Rabbiner Levinger, ruhe in Frieden

Rabbiner Moshe Levinger z'l. Quelle: Wikipedia
Rabbiner Moshe Levinger z’l. Quelle: Wikipedia

Am Samstag, dem 17.05.15, ist einer der bekanntesten führenden Persönlichkeiten der Siedlungsrevolution von 1967, ideologischen Grundpfeiler und politischen Aktivisten der Siedlerbewegung, Rabbiner Moshe Levinger, im Alter von 80 Jahren nach schwerer Krankheit verstorben. Gestern mittag wurde er auf dem antiken jüdischen Friedhof in Hevron beigesetzt. Der Beerdigung wohnten nach Angaben israelischer Medien über tausend Menschen bei, darunter der israelische Präsident Reuven Rivlin, Knessetabgeordnete und landesweit bekannte Rabbiner. Hier nun eine knappe Zusammenfassung der zentralen Stationen in Rabbiner Moshe Levingers Leben.

Rabbiner Levinger wurde 1935 als Kind der deutsch-jüdischen Einwanderer Eli’ezer und Paula Levinger in Jerusalem geboren. Seine Eltern waren vor der nationalsozialistischen Herrschaft zwei Jahre zuvor in das Land geflüchtet. Als junger Mann lernte er bei einem der bekanntesten Anführer der nationalreligiösen / religiös-zionistischen Bewegung namens Rabbiner Zwi Jehuda Kook (⇒ über die Lehren von Rav Zwi Jehuda und seinem Vater, dem Oberrabbiner der jüdischen Gemeinschaft im Land Israel vor der Staatsgründung – Avraham Yitzhak Hacohen Kook – werde ich getrennt berichten).

Rabbiner Levinger folgte der Ideologie, die die Wichtigkeit und zentrale Bedeutung des Landes Israel und der Anwesenheit des jüdischen Volkes auf dessen gesamtem Gebiet unterstreicht und ins Zentrum der zionistischen Bemühungen rückt. Nach dem Sechs-Tage-Krieg im Juni 1967 war es Rabbiner Levinger, gemeinsam mit weiteren jungen Aktivisten wie (Rabbiner) Hanan Porat, der die Bewegung „Gush Emunim“ (der Block der Getreuen) gründete und sich politisch wie gesellschaftlich dafür einsetzte, jüdische Präsenz in das von den Jordaniern befreite Judäa und Samaria zu bringen. „Gush Emunim“ ist der Grundstein der bis heute aktiven Siedlerbewegung zugunsten des Baus neuer Wohnorte hinter der Waffenstillstandslinie von 1948, welche Judäa und Samaria , sowie Ostjerusalem, Gaza und den Golan vom „Kernland Israel“ abtrennte und die erst im Sechs-Tage-Krieg wiedergewonnen werden konnten. Trotz der politischen Unentschlossenheit der israelischen Regierung, alle eroberten Gebiete vollends in den Staat zu integrieren, und der Schaffung des rechtlich fraglichen Status Quo, worunter die Gebiete von Judäa und Samaria (und ebenso der Gazastreifen bis 2005) unter militärische anstelle von offizielle staatliche Verwaltung kamen, bemühten sich Rabbiner Levinger und die Jahr für Jahr wachsende Anhängerschaft, möglichst viele Erfolge in der Besiedelung der Gebiete zu erzielen.

Als besondere Stichworte bei der politischen Aktivität Rabbiner Levingers für die Siedlerbewegung sind die „Park-Hotel-Episode“ in Hevron 1968 und der Siedlungsversuch von Sebastia 1974 (⇒ das Thema „Jüdisches Hevron“ werde ich in naher Zukunft getrennt behandeln).

Rabbiner Levinger gilt als eine Symbolfigur für die Wiedererrichtung einer jüdischen Gemeinde in Hevron, die auch die „Stadt der Patriarchen“ genannt wird, da sich dort die Gräber der Vorväter Avraham, Yitzhak und Ya’akov befinden. Bis zu den arabischen Pogromen 1929 lebten Juden inmitten der muslimischen Gemeinschaft seit hunderten von Jahren. Nach den Pogromen, bei welchem während des bestialischen Massakers mehr als 60 Gemeindemitglieder ihr Leben lassen mussten, wurden die Juden von den Organen des britischen Mandats aus Hevron evakutiert und durften nicht wieder zurückkehren. Nach der Befreiung Hevrons durch die israelische Armee organisierte Rabbiner Levinger eine Gruppe jüdischer Aktivisten, welche sich, als jüdische Touristen getarnt, ein leerstehendes Hotel in Hevron über die Pessach-Feiertage mieten wollten. Die Gruppe zog in das Hotel ein und weigerte sich nach Feiertagsende, dieses zu verlassen, trotz der Anweisung der Militärverwaltung. Die „Beschlagnahmung“ des Hotels durch die Gruppe um Rav Levinger war bis dato ein einzigartiger Präzedenzfall von Aktivismus innerhalb des Staates. Nach längeren Verhandlungen wurden die Aktivisten in eine naheliegende leere Militärbasis überführt, in welcher sie weitere 3 Jahre wohnten und sich weigerten, den  Ort zu verlassen, bis feste Wohngebäude für Juden in der Gegend errichtet sein würden. 1971 schließlich gab die israelische Regierung nach und erteilte die Erlaubnis zur Errichtung der Siedlung Kiryat Arba, welche heute eine der größten Siedlungs- und Absorptionszentren für neue Einwanderer in ganz Judäa und Samaria darstellt.

Dem nicht genug, beschloß Rabbiner Levinger nach der Errichtung von Kiryat Arba, auch für die Rückkehr von Juden in das ursprüngliche Hevron zu kämpfen (dazu siehe später). Er initiierte die Übersiedlung von Frauen mit Kindern in das ehemalige jüdische Krankenhaus im Zentrum des arabischen Hevrons, entgegen dem Widerstand der Armee, und auch diese Tat legte den Grundstein für die heutige jüdische Besiedlung von Hevron und die Rückkehr an historische Plätze, für die archäologischen Ausgrabungen von historischem Maßstab und für die Wiederherstellung der seit 1929 verlassenen Orte.

Rabbiner Levinger (links) und Hanan Porat, Sebastia 1974
Rabbiner Levinger (links) und Hanan Porat, Sebastia 1974

Im Laufe seines Lebens war Rabbiner Levinger die treibende Kraft hinter der Errichtung zahlreicher Siedlungen und Ortschaften in Judäa und Samaria; er gründete und leitete die zivile Regionalverwaltung. Es mangelte nicht an Kontroversen um seine Person durch seine ideologisch fest definierte Ansichts- und Handlungsweise, insbesondere aus dem zentralen und linken politischen Lager. In den letzten Jahren erkrankte Rabbiner Moshe Levinger sehr, was schließlich auch zu seinem Tod führte.

Präsident Reuven Rivlin äußerte sich wie folgt bei der Beerdigung:

„‚Hevron ist die Schwester von Jerusalem‘, schrieb David Ben Gurion an die Erneuerer der jüdischen Anwesenheit in Hevron. Schwer ist für uns die Trennung von dir; dieser Ausdruck bekommt eine neue Bedeutung, jetzt, wo man dich, Rabbi Moshe, der Hevron so teuer ist, zur letzten Ruhe bringt. 

Bei vielen hast du dich mit dem berühmten Sederabend ins Bewusstsein eingegraben, doch ich kenne dich noch als Jerusalemer Jungen. Du bist in einem Heim voller seltener Tiefgründigkeit und Torawissen afgewachsen. Das war dein Kennzeichen. Du warst kein Freund von Konsensus, aber hast niemals die Gelegenheit verschmäht, weitere Menschen für deine Idee zu gewinnen. Du suchtest nicht den Kompromiss, aber du hast auch nie daran gezweifelt, dass nur eine starke Basis dazu führen wird, die jüdische Besiedlung in Hevron zu erneuern. Du glaubtest daran, dass durch den Aufbau von Hevron auch Jerusalem erbaut wird. Du hattest nie aufgehört, an die Erlösung Israels zu glauben und diese zu erwarten. Du hattest um das Recht gekämpft, in Hevron begraben zu werden, und siehe da, genau das geschieht nun.“

Der Todestag von Rabbiner Levinger fiel auf den Vorabend des Jerusalem-Tags, des nationales Feiertags der Befreiung ganz Jerusalems durch die israelischen Streitkräfte von der jordanischen Besatzung. Doch nicht nur Jerusalem wurde in diesem Krieg befreit, sondern auch Hevron, die Stadt, dessen Name für immer mit dem von Rabbiner Moshe Levinger verbunden sein wird. Im Volksmund hatte und hat Rabbiner Moshe einen ganz besonderen Namen: „Der Vater von Hevron.“

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20 Kommentare zu “Rabbiner Levinger, ruhe in Frieden”

  1. War es nicht auch Moshe Levinger, der mindestens zwei unschuldige Palästinenser erschossen hat und das Massaker Baruch Goldsteins begrüßte?
    Ein wenig mehr Differenziertheit wäre wünschenswert.

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    1. Shalom Maltrice, darf ich raten, woher die Information stammt? Deutscher Wikipedia-Eintrag zu ‚Mosche Levinger‘? Den habe ich mir auch angeschaut, und beschlossen, aufgrund der katastrophalen Recherche, die bei diesem Eintrag gemacht oder eher nicht gemacht worden war, auf diese Details nicht einzugehen, bzw.habe ‚Kontroversen‘ benannt.
      Nach bestimmten Quellenangaben abseits von Wikipedia gab es einen Vorfall, dass bei einem massiven Steinangriff auf den Wagen von Rabbiner Levinger in Hevron dieser mit seiner Waffe in die Menge schoss und dabei einen der Anwesenden toedlich verletzte.
      Dafuer gab es ein verkuerztes Gerichtsverfahren, allerdings ist das einer der Vorfaelle, der meines Erachtens nicht die Biografie eines Menschen ausmacht, weil Attentate wie dieses auf Fahrzeuge und Passanten, sowie die Tatsache, dass Bewohner Hevrons und Gush Etzions im Allgemeinen einen Waffenschein haben, keine Ausnahme von der Regel darstellen. Solange ich keine weiteren Informationen habe zu dem Vorfall, die entschieden den Lebensverlauf Levingers in diesem kontezt beeintraechtigen, sehe ich keine Notwendigkeit, diese besonders aufzufuehren. Ich finde nicht, dass diesem dieseselbe Gewichtigkeit beigemessen werden soll wie der Aktion des Park-Hotels oder Sebastia 1974.

      Ueber die Unterstuetzung von Baruch Goldstein weiss ich nichts; ueber vertrauenswuerdige Quellen zum Thema wuerde ich mich freuen.

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      1. Vielen Dank für die Antwort,
        vielleicht sollte ich das nächste Mal lieber etwas nachdenken, wenn ich etwas kommentiere.
        Ich habe eben etwas intuitiv gehandelt, weil ich der Organisation Gusch Emunim (von der er ein Gründungsmitglied ist)- bzw. den Aktionen der Organisation- eher negativ gegenüber stehe. In Deutschlan wird die Organisation von den Medien oftmals als „schlecht“ bezeichnet, wenn sie überhaupt mal erwähnt wird.
        Ich sollte mich auch nicht nur auf Wikipedia-Einträge verlassen, deren Quellen relativ uneinsichtig sind.
        Mit dem Zitat beziehe ich mich auf folgende Quelle : http://kathpress.com/site/nachrichten/database/69934.html
        Ich weiß nicht ob stimmt was dort geschrieben steht, doch festigt dies mein negatives Bild (das dennoch zumeist auf Unwissen beruht) über Mosche Levinger.
        MfG

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  2. … Rabbiner Levinger hatte in Kiryat Arba Sprengstoff versteckt, nicht?, 1984, als Gush Emunim Attentate auf arabische Omnibusse plante.

    Im Artikel vermisse ich die Erwähnung, dass Rabbiner Levinger zu der Zeit (und später) etwas mit solcher Gewalt zu tun hatte.

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    1. Aristo, danke fuer den Hinweis. Ich weiss, der Eintrag ist sehr knapp. Vertrauenswuerdige Quellen habe icj auf die Schnelle nicht finden koennen. Bin dankbar fuer jeden Hinweis.

      Gush Emunim war meines Wissens nicht als Vereinigung an Attentaten oder deren Planung beteiligt, sondern eher eine Splittergruppe. Mehr dazu muesste ich herausfinden. Danke also, wenn du was hast.

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      1. Danke, Chaya. Ich hab dafür auch nur die englische Wikipedia überflogen (in der auch von gezielten Anschlägen gegen einzelne Araber die Rede ist, in die Levinger verwickelt war. Aber die Einträge sind unseriös, denn da steht nichts darüber, inwiefern diese Araber mit Arafats Terror verbunden waren. Es ist dort etwa vom Bürgermeister von Ramallah die Rede. Die Wikipedische suggeriert, als sei dieser Herr ein ebenso honorabler Zivilist usf. wie der Bürgermeister von Ramelsloh 😉 ).

        Jedenfalls gibt es viele israelische Gerichtsakten über Rebbe Levinger, weil er so oft verhaftet und wegen wegen Gewaltanwendung verurteilt worden ist.

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      2. Ich müsste das nachprüfen; generell haben israelische Staatsorgane immer ein Problem mit Aktivisten, egal, ob sie nun gegen das Bauverbot aktiv sind oder ob sie tatsächlich Gewaltakte verübt haben. ich gehe da sehr vorsichtig heran.

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      3. Zuuu vorsichtig musst Du aber auch nicht sein, Chaya 😉

        Am Besten erscheint es mir, ihn selbst zu Wort kommen zu lassen. Er hat sicher viele Aufsätze, Artikel, Responsa usf. geschrieben. So lässt sich herausfinden, wie er empfand – ob er diese Gewalttaten womöglich gern getan hat (was ich nicht annehme), und wie er sie als Verteidigung der Juden ansah oder rechtfertigte, und wie er überhaupt zu arabischen Nachbarn stand.
        Oder zu säkularen Juden.
        Oder zur offenen Gesellschaft.
        Es gibt ja schließlich Leute, die alle Araber als Eindringlinge sehen und eine geschlossene Gesellschaft wollen. So wie Meir Kahane das wollte.

        P.S.
        – Moi, je dis: Die Araber sind Eindringlinge 😉 , und sie beanspruchen alles für sich, nicht nur die 22 rein arabischen Länder, sondern dazu das jüdische Israel.
        Aber trotzdem sind es Nachbarn. Unter denen leben sogar ein paar Zaddikim wie Mohammed Zoabi.

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      4. Die Araber sind doch keine Eindringlinge. Die leben schon seit Jahrhunderten in dem Gebiet, länger als die Israelis (und nein, die Israelis aus Jesu Zeiten sind zumeist nicht verwandt, verbrüdert oder verschwägert mit den heutigen Juden.)
        Ebensowenig möchte ich behaupten, dass die Juden Eindringlinge sind, sie sind ja nicht illegal nach Israel gekommen, sondern wurden von den britischen Mandatsträgern und den arabischen Herrschern meistens bereitwillig ins Land gelassen.
        Quellen dazu kann man in jedem Geschichtsbuch finden.

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      5. Maltrice, begruenden die Juden die Tatsache, dass sie ins Land gekommen sind, mit der Einlasspolitik der lokalen Herrscher? Worauf begruenden die Juden das Existenzrecht des juedischen Staates?
        Wenn das nicht sitzt oder nicht akzeptiert wird, gibt es gar keine Diskussionsbasis…..

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      6. Darum geht es doch gar nicht. Es geht darum, dass beide Seiten nun in Israel leben und zu behaupten, dass die Palästinenser oder eben auch Israelis Eindringlinge sind ohne Begründung zu liefern, will ich nicht unkommentiert stehen lassen, denn das ist, und da kommt auch meine eigene Meinung ins Spiel, für mich falsch, Begründung siehe vorheriger Post.

        Sowohl der Großteil der Palästinenser, als auch der Großteil der Israelis, und zu diesem Teil gehören Sie meiner Meinung nach dazu, liebe Chaya (das entnehme ich aus ihrem sehr informativen Film) möchten einfach nur in Frieden leben , ohne ständige Kontrollen durch Soldaten, etc.
        Diese sind aber nötig um die Radikalen beider Seiten voneinander fernzuhalten, die nur auf ihrer Gelegenheit warten.
        Und wenn sie diese ergreifen, dann bricht Chaos aus. http://www.btselem.org/download/200208_standing_idly_by_eng.pdf

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      7. Alles klar.
        Begruendungen gibt es, man muss sie nur ausformulieren, aber lassen wir das.

        Aber ich kann auch die „beiden Seiten“ nicht unkommentiert stehen lassen, jetzt, wenn Sie darauf kommen. Trotz der unleugbaren Tatsache, dass nach Toleranzideologie es immer fuer angebracht gehalten wird, „beide“ Seiten zu erwaehnen, wenn man von einem Konflikt spricht, das ist auch recht so, aber man muss aufpassen, in welchem Zusammenhang.
        Im Zusammenhang des israelisch-arabischen Konflikts gibt es keinerlei vergleichbare „Beide Seiten“, was Radikalismus angeht. Beide Gesellschaften, die juedischisraelische und die arabische, unterscheiden sich grundlegend in vielen ihrer Grundwerte und auch im Querschnitt durch die Gesellschaft; daher sind auch die radikalen Elemente der beiden Gruppen sehr unterschiedlich von einander in Praegung und Wirkung.
        Es gibt hier nicht „Radikale beider Seiten“ in einem Atemzug.

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      8. Natürlich gibt es Begründungen, das ist mir klar.
        Sie haben recht, man sollte da nichts vergleichen, denn mit einem Vergleich geht das Relativieren einer Sache oft einher. Und das ist nicht meine Absicht.
        Ich möchte diese Diskussion hier nun beenden, denn im Grunde genommen sind wir beide ähnlicher Meinung.
        So wie ich das verstehe tolerieren sie die Anwesenheit der Palästinenser und haben von vornerein nichts gegen sie.
        Es ging mir einfach nur darum den Vorwurf gegen die Araber von Aristobulus nicht unkommentiert zu lassen. (der eben entgegen jene von ihnen erwähnte Toleranzpolitik steht)
        Auf eine Diskussion mit ihm würde ich mich freuen, doch da wir, liebe Chaya, so wie ich das sehe im Grunde genommen eine ähnliche Meinung vertreten, drehen wir uns hier im Kreis.

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      9. Nein, Sie vertreten eine völlig andere Meinung als Chaya.
        Merkwürdig, nicht? Sie lebt dort und kennt sich bestens aus, aber Sie möchten ihr ausgerechnet von Deutschland aus vorschreiben, dass radikale Juden wie arabische Terroristen seien.
        Erst heute war wieder einer dieser arabischen Messerattackein in einem israelischen Bus, neun Juden wirden verletzt. Finden Sie Ihre Gleichsetzung nicht reichlich seltsamund irreal?

        Nochmal zu „beiden Seiten“ und zum Stichwort Eindringlinge: Araber sickerten erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts und im 20. Jh ein. Es wird aus den ‚palästinensischen‘ Nachnamen deutlich, es sind meist geografische Namen, auf die Herkunft bezogen. Also, da heißt wirklch keiner Jerusalemer, Haifaier oder Aschkeloner. Hingegen sie heißen: Der-aus-Ägypten, Der-aus-Aleppo, Der-aus-Sonstwo-in-Arabien.

        Ferner: Es gibt 22 Teils riesige arabische Länder. Es gibt aber nur ein einziges winziges jüdisches Land. In den meisten dieser 22 arabischen Länder darf kein Jude wohnen, oder er ist da seines Lebens nicht sicher, wird ausgeplündert und gilt als Halbmensch dritter Klasse.
        Allein in Israel sind Araber sicher, weil sie dort (sofern Staatsbürger) alle Bürgerrechte genießen.

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      10. Ich glaube da missverstehen Sie mich, ich wollte nie behaupten, dass Israelische Radikale=Arabische Radikale, da habe ich mich leider etwas oberflächlich ausgedrückt, um nicht seitenlange Romane zu schreiben.
        Ich bin sehr wohl wie Sie der Ansicht, dass man da unterscheiden muss, zumal ja beide Parteien gegensätzliche Ziele verfolgen.
        Wenn das so rübergekommen ist, möchte ich mich hier dafür entschuldigen.
        Und wer lebte dann vor den Arabern in Israel?
        [Zudem möchte ich sie bitten das Wort Araber zu definieren, für den Duden sind das die Personen, die auf der Arabischen Halbinsel, zu der Israel dazugehört, leben. Nicht dass ich selber dieser Meinung bin, nur ist eine eindeutige Definition des Wortes „Araber“ nicht wirklich vorhanden und ich frage mich ob wir das selbe unter dieser Ethnie verstehen]
        Da ich vermute, dass in Ihrem letzten Satz die Juden und nicht die Araber gemeint sind: Israel ist eine freie Demokratie, die arabischen Länder, auf die sie hier ansprechen sind meist nur bedingt frei und demokratisch.
        Das Juden in diesen Ländern ist traurige Tatsache, doch sind sie nicht die einzigen. Denken Sie mal an die Christen die vielerorts ebenfalls verfolgt werden oder die Schiat Ali vs. Ahl al Sunna, wegen diesem Konflikt müssen ebenfalls viele Menschen um ihr Leben fürchten.
        Um aber wieder zu den Juden zu kommen: Sie können vielerorts nicht leben, das ist wahr. Und ich bin auch nicht gegen den israelischen Staat, das habe ich auch nie behauptet, und ich kann auch verstehen, dass sie vorsichtig gegenüber den Palästinensern sind. Aber dennoch ist das Land auf dem die Palästinenser leben ihre Heimat, und genau wie Chaya in ihrem Film gesagt hat: Sie haben hier „gebaut um zu bleiben“. Und genau wie Rabbi Levinger für sein zu Hause gekämpft hat, tun das auch die Palästinenser.
        Wieder dieser Vergleich, das Mittel mit denen ein jedes Individuum kämpft, ist verschieden, manche kämpfen mit stillem non-violent Protest (ala Gandhi) und manche greifen eben zu den Waffen oder verüben Anschläge, was von mir natürlich nicht gutgeheißen wird, aber einfach in der Natur des Menschen liegt.
        Ich hoffe ich habe Ihnen hiermit meine Meinung deutlich gemacht, und nochmal: Ich bin weder gegen Israelis noch Palästinenser, ich bin für ein friedliches Miteinander, auch wenn ich es hier aus Deutschland bin.
        Einen schönen Abend wünsche ich Ihnen noch 😉

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      11. Dann war mir das ein durchaus willkommenes Missverständnis, Maltrice, wenngleich Sie sich nicht entschuldigen müssen.

        Zu diesen Radikalen: Es gibt überhaupt keinen größeren Unterschied als den zwischen Israelis (als Gesellschaft) und den umliegenden Arabern (als Gesellschaft wieder). Gleichsetzungen sind nirgends möglich, in keiner Hinsicht. Nicht einmal Vergleiche haben einen Sinn.
        Trotzdem liest und hört man andauernd von „beiden Seiten“, nicht?
        Wobei es keine einzige (wiederhole: Keine einzige!) arabische Organisation gibt, die für die Gleichberechtigung von Juden ist. Hingegen 99% aller (wiederhole: ALLER) jüdischen Organisationen sind selbstverständlich für diese Selbstverständlichkeit der Gleichberechtigung von Mohammedanern, Christen, Atheisten, Juden, Eskimos, usw. usf.

        Ja, und dann liest und hört man trotzdem immerfort wieder was über die Radikalen „auf beiden Seiten“, und etwa der Häuserbau in Jerusalem wird mal wieder mit Attentaten auf Diskotheken und Schulbusse gleichgesetzt. Nicht verglichen. Gleichgesetzt.

        Wissen Sie, Maltrice, ich bin Kachist. Ich bin zwar kein Anhänger von Rabbiner Kahane, er war mir zu feindlich und zu gewalttätig, und für diese Art der Unwürde hab ich nichts übrig. Aber ich bin liberaler Kachist, weil Kach für die jüdische Selbstverteidigung, für Pragmatismus und für die Sicherheit von Juden steht.
        Wenn im Sommer 2014 nicht ein paar Kachisten zur Synagoge an der Parisr Bastille geeilt wären, hätte ein schreiender arabischer Mob diese Synagoge angezündet mitsamt den 160 darin verschanzten Juden.
        DAS ist der Unterschied: Kachisten verteidigen, indem sie verhindern, dass es Tote gibt. Hingegen Araber greifen an, indem sie wünschen, dass es Tote gibt.

        Mohammedanische Araber massakrieren in Syrien und im Irak Christen, wo sie nur können. Hunderttausende. Aber wovon berichteten heute die deutschen Zeitungen in schäumender Empörung: Von irgend Omnibussen in Israel!

        – Zu Ihrer Frage, wer vor den Arabern in Israel lebte: Ein holländischer Reisender des 17. Jahrhunderts hat da keine oder kaum Araber gesehen. Er hat ein paar Juden und ein paar Christen gesehen.
        Mark Twain berichtet aus den 1860er Jahren, dass fast das gesamte Land verödet war, halb Sumpf, halb Wüste. Es gab da ein paar gebildete und ein paar arme Juden, es gab da ein paar arme Araber, und es gab da ein paar Christen, die sich vor den Arabern in Acht nahmen. So wie die Juden.

        Mir hat mal ein schwuler Araber (der in London lebt und gute Gedichte schreibt) mit heiligernstem Ton versichert, er sei ein Palästinenser, und „Palästina“ sei ein von Juden geraubtes, arabisches Land.
        Eine dreifache Illusion: Als säkularen Dichter, als Schwulen und als Flüchtigen würden ihn die Araber dafür gleich dreimal umbringen.
        Aber er selbst hält an seinen Illusionen fest.

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  3. Liebe Chaya,
    vielen Dank für diesen Beitrag.
    Dein Blog entwickelt sich für mich zu einem Schatzkästchen der Wissensvermittlung. Dabei dachte ich, dass ich schon so viel über Israel weiß.

    Der Rabbiner Levinger hat ein gütiges Gesicht.
    Ich habe für ihn gebetet.
    R.I.P.

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