Einundhalb Stunden vor Shabbat-Eingang, am Freitagnachmitag, 13.11, schaute ich auf mein Telefon und erstarrte. „Zwei Getötete im Attentat auf israelisches Auto“, lautete die Newsmeldung, und ihr folgten weitere, ähnliche. Ich prüfte schnell nach, es handelte sich um einen Terroranschlag, in unserer Gegend wieder einmal – südlich von Hevron. Zwei jüdische Fahrer, erschossen auf der Autobahn 60. Noch vor einer halben Stunde war ich selbst diese Autobahn hinaufgefahren, Richtung Norden, Jerusalem. Zunächst hieß es, es seien ein Mann und eine Frau. Bald genug offenbarte sich ein anderes Detail – es waren ein Vater und sein Sohn. Die ersten Nachrichtenseiten hatten auch schon Bilder parat. Die Terroristen, die offenbar auf das Auto von einem Hinterhalt aus geschossen hatten, waren geflüchtet, die Armee fahndete nach ihnen. Die Opfer waren noch an Ort und Stelle verstorben. Der Rest der Insassen im Auto wurde von der israelischen Ambulanz evakuiert.
Quellen: INN, Lina Gorodetsky
Die ersten Bilder offenbarten schon Einiges – es lagen Blumen im Wagen der Ermordeten. Eines war klar – es handelte sich um eine Familie, die unterwegs war, um den Shabbat, den heiligen siebten Tag der Woche, in Frieden und Ruhe zu verbringen. Vielleicht bei Freunden oder im Familienkreis.
Geschockt schossen mir Gedanken durch den Kopf, „ob ich sie kenne? Vielleicht sind es Bekannte von mir?“. Ich rief zwei Freunde an. Der eine sagte, es handle sich um seinen Freund aus der Siedlung Kiryat Arba-Hevron. Die andere sagte mir den Familiennamen, den ich nicht kannte. Shabbat war schon vor der Tür, es war zu spät, um weitere Nachrichten abzuwarten. Von Trauer gedrückt, mache ich mein Telefon aus. Den ganzen Abend und den nächsten Tag dachte ich nur an die vom Unheil getroffene Familie, die sicherlich mit im Wagen gesessen hatte. An das furchtbare Gefühl, kurz vor einem Familienabend in eine solche abscheuliche Leere geworfen zu sein; an die Ehefrau, die beide am selben Tag verloren hatte, Ehemann und Sohn. Daran, dass nichts sie trösten konnte in diesen grausigen Stunden.
Am Samstagabend ging der Shabbat zu Ende. Gleich darauf offenbarten sich weitere Details zu dem Terroranschlag, welche die Nachrichten preisgaben:
Yakov Lipman und Sohn Netanel, sel.Andenkens
Bei den Erschossenen handelte es sich um Rabbiner Yaakov Litman, 44, und seinen Sohn Netanel, 17. Sie waren im Familienauto mit Mutter Noa und weiteren Kindern unterwegs, um mit dem zukünftigen Bräutigam ihrer Tocher Sarah Techiya, zu feiern. Sarah, 21, sollte in dieser Woche heiraten. Yaakov, der Familienvater, war Grundschullehrer der ersten Klasse in Kiryat Arba.
Die Terroristen hatten sich neben der Autobahn 60 südlich von Hevron mit einem Gewehr in den Hinterhalt gelegt. Die Autobahn sollte dort wohl eine Kurve machen, und so würde ein Auto, das vorbeifuhr, dort das Tempo verlangsamen. Die Familie Litman fuhr kurz vor 15 Uhr diese Strecke entlang. Die Terroristen schossen auf das Auto und flüchteten in Richtung der arabischen Dörfer Yatta und Durra. Yaakov, sein Sohn Netanel und ein weiterer, Dvir, wurden verletzt, die ersten beiden schwer. Laut Angaben des israelischen Notfallservices MDA kontaktierte Netanel, der selbst seit dem 15.Lebensjahr als Freiwilliger bei der MDA arbeitete, die Ambulanz und erlag kurze Zeit später seinen Verletzungen – ebenso sein Vater. Yaakovs Frau Noa und der Sohn Dvir, der ebenso von Schüssen verletzt worden war, erzählten im Nachhinein, an der Tatstelle war zuallererst ein Ambulanzwagen des palästinenischen „Roten Halbmonds“ vorbeigefahren. Die Fahrer sahen die Terroropfer, weigerten sich aber, erste Hilfe zu leisten, und verwiesen sie auf die
Yaakov sel.A. und seine Frau Noa
israelische Ambulanz. Damit fuhren sie davon. Als die Armeekräfte und die jüdischen Helfer zum Tatort gelangten, blieb ihnen nichts mehr übrig, als den Tod von Yaakov und Netanel Litman festzustellen. Die anderen Familienmitglieder wurden im Schockzustand ins Krankenhaus in Jerusalem evakuiert.
Am Abend des 14.11. fand die Beerdigung in Jerusalem statt. An die 1000 Menschen incl. Staatsdiener, solche wie der Präsident Reuven Rivlin, die israelischen Oberrabbiner und der Minister Uri Ariel, waren anwesend. Inmitten der Trauernden saß die weinende Familie Litman, weitere Angehörige und Kollegen. Der Direktor der Schule, an welcher Yaakov unterrichtete, wandte sich an die Regierungsvertreter: „Das ist kein Begräbnis von Vater und Sohn, sondern ein Begräbnis von Märyrern, welche für das jüdische Volk starben. Ihr, die ihr hier steht, seid Vertreter der Staatsgewalt, und ihr könnt nicht behaupten, dieses Blut klebe nicht an euren Händen!“ „Wer wird mich bei der Hochzeit begleiten, Papa?!“, hörte man die herzzerreißenden Schreie von Tochter Sarah Techiya.
Yaakov Litman hinterließ Ehefrau Noa und die Kinder Sarah Techiya, Dvir, Moria, Tehila und Avia – die Jüngste erst sechs Jahre alt.
Quellen: INN
In der ersten Reihe: Mutter Noa, Tochter Sarah Techiya. Quelle: INN
Auch das Attentat von Paris erwähnten die Redner bei der
Das Tel Aviver Rathaus. Quelle: Facebook
Beerdigung. Der Terror von Paris dominiert auch in Israel den größten Teil der regulären Berichterstattung. Auf das Rathaus von Tel Aviv, das Gebäude der Knesset und die Altstadtmauern wurden im Zeichen der Solidarität mit Frankreich die Farben der frazösischen Flagge projeziert. Viele Online-Surfer, auch in Israel, färbten gestern ihr Profilbild auf Facebook in französische Nationalfarben. Mit einer solch rapiden Entwicklung an internationalen Geschehnissen wird die israelische Öffentlichkeit wahrscheinlich bald vergessen, dass die Straßen ihres eigenen Landes mitunter nicht anders aussehen als die Konzerthalle von Bataclan – und das nicht erst seit gestern….
Das Land ist in Aufruhr: Die EU-Kommission hat heute nach längerem Hin- und Her, nach hitzigen Diskussionen, amerikanischen Protesten, israelischen Aufschreien und wohlwollender Zustimmung der überwältigenden Mehrheit der EU-Abgeordneten, endlich den Worten Taten folgen lassen:
Von nun an werden illegale Juden-Produkte offiziell mit einem Vermerk „Illegales Juden-Produkt“ gebrandmarkt.
Ach nein, Entschuldigung. Entsprechend den Regeln der politischen Korrektheit heißt das: „Die EU führte die Kennzeichnungspflicht für Produkte mit Herkunft aus von Israel seit 1967 besetzten Gebieten ein.“ (JPOST) Oder auch: „Die EU erkannte offiziell die neuen Richtlinien zur Kennzeichnung von Produkten aus israelischen Siedlungen auf besetztem Land an“. Die ZEIT formulierte es noch eindeutiger: „Kennzeichnungspflicht: Obst aus jüdischen Siedlungen wird markiert.“
Sämtliche israelische Medien berichteten von der Entscheidung der EU-Kommission, von deren Anstalten, diese Entscheidung schon seit 2012 durchzudrücken, ich in diesem Artikel im September dieses Jahres geschrieben habe. (Mein ausführlicher Standpunkt dazu lässt sich dort nachlesen; an diesem hat sich nichts geändert.) Es machte in den Medien ein wenig den Eindruck, als sei die Entscheidung aus heiterem Himmel gefallen, wobei das Thema schon seit Längerem in der Luft lag und eigentlich zu erwarten gewesen war- immerhin war die Entscheidung, die Ausarbeitung aktueller Kennzeichnungsrichtlinien voranzutreiben, völlig demokratisch gefallen. Die offiziellen EU-Vertreter gaben sich über die Zeit hinweg Mühe, die politische Bedeutung dieser Kennzeichnung herunterzuspielen und es als ein lediglich „technisches Belangen“ hinzustellen.
Was die de facto unterschiedliche Behandlung von Waren innerhalb und außerhalb der „Grünen Linie“ angeht, so kann man nicht sagen, dass die Kennzeichnungspflicht ein „lange nicht angegangenes Unrecht“ wieder gut zu machen oder ein bürokratisches Verfehlen zu korrigieren käme: Schon seit 2003 haben Produkte aus den Golanhöhen, Judäa und Samaria einen anderen Zahlencode als Produkte aus dem Rest Israels; ebenso sind sie ausgeschlossen von dem Freihandelsabkommen zwischen Israel und der EU. Diese Richtlinien waren und sind seit Jahren in Kraft. (Mehr dazu: siehe hier, FAQs in Englisch)
Welchem Ziel sollte dann die faktische Kennzeichnung von Produkten im Supermarkt dienen, die von allen Konflikt- und Streitregionen, aus welchen das Essen in die europäischen Supermärkte gelangt, nur die vermaledeite „Westbank“ und seine Juden mit dem Illegalen-Stern auszeichnet?!
Im Artikel der Jerusalem Post vom 11.11.15 fanden sich Rückmeldungen zweier israelischer Fabrikbesitzer zum neuen Gesetz. Der erste war Zwi, der Besitzer dreier Fabriken im Industriegebiet der Siedlung Barkan (Südsamaria):
„Offensichtlich wird es einen bestimmten Effekt haben, aber ich glaube, dass dieser gering sein wird, denn beim Handel gibt es keine Politik, nur Interessen“,
kommentierte dieser die Entscheidung.
„Diejenigen, die daran Interesse haben, unsere Produkte zu kaufen, werden sie kaufen. Diejenigen, die betroffen sein werden, das werden nur die Palästinenser sein. Denn wenn die Fabriken geschlossen werden aufgrund alledem, dann sind es die palästinensischen Arbeiter, die darunter zu leiden haben werden. Israelis haben keine Probleme, eine neue Arbeit zu finden.“
Ein anderer, Luria aus der Weinkelterei in Shilo (Samaria), äußerte sich wie folgt:
„Wenn man Produkte kennzeichnet aus Orten, die Sie Siedlungen nennen, in einem oder zwei Jahren wird es soweit sein und alles, was aus Israel kommen wird, wird gekennzeichnet werden. Denn diejenigen, die diese Kennzeichnung wollen, sehen keinen Unterschied zwischen Shilo, Ariel (Städte in Samaria) und Jerusalem.“
Was die offizielle Stellungsnahme zur Entscheidung der Kommission anging, so äußerten sich wahlweise Politiker dazu, darunter auch die Vizeaußenministerin Zipi Hotovely. Nebenher sah man in einigen der Nachrichtenausgaben Gerüchte herumgeistern, so beispielsweise, dass die israelische Regierung nun ihre Beziehungen zu der EU überdenken müsse,
Zipi Hotovely. Foto: Times Of Israel
Die Antwort von Vizeaußenministerin Hotovely fiel so aus:
Es ist ein eindeutiger Prozess zur Delegitimisierung Israels. (…) Wir sehen keinen Unterschied zwischen der Indestriezone von Barkan und der Industriezone von Haifa oder Ashdod. In unseren Augen steht Israel gegenüber der Bedrohung eines Boykotts. Und es ist deshalb wichtig, das Folgende zu erwähnen: die israelische Wirtschaft blüht. Es wird kein Schaden für die israelische Wirtschaft entstehen. Im Gegenteil, der Schaden wird die rund 10.000 palästinensischen Arbeiter treffen.
„Europa sollte sich schämen“,
vermeldete auch Regierungschef Binyamin Netanyahu. Gespräche und Zusammentreffen mit Vertretern der EU hat Israel infolge des Beschlusses vorerst auf Eis gelegt.
Dreimal dürft ihr raten, wer die Entscheidung der EU-Kommission mit lauter Stimme begrüßte und die „Taten, die Worten folgen“, lobte: Natürlich, die Palästinensische Autonomiebehörde. Denn einem Organ wie der PA, da die eigenen Untertanen unter Todesdrohungen von jeglicher Normalisierung mit den benachbarten Israelis fernhält, sich selbst bereichert und bewaffnet, Verhandlungsgespräche torpediert, sich in Milliardenschulden bei Israel verstrickt und parallel staatsverordnete Judenhetze betreibt, liegt es nicht daran, für die eigenen palästinensischen Bürger die Arbeitsplätze zu sichern. Schließlich wird die PA von der Fatah geführt, der „Haraqat a-Tahrir al-watani al-Falastini حركة التحرير الوطني الفلسطيني „, der palästinensischen nationalen Befreiungbewegung, und wer
Flagge der Regierungspartei der Palästinensischen Autonomiebehörde, der Fatah
„Palästina befreien“ will, will keine Arbeitsplätze schaffen. Erst recht nicht beim zionistischen Feind. Und sollte es einmal an Geldern für die Auszahlung von Gehältern und Renten fehlen, so ist dieselbe Hand, welche „jüdische Siedlungsprodukte“ markiert, auch diejenige, welche 19 Millionen an die PA als „Unterstützungsgeld“ zahlt. Die EU als Vereinigung unterstützt die Schaffung eines „palästinensischen Staates“ (lässt sich auf der Webseite der „EU Unterstützung für die Palästinenser“ nachlesen) und trotz der Abwesenheit jeglicher Einigungen, geschweige denn eines funktionierenden Friedens- oder wie man ihn auch immer nennen will-Prozesses nimmt sie eine eindeutig parteiische Position ein.
Alles deutet darauf hin, dass die Entscheidung der EU, gerade jetzt, zu dieser Zeit (und nicht schon 2003 oder vorher – denn jüdische Siedlungen gibt es schon seit 1967!) die Kennzeichnungspflicht durchzuführen keinesfalls nur ein „technisches Belangen “ darstellt.
Es bleibt abzuwarten, wie die israelische Regierung und das neue „Anti-Boycott (BDS) Office“ unter der Leitung von Innenminister Gilad Erdan auf diese Herausforderung reagieren werden und ob sich das angesichts der kaum die 1% überschreitenden Exportmenge aus Judäa und Samaria in die EU überhaupt lohnt.
Auf dem israelischen Nachrichtenportal 0404 hingegen wird schon von einem israelischen Supermarktbesitzer im Norden berichtet, der infolge der Entscheidung der EU beschlossen hat, alle in der EU hergestellten Produkte aus seinen Regalen zu entfernen. Auch arabische Produkte hat er entfernt, und auf Waren aus den Siedlungen vergibt er 20% Rabatt: „Hier verkaufen wir nur blau-weiße (israelische) Produkte und wir entschuldigen uns nicht!“, steht auf dem Zettel auf einem der Regale geschrieben.
Nun ja, nicht umsonst steht schon in der Tora geschrieben, die Juden seien ein „halsstarriges Volk“… (5.Buch Moses, 9, 13)
***
Ein weiterer fachkundiger Artikel zum Thema: bei Lizas Welt
Die Machpela-Höhle in der Darstellung des jüdischen Künstlers Nachshon, 1993.
Und Saras Leben dauerte 127 Jahre – dies waren die Lebensjahre Saras. Und Sara starb in Kiryat Arba, das ist Hevron, im Land Kena’an. Und Avraham kam, sie zu betrauern und zu beweinen. Und Avraham erhob sich von der Trauer und sprach zu den Nachkommen Hets wie folgt: Ein Fremder und ein Einheimischer bin ich unter euch; gebt mir bei euch eine Grabstelle und ich werde meine Tote begraben. (1.Buch Moses, Kap. 23, 1-4
So beginnt einer der zentralen Abschnitte der Tora über die Lebensgeschichte der Vorväter des jüdischen Volkes. Der Bericht über den Tod Saras, ihr Begräbnis und die damit zusammenhängende Suche nach dem passenden Grabareal offenbart uns mithilfe von 20 Versen einen der wichtigsten historischen Beweise für den jüdischen Anspruch auf das Land Israel und seine heiligen Stätten, insbesondere die sogenannte „Höhle der Patriarchen“. Hevron (Hebron) ist ein wichtiger Streitpunkt im modernen arabisch-israelischen Konflikt, von immenser nationaler und religiöser Bedeutung für Juden und Muslime und neuerdings auch ein Vorwand fuer makabre Geschichtsumschreibung seitens internationaler Organisationen. Hevron ist bekannt für blutige Auseinandersetzungen zwischen den jüdischen und muslimischen Bevölkerungsgruppen, ist aber auch ein Symbol für das Aufleben jüdischen Lebens seit 1967, und einmal im Jahr wird es zum Massenpilgerort fuer Zehntausende von Juden. Hier möchte ich dies etwas ausführlicher darlegen und mehr Verständnis für die Konfliktzone Hevron ermöglichen.
Jüdischer Kontext
Am dieswöchigen Shabbat (Samstag) wird in den Synagogen der Abschnitt unter dem Namen „Das Leben Saras“ aus dem 1.Buch Moses vorgelesen – wobei es in diesem Abschnitt mehr um die Folgen von Saras Tod geht denn um ihr Leben. Es wird dort Detail für Detail ein Kaufvertrag beschrieben, welchen Avraham, der einige Kapitel zuvor aus dem Gebiet von Mesopotamien in das Land Kena’an am Mittelmeer einwandert und dort großes Ansehen als geistiger Führer erhält, mit dem lokalen Herrscher in der Stadt Kiryat Arba-Hevron nach dem Tod seiner Frau schließt.
Wie läuft es ab? Schauen wir hin:
Und die Nachkommen Hets antworteten Avraham und sagten ihm, Höre uns, unser Herr, du bist für uns ein Prinz Gottes, begrabe deine Tote in einem unserer Gräber. Niemand von uns wird dir sein Grab verweigern, um deine Tote zu begraben. Und Avraham erhob sich und verneigte sich vor dem Volk, den Söhnen Hets, und sagte ihnen: Wenn es euch genehm ist, dass ich meine Tote begrabe, sprecht für mich mit Efron, Sohn Zochars, und er soll mir die Machpela-Höhle am Rande seines Feldes für eine ganze Summe als Grabareal geben. Und Efron sass inmitten der Söhne Hets. Und Efron der Hettiter antwortete Avraham im Beisein der Söhne Hets und aller Anwesenden am Stadttor, wie folgt: Nein, mein Herr, höre mich an, ich gebe dir das Feld und die Höhle, die dort ist. Vor den Augen meines ganzen Volkes gebe ich sie dir, begrabe deine Tote. Und Avraham verneigte sich vor dem Volk und sprach vor allen zu Efron: So höre mich an, ich gebe dir Geld für das Feld, nimm es von mir an und ich werde meine Tote dort begraben. Und Efron antwortete Avraham wie folgt: Höre mich an, mein Herr, das Land kostet 400 Silbershekel, und zwischen mir und dir, was ist das schon? Und begrabe deine Tote. Und Avraham vernahm Efron und wog das Geld, welches sie vor dem Volk abgemacht hatten, ab, 400 Silbershekel nach der gängigen Währung. Und so ging das Feld von Efron, das bei der Höhle Machpela bei Mamre liegt, das Feld und die Höhle und jeder Baum auf dem Feld und an seinen Grenzen an Avraham als Erwerb über, vor den Augen aller Anwesenden der Söhne Hets. Und daraufhin begrub Avraham Sara, seine Frau, in der Machpela-Höhle bei Mamre, das ist Hevron, im Lande Kena’an. (ibid., Kap.23, 5-19)
Dieser Kaufvertrag, welchen Avraham im Zuge das Abschnitts mit einer Nachdrücklichkeit, die einen staunen lässt, ausarbeitet, wird von diesem Punkt an und weiter als Beleg für die Legitimität der Nachkommen Avrahams, Yitzhaks (Isaaks) und Yakovs an diesen Ort sein. Nach Sara, Avrahams Frau, werden ebenso Yitzhak, seine Frau Rivka (Rebekka) und deren Sohn Yakov mit Ehefrau Leah in diesem Familiengrab bestattet (Yakovs zweite Frau, die Vormutter Rachel, wird bei der Stadt Betlehem-Efrata begraben). Sie sind mitunter die wichtigsten Identifikationsfiguren der jüdischen Religionsgemeinschaft; die Gründer und Verbreiter des jüdischen Glaubens und seiner Werte. Ebenso stellen sie die familiäre Brücke zwischen dem Land, welches in den Schriften wiederholt diesen Individuen für ihre Nachkommen versprochen wird, und den Nachkommen selbst dar, welche nach einer langen Exilzeit in Ägypten das jüdische Gesetzbuch erhalten und als selbstständiges Volk in das Land ziehen.
In diesem Kontext sollte es auch verständlich werden, weshalb Avraham in diesem Dialog mit den Hettitern einen großen Wert auf einen korrekten Geschäftsablauf legt – und weshalb die Tora dies detailliert festhält. Saras Tod in diesem Land, welches nicht ihr Heimatland darstellt und welches sie mit Avraham abseits jeglichen sozialer Konzensus erreichen und besiedeln, schafft Fakten und deutet für Avraham selbst die Richtung an, die er von nun an gehen muss. Nicht länger sind sie Wanderer an diesem Ort, sondern werden sesshaft und erhalten ihren ersten Anteil am Land.
Die Tora ist kein Ereignisprotokoll und ebenso kein Geschichtsbuch, sondern eine Orientierungshilfe und Anweisung für diejenigen, die für ihre Ausführung verantwortlich gemacht wurden – die Juden, Nachkommen, Avrahams, Yitzhaks und Yakovs. Sie setzt Akzente dort, wo etwas von Relevanz für zukünftige Generationen ist. Wenn das Geschäft, welches Avraham im betreffenden Abschnitt mit dem Lokalherrscher schließt, in der Tora so ausführlich beschrieben wird, dann dafür, um die Nachfahren über dies zu informieren und Schlüsse daraus zu ziehen.
Der Kaufvertrag von Avraham – es ist ein klassisches Zeugnis von jüdischem Landerwerb, welches mit absoluter Legitimität geschlossen wurde. Und wieso „jüdisch“? Weil Avraham in sämtlichen jüdischen und auch christlichen Schriften unbestreitbar als Wegbereiter für Yitzhak und Yakov, seinem Sohn und Enkel, festgelegt wurde, aus welchen sich später die Träger des göttlichen Gesetzes, der Tora, entwickelten – das Volk der Juden.
Hevron – kurzer Geschichtsrückblick
Hevron auf der Karte
Hevron ist eine der zentralen Städte der biblischen Geschichte. 39 Mal tauchen Hevron und ihre Beistadt Kiryat Arba in den jüdischen heiligen Schriften auf. Neben den Grabstätten der Vorväter und -mütter war Hevron Teil des Stammeserbes von Juda, dem Sohn Yakovs (daher der Name des Gebiets – Judäa). 7 Jahre lang war Hevron die Regierungsstadt König Davids, noch vor der Eroberung Jerusalems von den Jevusitern und gilt aufgrund des Patriarchengrabs als eine der vier heiligen Städte des Judentums – neben Jerusalem, dem Standort der beiden jüdischen Tempel auf dem Tempelberg. Entsprechend den Versionen einiger Historiker war es Herodes, unter dessen Leitung das eindrucksvolle Steingebäude über der Höhle errichtet wurde.
Das Herodes-Gebäude über der Höhle mit den zwei angebauten Minaretten.
Nach dem Zusammenfall der jüdischen Souveränitaet im Land Israel und der Vertreibung der jüdischen Bevölkerung durch die Römer verblieb Hevron eine Stadt in der Hand der lokalen Idumäer. Später folgte die byzantinische Eroberung der Gegend, und die Patriarchenhöhle wurde mit einer byzantinischen Kirche versehen, welche im Laufe verschiedener Eroberungen zerstört und wieder aufgebaut wurde. Hevron verblieb eine wirtschaftlich und religiös wichtige Stadt, in welcher sich weiterhin Juden ansiedelten und das Recht freier Religionsausübung an ihrer heiligen Stätte genossen.
Mit dem Aufkommen des Islams Anfang des 7.Jahrhunderts, welcher die zentralen Persönlichkeiten sowohl aus dem Judentum als auch aus dem Christentum in seine Glaubenslehre übernahm, besannen sich auch muslimische Geistliche auf die bis dato nur als jüdisch und christlich bekannte heilige Stätte. Im Sprachgebrauch entwickelte sich der Begriff „Al Khalil“, der arabische Name fuer die
Das Grabmal von LeahIm Inneren des Baus – islamische Dekorationen der Grabstätte
Stadt Hevron – „(Die Stadt) des Freundes„, bezogen auf Avraham. Über der Grabstätte wurde die Ibrahim-Moschee errichtet, allerdings hatten Juden sowie Christen immer noch freien Zugang zum Heiligtum. In der relativ kurzen Zeit der christlichen Herrschaft der Kreuzfahrer über das Land wurde erneut eine Kirche am Grabmal errichtet. Während der mamelukischen (türkisch-muslimischen) Herrschaft über das Land Israel, damals ein Teil von Gross-Syrien (13.-16.Jhdt), wurden Repressalien gegen Juden und Christen in Hevron eingeführt, die nach und nach ihre Religionsausübung und den Zugang zur Höhle einschränkten, bis schließlich der Zugang
Rechts im Bild sieht man den Treppenaufgang, wo sich die7.Stufe befand, bis zu welcher die Juden steigen durften.
gänzlich verboten wurde. Juden wurde es unter Androhung von Strafe untersagt, höher als bis zur siebten Stufe der Steintreppe, welche in die Moschee führte, zu steigen. Das erniedrigende Verbot hielt sich bis zum Ende der osmanischen Herrschaft und dem Beginn des britischen Mandats über Palästina in 1920.
1929 schließlich wurde nach dem muslimischen Massaker an der jüischen Bevölkerung im August 1929 die etwa 1500 Mitglieder zählende jüdische Gemeinde von den britischen Verwaltern aus Hevron evakuiert. Ab den 30er Jahren des 20.Jhdts und bis zum Ende des Sechs-Tage-Krieges und der Eroberung Hevrons durch die israelischen Streitkräfte von den Jordaniern durfte kein Jude mehr in Hevron wohnen.
Alle Jahre wieder
Mein erster Besuch in Hevron ereignete sich genau vor vier Jahren. Damals lernte ich noch im Institut „Machon Ora“ für jüdisches Denkwesen in Jerusalem, und unsere Klasse wurde zum Wochenende nach Kiryat Arba-Hevron gefahren. Wir wurden in der Turnhalle einer Schule untergebracht, für die Shabbat-Mahlzeiten auf Familien innerhalb der Siedlung verteilt, und zu den Gebeten gingen wir zu Fuß durch die Gassen Hevrons auf der israelisch verwalteten Seite der Stadt zum Grabmal.
An diesen zwei Tagen im Jahr, wenn in der Tora die Geschichte von Saras Begräbnis gelesen wird, geschieht etwas Besonderes in Hevron. Die Stadt füllt sich mit Massen von farbig gekleideten Menschen, Männern, Frauen und Kindern. Sie wandern durch die Straßen, sie wandern auf den Hügeln, füllen das einzige Restaurant des jüdischen Viertels und die Betstuben, besuchen das Grab der Vorväter und die Grabstätte von Ruth, der Urgroßmutter König Davids. Die Besucher sind jüdisch, sie kommen aus ganz Israel und dem Ausland und sie haben das ganze Jahr über gewartet, um an diesem Tag, dem Tag des Erwerbs dieser Höhle und ihrer Wandlung zum nationalen Kulturgut, hier an diesem historischen Ort zusammen zu treffen und zu feiern.
Drei Mal im Jahr können und dürfen jüdische Besucher frei im israelisch verwalteten Teil Hevrons umherlaufen, unter Bewachung zahlreicher Sicherheitskräfte. Einer davon ist dieses Wochenende. Dann können sie auch den Yitzhak-Saal im Grabmal besuchen, welcher an regulären Tagen nur für Muslime geöffnet ist. Mehrere Tausend Besucher pflegen an diesem Wochenende nach Hevron zu kommen, manchmal werden es sogar über zwanzig- und dreißigtausend. Die Atmosphäre ist wie die eines Festes.
– Vor vier Jahren war mir dieses Ereignis gänzlich unbekannt; es regnete in Strömen, das Wasser im Wasserhahn des Schulgebäudes war eiskalt; mein Hebräisch war noch nicht ganz das Beste und über alle politischen und religiösen Nuancen wusste ich erst recht nicht Bescheid. Überall auf jeder Ecke standen Soldaten mit Gewehren und in warmen Jacken, und trotz des schlechten Wetters waren überall Besucher zu sehen. Entlang der Route von der Siedlung Kiryat Arba Richtung Grabmal hatten sich Soldaten auf den Dächern verschanzt, um mögliche Scharfschützen zu entlarven und den Weg zu sichern. Ich wusste nicht ganz, wie ich auf die Soldaten reagieren sollte und beschloss spontan, jedem von ihm einen guten Shabbat zu wünschen und zu lächeln – immerhin waren sie hier in der Kälte auch für mich da. Einige fragte ich nach der Situation in Hevron aus. Ich hatte viel zu viele Fragen. Ein junger
20112011
Soldat, etwa 20, war auf einem Hügel stationiert, und es war schon Abend und bitterkalt. Bis heute erinnere ich mich daran, wie ich ihm aus unserer Schule über Steine stolpernd heiße Teebecher brachte. Mehr hatte ich ihm nichts zu geben, und auch sonst meinte er, sein Vorgesetzter würde ihn „umbringen“, wenn er ihn im Dienst essen und trinken sähe.
Bei diesem Besuch lernte ich auch ein nettes älteres Paar aus Kiryat Arba namens Ilana und Amram Yifrach kennen. Wir waren mit meinen Klassenkameradinnen bei ihnen zu Besuch. Wer hätte gedacht, dass ich sie später als die Großeltern des im Juli 2014 entführten und ermordeten Eyal Yifrach identifizieren würde…
UNESCO und ihr Beitrag zur Islamisierung
Die UNESCO gilt als eine der bedeutendsten weltumspannenden Organisationen für Schutz und Erhaltung religiös und historisch wichtiger Stätten. Ebenso heißt es in der Selbstbeschreibung der Organisation, „UNESCO encourages international peace and universal respect for human rights by promoting collaboration among nations“ – „die UNESCO unterstützt internationalen Frieden und universellen Respekt für Menschenrechte durch die Förderung von Zusammenarbeit zwischen Nationen.“
Nun wurde am 21.Oktober diesen Jahres eine Resolution von der UNESCO veröffentlicht, deren Inhalt zufolge das Grabmal der „Höhle der Patriarchen“ und das Grab von Yakovs Frau Rachel als „islamische heilige Stätten“ anzuerkennen seien. Ägypten, Tunesien, Marokko, Algerien, Kuwait und die Vereinigten Arabischen Emirate reichten den Entwurf zur Resolution im Namen der Palästinensischen Autonomiebehörde ein, in welchem diese zwei Stätten sowie die Klagemauer in Jerusalem zu islamischen Stätten erklärt und entsprechend in muslimische Namen umbenannt werden sollten. So, als hätte es all das, was im obigen Text nur knapp zusammengefasst worden ist, einfach nicht gegeben.
Die Resolution, die schließlich vom Stapel ging, wurde aufgrund starkem internationalem – mehrheitlich jüdischem Druck auf die Vorsitzende der UNESCO Irina Bokova – revidiert. Die Klagemauer, eines der wenigen Überreste des alten jüdischen Tempelkomplexes, wurde nicht als „islamische Stätte“ mit eingerechnet und auch nicht in den „Al-Buraq-Platz“ nach dem Pferd von Prophet Muhammad umbenannt. Der Protest gegen die muslimische Vereinnahmung der Klagemauer fiel stark aus, und die arabischen Staaten mussten zurückweichen. Nicht so bei den anderen beiden Stätten, dem Grab Rachels inmitten von Betlehem – und dem Grab der Vorväter. Diese wurden am besagten 21.Oktober „islamisch“ – eine Entscheidung, die in ihrer Groteske an das Resultat der mamelukischen Eroberung von Hevron im 13.Jhdt erinnern könnte. Aus einer heiligen Stätte für alle drei abrahamitischen Religionen, aus dem Grabmal der Vorväter des jüdischen Volkes wurde ein ausschließlich islamischer Heiligenort, angestrengt durch juden- und christenfeindliche muslimische Staaten und mit der überzeugten Unterstützung der Weltgemeinschaft. Was kann man dazu sagen? So sieht in der Praxis offenbar die „Förderung von Zusammenarbeit zwischen Nationen“ und die „Unterstützung internationalen Friedens“ aus.
Was die Juden Hevrons anging, so waren sie von der UNESCO-Resolution nicht sonderlich bewegt, überhaupt schien diese Entscheidung an ihnen vorbeigegangen zu sein. Im Status Quo, den Gefahren auf den Straßen von Hevron und der Sehnsucht nach der Rückkehr in die „Stadt der Väter“ hat sich nichts geändert.
Und auch im diesen Jahr, trotz der Unruhen und des erneut regnerischen, kalten Wetters, erwartet man in Hevron Besucher – ferne Kinder der tief in Hevroner Erde begrabenen Väter und Mütter, die sie Jahr für Jahr besuchen kommen…
Ich weiß, es scheint schon zu langweilen. Bei uns steht das Übliche auf dem Tagesplan. Noch immer und immer weiter Terror, in den „besetzten Gebieten“ und auch im gar nicht mehr so sicheren Rest von Israel. Und weil es nichts Neues mehr ist, findet es daher wohl auch keine Erwähnung mehr auf der Welt außer in einigen jüdischen Journallien.
Gestern (21.10) war ein Tag durchsiebt von Attentaten seitens arabisch-muslimischer Terroristen auf jüdische Israelis – Soldaten wie Zivilisten – in Judäa und Samaria.
Jugendliche Terroristin, mit Messer bewaffnet, versuchte am frühen Morgen, in die Siedlung Yitzhar in Samaria einzudringen, wurde angeschossen und von der Armee zur medizinischen Behandlung überwiesen.
Ein Polizist wurde nahe der Siedlung Ofra in Süsamaria angefahren und leicht verletzt.
Zwei Terroristen attackierten junge Soldatinnen auf dem Adam-Kreisverkehr in Südsamaria (Binyamin-Region) – eine von ihnen wurde mit einem Messer schwer verletzt, die andere, ihre Freundin, erschoss einen der Angreifer.
Dikla, 19, Soldatin der Heimatfront-Brigade, wurde schwer verletzt (Bild: YNET)
Eine Brandbombe wurde auf einen Bus in der Gush Etzion-Region (Judäa) geworfen.
In einem arabischen Auto nahe der Jerusalemer Vorstadt Ma’ale Adumim wurden Sprengsätze gefunden.
Am Abend wurde ein Autoattentat auf Soldaten bei der Stadt Bet Ummar (Judäa) verübt, nachdem diese zuvor mit Steinen beworfen wurden. Vier Soldaten wurden überfahren, zwei davon wurden schwer verletzt.
Am 20.10, vorgestern, forderte ein Attentat auf einen jüdischen Autofahrer südlich von Hevron den Tod des Fahrers, Avraham Asher Hasno, und das unter unklaren Bedingungen: Hasno wurde zunächst mit Steinen beworfen, und als er am Straßenrand anhielt, erfasste ihn ein palästinenisch-arabischer LKW und tötete ihn. Der Fahrer stellte sich kurze Zeit später der palästinensischen Polizei und behauptete, es handele sich um einen Unfall. Ergebnisse einer Unersuchung wurden bisher noch nicht veröffentlicht.
Am frühen Abend desselben Tages schließlich versuchte ein Attentäter aus dem Dorf Bet Awwa auf der Gush Etzion-Kreuzung (ca.400 m Luftlinie von meinem Haus entfernt), an der Bushaltestelle stehende Soldaten und Zivilisten zu überfahren und zu erstechen. Es gelang ihm, einige der Schutz-Betonklötze am Straßenrand niederzureißen und einen Zivilisten und einen Soldaten leicht zu verletzen, bevor er von Sicherheitskräften erschossen wurde.
Die Gush Etzion-Kreuzung Richtung Jerusalem in friedlicheren Tagen. Heute stehen dort noch mehr Betonklötze.Gush Etzion-Kreuzung Richtung Hevron.
Das Ganze erlebte ich persönlich als äußerst surreal, da ich trotz meiner relativen Nähe zum Tatort nichts davon mitbekommen hatte und selig meine Zimmer streichte, bis ich endlich den Blick vom Farbeimer ins Handy richtete – und siehe da, von zwei Attentaten erfuhr, eins davon unmittelbar auf meinem Arbeitsweg…
Trotz der vorhandenen Bedrohungen und der allgemeinen Anspannung fahren die Menschen weiterhin zur Arbeit, warten auf den Bushaltestellen (auch wenn die Betonklötze vor den Haltestellen sich erneut vermehrt haben). Auch in den Siedlungen selbst wurden wieder arabische Arbeiter gesichtet.
Ich habe den Eintrag zum Mord an Na’ama und Eytam Henkin unter dem Stichwort „Siedleralltag“ hochgeladen, und nicht etwa aus Zynik. Das Geschehene ist der Alltag unserer Bevölkerung hier. Ein täglicher Anteil an unserem Bewusstsein, an unseren Gefühlen, Träumen, Zukunftsvorstellungen.
Vor Kurzem hat die Tagesschau unter Beiwirkung von Journalist Markus Rosch einen Beitrag zum „traurigen Alltag in den Palästinensergebieten“ gegeben. Unser jüdischer Alltag in denselben „Palästinensergebieten“ – und das noch lange vor der Ermordung von Na’ama und Eytam! – hat dort keinen Platz gefunden, wieder einmal – wie schon immer. Eine Realität, in welcher normative
Mein Beitrag an Markus Rosch auf Facebook. 02.10.15
Bürger, wertvolle Träger der Gesellschaft – ach was, zum Kuckuck! Unschuldige Frauen, Männer und Kinder neben Menschen und Gruppierungen leben, deren moralische Werte ihnen vorgeben, tagtäglich nach deren Tod zu trachten! Welche sie mit Lebensgefahr fast in jedem Aspekt ihres Lebens konfrontieren und dies mit Unterstützung der Weltgemeinschaft tun – wie das Geld, das in die Hände arabischer Vereinigungen, Terrorgruppen und Verwaltungen fließt, und die Flagge dieser Menschen am UN-Hauptquartier beweisen – diese Realität ist nicht von Wert und nicht von Interesse für diejenigen, die sich für „Berichterstattung im Nahen Osten“ aussprechen. Der widerliche doppelte Standart, den deutsche Medien an den Tag legen, wenn es heißt, Lebensrecht der Einen gegen das Lebensrecht der Anderen zwischen Juden und Arabern in unserem Gebiet aufzuwiegen, wird nicht nur nicht mehr verschleiert – er wird offen und gültig an den Tag gelegt. Denn das ist die Leitlinie, welche in der westlichen Öffentlichkeit gegenüber uns gilt: Juden haben keinen Anspruch auf ein gleichwertiges Lebensrecht in ihrem historischen Heimatland. Juden haben keinen Anspruch auf Mitspracherecht im Diskurs um ihr eigenes Heimatland, und im Diskurs über Standarts von Moral und Menschlichkeit. Juden haben keinen journalistischen Wert in der Berichterstattung.
Und genau deshalb sollten Juden sich das nicht gefallen lassen. Die Zeiten sollten vorbei sein, in welchen wir auf das Gewissen der Weltöffentlichkeit gewartet haben, dass wir auf die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit gewartet haben, dass wir auf die Legitimation durch die Weltöffentlichkeit gewartet haben. Nicht zuletzt haben wir dies bei der Gründung des Staates Israel selbst bewiesen – das Warten kostete uns 6 Millionen. Das Handeln brachte uns unser Land zurück, und der Weg zur kompletten Rückkehr ist noch nicht bis zum Ende gegangen. Immer mehr Menschen in Israel verstehen, „dank“ der oben angeführten Dinge und des Bewusstseins dafür, dass sich die Aufmerksamkeit und die Handlungsweise der die Weltöffentlichkeit repräsentierenden Handlungsträger sich nicht nach ethischen Werten richtet und sich niemals danach richten wird. Der Traum von Brüderlichkeit und globaler Solidarität ist kein Vertrag und keine Zielabsicht, sondern eine Gemütslaune und ein philosophisches Konstrukt, und wie ein jedes solches suggeriert es etwas, wofür es nicht verbindlich einstehen kann.
Jeder Mensch und jede Gemeinschaft ist für ihr eigenes Überleben selbst verantwortlich.
Nicht, dass wir Juden, wir Israelis und wir „Siedler“ es nicht schon aus den Jahrhunderten zuvor gewusst haben. Aber entgegen dem allseits umspannenden Drang zur Selbstauflösung im scheinbaren universalen Humanismus ist jede Entlarvung diesen als Lüge ein Weckruf, der den süßen Nebel der Verliebtheit in diese erfundenen Ideale mit einer Dreistheit vertreibt, und uns zuruft – öffnet die Augen, werdet nüchtern, nimmt euer Gesetz und euren Gott und geht voran, verjagt den giftigen Nebel aus euren Augen und Gemütern. Nur so garantiert ihr, dass das Chaos, das hinter euch ausbricht, euch nicht in seinen Abgrund ziehen wird.
Laut diesem Online-Magazin, welches die Updates hinsichtlich der Beschlüsse der EU und ihrer Körperschaften verfolgt und wiedergibt, sollen voraussichtlich ab Dezember 2015 die Waren aus Israel in 4 Kategorien unterteilt und gekennzeichnet werden. Da wären also die israelischen Produkte (Israel), die Produkte aus den Golanhöhen (israelische Siedlungsware), Produkte aus der Westbank (israelische Siedlungsware), Produkte aus der Westbank (palästinensische Produkte). Gestern stimmten 525 Abgeordnete des Europaparlaments mit 70 Gegenstimmen und 31 Enthaltungen für eine solche Kennzeichnung von Produkten ab. Der Vermerk „hergestellt in Israel“ soll, so ließ beispielsweise Mitgliedsstaat Großbritannien in 2009 wissen, gesetzeswidrig sein.
In 2014 wurde eine offizielle „Empfehlung“ seitens des Mitgliedsstaates Belgien veröffentlicht, mit klaren Richtlinien, wie die besagte Kennzeichnung ablaufen soll, für welche Waren sie verpflichtend und für welche nicht wäre. Die obige Darstellung entspricht der Empfehlung Belgiens von 2014, die entgültige Version steht noch aus – die Abstimmung zur Legalisierung der Kennzeichnung ist erst gestern, 10.09.15, im Europaparlament durchgeführt worden.
Auch im besagten Artikel und weiteren Quellen verweisen EU-Diplomaten darauf, dass die Kennzeichnung entsprechend älterer EU-Richtlinien stattfinden soll und eigentlich längst überfällig gewesen wäre (ein solches Gesetz mache die Kennzeichnung wohl schon vor 15 Jahren verbindlich). Die offizielle Linie, so eine namenlose Quelle, die im Artikel zitiert wird, ist, die Kennzeichnung nicht an die „große Glocke“ hängen zu lassen und es vielmehr als bürokratische Angelegenheit wirken zu lassen, die ein überfälliges Gesetz geltend macht. „Die israelischen Diplomaten und die Presse schossen sich selbst ins Knie, als sie es als ‚EU-Sanktionen‘ darstellten und somit eine Debate um Israels Legitimität hochkochen ließen“, sagte diese Quelle.
Bisher äußerten sich noch wenige Politiker zur Entscheidung, darunter wie erwartet PM Binyamin Netanyahu, der unter anderem das Folgende verlauten ließ: „Die Wurzeln des Konflikts sind nicht die („besetzten“) Gebiete, und die Wurzeln des Konflikts sind nicht die Siedlungen. Wir haben eine historisch bedingte Erinnerung daran, was passierte, als Europa jüdische Produkte zu kennzeichnen begann.“
„Es riecht nach Boykott“, kommentierte die stellvertretende Außenministerin Tzipi Hotovely die Entscheidung am Donnerstag.
Im Zuge der Ankündigungen bezüglich der Kennzeichnung israelischer Produkte, beschloss der Besitzer der Weinkelterei „Bazelet“ aus den Golanhöhen, dessen Weine demnächst offenbar unter „Produkte aus israelischen Siedlungen in den Golanhöhen“ nach Europa geliefert werden, seine Korken mit einem deutlich erkennbaren Symbol der Israelflagge zu versehen. An die 4000 solcher Flaschen wurden vor Kurzem ins Ausland importiert. Yoav Levy, der Inhaber der Weinkelterei, äußerte sich gegenüber Israel National News, er habe keine Angst vor wirtschaftlichen Schlägen. „Wir verkaufen den Wein in Israel, Europa, den USA und im Fernost. Ich bin stolz auf unsere Flagge und daher habe ich sie auf den Korken gesetzt. Wer nicht will, der wird nicht kaufen. Es ist Zeit, mit der Rechtfertigung und der Eigenscham aufzuhören und Flagge zu zeigen. Wo ist unser jüdischer Stolz? Das ist ein Teil unserer persönlichen Katastrophe, einer nationalen Katastrophe.“ „Je mehr wir uns stolz und selbstbewusst zeigen, desto weniger wird man uns mit Füßen treten“, behauptete er.
Was ich persönlich davon halte? Nun, sollte ich gebeten werden, einen Beweis für den steigenden ethischen Verfall der Europäischen Union als Institution und ihrer Gremien zu erbringen, würde die „plichtbewusste Kennzeichnung“ israelischer Produkte einen meiner ersten darstellen. Die feige Weg-Interpretation der Pranger-Kennzeichnung als „bürokratischen Vorgang“, „Gesetzesanwendung“ und die scheinbare „Unabhängigkeit der Entscheidung von Zeit und politischen Entwicklungen“, so wie die offizielle Linie der EU es in ihren zahlreichen Statements behauptet, verstärkt nur noch die Widerlichkeit des eindeutigen Vorgehens. Versteckt die deutliche Linie hinter politischen Euphemismen und einem Hauch von „Legitimität“, gerade genug, um es in die Schlagzeilen zu machen und die israelischen Proteste übertrieben wirken zu lassen, und gerade so viel, dass es von den Befürwortern als „lange erwartete Entscheidung“ gelobt werden kann. Erklärt israelische Produkte für „vogelfrei“, und wirft nicht nur israelische Händler, sondern auch ihre arabisch-palästinensischen Mitarbeiter in den „besetzten palästinensischen Territorien“ (offizieller Wortlaut) dem politisch hirngewaschenen und ignoranten europäischen Massenkonsumenten vor. Die dramatischen Vergleiche mit dem Dritten Reich, welche sich nicht nur aufdrängen, sondern auch Schlagzeilen nach sich ziehen, und mit welchen Netanyahu jetzt hausieren geht, werden nicht viel bringen. Gut für die Schlagzeilen, weckte es kein Interesse und keine Gemütsänderung im Europäischen Parliament. Für die 525 Abgeordneten, die mit eienr überwiegenden Mehrheit für diese Entscheidung gestimmt haben, wird die Nazi-Zeit auch in der Zukunft kein Argument mehr sein. Netanyahu ist wie immer zu spät, und zu irrelevant in dieser Frage. Wenn gebündelte moralische Verrohung um sich greift, dann wird das letzte, das diese Verrohung aufhalten kann, ein moralischer Appell sein.
Was für praktische Folgen aus dieser Avantüre erwachsen? Das kann ich nicht einschätzen, und auch kaum eine seriöse Quelle. Der Marktanteil an „Siedlerexporten“, so EU Observer (s.oben) soll 230 Mio. € im Jahr betragen. Sollte die Kennzeichnung eine tatsächliche Boykottwelle hervorrufen, werden sich die israelischen Händler umstellen müssen, ggf. auf einen anderen Markt wie etwa den fernöstlichen. Was aus den arabisch-palästinensischen Arbeitern wird, deren einzige Einkommensquelle solche Betriebe sind? Es scheint die EU nicht groß zu kümmern, denn das ist ja nicht etwas, was direkten Schaden für Israel verursachen wird. Das werden die Betroffenen selber ausbaden müssen, im Namen von Gesetz und Gerechtigkeit à la EU. Wahrscheinlich erneut mit israelischer Unterstützung.
Inspiriert durch die Israel-Podiumsdiskussion auf den ACHAVA-Festspielen in Erfurt am vergangenen Wochenende, veröffentlichte Langzeit-Nahostkorrespondent Ulrich Sahm bei Audiatur Online eine zusammengefasste Recherche über die Weise, wie der deutsche SPIEGEL über Jahre seine Berichterstattung über die jüdische Ansiedlung in Judäa und Samaria nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 wandelte. Sehr spannender Abriss über die Wandlungsfähigkeit der Medien und ihren Einfluss auf unser Denken…
(Meine Rückmeldung zum Podium beim ACHAVA-Festival, Fotos und anderes folgen in absehbarer Zeit.)
Von Neuzeit-Pionieren zu illegalen Menschen
Ulrich W.Sahm, 08.09.15
Die israelischen Siedlungen gelten zurzeit in der westlichen Presse und Politik als Kern aller Konflikte in der arabischen Welt. Gäbe es sie nicht, würde himmlischer Frieden von Marokko bis Afghanistan herrschen.
Hunderttausende Syrer, Iraker, Ägypter und Jemeniten wären noch am Leben und Europa müsste sich nicht mit Flüchtlingsmassen plagen. Da der SPIEGEL nicht müde wird, den siedelnden jüdischen Sündenbock an die Wand zu malen, bot sich an, das Archiv dieser Zeitung nach der Wurzel des Übels zu durchforsten.
Die Wahrnehmung der Siedlungen seit 1967
Es geht bei diesem Artikel keineswegs darum, den rechtlichen oder politischen Status der Siedlungen zu klären. Es soll hier der Wandel in der Wahrnehmung der Siedlungen dargestellt werden, im Wesentlichen anhand des öffentlich zugänglichen Archivs des Spiegels.
Erste Siedlungen interessierten niemanden
Im September 1967, wenige Monate nach dem Sechs-Tage-Krieg, gründeten Israelis in Kfar Etzion die erste Siedlung in den frisch besetzten Gebieten. Im Etzionblock hatten vor der Staatsgründung 1948 Juden in mehreren Dörfern auf legal gekauftem Land gelebt. Doch die Jordanier hatten sie bei blutigen Schlachten vertrieben. Nun wollten die ehemaligen Siedler und ihre Nachkommen heimkehren. Keine deutschsprachige Zeitung bemerkte diesen ersten Schritt zur späteren Siedlungspolitik…
Der Teufelskreis der Rache scheint wohl wieder aufs Vollste geöffnet zu sein.
Habe Bericht und Fotos von meinem Freund Me’ir Dana-Picard und seiner Familie aus der Siedlung Bet Haggai bei Hevron bekommen. Arabische Terroristen haben heute nachmittag dort die Felder und den Berghang, auf welchem das jüdische Dorf Bet Haggai steht, angezündet, und das Feuer konnte mit knapper Not gelöscht werden, bevor es die Häuser ergreifen konnte.
So schnell kann auch ein Mord geschehen, wie der Mord heute Nacht in Duma. So schnell kann man Menschen Schaden zufügen. Ich habe die große Befürchtung, dass es dabei nicht bleiben wird, und die Telefone in den Sicherheitszentren in Judäa und Samaria nicht still bleiben werden, und dennoch bete ich für Ruhe.
Brand in Bet Haggai. Fotos: Me’ir Dana-Picard.
Brand in Bet Haggai. Fotos: Me’ir Dana-Picard.
Brand in Bet Haggai. Fotos: Me’ir Dana-Picard.
Brand in Bet Haggai. Fotos: Me’ir Dana-Picard.
Ich fühle unbändige Trauer über die Welle der Untaten, die ein weiteres Mal über uns hereinbricht. Und wer daran zweifelt, oder das Eine über das Andere zu stellen meint – ich werde die Untaten auf beiden Seiten erwähnen, weil das unser Leben hier ausmacht. Das ist auch ein Teil des Lebens in Judäa und Samaria. Und daher erzähle ich darüber.
Kurzes News-Update zu den Themen der letzten Tage – der Abriss der Gebäude in Bet El und die Räumung der Aufsteiger nach Ssanur. (Siehe den ersten News-Bericht hier)
⇒ Heute morgen, 30.07., trotz des Appells der Aufsteigergruppe nach Ssanur (Bericht hier) an Premierminister Netanyahu, ihren
Aufenthalt in der alten Festung bei der ehemaligen Siedlung zu verlängern und eine unabhängige Kommission ins Leben zu rufen, die die Legalität des Aufenthalts von Israelis an diesem Ort und die anderen in 2005 zerstörten Siedlungen (allesamt C-Gebiet) prüfen solle, wurde ihre Bitte abgewiesen. Knapp hundert Sicherheitskräfte – Armee, Grenzschutz und Polizei – erreichten die Anhöhe mit der Festungsruine um ca.3 Uhr morgens. In der Festung hatten sich ca. 20 Familien und einige dutzend Jugendliche verschanzt. Die Räumung der Familien ging ruhig von statten, da sie ohne Widerstand abzuogen. Die Jugendlichen wurden bei Sonnenaufgang gegen ihren Willen aus den Barrikaden, welche sie sich eingerichtet hatten, und vom Dach des Gebäudes von den Sicherheitskräften heruntergebracht und in Transporter verladen, welche sie in eine naheliegende Siedlung brachten. Die Jugendlichen verweigerten die Zusammenarbeit mit den Polizeikräften und riefen sie auf, die Befehle zur Ausweisung nicht zu befolgen, leisteten aber Augenzeugenberichten und Videoaufnahmen zufolge keinen gewalttätigen Widerstand. Die Polizeikräfte machten in einigen Fällen Gebrauch von Pfefferspray gegen Minderjährige trotz der Anweisung, keine Gewaltmittel bei der Räumung zu gebrauchen. Gegen 7 Uhr morgens wurde die Aktion beendet. Insgesamt hatte die Gruppe in Ssanur zweieinhalb Tage in der Festung verbracht.
Die israelische Presse berichtete laufend über die Ereignisse inklusive Interviews und Aufnahmen vor und während der Räumung. Seitens verschiedener Politiker in der Regierung rief Ssanur reges Interesse hervor. Der stellv.Vorsitzende der Regionalverwaltung Judäa und Samaria, Yossi Dagan, ein ehemaliger Bewohner von Ssanur vor 2005, äußerte seine Bereitschaft, sich weiterhin für die Wiedererrichtung der in 2005 geräumten Siedlungen in Nordsamaria einzusetzen. (YNET, Channel 2, Walla)
Quelle: jdn.co.il
⇒ Gestern, am 29.07., trotz des Appells von Ministern der Regierung, die Abrissanordnung gegen die zwei ‚Dreinoff‘-Hochhäuser am Rande der Siedlung Bet El in Samaria zu verzögern, und einer entsprechenden offiziellen Anfrage an das Oberste Gerichtshof seitens der Regierung, und entgegen dem starken Widerstand der Demonstranten vor Ort, entschied der Oberste Gerichtshof für den sofortigen Abriss, noch vor der Deadline. Das Gebiet um Bet El wurde mehrflächig abgesperrt, ein Großaufgebot von Polizei und Grenzschutz lieferten sich an Ort und Stelle einen Kampf mit den mehrheitlich jugendlichen Demonstranten, von welchen Augenzeugen und Videoaufnahmen zufolge etliche mit Schlagstöcken verletzt wurden, darunter auch am Kopf. Die Demonstranten versuchten, in die Häuser zu gelangen, und bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen und anderen Gegenständen und sollen sogar ein Feld angezündet haben.
Quelle: srugim.co.il
Mehrere wurden in Gewahrsam genommen. Anschließend wurden die Häuser im Laufe des Tages abgerissen und die Proteste kamen zu ihrem Ende. Die israelische Presse berichtete rund um die Uhr über die Ereignisse. Als Reaktion auf die Zerstörung der Häuser gab Premierminister Netanyahu bekannt, 300 Wohneinheiten in Bet El, welche seit mehreren Jahren auf Baugenehmigung warten, zum Bau freigegeben zu haben. Die Reaktion internationaler Organisationen auf diesen Schritt fiel wie erwartet negativ aus, Die UN ließ nicht lange auf sich warten und nannte den Schritt erneut ein „Friedenshindernis auf dem Weg zur Zwei-Staaten-Lösung“. (Times of Israel)
Erlebnisbericht vor Ort aus Ssanur. Von der Ankunft bis zur Räumung. Ereignisse und Gedanken. Zur Hintergrundgeschichte : Bitte hier klicken , Zu den News über Bet El und Ssanur: Bitte hier klicken.
Teil 1
Als wir uns auf den Weg machen, ist es schon spät. Keine leichte Reise wird es jetzt, zur späten Stunde, von einem Landesende bis zum anderen. Aber meine Freundin und ich spüren, dass wir einfach nicht untätig daheim herumsitzen können. Schon am Morgen, als ich die Nachrichten geöffnet habe und überfallen wurde mit Neuigkeiten von den Ausschreitungen in Bet El und dem Aufstieg in die Ruine von Ssanur, wusste ich, dass ich dabei sein muss. Journalistische Pflicht, und historische Notwendigkeit, nennen wir es so.
Also organisieren wir uns und ziehen los. Meine Kontakte müssen ausreichen, um ein aktuelles Bild der Lage zu bekommen. Unser erstes Ziel ist Bet El, obschon die Aussicht nicht vielversprechend ist: Die Armee scheint alle Zugänge zum Baugelände, auf welchem die Streitobjekte, die zwei abrissgefärdeten „Dreinoff“-Gebäude, stehen, abgesperrt zu haben. Sie weiß, dass Menschen kommen werden. Die Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Protestierenden sollen neue Ausmaße erreicht haben, so vermeldet die Presse. Nach einigem Hin und Her entscheiden wir uns schließlich, zum zweiten Punkt zu fahren, welcher weiter auf derselben Strecke liegt – der Autobahn 60 quer durch Judäa und Samaria: Ssanur. Es wird ein zweiter nächtlicher Aufstieg organisiert, nachdem der erste am Montagabend durchgeführt wurde.
Der Weg nach Ssanur im hohen Norden Samarias führt über Autostops. Noch ein Mädchen bindet sich an uns an, und wir maneuvrieren durch die dunklen Landstraßen mal mit einem, mal mit einem anderen Fahrer – alles jüdische Bewohner der Gegend, bis wir endlich zum Sammelpunkt kommen. Draußen ist es stockdunkel. Die meisten arabischen Dörfer nutzen sehr wenig Straßenbeleuchtung. Die schwarzen Berge und der dunkle Himmel verschmilzt, nur die israelischen Schnellstraßen geben eine Orientierung und die meisten der Autofahrer fahren auf diesen in einem wilden Tempo. Im Radio spielt Musik, die mangels anderer Geräusche gänzlich die Dunkelheit um uns herum ausfüllt, während wir fahren. Nur der Fahrtwind unterbricht die Musik.
Der nächtliche Aufstieg
Es dauert mehrere Stunden, bis wir ankommen, auf andere treffen, und den Aufstieg beginnen. Alles ist koordiniert, um möglichst wenig Aufsehen zu erregen. Erst wenn man am Zielort angekommen ist, können Verhandlungen mit der Regierung geführt werden, kann überhaupt etwas getan werden. Die Hürde ist zunächst der Weg. Es bedarf viel Selbstaufopferung und Ausdauer von den Fahrern, die Fahrten hoch und runter zu organisieren. Nach Mitternacht ist die Operation beendet, wir sind oben.
Ich sitze auf einem Scherbenhaufen vor einem der Eingänge der Festung. Vor mir liegen die schwarzen Berge, übersät mit Lichtern der arabischen Dörfer, in Stille, wenn man von Hundegebell absieht. Fast Vollmond ist es, was sehr die Erkenntlichkeit der Umgebung erleichtert. Mehrere Kilometer einer schweigsamen, holprigen Fahrt sind hinter uns, die Müdigkeit steht allen ins Gesicht geschrieben.
Mit noch einer Familie gelangen wir in die Festung, erleuchtet, erleichtert. Die Anspannung während der Fahrt inmitten arabischer Dörfer und Felder weicht der Anspannung vor den Neuigkeiten, der Erwartung einer Räumung oder ähnlichem. Die nächste Phase. Die Zimmer sind verteilt und mit Plakaten an den Eingängen machen sie den Eindruck eines riesigen Asylantenheims.
Interview mit YNET: „Apathie ist die schlimmste Krankheit der Gesellschaft. Wir kehren hierher zurück – damit zeigen wir, dass es uns nicht gleichgültig ist.“
Als wir uns mit meiner Freundin einen Schlafplatz in einem relativ gut erhaltenen Zimmer suchen, treibt mich die Presse auf – „YNET“, und befragt mich nach den Gründen des Aufstiegs nach Ssanur. Wir breiten unsere Schlafsäcke aus, es ist angenehm, ein Teil des Raumes führt ins Freie. Tagsüber muss dort eine atemberaubende Aussicht herrschen. Wir legen uns müde schlafen, ich versuche, die Athmosphäre schriftlich festzuhalten, aber die Müdigkeit übermannt. Wenn die Räumung nicht kommt, dürfen wir am Morgen aufwachen und uns zu orientieren anfangen.