Mal wieder ein Sturm

Schon zum zweiten Mal in diesem Winter bereitet sich Israel und vor allem die Bergregion auf einen Sturm mit Schneefall vor.

Wie immer werden schon Wochen davor die Screenshots von den Wettermeldungen über alle WhatsApp-Gruppen verschickt, der nahende Sturm wird in allen Nachrichtenmeldungen diskutiert, und Pläne werden ausgearbeitet, wann welche Kindergärten und Institutionen schließen und Strassen gesperrt werden müssen – denn es geht ja nicht an, dass es Unterricht gibt, wenn draußen gar 20cm Schnee liegt!…
Und so ist Winter eine wunderbare Schulfrei-Zeit für Kinder und Studenten, viel Stress für Eltern, die sich um die daheimgebliebenen Kinder kümmern müssen, es bedeutet unklare Arbeitsverhältnisse für diejenigen, deren Arbeit nicht abgesagt worden ist.
Und vor all bedeutet das – komplette Blockadezustände.
Wie vor anderthalb Monaten, so auch jetzt steht die Entscheidung der Regionalverwaltungen fest: Es gibt keine Ein- und Ausfahrt nach Jerusalem, noch vor eigentlichem Schneefall. Dasselbe gilt natürlich auch für unser bergiges Judäa.

So wurde heute morgen an die Anwohner von Gusch Etzion eine SMS mit dem folgenden Inhalt versendet:
„Mit Beginn des Schneefalls werden die Strassen in Gusch Etzion gesperrt werden, und das voraussichtlich für längere Zeit. Stellt euch darauf entsprechend ein.“
Der Absender war das Team für innere Belangen und Notfälle von Alon Shevut.

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Foto: Michal Eyali

Auf der zentralen Kreuzung  bei uns stehen Schneeräum-Traktoren, wie sie schon beim letzten Schneefall gestanden haben – eindrucksvolle, massive Geräte – und das für maximal 40cm Schnee , welcher eh keine Zeit haben wird, länger zu bleiben, weil es morgen nachmittag wieder wärmer werden sollte…

Für mich ist diese Schneepanik seit jeher ein Rätsel gewesen. Nun weiß ich, dass Israelis trotz wiederkehrender Schneefälle und Stürme es noch immer für unwert halten, Winterreifen ins Land zu importieren. Und mit Sommerreifen ist es natürlich gefährlich auf den Straßen. Aber was ist mit Schneeräum-Taktiken? Mit Streumaterial? Sag bloß, es gibt nicht genug Sand zum Streuen in unserer Region? Und wie wäre es, wenn wenigstens die öffentlichen Verkehrsmittel nicht lahmgelegt werden würden? Irgendwie scheinen die Bahnen in Russland ja auch trot Schnee auf ihren Schienen zu fahren, und auch ohne Winterreifen…Oder inwiefern irre ich mich hier?

Was lokale Kindergärten angeht, ist meines Erachtens auch äußerst unverantwortlich. Denn statt das Kind zum Kindergarten zu fahren, könnte man es ja ein paar Straßen weiter -bringen-, und die Kindergärtnerinnen hätten weiter Arbeit und die Kinder Beschäftigung und die Eltern Zeit und Freiraum…

Aber weil alles miteinander zusammenhängt, und jeden Winter dieselben Fragen aufkommen, die nach Schneefall wieder vergessen werden, so sitze ich gerade fröhlich vom Unterricht befreit daheim, die Fensterscheiben wackeln vom Wind und Regen und ich warte wie die gesamte Nation, von wohliger Wärme meiner portablen Heizung umgeben, auf den zweiten Schnee in diesem Jahr….

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Der Schnee soll kommen. Bisher nur ein Wunschdenken.

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3 Kommentare zu „Mal wieder ein Sturm“

  1. Da ist was verloren gegangen…: auch in Europa werden die Autofahrer regelmäßig vom ersten Schnee „überrascht“. Klar – wer kann das schon vorhersehen

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  2. Grüß Dich Chaya,

    ja – das erinnert mich an den Golan: jeden Winter, wenn es kalt wurde und der erste Schnee kam, wurde gejammert, was alles fehlt und nicht richtig ist, und dass das als allererstes erledigt wird, wenn das Wetter ein bisschen besser wird… dann wurde es besser, das Leben leichter… und aller Kummer vergessen. Bis es dann im nächsten Winter kalt wurde und der erste Schnee kam…Klar – wer kann das schon vorhersehen….

    Du siehst: kein rein israelisches Phänomen…

    Nikolaus

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