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Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

Die Überschrift für die folgende Geschichte, „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“, habe ich nach dem Titel des Erfolgsromans des israelischen Schriftstellers Amos Oz gewählt. Diese Geschichte enthält unbeschreiblich viel Finsternis, und unendlich viel Liebe. Nur dass Oz, als erklärter linksgerichteter säkularer Intellektueller, überzeugter Verfechter der Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern und Gegner der Rückkehr von Juden nach Judäa und Samaria, nicht unbedingt begeistert wäre von dieser Titelwahl. Oder? Und was würdet ihr sagen?

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…Es war einmal eine kinderreiche, fröhliche Familie. Vater Yaakov, Mutter Noa und sechs Kinder, zwei Jungen und vier Mädchen. Die Eltern waren noch jung, Anfang Vierzig. Der Vater liebte seine Familie, seine Kinder und weil er Kinder liebte, arbeitete er als Grundschullehrer. Beide waren sie traditionsbewusste und gläubige Menschen, hatten viele Freunde und Bekannte. Sie liebten das Land und die Berge und wohnten in einer kleinen Stadt inmitten von Hügeln und Olivenbäumen – Kiryat Arba, einer warmen Heimstätte für etwa 7000 Einwohner in den malerischen Bergen von Hevron. Ihre Kinder waren ihr großer Stolz. Die Eltern hatten ihnen bedeutungsvolle Namen gegeben, so wie es in ihrer Gemeinde üblich war: Moria – „Gott ist mein Lehrer“, Netanel – „ein Geschenk Gottes“, Sarah Techiya  – Sarah, „die Fürstin“, Techiya – „die Wiedererstehung“.  Der knapp 18-jährige Sohn Netanel arbeitete als Freiwilliger bei dem „Roten Davidsstern“ – dem Äquivalent des Roten Kreuzes in Israel. Sarah Techiya, 21, die Älteste der Familie,

Sara Techiya und Ariel, Quelle: Israellycool
Sara Techiya und Arie bei ihrer Verlobungl, Quelle: Israellycool

hatte schon früh die Liebe ihres Lebens, Ariel, der nur wenige Jahre älter als sie war, gefunden. Das junge Paar wollte feierte seine Verlobung im Kreise der Familie und schon wenige Monate später wollte es heiraten. Die Hochzeit sollte nirgendwo anders als im größten Veranstaltungssaal der Hauptstadt Jerusalem stattfinden. Der Tag? Dienstag, der 17.November 2015.

Es kam die entscheidende Woche vor der Hochzeit. Es mussten noch viele Vorbereitungen getroffen werden, die Aufregung war groß. Sarahs Vater, er hieß übrigens Yaakov, hatte schon am Donnerstag vor der Hochzeit den feierlichen Anzug anprobiert und auch der Bruder Netanel hatte sein Hemd gebügelt gehabt. Am Wochenende würden die Eltern und Geschwister die Zeit mit Sarahs Bräutigam Ariel verbringen, den alle schon längst in ihr Herz geschlossen hatten. Sarah würde das letzte Wochenende ihres „Single“-Daseins mit den Freundinnen feiern – eine Art „Junggesellinnenabschied“ eben.

Ariels Familie wohnte in der kleinen Ortschaft namens Meytar, nördlich von der Wüstenmetropole Beer Sheva. Genau dorthin machten sich Vater Yaakov, Mutter Noa, Sohn Dvir und die drei Mädchen Tehila, Moria und Avia am 13.11.15 auf im Familienauto. Am Steuer saß der 17-jährige Netanel. Die Strecke führte an kleineren und größeren Dörfern vorbei, die Autobahn wand sich durch die Berge, passierte Hevron, die Siedlungen Bet Haggai und Otniel.

Es war kurz vor drei Uhr nachmittags, Sarah hatte gerade daheim geduscht, da begann das Telefon zu klingeln. „Hast du gehört, auf der Autobahn bei Otniel hat es gerade ein Attentat gegeben!“, sprach der Onkel am Telefon, als Sarah den Hörer abhob. Von plötzlicher Angst ergriffen, wählte Sarah die Nummer ihrer Eltern. Niemand ging dran. Weitere Anrufe erreichten sie, und sie erfuhr, dass ihre Mutter und ihr Bruder Dvir verletzt wurden. Sarah rief in Panik ihre zukünftigen Schwiegereltern an. „Sind alle am Leben?“, wollte sie wissen. „Es ist nicht sicher“, bekam sie zur Antwort.

Sarah begann panisch zu schreien. Das Haus füllte sich plötzlich mit Leuten und es war alles ein großes Durcheinander. Beamte des lokalen Psychologendienstes kamen ins Haus und  ließen sie wissen, dass ihr Vater und ihr Bruder in der Terrorattacke auf das Familienauto auf der Autobahn ermordet worden waren. Sie hatte das schon geahnt. Sarah wurde umgehend nach Jerusalem gefahren, ihr folgte kurze Zeit später ihr Bräutigam Ariel, der begriff, dass er seiner Braut in diesen Stunden beistehen musste. Als Sarah im Krankenhaus angelangte, fiel sie ihrer Mutter um den Hals, schrie und weinte. „Pass auf mich auf“, flüsterte ihre Mutter Noa ihr zu, „ich habe keine Kraft.“ Sie hatte soeben dem Mord an ihrem Mann und ihrem Sohn zugesehen.

(Bericht auf DIE SIEDLERIN zum Attentat auf Yakov Litman: siehe hier)

Yaakov Litman und Sohn Netane hy'd
Yaakov Litman und Sohn Netane hy’d

Sarah Techiya Litman, die in der nächsten Woche heiraten sollte, war ab diesem Freitagnachmittag Waise, zusammen mit ihren vier überlebenden Geschwistern. Sie hatte ihren Vater und ihren Bruder verloren. Sie war am Boden zerstört. Den jüdischen Ruhetag, den Shabbat, verbrachte sie mit ihrer Familie und mit Ariel in unbeschreiblicher Trauer.

Die Details des Mordes an Yaakov  und Netanel Litman begannen sich schnell aufzuklären: Der erste Schuss des Terroristen, der hinter einer Abbiegung auf ein israelisches Auto wartete, der den Vater tötete. Netanel, der zusammen mit seinem jüngeren Bruder Polizei und Krankenwagen kontaktierte und Anweisungen an die restlichen Insassen weitergab, bevor der Terrorist sich dem stehenden Auto nähern und auch ihn aus unmittelbarer Nähe erschießen konnte. Die Schwestern, die beinahe ebenso getötet worden wären, hätte nicht etwas den Terroristen davon abgehalten – das Gewehr schien nicht nachladen zu wollen und dieser flüchtete. Die Fahrer  des „Roten Halbmonds“, der palästinensischen Variante des „Roten Kreuzes“, welche wenige Minuten später am Tatort vorbeikamen, und, anstatt den Verletzten zu helfen, sie unbeteiligt an die israelische Notfallnummer verwiesen und davonfuhren.

Sarah musste sehr viel Kraft aufbringen. Die Ermordeten wurden gleich am Samstagabend begraben und Tausende erschienen zur Beerdigung. „Wer wird mich unter den Hochzeitsbaldachin begleiten, Papa?„, weinte Sarah beim Begräbnis hemmungslos. Auf die Beerdigung folgte das Trauersitzen im Hause Litman. Die ersten Interviews. Die Trauerbesuche. Währenddessen

Sarah und ihr Hochzeitskleid. Quelle: Israel Hayom
Sarah und ihr Hochzeitskleid. Quelle: Israel Hayom

wich Ariel nicht einen Moment von Sarahs Seite. In allen Presseaufnahmen, auf allen Bildern sah man Sarah und Ariel, das vom Unglück getroffene Liebespaar, welches statt des schönsten

Tags ihres Lebens das schrecklichste Unglück erleben mussten, das ihnen passieren konnte. Selbstverständlich konnte die Hochzeit nicht am geplanten Dienstag durchgeführt werden. Die Absage einer jüdischen Hochzeit gilt als  etwas, das nur in extremen Umständen geschehen darf. Und anstatt im Hochzeitskleid zu tanzen, saßen Sarah und ihre Familie in zerrissenen Kleidern als Zeichen der Trauer auf dem Boden.

(Interview mit Sarah und Ariel auf Englisch)

Doch Sarah hatte viel Kraft in sich. Nicht umsonst trug sie wohl ihren zweiten Namen, Techiya, „Wiedererstehung“. Und sie fand die Kraft. Ariel und sie entschieden: Die Hochzeit würde stattfinden.

"Kommt zu unserer Hochzeit" Der Artikel über Sarah Techiya und Ariel in der Zeitung "Yediot Aharonot"
„Kommt zu unserer Hochzeit“ Der Artikel über Sarah Techiya und Ariel in der Zeitung „Yediot Aharonot“

Wir lassen es nicht zu, dass der Terror uns zerstört. Trotz der furchtbaren Katastrophe wird es eine fröhliche Hochzeit werden„, verkündeten sie schon in den ersten Trauertagen. „Wir werden gemeinsam ein Haus aufbauen, mit Freude, im Geiste von Papa und von Netanel.“ Bald darauf wurde auch die offizielle Mitteilung der Familie und des Brautpaares bekannt gemacht. Sie teilten das neue Datum der Hochzeit mit  – und luden ganz Israel zur Hochzeit ein:

„Freue dich nicht, meine Feindin, denn bin ich auch gefallen, so bin ich wieder auferstanden.“ *

Unsere Hochzeit wird, so Gott will, am Donnerstag, dem 14.Kislev, dem 26.November, in der Nationalhalle (in Jerusalem) stattfinden. Ganz Israel ist eingeladen, mit uns aus der Asche aufzuerstehen und an unserer Freude teilzuhaben. Sara Techiya und Ariel.

(*Zitat aus Prophet Micha, Kap.7)

Quelle: INN
Quelle: INN

Wir laden alle, die mit uns den Schmerz gefühlt haben, mit uns den Sieg zu feiern. Die Palästinenser wollten uns das Leben nehmen , doch wir werden es weiterleben. Wir werden froh sein und den Weg von Papa und Netanel gehen„, erklärten beide in einem kurzen Video der Nachrichtenseite Israel National News.

Landesweit und auch auf internationalen Ebene verfolgten Juden, Israelis und auch andere, die das Schicksal von Sarah und Ariel berührt hatte, den Auftritt des jungen Paares. Der bekannte israelische Rabbiner Yitzhak Neria eröffnete für Sarah und Ariel einen Spendefonds – nicht um der Familie finanziell zu helfen, das hätten sie nicht nötig, erklärte er, sondern damit jeder, der möchte dadurch eine Chance bekäme, dem Paar eine „warme Umarmung“ zu geben und Unterstützung zu zeigen. Ein weiterer Spendefonds sammelte in 9 Tagen über 21 Tausend Dollar als virtuelle Geschenke für das Brautpaar aus der ganzen Welt. Bei der Hochzeitsvorbereitung wirkten verschiedene israelische Firmen mit, die ihre Dienste dem Brautpaar umsonst zur Verfügung stellten, so beispielsweise einen Leihwagen für die ersten Wochen nach der Hochzeit. Und viele weitere im ganzen Land warteten gespannt auf den langersehnten Tag der Hochzeit – dem 26.November, um der Einladung zu folgen und um 22.30, nach der eigentlichen Trauungszeremonie, die im Kreise von Familie und Freunden durchgeführt werden würde, an den Tänzen teilzunehmen.


Und nun war es der 26.November, und die israelische Presse übertrug live die „Hochzeit des Jahres“ von Sarah Techiya Litman und Ariel Biegel. Die ersten Bilder und Videos tauchten schon im Internet auf: Sarah im Brautkleid unterwegs nach Jerusalem.

Um 19.00 Uhr fand die eigentliche Trauungszeremonie statt. Rabbiner und führende Persönlichkeiten aus ganz Israel kamen zur Feier – so auch die Ehefrau des Ministerpräsidenten, Sarah Netanyahu. Eine Gruppe amerikanisch-kanadischer jüdischer Studenten reiste speziell zur Hochzeit an, um am Fest teilzunehmen. Weitere Tausende Menschen versammelten sich um die Halle herum, sangen, schwenkten Fahnen und bemühten sich, ins Gebäudeinnere vorzudringen, um einen Blick von Sarah zu ergattern. Die glücklichen und ergriffenen Gesichter von Sarah und Ariel füllten die Titelseiten der Presse.

In der ersten gemeinsame Mitteilung des jungen Paares Litman-Biegel dankte Sarah ganz Israel vom Herzen für die enorme Unterstützung, welche sie erfuhren (Zitat: srugim.co.il):

„Noch vor zwei Wochen kannte niemand Ariel und mich und hat sich nicht für uns interessiert. Dann, binnen einem Moment, inmitten der Hochzeitsvorbereitungen, wurden mein Vater und mein Bruder von einem grausamen Terroristen ermordet. Es gibt keinen Moment, an dem ich mich nicht nach dem Lächeln von Netanel und der Bescheidenheit von Papa sehne, und es wird mich für immer begleiten.

Aber gerade aus dem Schmerz heraus, im Monat der Stärke und des Heldentums, vor dem Feiertag von Chanukka, werden wir gemeinsam mit dem Volk Israel das gewaltige Licht der Freude verbreiten, der Güte und der Liebe, mit welchen uns die ganze Nation überhäuft hat. Und die Hauptsache ist es, sich vor nichts zu fürchten.“

 

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(Quellen für Berichterstattung und Zitate : INN, Channel 2, Srugim.co.il, Ynet)

Beide am selben Tag verloren (NEWS)

Einundhalb Stunden vor Shabbat-Eingang, am Freitagnachmitag, 13.11, schaute ich auf mein Telefon und erstarrte. „Zwei Getötete im Attentat auf israelisches Auto“, lautete die Newsmeldung, und ihr folgten weitere, ähnliche. Ich prüfte schnell nach, es handelte sich um einen Terroranschlag, in unserer Gegend wieder einmal – südlich von Hevron. Zwei jüdische Fahrer, erschossen auf der Autobahn 60. Noch vor einer halben Stunde war ich selbst diese Autobahn hinaufgefahren, Richtung Norden, Jerusalem. Zunächst hieß es, es seien ein Mann und eine Frau. Bald genug offenbarte sich ein anderes Detail – es waren ein Vater und sein Sohn. Die ersten Nachrichtenseiten hatten auch schon Bilder parat. Die Terroristen, die offenbar auf das Auto von einem Hinterhalt aus geschossen hatten, waren geflüchtet, die Armee fahndete nach ihnen. Die Opfer waren noch an Ort und Stelle verstorben. Der Rest der Insassen im Auto wurde von der israelischen Ambulanz evakuiert.

Quellen: INN, Lina Gorodetsky
Quellen: INN, Lina Gorodetsky

697486_cDie ersten Bilder offenbarten schon Einiges – es lagen Blumen im Wagen der Ermordeten. Eines war klar – es handelte sich um eine Familie, die unterwegs war, um den Shabbat, den heiligen siebten Tag der Woche, in Frieden und Ruhe zu verbringen. Vielleicht bei Freunden oder im Familienkreis.

Geschockt schossen mir Gedanken durch den Kopf, „ob ich sie kenne? Vielleicht sind es Bekannte von mir?“. Ich rief zwei Freunde an. Der eine sagte, es handle sich um seinen Freund aus der Siedlung Kiryat Arba-Hevron. Die andere sagte mir den Familiennamen, den ich nicht kannte. Shabbat war schon vor der Tür, es war zu spät, um weitere Nachrichten abzuwarten. Von Trauer gedrückt, mache ich mein Telefon aus. Den ganzen Abend und den nächsten Tag dachte ich nur an die vom Unheil getroffene Familie, die sicherlich mit im Wagen gesessen hatte. An das furchtbare Gefühl, kurz vor einem Familienabend in eine solche abscheuliche Leere geworfen zu sein; an die Ehefrau, die beide am selben Tag verloren hatte, Ehemann und Sohn. Daran, dass nichts sie trösten konnte in diesen grausigen Stunden.

Am Samstagabend ging der Shabbat zu Ende. Gleich darauf offenbarten sich weitere Details zu dem Terroranschlag, welche die Nachrichten preisgaben:

Yakov Litman und Sohn Netanel, sel.Andenkens
Yakov Lipman und Sohn Netanel, sel.Andenkens

Bei den Erschossenen handelte es sich um Rabbiner Yaakov Litman, 44, und seinen Sohn Netanel, 17. Sie waren im Familienauto mit Mutter Noa und weiteren Kindern unterwegs, um mit dem zukünftigen Bräutigam ihrer Tocher Sarah Techiya, zu feiern. Sarah, 21,  sollte in dieser Woche heiraten. Yaakov, der Familienvater, war Grundschullehrer der ersten Klasse in Kiryat Arba.

Die Terroristen hatten sich neben der Autobahn 60 südlich von Hevron mit einem Gewehr in den Hinterhalt gelegt. Die Autobahn sollte dort wohl eine Kurve machen, und so würde ein Auto, das vorbeifuhr, dort das Tempo verlangsamen. Die Familie Litman fuhr kurz vor 15 Uhr diese Strecke entlang. Die Terroristen schossen auf das Auto und flüchteten in Richtung der arabischen Dörfer Yatta und Durra. Yaakov, sein Sohn Netanel und ein weiterer, Dvir, wurden verletzt, die ersten beiden schwer. Laut Angaben des israelischen Notfallservices MDA kontaktierte Netanel, der selbst seit dem 15.Lebensjahr als Freiwilliger bei der MDA arbeitete, die Ambulanz und erlag kurze Zeit später seinen Verletzungen – ebenso sein Vater. Yaakovs Frau Noa und der Sohn Dvir, der ebenso von Schüssen verletzt worden war, erzählten im Nachhinein, an der Tatstelle war zuallererst ein Ambulanzwagen des palästinenischen „Roten Halbmonds“ vorbeigefahren. Die Fahrer sahen die Terroropfer, weigerten sich aber, erste Hilfe zu leisten, und verwiesen sie auf die

Yaakov sel.A. und seine Frau Noa
Yaakov sel.A. und seine Frau Noa

israelische Ambulanz. Damit fuhren sie davon. Als die Armeekräfte und die jüdischen Helfer zum Tatort gelangten, blieb ihnen nichts mehr übrig, als den Tod von Yaakov und Netanel Litman festzustellen. Die anderen Familienmitglieder wurden im Schockzustand ins Krankenhaus in Jerusalem evakuiert.

Am Abend des 14.11. fand die Beerdigung in Jerusalem statt. An die 1000 Menschen incl. Staatsdiener, solche wie der Präsident Reuven Rivlin, die israelischen Oberrabbiner und der Minister Uri Ariel, waren anwesend. Inmitten der Trauernden saß die weinende Familie Litman, weitere Angehörige und Kollegen.  Der Direktor der Schule, an welcher Yaakov  unterrichtete, wandte sich an die Regierungsvertreter: „Das ist kein Begräbnis von Vater und Sohn, sondern ein Begräbnis von Märyrern, welche für das jüdische Volk starben. Ihr, die ihr hier steht, seid Vertreter der Staatsgewalt, und ihr könnt nicht behaupten, dieses Blut klebe nicht an euren Händen!“ „Wer wird mich bei der Hochzeit begleiten, Papa?!“, hörte man die herzzerreißenden Schreie von Tochter Sarah Techiya.

Yaakov Litman hinterließ Ehefrau Noa und die Kinder Sarah Techiya, Dvir, Moria, Tehila und Avia – die Jüngste erst sechs Jahre alt.

Quellen: INN
Quellen: INN

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In der ersten Reihe: Mutter Noa, Tochter Sarah Techiya. Quelle: INN
In der ersten Reihe: Mutter Noa, Tochter Sarah Techiya. Quelle: INN

Auch das Attentat von Paris erwähnten die Redner bei der

Das Tel Aviver Rathaus.  Quelle: Facebook
Das Tel Aviver Rathaus.
Quelle: Facebook

Beerdigung. Der Terror von Paris dominiert auch in Israel den größten Teil der regulären Berichterstattung. Auf das Rathaus von Tel Aviv, das Gebäude der Knesset und die Altstadtmauern wurden im Zeichen der Solidarität mit Frankreich die Farben der frazösischen Flagge projeziert. Viele Online-Surfer, auch in Israel, färbten gestern ihr Profilbild auf Facebook in französische Nationalfarben. Mit einer solch rapiden Entwicklung an internationalen Geschehnissen wird die israelische Öffentlichkeit wahrscheinlich bald vergessen, dass die Straßen ihres eigenen Landes mitunter  nicht anders aussehen als die Konzerthalle von Bataclan – und das nicht erst seit gestern….

NEWS: Jüdisches Elternpaar von Terroristen im Auto hingerichtet

Mit Entsetzen, in tiefster Trauer und Wut berichte ich über diese Tat.

Seht in ihre Gesichter, und seht nicht weg. Na'ama und Eytam Henkin hy"d (Quelle: INN)
Seht in ihre Gesichter, und seht nicht weg. Na’ama und Eytam Henkin hy“d
(Quelle: INN)

Gestern abend (01.10.15) fuhren das Elternpaar Na’ama und Rabbiner Eytam Henkin, in ihren 30ern aus der Siedlung Neria, mit ihren vier Kindern auf der Autobahn 555 in Samaria, zwischen den Ortschaften Elon More

Karte zum Attentatsort
Karte zum Attentatsort

und Itamar, im Umkreis der Stadt Shchem (Nablus). Die Autobahn führt am arabischen Ort Bayt Furik vorbei. In der Nähe von Bayt Furik wurden aus einem vorbeifahrenden Auto auf das Fahrzeug von Familie Henkin mehrere Schüsse abgefeuert. Beide Eltern wurden schwer verletzt. Ihr Auto hielt auf der Straße an. Vorbeifahrende israelische Fahrer erkannten, dass es sich um eine Terrorattacke handelte, und riefen Einsatzkräfte. Als erste medizinische Versorgung ankam, bemühten sie sich, Na’ama und Eytam wiederzubeleben, doch mussten in kurzer Zeit ihren Tod feststellen. Die vier Kinder – Matan Hillel, 9, Nitzan Yitzhak, 7, Netta Eliezer, 4 und Baby Itamar (8 Monate) – waren direkte Zeugen der Ermordung ihrer Eltern, wurden leicht verletzt, aus dem Auto evakuiert und zur Erstversorgung nach Itamar gebracht.

Hier liegt Neria/Talmon B
Hier liegt Neria/Talmon B

Die Armee gelangte am Ort des Geschehens an und eröffnete eine breite Fahndung nach den Tätern. Noch ist unbekannt, aus welchem Ort der Täter stammen könnte. An die vier zusätzlichen Einsatztruppen, die zur Region beordert wurden, bekamen den Befehl, die umliegenden Dörfer einzukesseln und eine verstärkte Durchsuchung und Fahndung einzuleiten.

Quelle: INN
Quelle: INN

Die Nachricht verbreitete sich über soziale Netze, Radio und Schnellnachrichtendienste wie 0404 über das ganze Land. Einwohner in Judäa und Samaria organisierten Spontanzusammenkünfte an öffentlichen Kreuzungen mit Israelflaggen.

Auf dem Jerusalemer Friedhof. Quelle: INN
Auf dem Jerusalemer Friedhof. Quelle: INN

Heute morgen (02.10.15) um 11 Uhr wurde, entsprechend dem jüdischen Gesetz, das Ehepaar Henkin auf dem „Har Hamenuchot“-Friedhof in Jerusalem beigesetzt. Zum Begräbnis waren tausende Anwesende erschienen, darunter viele, welche das Paar nicht persönlich gekannt hatten. Israels Präsident Ruven Rivlin erschien ebenso zur Beerdigung. Er sprach über die Persönlichkeiten von Na’ama und Eytam, die er viel zu späte habe kennenlernen können. Er zitierte einen Brief, den die Ermordete früher im Jahr an ihn nach dem Mord an Dani Gonen geschickt hatte, und dass er ihr geantwortet habe. Zudem stärkte Rivlin, der sich nach dem Brandanschlag im arabischen Dorf Duma und noch vor dem Ermittlungsergebnissen äußerte „Mein Volk wählte den Weg des Terrors“, in seiner Ansprache die Siedlerbewegung und nannte die jüdischen

Präsident Ruven Rivlin
Präsident Ruven Rivlin

Bewohner von Judäa und Samaria „die Ersten an der vordersten Front“ im Kampf gegen den Terrorismus, die den „Preis zahlen, der zu schwer zum Tragen “ sei: „Der Terror folgt uns seit den Tagen von 1929 bis heute. Wir haben nie aufgrund des Terrors gebaut und werden nicht für einen Moment aufhören, wegen des Terrors zu bauen.“

 

Verwandte hielten Ansprachen auf die Ermordeten. Die Großeltern, welche den Zusammenhalt und die offenkundige gegenseitige Liebe des Ehepaares ins besondere Licht stellten, versprachen, die Kinder gemeinsam aufzuziehen. Der älteste Sohn der Familie Henkin, Matan Hillel (9 Jahre), sprach das Kaddisch-Gebet, welches für Verstorbene gesprochen wird. Er war Augenzeuge des Mordes an seinen Eltern.

Während der Beisetzung von Na’ama und Eytam hielten Bewohner von Judäa und Samaria Protestkundgebungen in der gesamten Region, versammelten sich auf Kreuzungen, wehten Israelflaggen und sperrten teilweise Straßen ab.

Rabbiner Eytam lehrte an einem Frauenseminar in Jerusalem, und hatte sein erstes Buch zu jüdischer Denk-und Lebensweise schon mit 20 veröffentlicht. Er war ein vielversprechender Pädagoge und Rabbiner. Na’ama arbeitete als erfolgreiche Grafikerin und schrieb einen Blog bei PointOfView.org.il, einer Blogplattform für Frauen aus Judäa und Samaria in Englisch.

An der Gush Etzion-Kreuzung. Foto: Nadia Matar
An der Gush Etzion-Kreuzung. Foto: Nadia Matar
An der Gush Etzion-Kreuzung. Foto: Nadia Matar
An der Gush Etzion-Kreuzung. Foto: Nadia Matar
An der Gush Etzion-Kreuzung. Foto: Nadia Matar
An der Gush Etzion-Kreuzung. Foto: Nadia Matar
In Kochav Hashachar, Samaria. Foto:INN
In Kochav Hashachar, Samaria. Foto:INN
Bei Bet Haggai. Foto: M.Dana-Picard
Bei Bet Haggai. Foto: M.Dana-Picard

NEWS: Frau mit Kind im Auto gesteinigt

Foto: Ynet
Foto: Ynet

Heute morgen (20.09) waren eine junge Mutter und ihr einjähriges Baby aus der Ortschaft Tekoa (Osten Gush Etzions) in ihrem Auto unterwegs nach Jerusalem, als kurz vor dem Sicherheitsübergang nahe des Jerusalemer Außenbezirks Har Homa an den Straßenrändern, neben einem dort gelegenen arabischen Dorf ca.15 vermummte arabische Männer auftauchten. Diese begannen, das Auto mit Steinblöcken zu bewerfen. Die Windschutzscheibe wurde eingeschlagen, einige der Blöcke landeten neben dem vorne angebrachten Kindersitz, andere auf der Rückbank. Die Frau kam von der Straße ab, konnte jedoch im letzten Moment die Kontrolle über den Wagen wiedergewinnen und erreichte den Grenzübergang, wo sie Soldaten in Empfang nahmen.

Wo liegt die Strecke?
Wo liegt die Strecke?

Der Ehemann, welcher in einem zweiten Wagen hinter seiner Frau fuhr, wurde Zeuge des Attentats. „Meine Frau und das Kind waren von Glassplittern überschüttet, als sie ankamen. Es ist ein Wunder, dass meine Frau nicht gegen einen Strommast gefahren ist. Das war eindeutiger Mordversuch“, berichtete er der Presse.

Foto: INN
Foto: INN

Die Frau und das Kind wurden von den Splittern leicht verletzt.

 

 

Leider war die Meldung es den Redakteuren des Onlineportals YNET nicht wert, um noch bis zum Abend in den aktuellen Nachrichten gelassen zu werden.

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Foto: YNET
Foto: YNET

Die Gedenktafel zum Andenken an Dani Gonen, einen jungen Mann aus der Stadt Lod, welcher am 19.06 dieses Jahres am Wasserreservoir von Dolev in der Binyamin-Region von einem Araber erschossen wurde, ist mit arabischer Schrift beschmiert worden. Die Mutter des Ermordeten äußerte sich: „Es macht mich sehr traurig, aber es überrascht nicht. Wer in der Lage ist, jemanden an einem Wasserbecken zu ermorden, ist auch in der Lage, Gedenktafeln zu schänden.“
(Quelle: YNET)
Fotos: INN,  YNET

NEWS: Toter und Verletzter beim Attentat an Wasserquelle

UPDATE 21.06.15:
Nach intensiver Suche, Straßensperren und Befragungen haben die Armeeeinsatzkräfte bisher den Täter nicht gefunden und konzentrieren sich von nun an mehr auf nachrichtendienstliche Ergebnisse und weniger auf Einsätze vor Ort.
Offizielle Quellen der Armee geben an, dass die Bewegungsfreiheit und Einreiseerleichterungen für die arabische Bevölkerung in Samaria im Zuge des Ramadans nicht vom Attentat beeinflusst werden. Man geht momentan von einem Einzeltäter aus.

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Dani Gonen sel.A.. Quelle: Natan Epstein

Dani Gonen aus der Stadt Lod, das Opfer des Attentats an der Wasserquelle, wurde heute abend in Lod beigesetzt. Seine Organe wurden zuvor von seiner Mutter gespendet, da Dani zu Lebzeiten einen solchen Spenderausweis besessen hatte. (Quelle: YNET)


Umsonst dachte ich, mit einem lebensfrohen Text über Feiern und Sommeranfang ins Wochenende gehen zu können. Schon hat uns wieder der Tod erreicht. Diesmal auf eine besonders hinterhältige Art und Weise:

Als zwei 25-Jährige, Dan Gonen und sein Freund, nach einem Freitagsausflug zu einer bekannten Wasserquelle nahe der Siedlung Dolev in Südsamaria (Binyamin) nach Hause fahren wollten, sahen sie einen arabischen Palästinenser, der ihnem Zeichen machte, anzuhalten. Als diese bei ihm anhielten, fragte er sie, ob es Wasser in der Quelle gäbe. Gerne gaben die jungen Maenner Auskunft – doch ihre Hilfsbereitschaft hatte einen Preis: Der Unbekannte schoß plötzlich aus einer Handwaffe aus nächster Nähe auf die beiden und flüchtete vom Tatort. Einer der Wanderer wurde leicht bis mittelmässig verletzt, Dan Gonen schwer. Beide wurden von den alarmierten Einsatzkräften evakuiert.
Der schwerverletzte Dan Gonen wurde bewusstlos eingeliefert und starb schließlich nach Wiederbelebungsversuchen im Tel Hashomer-Krankenhaus.

Nach den Angaben des zuständigen Offiziers weiß die Armee noch nicht, ob es eine Verbindung zwischen irgendeiner Terrororganisation und dem Täter gibt oder ob es ein Einzeltäter gewesen ist. Einsatzkräfte fahnden nach dem Terroristen in den umliegenden arabischen Dörfern.

(Quelle: YNET, IDF)

Was für eine furchtbare Nachricht für die Familie, Freunde und uns alle – ein grausames Ende nach einem unschuldigen Freizeitausflug und einer hilfsbereiten Geste!

#diesiedlerin #israel #arabterror