Wenn Bilder sprechen könnten

20140731_135735Die Quelle dieses Bildes ist mir unbekannt, dennoch kann ich sofort erkennen, was hier dargestellt wird: Ein junges Paar, das Mädchen offenbar aus dem nationalreligiösen Milieu, die vor der Sicht auf eine arabische Großstadt stehen, irgendwo in den Bergen von Judäa oder Samaria.

Was für Gedanken fallen euch zu diesem BIld ein? Teilt sie mir mit, in der Kommentarspalte. 

 

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Anhalterfahren mit Avi

Wie ihr sicherlich schon wisst, fahren wir ‚Siedler‘ per Anhalter und wer ein Auto hat, bietet anderen Wartenden eine Autofahrt an.

Am Morgen des 23.Novembers fuhr ich in die Universitaet, die ca. 80 km von mir entfernt liegt, mit einem Mann namens Avi, mittleren Alters, aus der Siedlung Ateret in Suedsamaria (ueber diese Gegend habe ich hier berichtet). Sein Auto, ein alter Citroen, der wohl schon vieles im Leben gesehen hatte, war mit allerlei Werkzeugen und Kartons gefuellt. Er schlug mir vor, mich zur Ausfahrt aus Jerusalem zu bringen, um von dort einen Bus zu nehmen, bot mir ausserdem Kuchen an und da ich mich als eine eine Einwohnerin von Gush Etzion outete, begann er mich zum Terroranschlag aus der Kreuzung auszufragen, der sich einen Tag zuvor, am 22.11.15 ereignet hatte: „Wo ist die Suesse denn ermordet worden?“ (Das Maedchen, Hadar Buchris, kam aus der Stadt Zfat, war 21 und war auf der Suche nach einer WG in der Siedlung Bat Ayin).
Wir sprachen ueber Gush Etzion. Es hatte heute einen grossen Stau an der Kreuzung gegeben, denn neue Kontrollmethoden waren eingefuehrt und alte verstaerkt worden  – das alles nach dem Terroranstieg. „Es ist eine sehr gefaehrliche Gegend hier, die meisten Angreifer, soll deren Name ausgeloescht sein, kamen von hier“, sagte Avi. „Aber man sagt doch immer, Samaria waere eine viel gefaehrlichere Gegend!“, entgegnete ich. Tatsaechlich, wenn man Einwohner in Judaea fragt, was sie denn vom Leben in Samaria halte, wuerden die meisten sagen, dort sei das Leben viel risikoreicher.  Avi aber lachte bitter auf: „Wie es so schoen heisst, ‚jedem seine Araber‘. Diese sind bescheuert und jene sind noch bescheuerter.“

Avi fragte mich, was ich studierte. Ich erzaehlte ihm von meinem Studium der Nahostwissenschaften: „Ich studiere auch Arabisch.“ „Ich kann Arabisch, ich bin immer von der Sprache umgeben gewesen“, erzaehlte mir Avi. „Ich bin auch Jemenite [sprich, Jude jemenitischer Herkunft] und hatte immer mit der Sprache und den Leuten zu tun. Ich war in der Armee bei der Fallschirmspringereinheit, da musste man Festnahmen in Libanon durchfuehren, da hat mich mein Kommandeur immer hingeschickt, um sich mit den Leuten zu verstaendigen.“

Autobahn 443 Richtung Landeszentrum. Quelle: mcity.co.il / Menachem Bentov
Autobahn 443 Richtung Landeszentrum. Quelle: mcity.co.il / Menachem Bentov

Avi, so stellte sich heraus, dient noch immer im Reservedienst und ist auch im Notrufkommando seiner Siedlung taetig, in der er schon 22 Jahre wohnt (euch interessiert, was es mit dem Notrufkommando auf sich hat? Hier gibt’s mehr). Von Beruf ist Avi Vertriebsagent einer Verpackungsfirma. Auch waehrend er sich er mit mir unterhielt, antwortete er auf Arbeitsanrufe.
‚Der Wehrdienst macht mir Spass“, sagte er, „was soll man machen, Gott wird uns helfen“. Neben dem Beifahrersitz hatte er ein grosses Gewehr liegen, das jeder, der in einem Notrufkommando dient ist, bei sich tragen muss.
Er fragte mich ueber das Studium aus und ueber Arabisch im Besonderen. „Ich mag die arabische Sprache“, sagte er. „Die geschriebene ist aber schoener als die gesprochene“, erwiderte ich. „Kannst du es schon ein bisschen sprechen?“ Ich verneinte lachend, soweit war ich noch nicht.

Ateret, Modiin, und auch Jerusalem und Ramallah - alles auf einer Karte
Ateret, Modiin, und auch Jerusalem und Ramallah – alles auf einer Karte

Avi fuhr schnell.  Die Atmosphaere im Auto war angenehm, Avi plauderte gern und war ein netter Mensch. Den Kuchen, den er mir angeboten hatte, hatte ich schon aufgegessen.
Wir fuhren weiter als Jerusalem, ueber den Streckenabschnitt 443 durch Suedsamaria/Binyamin nach Modiin, einer Stadt westlich von Jerusalem, dort wuerde ich einen schnelleren Bus nehmen. „Kommt dir gelegen, dass ich dir angehalten habe“, schmunzelte Avi. Bei der rasanten Abfahrt auf der Autobahn 443 Richtung Tal belegte es mir die Ohren. Die Berge von Binyamin sind hoch, wir stiegen von 800m auf 200m herab.

Bevor Avi mich absetzte, fuhren wir noch zur Tankstelle. Avi war gut gelaunt und locker und freute sich, mir geholfen zu haben. Auf ein solches Gemuet treffe ich haeufig bei Leuten aus den Siedlungen.

Beim Abschied wuenschte mir Avi, ich solle viel Arabisch ueben.

Zionistischer Siedlerkolonialismus…

Ach ja. Nicht neu, der Begriff. In allen seinen Abarten und Wandlungen. Die Überschrift hier will jedoch nicht andeuten, dass ich mich im neuesten Beitrag mit dem Begriff befassen möchte; das wäre mir, ehrlich gesagt, zu blöd.

Nein, der „zionistische Siedlerkolonialismus“ ist ein Untertitel des Buches einer gewissen Petra Wild, einer deutschen Islamwissenschaftlerin und Palästina-Aktivistin, über die ich bei einer lässigen Google-Suche schon gleich  viel erfahren konnte, und das nur auf den ersten Blick (man stelle sich den zweiten und den dritten vor…oder lieber nicht).  Das Buch heißt „Apartheid und

Petra Wild.
Petra Wild.

ethnische Säuberung in Palästina“, eine 240 Seiten langes Hetzpamphlet mit Wissenschaftsanspruch aus dem Jahr 2013. Rezensionen dazu finden sich auf Hagalil (negativ), Promedia (positiv, verfasst vom Verlag) und  in der Süddeutschen Zeitung (wen überrascht es? – Positiv).

Warum kümmert mich aber eine „Islamwissenschaftlerin und freie Autorin“ Petra Wild?

pgd-djp-palaestinasalonEigentlich nur, weil die Dame heute in Berlin um 16 Uhr in Berlin, in den Räumen der „Palästinensischen Gesellschaft in Deutschland“ (Wissmannstraße 9) ihren Vortrag mit dem Titel „Boykott versus israelische Siedlungen“ halten wird. Man darf raten, für welche Option sie sich aussprechen wird. Das Ganze im Rahmen einer wunderbaren Initative namens „Palästina Salon“. Welche Themen der „Salon“ erörtert, könnt ihr hier auf dem Flyer lesen: Eigentlich alles zwischen „LIteratur, Kunst, Kultur“, „Apartheids Mauer (sic!)“, „illegale Siedlungen“ und „historische Geschichte Palästinas“. palaestinasalon

Frau Wild wurde übrigens im Laufe ihrer Karriere auch vom berühmt-berüchtigten KenFM interviewt, und natürlich vom Professor Moshe Zuckermann, einem „Israelkritiker“ herzlich rezensiert. Ein Blick auf die Wikipedia-Darstellung von Zuckermann und dem richtigen Lesen der politisch-korrekten Codes („Israelkritiker“, „Antisemit! Ein Vorwurf als Herrschaftsinstrument“, „Was heißt Solidarität mit Israel?“ „Die Ideologie der israelischen Rechten“) reicht vollkommen.

Was will ich mit dem Beitrag bezwecken, fragt ihr euch vielleicht?
Nun, zumindest einen kurzen Blick in die Israelhass-Szene Deutschlands gewähren und auf diese Entwicklungen aufmerksam machen, die sich in letzter Zeit ziemlich gut fortzupflanzen geschafft haben (als würden sie das Demographieproblem der deutschen Gesellschaft aufholen wollen). Es gibt verstärkte Antiisrael-Aktivitäten, vor allem in der Hauptstadt, aber auch woanders. BDS und andere Arten von Boykott-Unterstützung und DIffamierung schießen aus dem Boden, sind gut miteinander vernetzt und ziehen sowohl Junge als auch Alte an.

Mein Rat – gebt einfach Acht, und fallt nicht auf reißerische Veranstaltungstitel ein. Im Endeffekt ist das immer nur derselbe griesgrämige alte Kaiser in immer wieder neuen Kleidern schlechter Qualität, aber dafür aus leuchtenden Farben.

 

Aktuelles / Protestmarsch / Friedenszusammenkunft

Shalom an alle.

In den letzten Tagen habe ich relativ geschwiegen und nichts veröffentlicht; das liegt daran, dass ich in den letzten Wochen sehr von meiner Arbeit und dem Studium beansprucht wurde (zur Erinnerung, ich arbeite als Reiseführerin in Teilzeit in der Knesset und studiere Nahostwissenschaften für das BA an der Bar-Ilan-Universität). In solchen Fällen kommt es leider vor, dass ich keine Beiträge schreiben kann.

Das Leben steht aber trotz meines überfüllten Alltags nicht still und es finden sich Aspekte, die es wert sind, erwähnt zu werden. Natürlich rede ich dabei von den aktuellen Ereignissen in Judäa und Samaria, auch wenn es in ganz Israel momentan alles andere als ruhig ist.


Zur aktuellen Sicherheitslage: Die Terrorversuche und Attentate flauen leider nicht ab. In Städten im Zentrum des Landes tauchen Terroristen auf und greifen Bürger an, und was Judäa und Samaria angeht, so sind Steinewürfe, versuchte (oder ausgeführte) Messer- und Schussattacken auf Kontrollposten seitens palästinensischer Araber insofern Teil der Routine, als dass selbst ich mittlerweile müde werde, sie zu erwähnen. Unsere Kreuzung, in Gush Etzion, ähnelt schon einige Monate einem Sicherheitstrakt, und wenn ich morgens durch die Felder von meiner Karavanensiedlung aus hinunter zur Hauptstraße komme, laufen mir immer wieder Soldaten entgegen und wollen wissen, wer ich sei. Sie wechseln sich ständig ab und haben sich noch immer nicht an mich gewöhnt. Einmal pro Woche hören wir in den lokalen Nachrichten von einem versuchten Attentat entweder bei uns, oder auf einer anderen Kreuzung. Die Soldaten vor Ort sind sehr angespannt, das merkt man ihnen an. Denn die Einwohner lassen sich von den Terroristen nicht daran hindern, weiterhin an den Bushaltestellen zu warten und zu fahren.

Am 14. 03 ereigneten sich eine Schuss- und Autoattacke auf der Bushaltestelle bei der Einfahrt in die Stadt Kiryat Arba-Hevron (Judäa), bei der zwei Terroristen die sich dort aufhaltenden Wartenden und Soldaten angriffen. Drei Soldaten, darunter ein Offizier, wurden verletzt und evakuiert, die Attentäter wurden getötet. Am 17.03 (heute) wurde eine Soldatin an der Ariel-Kreuzung (Samaria) von zwei Arabern angefallen, die auf sie einstachen. Die Täter wurden getötet, die Soldatin medizinisch versorgt und evakuiert. (Quelle: IDF)


Die israelische Instant-Nachrichtenseite 0404 berichtet, dass Donnerstag früh drei arabische Lastwagen mit Baumaterial von der israelischen Zivilverwaltung (für die zivilen Angelegenheiten der jüdischen und arabischen Bewohner Judäas und Samarias sowie für Landangelegenheiten verantwortlich; ein Organ der israelischen Militärverwaltung) konfisziert worden sind. Ihre Besitzer hatten sich unrechtmäßig aufgemacht, ein Landgebiet um die Siedlung Karmey Tzur (Judäa) herum zu bebauen. Das betroffene Gebiet besitzt Untersuchungsstatus (was bedeutet, dass sein Besitzer juristisch gesehen noch nicht ermittelt worden ist) und darf offiziell nicht von israelischen oder palästinensischen Einwohnern bebaut werden.  Die spontane und illegale Landaneignung seitens palästinensischer Araber im C-Gebiet findet regelmäßig statt; bei manchen der Fälle hat in der Vergangenheit auch die EU ihre Unterstützung geliefert. Die israelische NGO „Regavim“  befasst sich mit illegalem arabischen Bau in C-Gebieten ebenso wie im Süden und Norden Israels.


 

Protestmarsch-Flyer
Protestmarsch-Flyer

Am 15.03., Dienstag, fand ein Protestmarsch bei uns in Judäa statt  – besser gesagt, auf der Autobahn 60 zwischen der Siedlung Karmey Tzur und dem zentralen Knotenpunkt – der Gush-Kreuzung. Der Autruf wurde von den Vorsitzenden der Regionalverwaltungen getätigt – von Gush Etzion, der Stadt Kirzat Arba, Südhevron, Binyamin-Samaria, und richtete sich an die Einwohner mit dem Aufruf, gegen die freie Fahrt palästinensischer Fahrzeug durch den Hauptknotenpunkt Gush Etzion zu demonstrieren. Unter dem Motto „Hauptstraßen versperren – Abschreckung wiederherstellen“ gingen mehrere Dutzend Menschen (den Aufnahmen zufolge,

Foto: Natan Epstein
Foto: Natan Epstein

müssten es knapp Hundert gewesen sein) mit Israelflaggen und in Begleitung der Armee auf die Straße, sperrten für 2 Stunden den lokalen Verkehr ab und demonstrierten für sichere Straßen für israelische Fahrzeuge – durch das Verhindern palästinensischen Verkehrs. Der Aufruf richtete sich selbstverständlich an den Premierminister und das Regierungskabinett. Die Idee dahinter: Die unaufhörlichen Terrorakte gegen die jüdische Bevölkerung basieren auf Hetze und

Foto: Natan Epstein
Foto: Natan Epstein

werden von der unmittelbaren Umgebung der Täter befürwortet und unterstützt. Auf die Terrorakte folgt keine Reaktion der offiziellen Stellen und es gibt kein Abschreckungspotential gegenüber zukünftigen Tätern und ihren Unterstützern. Die Beeinträchtigung der Lebensqualität dieser „unterstützenden“ Umgebung würde zu einem Abschwellen des Terrors führen.

Ich weiß nicht, inwiefern dieser Marsch tatsächlich etwas erreichen wird oder gar einen Sinn hat in seinen Absichten. Aber ich respektiere das Recht auf freie Meinung und Ausdruck. Es ist wichtig, dass Menschen nicht gleichgültig ihrem Schicksal gegenüberstehen.

Zum Video (Englisch)


Heute (18.03.16) findet vor der Tür sozusagen, in den Feldern bei Alon Shevut, eine „Friedenszusammenkunft“ der besonderen Art statt.

Frieden? Hier? Judäa? Westjordanland? Was? – höre ich die Stimmen.

"Wir machen Frieden im Land" Eventflyer
„Wir machen Frieden im Land“ Eventflyer

Allerdings. Gerade bei uns, gerade in Judäa. Es geht um eine Initiative, die vor etwas anderthalb Jahren gestartet wurde, und die der Idee des im Jahre 2013 verstorbenen Rabbiners Menachem Fruman aus Teko’a nachhängt. Wer den Namen schon einmal gehört hat – gut so, so wird sich einiges aufklären. Wer nicht – Menachem Fruman, über den und seine Familie ich im Laufe der Zeit berichten  möchte – war der „Wunderrabbi“ der gemischten Siedlung Teko’a in Ost-Judäa und ein national und international bekannter Friedensaktivist. Als Rabbiner, nationalreligiös und Siedler, nahm er sich vor, den Kontakt zwischen Juden und muslimischen Arabern ausgerechnet  in Judäa und Samaria aufzunehmen und zu fördern. Frieden, so Fruman, muss von unten wachsen, und niemand würde dafür besser geeignet sein als die beiden Bevölkerungsschichen, die sich diesem meisten verbunden fühlen würden – die arabische Dorfbevölkerung und die jüdischen Bewohner von Judäa und Samaria.

Zu diesem Zweck führte Rabbi Fruman jahrzehntelang Gespräche mit lokalen muslimischen Geistlichen, palästinensischen Politikern, einfachen Einwohnern – und natürlich den „Mitsiedlern“. Traf sich mit ihnen, organisierte gemeinsame Gebete, besprach Auswirkungen von Terroranschlägen und ihre Prävention. Er traf sich auch mit den Anführern der Palästinensischen Autonomiebehörde und den führenden Politikern der palästinensischen Widerstands- und  Terrorbewegungen! Als er 2013 an einer Krankheit verstarb, führten seine Frau Hadassah, nicht weniger bekannte Aktivistin, und seine Kinder sein Lebenswerk mit Überzeugung weiter.

Das "Roots" Logo
Das „Roots“ Logo

Die Initiative, über die ich momentan einige Worte verlieren möchte, wird sowohl vom „Fruman’schen“-Zentrum organisiert, als auch von den „Roots“ (Shorashim/Judur auf Hebräisch und Arabisch). Und „Roots“ ist eine NGO in Anlehnung an die Ideologie von Rabbiner Fruman  und ist etwa 1,5 Jahre lang aktiv. Die treibende Kraft und der „Partner zum Dialog“ dahinter ist Ali Abu Awwad, ehemaliger Fatah-Aktivist und heute in einer innerarabischen Bewegung für Gewaltlosigkeit und Kooperation tätig, die er ins Leben gerufen hat. Er, gemeinsam mit dem amerikanischstämmigen Rabbiner Hanan Schlesinger aus Alon Shevut und einigen dutzend weiteren motivierten Israelis (und darunter einigen wenigen

Von links: Ali Abu Awwad, R.Hanan Schlesinger, Shaul Judelman (weiterer Aktivist). Quelle: Friends of Roots Webseite
Von links: Ali Abu Awwad, R.Hanan Schlesinger, Shaul Judelman (weiterer Aktivist). Quelle: Friends of Roots Webseite

pal.Arabern) betreiben die Organisation als eine lokale Initiative für Kennenlernen, Verständigung und Normalisation zwischen den zwei

verfeindeten Bevölkerungsgruppen – den Arabern und den Juden Judäas und Samarias.  „Roots“ veranstaltet Gesprächsrunden, Aktivitäten für Kindern, Vorträge in Amerika und der Schweiz; Rabbi Schlesinger und Abu Awwad treffen sich mit Interessierten. Es hört sich bombastisch an – aber die Organisation ist noch immer starr, beschränkt sich momentan nur auf Gespräche und Vorträge mit einer überwiegend israelischen Teilnehmerzahl (überwiegend – das heißt, in den meisten Fällen 50 zu 1).

Was aber ist das Treffen am Freitagvormittag, dem 18.03? Die „Friedenszusammenkunft“ soll zum Gespräch und Kennenlernen animieren und genutzt werden. Über die Ideologie des lokalen Friedens wird gesprochen werden. Zu den Gästen zählen auch unter anderem linke Friedensorganisationen, welche offenbar ein Interesse an ihrem „Siedleräquivalent“ bekommen haben, wohl aber bisher einen Kontakt zu den jüdischen Siedlern verneint haben.  Es soll auch arabische Redner geben…

Das alles hat mir übrgens jemand beim neulichen Autostoppen erzählt. Wer war der/diejenige?

Die Tochter von Hadassah und Rabbi Fruman höchstpersönlich, Re’ut!

Ich traf auf sie beim Autostoppen nach Hause. Erst aus einem Telefongespräche verstand ich, dass es sich um die Tochter Rabbi Frumans handelte. Ihr Gespräch drehte sich natürlich um das Event am nächsten Tag. Ich sprach sie darauf an und wollte mehr darüber wissen, und vor allem über ihre Meinung darüber. Auch brennende Fragen hatte ich – und habe immer noch: Was erreicht die Organisation tatsächlich? Wie viele Menschen interessieren sich dafür? Wieso kommen so viele lokale jüdische Interessierte, treffen aber immer auf dieselben zwei bis drei arabische Aktivisten (und meistens nur auf Ali Abu Awwad)? Was soll die Initiative bei der arabischen Bevölkerung erreichen, erreicht sie etwas?

Re’ut hörte sich nach jemandem an, der ganz in die Idee ihres Vaters vertraut und mit ganzer Seele dabei ist, obwohl sie bekundete, ihr Vater habe ihr noch als Jugendliche die Wahl freigestellt, ob sie sein Lebenswerk unterstützen oder diesem fernbleiben wollte. Was die lokalen Veranstaltungen und Projekte ihrer Mutter Hadassah angeht, so meinte sie, dort gäbe es viel mehr Rückmeldung und auch Menschen, „Roots“ sei so etwas wie eine Tochter und auch davon bekämen Menschen zu hören. Sie war sichtlich voller Vorfreude auf das kommende Event. Auf die Frage, wieso die arabische Seite der Organisation nach außen hin kaum bis gar keine Beteiligung zeige, wusste sie mir Beispiele anzuführen und vor allem hatte sie ein Argument: Es ist gefährlich. „Viele, die uns im Herzen unterstützen, können sich das nicht erlauben, zu kommen. Diejenigen, die kommen, begeben sich in Lebensgefahr. Wenn sie kommen, sind sie sich das bewusst und nehmen es in Kauf. Andere, verstehst du, viele können dies nicht machen.“ Sie brachte mir ein Beispiel eines muslimischen Scheichs, der mit ihrem Vater einst viel Kontakt hatte und auch zu ihm kam. Dieser Scheich meinte, er würde keiner Bedrohung ausgesetzt sein – er sei eine religiöse Figur.  – Zwei Wochen danach erfuhr sie, dass derselbe Scheich sich ins Ausland abgesetzt hatte, da gegen ihn seitens der Hamas ein Todesurteil ausgesprochen wurde.

Was Ali angeht, so Re’ut, so hat er einen großen Clan hinter sich, der zu ihm steht. Andere, die keinen großen und einflussreichen Clan hinter sich haben, haben es viel schwerer. Ob ihre Mutter Hadassah Fruman auch mit der Palästinensischen Autonomiebehörde Gespräche führe? Ja, das tue sie, so Re’ut. Wieso sollten sie ein Interesse daran haben, an einer Normalisierung, an einem guten Verhältnis? Es sei immer einfach, sich dagegen zu stellen, so Re’ut, aber auch sie hätten Interesse daran, dass es eine Realität vor Ort mit Rechten und normalisierten Zuständen gäbe.

Mehr konnte ich Re’ut leider nicht fragen und auch nicht weiter nachhaken – ich musste aussteigen. Ich hoffe, sie bei der Veranstaltung noch einmal zu sehen und auch dort selbst einige Antworten zu bekommen – zumindest in der Variante der „Roots“-Aktivisten, um zu sehen, inwiefern das Ganze einen Realitätsbezug besitzt. „Friedensaktivisten“ gibt es viele, aber nur wenige von ihnen nehmen die Wirklichkeit um sie herum in der richtigen Proportion in Kauf….

Grüne Mandeln

Heute morgen, als ich unterwegs zum Spendenstand für unser Naturreservat Oz veGaon in Gush Etzion war, traf ich auf dem Weg durch die Felder um meine Siedlung herum die arabischen Nachbarskinder der Abu Awwad Familie. Sie boten mir noch grüne Mandeln von den Bäumen ihrer Farm an. Die Kinder wissen genau, dass selbst noch unreife Mandeln Leckerbissen sind.
Jetzt weiss ich das auch.

Shukran ya aulad! شكرا يا اولاد!

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Dank & Umfrage

Es wird wieder Zeit, sich bei meinen grosszuegigen Leser/-innen zu bedanken, welche dem Blogprojekt „Die Siedlerin“ in den letzten Wochen haben Spenden zukommen lassen: K.M. (50 EUR) und H.F. (100 EUR) ! Ihre Unterstuetzung ist wunderbar, ich danke vielmals!

Ansonsten moechte ich mich auch fuer die zahlreichen Emails sowohl ueber die Kontaktseite hier, als auch auf Facebook bedanken, in denen ich viel Unterstuetzung, Lob und auch Anregungen erhalten habe, welche mir gleichermassen gutgetan haben. Auch freue ich mich auf jede/n, der/die sich vornimmt, Israel und Judaea und Samaria zu besuchen und hoffe, dass sich die Besuche auch bei mir arrangieren lassen. Danke!


 

Hier moechte ich euch an meiner neuen Umfrage teilnehmen lassen, um mehr eure Interessen an meinem Blog kennenzulernen und einbinden zu koennen. Mehrere Antworten (bis zu 3) sind moeglich.

Foto des Tages: Ein ganz normaler Tag im Rami Levy-Supermarkt

Ja, unser ‚Rami Levy‘ hat wirklich Kriegsgebiet-Potenzial…..Am Eingang prüft man mittlerweile mit Detektoren die Kunden….

abseits vom mainstream - heplev

The Jewish Press, 29. Februar 2016

Ja, es sieht sieht furchterregend aus – ein großer Polizeihund, maskierte und schwer bewaffnete IDF-Soldaten in eine Rami Levy-Supermarkt (im Gush Etzion), um dem Ganzen die Krone aufzusetzen.

Sieht aus, als sei gerade etwas Schlimmes passiert.

Aber in Wirklichkeit ist es einfach nur ein typischer Montag.

Die Soldaten kamen herein, um den Landen während ihrer Patrouille zu kontrollieren und etwas zu trinken, während die jüdischen und arabischen Beschäftigten ihnen aushalfen.

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