Archiv der Kategorie: Gush Etzion

Besuch aus Deutschland

Wünsche allen eine schöne Woche bzw. ein schönes Wochenende!

Bei uns in den Bergen regnet es schon seit zwei Tagen in Strömen, als hätte der Himmel die Gebete um Tau am Pessach-Fest einfach falsch verstanden und das Wort „Tau“ in „Regen“ und „Hagel“ übersetzt. Langsam scheint es mir, als sei auch in Israel, zumindest in der Bergregion, der deutsche Spruch „April, April, er macht, was er will“ so aktuell wie nie. Menschen hocken zu Hause, Katzen retten sich unter die Wohncontainer, Erde, Gras und Holz triefen nur so vor Wasser. Die getünchten Wasserlöcher  – Überbleibsel aus alten Zeiten, überall in Judäa zu finden – müssten längst angefüllt worden sein. Wer weiß, wozu der Regensturm gut sein soll – vielleicht erwartet uns ein besonders heißer Sommer?


In den Pessach-Feiertagen, die ja bekanntlich eine Woche dauern und sich durch das Essen von Matzot (ungesäuerten Mehlcrackern) und viele Wanderungen, Familienausflüge etc. auszeichnen, bekam ich Besuch aus Deutschland, und nicht irgendeinen:

Der Reiseleiter der Reisefirma Tour mit Schanz, Joachim Anz, kam höchstpersönlich mit Familie für ein Treffen nach Gush Etzion. Wir besuchten gemeinsam die Gush-Etzion-Weinkellerei (die auch ich zum ersten Mal von innen gesehen habe), erfuhren, weshalb die in Israel hochgeschätzten Weine aus Judäa nicht ins Ausland exportiert werden und warum der Wein am Besten in den kühlen Bergen im Umland wächst und auch, was lokale Muslime aus den angebauten Weintrauben machen  (denn Wein dürfen sie ja nicht produzieren).

Danach besuchten Joachim Anz, seine Frau Bettina und ihre beiden Jungs auch mein bescheidenes Heim und sahen sich ein wenig auch Alon Shvut selbst an. Der Grund des Besuchs? Der Plan, eine Begegnung mit „der deutschen Siedlerin“ in das Reiseprogramm künftiger Gruppen der „Tour mit Schanz“-Firma einzubinden. Da das Konzept der Reisen von „Tour mit Schanz“ vor allem Begegnungen mit Menschen verschiedener Faςon in den Vordergrund stellt, bin ich für die Büroleitung durch den Blog als möglicher Programmpunkt relevant geworden.

Familie Anz und ich in der Weinkellerei Gush Etzion
Familie Anz und ich in der Weinkellerei Gush Etzion

Das Treffen verlief wunderbar, und ich habe mich recht gefreut über die Gelegenheit, eine kleine Führung durch unseren Ort zu machen. Wer sich also durch seine Kirchengemeinde, Verein, Jugendgruppe o.ä. bei „Tour mit Schanz“ für eine Reise ins Heilige Land anmelden möchte, sollte damit rechnen, dass wir uns begegnen!

 

 

NEWS: Verdacht auf Entführung in Judäa

ENTWARNUNG: 03.04.15, 00.47 Isr.Zeit:
Niv Asraf. Foto: Privat (Facebook)
Niv Asraf. Foto: Privat (Facebook)

Der am Abend des 02.04 verschwundene 22-jährige Israeli wurde ebend in der Nähe von der Siedlung Kiryat Arba gefunden, er hatte Konservenbüchsen und einen Schlafsack bei sich. Laut Medien- und Polizeiangaben hatte er sein Verschwinden gemeinsam mit seinem Freund, einem Soldat im Dienst, vorgetäuscht, offenbar wegen einer missglückten Liebesbeziehung oder „romantischen Gründen“. Die genauen Umstände werden ermittelt, die Fahndung ist beendet. Gegen die Verursacher der Operation werden offenbar rechtliche Schritte eingeleitet werden. In den Medien wird vom Großaufgebot der Einsatzkräfte und der Sorge der Familie des Verschwundenen berichtet, welche der 22-Jährige an der Nase herumgeführt hatte.
(IDF; Tazpit News Agency; Ynet)


 

02.04.15: Wie israelische und internationale Medien berichten (Ynet, Channel 2, Times of Israel), besteht der Verdacht auf Entführung eines Israelis in der Gegend um die Siedlung Kiryat Arba/Hebron, Judäa.
 UPDATES:

#4 Name des Verschwundenen: Niv Asraf, 22, aus Be’ersheva.

#3  22:28 Isr.Z. Pressestelle der israelischen Armee: „Wir behandeln diesen Fall als Entführungsfall. Aufklärungs- und Kampfeinheiten vor Ort sind kritisch in diesen Stunden.“ (Peter Lerner, Armeesprecher) Noch immer ist der verschwundene Israeli nicht gefunden, aber die Armee handelt in der Annahme, dass der Mann noch lebt.

Lokal: Über Gush Etzions dunklem Himmel schwirren unentwegt Hubschrauber. Die Etzion-Einsatzbasis der israelischen Armee befindet sich direkt gegenüber der Siedlung Alon Shevut.

#2 Israelische Sicherheitskräfte fahnden gemeinsam mit den Sicherheitskräften der PA nach dem Verschwundenen. Die PA-Sicherheitskräfte gehen sowohl von einem nationalistischen Tatmotiv als auch einem kriminellen aus. Ein Verwandter des Verschwundenen bittet die Öffentlichkeit, für diesen zu beten.

#1 Times of Israel – Unklar, weshalb der 22-Jährige in das Dorf Bet Anun gegangen ist. Anonyme Polizeiquellen werden zitiert, der Freund des Verschwundenen habe mehrere Versionen zu Protokoll gegeben; außerdem sei das angeblich beschädigte Rad des Fahrzeugs nicht beschädigt gewesen, wie anfangs behauptet. Das Mobiltelefon des Verschwundenen hat der Beifahrer beim Ausstieg im Wagen liegen gelassen.


 

Zur Ortskarte Kiryat Arba / Bet Enun
Zur Ortskarte Kiryat Arba / Bet Enun

Laut Berichten war um 16.15 Uhr nachmittags bei der Polizeistelle 101 eine Meldung eines israelischen Autofahrers eingegangen, dessen Aussage zufolge er mit einem Freund eine Autopanne auf der Schnellstraße 60 in der Nähe der Siedlung Kiryat Arba/Hebron, bei dem arabischen Dorf Bet Enun gehabt hatte. Nachdem der Beifahrer sich in das Dorf aufmachte, um Reparaturwerkzeug zu besorgen, sei er nicht mehr zu erreichen. Ein Großaufgebot an Armee- und Polizeieinsatzkräften wurde zur Fahndung in das Gebiet Kiryat Arba und Bet Enun ausgeschickt.

Laut Bericht der Times of Israel, handelt es sich bei dem Verschwundenen um einen 22-Jährigen aus Beersheva im Süden des Landes. Mit seinem Freund waren die beiden zu einem Besuch der Patriarchenhöhle nach Hebron gefahren. Der Freund des Verschwundenen wartete im defekten Auto ca. eine halbe Stunde auf den Beifahrer, bevor er die Polizeit von seinem Verschwinden alarmierte. Der Verschwundene war offenbar mit dem Areal vertraut, da er während seiner Armeezeit in dem Gebiet stationiert gewesen war.


Weitere Neuigkeiten: 

Zur Ortskarte Rosh haAyin/Oranit
Zur Ortskarte Rosh haAyin/Oranit

Heute morgen hatte ein palästinensischer Jugendlicher asu Tulkarem versucht, am Grenzübergang Oranit nach Samaria in der Nähe der israelischen Stadt Rosh haAyin einen israelischen Offizier bei einer Routinekontrolle mit einem Messer zu erstechen. Der Offizier , Yo’av Leitmann, neutralisierte den Angreifer und nahm ihn fest, wurde dabei leicht am Kopf verletzt. Der Terrorist hatte zusammen mit einer Gruppe versucht, illegal über die Grenze ins israelische Kernland zu gelangen.

(Ynet)

Das europäische Gedankenkonstrukt und ich

Wie sehr sich die europäische, insbesondere die deutsche, Betrachtungsweise des Lebens von der israelischen unterscheidet, kriege ich hin und wieder am eigenen Leib im Alltag zu spüren. Eine Art gedankliche und emotionale Dissonanz zwischen dem, was ich sehe, und dem, was ich empfinde, und ich weiß, es liegt oftmals nicht an dem sich faktisch vor meiner Nase Abspielendem, sondern einzig und allein an meinen Interpretationsgewohnheiten. Das Leben in einer Siedlung und in „rohen“ Bedingungen, unberührt von der gewissen Uniformierung des Großstadtlebens, bietet die beste Gelegenheit für solche „privaten Verhaltensanalysen“.

Neulich wurde ich von einer deutschen Journalistin gefragt, wie sehr mich die pazifistisch orientierte Erziehung in deutschen Schulen beeinflusst habe und wie sich das wohl mit meinem Wunsch vereinbaren ließ, in der israelischen Armee zu dienen. Diese Frage war mir mit Respekt und Interesse gestellt worden, und ich habe mich nicht verstellen müssen, als ich sagte, zu meiner Zeit hätte es gar keine Gespräche über Pazifismus an meiner Schule gegeben, und auch nur sehr, sehr wenig über die Situation in israel.

Es ist wahr, dass ich noch vor einigen Jahren in meiner alten Schule weniger Einmischung in die Denkweise seitens öffentlicher Organe gespürt habe, als ich es heute durch die Medien mitbekomme. Vielleicht war ich einfach ein Mensch, an welchem die Versuche, mir eine bestimmte Denkweise aufzudrängen, leichter scheiterten; vielleicht empfand ich meine Schule als einen tatsächlich meinungsoffenen, ideologiefernen Ort. Wie dem auch sei, dies und die Erziehung daheim sowie meine angeborene Neugier hatten mich offen werden lassen für ein unkonventionalles Betrachten dieser Welt, und mir einen „Freipass“ für selbstständiges Denken gegeben. Ich muss sagen, ich hatte es in dieser Hinsicht wirklich leicht.

Aber ich will es nicht abstreiten: Es sitzt da. Das deutsch-europäische Erbe. Die Art zu denken, zu kommunizieren, Vergleiche aufzustellen, zu erwarten und zu (be-)richten. Woran erkenne ich, dass es etwas spezifisch „deutsches“ oder „europäisches“ ist? In meinem Fall ganz einfach –  ich erinnere mich, woher ich eine bestimmte Angewohnheit habe, in dem Moment, wo ich sie bewusst bei mir erfasse, und erinnere mich an die Verhaltensweisen oder Äußerungen anderer um mich herum in dieser oder ähnlicher Situation, in Deutschland oder in anderen Ländern, bei europäisch, russisch oder orientalisch geprägten Menschen. Und meine deutsche „Vergangenheit“ ist weiß Gott nicht so lange her,  dass ich die Veränderungen, die in meiner Weltsicht und meinem Verhalten seit meiner Einwanderung nach Israel stattgefunden haben, nicht merken würde.

Meine Beobachtungen? Ganz gleich, wie „jüdisch geprägt“ die Abendlandstradition auch sein mag oder man sie gern als solche hinstellt – sie hat nur allzu oft nichts gemein mit dem, was man in Israel zu hören und zu sehen bekommt. Vor allem in meiner Umgebung, in den jüdischen Siedlungen von Judäa und Samaria. Die Realität hier hat viele schöne, sehnsuchtsvolle, gar romantische Seiten; aber es gibt freilich genügend Situationen, da würde auch ich als ein dieser Realität positiv gegenüberstehender Mensch die Worte „erstaunlich“ oder „gewöhnungsbedürftig“ nehmen, um sie zu beschreiben. Ohne die diesen Worten eigene negative Konnotation.

Ich gebe euch einige Beispiele.

◊◊◊

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Israelisches Kennzeichen. Quelle: Wikipedia

Da ist zum Beispiel das Thema per Anhalter fahren. Ein häufiger Kritikpunkt an Siedlern auch seitens der restlichen Israelis, die sich fürchten, per Anhalter in diesen Gegenden zu fahren. Anhalterfreunde, die auf dieselbe Weise durch ganz Europa oder Südamerika reisen, mögen uns vielleicht verstehen – wohl kaum ein besonnener Tourist. Aber das ist ja noch das halbe Ding. Einem „Uneingeweihten“ in das komplizierte Nebeneinander von palästinensischen Arabern und Juden in Judäa und Samaria fällt schlichtweg die Kinnlade hinunter, wenn dieser bemerkt, wann ein jüdischer Israeli seinen Arm zum Anhalten hebt und wann wieder senkt. Er hebt nämlich den Arm, wenn ein Fahrzeug mit gelbem Nummernschild vorbeifährt, und senkt ihn schnell wieder, wenn eins mit weißem  Nummernschild und grünen Zahlen ankommt!

 

Kennzeichen der Palästinensischen Autonomiebehörde. Quelle: Wikipedia
Kennzeichen der Palästinensischen Autonomiebehörde. Quelle: Wikipedia

Denn im Fahrzeug dieses Kennzeichens sitzt zu 99,9% ein Araber, ein nicht-israelischer Araber noch dazu, und von diesem wird sich kein jüdischer Israeli fahren lassen. Zu keiner Tageszeit, unter keinen Umständen (außer wenn er den Fahrer kennt, und selbst dann nicht unbedingt, und auch ein solcher Fall ist praktisch unwahrscheinlich). Dies gilt als ungeschriebene Regel für alle Siedler und es gibt niemanden, der dies nicht weiß. Es ist auch eine ungeschriebene Regel für die Araber, und sie wissen es auch, und sie würden auch nicht anhalten beim Anblick eines jüdischen Trampisten.

Frage:   Ist das nun eine „siedlertypische Diskriminierung“?

Da haben wir es. Hier der Gedankenansatz einer dieser Realität vollkommen fernen Weltsicht.

Erstens, es hat keine der beiden Parteien ein Interesse, sich vom jeweils anderen fahren zu lassen. So wie Juden freiwillig nicht bei Arabern einsteigen, so steigen Araber freiwillig nicht bei Juden ein, und niemand wird dabei benachteiligt oder zu etwas gezwungen. Demnach ist keine Diskriminierung vorhanden. Ob es eine „siedlertypische“ Angelegenheit ist? In Judäa und Samaria trampen fast ausschließlich nur die lokalen Einwohner – Juden und Araber. Jemand von „außen“ würde es nicht machen, zum Beispiel ein gewöhnlicher Israeli aus Jerucham (wo liegt nochmal Jerucham?). Und wenn man fragt, wieso?  – Aus Angst, und überwältigend negativer kollektiver Erfahrung.

Wieso denn Angst?, könnte man fragen. Wahrscheinlich wegen der letzten  Entführungs- und Mordfälle bzw. missglückter Attentate seitens arabischer Terroristen an Grenzübergängen und Bushaltestellen, mindestens 4 davon allein in den letzten 5 Monaten, die Entführung und Ermordung der drei Teenager Eyal, Gil-ad und Naftali im Juni 2014 nicht mit eingerechnet. Und das sind nur die letzten Zahlen – wir haben das Jahr 2015, aber die Betonblöcke vor jeder Haltestelle in Judäa und Samaria stehen schon seit Längerem, damit Wartende sich vor in die Menge rasenden Autos, Schüssen, Steinwürfen und ähnlichem schützen können. Das sind keine Übertreibungen – die Blöcke und Betonwände stehen da. Nach der Entführung der drei Jungen (von welchen lediglich einer aus Samaria stammte) und insbesondere nach der Ermordung der jungen Dalia Lemkos aus Teko’a (10.11.14) an der Bushaltestelle in  Alon Shvut (meinem Dorf) stehen an jeder Haltestelle bis Mitternacht hin bewaffnete Soldaten. Auch diese werden angegriffen (siehe 26.02.15).

Entführungen und Mordversuche also. An Bushaltestellen auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen und zum Ausgehen. Wenn man diesen Hintergrund kennt, aber auch nur wenn man ihn kennt, ist es möglich, zu erklären, dass Juden und Araber getrennte Haltestellen haben, jeder für seine Form von öffentlichem Verkehr.

Zugegeben – es erscheint seltsam, und unangenehm. Vergleiche drängen sich auf. Gut, fahrt mit verschiedenen Bussen, der eine fährt in eine arabische Stadt, der andere in eine jüdische. Aber wieso müssen die Palästinenser abseits warten, am Straßenende aussteigen und wieso hat die für Araber gedachte Haltestelle so ein vernachlässigtes Aussehen? Wenn ihr zusammen im Supermarkt einkauft, wieso trennt ihr die einen von den anderem auf der Haltestelle?

– Ich musste mir selbst eine Antwort auf diese Frage suchen, die in mir bei dem ungewohnten Anblick immer wieder aufkam. Ich teile sie mit euch:

Die palästinensische Autonomiebehörde, kurz PA, hatte entsprechend der Oslo II -Friedensabkommen von 1995 die Autorität erhalten, die Mehrheit der arabischen Städte, Dörfer und sie umgebenden Areale eigenständig zu verwalten. Die Teilung von Judäa und Samaria in Gebiete unter verschiedeneder Befugnis – unter der Verwaltung der PA, der israelischen Legislative oder einer geteilten Verwaltung-  wurde in diesen Abkommen festgelegt, und so entstanden Gebiete mit der Bezeichnung A, B und C. Um es kurz zu fassen, haben Israelis (ausgenommen israelischer Araber) keinen

Schild bei der Einfahrt nach Jericho.
Schilder bei der Einfahrt nach Jericho.

2013-08-25 15.03.17Zutritt in Gebiete A, Durchfahrtsrecht in Gebieten B und Wohnrecht in Gebieten C, das für Israelis unter fast derselben Befugnis steht wie sonstiges Staatsgebiet. Araber hingegen haben Zugang zu A und B und C, aber keinen unerlaubten Zutritt in Siedlungen der Gebiete C. Vor arabischen Wohnorten steht heutzutage zumeist ein rotes Schild, welches besagt, dass Zutritt für Israelis rechtlich verboten und lebensgefährlich ist.

Über die Verkehrsoptionen, demnach also Buslinien, Haltestellen etc. für die Bewohner dieser Orte hat die israelische Regierung keine direkte Verfügung oder Verantwortung, sie liegt allein in den Händen der PA. Nichtstaatsbürger Israels brauchen für eine Einfahrt in offizielles Staatsgebiet, so Jerusalem, ein Einreisevisum, oder eine Zutrittserlaubnis in ein jüdisches Dorf. Jüdische Israelis dürfen unerlaubt nicht nach Bet Lechem oder in einen anderen arabischen Ort fahren. Daher können beide Bevölkerungsgruppen schon einmal keine gemeinsamen Verkehrsmittel nutzen, sei es auch nur bürokratisch betrachtet. Zum Thema Angst, Mordversuche etc. siehe oben; Mordanschlag auf Sgt.Eden Atias, 19 im Bus nach Afula von einem illegal nach Israel gelangten Palästinenser siehe hier.

Auch für den Ausbau der Haltestellen, für ihre Erneuerung, sorgt sich die jeweilige Regierung. Erneuert keiner eine Haltestelle, so bleibt sie alt. Stellt keiner eine Haltestelle hin, so wird ein Trampist eben im leeren Feld oder am Straßenrand abspringen. Und ein jeder abspringende arabische Trampist stellt – der Erfahrung nach – eine potentielle Gefahr für den am selben Straßenrand wartenden Juden dar.

Hier in Judäa und Samaria weiß man das. Aus blutiger Erfahrung. Jeder weiß das, der Jude wie der Araber. Und sie alle leben damit, weil die Gesellschaft hier nun einmal von den Taten der Einzelnen bestimmt wird. Und so gewöhnt man sich daran, an bestimmter Stelle abzuspringen, wachsam zu sein, die richtigen Leute im Auto zu erkennen. Solange die Spielregeln beider Seiten eingehalten werden, „fließt alles הכל זורם“, sagt man auf Hebräisch. Und nur der sprachlose Tourist wundert sich und kämpft mit der Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität.

◊◊◊

 Ich bringe noch ein Beispiel, diesmal abseits des nationalen Konflikts: Die Rolle von Männern und Frauen, Jungen und Mädchen, ihr öffentlicher Auftritt und Interaktion.

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Zur Illustration. Tanzende Frauen in Gush Etzion.

in den meisten jüdischen Siedlungen leben religiöse Juden. Dabei sind diese meist Vertreter der sogenannten „gestrickten Kipa“- oder nationalreligiösen Bewegung. Was bedeutet das im Klartext? Es ist eine aufs Land Israel orientierte, die Gesetze der Tora im relativen Einklang zur Moderne einhaltende Richtung des Judentums. Eine moderne Orthodoxie, welche Frauen und Männern gleichermaßen das Recht einräumt, zu arbeiten, zu lernen, bedeutende Berufe zu erlernen, sich aller Neuerungen und Erfindungen der Neuzeit ohne schlechtes Gewissen zu bedienen  – allerdings mit Maß und bestimmten Rahmenbedingungen, und natürlich gibt es immer ungeschriebene Gesetze und Normen. Die moderne Orthodoxie des Judentums, vor allem die unter Siedlern verbreitete,  kennt keine einheitlichen Kleidernormen à la der ultraorthodoxen Bewegung (man kennt sie: schwarze Anzüge, schwarze Hüte oder Pelzmützen, weiße oder schwarze Golfsocken, die Frauen mit Perücken oder ebenso dunkler langer Kleidung oder glänzenden Kleidern). Dort folgen die Menschen verschiedenen Rabbinern und Meinungen, und je nach eigener Strenge oder Nachlässigkeit tragen die Männer feste Schuhe oder Sandalen, schneiden Haare oder lassen sie wild wachsen (Schläfenlocken sind trotzdem zu erkennen); die Frauen tragen keine Perücken, sondern bunte Hüte oder Tücher, mit allem Möglichen verziert; die Ärmel sind kurz oder halblang und die Röcke können auch bis knapp ans Knie gehen. Frauen tragen auch Hosen, Tanzendeje ländlicher die Gegend, desto häufiger.

Bei den Siedlern ist dabei das Auffälligste das wilde Sammelsurium an Kleidungsstilen – oder eher seine Abwesenheit. Abendkleid mit Turnschuhen an Feiertag? Kein Problem. Schuhe aus den Siebzigern oder Ethnohemd mit schwarzem Stilrock und Flip-Flops? Auch kein Problem. Leggins und Jeansröcke sind nicht voneinander zu trennen, 3/4-Ärmel unter einem Kleidungsstück, das eigentlich im Schaufenster eine ärmellose Bluse mit tiefem Ausschnitt gewesen ist, sind Norm. Männer wie Frauen bis ins tiefe Alter lieben „Dorfsandalen“ immer derselben Firmen. Armeejacken, Fliespullis  sind sehr beliebt, und immer gibt es diese T-Shirts mit Aufdrücken von einer bestimmten Klassenfahrt, einer Armeeeinheit, einer Jugendgruppe oder irgendeiner Aktion, mit einem klugen oder lustigen Satz, Zeichnungen und Logo der Schule oder des Vereins. In allen Farben des Regenbogens. Ethno und Retro sind nie aus der Mode hier. Enge Jeans und T-Shirt tragen wagen nur wenige Mädchen aus religiösen Familien (aber auch sie gibt es).

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Zur Illustration. Mädchen bei Freiwilligenarbeit.

Warum sind aber Mädchen immer irgendwie gefragt, was „verdeckende“ Kleidung angeht? Weil die jüdische Tradition und Religion und der „gute Geschmack“ es besagen. Während in einer streng einhaltenden Umgebung bestimmte Kleidungsform vorgeschrieben wird, um züchtige Kleidung für Männer und Frauen zu gewährleisten, ist in nationalreligiösen Gemeinschaften das Vertrauen in die Eigenverantwortung des Kindes und des Erwachsenen höher. Mädchen und Jungen lernen vor allem im Elternhaus, was es heißt, seine Privatsphäre für sich zu behalten – der eigene Körper ist nicht dazu da, um ihn anderen zur Schau zu stellen. Man läuft nicht ohne Shirt auf der Straße als Junge, und niemals in Unterhemd als Mädchen. Mädchen werden behütet, und lernen, ihren Körper mit Eifer vor Blicken und Belästigungen zu schützen.

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Zur Illustration. Mädchen-Schulklasse.

Fragt man ein nationalreligiöses Mädchen, wieso sie sich nicht „sexy“ kleiden möchte, wird sie wahrscheinlich als Erstes antworten – „damit man mich nach meinen inneren Werten beurteilt, und nicht nach meinem Körper“. Und erst dann wird sie das jüdische Gesetz dazu zitieren. Denn das ist die Begründung, welche hinter der Vorschrift gegeben wird, und die hier weitestgehend verinnerlicht wird. Das hindert die Jugendlichen nicht daran, miteinander zu spielen, zu lachen, zu wandern, und auch mal in Gruppen auszugehen; Erwachsene arbeiten zusammen, Frauen und Männer haben gleichen Status, aber wenn es um Beisammensein geht, so teilen sie sich wie automatisch auf, und eng ist man immer mit Freundinnen als Mädchen, oder mit Freunden als Junge, und niemand käme auf die Idee, bei dem anderen Geschlecht zu übernachten etwa, auch wenn man noch zuvor zusammen beim Lagerfeuer gesessen hat.

◊◊◊

Das alles ist ein Erlebnis für mich, es lässt mich schmunzeln und manchmal auch dagegen sträuben, und nicht alles würde ich später in meiner Familie übernehmen, und von vielem anderen lerne ich und freue mich, neue Horizonte zu eröffnen.

Allzu häufig spüre ich dabei, dass mein abendländisches Gedankenkonstrukt schier zusammenbricht vor manchen Situationen, Begegnungen und neuen Erkenntnissen, und ich begreife, dass dahinter sich kein Abgrund und kein Trümmerfeld verbirgt, sondern eine andere, nicht minder nützliche, Respekt verdienende und vor allem authentische Realität.

Menschen ohne Vorkentniss und ohne des Bonus‘ der offenen Denkweise aber, die recht tief in ihren eigenen Weltvorstellungen verankert sind und sich dessen selbst vielleicht gar nicht bewusst sind – ich wuesste kaum, wie man sie aus ihrem Schock herausziehen könnte, wenn sie auf manches treffen, was Israel und speziell die Wirklichkeit in den Siedlungen ausmacht. Da kann man, so scheint mir, nur erzählen, zeigen und erzählen, und vielleicht tut die Zeit das ihre.

NEWS: Vorposten-Demolierung

Karmey Tzur, Givat Sorek, Halhul auf der Karte
Karmey Tzur, Givat Sorek, Halhul auf der Karte

Gestern (Dienstag, 31.03.15) wurden seitens der „Israelischen Zivilverwaltung„, einem Regierungsorgan zuständig für israelische Bürger und Landverwaltung in Judäa uns Samaria, einige Bauten des Vorpostens „Givat Sorek“ bei der Siedlung Karmey Tzur, in der Nähe der arabischen Stadt Halhul in Judäa zerstört. Es waren eine provisorische Synagoge, welche den im Sommer entführten Jugendlichen Eyal, Gil-ad und Naftali gewidmet worden war, eine „Ruheecke“ für Soldaten, an welcher sich lokal wachende Soldaten ausruhen und etwas essen konnten, sowie ein Aussichtspunkt auf das nahegelegene Feld, auf welchem am 01.07.2014 die Leichen der entführten Jugendlichen gefunden worden waren.

Die Vorgeschichte

Der Vorposten „Givat Sorek“ wurde mit Unterstützung der Bezirksverwaltug von Gush Etzion direkt nach der Auffindung der drei entführten Jugendlichen gegründet, im Sommer 2014. Benannt wurde es nach dem  jungen Paar Eyal und Ya’el Sorek. Die jungen Eheleute – Eyal, 23, Berufssoldat kurz vor Dienstende, und Ya’el, 24, Mathematikstudentin und im neunten Monat schwanger – wohnten in der Siedlung Karmey Tzur und wurden am 07.06.2002 von einem arabischen Terroristen ermordet, als dieser in die Siedlung eindrang. Sein weiteres Opfer war der Reservesoldat Shalom Mordechai (35), der im Schusswechsel mit dem Terroristen starb. Bei der Errichtung der Bauten prüfte die Bezirksverwaltung von Gush Etzion – so ihr Sprecher, Yehuda Shapira – den Status der Ländereien und möglichen Privatbesitz, und stellte keine Verletzung von Privatbesitz fest.

Auf dem Vorposten wurden ein provisorischer Synagogenbau, die „Ruhe-Ecke“ und ein Aussichtspunkt mit einer Pergola errichtet. Soldaten und Einwohner von Karmey Tzur bewachten den Vorposten regelmäßig.

Der Beschluss der Zivilverwaltung, den Vorposten zu räumen, kam zustande, da der Oberste Gerichtshof den Status der Ländereien, auf welchen die Gebäude erbaut wurden, als „fraglich“ gewertet hatte. Fraglich bedeutet im Allgemeinen, dass ein Antrag von einer Organisation bzw. einer Privatperson bei dem Obersten Gerichtshof (Bagatz) eingereicht wurde, der behauptet, die Ländereien seien nicht als Staatsland anerkannt, sondern gehörten einem Araber oder einem arabischen Ortaus der Gegend.

In diesem Fall verhalf eine linksgerichtete, gegen Siedlungsbau aktive Organisation einem arabischen Privatmann dazu, einen solchen Antrag beim Obersten Gerichtshof einzureichen. Das Gericht wandte sich an den Staat mit dem Verlangen, auf den Antrag zu reagieren. Der Staat  gab zur Antwort, aufgrund möglicher Zweifel am Eigentum dieses Landstückes den bestehenden Vorposten noch vor der Nachprüfung dieses Antrags zu räumen.

Ob dieser Antrag sich bewahrheiten wird, und ob das Land tatsächlich in die Hände dieses speziellen Einwohners gegeben wird, oder der Stadt Halhul, oder nun nach der Demolierung zu einer Militärbasis umfunktioniert oder einfach nutzlos brachliegen wird, kann zurzeit nicht beurteilt werden.  Und da die Zivilverwaltung keinesfalls als siedlerfreundlich bekannt ist, reichte allein der Zweifelzustand aus, um Bagger und Einsatzkräft an den Plan zu rufen und die Gebäude zu zerstören.

Givat Sorek, vor und nach der Demolierung.  Fotos: Yehuda Wald, Israel National News / Channel 7
Givat Sorek, vor und nach der Demolierung.
Fotos: Yehuda Wald, Israel National News / Channel 7
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Fotos: Yehuda Wald, Israel National News / Channel 7
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Fotos: Yehuda Wald, Israel National News / Channel 7

 

Jeden Tag eine gute Tat

Die letzte Woche vor dem Großfeiertag Pessach  (auch Ungesäuerten-Fest oder Frühlingsfest genannt) hat begonnen, die Menschen in ganz Israel zählen den letzten Putz-Countdown und schrubben sich wild, streichen Wände, wechseln Möbel, essen wie wild ihre gesäuerten Produkte und rennen in Einkaufzentren auf wilder Suche nach Geschenken für Freude und Familie. Eine wahnsinnige Symphonie der Erneuerung spielt von allen Ecken, noch viel mehr, als man das zum jüdischen Neujahr im Herbst erleben kann.

In der Woche zuvor, namentlich zwischen dem 20. und dem 27.März hat eine bezeichnende soziale Aktion in ganz Israel und speziell in Gush Etzion stattgefunden, nämlich „die Woche der Guten Taten“. Eigentlich existiert die Initiative schon seit 2007, ins Leben gerufen durch die Geschäftsfrau und Philantropin Sheri Arison, und beschränkt sich auf ein Großaufgebot an sozialen Aktionen in allen Lebensbereichen rund ums ganze Land an einem besonderen Tag. An diesem Tag werden alle möglichen freiwilligen Projekte, sei es im Bereich des Umweltschutzes, der Altenpflege, der kreativen Arbeit mit Kindern, Behinderten, im Tierschutz, der Verschönerung von öffentlichen Einrichtungen oder anderem sozialen Engagement, konzentriert und ausgeführt, in der Hoffnung, die freiwillige Beteiligung an der Verbesserung der eigenen Gesellschaft vor allem bei Kindern und Jugendlichen, aber eigentlich Mitbürgern jeden Alters zu fördern. Freiwilligenarbeit ist das Motto, und engagieren tun sich einzelne und organisierte Gruppen, Schulklassen, Jugendzentren, Hobbyvereine, Geschäftsleute, Sportler, Künstler und mehr.

Wie gesagt, seit 2007 gibt es das als „Tag der Guten Taten“ in Israel – dieses Jahr fiel es auf den 24.März. Laut der Facebookseite des Projekts Good Deeds Day engagierten sich an diesem Tag über 800.000 Israelis in über 260 israelischen Städten und 50 Gemeinden weltweit an der Aktion. Bildergalerien und anderes kann man sich auf der (hebräischsprachigen) Webseite hier anschauen.

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Quelle: Email-Verteiler der Bezirksverwaltung

In Gush Etzion, Judäa, beschlossen es die Verantwortlichen für Freiwilligenarbeit in der Verwaltung, es auf eine ganze Woche auszuweiten. Und so gab es in Gush Etzion die „Woche der Guten Taten“ – 20.-27.03. 15 ! Laut den Angaben, welche der Vorsitzende der Bezirksverwaltung, Davidi Perl, Ende letzter Woche veröffentlichte, waren an der Projektwoche über 3000 Einwohner von Gush Etzion in über 80 Projekten beteiligt, welche Grußkarten an Soldaten und Kranke, Hilfe für behinderte Kinder, Verschönerung öffentlicher Anlagen, Krankenbesuche, Putzaktionen, Vorbereitungen für Pessach und anderes mehr beinhalteten. Das Besondere an diesem Jahr – auch ältere Menschen, Rentner und kurz vor der Rente Stehende, wurden in die Tätigkeiten miteinbezogen, gemeinsam mit den Kleinsten und den Jugendlichen, um einen Austausch von Generationen zu ermöglichen.

Ich habe dazu den Sprecher der Bezirksverwaltung, Herrn Jehuda Shapira, befragt. 

Erzählen Sie mir ein wenig über die Aktion speziell auf Gush Etzion bezogen. 

 Die Aktion der „Guten Taten“ ist nicht unsere Erfindung, das war eine Initiative von Sheri Arison und es wird landesweit ausgetragen. Unsererseits haben an die 3000 Menschen teilgenommen – Ältere, Kinder, Jugendliche, Kindergärten und Schulen. Im Internet kann man sich das gesamte Programm für diese Woche herunterladen.

⇒ Wieso aber eine Woche lang?

Es fiel so einfacher, die verschiedenen Projekte zu koordinieren. Die Entscheidung wurde von der Beauftragten für Freiwilligenarbeit getroffen.

⇒ Was ist so besonders an dieser Aktion? Welche besonderen Projekte hat es gegeben?

Beispielsweise den Wohltätigkeitsmarathon, der am  letzten Tag, dem 27.03, für die Kinder des SHALVA-Verbandes für behinderte Kinder und Jugendliche organisiert wurde. Oder es gab auch die Krankenbesuche seitens Mitarbeitern der Bezirksverwaltung, welche gemeinsam mit der „Volume“-Soundfirma für die bettlägerigen Kinder in verschiedenen Krankenstationen gesungen haben. Es wurde in Gärten und öffentlichen Parks gearbeitet, Parkbänke wurden gefärbt…. All das waren spezielle Aufgaben, und nicht Teil der regulären Freiwilligenarbeit, die es gibt. Einige der Teilnehmer haben sich auch an Projekten außerhalb Gush Etzions beteiligt, so im Erlebnispark „Mini Israel“.

In diesem Jahr haben wir etwas Neues eingeführt, nämlich den Einbezug von Menschen im Alter von 50+ und Rentnern in die Aktivitäten gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen. Diese Menschen haben generell Zeit, und viel Lebenserfahrung, die sie an die Jungen weitergeben können. Sie wurden in verschiedene Erziehungsprojekte einbezogen, haben kleine Kurse und künstlerische Aktivitäten mit den Kindern durchgeführt und gemeinsam gelernt. Das ist wirklich etwas Neues, das wir vorher nicht hatten.

⇒ Wer entscheidet, welche Aufgaben man in dieser Woche erfüllen wird?

Die Jugendleiter, Gemeindeverwaltung, es gibt nichts Verpflichtendes, wir sind für alle Ideen offen. Hauptsache, dass es an diesem Tag oder in dieser speziellen Woche ausführbar ist.

⇒ Gab es auch Projekte, die beispielsweise den Ausbau von Siedlungen betrafen?  

Es wurden Parks oder Gärten oder generell das Aussehen von Vierteln verbessert, aber keine Vorposten gebaut, wenn Sie das meinen.

⇒ Gab es einen Einbezug der arabischen Bevölkerung in dieses Projekt?

Nein, was dieses Projekt angeht, so gab es da keinen Einbezug, von anderen Interaktionen müsste man getrennt sprechen.

⇒ Sind auch Gruppen von anderswo zur Freiwilligenarbeit nach Gush Etzion gekommen?

Nein, aber wir haben es auch nicht erwartet.

⇒ Gibt es im Rest des Landes Rückmeldungen zu eurem Aktivismus?

Auf Landesebene gibt es kein Feedback oder besondere Aufmerksamkeit dafür, aber auf lokaler Ebene schon, so auf der Webseite unserer Verwaltung oder in den sozialen Netzwerken, da werden Bilder geteilt, Jugendliche berichten von Erlebnissen usw. Es gab viel Begeisterung und Freude darüber.

Manchmal tut es gut…

…einfach mal daheim zu sein.

Die Ziegenherde auf dem Weg zur Arbeit
Die Ziegenherde auf dem Weg zur Arbeit

Das Leben am Rande eines kleinen Dorfes, wo jeder jeden kennt, wo jeder miteinander spricht, wo sich nach Sonnenuntergang kaum einer auf der Straße zeigt, wo man im Schlafanzug und Pantoffeln bei den Nachbarn einen Besuch abstatten oder einfach ein Buch auf der Anhöhe lesen kann, wo man am Morgen mit einem Schrei eines Esels geweckt wird und auf dem Arbeitsweg über eine Ziegenherde stolpert – an so einem Ort hat das Leben einfach eine andere Qualität. Einen ganz persönlichen Rhytmus. Aus diesem kommt man raus, wenn man schon etwas mehr als einen Tag in einer niemals ruhenden, brodelnden Metropole wie Tel Aviv verbringt.

Und kommt man dann nach einer Tel Aviv-„Tauchfahrt“ zurück in die gemächtigen Berge Judäas, so ist man nicht nur eine ganze Berg- und Talfahrt von der westlichen Landesgrenze entfernt, sondern auch in einer ganz anderen Welt angekommen. Dort leben genau dieselben Staatsbürger unter demselben Recht und sprechen dieselbe Sprache und haben dieselben Wurzeln. Aber einander wirklich kennen – das können nur wenige von sich  behaupten. Und verstehen? Bis dahin ist es leider noch sehr weit. Insbesondere die diesjährigen Wahlen haben mir gezeigt, wie sehr sich die israelische Gesellschaft gern in „Lager“ spaltet, dann hinter dem eigenhändig  aus Prinzipien und medialer Meinungsmache errichteten Zaun dieses „Lagers“ hockt und auf die Nachbarn mit faulen Tomaten wirft.

Und ganz abgesehen von der politischen Identität der Bevölkerungsschichten Tel Avivs und Judäas – der Lebensstil, das Lebenstempo, selbst die Ausdrucksweise, die Angewohnheiten  – sie sind, ja, anders, und gegenseitig eher ausschließend als integrierend, in einem gewissen Sinne. Und weil ich mich persönlich mit einer Seite stark identifiziere, so fällt mir die reibungslose Integrierung in die Tel Aviv’sche Umgebung schwer. Die Umstellung auf Großstadt und zurück ist ein Erlebnis für sich.

Und aus Tel Aviv  in Alon Shvut angekommen, gewöhne ich mich langsam wieder an den Anblick der Karavans, an den freien Himmel, an die Stille und an den Schlafanzug-Spaziergang zum Nachbarn.

 

NEWS: Polizei verhaftet Minderjährige – Reaktionen

Am Morgen des 09.03.15 (Montag) berichtete das zentrale Radio ‚Kol Israel‘ von 4 Jugendlichen aus der jüdischen Siedlung Bat Ayin im Gush Etzion (Judäa), welche sich freiwillig der Polizei stellten, nachdem sie zuvor (ohne genaue Datumsangabe, wahrscheinlich den Tag davor) die Sicherheitskräfte in Bat Ayin attackiert und mit Steinen beworfen haben. Sie und  weitere Minderjährige, die am Tag zuvor (08.03) von den Polizeikräften festgenommen worden sind, stünden unter Verdacht, gegen Palästinenser in der Umgebung agiert zu haben.

Parallel dazu wurde im selben Bericht gemeldet, dass in der Nähe des jüdischen Vorpostens Givat Ronen in Samaria 50 Olivenbäume angezündet worden sind, nachdem es eine Auseinandersetzung zwischen den Bewohnern von Givat Ronen und den Arabern gegeben hat, als diese nac Absprache mit der bürgerlichen Verwaltung in Judäa und Samaria ihre Felder aufgesucht haben, um diese zu pflügen. Die Polizei ermttelt wegen nationalistischer Motive und nach einem Anhaltspunkt auf eine sogenannte „Price Tag“-Rachattacke.

Leider fand sich keine weitere zentrale Quelle außer ‚Kol Israel‘ für die Nachricht.

Die News von der Verhaftung Minderjähriger wurden im Email-Verteiler des benachbarten Alon Shvut diskutiert. Die Jugendlichen, so ergab sich aus der Mail, gehörten zur Jeshiva „Orot Etzion“, einer bekannten Schule für Jungen. Ein Mann wandte sich in einer Email mit dem Betreff „Erschütternd – gewaltsame Festnahme von Minderjährigen vor den Augen der Schulkinder von Bat Ayin“ an die Einwohner und berichtete von seinem Sohn, der an diesem Tag Zeuge der Verhaftungen von einer Gruppe Minderjähriger geworden war und am Abend von dem Ereignis, das ihn mitgenommen hatte, dem Vater erzählt habe.

„Diese (die Minderjährigen) können wohl noch nicht zwischen rechts und links unterscheiden. Inwiefern heiligt der Zweck, den „jüdischen Terror“ zu stoppen, alle Mittel im Staat Israel, während der arabische Terror wild um sich greift ohne etwas, das vor ihm retten könnte? Haben wir nicht die Pflicht zum Protest in solchen Fällen? Soll ein jeder, der Kinder in den Schuleinrichtungen in der Gegend hat, wissen, was heute passiert ist.“

Daraufhin antworteten ihm einige andere Bewohner. Einer schrieb, „welche Gewalttaten wurden denn angetan? Wenn jemand verhaftet werden musste, dann freue ich mich, dass er verhaftet worden ist, und besser früher als später“ und fügte hinzu, „haben wir nicht genug von populistischen und einseitigen Geschichtendarstellungen gehabt, die man, ohne die Details des Geschehenenzu prüfen, einfach in den Verteiler postet, um sich abzureagieren?“

Eine Frau schrieb, „ich bin nicht für Gewalt, aber vielleicht haben sie ein Verbrechen begangen, ich kenne solche Fälle…?“, und eine weitere reagierte entschieden: „Es gibt keine Rechtfertigung für Gewaltanwendung seitens Rechtsorganen, auch wenn Straftaten begangen worden sind. Die Polizei soll der Zivilbevölkerung das Gefühl von Sicherheit vermitteln. Polizeigewalt gegenüber Festgenommenen führt zu einem Gefühl der Angst bei der Zivilbevölkerung vor den Rechtsorganen.“

Die Diskussion ging im nächsten Verteiler weiter, zwischen denselben Protagonisten, wobei sich der Urheber der ersten Mail missverstanden fühlte, und ganze vier Gründe für sein Schreiben darlegte. Unter anderem bestritt er den ihm angehängten „Populismus“ und bestand darauf, dass ein solches Ereignis negativ auf die Seelen der Kinder einwirken und unvorhersehbare Folgen haben könnte, die sich jemand ohne Kinder im betreffenden Alter, und man solle dagegen wirken.

Der „Populismus“-Ankläger machte sich die Mühe, darauf zu antworten, und kritisierte vor allem die reißerische Überschrift.

Die Frau, welche die sozialpsychologische Sicht auf die Dinge vertrat, forderte hingegen, dass seitens der Zivilbevölkerung es einen Protest gegen Staatsgewalt geben sollte, und das „gleichgültig, ob in Bat Ayin oder in Tel Aviv“.

Es bleibt abzuwarten, was die nächsten Email-Verteiler uns zu erzählen haben. In den Nachrichten währenddessen gab es keinen besonderen Vermerk…

Neue Woche, neues Glück

Neue Woche, neuer sonniger Tag in Judäa. Die Katze genießt die Sonnenstrahlen – Vitamin D und frische Luft hat ihr wohl im kleinen Karavan sehr gefehlt. Sie nutzt jede Gelegenheit, um aus dem Zimmer auf die Straße zu flüchten. Einmal dran gewöhnt, rauszugehen, lässt sie es sich nicht nehmen.

Ich breche auf nach Jerusalem – heute wird Möbel geliefert, ein wahrer Feiertag.
Nach Jerusalem fahre ich natürlich per Anhalter, schnell, praktisch, kostenlos.
Aber es gibt fast immer eine ‚Warteschlange‘. Leute, die dasselbe vorhaben und schon früher dagewesen sind, und du weißt nicht, wohin sie genau wollen (aber höchstwahrscheinlich nach Jerusalem).
Und die anderen, die vor dir mit den Armen wedeln und eifrig nach links oder rechts zeigen, weil sie ins benachbarte Efrat o.ä. wollen, sodass der Autofahrer mich dahinter gar nicht sieht und dann einfach an mit vorbeifahren kann. Das nervt….
Und die sich immer wiederholende Unsicherheit, wenn ein Autofahrer anhält und mitnehmen will, und sich auch noch beeilt, und du stehst ratlos und weißt nicht, wer denn hier als Erster war und wem die Reise vor dir gebührt. Und zu allem Verdruss bist du auch noch in Eile.
Klar, jeder weiß im Aus- und Inland, dass Israelis Meister im Vordrängeln sind. Aber sich beim Trampen vorzudrängeln gilt als ausgesprochen frech. Und der Autofahrer eilt uns, „yalla, ich muss fahren“, und wenn man Glück hat, gibt es einige freie Plätze und nicht alle müssen zum selben Ort.

Im Auto kriege ich dann meine Portion Nachrichten der Radiostation „Kol Israel/Stimme Israels“ mit ihren Radiosprechern mit dem offiziell-altertümlichen hebräischen Akzent, und ein paar Lieder der Station „Reshet Gimel“, oder irgendeine CD mit einem romantisch klingenden jungen Mann aus der religiösen Musikszene, der zur Gitarre oder Klavier und neuem Arrangement Texte aus den heiligen Schriften singt. Kurzum, kleine Kulturreise bis zum Reiseziel.

Und das Beste ist immernoch die Sonne……!

Schneesturm – 100 Meter ums Haus

"Ja können denn des Südens Kinder
Dort, wo der Rosen froher Schein
Selbst im Dezember noch hervortritt
Wo es kein Wort für Sturm zu geben scheint
Ja, können sie auch nur in etwa
Für einen kurzen Augenblick
Auch nur erraten, wie die Sehnsucht
Nach Frühling schier das Herz zerdrückt?
Von sturem Eis und eisig' Trotz umgeben
Vor Schneegestürm ganz steif und blind
Sah'n wir, das, was schon kaum zu sehen - 
Den fernen, grünen Frühlingsblick."
(Nach einem Lied von Ilya Erenburg, übersetzt aus dem Russischen: Chaya Tal)

Drei Uhr morgens. Ich sitze unter meiner warmen Decke, daneben die Katze zusammengerollt. Draußen, so den Geräuschen nach zu urteilen, spielt sich das Szenario von „leise rieselt der Schnee“ ab. Der kräftige Sturm von heute abend ist nicht abgeflaut, und die Wege und Vorgärten der Wohncontainer wurden, dem letzten Stand nach, von einer kleinen, aber feinen Schneeschicht bedeckt. Der Schnee häufte sich immer weiter auf, bis der Nachbar schließlich beschloss, von seinem kleinen Plastiklagerhaus das Dach von der Schneeschicht freizuräumen.

Das war heute Abend. Und wie ist die Lage jetzt?

Ich klettere aus dem Bett, schließe die Tür auf und will sie vorschieben – sie gibt nicht nach. Kann es denn sein? So viel Schnee? Ich blicke verblüfft auf die Außentreppe zu meiner Eingangstür. Tatsächlich. Der Schnee, trotz seinen vielleicht 30 cm, versperrt mir die Tür! Mit einem Drücken schiebe ich die Schneemasse zur Seite. Der Gehweg ist nicht mehr zu erkennen, und ein riesiges Schneekissen häuft sich auf meinem Gartenstuhl. Hier ist sie, die versprochene „weiße Welt“ der Wetterprognosen für Ende Februar. Morgen soll die Pracht schmelzen, wer wird sie dann noch zu sehen bekommen?

Auf dem kleinen Lagerhaus ist eine beachtliche Schneeschicht. Auch mein Dach wird diesem wohl in nichts nachstehen. Freiräumen ist angesagt – schon vergessen, wir leben in Leichtbauten aus Paniermehl- und Gipsplatten! Wenn mir das Dach durchbricht, was mache ich dann mit meinem schönen Heim?

Mit Besen bewaffnet und mit Jacke, Mütze, Handschuhen, Schal und gigantischen Gummistiefeln ausgerüstet, trete ich den Sprung in den Schnee an. Weiße Wildnis, erhellt von den Signallampen an den Karavans, empfängt mich. Der Wind hat nicht aufgehört. Kalter, harter Schnee trifft mich ins Gesicht, wie tausend Nadelspitzen fühlt er sich auf meiner Haut an. Die Luft ist erfüllt vom Brausen des Windes. Ich mache erst den Hauseingang frei; meine Treppe wird zu einer Schneerutsche. Dann klettere ich 20150220_04140620150220_041607auf einen Stuhl, um besser das Dach des Nachbarlagerhauses abräumen zu können. Auch wenn der Nachbar, um diese Zeit hoffentlich genüsslich schlafend, gar nichts von meiner Aktion ahnt. Bis zum eigentlichen Containerdach komme ich leider nicht hoch. Mir bleibt nichts weiter übrig, als auf amerikanische Bauqualität zu vertrauen.

Aber ich bin noch nicht fertig. Der Schnee reicht mir bis zur Schienbeinmitte, die Stiefel versinken im unberührten, weichen Schnee (klar, unberührt, um diese Uhrzeit!). Der Wind schlägt den Schnee unbarmherzig ins Gesicht, aber wofür sind Brille und Schal da? Notdürftig das Gesicht verdeckt, mache ich mich auf zum Hauptweg, bei der Synagoge. Ich will den Schnee nicht verpassen. Nur 100 Meter um 20150220_041754das Haus herumgehen, viel wird es ja nicht sein…

Den Besenstock fest umschlungen, stampfe ich den Weg hoch. Unter mir eine feste Schneeschicht. Die Brille wird unaufhörlich beschlagen, ich sehe kaum noch etwas. Der Wind wird stärker. Sich umdrehen ist kaum noch möglich, so hart fliegt der nasse Schnee gegen das Gesicht. Auf dem Hauptweg sind Fahrspuren, aber wohl schon vor längerer Zeit.

Der Wind pfeift wild um mich herum.

Ein Blitz. Noch einer, der die Umgebung, im starken Nebel versunken, nur dürftig erhellt.

20150220_041850Ein Donnern. Ich halte krampfhaft den Besenstiel umklammert und drücke mich nun gegen den Wind voran, sehe die Welt um mich herum nun gar nicht mehr, nehme die Brille ab – so ist alles verschwommen, aber zumindest erkennbar. Der Kreisverkehr existiert nicht mehr – alles zugeweht. Irgendwo weiter vor mir soll die Weinplantage sein, irgendwo links von mir die Anhöhe – aber zu erkennen ist nichts, außer der Straßenlaternen. Die Strecke zurück zum Haus – die schwierigste im Moment, denn der Schnee peitscht genau ins Gesicht. Wo war die Einfahrt? Ich finde zum Pfad zurück. Alle Vorgärten sind zugeschneit. Alles schläft. Wo sind die Katzen bei solch einem Wetter, wo verstecken sie sich, wie viele werden den Sturm, mag er auch kurz sein, nicht überleben?…

Ein Wahnsinn, wie binnen eniger Stunden eine Landschaft und ihr Klima sich verändern können. Israel – das Land extremer Gegensätze. Nein, weder die Temperatur noch der Schneefall können mit einem Schneesturm in Russland verglichen. Aber dennoch  – Schnee ist Schnee und Sturm ist Sturm. Ich fühle in mir einen großen Respekt der Natur gegenüber aufsteigen, die uns immer wieder zu überraschen schafft.

Mittlerweile komme ich an meinem Zaun vorbei  – Moment, ist er hier? Die Brille hoffnungslos beschlagen. Ja, ich bin angekommen. Die Türklinke mit Eis bedeckt. Ein von mir unvorsichtig draußen aufgehängter Rucksack ist stocksteif vor Schnee und Eis geworden. Ich stampfe durch die Tür, die letzten Windböhen – ich bin daheim. Meine Katze flüchtet vor meiner tropfenden, weißen, dampfenden Gestalt. Ich bin zufrieden – ich habe gestern früh noch so sehr über den Scheinschnee lachen können, aber das Wetter hat mich eines Besseren belehrt, und ich bin froh darüber. Ja, wir haben Winter in Israel.

Und mir auf der Zunge liegt ein Lied aus einer fernen Welt, und einer Zeit, die nicht viel mit der Welt hier und jetzt zu tun hat, außer meiner Gedanken und Erinnerungen.

Der Schnee fällt, es donnert aus der Ferne und ich höre mich in die Klänge der Kindheit hinein:

Mal wieder ein Sturm

Schon zum zweiten Mal in diesem Winter bereitet sich Israel und vor allem die Bergregion auf einen Sturm mit Schneefall vor.

Wie immer werden schon Wochen davor die Screenshots von den Wettermeldungen über alle WhatsApp-Gruppen verschickt, der nahende Sturm wird in allen Nachrichtenmeldungen diskutiert, und Pläne werden ausgearbeitet, wann welche Kindergärten und Institutionen schließen und Strassen gesperrt werden müssen – denn es geht ja nicht an, dass es Unterricht gibt, wenn draußen gar 20cm Schnee liegt!…
Und so ist Winter eine wunderbare Schulfrei-Zeit für Kinder und Studenten, viel Stress für Eltern, die sich um die daheimgebliebenen Kinder kümmern müssen, es bedeutet unklare Arbeitsverhältnisse für diejenigen, deren Arbeit nicht abgesagt worden ist.
Und vor all bedeutet das – komplette Blockadezustände.
Wie vor anderthalb Monaten, so auch jetzt steht die Entscheidung der Regionalverwaltungen fest: Es gibt keine Ein- und Ausfahrt nach Jerusalem, noch vor eigentlichem Schneefall. Dasselbe gilt natürlich auch für unser bergiges Judäa.

So wurde heute morgen an die Anwohner von Gusch Etzion eine SMS mit dem folgenden Inhalt versendet:
„Mit Beginn des Schneefalls werden die Strassen in Gusch Etzion gesperrt werden, und das voraussichtlich für längere Zeit. Stellt euch darauf entsprechend ein.“
Der Absender war das Team für innere Belangen und Notfälle von Alon Shevut.

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Foto: Michal Eyali

Auf der zentralen Kreuzung  bei uns stehen Schneeräum-Traktoren, wie sie schon beim letzten Schneefall gestanden haben – eindrucksvolle, massive Geräte – und das für maximal 40cm Schnee , welcher eh keine Zeit haben wird, länger zu bleiben, weil es morgen nachmittag wieder wärmer werden sollte…

Für mich ist diese Schneepanik seit jeher ein Rätsel gewesen. Nun weiß ich, dass Israelis trotz wiederkehrender Schneefälle und Stürme es noch immer für unwert halten, Winterreifen ins Land zu importieren. Und mit Sommerreifen ist es natürlich gefährlich auf den Straßen. Aber was ist mit Schneeräum-Taktiken? Mit Streumaterial? Sag bloß, es gibt nicht genug Sand zum Streuen in unserer Region? Und wie wäre es, wenn wenigstens die öffentlichen Verkehrsmittel nicht lahmgelegt werden würden? Irgendwie scheinen die Bahnen in Russland ja auch trot Schnee auf ihren Schienen zu fahren, und auch ohne Winterreifen…Oder inwiefern irre ich mich hier?

Was lokale Kindergärten angeht, ist meines Erachtens auch äußerst unverantwortlich. Denn statt das Kind zum Kindergarten zu fahren, könnte man es ja ein paar Straßen weiter -bringen-, und die Kindergärtnerinnen hätten weiter Arbeit und die Kinder Beschäftigung und die Eltern Zeit und Freiraum…

Aber weil alles miteinander zusammenhängt, und jeden Winter dieselben Fragen aufkommen, die nach Schneefall wieder vergessen werden, so sitze ich gerade fröhlich vom Unterricht befreit daheim, die Fensterscheiben wackeln vom Wind und Regen und ich warte wie die gesamte Nation, von wohliger Wärme meiner portablen Heizung umgeben, auf den zweiten Schnee in diesem Jahr….

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Der Schnee soll kommen. Bisher nur ein Wunschdenken.