Archiv der Kategorie: Attentate

NEWS: Ein Unglück ist geschehen

Ein Unglück ist geschehen.
Der Sohn meines Lehrers und Rabbiners ist bei möglicher Terrorattacke ermordet worden.

Gestern abend wurde eine Autoattacke gegen Wartende an der Bushaltestelle des Stadteiles  French Hill (Sderot Bar Lev) in Jerusalem ausgeführt. Eine junge Frau und ein Mann in ihren 20ern wurden lebensgefährlich verletzt. Die Polizei ermittelt in alle Richtungen, doch den Anzeichen nach vom Tatort und auch den früheren Erfahrungen nach, gerade in dieser Gegend, deutet alles auf eine Terrorattacke hin. Der Fahrer – ein etwa 37 Jahre alter Araber aus Ostjerusalem.
(Quellen: YNET, Channel 2, Channel 7/INN)

image

Der junge Mann, der verletzt wurde, ist leider heute morgen an seinen Verletzungen verstorben. Es war Shalom Jochai Sherki, der Sohn des bekannten Rabbiners Uri Sherki, der auch ein Jahr lang mein Rabbiner und Lehrer im Institut Machon Ora für Frauen in Jerusalem gewesen ist.

Machon Ora, ein Institut für jüdische Philosophie, Glauben und Gesetz für Frauen, zusammen mit seinem Counterpart Machon Meir für Männer, waren meine Wegweiser in den ersten Jahren nach meiner Ankunft in Israel. Durch ihre Rabbiner und Dozent-/innen, allesamt mit Herz und Seele dem Wohl des Landes Israel und dem jüdischen Volk verschrieben, habe ich meine ersten Einblick in die Welt von Judäa und Samaria abseits der gängigen Verleumdung von Medien und öffentlicher Ignoranz bekommen. Die jungen Mädchen und Frauen, meine Mitstudentinnen, stammten aus vielen Teilen der Gesellschaft, aber vor allem auch aus den Ortschaften in Judäa, Samaria und dem Gazastreifen, und zeigten mir am eigenen Beispiel ihre Verbundenheit mit diesem Land.

In Machon Ora, welches vor allem die Lehren von Rabbiner Avraham Yitzhak Hacohen Kook in den Mittelpunkt stellt, habe ich gelernt und verinnerlicht, dass die Neuentstehung des jüdischen Volkes im eigenen Land und Staat keine neuartige und illusionierte Erfindung einiger weniger Idealisten ist, sondern eine seit jeher tief in unserer Lehre und Tradition sitzende Vorstellung, und mehr als das – ein sich nach und nach verwirklichende Plan, an welchem wir alle teilhaben.

Das Beleben des Landes Israel durch die wiederkehrenden Juden, die Symbiose zwischen Religiösen und Nichtreligiösen, der Aufbau eines souveränen Staates, und die fortschreitende Suche nach sich selbst in diesem Land, waren ein zentraler Punkt der Unterrichte von Machon Ora.

image

Rabbiner Uri Sherki, neben seinem Amt als Rabbiner, Gemeindevorsteher und Gründer/Leiter der Noachiden-Bewegung in Israel und im Ausland auch ein ausgezeichneter Wissenschaftler und Geschichtskenner, bereicherte die Unterrichte mit seiner Spitzfindigkeit, Gelehrsamkeit, origineller Herangehensweise und Führungsqualität, die ich selten bei einem Rabbiner erlebt habe. (Sein anderer Sohn und Bruder Shalom Jochais, Yair Sherki, ist übrigens Korrespondent des israelischen Channel 2 für religiöse Angelegenheiten).

Sein verstorbener Sohn Shalom Jochai war ein beliebter Betreuer in einem Internat einer Jeshiwa (relig.Institut für Jungen und Männer).

Nicht zum ersten Mal ereignet sich eine Tragödie für einen der Lehrer bei Machon Ora/Meir. Der Vorsteher und Leiter des Instituts, der Rabbiner Yehuda ben Yishai ist der Vater von Ruth Fogel, welche zusammen mit ihrem Mann Udi Fogel und ihren drei von sechs Kindern von zwei arabischen Terroristen in der Siedlung Itamar im Jahr 2011 bestialisch niedergestochen und niedergeschossen worden sind.

Es tut mir im Herzen weh für diesen wunderbaren jungen Mann, seine Familie und seinen Vater, meinen Lehrer und Vorbild.
Soll Shaloms Seele eingebunden sein in den Bund des Lebens.

Adele sel.A. und ihre Geschichte

14.März 2013. Späte Nachmittagsstunde.

„Ich fuhr heim von einem Besuch bei meiner Mutter, wir verbrachten dort etwa anderthalb Stunden. Wir hatten viel Spaß gehabt und haben viel gelacht. Bei der Ausfahrt aus Ariel sah ich vor mir einen Lastwagen und in der selben Sekunde hörte ich einen Bumm und sah nur noch schwarz vor den Augen. Sonst sah ich nichts. Der Lastwagen begann zu bremsen – und mit einem Mal fand ich mich unter dem Fahrzeug.“ (Quelle: Channel 2 News)

So berichtete Adva Biton, Mutter von 4 Kindern aus Yakir, am Tag nach dem Attentat auf israelische Fahrzeuge auf der Autobahn 5 nahe der Stadt Ariel in Samaria. Von Steinen getroffen, welche auf vorbeifahrende Fahrzeuge geworfen wurden, wich ein Lastwagen von seiner Fahrspur ab und stieß mit dem Auto zusammen, in welchem Adva und ihre 3 Töchter saßen. Die jüngste davon, Adele, gerade mal 2 Jahre alt, saß bei der Mutter auf dem Vordersitz.  Die beiden wurden vom Zusammenprall mit dem Lastwagen unter der Armatur zerdrückt.

„Ich hielt ihr den zur Seite hängenden Kopf, um zu hören, ob Adele noch atmet und um die Luftröhre freizuhalten, in der Hoffnung, dass ich sie so rette“, beschrieb Adva die Minuten des Grauens. „Es waren sehr schwere Momente. Ich war unter den Trümmern eingeklemmt und konnte nichts außer der Hand bewegen.“ Adva und ihre zwei älteren Töchter, 4 und 6 Jahre alt, erhielten mittelschwere Verletzungen, fanden aber bald wieder die Gesundheit zurück.

Nicht so Adele. Die Ärtze stellten schwere Beschädigungen an Kopf und Körper fest, und Adele lag in verschiedenen Krankenhäusern über ein Jahr bewusstlos. Sie musste mehrere Operationen und Rehabilitationstherapien über sich ergehen lassen. Zeitungen schrieben über das kleine Mädchen, das dem Attentat zum Opfer fiel. Als das Krankenhaus, in welchem sie zuletzt behandelt wurde, den Eltern Adva und Rafi erklärte, das Rehabilitationspotential sei ausgeschöpft und Adele müsste den Behandlungsplatz freimachen und nach Hause zurückkehren, gingen die Eltern vor Gericht – und gewannen den Prozess. Es wurde landesweit über den Fall berichtet.11008393_1549224768694406_5057678746394095212_n

Erst nach weiteren Operationen und Therapien – Adele war zu diesem Zeitpunkt schon 3 Jahre alt und zu Bewusstsein gekommen – konnte sie zu ihren Eltern heimkehren, in die Siedlung Yakir. Das war im September 2014.

Direkt nach der Tragödie wandte sich Adva, die Mutter, an die israelische Öffentlichkeit, mit der Bitte, um die Gesundheit der kleinen Tochter zu beten. „Ich wäre bereit, an ihrer Stelle auf dem Operationstisch zu liegen, aber Gott hat mich unbeschadet gelassen“, sagte sie in einem Interview, „ich bin bereit, Adele zurückzubekommen, in jedem Zustand.“ In anderen Interviews wandte sie sich an Premierminister Benjamin Netanyahu und pochte auf das Recht aller israelischer Bürger, ihr Leben in Sicherheit zu gestalten. „Es kann nicht sein, dass auf einer vielbefahrenen, zentral gelegenen Autobahn Menschen um ihr Leben fürchten müssen. Hören Sie auf, sich mit Unsinn zu beschäftigen und helfen Sie uns, unser Leben zu leben“ (nach mako/Channel 2).

Fast 2 Jahre sind seit dem Attentat und dem Unfall vergangen. Adele lebte mit ihrer Familie und dem neu dazugekommenen Baby-Bruder daheim in der Siedlung Yakir. Ihre physischen und geistigen Fähigkeiten waren durch die Schädigungen erheblich gestört. Jede körperliche Schwächung versetzte den Körper in extremen Stress. Anfang dieser Woche fühlte Adele sich unwohl, und wurde mit Verdacht auf Lungenentzündung in das Kinderhospital „Schneider“ bei Petach Tikva eingeliefert. Am Dienstagmorgen ging die Nachricht um das Land: „Klein-Adele, Opfer des Terrorattentats von vor 2 Jahren, kämpft um ihr Leben“. Rachel, die Großmutter des Mädchens, rief die Öffentlichkeit zu Gebeten für Adele auf und beteuerte, „dieses Kind wird noch ein wandelndes Wunder werden“.10478235_1549224755361074_2782581703642700499_n

Das Wunder kam nicht. Adele, nun schon vier Jahre alt, erlag den Komplikationen der Lungenentzündung und starb noch am selben Abend.

„Es steht außer Zweifel, dass die Komplikationen der Lungenentzündung aufgrund der Schädigungen eingetreten sind, die Adele durch den Unfall erlitten hat“, erklärte die Mutter.

Nach Adeles Tod stellten die Eltern über die Regionalverwaltung den Antrag, dass Adele in ihrem Heimatdorf Yakir begraben werden könnte – obwohl es dem Landesverteilungsplan entsprechend keine Planung für einen Friedhof in der Siedlung gab. Da alle Bauprojekte in Siedlungen von J&S zurzeit unter einem Baustopp stehen (wohl noch immer als Folge der nichtexistenten Friedensverhandlungen), konnte offiziell gesehen kein Friedhof in Yakir eröffnet werden.

Die Anfrage wurde an das Büro des Premierministers geschickt, da die Behörde für bürgerliche Angelegenheiten in Judäa und Samaria den Antrag ablehnte. Yossi Dagan, stellvertretender Vorsitzender der Verwaltung von J&S erklärte  wütend: „Es kann nicht sein, dass ein Kind, das Opfer eines Terroranschlages geworden ist, nicht in dem Ort begraben werden kann, an dem sie gelebt hat, weil es ein bürokratisches Problem damit gibt. Wir fordern vom Premierminister im Namen der Familie Biton, sich unverzüglich einzumischen und das heilige Kind so schnell wie möglich begraben zu lassen.“

Nach jüdischem Gesetz muss ein Toter am selben oder spätestens am nächsten Tag, sofern es sich um Abend oder Nachtzeit handelt, begraben werden. Dieses Gesetz wird in Israel ausgeführt. Trotz des Widerstandes der Behörden wurde Adele heute am frühen Nachmittag (13.00 Uhr Ortszeit) in Yakir begraben, nachdem ein Rabbiner ein dafür speziell ausgesuchtes Gebiet für rituell erlaubt erklärt hatte. Zuvor rief Adeles Mutter die Öffentlichkeit dazu auf, zur Beerdigung zu kommen. „Sie ist das Kind der gesamten Nation. Kommt, um ihr die letzte Ehre zu erweisen.“ (YNET)

(Bilderquelle: YNET, NRG – Internet)


Wie genau sah die Strecke aus, auf welcher der Lastwagen, der mit Bitons Fahrzeug zusammenszieß, mit Steinen beworfen wurde? Es handelt sich um die Schnellstraße 5, welche ihren Anfang bei der Glilot-Kreuzung bei Herzelia nimmt und an Rosh haAyin und Kfar Kassem vorbei Samaria bis zur Stadt Ariel durchquert. Die Straße wird gleichermaßen von tausenden von israelischen und den palästinensischen Einwohnern der Region täglich befahren und stellt eine der Hauptverkehrsstraßen Israels dar. An der Giti-Kreuzung, an welcher die Steine yakirdsgegen die israelischen Fahrzeuge geworfen wurden, sollte die Familie Biton in Richtung der Siedlung Yakir abbiegen. In unmittelbarer Nähe der Kreuzung befinden sich die arabischen Ortschaften Khares, Dir Istiya, Sarta und Qira, sowohl die jüdische Ortschaft Barkan.

Die Attentäter, welche die Steine absichtlich auf die Fahrzeuge geworfen haben, waren arabische Jugendliche, welche einige Tage später nach dem Attentat gefasst und zu Gericht gebracht worden sind. Von etwaigem Schadenersatz seitens der Familien der Terroristen an Familie Biton ist mir persönlich nicht bekannt. Allerdings ist die mörderische Taktik der Steinewerfer keinem Israeli unbekannt, erst recht nicht Anwohnern von Judäa und Samaria oder lediglich Fahrern, welche regelmäßig die Straßen aufsuchen müssen, welche an arabischen Ortschaften vorbeiführen. Ob Autobahn oder Landstraße durch arabisches Dorf – Fahrzeuge mit israelischem Kennzeichen, in welchen Juden vermutet werden, werden regelmäßig Opfer von Steinewürfen und Molotow-Cocktails – Brandflaschen mit explosiver Füllung. Der letzte Fall, bei welchem ein jüdisches Kind von einem solchen Anschlag verletzt wurde, ist der von Ayala Shapiro, bei welchem das 11-jährige Mädchen aus Ma’ale Shomron am 25.12.14 Verbrennungen dritten Grades erlitt und noch immer in Behandlung ist.

Das Steinewerfen wird von Tätern aller Altersgruppen durchgeführt: Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen. Herkunft der Täter – Araber aus den arabischen Dörfern in Judäa, Samaria, und zu kritischen Zeiten auch aus den als israelisch geltenden Dörfern innerhalb der Waffenstillstandslinie von 1967. Die Zielscheibe? Israelische Fahrzeuge, jüdische Fahrer. Was wird unternommen? Zur Vorbeugung leider so gut wie nichts. Erst wenn Anschläge wie die gegen Adele und Ayala geschehen, geht ein Aufschrei durch das Volk, aber meist bleibt es bei einem kurzlebigen medialen Hype. Im Herbst des letzten Jahres bekamen auch Nicht-Siedler zu spüren, inwiefern Steinewerfen als lebensgefährlicher Angriff gelten kann – bei den Unruhen um die arabischen Dörfer herum im Zentrum, im Norden des Landes und in Jerusalem. Aber die meiste Zeit im Jahr bleiben jüdische Siedler mit der täglichen Gefahr allein oder mit einem sporadischen Eingriff der Armee. Leider im Nachhinein.

UPDATE: Täter gefasst/gestanden – „Ayala und die Brandbombe“

UPDATE: Neues zum Fall Ayala Shapiro, 11 Jahre aus Ma’ale Shomron:

w
Ayala Shapira, 11 Jahre

Gestern (27.12) wurde bekannt gegeben, dass die Tatverdächtigen im Terrorangriff auf das Mädchen Ayala Shapiro und ihre Vater Avner über den Shabak-Sicherheitsdienst in Zusammenarbeit mit der Armee gefasst worden sind. Es handelt sich um 16-17-Jährige arabische Jugendliche aus dem Dorf Kafr Azzun, welche am selben Tag, als Ayala angegriffen worden ist (am Abend des 25.12), zu der Schnellstraße gelangt sind, um dort Brandbomben auf vorbeifahrende israelische Fahrzeuge zu werfen, so gaben sie in einem der ersten Verhöre zu. Entsprechend den Sicherheitsquellen, welche in den israelischen Medien zitiert worden sind, wurden beide noch in derselben Nacht nach dem Attentat in einer Razzia im Dorf verhaftet und verhört.

(Quelle: Times of Israel, YNET)

Hier auf der Karte – die genaue Lage von Ma’ale Shomron, der Schnellstraße und des arabischen Dorfes Azzun:

maaleshomron1
Ma’ale Shomron, und das Dorf Azzun
Israel in Großansicht
Israel in Großansicht 

In der Nacht auf den 26.12 habe ich von dem Ereignis geschrieben:

…Kaum starte ich meinen Blog, schon kommt so etwas. Arabischer Terrorist wirft gestern abend eine Brandbombe – Molotovcocktail – auf Familienauto nahe Ma’ale Shomron, Maedchen – Ayala Shapira, 11 – erleidet schwere Verbrennungen, kaempft seitdem um ihr Leben.

⇒ Zum Beitrag

Laut Nachrichtenberichten leidet Ayala unter Verbrennungen dritten Grades und Störungen in den Atemwegen; gestern wurde sie ersten, erfolgreichen Operationen unterzogen, um ihr das Atmen zu erleichtert. Sie liegt allerdings noch immer im künstlichen Koma auf der Intensivstation des Shiba-Krankenhauses und schwebt in Lebensgefahr.

NEWS: Ayala und die Brandbombe

…Kaum starte ich meinen Blog, schon kommt so etwas. Arabischer Terrorist wirft gestern abend eine Brandbombe – Molotovcocktail – auf Familienauto nahe Ma’ale Shomron, Maedchen – Ayala Shapira, 11 – erleidet schwere Verbrennungen, kaempft seitdem um ihr Leben.

– Wobei ich die Letzte sein sollte, die von solchen Dingen ueberrascht ist. Im Alltag fahre ich, ob nach Jerusalem zum Lernen, nach Nokdim zu Freunden, nach Hebron zum Beten, oder in unser Naturreservat Givat Oz veGaon zum Arbeiten an dutzenden von Gelegenheiten fuer Attentate vorbei. Eine kleine Kreuzung, ein Baum hinter der Schnellstrassenabsperrung, hinter dem sich jemand verstecken kann, die Schnellstrasse, die selbst durch nicht gerade friedlich gesinnte arabische Doerfer fuehrt….Ideale Gelegenheiten, um jemanden anzugreifen, zu verletzen, oder im „Gluecksfall“ auch umzubringen.

Nicht irgendjemanden.

Einen Zionisten? Einen Siedler?

Einen Juden. Weil er der ist, der er ist, und weil er da ist, wo er ist.

Kind, Mutter, Familie, Alter?

Gleichgueltig, nur dass noch einer zu Schaden kommt.

Die einen traeumen von einem guten Leben…Die anderen vom guten Toeten.

Wer einen Unterschied zwischen beiden macht, ist klar im Vorteil, sage ich nur. Der hat dann zwar nicht die Weltoeffentlichkeit auf seiner Seite – aber vielleicht einen Funken Gewissen, oder Vernunft, oder wie sie alle heissen.

w
Ayala Shapira, 11 Jahre

Ayala bat Ruth, schnelle Genesung, refuah shlema. 😦