feedback oder besondere Aufmerksamkeit dafür, aber auf lokaler Ebene schon, so auf der Webseite unserer Verwaltung oder in den sozialen Netzwerken, da werden Bilder geteilt, Jugendliche berichten von Erlebnissen usw. Es gab viel Begeisterung und Freude darüber.