mit Verlaub moechte ich hier einige Zeilen der Eigenwerbung widmen; um genauer zu sein, moechte ich, wie es so schoen heisst, euer Augenmerk auf die zweite Reihe der rechten Menuespalte richten (fuer diesen Ausdruck hatte mich letztens meine Ausbildnerin fuer Touristenfuehrungen ausgelacht).
Was befindet sich direkt unter dem Besucherzaehler von immerhin fast 100.000 (!) Besuchern? Ein Spendenaufruf fuer meinen Blog. Es ist naemlich so: Meinen Blog betreibe ich 100%-ig allein und ohne jede Kommerzabsicht. Alle Inhalte werden von mir in meiner freien Zeit geschrieben, und diese ist seit Studium und Arbeit und auch aufgrund der langen Fahrtzeiten von einem Ziel zum anderen (ich lebe ja fast in der Praerie) ziemlich limitiert. Oftmals geht die Blogarbeit und die Recherche dafuer auf Kosten einer zusaetzlichen Arbeitszeit; und oftmals eigne ich mir ebenso Literatur oder erlaube mir eine Fahrt oder aehnliches, um besseren Einblick in ein Thema zu bekommen. Das Geld ist fuer eine allein im Land lebende Studentin eine herausfordernde Angelegenheit. Es bereitet Kopfschmerzen und das hindert einen am freien Schreiben. 😉
Aus diesem Grund habe ich auch den Spenden-Button ueber Paypal veroeffentlicht, ueber den man leicht auf diese Seite gelangt und, sofern einem die Arbeit, die ich leiste, gefaellt und er/sie ein Interesse daran hat, sie zu unterstuetzen, einen Beitrag spenden kann. Es liegt in der Hand des grosszuegigen Spenders, die Summe festzulegen. Und was mich angeht, so bin ich ausserordentlich dankbar fuer jede Unterstuetzung, die dem Projekt zugute kommt.
Hiermit beende ich die Eigenwerbung, die Message sollte ruebergekommen sein – ich freue mich sehr ueber eure Unterstuetzung, sowohl natuerlich im moralischen Sinne (die dutzenden Emails voller Zuspruch, die ich erhalte!), als auch im praktischen! 🙂
Vielen herzlichen Dank an alle großzügigen Spender, die sich insbesondere in den letzten 48 Stunden entschlossen haben, das Projekt „Die Siedlerin“ zu unterstützen! Ich bin überwältigt! Sollte jemand von Ihnen kein Problem darin sehen, namentlich erwähnt zu werden, teilen Sie es mir mit und ich werde sehr gerne Ihren Namen hier notieren.
Heute um 10.05 ertönte in ganz Israel die Alarmsirene, wie sie normalerweise bei Raketenangriffen ausgelöst wird. Es handelte sich um eine landesweite Übung der Heimatfront-Abteilung zur Überprüfung ihrer Funktionsweise für den Notfall.
Ich hörte die Sirene bei mir aus dem Karavan, von den Bergen und Hügeln aufsteigen, sich mitten in einem herrlichen, sonnigen Morgen ausbreitend, unüberhörbar, sich präsent machend, warnend – trotz keiner Gefahr im Verzug ließ sie ein Gefühl von Unruhe aufkommen.
Und ich dachte mir – das ist doch ein Wahnsinn. Ein Absurd. Wo gibt es noch auf dieser Welt ein Land, ein winziges Land, das bis auf die Zähne bewaffnet sein muss, um seinen Platz auf seinem Fleck Erde zu verteidigen; welches an einem sonnigen Morgen eine Sirene proben muss, weil zu seinem Alltag des Öfteren Raketen gehören, die auf es abgeschossen werden. Ein Land, dessen Bewohner unter Raketen und inmitten von Kriegen leben, und anstatt zu flüchten, sich Wege ausdenken, um sich zu schützen und dennoch weiter zu leben, und das Leben zu genießen. Trotz Raketen, trotz Bomben. Man schießt auf uns, und wir machen die Sirene an, ducken uns, und dann, wenn es vorbei ist, kommen wir heraus und leben einfach weiter.
Es ist surreal, es ist unnatürlich, es ist kaum nachvollziehbar. Und bei uns gibt es Comedyshows, und die sind voller Themen über Raketen, Bomben und Kriegsbedrohungen, und die Menschen lachen sich schief und krumm über sich selbst – und am Morgen geht es weiter.
Gerade in meinem Karavan, und angesichts dieser Surrealität, begreife ich wie noch nie zuvor, wie zeitbegrenzt und unsicher doch unser Dasein ist. Wie schnell etwas vergehen kann, wie unfest das ist, was wir uns aufbauen. Außer uns selbst, unserer Seele und unseres Verstandes haben wir nichts, worauf man sich verlassen könnte – und auch diese sind nicht immer so verlässlich.
Ein beliebtes Lied der Band „Hatikva 6“, welches schon die dritte Woche auf Platz 1 der Radiocharts steht, verdeutlicht in meinen Augen am Besten die Art und Weise, mit welcher Israel seine Existenz webt, ohne Rücksicht auf den Absurd zu nehmen, welches diese umgibt. Es lautet so:
Es ist schwierig mit den Nachrichten hier
Darum nehm‘ ich mir ab und zu das Auto
Und fahre aus der Stadt in den Norden herauf
Bevor mal wieder ein Krieg beginnt
Und die Knie zittern mir ein wenig
Es fällt schwer, zu verdauen, was ich so höre
Noch von damals, von dem einen Refrain
Israel, Syrien, Libanon
Ich muss mich abschalten,
Der Talk im Fernseh’n war spannend
Alles hört sich an wie ’ne Sirene
Muss die Geräusche abschalten
Und die Bedrücktheit verjagen
Mach mir einen Arik [Einstein] an, so zur Entspannung
Lass mich den Kopf kurz anlehnen
Mach mir einen Zohar [Argov] an, so für kurze Zeit
Ein bisschen was Nettes für die Seele…
Vorgeschichte: Vor einigen Tagen, am 09.Februar, ereignete sich ein
Der Patriarchenweg. Illustration
Attentat auf einen Mann aus dem Kibbutz Rosh Tzurim, an einem Nachmittag, als dieser auf dem beliebten Wanderweg „Der Patriarchenweg“ hinter der Siedlung Neve Daniel joggte. Der Täter stieg aus dem Tal auf den Berg herauf, rannte hinter dem Jogger her
und griff ihn mit einem Messer an. Der Jogger konnte sich wehren, der Täter flüchtete, nicht aber, ohne sein Opfer zuvor zu verletzen. Der Verletzte erreichte die Einfahrt von Neve Daniel und meldete die Tat den Sicherheitskräften. Medizinische Versorgung bekam er anschließend im Krankenhaus und müsste nun in besserer Verfassung sein.
◊◊◊
Die Antwort der lokalen jüdischen Einwohner liess nicht lange auf sich warten. Der Patriarchenweg, übersät mit antiken römischen und jüdischen Archäologiefunden, mit einer atemberaubenden Aussicht auf Berge, Tal und Dörfer, ist seit jeher ein beliebtes Ausflugsziel gewesen, und das, so beschloss man, würde sich niemand von Terroristen nehmen lassen.
Dabei übernahm die lokale Wanderschule vom Kibbutz Kfar Etzion, welche nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 gegründet wurde, um die Rückkehrer und die neuen Einwanderer nach Gush Etzion zu unterstützen und zu bilden, die Initiative. Die Schule, welche im Gush Etzion als Tourismuszentrum und Bildungsstätte für die Natur und Geschichte
Yaron Rozental, Direktor der Wanderschule (Quelle: NRG)
der Region fungiert, beschloss, für diesen Freitag (12.02) alle Ausflüge durch professionelle Guides, die normalerweise einen erheblichen Preis kosten, den Interessierten kostenlos anzubieten. Mehr noch: Die Ausflüge würden sich, von den hauseigenen Reiseführern geleitet, rund um das Thema Patriarchenweg drehen, mit Wanderzielen wie Wasserquellen, archäologische Ausgrabungen und die Geschichte vor der Entstehung des Staates, als gerade in der Region von Gush Etzion der Unabhängigkeitskrieg wütete und schwere Kämpfe zwischen den jüdischen Einwohnern und den arabischen Armeen stattfanden.
Auf ihrer Facebook-Seite veröffentlichte die Kfar-Etzion-Wanderschule diesen überraschenden Aufruf, an den Wanderungen teilzunehmen und bat um reges Weiterleiten und Kommen. Der Direktor der Schule, Yaron Rozental, erklärte in einem Interview im Radio „Moreshet“ (Kol Israel):
„Das Wichtige ist, nicht mit Slogans um sich zu werfen, wenn so etwas geschieht [Terrorattacken, Anm.], sondern tatsächlich etwas zu tun.“
Es bleibt, den Wanderen der Kfar-Etzion-Schule und Herrn Rozental viel Glück bei den Ausflügen zu wünschen, und dass in Zukunft die Besucher auch zu ruhigen Zeiten nicht wegbleiben werden!
Mein kleiner Karavan in den judäischen Bergen zieht immer mehr Besucher an. So hat mich neulich eine Gruppe aus Deutschland durch das „Keshet“-Reisebüro und die Reisefirma „Israelreise.de“ in Alon Shevut besucht und eine Führung sowie einen Blick in den
Reisegruppe „Keshet Journeys“, 29.01.16
Karavan bekommen (29.01); weitere Reisegruppen erwarte ich in den nächsten Wochen. Ich finde es immer wieder schön, wenn deutsche Besucher, vor allem auch solche, welche tatsächliches Interesse an Israel und an unserem Leben in den Siedlungen zeigen, kommen und die Führung mitmachen. Erstens, weil ich es mag, meine Erfahrungen und mein Wissen mit anderen zu teilen, und zweitens, weil ich noch immer ein Freund des deutschen Humors bin und auch ganz gerne „Landsleute“ treffe – beispielsweise Gruppenteilnehmer aus Köln und dem Rheinland 🙂
(c) Jennifer Bligh
Ein weiterer spannender Besuch ereignete sich heute – die Journalistin Jennifer Bligh, zusammen mit dem Fotografen Jonas Opperskalski, kamen in unsere Siedlung, um mit mir ein Interview für das Magazinbento durchzuführen. bento scheint ein neues Jugendmagazin von SPIEGEL ONLINE zu sein, und so, wie ich es auf seiner Webseite mitbekommen habe, konzentriert es sich mehrheitlich auf persönliche Features – Lebensgeschichten, Interviews, Lebenswahrnehmungen. (Spannend fand ich auch die „Über uns“-Seite – die meisten der dort schreibenden Autoren und Autorinnen haben blaue, leuchtende Augen.)
Jennifer und Jonas haben mich mehrere Stunden lang begleitet. Jonas zeichnete sich durch seine Vorliebe für gutes Licht und seine professionellen Fotos aus (er ist auch einer der zentralen SPIEGEL-Fotografen, wurde ich aufgeklärt) und ließ sich unglaublich für den lokalen Sonnenuntergang begeistern. Jennifer erklärte mir, sie sei schon einige Male in Siedlungen unterwegs gewesen; mit ihr zusammen haben wir längere Zeit verschiedene Themen besprochen, die vor allem in meinem vorherigen Interview bei Deine-Korrespondentin.de aufgekommen waren (wie gut, dass es dieses Interview damals gegeben hat!). Fragegrad – von trivial bis tricky und teilweise auch gemütaufreibend – was eigentlich auch zu erwarten war.
Die Leitlinie von bento oder von Jennifer, was Israel angeht, kenne ich zwar persönlich nicht, aber dafür sollte das Resultat dieses Gesprächs umso spannender werden. Mal schauen also, wie sehr sich SPON und bento ähneln bzw,unterscheiden (von den Talkbackisten erwarte ich alleridings schon im Voraus nicht viel Gutes).
Die ersten Fotos von der Fotosession, der ich mich im Rahmen der Reportage unterzogen habe, stelle ich schon online, die offiziellen werden dann mit der Veröffentlichung folgen. Danke an Jennifer!
(c) Jennifer Bligh
(c) Jennifer Bligh
(c) Jennifer Bligh
Eine eher weniger erfreuliche Nachricht gibt es leider auch – eins der Reisebüros, mit welchen ich zusammenarbeite, hat den Besuch der Gruppe bei mir abgesagt. Wie schon das ganze letzte halbe Jahr über, sind „Sicherheitsbedenken“ angeführt worden. Solche Dinge – zuvor hatte ich dieselben Fälle mit Reisegruppen seitens der Bundeszentrale für politische Bildung – ärgern mich immer ungemein, und dabei tut es mir vor allem für die Reiseteilnehmer selbst leid.
Der Ärger kommt auf, wenn ich von den Reiseveranstaltern neben der Absage für den Besuch bei mir höre, dass für diese Gruppen trotz „Sicherheitsbedenken“ ein Besuch in arabisch-palästinensischen Orten eingeplant ist wie Ramallah oder gar Bet Lehem oder Bet Jalla, welche nur wenige Kilometer von mir entfernt auf der selben Autobahn liegen. Trotz der Tatsache, dass auch in der unmittelbaren Umgebung arabischer Ortschaften Touristenbusse und „Nichtjuden“ von Steinewerfern angegriffen worden sind – darunter lassen sich selbst palästinensische Politiker und christliche Geistliche finden – sind es immer wieder unsere Orte, zu denen der Zugang von offiziellen Stellen verweigert wird, so, als würde den Reisenden gerade in der Siedlung eine Gefahr auflauern. Kein Vortrag in einem Konferenzsaal, mag er noch so lebendig gestaltet sein, kann einen tatsächlichen Besuch ersetzen und ein Gefühl für die Situation vor Ort vermitteln.
Trotzdem muss ich sagen, dass ich für auch nur die geringste Möglichkeit, mein Thema weiterzuvermitteln, dankbar bin.
Mareike Enghusen von der Internetplattform „Deine-Korrespondentin.de“ traf mich Ende dieses Jahres in Jerusalem. Bei einem herzlichen und auch langen Gespraech in einem der gemuetlichsten Restaurants der Jerusalemer Neustadt sprachen wir ueber mein Leben und den Werdegang meines Blogprojektes ueber das juedische Leben in Judaea und Samaria.
Was herausgekommen ist, koennt ihr hier nachlesen – und auch sonst kann ich die Plattform sehr empfehlen. Danke, Mareike!
Sie war 23 Jahre alt, hatte ihren Zivildienst absolviert, studierte an der Universität Ariel Grafik und hatte sich gerade Pläne für einen Arbeitsneuanfang gemacht. Weil ihr Heimatort, dort, wo ihre Familie und die anderen fünf Geschwister aufgewachsen waren,
Quelle: Facebook
weit weg vom Zentrum des Landes lag, nämlich im Jordantal an der jordanischen Grenze, wohnte sie die letzte Zeit bei ihren Großeltern. In der Siedlung Shadmot Mechola, woher sie kam, war sie bekannt und beliebt – ein herzliches und tiefsinniges Mädchen voller Zuwendung. Auch in
Karte zur AnsichtShadmot Mechola, Jordantal. Quelle: Wikimedia
Bet Horon, dem Wohnort ihrer Großeltern, nur einige Meter von der Schnellstraße 443 entfernt, welche Jerusalem und Modi’in verbindet und durch die Benjamin-Samaria-Region führt, kannte man sie gut. Dort hatte sie einen Teil des Zivildienstes im lokalen Jugendverband geleistet.
Bet Horon. Quelle: Wikimedia
An diesem Montag (25.01.), da waren es noch zehn Tage bis zu ihrem Geburtstag, den sie sicherlich mit der Familie und den Freunden feiern würde, ging Shlomit Krigman in den Supermarkt, um einige Besorgungen für ihre Großeltern, bei denen sie wohnte, zu erledigen. Schnee war nicht gefallen in Bet Horon, obwohl die Siedlung in den Bergen liegt, aber es war recht kalt. Unterwegs vom Haus zum Laden überlegte sie sich, was sie kaufen würde.
Hätte sie gewusst, dass in diesen Minuten zwei arabische Männer, einer davon noch ein Jugendlicher, 17 Jahre alt, mit Messern bewaffnet, versuchten, in denselben Supermarkt einzudringen, um dort den ersten, der ihnen über den Weg laufen würde, zu erstechen, dann würde sie sicherlich nicht in die Nähe des Ladens kommen. Aber wenn ein Ort wie Bet Horon von einem Sicherheitszaun umgeben ist, dann fühlt man sich schon relativ sicher.
Die beiden Terroristen hatten aber ein Loch in den Zaun geschnitten. Und bevor jemand es gemerkt hatte, erreichten sie den Supermarkt. Am Eingang bemerkte sie ein Kunde, und ohne lange zu überlegen, drängte er die beiden mit dem Einkaufswagen von der Tür weg. Da hatten sie schon viel zu viel Aufmerksamkeit auf sich gezogen und der Überfall war misslungen. Die Messer in der Hand, rannten die Terroristen vom Laden weg.
Aber da war Shlomit, die schon beinahe in den Supermarkt hereingekommen war, und sie kam ihnen gelegen. Voller Wucht begannen die Männer, auf sie einzustechen. Shlomit lag am Boden, blutete. Die Attacke war schnell vorüber, die Terroristen flüchteten weiter, und kurz vor der Ausfahrt aus der Siedlung hatten sie ihr zweites Opfer entdeckt, eine etwa 50-jährige Frau, auf die sie ebenfalls einstachen. Nur mit dem Sicherheitsmann am Tor hatten sie nicht gerechnet. Dieser setzte mit einigen Schüssen ihrem Leben ein Ende.
Shlomit wusste nichts davon. Sie war lebensgefährlich am Oberkörper verletzt worden; die Evakuierung ins nächstgelegene Krankenhaus in Jerusalem fand schnell statt. An den Terror der letzten Monate gewöhnt, begannen die Ärzte, um das Leben von Shlomit zu kämpfen. Es wurde Abend, Nacht und Morgen. Die ganze Nacht über kämpften die Ärzte und kämpfte Shlomit um ihr Leben. Eine furchtbare Nacht. Hinter den knappen Zeilen der Montagsnachrichten über den doppelten Terroranschlag in Bet Horon lag eine ganze schmerzerfüllte Welt und dutzende Verwandte und Freunde, die um Shlomits Leben bangten.
Quelle: Facebook
Am Morgen war es vorbei. Die Ärzte vermeldeten, sie hätten getan, was sie konnten. Shlomit war nicht mehr da. Die Verletzungen waren zu schwer. Noch am selben Morgen sollte sie begraben werden, denn Tote werden nicht länger als einen Tag unbestattet gelassen. So ist es im Judentum, und so geschieht es in ganz Israel. Warum auch zögern? Ihr Körper war noch da, aber Shlomit selbst war nicht mehr.
(Der Zustand der zweiten Verletzten hatte sich zum Glück verbessert.)
Am Jerusalemer Har Hamenuchot-Friedhof hatten sich mehrere hundert Menschen versammelt, darunter auch der Oberrabbiner David Lau. Er sprach vor den Versammelten über die Aufopferung und die Zuwendung von Shlomit zu ihrer Umgebung. Ihr ehemaliger Professor an der Universität Ariel erzählte von ihrer Neugier und Vielfältigkeit. Die Nachrichten hatten nicht lange und nicht viel über den Tod der jungen Frau berichtet. Terror war keine große Nachricht mehr. Die Schagzeilen wechselten schnell zu Themen wie Schnee und Politik.
Shlomit Krigman wurde am Mittag des 26.01. bestattet. Neben ihr lag Dafna Me’ir. Dafna wurde vor einer Woche ermordet, am anderen Ende von Judäa und Samaria, in Otniel, an ihrem Hauseingang. Sie war Mutter von sechs Kindern. Shlomit hatte keine Kinder, sie hatte vielleicht nur einen Freund und wollte Kinder haben. Sie war eines von sechs Geschwistern. Sicherlich war sie entsetzt und traurig gewesen, als sie vor einer Woche vom Mord an Dafna erfuhr, und hatte wie viele andere auch im Land die Berichte und Erzählungen über Dafna gehört. Vielleicht hatte sie auch bei dieser Gelegenheit an die Gefahren gedacht, die um Bet Horon herum lagen, und an die Sicherheit im Ort selbst. Aber an eines hatte sie sicherlich nicht gedacht: Dass sie nur eine Woche später neben Dafna liegen würde. Leblos. Ihre Träume hinweggefegt, ihr Leben angehalten für ewig. Zehn Tage vor ihrem Geburtstag.
Shlomit, ihr Name bedeutete die Friedliche.
Lange wohnte ich nebst denen, die den Frieden hassen.
Ich suchte Frieden,
Doch wenn ich sprach, wandten sie sich zum Krieg. (Psalm 120)
Dafna und Shlomit sel.A. Quelle: NRG
(Quellen für Bericht: INN, Kikar Hashabat, Ynet, Facebook)
Es ist mal wieder Zeit für ein Unwetter gekommen. Wir haben schließlich Winter, und nun lässt er sich so richtig blicken. Ein Sturm fegt übers Land und erreicht jeden Winkel; in den Bergen angekommen, bringt er eine unglaubliche Masse an Niederschlägen mit sich, darunter auch nassen Schnee (der bisher noch nicht liegen geblieben ist), starken Wind und Kälte. In den Hermon-Bergen an der syrischen Grenze ist schon seit Längerem der Schnee gefallen, und nun kommen die Schneewarnungen näher, an die Berge von Samaria, Jerusalem und Judäa. Viele warten hier auf den Schnee aus verschiedenen Gründen; die einen wollen nicht zur Arbeit, die anderen die weiße Pracht genießen; manche (darunter meine Wenigkeit 😉 ) wollen die anstehende Prüfung schwänzen oder gar lange ausschlafen. Denn sobald die Schneewarnung Wirklichkeit wird und die Straßen zugeschneit werden – selbst wenn es nach europäischem Maßstab lächerlich vorkommen wird – werden die Busse nicht mehr fahren und die Straßen gesperrt sein.
Wer sich das anhand des letzten Winters ansehen möchte, darf gerne bei der Galerie vorbeischauen. Winter 2015 war wirklicher Winter, mit schneebedeckten Bäumen und Hügeln, gefrorenen Pfützen und im Schnee versinkenden Weinreben.
Momentan ist alles nass, am Morgen und am Abend bedeckt ein tiefer Nebel die Hügel und verdeckt die Aussicht, die Luft drinnen und draußen ist feucht und unglaublich frisch, der braune, saftige Matsch klebt an den Sohlen, und wer hier keine festen Regenstiefel hat, ist arm dran. Die Katzen jaulen und bitten darum, ins Haus hineingelassen zu werden, und im Haus selbst („Haus“ wäre zuviel gesagt, Wohncontainer natürlich) sitzend höre ich den Wind um die Ecken pfeifen, als würde er den Container mitreißen wollen.
Was meine Behausung angeht, so hält diese das Wetter tapfer aus. Wobei ich, ungleich dem letzten Winter, heute nach der Arbeit leider feststellen musste, dass die undichten Stellen bei der Tür Wasser in den Eingangsbereich hineingelassen haben. Unser lokaler „Hausmeister“, der für die Reparaturen in der Siedlung zuständig ist, hat sich leider schon seit Längerem nicht um diese Dinge gekümmert und so war mein Karavan auf die Wassermassen nicht vorbereitet. „Selbst ist die Siedlerin“, musste es dann wohl oder übel heißen und ich griff als Allererstes zur Silikonpistole, um die Ritzen zu stopfen und schaffte es auch, die Tür einigermaßen nah heranzuziehen und zu fixieren, sodass die undichten Stellen zumindest verkleinert werden konnten. Ob das mit dem Silikon helfen wird, trotz des nassen Holzes, werde ich noch sehen. Momentan heizt die portable Heizung, was das Zeug hält (Klimaanlage besitze ich nicht), und der Strom sollte auch nicht ausfallen. Die Bezirksverwaltung hat, wie im letzten Jahr auch schon, Mails mit Tipps für den Schneefall verschickt, und die habe ich brav befolgt – Notfalllampe, Kerzen, Feuer, Essen für einige Tage, warme Kleidung sind vorrätig. Sollte der Schnee über uns herfallen (hinter dem Fenster kann man die nassen Schneeflocken an die Scheibe klatschen hören), werde ich nicht verloren gehen, denke ich. Als Notfallwärmeheizung habe ich ja immer noch die Katzen. 😉
Die Bezirksverwaltung spart nicht an Mails und berichtet unter Anderem, dass in einigen Teilen im Osten Gush Etzions es geringe Überschwemmungen und offenbar Schaden durch Wasser gegeben haben soll, welche nun behoben werden müssten. Der Osten Gush Etzions liegt auf derselben Berghöhe (bis zu 980 m über dem Meeresspiegel) und Schnee scheint sich dort auch noch nicht blicken zu lassen.
***
Die „Menora der Sieben Arten“, Kunstwerk von Eliezer Weisshof, ausgestellt in der Knesset (Quelle: Knesset)
Ansonsten haben wir heute Abend den Feiertag „Tu BiShwat“ – das Neujahresfest der Bäume, und der Regen ist symbolisch wunderbar passend. Am Neujahresfest der Bäume sitzen viele Juden zusammen , sprechen Segenssprüche und essen von den sogenannten „sieben Arten“, für welche das Land Israel schon in der Tora ausgezeichnet wurde: Trauben, Datteln, Weizen, Gerste, Granatäpfel, Oliven und Feigen – sowie von anderen Früchten des Landes.
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Sollte der Schnee tatsächlich fallen, wäre das gar nicht so schlecht, überlege ich mir. Denn dann hätte ich endlich Zeit, die Blogbeiträge für euch zu schreiben, welche ich seit Langem schreiben möchte, aber nicht dazu komme!
„Hevron, die geteilte Stadt“, pflegt man immer die Schlagzeile zu wählen, wenn man in den westlichen Medien über eine der ältesten nachweislich jüdisch geprägten Städte spricht. Die Teilung wird dabei nicht etwa zugunsten ihrer antiken Bewohner angeprangert, welche seit 85 Jahren darum kämpfen, in diese Stadt zurückzuziehen (seit dem Massaker an der jüdischen Bevölkerung 1929, wohlbemerkt); nein, die Teilung dieser Stadt in zwei Verwaltungsbezirke – einen palästinensischen und einen israelischen – wird dem israelischen Staat und seinen Bürgern zur Last gelegt. Insbesondere an denjenigen der israelischen Bürger, die den Anspruch, in der Stadt ihrer Vorväter zu leben, wahr machen
Teilung der Zonen in Hevron. Quelle: Ministry of Foreign Affairs, Israel
und in ehemalige jüdische Häuser, Wohncontainer oder andere Wohnmöglichkeiten ziehen, auf einer Gebietsfläche von etwa 3% der eigentlichen Stadt Hevron, wird kein gutes Haar gelassen. Das gilt für die internationale Presse und das gilt auch für die Mainstreampresse in Israel, denn eines haben sie gemeinsam mit den internationalen Medien – sie mögen es nicht, wenn Juden die Dreistigkeit besitzen, Besitz zu fordern – womöglich noch zurückzufordern!
Am 21.Januar wurde öffentlich, dass Juden in Hevron zwei von ihnen zuvor gekaufte Häuser nahe der Patriarchenhöhle in der Altstadt Hevrons bezogen haben. Der Kauf fand im Geheimen statt, um den Verkäufer nicht in Gefahr zu bringen, die Aufmerksamkeit der Presse nicht auf sich zu ziehen und auch die Gemüter innerhalb der arabischen Bewohner Hevrons ruhig zu halten.
(Ich wurde einmal in einem Kommentar dafür kritisiert, dass die Käufe nicht über Privatpersonen stattfänden, sondern mithilfe von sog.Pseudoorganisationen. Die Mehrheit von Land- und Gebäudeverkauf von Arabern gegenüber Juden findet über Privatpersonen statt, welche durch ihre Kooperation mit den jüdischen Käufern ihr Leben riskieren. Im israelischen Fernsehen wurde vor einigen Wochen in einer „Akte-X“ ähnlichen Fernsehreportage ein Menschenrechtsaktivist, sein Name ist Ezra Naui, aufgedeckt, der unter dem Deckmantel des Friedensaktivismus Indizien über arabische Landverkäufer sammelte, diese an die palästinensische Autonomiebehörde weitergab, welche diese für die „Straftat“ foltern und töten würden, und dafür Geld von sog.“Menschenrechtsorganisationen“ kassierte, welche zum überwiegenden Teil von europäischen Regierungsinstitutionen stammten. Ezra Naui wurde verhaftet, als er versuchte, einen Tag nach der Ausstrahlung der Sendung aus dem Land zu fliehen.)
Eins der besagten Häuser in Hevron. Quelle: MK Y.Edelstein, Facebook
Der Kauf, so behaupten die jüdischen Käufer, wurde rechtmäßig durchgeführt. Zur Besiedlung eines Hauses, dessen Türen aufgebrochen werden mussten, da es zuvor verriegelt und unbewohnt dastand, wurden offenbar auch die notwendigen Dokumente vor Ort gebracht. Die israelische Regierung bestritt die Rechtsgültigkeit des Kaufes selbst nicht. Mehrere Knessetabgeordnete, darunter auch der Knessetsprecher (Likud-Partei) Yuli Yoel Edelstein, beglückwünschten die neuen Einwohner und die Durchführung der waghalsigen Avantüre:
Das „Rachel-“ und das „Leah“-Haus, die heute in Hevron ausgelöst wurden, finden sich nun in einer Reihe von befreiten (erlösten) Gebieten wieder, die für volles Geld über Generationen lang erworben wurden. Diese Gebäude wurden ganz nach Recht und Gesetz gekauft. (MK Y.Edelstein, Facebook)
Einzug ins Haus. Quelle: AFP (Haaretz)
Offensichtlich gab es somit zumindest für die offiziellen Stellen keine Probleme mit dem Erwerb der Gebäude, welche mitten in der Hevroner Altstadt, zwischen der Patriarchenhöhle, dem jüdischen und auch muslimischen Heiligtum, und dem neuen jüdischen Viertel liegen – im sogenannten H1-Gebiet, welches Teil des C-Gebietes von Judäa und Samaria darstellt und entsprechend der Oslo-Obkommen von 1994 unter israelischer Militärverwaltung steht (s.Karte oben).
Alles in Ordnung also! Frohes Einziehen, könnte man sagen! Tatsächlich fanden sich die ersten Familien, die das innen recht vernachlässigte Gebäude bezogen, in der Absicht, es schnellstens in Stand zu bringen.
Am nächsten Tag aber füllten ganz andere Nachrichten die israelischen Schlagzeilen: „Die Siedler, die gestern in das Haus in Hevron einbrachen, werden geräumt“, titelte Ynet einen ihrer Artikel. Und tatsächlich: So schnell, wie die jüdischen Bewohner in das Haus gelangten, so schnell katapultiere der israelische Verteidigungsminister Moshe Ya’alon die „Eindringlinge“ wieder heraus, und zwar mit der folgenden Begründung:
Die Behauptung, die Häuser wären mit Recht erworben worden, wird überprüft werden, sowie die politischen und sicherheitstechnischen Aspekte, bevor die Einzugsgenehmigung erteilt wird. Wer gegen das Recht vorgeht, hilft der Besiedlung nicht, sondern fügt ihr schweren Schaden zu. (Ma’ariv, 22.01.16)
Wie Quellen aus dem israelischen Sicherheitsapparat in der Presse am Morgen des 22.01 mitteilten, habe es für einen rechtmäßigen Einzug an bestimmten bürokratischen Prozeduren gefehlt. Kauf hin oder her, aber sich im Haus aufhalten könne sich kein Jude, beschloss somit der israelische Sicherheitsapparat, und der Verteidigungsminister ordnete prompt eine Ausweisung an – die
Quelle: Haaretz – Haverim Leet Tzara
auch am Mittag in Form von grauuniformierten Polizei-Spezialeinhalten kam und die widerwilligen Siedler aus dem Haus herausführte bzw. -trug.
Außer der entrüsteten Siedler meldeten sich auch zahlreiche führende Politiker aus dem Likud, der Partei von Ya’alon – und nicht nur die als „Siedlerpartei“ bekannte „Jüdisches Heim“ – zu Wort, solche wie der Einwanderungsminister Ze’ev Elkin, der oben erwähnte Knessetsprecher Yuli Edelstein, der drusische Abgeordnete Ayoob Kara, Tourismusministerin Miri Regev und andere und kritisierten scharf die Entscheidung Ya’alons. Es drängte sich dabei die Frage auf – musste diese demonstrative Geste der staatlichen Gewalt gegen die „Rechtsbrecher“ ausgerechnet jetzt folgen, während sich die Juden von Judäa und Samaria jede Woche die Wunden nach jedem Weiteren der Toten und Verletzten aus ihren Kreisen leckten, und außer einigem bürokratischen Prozedere der Einzug ansonsten rechtsgemäß verlaufen könnte? War etwa erneut das Argument aufgekommen, „was würde die Welt sagen“, wenn ein durch Juden von Arabern gekauftes Haus von diesen besiedelt werden würde – und das in Hevron, der allseits bekannten „geteilten Stadt“?
Wie dem auch sei, trotz der Drohungen der Politiker, sich bei den nächsten Koalitionsabstimmungen zu enthalten, und dem Verlangen nach der Einmischung des Premierministers, wurden die jüdischen Siedler ausgewiesen. Das Büro von PM Netanyahu gab eine Stellungnahme ab, die offenbar versöhnlich klingen sollte:
Der Premierminister unterstützt die Besiedlung und ehrt die Siedler, welche mit großem Mut und Bereitschaft tagtäglich dem Terror gegenüber stehen. Wir sind alle verpflichtet, das Gesetz zu wahren, und in diesem Fall wurden noch nicht alle Bescheinigungen zum Einzug geprüft. Sobald dies geschehen wird, werden die Siedler zu ihren Häusern zurückkehren können, so wie es zuvor schon in ähnlichen Fällen geschehen ist.
Zudem rief Netanyahu seine Koalitionspartner auf, Ruhe zu bewahren. Natürlich wehrte sich auch der Verteidigungsminister Ya’alon gegen die Vorwürfe seitens seiner Parteimitglieder; offenbar hatte er solch starken Gegenwind nicht erwartet.
Welche „Bescheinigungen“ sollten den neuen Häuserbesitzern allerdings gefehlt haben?
Die Presse (so Ynet, Ma’ariv, Haaretz) sprachen von einer „Geschäftsbescheinigung“, einer „Sicherheitserlaubnis“ und einer „staatlichen Bescheinigung“ zum Einzug. Ich, so muss ich zugeben, kenne mich in dieser Art von Bürokratie nur bedingt aus, obwohl ich selbst an Briefings und Vorträgen seitens zahlreicher Kenner – sowohl von der Armee, als auch von Insidern der Siedlerbewegung aus – teilgenommen habe und weiß, dass die israelische Militärverwaltung innerhalb von Judäa und Samaria sehr viele Komplikationen mit sich brachte und bringt.
Allein die Tatsache, dass auf diesem relativ kleinen Gebiet (etwa 5,6 Quadratkilometer groß) für die etwa 1,8 Millionen arabischen und etwa 360.000 jüdischen Einwohner vier Gesetzesrichtlinien gelten (britische, israelisch-militärische, jordanische und osmanische Gesetzesgebung), macht schwindlig. In regelmäßigen Abständen beanstanden die palästinensischen Araber und die israelischen Juden ihre diskriminierende Behandlung seitens der israelischen Verwaltungsorgane (die Beschwerden gegenüber der unfairen Behandlung der palästinensischen Araber seitens der PA lassen sich nicht in der Öffentlichkeit hören, sonst würden die Beschwerdeträger am nächsten Morgen nicht mehr lebendig aufwachen). Ebenso sind Judäa und Samaria und ihre „Hügeljuden“ (so nannte uns neulich ein Kommentator in diesem Blog) unaufhörlich zentraler Teil des internationalen öffentlichen Interesses, und sämtliche ausländische Journalisten, ausländische Menschenrechtsgruppen und ihre israelischen Pendants, mit frischem europäisch-amerikanischem Geld versorgt, tummeln sich voller Tatendrang auf diesem knapp 6 km² großem Bergland. Die gesamte Bevölkerung ist durch die letzten knapp 50 Jahre andauernder Zusammenstöße und Konflikte aufeinander aufgestachelt, und in praktisch jedem arabischen Wohnort gibt es Terrorzweigstellen, ob nun von der Hamas, der Fatah, dem Islamischen Jihad und wie sie sich nicht alle zu nennen vermögen. An jeder Straßenkreuzung stehen Soldaten, und dennoch hören Terroranschläge nicht auf, selbst wenn (oder gerade weil?) die Armee mit den besten Spezialkräften in die entferntesten Gassen von Bet Ummar, Nablus oder Jenin eindringt.
Wie könnte man dort keine Komplikationen erwarten?
Doch anstatt das Leben der Einwohner von Judäa und Samaria zu vereinfachen, zumindest im bürokratischen, wenn nicht im politischen Sinne, fördert die israelische Regierung die Komplexität immer weiter, auch und vor allem gegenüber den eigenen Leuten.
Orit Struck, ehemals Knessetmitglied von der Partei „Jüdisches Heim“, stellte es bildhaft in ihrem Kommentar zur Ausweisung aus dem Haus in Hevron dar:
Eine „Quelle aus dem Sicherheitsapparat“ gab in der Presse bekannt, den Käufern hätten drei Bescheinigungen gefehlt: „Geschäftsbescheinigung“, „Sicherheitserlaubnis“ und „staatliche Bescheinigung“. Den Käufern wurden diese nicht gegeben, und daher würden sie ausgewiesen (und weniger euphemistisch formuiert – vertrieben) werden. (…)
Liebe „Quelle“, schäme dich! Zuerst einmal, wenn ein Araber ein Haus in Hevron kauft und diese drei Bescheinigungen nicht benötigt, ein Jude aber doch – dann ist das ein Armutszeugnis für dich und für die israelische Regierung. Und zweitens, verstecke dich nicht hinter deinem eigenen Rücken. Diese drei Bescheinigungen liegen in deiner Hand – gib sie ihnen!
Was im Endeffekt die Zukunft der beiden Gebäude betrifft, ist momentan fraglich. Ich nehme an, dass die Käufer und ihre Unterstützer den juristischen und den politischen Weg gehen werden, um erneut ins Haus einzuziehen. Vielleicht werden einige von ihnen erneut ins Gebäude selbst vorbringen. Die „Siedler“ führen nur allzu oft einen Zermürbungskampf mit der Regierung, welche mit ihnen genau denselben Zermürbungskampf führt. Am Ende entscheidet es dann oftmals der Mord an dem einen oder anderen Juden irgendwo in Judäa oder Samaria, und mit ihrem Blut werden Türen geöffnet, Baugenehmigungen erteilt, Kindergärten, Schulen und ganze Ortschaften errichtet, und in ihrem Namen leben dann Menschen auf diesem Flecken Land, in Orten wie Shvut Rachel, Bet Haggai, Ma’ale Rechavam, Alon Shvut.
Und eigentlich ist es durchaus nicht nur bei der „Westbank“ so der Fall, sondern wer genau die Geschichte der Rückkehr von Juden ins Land Israel, des neuen Zionismus kennt, der wird wissen, wie viele Ortschaften den Namen derjenigen tragen, die für diese Rückkehr ihr Leben ließen.
Nicht umsonst ist der folgende Vers wohl die bedeutendste Metapher für das Aufleben des jüdischen Volkes im „gelobten Land“:
Ich ging an dir vorbei, und sah dich in deinem Blute wälzen, und sagte dir, in deinem Blute sollst du leben.“ (Jezekiel 16,10)
Zwei schwere Terroranschläge erschütterten die Gemeinschaften von Judäa und Samaria gestern und heute.
Gestern, 17.01:
Ein arabischer Terrorist gelangte in den späten Nachmittagsstunden unerkannt in die Siedlung Otniel, welche sich südlich der Stadt
Dafna Me’ir hy“d
Hevron befindet. Dort traf er vor einem Haus nahe des Ortszauns auf eine 38-jährige Frau namens Dafna Me’ir. Dafna Me’ir war Krankenschwester, Therapeutin, Mitglied des Verwaltungsrates von Otniel und vor allem – Mutter von sechs Kindern – Renana (17), Akiva (15), Noa (11), Ahava (10), Yair (6) und Yaniv (4). Der Terrorist war mit einem Messer bewaffnet, Dafna Me’ir stand neben ihrer Tochter Renana am Hauseingang und war nicht darauf vorbereitet, dass dieser Mann, der da auf sie zukam, auf sie einzustechen begann. Dafna begann zu schreien und während der Terrorist auf sie einstach, versuchte die Mutter mit aller Kraft, ihn von der Haustür wegzudrücken – denn Renana und zwei weitere Kinder waren im Haus und würden, würde sie ihn nicht aufhalten können, die nächsten Opfer des Terroristen sein. Auch Tochter Renana begann zu schreien. Der Terrorist liess schließlich von der Frau, die ohnmächtig und schwerverletzt zu Boden sank, ab und flüchtete, während die entsetzte Renana am Telefon der Notfallhilfe berichtete, „helft mir, man hat meine Mutter erstochen!“
Als die ersten Notfallhelfer auftauchten und Dafna wiederzubeleben versuchten, sahen dies auch die zwei aufgeschreckten anderen Kinder. Die Wiederbelebungsversuche scheiterten, Dafna war zu schwer verletzt. Sie starb am selben Hauseingang, wo sie noch einige Minuten zuvor mit ihrer Tochter gestanden hatte.
Hier liegt Otniel
– Diese Details erfuhren heute die Leser der Zeitung „Yediot Acharonot“ und noch weiterer Nachrichtenausgaben. Dafna Me’ir, die Krankenschwester aus Otniel, wurde wider Willen aller zur Titelgeschichte des heutigen Tages. Der Terrorist, welcher sie am Sonntagnachmittag vor ihren Kindern niederstach, flüchtete aus der Ortschaft in Richtung arabischer Siedlungen. Nachdem das Ereignis an die Armee weitergeleitet worden war, begann diese ihre Fahndung nach dem flüchtigen Mörder. Die ganze Nacht über hörte
Yediot Acharonot, Ausgabe 18.01.16 Schlagzeile: „Helft mir, man hat meine Mutter erstochen“
man Hubschrauber durch die Luft fliegen, und hoch im Himmel über Hevron zerrissen immer wieder Leuchtbomben die Dunkelheit. Die Fahndung verlief bis jetzt (19.01) noch immer ohne Erfolg; einige Verdächtigen wurden verhaftet, der Täter befindet sich jedoch noch immer außer Reichweite. Die Einwohner von Otniel wurden von der Armee angewiesen, sich in ihren Häusern zu verschließen, bevor man Entwarnung für die Ortschaft geben konnte.
Heute morgen fand das Begräbnis von Dafna statt. Sie, die im Soroka-Krankenhaus in Beer Sheva arbeitete, daheim als Therapeutin für Frauen mit Fruchtbarkeitsproblemen wirkte, gelegentlich in den örtlichen Zeitungen schrieb und auch Ratsmitglied der lokalen Ratsversammlung gewesen war, hinterließ Ehemann Natan und ihre sechs Kinder in tiefer Trauer. Zwei der Kinder hatten sie und ihr Partner vor einiger Zeit adoptiert, zusätzlich zu den leiblichen vier.
Beerdigung von Dafna Me’ir. Quelle:INN
Der Beerdigungszug zog sich von Otniel in den Südhevronbergen über die Autobahn 60 bis nach Jerusalem. An jeder Kreuzung auf der Autobahn fanden spontane Solidaritätsbekundungen mit Flaggen statt. Beerdigt werden sollte Dafna Me’ir auf dem Har Hamenuchot-Friedhof in Jerusalem. Zu der Beerdigung erschienen hunderte Freunde, Familienmitglieder, Kollegen, trauernde Mitbürger. Der Vater und der älteste Sohn, Akiva, sprachen gemeinsam das Totengebet „Kaddish“. Unter den Trauernden waren auch die Kulturministerin Miri Regev und der Erziehungsminister Naftali Bennett. Beide sprachen einen Nachruf auf die Ermordete. Auch die Staatsoberhäupter – PM Netanyahu, Präsident Rivlin – sandten ihr Beileid an die Familie.
Die Familie wird von heute an sieben Tage in Trauer sitzen, wie es das jüdische Gesetz vorschreibt. Die Armee fahndet in den umliegenden Ortschaften nach dem Täter. Der Vorstand der Bezirksverwaltung Südhevron äußerte sich zum Attentat wie folgt:
Ich habe die israelische Regierung, die uns, die Bewohner von Judäa und Samaria der letzten 40 Jahre hierher geschickt hat, dazu aufgerufen, ihre Mission zu erfüllen und zionistisch zu handeln, was die Besiedlung, die Landwirtschaft, den Tourismus und die Erziehung betrifft (…). Die israelische Regierung ist verpflichtet, die sehr klare Entscheidung zu treffen, die israelische Souveränität auf die Siedlungen auf Judäa und Samaria auszuweiten. (…) Es bietet sich an. Es ist erforderlich. Man soll uns nicht unter der Besatzung, unter der Militärherrschaft leben lassen.(…) Der nächste Schritt wäre die Ausweitung der Souveränität, das wäre die praktische Variante der symbolischen Umarmung, welche die Siedlergemeinschaft an diesem schweren Tag bekommt.
Heute, 18.01:
Hier liegt Teko’a.
Ein arabischer Terrorist gelangte in die jüdische Siedlung Teko’a, im Osten Gush Etzions, und entdeckte dort in einem Geschäft eine Frau, die 30-jährige Michal Fruman. Michal Fruman war schwanger und befand sich mit anderen Frauen im Laden, als der noch jugendliche Terrorist (15) hineinkam. Die anderen Kundinnen begannen auf ihn einzuschreien und zu fordern, er solle hinausgehen.
Michal Fruman wird eingeliefert. Quelle: YNET
Michal dagegen kam zu ihm hin und fragte, ob er Hilfe brauche. In diesem Moment, als sich ihre Blicke kreuzten, begann der Terrorist, auf Michal einzustechen. Er verletzte sie an der Schulter und an den Lungen. Herbeieilende Sicherheitskräfte erschossen den Terroristen auf der Stelle, die schwangere Michal wurde vor Ort versorgt und nach Jerusalem ins Krankenhaus eingeliefert. Wie die Ärzte feststellen konnten, hatte die Verletzung das Ungeborene nicht gefährdet und es war gesund. Michal selbst erlitt einen Schock und litt unter Schmerzen durch die Messerstiche, war ansonsten aber in stabilem Zustand.
Über diese Einzelheiten berichtete die Schwiegermutter von Michal, Hadassah Fruman, dem Galatz-Radio. Hadassah Fruman ist die Witwe des berühmten Rabbiners und Friedensaktivisten Menachem Fruman, der national und international für sein Engagement zur Förderung von Koexistenz zwischen jüdischen Siedlern und palästinensischen Arabern bekannt gewesen war. Das Ehepaar Fruman pflegte regen Kontakt zu der lokalen arabischen Bevölkerung und investierte Zeit und Kraft darin, Kontakte zwischen jüdischen Siedlern und lokalen Arabern zu knüpfen, Einfluss auf die örtlichen Gemeindeführer zu nehmen und so den „Friedensprozess“ an Ort und Stelle voranzutreiben, und das zwischen den hauptsächlich davon betroffenen Bevölkerungsgruppen – den Juden und Arabern in Judäa und Samaria. Nach dem Tod von Rabbiner Fruman übernahm Hadassah diese Aufgabe und unterhielt weiterhin Kontakte und Projekte.
Hadassah, deren Sohn Elyashiv der Mann von Michal ist, berichtete dem Radio über den Gesundheitszustand der Schwiegertochter, erzählte die Details vom Vorfall und wurde auch zu der „Fruman’schen Herangehensweise“ an den israelisch-arabischen Konflikt gefragt.