Im Zuge meines Lebens hier in Judäa, als Einwohnerin, Journalistin und Aktivistin der Siedlerbewegung, werde ich Zeugin verschiedener Entwicklungen und Vorkommnisse, manche Bestandteile des Alltags, andere neu, besorgiserregend oder vielversprechend. Ich spreche mit Menschen – einfachen Einwohnern, Aktivisten, Soldaten, Historikern, religiösen und politischen Autoritäten – und erfahre jedes Mal etwas Neues. Unter der Oberfläche des alltäglichen Lebens hier speziell in Judäa und generell in allen Siedlungen herrscht eine reiche Innenwelt, und es ist nicht, dass sie zwingend darauf wartet, mit Außenstehenden geteilt zu werden.
Es gibt alles, was sich die Fantasie erlaubt, hier in der Siedlungswelt. Über das Eine wurde viel geschrieben, über das andere wohl noch nie – zumindest im Ausland. Sozialer Aktivismus für Bedürftige? Gibt es. Drogenprobleme unter jungen Leuten? Gibt es. Behindertenwerkstatten und ADHS-Therapie für Kinder? Gibt es. Diskriminierung palästinensischer Araber? Gibt es. Koexistenz und Freundschaft? Gibt es. Es gibt steinewerfende Araber und steinewerfende Juden. Es gibt Soldaten, die arabischen Kindern Süßigkeiten und Essen schenken, und Soldaten, die von arabischen Autofahrern, die sie kontrollieren, Zigaretten verlangen. Es gibt Siedler, die verbringen einen Monat lang in Norwegien und sprechen fließend Norwegisch; in ihrer Freizeit bauen sie ihr illegales Haus. Es gibt Siedler, die spenden Altkleidung und Gesäuertes zu Pessach an arabische Bedürftige. Es gibt Araber, die riskieren für ihren Kontakt zu den Siedlern, ihre Arbeit zu verlieren, und manche haben sie schon verloren. Es gibt Juden, die es für eine Schande befinden, jemals das Land Israel zu verlassen und ins Ausland zu fahren – sei es nur für einen Ausflug. Es gibt Siedler, die veranstalten gemeinsames Fasten mit Muslimen, andere machen Führungen in arabische Dörfer, und wieder welche zünden Moscheen an oder stechen Reifen arabischer oder Armeefahrzeuge durch, und dann kommen wieder andere und bekunden Solidarität mit den Betroffenen.
Was es nicht alles gibt! Und das ist nur der Anfang. Für viele Themen bedarf es vorhergehenden Wissens, und so neu, wie ich hier bin, habe ich selbst auch noch vieles bei der Thematik Siedlungen und jüdisch-arabisches Zusammenleben, ebenso wie Aktivismus im Bereich Judäa und Samaria und außerhalb, nachzuholen und dazuzulernen. Da gilt es nicht immer, direkt mit der eigenen Nase in der Suppe zu rühren. Um etwas in Schrift zu reflektieren, muss man selbst es tief genug in sich aufnehmen und verarbeiten.
Auf der anderen Seite gibt es auch Themen, die nicht einfach angeschnitten werden können, weil ich (und andere kompetente Menschen, deren Meinungen ich sehr schätze) es nicht für angebracht halten, diese in Rohformat nach außen zu bringen. Vielleicht würden manche es Zensur nennen. Fakt ist, dass es hier im Blog sicherlich vielen an Texten und und Themen mangelt, die vorzugsweise von der Presse angeschnitten wurden und werden (in welcher Form auch immer). Ich betreibe ja eine Art „Aufklärung“, wieso mache ich diese also nicht großflächig, oder fertige eine Art Informationspool an, oder gebe unzensiert einfach alles wieder, was ich sehe und höre? Ist nicht das die Aufgabe eines Journalisten?
Mag sein. Doch meines Erachtens, und ich muss diese Einschätzung tagtäglich für mich selbst neu definieren, ist die Verantwortung eines tiefer gehenden Journalisten – der es auf Einblick und Analyse ankommen lassen will und nicht auf bloße Wiedergabe eines Informationsschwalles – sehr groß. Ich spüre diese Verantwortung, insbesondere, wenn ich auf ein Thema treffe, über welches sich ein Bericht oder eine Analyse unglaublich lohnen – aber welches ohne nachhaltige Arbeit zuvor einfach nicht in so einer Form ansprechbar ist. Ein regulärer Journalist steht vor allem auch nicht nur unter Themen-, sondern auch unter Zeitdruck. Der Blogger hat das Privileg der freien Verfügung über Zeit und Prioritätensetzung.
Ich muss zugeben, diese fallen mir bisweilen nicht leicht. Es gibt so viel, worauf ich treffe, und was ich erklären, wiedergeben, diskutieren, kritisieren oder positiv betonen möchte. Es gibt Erwartungen, die andere an mich stellen, und auch die, die ich an mich selbst stelle, und die letzteren sind für mich ein sehr ernstzunehmender Druck und Maßstab.
In letzter Zeit wurde ich aufgrund des Blog-Projektes von verschiedenen Organisationen, Medien und Veranstaltern angeschrieben, die auf das Projekt aufmerksam geworden sind, die sich für die Thematik interessieren oder es als eine gute Idee ansehen, die Stimme der jüdischen Siedlerbewegung in ihr Angebot aufzunehmen und der Diskussion freizugeben. All das bedarf einer Vorbereitung, und auch der Entscheidung meinerseits, wie ich auf diese Anfragen reagiere, was von dem, das ich kenne und lebe, ich nach außen tragen möchte, und welchen Effekt es haben wird. Und natürlich ist sie immer auch da – die Frage nach der journalistischen Integrität, gegenüber der Frage nach eigenen oder gemeinschaftlichen Interessen.
Ich glaube fest daran, dass die Zeit der Gedeihung und Reifung des Projektes sehr förderlich sein wird, und mit der Zeit auch der Umfang und die Tiefe der Berichterstattung wachsen werden und viel mehr Menschen zugänglich sein werden. Viele Kreise werden sich schließen und Fragen ihre Antworten finden.
Alle Menschen, die hier in Judäa und Samaria leben, haben ihre eigene Stimme, ihre Geschichte und die Geschichte der Gemeinschaft, der sie entstammen, sie verdienen es, gehört zu werden – und trotz manchmal gewaltiger Unterschiede erkennt man mit einem Blick hinter die Hülle, wie sehr sich manche Gegensätze eigentlich nahe stehen. Mit der Zeit werden diese es erkennen, und das wird der Zeitpunkt für eine Symbiose sein. Das ist übrigens kurz und ungenau gefasst auch meine Sichtweise auf den jüdisch-arabischen Konflikt, aber ich denke, dass die Berichte zu dieser Thematik hier früher auftauchen werden, als dieser sich lösen lassen wird. 🙂
Mit diesen Worten, bleiben wir gespannt – ihr, die Leser, und ich, der Schreiberling – auf das, was auf uns hier auf DIESIEDLERIN.NET noch zukommen wird.
Sanfte Gitarrenklänge und leise Stimmen dringen durch die unfesten Holz- und Gipswände des Wohncontainers. Ein Blick nach draußen – und ich weiß, es sind meine Nachbarn, das Ehepaar Gadi und Ateret aus Indien, die ein Barbecue mit Familie direkt vor ihrer Haustür, auf den Kieselsteinen, veranstalten. Die Töne klingen fern, weich und verführerisch. Es sind nicht die gewohnten traditionellen Melodien, die hier jeder kennt und summt, und auch die Sprache klingt anders.
Besondere Atmosphäre. Beim Grill der Familie von Gadi und Ateret im Karavanenviertel.
Ich öffne die Tür, und Gadi winkt mir einladend zu und zeigt, dass ich mich zu ihnen setzen soll, auf einen umgedrehten Blumentopf, hin zum provisorischen Grill, um welchen herum auch der Rest der Familie versammelt ist. Ein alter Mann sitzt auf einem Holzkasten, eine alte Frau auf einem Plastikstuhl, kleine Kinder, die kichernd um sie herumrennen, junge Frauen und Männer. Das Feuer knistert, und während ich mich schüchtern danebensetze, fängt der Sänger mit der Gitarre ein neues Lied an. Die Umsitzenden klatschen im Takt. Sie kennen die Worte des Liedes. „Welche Sprache ist es?“, frage ich flüsternd eine junge Frau, die neben mir sitzt. Sie stellt sich als Yiska vor. „Kuki, unsere Sprache“, antwortet sie und lächelt mich verschämt an. Ich lasse mich in ein Gespräch mit ihr verwickeln und frage sie nach ihrer Herkunft. „Wir stammen alle aus Manipur, Indien. Wir sind Verwandte von Gadi und Ateret, und leben in Kiryat Arba, Hebron. Ich bin eine Neueinwandererin“, entschuldigt sich Yiska in einem leicht akzentbeladenen, aber dennoch recht guten Hebräisch, „ich bin erst zwei Jahre hier.“ Wo sie arbeite, frage ich sie. „In einem Kinderhort.“ Auch ihre Freundin, Elischewa, die kaum Hebräisch versteht, hat sie aus der Siedlungsstadt Kiryat Arba bei Hebron mitgebracht.
Wo Manipur liege, frage ich sie. „Im Norden Indiens“, antwortet Yiska, und Gadi korrigiert sie, während er die Hühnerflügel auf den Grill nachlegt: „Im Nordosten.“ Sie singen weiter, und die alte Frau, die sich als Oberhaupt der Familie offenbart, zusammen mit ihrem Mann, liest die Liedtexte aus einem Liederbuch mit, in das ich einen Blick werfe. Die Texte stehen dort in der besagten Sprache, „Kuki“, aber auf lateinischer Umschrift. Das Buch scheint von einer jüdischen Organisation herausgegeben worden zu sein und ist wohl ziemlich alt.
Die ganze Familie – Großeltern, Kinder, Enkelkinder, Neffen, Nichten und Cousins sind braungebrannt, und sind für mein ungeübtes Auge eher Mongolen oder Tibetern ähnlicher denn Indern, aber Indiens Regionen und Bevölkerungen sind zahlreich und kaum meßbar vielfältig.
Die indisch-jüdische Gemeinde, der Gadi und seine Verwandten angehören, ist in Israel als die „Bne Menasche“, die Söhne des antiken jüdischen Stamms Menasche, bekannt. Sie gehören den „verlorenen Stämmen“ des israelitischen Königreichs an, welches um 722 v.d.Zeitrechnung aufgrund innerer Streitigkeiten zerfiel und zudem von den Assyrern überfallen und zerstörten worden war. Die Bewohner des Königreichs, angehörige verschiedener jüdischer Stämme, wurden ins assyrische Imperium vertrieben. Als das assyrische Imperium um 460 v.d.Z. herum dem griechischen wich, flüchteten die Menasche-Nachkommen über Assyrien, Babylonien und Persien Richtung des heutigen Afganistan, Indien und China. Nach dieser Vertreibung kehrten sie nicht mehr in das Land Israel zurück und den Kontakt zur übrigen jüdischen Gemeinschaft ging verloren. Um das dritte Jahrhundert d.n. Zeitrechnung herum, als der Stamm geistiger und physischer Unterdrückung seitens des chinesischen Kaisers ausgesetzt worden war, flohen diese in Richtung der Himalaya-Berge und setzten sich dort fest. Ein lebendiger Bezug zu den jüdischen Gemeinden der Welt ging den Bne Menasche verloren, ebenso offenbar das „Heilige/Goldene Buch“ selbst (wie sie es in der Tradition bezeichnen). Wohl blieben aber einige Bräuche und der Glaube an den Einen Gott.
Bis zum 19.Jahrhundert wanderte die kleine Stammesgemeinde in den Regionen von Himalaya, Tibet, Burma/Myanmar, Thailand umher, bis sie sich in den Gebieten von Manipur, Assam und Mizoram, welche heute zum nordöstlichen Teil Indiens an der Grenze zu Myanmar (Burma) zählen, festsetzten. Im 19. Jahrhundert gelangten christliche Missionäre aus Großbritannien im Zuge der Kolonialisierung Indiens nach Manipur und Mizoram, entdeckten zu ihrem Erstaunen die kleine Gemeinde, die inmitten der polytheistischen Umgebung an eine körperlose Gottheit glaubte und Traditionen pflegte, die den biblischen nicht fern waren – Erdbegräbnis, Priesteropfer, Ruhetag, Pessach-Opfer – und begannen, diese in Eifer dem Christentum anzunähern. Nach Berichten sollen sie unter anderem traditionelle Artefakte wie die spezielle Priesterkleidung, welche die Bne Menasche nach dem Vorbild der Tora besaßen, verbrannt haben. In ihrer mündlich überlieferten Tradition der Sehnsucht nach der Rückkehr in das Heilige Land als die Nachkommen des Stammes, nahmen viele das Christentum zu Herzen, in der Hoffnung, diese würde sie dem Wunsch näher bringen. Dennoch blieben ihnen stark an das Judentum erinnernde Bräuche erhalten.
Nach der Entstehung des jüdischen Staates versuchten Vertreter des Stammes wiederholt, Kontakt zu der israelischen Regierung aufzunehmen, so in einem Brief an Premierministerin Golda Meir in 1974. In den letzten Jahrzehnten gelangten Vertreter jüdischer Organisationen nach Manipur, Assam und Mizoram, um den „verlorenen Stamm“ aufzuspüren und seine Jüdischkeit wiederherzustellen. Auch Israels langzeitiger Oberrabbiner Shlomo Amar erkannte sie als jüdische Nachkommen an, und nach einer provisorischen Konversion durfte die erste Gruppe in 2006 nach dem Rückkehrrecht nach Israel einwandern, ihr folgten weitere. Ihr asiatisches Aussehen war für die mehrheitlich orientalisch oder europäisch geprägten Bewohner Israels nicht minder unerwartet und ihre schiere Existenz nicht weniger überraschend als die der äthiopischen Juden.
Heute leben auf der Welt mehr als 7200 Angehörige der Bne Menasche, davon zwischen 1700 und 2000 in Israel (Stand: 2013) In Israel gehören sie zumeist der national-religiösen Strömung an, und wohnen in Siedlungen wie Kiryat Arba, oder in Samaria, aber auch in anderen Landesteilen Israels.
Wünsche allen eine schöne Woche bzw. ein schönes Wochenende!
Bei uns in den Bergen regnet es schon seit zwei Tagen in Strömen, als hätte der Himmel die Gebete um Tau am Pessach-Fest einfach falsch verstanden und das Wort „Tau“ in „Regen“ und „Hagel“ übersetzt. Langsam scheint es mir, als sei auch in Israel, zumindest in der Bergregion, der deutsche Spruch „April, April, er macht, was er will“ so aktuell wie nie. Menschen hocken zu Hause, Katzen retten sich unter die Wohncontainer, Erde, Gras und Holz triefen nur so vor Wasser. Die getünchten Wasserlöcher – Überbleibsel aus alten Zeiten, überall in Judäa zu finden – müssten längst angefüllt worden sein. Wer weiß, wozu der Regensturm gut sein soll – vielleicht erwartet uns ein besonders heißer Sommer?
In den Pessach-Feiertagen, die ja bekanntlich eine Woche dauern und sich durch das Essen von Matzot (ungesäuerten Mehlcrackern) und viele Wanderungen, Familienausflüge etc. auszeichnen, bekam ich Besuch aus Deutschland, und nicht irgendeinen:
Der Reiseleiter der Reisefirma Tour mit Schanz, Joachim Anz, kam höchstpersönlich mit Familie für ein Treffen nach Gush Etzion. Wir besuchten gemeinsam die Gush-Etzion-Weinkellerei (die auch ich zum ersten Mal von innen gesehen habe), erfuhren, weshalb die in Israel hochgeschätzten Weine aus Judäa nicht ins Ausland exportiert werden und warum der Wein am Besten in den kühlen Bergen im Umland wächst und auch, was lokale Muslime aus den angebauten Weintrauben machen (denn Wein dürfen sie ja nicht produzieren).
Danach besuchten Joachim Anz, seine Frau Bettina und ihre beiden Jungs auch mein bescheidenes Heim und sahen sich ein wenig auch Alon Shvut selbst an. Der Grund des Besuchs? Der Plan, eine Begegnung mit „der deutschen Siedlerin“ in das Reiseprogramm künftiger Gruppen der „Tour mit Schanz“-Firma einzubinden. Da das Konzept der Reisen von „Tour mit Schanz“ vor allem Begegnungen mit Menschen verschiedener Faςon in den Vordergrund stellt, bin ich für die Büroleitung durch den Blog als möglicher Programmpunkt relevant geworden.
Familie Anz und ich in der Weinkellerei Gush Etzion
Das Treffen verlief wunderbar, und ich habe mich recht gefreut über die Gelegenheit, eine kleine Führung durch unseren Ort zu machen. Wer sich also durch seine Kirchengemeinde, Verein, Jugendgruppe o.ä. bei „Tour mit Schanz“ für eine Reise ins Heilige Land anmelden möchte, sollte damit rechnen, dass wir uns begegnen!
Gerd Buurmann zu „Jerusalems jüdischen Siedlern “ der ARD….hat sogar von der ARD ein Statement erbeten. Das nenne ich Gründlichkeitsarbeit.
Hier also zum allgemeinen Lesevergnügen die Meinung des vielbesungenen Kabarettisten und Aktivisten aus Köln…
Es ist eine unschöne Tradition in der Geschichte des Christentums, dass gerade an hohen christlichen Feiertagen das denkbar Schlechteste über Juden verbreitet wird. Pogrome fanden in der europäischen Geschichte oft am Osterwochenende statt, weil viele Christen glaubten, ihr Gottessohn sei von Juden ermordet worden. Das Jesus selber Jude war, wurde dabei stets geflissentlich übersehen. Auch im islamischen Kulturbereich findet sich die Tradition des Judenhasses an Feiertagen. Der folgende Film zum Beispiel, in dem gezeigt wird, wie ein Jude ein Kind schlachtet, um daraus Mazzebrot für Pessach zu machen, lief zu Ramadan im Fernsehprogram in Syrien (2003), im Iran (2004) und in Jordanien (2005).
In der ARD lief dieser Film nicht! Das ist wohl selbst für die ARD zu offensichtlicher Judenhass. Die Männer und Frauen der Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland müssen ihr Ressentiment etwas besser verpacken.
Ein Tag nach Karfreitag, am 4. April 2015, sendete die Tagesschau einen…
(Ein Dank geht an IK. für den Hinweis auf den Artikel)
Die Osterfeierlichkeiten sind schon bald zu Ende in der christlichen Welt, so auch in Jerusalem und in Betlehem. Selbstverständlich berichtet auch das deutsche Fernsehen über Ostern im Heiligen Land. Und während ich mich den Feierlichkeiten des jüdischen Festes Pessach in den letzten Tagen gewidmet habe – denn dieses religiöse und national allumfassende Fest mit dem zentralen Verbot des Essens von Gesäuertem hat am Freitagnachmittag begonnen und wird bis kommenden Freitag (10.04) andauern -, hat beispielsweise die Tagesschau eine Zuschaltung aus Jerusalem und Betlehem vorgenommen, und über Ostern am 04.04berichtet. Der Bericht konzentrierte sich diesmal auf die schwindende Anzahl der Christen im Nahen Osten, vor allem aber in Israel und der „Westbank“ (eigentlich berichten schon sämtliche internationale Medien über dieses traurige Phänomen seit den 90ern und verstärkt in den Jahren um 2009-2014), und im Fokus lagen wie gesagt die Christenanzahl und auf die Pilger, die laut Markus Rosch noch immer vom Gazakrieg des Sommers 2014 von der Anreise ins Heilige Land abgeschreckt werden würden. Der Eingang zur Grabkirche wurde gefilmt, mit wenigen Menschen davor (sollte die wenigen Pilger symbolisieren?), dann den menschenüberfüllten Markt im christlichen Viertel der Altstadt… …und dann der Kommentar über die Lage in der Heiligen Stadt – Altstadt, die ebenso Besucher abschrecken könnte, denn dort „leben jüdische Siedler, Muslime und Christen auf engstem Raum nebeneinander“ (00:36-00:45 im Video).
Irritiert euch da nicht etwas beim Lesen? Auch beim Anhören wird es nicht besser. Korrespondent Markus Rosch berichtet tatsächlich in der Prime-Time der Tagesschau ganz routinemäßig über die schwierige Lage der Altstadt mit farbenfrohen Bildern vom Markt und bezeichnet die jüdischen Bewohner der Altstadt von Jerusalem als Siedler. Macht nichts, dass Jerusalem Israels Hauptstadt ist, dass das Gebiet der Altstadt inklusive Klagemauer und auch Tempelberg auf offiziellem israelischen Staatsgebiet steht (und nicht etwa unter etwaiger Militärverwaltung), oder dass das jüdische Viertel schon jahrhundertelang nebst den muslimischen, armenischen und christlichen existiert, dass es eins der offiziellen internationalen touristischen Attraktionen der Jerusalemer Altstadt ist. Nein. In derAltstadt ist die Lage angespannt. Dort leben Muslime. Christen. Und jüdische Siedler. Lässt sich abwarten, wann der erste deutsche Korrespondent sie als illegal bezeichnen wird; schließlich war die Altstadt von 1948 bis 1967 unter jordanischer Eroberung, folgerichtig müsste es heute den Palästinensern gehören, denn so wie bei Judäa und Samaria, gehört das ehemals durch Jordanien Eroberte, widerrechtlich Besetzte und im Angriffskrieg gegen Israel Verlorene den Gewinnern des Krieges den Palästinensern… Wie abgrundtief absurd das Ganze auch für einige klingen mag, diese Sichtweise auf die Realität ist längst da und es ist eine Frage der Zeit, wann sie das öffentlich-rechtliche Fernsehen Deutschlands vollends erreicht, Vorreiter wie Herrn Rosch hat es ja schon.
Was den Rest des Beitrags angeht, so wird dort nicht etwa von den blühenden christlichen Gemeinden Israels erzählt, von der Integration christlicher Araber oder, wie sie sich des Öfteren selbst nennen, Aramäer, in die israelische Gesellschaft, von ihrem Dienst in der Armee und in öffentlichen Organen oder gar von einer Ostermesse in Nazareth. Dort gibt es eine kurze Schaltung nach Betlehem, und der extreme Schwund an christlichen Bewohnern Betlehems geht laut Beitrag vor allem auf die israelische Besatzung zurück. Nicht etwa auf die steigernde Radikalisierung der muslimischen Gemeinschaft Betlehems, nicht etwa auf die mangelnde Beschäftigung von Christen in palästinensischen Institutionen und deren Abwanderung durch Arbeitsmangel ins Ausland und auch nach Israel selbst. Nein, die Siedlungen (mit Efrat im Hintergrund zur Osterprozession im Video) sind schuld an der Abwanderung der Christen, und die Betlehemer Terrorabwehr-Mauer. 1% machten in 2010 Christen im gesamten Gebiet von Israel aus, incl. Gazastreifen, Judäa und Samaria. 1920 waren es 10% (siehe Statistik von Hanna Eissa im Reuters-Artikel). Betlehem, ursprünglich eine jüdische Stadt zu biblischen Zeiten und später eine christliche, hat weniger als 15% christliche Bewohner gegenüber einer heutzutage muslimischen Mehrheit. Die christliche Bevölkerung innerhalb des israelischen Staates allerdings ist laut Huffington Post Canada von 34.000 in 1948 auf 158.000 in 2013 gestiegen (Quelle hier).
Was kann man da noch sagen. Christenverfolgung im Nahen Osten steht nicht unbedingt auf der Welttagesordnung, wenn man aber dazu die jüdischen Siedlungen oder gar die jüdischen Siedler der Jerusalemer Altstadt im Hintergrund ablichten kann, passt es gut.
Nichts ist neu unter der Sonne. Spätestens seit den „Weißbüchern“ der britischen Mandatsregierung 1922 und 1939 wurde der jüdischen Zuwanderung und Ansiedlung im Land Israel offiziell das Potenzial der Illegalität zugewiesen, je nach Ansicht der jeweiligen an der zentralen Macht sitzenden europäischen Regierung. Wo liegt da noch der Unterschied zwischen Efrat und Petach Tikva, ja gar Tel Aviv oder Beer Sheva? Die jüdischen Siedler – sie sind überall…
Der am Abend des 02.04 verschwundene 22-jährige Israeli wurde ebend in der Nähe von der Siedlung Kiryat Arba gefunden, er hatte Konservenbüchsen und einen Schlafsack bei sich. Laut Medien- und Polizeiangaben hatte er sein Verschwinden gemeinsam mit seinem Freund, einem Soldat im Dienst, vorgetäuscht, offenbar wegen einer missglückten Liebesbeziehung oder „romantischen Gründen“. Die genauen Umstände werden ermittelt, die Fahndung ist beendet. Gegen die Verursacher der Operation werden offenbar rechtliche Schritte eingeleitet werden. In den Medien wird vom Großaufgebot der Einsatzkräfte und der Sorge der Familie des Verschwundenen berichtet, welche der 22-Jährige an der Nase herumgeführt hatte. (IDF; Tazpit News Agency; Ynet)
02.04.15: Wie israelische und internationale Medien berichten (Ynet, Channel 2, Times of Israel), besteht der Verdacht auf Entführung eines Israelis in der Gegend um die Siedlung Kiryat Arba/Hebron, Judäa.
UPDATES:
#4 Name des Verschwundenen: Niv Asraf, 22, aus Be’ersheva.
#3 22:28 Isr.Z. Pressestelle der israelischen Armee: „Wir behandeln diesen Fall als Entführungsfall. Aufklärungs- und Kampfeinheiten vor Ort sind kritisch in diesen Stunden.“ (Peter Lerner, Armeesprecher) Noch immer ist der verschwundene Israeli nicht gefunden, aber die Armee handelt in der Annahme, dass der Mann noch lebt.
Lokal: Über Gush Etzions dunklem Himmel schwirren unentwegt Hubschrauber. Die Etzion-Einsatzbasis der israelischen Armee befindet sich direkt gegenüber der Siedlung Alon Shevut.
#2 Israelische Sicherheitskräfte fahnden gemeinsam mit den Sicherheitskräften der PA nach dem Verschwundenen. Die PA-Sicherheitskräfte gehen sowohl von einem nationalistischen Tatmotiv als auch einem kriminellen aus. Ein Verwandter des Verschwundenen bittet die Öffentlichkeit, für diesen zu beten.
#1 Times of Israel – Unklar, weshalb der 22-Jährige in das Dorf Bet Anun gegangen ist. Anonyme Polizeiquellen werden zitiert, der Freund des Verschwundenen habe mehrere Versionen zu Protokoll gegeben; außerdem sei das angeblich beschädigte Rad des Fahrzeugs nicht beschädigt gewesen, wie anfangs behauptet. Das Mobiltelefon des Verschwundenen hat der Beifahrer beim Ausstieg im Wagen liegen gelassen.
Zur Ortskarte Kiryat Arba / Bet Enun
Laut Berichten war um 16.15 Uhr nachmittags bei der Polizeistelle 101 eine Meldung eines israelischen Autofahrers eingegangen, dessen Aussage zufolge er mit einem Freund eine Autopanne auf der Schnellstraße 60 in der Nähe der Siedlung Kiryat Arba/Hebron, bei dem arabischen Dorf Bet Enun gehabt hatte. Nachdem der Beifahrer sich in das Dorf aufmachte, um Reparaturwerkzeug zu besorgen, sei er nicht mehr zu erreichen. Ein Großaufgebot an Armee- und Polizeieinsatzkräften wurde zur Fahndung in das Gebiet Kiryat Arba und Bet Enun ausgeschickt.
Laut Bericht der Times of Israel, handelt es sich bei dem Verschwundenen um einen 22-Jährigen aus Beersheva im Süden des Landes. Mit seinem Freund waren die beiden zu einem Besuch der Patriarchenhöhle nach Hebron gefahren. Der Freund des Verschwundenen wartete im defekten Auto ca. eine halbe Stunde auf den Beifahrer, bevor er die Polizeit von seinem Verschwinden alarmierte. Der Verschwundene war offenbar mit dem Areal vertraut, da er während seiner Armeezeit in dem Gebiet stationiert gewesen war.
Weitere Neuigkeiten:
Zur Ortskarte Rosh haAyin/Oranit
Heute morgen hatte ein palästinensischer Jugendlicher asu Tulkarem versucht, am Grenzübergang Oranit nach Samaria in der Nähe der israelischen Stadt Rosh haAyin einen israelischen Offizier bei einer Routinekontrolle mit einem Messer zu erstechen. Der Offizier , Yo’av Leitmann, neutralisierte den Angreifer und nahm ihn fest, wurde dabei leicht am Kopf verletzt. Der Terrorist hatte zusammen mit einer Gruppe versucht, illegal über die Grenze ins israelische Kernland zu gelangen.
Wie sehr sich die europäische, insbesondere die deutsche, Betrachtungsweise des Lebens von der israelischen unterscheidet, kriege ich hin und wieder am eigenen Leib im Alltag zu spüren. Eine Art gedankliche und emotionale Dissonanz zwischen dem, was ich sehe, und dem, was ich empfinde, und ich weiß, es liegt oftmals nicht an dem sich faktisch vor meiner Nase Abspielendem, sondern einzig und allein an meinen Interpretationsgewohnheiten. Das Leben in einer Siedlung und in „rohen“ Bedingungen, unberührt von der gewissen Uniformierung des Großstadtlebens, bietet die beste Gelegenheit für solche „privaten Verhaltensanalysen“.
Neulich wurde ich von einer deutschen Journalistin gefragt, wie sehr mich die pazifistisch orientierte Erziehung in deutschen Schulen beeinflusst habe und wie sich das wohl mit meinem Wunsch vereinbaren ließ, in der israelischen Armee zu dienen. Diese Frage war mir mit Respekt und Interesse gestellt worden, und ich habe mich nicht verstellen müssen, als ich sagte, zu meiner Zeit hätte es gar keine Gespräche über Pazifismus an meiner Schule gegeben, und auch nur sehr, sehr wenig über die Situation in israel.
Es ist wahr, dass ich noch vor einigen Jahren in meiner alten Schule weniger Einmischung in die Denkweise seitens öffentlicher Organe gespürt habe, als ich es heute durch die Medien mitbekomme. Vielleicht war ich einfach ein Mensch, an welchem die Versuche, mir eine bestimmte Denkweise aufzudrängen, leichter scheiterten; vielleicht empfand ich meine Schule als einen tatsächlich meinungsoffenen, ideologiefernen Ort. Wie dem auch sei, dies und die Erziehung daheim sowie meine angeborene Neugier hatten mich offen werden lassen für ein unkonventionalles Betrachten dieser Welt, und mir einen „Freipass“ für selbstständiges Denken gegeben. Ich muss sagen, ich hatte es in dieser Hinsicht wirklich leicht.
Aber ich will es nicht abstreiten: Es sitzt da. Das deutsch-europäische Erbe. Die Art zu denken, zu kommunizieren, Vergleiche aufzustellen, zu erwarten und zu (be-)richten. Woran erkenne ich, dass es etwas spezifisch „deutsches“ oder „europäisches“ ist? In meinem Fall ganz einfach – ich erinnere mich, woher ich eine bestimmte Angewohnheit habe, in dem Moment, wo ich sie bewusst bei mir erfasse, und erinnere mich an die Verhaltensweisen oder Äußerungen anderer um mich herum in dieser oder ähnlicher Situation, in Deutschland oder in anderen Ländern, bei europäisch, russisch oder orientalisch geprägten Menschen. Und meine deutsche „Vergangenheit“ ist weiß Gott nicht so lange her, dass ich die Veränderungen, die in meiner Weltsicht und meinem Verhalten seit meiner Einwanderung nach Israel stattgefunden haben, nicht merken würde.
Meine Beobachtungen? Ganz gleich, wie „jüdisch geprägt“ die Abendlandstradition auch sein mag oder man sie gern als solche hinstellt – sie hat nur allzu oft nichts gemein mit dem, was man in Israel zu hören und zu sehen bekommt. Vor allem in meiner Umgebung, in den jüdischen Siedlungen von Judäa und Samaria. Die Realität hier hat viele schöne, sehnsuchtsvolle, gar romantische Seiten; aber es gibt freilich genügend Situationen, da würde auch ich als ein dieser Realität positiv gegenüberstehender Mensch die Worte „erstaunlich“ oder „gewöhnungsbedürftig“ nehmen, um sie zu beschreiben. Ohne die diesen Worten eigene negative Konnotation.
Ich gebe euch einige Beispiele.
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Israelisches Kennzeichen. Quelle: Wikipedia
Da ist zum Beispiel das Thema per Anhalter fahren. Ein häufiger Kritikpunkt an Siedlern auch seitens der restlichen Israelis, die sich fürchten, per Anhalter in diesen Gegenden zu fahren. Anhalterfreunde, die auf dieselbe Weise durch ganz Europa oder Südamerika reisen, mögen uns vielleicht verstehen – wohl kaum ein besonnener Tourist. Aber das ist ja noch das halbe Ding. Einem „Uneingeweihten“ in das komplizierte Nebeneinander von palästinensischen Arabern und Juden in Judäa und Samaria fällt schlichtweg die Kinnlade hinunter, wenn dieser bemerkt, wann ein jüdischer Israeli seinen Arm zum Anhalten hebt und wann wieder senkt. Er hebt nämlich den Arm, wenn ein Fahrzeug mit gelbem Nummernschild vorbeifährt, und senkt ihn schnell wieder, wenn eins mit weißem Nummernschild und grünen Zahlen ankommt!
Kennzeichen der Palästinensischen Autonomiebehörde. Quelle: Wikipedia
Denn im Fahrzeug dieses Kennzeichens sitzt zu 99,9% ein Araber, ein nicht-israelischer Araber noch dazu, und von diesem wird sich kein jüdischer Israeli fahren lassen. Zu keiner Tageszeit, unter keinen Umständen (außer wenn er den Fahrer kennt, und selbst dann nicht unbedingt, und auch ein solcher Fall ist praktisch unwahrscheinlich). Dies gilt als ungeschriebene Regel für alle Siedler und es gibt niemanden, der dies nicht weiß. Es ist auch eine ungeschriebene Regel für die Araber, und sie wissen es auch, und sie würden auch nicht anhalten beim Anblick eines jüdischen Trampisten.
Frage: Ist das nun eine „siedlertypische Diskriminierung“?
Da haben wir es. Hier der Gedankenansatz einer dieser Realität vollkommen fernen Weltsicht.
Erstens, es hat keine der beiden Parteien ein Interesse, sich vom jeweils anderen fahren zu lassen. So wie Juden freiwillig nicht bei Arabern einsteigen, so steigen Araber freiwillig nicht bei Juden ein, und niemand wird dabei benachteiligt oder zu etwas gezwungen. Demnach ist keine Diskriminierung vorhanden. Ob es eine „siedlertypische“ Angelegenheit ist? In Judäa und Samaria trampen fast ausschließlich nur die lokalen Einwohner – Juden und Araber. Jemand von „außen“ würde es nicht machen, zum Beispiel ein gewöhnlicher Israeli aus Jerucham (wo liegt nochmal Jerucham?). Und wenn man fragt, wieso? – Aus Angst, und überwältigend negativer kollektiver Erfahrung.
Wieso denn Angst?, könnte man fragen. Wahrscheinlich wegen der letzten Entführungs- und Mordfälle bzw. missglückter Attentate seitens arabischer Terroristen an Grenzübergängen und Bushaltestellen, mindestens 4 davon allein in den letzten 5 Monaten, die Entführung und Ermordung der drei Teenager Eyal, Gil-ad und Naftali im Juni 2014 nicht mit eingerechnet. Und das sind nur die letzten Zahlen – wir haben das Jahr 2015, aber die Betonblöcke vor jeder Haltestelle in Judäa und Samaria stehen schon seit Längerem, damit Wartende sich vor in die Menge rasenden Autos, Schüssen, Steinwürfen und ähnlichem schützen können. Das sind keine Übertreibungen – die Blöcke und Betonwände stehen da. Nach der Entführung der drei Jungen (von welchen lediglich einer aus Samaria stammte) und insbesondere nach der Ermordung der jungen Dalia Lemkos aus Teko’a (10.11.14) an der Bushaltestelle in Alon Shvut (meinem Dorf) stehen an jeder Haltestelle bis Mitternacht hin bewaffnete Soldaten. Auch diese werden angegriffen (siehe 26.02.15).
Entführungen und Mordversuche also. An Bushaltestellen auf dem Weg zur Arbeit, zum Einkaufen und zum Ausgehen. Wenn man diesen Hintergrund kennt, aber auch nur wenn man ihn kennt, ist es möglich, zu erklären, dass Juden und Araber getrennte Haltestellen haben, jeder für seine Form von öffentlichem Verkehr.
Zugegeben – es erscheint seltsam, und unangenehm. Vergleiche drängen sich auf. Gut, fahrt mit verschiedenen Bussen, der eine fährt in eine arabische Stadt, der andere in eine jüdische. Aber wieso müssen die Palästinenser abseits warten, am Straßenende aussteigen und wieso hat die für Araber gedachte Haltestelle so ein vernachlässigtes Aussehen? Wenn ihr zusammen im Supermarkt einkauft, wieso trennt ihr die einen von den anderem auf der Haltestelle?
– Ich musste mir selbst eine Antwort auf diese Frage suchen, die in mir bei dem ungewohnten Anblick immer wieder aufkam. Ich teile sie mit euch:
Die palästinensische Autonomiebehörde, kurz PA, hatte entsprechend der Oslo II -Friedensabkommen von 1995 die Autorität erhalten, die Mehrheit der arabischen Städte, Dörfer und sie umgebenden Areale eigenständig zu verwalten. Die Teilung von Judäa und Samaria in Gebiete unter verschiedeneder Befugnis – unter der Verwaltung der PA, der israelischen Legislative oder einer geteilten Verwaltung- wurde in diesen Abkommen festgelegt, und so entstanden Gebiete mit der Bezeichnung A, B und C. Um es kurz zu fassen, haben Israelis (ausgenommen israelischer Araber) keinen
Schilder bei der Einfahrt nach Jericho.
Zutritt in Gebiete A, Durchfahrtsrecht in Gebieten B und Wohnrecht in Gebieten C, das für Israelis unter fast derselben Befugnis steht wie sonstiges Staatsgebiet. Araber hingegen haben Zugang zu A und B und C, aber keinen unerlaubten Zutritt in Siedlungen der Gebiete C. Vor arabischen Wohnorten steht heutzutage zumeist ein rotes Schild, welches besagt, dass Zutritt für Israelis rechtlich verboten und lebensgefährlich ist.
Über die Verkehrsoptionen, demnach also Buslinien, Haltestellen etc. für die Bewohner dieser Orte hat die israelische Regierung keine direkte Verfügung oder Verantwortung, sie liegt allein in den Händen der PA. Nichtstaatsbürger Israels brauchen für eine Einfahrt in offizielles Staatsgebiet, so Jerusalem, ein Einreisevisum, oder eine Zutrittserlaubnis in ein jüdisches Dorf. Jüdische Israelis dürfen unerlaubt nicht nach Bet Lechem oder in einen anderen arabischen Ort fahren. Daher können beide Bevölkerungsgruppen schon einmal keine gemeinsamen Verkehrsmittel nutzen, sei es auch nur bürokratisch betrachtet. Zum Thema Angst, Mordversuche etc. siehe oben; Mordanschlag auf Sgt.Eden Atias, 19 im Bus nach Afula von einem illegal nach Israel gelangten Palästinenser siehe hier.
Auch für den Ausbau der Haltestellen, für ihre Erneuerung, sorgt sich die jeweilige Regierung. Erneuert keiner eine Haltestelle, so bleibt sie alt. Stellt keiner eine Haltestelle hin, so wird ein Trampist eben im leeren Feld oder am Straßenrand abspringen. Und ein jeder abspringende arabische Trampist stellt – der Erfahrung nach – eine potentielle Gefahr für den am selben Straßenrand wartenden Juden dar.
Hier in Judäa und Samaria weiß man das. Aus blutiger Erfahrung. Jeder weiß das, der Jude wie der Araber. Und sie alle leben damit, weil die Gesellschaft hier nun einmal von den Taten der Einzelnen bestimmt wird. Und so gewöhnt man sich daran, an bestimmter Stelle abzuspringen, wachsam zu sein, die richtigen Leute im Auto zu erkennen. Solange die Spielregeln beider Seiten eingehalten werden, „fließt alles הכל זורם“, sagt man auf Hebräisch. Und nur der sprachlose Tourist wundert sich und kämpft mit der Diskrepanz zwischen Erwartung und Realität.
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Ich bringe noch ein Beispiel, diesmal abseits des nationalen Konflikts: Die Rolle von Männern und Frauen, Jungen und Mädchen, ihr öffentlicher Auftritt und Interaktion.
Zur Illustration. Tanzende Frauen in Gush Etzion.
in den meisten jüdischen Siedlungen leben religiöse Juden. Dabei sind diese meist Vertreter der sogenannten „gestrickten Kipa“- oder nationalreligiösen Bewegung. Was bedeutet das im Klartext? Es ist eine aufs Land Israel orientierte, die Gesetze der Tora im relativen Einklang zur Moderne einhaltende Richtung des Judentums. Eine moderne Orthodoxie, welche Frauen und Männern gleichermaßen das Recht einräumt, zu arbeiten, zu lernen, bedeutende Berufe zu erlernen, sich aller Neuerungen und Erfindungen der Neuzeit ohne schlechtes Gewissen zu bedienen – allerdings mit Maß und bestimmten Rahmenbedingungen, und natürlich gibt es immer ungeschriebene Gesetze und Normen. Die moderne Orthodoxie des Judentums, vor allem die unter Siedlern verbreitete, kennt keine einheitlichen Kleidernormen à la der ultraorthodoxen Bewegung (man kennt sie: schwarze Anzüge, schwarze Hüte oder Pelzmützen, weiße oder schwarze Golfsocken, die Frauen mit Perücken oder ebenso dunkler langer Kleidung oder glänzenden Kleidern). Dort folgen die Menschen verschiedenen Rabbinern und Meinungen, und je nach eigener Strenge oder Nachlässigkeit tragen die Männer feste Schuhe oder Sandalen, schneiden Haare oder lassen sie wild wachsen (Schläfenlocken sind trotzdem zu erkennen); die Frauen tragen keine Perücken, sondern bunte Hüte oder Tücher, mit allem Möglichen verziert; die Ärmel sind kurz oder halblang und die Röcke können auch bis knapp ans Knie gehen. Frauen tragen auch Hosen, Tanzendeje ländlicher die Gegend, desto häufiger.
Bei den Siedlern ist dabei das Auffälligste das wilde Sammelsurium an Kleidungsstilen – oder eher seine Abwesenheit. Abendkleid mit Turnschuhen an Feiertag? Kein Problem. Schuhe aus den Siebzigern oder Ethnohemd mit schwarzem Stilrock und Flip-Flops? Auch kein Problem. Leggins und Jeansröcke sind nicht voneinander zu trennen, 3/4-Ärmel unter einem Kleidungsstück, das eigentlich im Schaufenster eine ärmellose Bluse mit tiefem Ausschnitt gewesen ist, sind Norm. Männer wie Frauen bis ins tiefe Alter lieben „Dorfsandalen“ immer derselben Firmen. Armeejacken, Fliespullis sind sehr beliebt, und immer gibt es diese T-Shirts mit Aufdrücken von einer bestimmten Klassenfahrt, einer Armeeeinheit, einer Jugendgruppe oder irgendeiner Aktion, mit einem klugen oder lustigen Satz, Zeichnungen und Logo der Schule oder des Vereins. In allen Farben des Regenbogens. Ethno und Retro sind nie aus der Mode hier. Enge Jeans und T-Shirt tragen wagen nur wenige Mädchen aus religiösen Familien (aber auch sie gibt es).
Zur Illustration. Mädchen bei Freiwilligenarbeit.
Warum sind aber Mädchen immer irgendwie gefragt, was „verdeckende“ Kleidung angeht? Weil die jüdische Tradition und Religion und der „gute Geschmack“ es besagen. Während in einer streng einhaltenden Umgebung bestimmte Kleidungsform vorgeschrieben wird, um züchtige Kleidung für Männer und Frauen zu gewährleisten, ist in nationalreligiösen Gemeinschaften das Vertrauen in die Eigenverantwortung des Kindes und des Erwachsenen höher. Mädchen und Jungen lernen vor allem im Elternhaus, was es heißt, seine Privatsphäre für sich zu behalten – der eigene Körper ist nicht dazu da, um ihn anderen zur Schau zu stellen. Man läuft nicht ohne Shirt auf der Straße als Junge, und niemals in Unterhemd als Mädchen. Mädchen werden behütet, und lernen, ihren Körper mit Eifer vor Blicken und Belästigungen zu schützen.
Zur Illustration. Mädchen-Schulklasse.
Fragt man ein nationalreligiöses Mädchen, wieso sie sich nicht „sexy“ kleiden möchte, wird sie wahrscheinlich als Erstes antworten – „damit man mich nach meinen inneren Werten beurteilt, und nicht nach meinem Körper“. Und erst dann wird sie das jüdische Gesetz dazu zitieren. Denn das ist die Begründung, welche hinter der Vorschrift gegeben wird, und die hier weitestgehend verinnerlicht wird. Das hindert die Jugendlichen nicht daran, miteinander zu spielen, zu lachen, zu wandern, und auch mal in Gruppen auszugehen; Erwachsene arbeiten zusammen, Frauen und Männer haben gleichen Status, aber wenn es um Beisammensein geht, so teilen sie sich wie automatisch auf, und eng ist man immer mit Freundinnen als Mädchen, oder mit Freunden als Junge, und niemand käme auf die Idee, bei dem anderen Geschlecht zu übernachten etwa, auch wenn man noch zuvor zusammen beim Lagerfeuer gesessen hat.
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Das alles ist ein Erlebnis für mich, es lässt mich schmunzeln und manchmal auch dagegen sträuben, und nicht alles würde ich später in meiner Familie übernehmen, und von vielem anderen lerne ich und freue mich, neue Horizonte zu eröffnen.
Allzu häufig spüre ich dabei, dass mein abendländisches Gedankenkonstrukt schier zusammenbricht vor manchen Situationen, Begegnungen und neuen Erkenntnissen, und ich begreife, dass dahinter sich kein Abgrund und kein Trümmerfeld verbirgt, sondern eine andere, nicht minder nützliche, Respekt verdienende und vor allem authentische Realität.
Menschen ohne Vorkentniss und ohne des Bonus‘ der offenen Denkweise aber, die recht tief in ihren eigenen Weltvorstellungen verankert sind und sich dessen selbst vielleicht gar nicht bewusst sind – ich wuesste kaum, wie man sie aus ihrem Schock herausziehen könnte, wenn sie auf manches treffen, was Israel und speziell die Wirklichkeit in den Siedlungen ausmacht. Da kann man, so scheint mir, nur erzählen, zeigen und erzählen, und vielleicht tut die Zeit das ihre.
Gestern (Dienstag, 31.03.15) wurden seitens der „Israelischen Zivilverwaltung„, einem Regierungsorgan zuständig für israelische Bürger und Landverwaltung in Judäa uns Samaria, einige Bauten des Vorpostens „Givat Sorek“ bei der Siedlung Karmey Tzur, in der Nähe der arabischen Stadt Halhul in Judäa zerstört. Es waren eine provisorische Synagoge, welche den im Sommer entführten Jugendlichen Eyal, Gil-ad und Naftali gewidmet worden war, eine „Ruheecke“ für Soldaten, an welcher sich lokal wachende Soldaten ausruhen und etwas essen konnten, sowie ein Aussichtspunkt auf das nahegelegene Feld, auf welchem am 01.07.2014 die Leichen der entführten Jugendlichen gefunden worden waren.
Die Vorgeschichte
Der Vorposten „Givat Sorek“ wurde mit Unterstützung der Bezirksverwaltug von Gush Etzion direkt nach der Auffindung der drei entführten Jugendlichen gegründet, im Sommer 2014. Benannt wurde es nach dem jungen Paar Eyal und Ya’el Sorek. Die jungen Eheleute – Eyal, 23, Berufssoldat kurz vor Dienstende, und Ya’el, 24, Mathematikstudentin und im neunten Monat schwanger – wohnten in der Siedlung Karmey Tzur und wurden am 07.06.2002 von einem arabischen Terroristen ermordet, als dieser in die Siedlung eindrang. Sein weiteres Opfer war der Reservesoldat Shalom Mordechai (35), der im Schusswechsel mit dem Terroristen starb. Bei der Errichtung der Bauten prüfte die Bezirksverwaltung von Gush Etzion – so ihr Sprecher, Yehuda Shapira – den Status der Ländereien und möglichen Privatbesitz, und stellte keine Verletzung von Privatbesitz fest.
Auf dem Vorposten wurden ein provisorischer Synagogenbau, die „Ruhe-Ecke“ und ein Aussichtspunkt mit einer Pergola errichtet. Soldaten und Einwohner von Karmey Tzur bewachten den Vorposten regelmäßig.
Der Beschluss der Zivilverwaltung, den Vorposten zu räumen, kam zustande, da der Oberste Gerichtshof den Status der Ländereien, auf welchen die Gebäude erbaut wurden, als „fraglich“ gewertet hatte. Fraglich bedeutet im Allgemeinen, dass ein Antrag von einer Organisation bzw. einer Privatperson bei dem Obersten Gerichtshof (Bagatz) eingereicht wurde, der behauptet, die Ländereien seien nicht als Staatsland anerkannt, sondern gehörten einem Araber oder einem arabischen Ortaus der Gegend.
In diesem Fall verhalf eine linksgerichtete, gegen Siedlungsbau aktive Organisation einem arabischen Privatmann dazu, einen solchen Antrag beim Obersten Gerichtshof einzureichen. Das Gericht wandte sich an den Staat mit dem Verlangen, auf den Antrag zu reagieren. Der Staat gab zur Antwort, aufgrund möglicher Zweifel am Eigentum dieses Landstückes den bestehenden Vorposten noch vor der Nachprüfung dieses Antrags zu räumen.
Ob dieser Antrag sich bewahrheiten wird, und ob das Land tatsächlich in die Hände dieses speziellen Einwohners gegeben wird, oder der Stadt Halhul, oder nun nach der Demolierung zu einer Militärbasis umfunktioniert oder einfach nutzlos brachliegen wird, kann zurzeit nicht beurteilt werden. Und da die Zivilverwaltung keinesfalls als siedlerfreundlich bekannt ist, reichte allein der Zweifelzustand aus, um Bagger und Einsatzkräft an den Plan zu rufen und die Gebäude zu zerstören.
Givat Sorek, vor und nach der Demolierung. Fotos: Yehuda Wald, Israel National News / Channel 7Fotos: Yehuda Wald, Israel National News / Channel 7Fotos: Yehuda Wald, Israel National News / Channel 7
Wollte kurz von einer netten Initiative berichten, die im Karavanenviertel so unter den Nachbarn initiiert worden sit – Kleidertausch zwischen Frauen (nicht etwa Frauentausch).
Ein paar junge Nachbarsfrauen schlugen vor, sich heute abend in der Synagoge zu treffen und Second-Hand-Kleidung mitzubringen, die die eine nicht braucht, damit ggf.eine andere Gefallen daran finden kann. Second-Hand-Laden selbstgemacht und ohne Geld.
Also schleppten wir Tüten mit Altkleidern an, verteilten es auf die Bänke, auch Kosmetik und Schmuck waren dabei, und begannen, nach attraktiven „Angeboten“ der anderen zu suchen. Die meisten wurden fündig und den für Rest erklärte sich eine bereit, ihn an einen Wohltätigkeitsladen zu spenden.
Das Beste war eindeutig das Zusammentreffen von uns Mädels und der Spaß, den wir hatten.
Die letzte Woche vor dem Großfeiertag Pessach (auch Ungesäuerten-Fest oder Frühlingsfest genannt) hat begonnen, die Menschen in ganz Israel zählen den letzten Putz-Countdown und schrubben sich wild, streichen Wände, wechseln Möbel, essen wie wild ihre gesäuerten Produkte und rennen in Einkaufzentren auf wilder Suche nach Geschenken für Freude und Familie. Eine wahnsinnige Symphonie der Erneuerung spielt von allen Ecken, noch viel mehr, als man das zum jüdischen Neujahr im Herbst erleben kann.
In der Woche zuvor, namentlich zwischen dem 20. und dem 27.März hat eine bezeichnende soziale Aktion in ganz Israel und speziell in Gush Etzion stattgefunden, nämlich „die Woche der Guten Taten“. Eigentlich existiert die Initiative schon seit 2007, ins Leben gerufen durch die Geschäftsfrau und Philantropin Sheri Arison, und beschränkt sich auf ein Großaufgebot an sozialen Aktionen in allen Lebensbereichen rund ums ganze Land an einem besonderen Tag. An diesem Tag werden alle möglichen freiwilligen Projekte, sei es im Bereich des Umweltschutzes, der Altenpflege, der kreativen Arbeit mit Kindern, Behinderten, im Tierschutz, der Verschönerung von öffentlichen Einrichtungen oder anderem sozialen Engagement, konzentriert und ausgeführt, in der Hoffnung, die freiwillige Beteiligung an der Verbesserung der eigenen Gesellschaft vor allem bei Kindern und Jugendlichen, aber eigentlich Mitbürgern jeden Alters zu fördern. Freiwilligenarbeit ist das Motto, und engagieren tun sich einzelne und organisierte Gruppen, Schulklassen, Jugendzentren, Hobbyvereine, Geschäftsleute, Sportler, Künstler und mehr.
Wie gesagt, seit 2007 gibt es das als „Tag der Guten Taten“ in Israel – dieses Jahr fiel es auf den 24.März. Laut der Facebookseite des Projekts Good Deeds Day engagierten sich an diesem Tag über 800.000 Israelis in über 260 israelischen Städten und 50 Gemeinden weltweit an der Aktion. Bildergalerien und anderes kann man sich auf der (hebräischsprachigen) Webseite hier anschauen.
Quelle: Email-Verteiler der Bezirksverwaltung
In Gush Etzion, Judäa, beschlossen es die Verantwortlichen für Freiwilligenarbeit in der Verwaltung, es auf eine ganze Woche auszuweiten. Und so gab es in Gush Etzion die „Woche der Guten Taten“ – 20.-27.03. 15 ! Laut den Angaben, welche der Vorsitzende der Bezirksverwaltung, Davidi Perl, Ende letzter Woche veröffentlichte, waren an der Projektwoche über 3000 Einwohner von Gush Etzion in über 80 Projekten beteiligt, welche Grußkarten an Soldaten und Kranke, Hilfe für behinderte Kinder, Verschönerung öffentlicher Anlagen, Krankenbesuche, Putzaktionen, Vorbereitungen für Pessach und anderes mehr beinhalteten. Das Besondere an diesem Jahr – auch ältere Menschen, Rentner und kurz vor der Rente Stehende, wurden in die Tätigkeiten miteinbezogen, gemeinsam mit den Kleinsten und den Jugendlichen, um einen Austausch von Generationen zu ermöglichen.
Ich habe dazu den Sprecher der Bezirksverwaltung, Herrn Jehuda Shapira, befragt.
⇒ Erzählen Sie mir ein wenig über die Aktion speziell auf Gush Etzion bezogen.
Die Aktion der „Guten Taten“ ist nicht unsere Erfindung, das war eine Initiative von Sheri Arison und es wird landesweit ausgetragen. Unsererseits haben an die 3000 Menschen teilgenommen – Ältere, Kinder, Jugendliche, Kindergärten und Schulen. Im Internet kann man sich das gesamte Programm für diese Woche herunterladen.
⇒ Wieso aber eine Woche lang?
Es fiel so einfacher, die verschiedenen Projekte zu koordinieren. Die Entscheidung wurde von der Beauftragten für Freiwilligenarbeit getroffen.
⇒ Was ist so besonders an dieser Aktion? Welche besonderen Projekte hat es gegeben?
Beispielsweise den Wohltätigkeitsmarathon, der am letzten Tag, dem 27.03, für die Kinder des SHALVA-Verbandes für behinderte Kinder und Jugendliche organisiert wurde. Oder es gab auch die Krankenbesuche seitens Mitarbeitern der Bezirksverwaltung, welche gemeinsam mit der „Volume“-Soundfirma für die bettlägerigen Kinder in verschiedenen Krankenstationen gesungen haben. Es wurde in Gärten und öffentlichen Parks gearbeitet, Parkbänke wurden gefärbt…. All das waren spezielle Aufgaben, und nicht Teil der regulären Freiwilligenarbeit, die es gibt. Einige der Teilnehmer haben sich auch an Projekten außerhalb Gush Etzions beteiligt, so im Erlebnispark „Mini Israel“.
In diesem Jahr haben wir etwas Neues eingeführt, nämlich den Einbezug von Menschen im Alter von 50+ und Rentnern in die Aktivitäten gemeinsam mit den Kindern und Jugendlichen. Diese Menschen haben generell Zeit, und viel Lebenserfahrung, die sie an die Jungen weitergeben können. Sie wurden in verschiedene Erziehungsprojekte einbezogen, haben kleine Kurse und künstlerische Aktivitäten mit den Kindern durchgeführt und gemeinsam gelernt. Das ist wirklich etwas Neues, das wir vorher nicht hatten.
⇒ Wer entscheidet, welche Aufgaben man in dieser Woche erfüllen wird?
Die Jugendleiter, Gemeindeverwaltung, es gibt nichts Verpflichtendes, wir sind für alle Ideen offen. Hauptsache, dass es an diesem Tag oder in dieser speziellen Woche ausführbar ist.
⇒ Gab es auch Projekte, die beispielsweise den Ausbau von Siedlungen betrafen?
Es wurden Parks oder Gärten oder generell das Aussehen von Vierteln verbessert, aber keine Vorposten gebaut, wenn Sie das meinen.
⇒ Gab es einen Einbezug der arabischen Bevölkerung in dieses Projekt?
Nein, was dieses Projekt angeht, so gab es da keinen Einbezug, von anderen Interaktionen müsste man getrennt sprechen.
⇒ Sind auch Gruppen von anderswo zur Freiwilligenarbeit nach Gush Etzion gekommen?
Nein, aber wir haben es auch nicht erwartet.
⇒ Gibt es im Rest des Landes Rückmeldungen zu eurem Aktivismus?
Auf Landesebene gibt es kein Feedback oder besondere Aufmerksamkeit dafür, aber auf lokaler Ebene schon, so auf der Webseite unserer Verwaltung oder in den sozialen Netzwerken, da werden Bilder geteilt, Jugendliche berichten von Erlebnissen usw. Es gab viel Begeisterung und Freude darüber.