In eigener Sache

Da habe ich doch ein wenig nach mir gegoogelt – und diese interessante Diskussion in einem Forum gefunden: http://www.pharus-forum.de/t5549f9-Die-Siedlerin-aus-Judaea.html

Eine Teilnehmerin des Forums (aus Jordanien, nach Ortsangabe) meint im Hinblick auf die Beiträge meines Blogs, „eigentlich ein bisschen enttaeuschend, diese sympathisch wirkende Dame, obgleich – so gaenzlich unerwartet ist es nicht, dass sie es nicht auf den Punkt brachte, wo und wie das Problem gelagert ist.“

Sie gibt zu, ein wenig mehr über das Trampen zu erfahren, und aus diesem Grund nimmt sie sich ausgerechnet Uri Avnery zur Hilfe, der sich zu der Entführung der drei Jungs Eyal, Gil-ad und Naftali äußert – und wie sich äußert!: (Zitat der Teilnehmerin Samar)
„…er habe verschiedene Leute auf der Strasse die drei vermissten jungen Siedler verfluchen gehoert, wegen ihrer stupiden Arroganz, stehen das im Dunkel der Nacht, mitten in den besetzten Gebieten und klettern in einen fremden Wagen.“

Etwas Klügeres, Aussagekräftigeres und vor allem Authentischeres als das hätte sich Avnery nicht aussuchen können?
Und wenn der radikal-linke, als Selbsthasser und vor allem auch Siedlerhasser bekannte Uri Avnery, zur verlässlichen Quelle der Forumsteilnehmerin gehört – was kann ich schon dagegen ausrichten?

Was ich allerdings verlauten lassen wollte, ist, dass wahrscheinlich einige meiner Seitenbesucher die Zielsetzung meines Blogs missverstehen. Der Blog DIESIEDLERIN.NET ist nicht explizit dazu da, um Probleme zu suchen und zu zeigen, „wo und wie sie gelagert“ sind, und mit Recht: Ich bin kein Nahostexperte und möchte mich nicht als einer ausgeben.
Mein Blog ist zuallererst dafür da, um eine authentische Stimme direkt vom Ort des Geschehens an die deutschsprachige Öffentlichkeit zu bringen. Um das „Phänomen der jüdischen Siedlerbewegung“ aus erster Hand zu zeigen. Dazu gehören die Interviews, die Videos, die Bilder, der Einblick in Alltag und in besondere Vorkommnisse, Gesellschaft, Tradition, Religion und mehr. Ja, dazu gehören auch die Probleme, und die Beziehungen mit dem arabischen Nachbarn, und mit den israelischen Linken, und mit der siedlerablehnenden internationalen Öffentlichkeit. Aber sie sind wahrlich nicht das Hauptthema des Blogs. Über Probleme wird genug diskutiert, und es ist nicht meine Aufgabe, über die Lösungen zu streiten, zumal es nichts bewirken wird. Über die Probleme gibt es zu Genüge Artikel und Meinungen – nicht aber über das Leben von Juden in Judäa und Samaria, nichts über ihre Errungenschaften, ihre Gesellschaft, ihre Geschichte, ihre Musik, ihre Kultur, ihre Meinungen usw.

Die Siedlungen sind, zumindest was die Gegenwart betrifft, Realität. Sie stehen da, und die meisten von ihnen sind auch komplett rechtlich abgesichert, dort leben reale Menschen, von denen die meisten sich nicht so einfach mehr vertreiben lassen werden wie damals, 2005 aus Gaza/Gush Katif. Sie werden von dem Staat unterstützt, dort werden Bauprojekte realisiert, die Bewohner werden beschützt. Und ganz ehrlich? Meiner Überzeugung nach ist ihr Recht auf Existenz genauso wenig diskutierbar, wie das Recht auf die Existenz des Staates Israel. Natürlich können Wohl- oder Unwohlmeinende darüber diskutieren, wie viel sie wollen, und ich stehe sehr für freie Meinungsäußerung ein. Aber die Zielsetzung meines Blogs ist eben nicht dieses Thema, sondern ich habe mir vorgenommen, ein Fenster in die Welt von Judäa und Samaria  für die deutschsprachige Öffentlichkeit zu schaffen – und das Ziel werde ich auch weiter verfolgen.

Wer aber möchte, kann mich immer anschreiben und Fragen stellen – das ist etwas Wunderbares, zeugt es doch von Interesse!

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Jedem sein Spaß

Wozu man den Schnee so alles nutzen kann….

Eilmeldung der lokalen Nachrichtenagentur „Tazpit“: Arabische Jugendliche bewerfen die jüdische Siedlung Beit El in Samaria mit Steinen, welche sie zuvor als Schneebälle getarnt haben.

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Foto: Hillel Meir, "Tazpit"

Von derselben Agentur:
Foto von Schneemann, welcher von Jugendlichen in Esh Kodesh, jüdischer Ortschaft in Samaria, gebaut wurde.

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Foto: Aharon Katzuf, "Tazpit"

Jedem sein Spaß, wie man sieht….

Schneesturm – 100 Meter ums Haus

"Ja können denn des Südens Kinder
Dort, wo der Rosen froher Schein
Selbst im Dezember noch hervortritt
Wo es kein Wort für Sturm zu geben scheint
Ja, können sie auch nur in etwa
Für einen kurzen Augenblick
Auch nur erraten, wie die Sehnsucht
Nach Frühling schier das Herz zerdrückt?
Von sturem Eis und eisig' Trotz umgeben
Vor Schneegestürm ganz steif und blind
Sah'n wir, das, was schon kaum zu sehen - 
Den fernen, grünen Frühlingsblick."
(Nach einem Lied von Ilya Erenburg, übersetzt aus dem Russischen: Chaya Tal)

Drei Uhr morgens. Ich sitze unter meiner warmen Decke, daneben die Katze zusammengerollt. Draußen, so den Geräuschen nach zu urteilen, spielt sich das Szenario von „leise rieselt der Schnee“ ab. Der kräftige Sturm von heute abend ist nicht abgeflaut, und die Wege und Vorgärten der Wohncontainer wurden, dem letzten Stand nach, von einer kleinen, aber feinen Schneeschicht bedeckt. Der Schnee häufte sich immer weiter auf, bis der Nachbar schließlich beschloss, von seinem kleinen Plastiklagerhaus das Dach von der Schneeschicht freizuräumen.

Das war heute Abend. Und wie ist die Lage jetzt?

Ich klettere aus dem Bett, schließe die Tür auf und will sie vorschieben – sie gibt nicht nach. Kann es denn sein? So viel Schnee? Ich blicke verblüfft auf die Außentreppe zu meiner Eingangstür. Tatsächlich. Der Schnee, trotz seinen vielleicht 30 cm, versperrt mir die Tür! Mit einem Drücken schiebe ich die Schneemasse zur Seite. Der Gehweg ist nicht mehr zu erkennen, und ein riesiges Schneekissen häuft sich auf meinem Gartenstuhl. Hier ist sie, die versprochene „weiße Welt“ der Wetterprognosen für Ende Februar. Morgen soll die Pracht schmelzen, wer wird sie dann noch zu sehen bekommen?

Auf dem kleinen Lagerhaus ist eine beachtliche Schneeschicht. Auch mein Dach wird diesem wohl in nichts nachstehen. Freiräumen ist angesagt – schon vergessen, wir leben in Leichtbauten aus Paniermehl- und Gipsplatten! Wenn mir das Dach durchbricht, was mache ich dann mit meinem schönen Heim?

Mit Besen bewaffnet und mit Jacke, Mütze, Handschuhen, Schal und gigantischen Gummistiefeln ausgerüstet, trete ich den Sprung in den Schnee an. Weiße Wildnis, erhellt von den Signallampen an den Karavans, empfängt mich. Der Wind hat nicht aufgehört. Kalter, harter Schnee trifft mich ins Gesicht, wie tausend Nadelspitzen fühlt er sich auf meiner Haut an. Die Luft ist erfüllt vom Brausen des Windes. Ich mache erst den Hauseingang frei; meine Treppe wird zu einer Schneerutsche. Dann klettere ich 20150220_04140620150220_041607auf einen Stuhl, um besser das Dach des Nachbarlagerhauses abräumen zu können. Auch wenn der Nachbar, um diese Zeit hoffentlich genüsslich schlafend, gar nichts von meiner Aktion ahnt. Bis zum eigentlichen Containerdach komme ich leider nicht hoch. Mir bleibt nichts weiter übrig, als auf amerikanische Bauqualität zu vertrauen.

Aber ich bin noch nicht fertig. Der Schnee reicht mir bis zur Schienbeinmitte, die Stiefel versinken im unberührten, weichen Schnee (klar, unberührt, um diese Uhrzeit!). Der Wind schlägt den Schnee unbarmherzig ins Gesicht, aber wofür sind Brille und Schal da? Notdürftig das Gesicht verdeckt, mache ich mich auf zum Hauptweg, bei der Synagoge. Ich will den Schnee nicht verpassen. Nur 100 Meter um 20150220_041754das Haus herumgehen, viel wird es ja nicht sein…

Den Besenstock fest umschlungen, stampfe ich den Weg hoch. Unter mir eine feste Schneeschicht. Die Brille wird unaufhörlich beschlagen, ich sehe kaum noch etwas. Der Wind wird stärker. Sich umdrehen ist kaum noch möglich, so hart fliegt der nasse Schnee gegen das Gesicht. Auf dem Hauptweg sind Fahrspuren, aber wohl schon vor längerer Zeit.

Der Wind pfeift wild um mich herum.

Ein Blitz. Noch einer, der die Umgebung, im starken Nebel versunken, nur dürftig erhellt.

20150220_041850Ein Donnern. Ich halte krampfhaft den Besenstiel umklammert und drücke mich nun gegen den Wind voran, sehe die Welt um mich herum nun gar nicht mehr, nehme die Brille ab – so ist alles verschwommen, aber zumindest erkennbar. Der Kreisverkehr existiert nicht mehr – alles zugeweht. Irgendwo weiter vor mir soll die Weinplantage sein, irgendwo links von mir die Anhöhe – aber zu erkennen ist nichts, außer der Straßenlaternen. Die Strecke zurück zum Haus – die schwierigste im Moment, denn der Schnee peitscht genau ins Gesicht. Wo war die Einfahrt? Ich finde zum Pfad zurück. Alle Vorgärten sind zugeschneit. Alles schläft. Wo sind die Katzen bei solch einem Wetter, wo verstecken sie sich, wie viele werden den Sturm, mag er auch kurz sein, nicht überleben?…

Ein Wahnsinn, wie binnen eniger Stunden eine Landschaft und ihr Klima sich verändern können. Israel – das Land extremer Gegensätze. Nein, weder die Temperatur noch der Schneefall können mit einem Schneesturm in Russland verglichen. Aber dennoch  – Schnee ist Schnee und Sturm ist Sturm. Ich fühle in mir einen großen Respekt der Natur gegenüber aufsteigen, die uns immer wieder zu überraschen schafft.

Mittlerweile komme ich an meinem Zaun vorbei  – Moment, ist er hier? Die Brille hoffnungslos beschlagen. Ja, ich bin angekommen. Die Türklinke mit Eis bedeckt. Ein von mir unvorsichtig draußen aufgehängter Rucksack ist stocksteif vor Schnee und Eis geworden. Ich stampfe durch die Tür, die letzten Windböhen – ich bin daheim. Meine Katze flüchtet vor meiner tropfenden, weißen, dampfenden Gestalt. Ich bin zufrieden – ich habe gestern früh noch so sehr über den Scheinschnee lachen können, aber das Wetter hat mich eines Besseren belehrt, und ich bin froh darüber. Ja, wir haben Winter in Israel.

Und mir auf der Zunge liegt ein Lied aus einer fernen Welt, und einer Zeit, die nicht viel mit der Welt hier und jetzt zu tun hat, außer meiner Gedanken und Erinnerungen.

Der Schnee fällt, es donnert aus der Ferne und ich höre mich in die Klänge der Kindheit hinein:

Mal wieder ein Sturm

Schon zum zweiten Mal in diesem Winter bereitet sich Israel und vor allem die Bergregion auf einen Sturm mit Schneefall vor.

Wie immer werden schon Wochen davor die Screenshots von den Wettermeldungen über alle WhatsApp-Gruppen verschickt, der nahende Sturm wird in allen Nachrichtenmeldungen diskutiert, und Pläne werden ausgearbeitet, wann welche Kindergärten und Institutionen schließen und Strassen gesperrt werden müssen – denn es geht ja nicht an, dass es Unterricht gibt, wenn draußen gar 20cm Schnee liegt!…
Und so ist Winter eine wunderbare Schulfrei-Zeit für Kinder und Studenten, viel Stress für Eltern, die sich um die daheimgebliebenen Kinder kümmern müssen, es bedeutet unklare Arbeitsverhältnisse für diejenigen, deren Arbeit nicht abgesagt worden ist.
Und vor all bedeutet das – komplette Blockadezustände.
Wie vor anderthalb Monaten, so auch jetzt steht die Entscheidung der Regionalverwaltungen fest: Es gibt keine Ein- und Ausfahrt nach Jerusalem, noch vor eigentlichem Schneefall. Dasselbe gilt natürlich auch für unser bergiges Judäa.

So wurde heute morgen an die Anwohner von Gusch Etzion eine SMS mit dem folgenden Inhalt versendet:
„Mit Beginn des Schneefalls werden die Strassen in Gusch Etzion gesperrt werden, und das voraussichtlich für längere Zeit. Stellt euch darauf entsprechend ein.“
Der Absender war das Team für innere Belangen und Notfälle von Alon Shevut.

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Foto: Michal Eyali

Auf der zentralen Kreuzung  bei uns stehen Schneeräum-Traktoren, wie sie schon beim letzten Schneefall gestanden haben – eindrucksvolle, massive Geräte – und das für maximal 40cm Schnee , welcher eh keine Zeit haben wird, länger zu bleiben, weil es morgen nachmittag wieder wärmer werden sollte…

Für mich ist diese Schneepanik seit jeher ein Rätsel gewesen. Nun weiß ich, dass Israelis trotz wiederkehrender Schneefälle und Stürme es noch immer für unwert halten, Winterreifen ins Land zu importieren. Und mit Sommerreifen ist es natürlich gefährlich auf den Straßen. Aber was ist mit Schneeräum-Taktiken? Mit Streumaterial? Sag bloß, es gibt nicht genug Sand zum Streuen in unserer Region? Und wie wäre es, wenn wenigstens die öffentlichen Verkehrsmittel nicht lahmgelegt werden würden? Irgendwie scheinen die Bahnen in Russland ja auch trot Schnee auf ihren Schienen zu fahren, und auch ohne Winterreifen…Oder inwiefern irre ich mich hier?

Was lokale Kindergärten angeht, ist meines Erachtens auch äußerst unverantwortlich. Denn statt das Kind zum Kindergarten zu fahren, könnte man es ja ein paar Straßen weiter -bringen-, und die Kindergärtnerinnen hätten weiter Arbeit und die Kinder Beschäftigung und die Eltern Zeit und Freiraum…

Aber weil alles miteinander zusammenhängt, und jeden Winter dieselben Fragen aufkommen, die nach Schneefall wieder vergessen werden, so sitze ich gerade fröhlich vom Unterricht befreit daheim, die Fensterscheiben wackeln vom Wind und Regen und ich warte wie die gesamte Nation, von wohliger Wärme meiner portablen Heizung umgeben, auf den zweiten Schnee in diesem Jahr….

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Der Schnee soll kommen. Bisher nur ein Wunschdenken.

Adele sel.A. und ihre Geschichte

14.März 2013. Späte Nachmittagsstunde.

„Ich fuhr heim von einem Besuch bei meiner Mutter, wir verbrachten dort etwa anderthalb Stunden. Wir hatten viel Spaß gehabt und haben viel gelacht. Bei der Ausfahrt aus Ariel sah ich vor mir einen Lastwagen und in der selben Sekunde hörte ich einen Bumm und sah nur noch schwarz vor den Augen. Sonst sah ich nichts. Der Lastwagen begann zu bremsen – und mit einem Mal fand ich mich unter dem Fahrzeug.“ (Quelle: Channel 2 News)

So berichtete Adva Biton, Mutter von 4 Kindern aus Yakir, am Tag nach dem Attentat auf israelische Fahrzeuge auf der Autobahn 5 nahe der Stadt Ariel in Samaria. Von Steinen getroffen, welche auf vorbeifahrende Fahrzeuge geworfen wurden, wich ein Lastwagen von seiner Fahrspur ab und stieß mit dem Auto zusammen, in welchem Adva und ihre 3 Töchter saßen. Die jüngste davon, Adele, gerade mal 2 Jahre alt, saß bei der Mutter auf dem Vordersitz.  Die beiden wurden vom Zusammenprall mit dem Lastwagen unter der Armatur zerdrückt.

„Ich hielt ihr den zur Seite hängenden Kopf, um zu hören, ob Adele noch atmet und um die Luftröhre freizuhalten, in der Hoffnung, dass ich sie so rette“, beschrieb Adva die Minuten des Grauens. „Es waren sehr schwere Momente. Ich war unter den Trümmern eingeklemmt und konnte nichts außer der Hand bewegen.“ Adva und ihre zwei älteren Töchter, 4 und 6 Jahre alt, erhielten mittelschwere Verletzungen, fanden aber bald wieder die Gesundheit zurück.

Nicht so Adele. Die Ärtze stellten schwere Beschädigungen an Kopf und Körper fest, und Adele lag in verschiedenen Krankenhäusern über ein Jahr bewusstlos. Sie musste mehrere Operationen und Rehabilitationstherapien über sich ergehen lassen. Zeitungen schrieben über das kleine Mädchen, das dem Attentat zum Opfer fiel. Als das Krankenhaus, in welchem sie zuletzt behandelt wurde, den Eltern Adva und Rafi erklärte, das Rehabilitationspotential sei ausgeschöpft und Adele müsste den Behandlungsplatz freimachen und nach Hause zurückkehren, gingen die Eltern vor Gericht – und gewannen den Prozess. Es wurde landesweit über den Fall berichtet.11008393_1549224768694406_5057678746394095212_n

Erst nach weiteren Operationen und Therapien – Adele war zu diesem Zeitpunkt schon 3 Jahre alt und zu Bewusstsein gekommen – konnte sie zu ihren Eltern heimkehren, in die Siedlung Yakir. Das war im September 2014.

Direkt nach der Tragödie wandte sich Adva, die Mutter, an die israelische Öffentlichkeit, mit der Bitte, um die Gesundheit der kleinen Tochter zu beten. „Ich wäre bereit, an ihrer Stelle auf dem Operationstisch zu liegen, aber Gott hat mich unbeschadet gelassen“, sagte sie in einem Interview, „ich bin bereit, Adele zurückzubekommen, in jedem Zustand.“ In anderen Interviews wandte sie sich an Premierminister Benjamin Netanyahu und pochte auf das Recht aller israelischer Bürger, ihr Leben in Sicherheit zu gestalten. „Es kann nicht sein, dass auf einer vielbefahrenen, zentral gelegenen Autobahn Menschen um ihr Leben fürchten müssen. Hören Sie auf, sich mit Unsinn zu beschäftigen und helfen Sie uns, unser Leben zu leben“ (nach mako/Channel 2).

Fast 2 Jahre sind seit dem Attentat und dem Unfall vergangen. Adele lebte mit ihrer Familie und dem neu dazugekommenen Baby-Bruder daheim in der Siedlung Yakir. Ihre physischen und geistigen Fähigkeiten waren durch die Schädigungen erheblich gestört. Jede körperliche Schwächung versetzte den Körper in extremen Stress. Anfang dieser Woche fühlte Adele sich unwohl, und wurde mit Verdacht auf Lungenentzündung in das Kinderhospital „Schneider“ bei Petach Tikva eingeliefert. Am Dienstagmorgen ging die Nachricht um das Land: „Klein-Adele, Opfer des Terrorattentats von vor 2 Jahren, kämpft um ihr Leben“. Rachel, die Großmutter des Mädchens, rief die Öffentlichkeit zu Gebeten für Adele auf und beteuerte, „dieses Kind wird noch ein wandelndes Wunder werden“.10478235_1549224755361074_2782581703642700499_n

Das Wunder kam nicht. Adele, nun schon vier Jahre alt, erlag den Komplikationen der Lungenentzündung und starb noch am selben Abend.

„Es steht außer Zweifel, dass die Komplikationen der Lungenentzündung aufgrund der Schädigungen eingetreten sind, die Adele durch den Unfall erlitten hat“, erklärte die Mutter.

Nach Adeles Tod stellten die Eltern über die Regionalverwaltung den Antrag, dass Adele in ihrem Heimatdorf Yakir begraben werden könnte – obwohl es dem Landesverteilungsplan entsprechend keine Planung für einen Friedhof in der Siedlung gab. Da alle Bauprojekte in Siedlungen von J&S zurzeit unter einem Baustopp stehen (wohl noch immer als Folge der nichtexistenten Friedensverhandlungen), konnte offiziell gesehen kein Friedhof in Yakir eröffnet werden.

Die Anfrage wurde an das Büro des Premierministers geschickt, da die Behörde für bürgerliche Angelegenheiten in Judäa und Samaria den Antrag ablehnte. Yossi Dagan, stellvertretender Vorsitzender der Verwaltung von J&S erklärte  wütend: „Es kann nicht sein, dass ein Kind, das Opfer eines Terroranschlages geworden ist, nicht in dem Ort begraben werden kann, an dem sie gelebt hat, weil es ein bürokratisches Problem damit gibt. Wir fordern vom Premierminister im Namen der Familie Biton, sich unverzüglich einzumischen und das heilige Kind so schnell wie möglich begraben zu lassen.“

Nach jüdischem Gesetz muss ein Toter am selben oder spätestens am nächsten Tag, sofern es sich um Abend oder Nachtzeit handelt, begraben werden. Dieses Gesetz wird in Israel ausgeführt. Trotz des Widerstandes der Behörden wurde Adele heute am frühen Nachmittag (13.00 Uhr Ortszeit) in Yakir begraben, nachdem ein Rabbiner ein dafür speziell ausgesuchtes Gebiet für rituell erlaubt erklärt hatte. Zuvor rief Adeles Mutter die Öffentlichkeit dazu auf, zur Beerdigung zu kommen. „Sie ist das Kind der gesamten Nation. Kommt, um ihr die letzte Ehre zu erweisen.“ (YNET)

(Bilderquelle: YNET, NRG – Internet)


Wie genau sah die Strecke aus, auf welcher der Lastwagen, der mit Bitons Fahrzeug zusammenszieß, mit Steinen beworfen wurde? Es handelt sich um die Schnellstraße 5, welche ihren Anfang bei der Glilot-Kreuzung bei Herzelia nimmt und an Rosh haAyin und Kfar Kassem vorbei Samaria bis zur Stadt Ariel durchquert. Die Straße wird gleichermaßen von tausenden von israelischen und den palästinensischen Einwohnern der Region täglich befahren und stellt eine der Hauptverkehrsstraßen Israels dar. An der Giti-Kreuzung, an welcher die Steine yakirdsgegen die israelischen Fahrzeuge geworfen wurden, sollte die Familie Biton in Richtung der Siedlung Yakir abbiegen. In unmittelbarer Nähe der Kreuzung befinden sich die arabischen Ortschaften Khares, Dir Istiya, Sarta und Qira, sowohl die jüdische Ortschaft Barkan.

Die Attentäter, welche die Steine absichtlich auf die Fahrzeuge geworfen haben, waren arabische Jugendliche, welche einige Tage später nach dem Attentat gefasst und zu Gericht gebracht worden sind. Von etwaigem Schadenersatz seitens der Familien der Terroristen an Familie Biton ist mir persönlich nicht bekannt. Allerdings ist die mörderische Taktik der Steinewerfer keinem Israeli unbekannt, erst recht nicht Anwohnern von Judäa und Samaria oder lediglich Fahrern, welche regelmäßig die Straßen aufsuchen müssen, welche an arabischen Ortschaften vorbeiführen. Ob Autobahn oder Landstraße durch arabisches Dorf – Fahrzeuge mit israelischem Kennzeichen, in welchen Juden vermutet werden, werden regelmäßig Opfer von Steinewürfen und Molotow-Cocktails – Brandflaschen mit explosiver Füllung. Der letzte Fall, bei welchem ein jüdisches Kind von einem solchen Anschlag verletzt wurde, ist der von Ayala Shapiro, bei welchem das 11-jährige Mädchen aus Ma’ale Shomron am 25.12.14 Verbrennungen dritten Grades erlitt und noch immer in Behandlung ist.

Das Steinewerfen wird von Tätern aller Altersgruppen durchgeführt: Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen. Herkunft der Täter – Araber aus den arabischen Dörfern in Judäa, Samaria, und zu kritischen Zeiten auch aus den als israelisch geltenden Dörfern innerhalb der Waffenstillstandslinie von 1967. Die Zielscheibe? Israelische Fahrzeuge, jüdische Fahrer. Was wird unternommen? Zur Vorbeugung leider so gut wie nichts. Erst wenn Anschläge wie die gegen Adele und Ayala geschehen, geht ein Aufschrei durch das Volk, aber meist bleibt es bei einem kurzlebigen medialen Hype. Im Herbst des letzten Jahres bekamen auch Nicht-Siedler zu spüren, inwiefern Steinewerfen als lebensgefährlicher Angriff gelten kann – bei den Unruhen um die arabischen Dörfer herum im Zentrum, im Norden des Landes und in Jerusalem. Aber die meiste Zeit im Jahr bleiben jüdische Siedler mit der täglichen Gefahr allein oder mit einem sporadischen Eingriff der Armee. Leider im Nachhinein.

Auf den Spuren von Yoav, Offizier aus Elkana

Was bedeutet eigentlich der Tod eines Sohnes fuer seine Eltern? Welche Wege koennen von einem solchen Schicksalsschlag getroffene Eltern gehen, welche Mittel koennen sie finden, um ihr Leben nach dem Tod des Kindes nicht in Trauer und Leid aufzuloesen? Und wie koennen sie tatsaechlich ein gebuehrendes Gedenken dem geliebten Sohn verleihen?

Fuer wahr gibt es, vor allem heutzutage, viele Weisen, wie mit einer solchen Tragoedie umgangen werden kann. Unbestreitbar ist aber, dass die betroffene Familie fast uebermenschliche Kraefte in sich finden muss, um das Gedenken an ihr Kind in eine Bereicherung fuer die Umgebung umzuwandeln.

Wofuer die Vorrede? Ich moechte euch eine Familie aus der Siedlung Elkana und ihr Lebensprojekt wider Willen vorstellen. Familie Harshoshanim (zu deutsch: Rosenberg). Vater Shiloh, Mutter Nurit, und die Kinder Amnon, Tamar, Yoav und Tzafrir. Eine Familie, die die Werte von Liebe, Zugehoerigkeit, Tradition, Liebe und Einsatz fuer das Land und den Staat, die Unterstuetzung von Menschen in Not, die Toleranz und die Treue hochschaetzt. In diese Familie des Computerunternehmers Shiloh wird Yoav 1972 als drittes Kind hineingeboren, in der Stadt Petach Tikva, und in 1977 ziehen die Eltern in קלשdie damals nur 40 Familien beherbergende Siedlung Elkana im Westen Samarias um. Elkana wird im selben Jahr gegruendet, durch die Initiative von Mitgliedern der damaligen ideologischen Vereinigung „Gush Emunim“, welche fuer die juedische Besiedlung der nach 1967 eingenommenen Gebiete eintrat. Auch die israelische Regierung   – unter Premier Yitzhak Rabin! – unterstuetzt mit 64 Knesset-Mitgliedern die Initiative, und am 01.05.1977 wird nach einigen praktischen Vorbereitungen und vielen Buerokratie-Abwicklungen die Siedlung gegruendet. Die Harshoshanim-Familie ist eine der ersten 40 Familien.

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Yoav in der Armee – aus dem Begleitheft

Die Gemeinschaft ist warm, willkommend, die Kinder werden zur Liebe zum Land, zu den Menschen, zum juedischen Erbe und zur Aufopferung fuer Land und Gemeinschaft erzogen – so auch Yoav. Er besucht die lokale Grundschule, dann eine Mittelschule in Jerusalem, ein technisches Gymnasim der Bar-Ilan-Universitaet und entscheidet sich, die letzten Schuljahre in einem Armeeinternat , welches gleichzeitig eine Jeshiva ist, zu verbringen. Waehrend seiner Schulzeit uebernimmt er aus eigener Initiative die Patenschaft fuer zwei benachteiligte Kinder: einen kranken Schulkameraden, zu dessen Gunsten er die ganze Schulklasse motiviert, und einen jungen Einwanderer aus Aethiopien, den er „adoptiert“ und der im Laufe der Zeit zum Teil seiner Familie wird.

Schon frueh ist Yoav aeusserst begabt und aktiv – in Sport, in Kunst und Musik; er malt, er taucht, er spielt Gitarre und Mundharmonika, er macht Snapling und wandert. Er geniesst das Leben in all seinen Zuegen – und traeumt von einer Karriere bei der Armee.

Yoav wird in eine Eliteeinheit der Fallschirmjaeger eingezogen und geht seinen Dienst mit vollem Ernst an: Er absolviert einen Kommando-Kurs, wechselt weiter zum Offizierskurs und wird Befehlshaber einer Infanterie-Einheit – und das mit 21 Jahren. Er zeichnet sich durch vorbildhaftes Teamverhalten, Fairness, Sorge um seine Soldaten und Mut aus und ist fuer Aufopferbereitschaft bekannt.

Es ist das Jahr 1994, und die israelische Armee hat mit der Guerilla-Armee der Terrororganisation Hisbollah im Suedlibanon zu kaempfen, welche die Bewohner an der Nordgrenze Israels bedroht. Verschiedene IDF-Einheiten, so auch die von Yoav,sind seit 1982 und dem ersten Libanonkrieg im Nachbarland stationiert und haben mit bewaffneten Auseinandersetzungen mit der Hisbollah zu kaempfen.
Yoav wird im Februar 1994 zu einem weiteren Fortbildungskurs abkommandiert und erhaelt eine Woche Urlaub. Urlaub fuer einen Kampfoffizier der bewaffneten Streitkraefte ist teueres Gut. Umso mehr erstaunt es, als Yoav, schon halb auf dem Heimweg, sich entscheidet, zur Einheit zurueckzufahren, weil er fuehlt, sich nicht genuegend von seinen nun ehemaligen Soldaten verabschiedet zu haben.

Angekommen in der Basis von Reyhan, erfaehrt Yoav von einer ueberraschenden Operation, die am naechsten Morgen stattfinden soll, doch der Offizier des betreffenden Teams ist erkrankt. Kurzerhand meldet sich Yoav freiwillig zur Befehligung der Einheit.

Als Yoav und sein Team die betreffende Route in einer Militaeroperation von Terroristen freimachen sollen, geraten sie in einen Hinterhalt von ueber 30 Hisbollah-Kaempfern. Drei der Soldaten werden nacheinander von Snipern ausgeschaltet; Yoav kaempft sich weiter, wird verletzt, gibt noch waehrend des Sturms auf den Feind Anweisungen zur Evakuierung der Verletzten durch – da wird auch er von Sniperkugeln getroffen und stirbt an Ort und Stelle.

Yoav verstirbt im Alter von 21 Jahren im Rang eines Lieutenants und wird auf dem Militaerfriedhof in Elkana begraben.


Soviel zur Geschichte von Yoav Harshoshanim.
Welche Lektion zogen seine Eltern, Shiloh und Nurit, aus der persoenlichen Tragoedie?
Schon im ersten Jahr nach Yoavs Tod arbeiteten sie an der Idee, ein jaehrliches Event in Gedenken an den Sohn einzurichten; eins, das die Staerken und die Interessen von Yoav mit denen der jungen Menschen in Israel vereint – Sport, Armee, Natur, Teamgeist, aber auch innere Werte wie die Liebe zum Land, Freiwilligkeit, Aufopferung. Es sollte ein gesellschaftsuebergreifendes Event werden, die Moral der Jugendlichen und der jungen Soldaten staerken und sie naeher zusammenbringen.

wpid-2015-02-13-13.39.00.jpg.jpegSo war es auch nur natuerlich, dass das erste solche Event schon 1995 fand, mit ueber 200 Teilnehmern aus verschiedenen Einheiten. Als Durchfuehrungsort wurde das malerische Waeldchen Ben-Shemen, suedoestlich von Petach Tikva, Yoavs Geburtsort, ausgesucht.
Die Jahre daraufhin wurde es ausgebaut, ins Naturreservat Neot Kedumim bei Modiin verlagert und zu einem Gemeinschaftsevent, bestehend aus Marathon und Wanderfuehrung, entwickelt. Verbunden mit Musik, Vortraegen zu Israel, Naturgeschichte, Erzaehlungen aus dem Leben und Wirken Yoavs und dem Akzent auf die Bindung zwischen Jugend und Land, wurde der „Tag der Natur und Orientierungsmarathon zum Gedenken an Yoav Harshoshanim“ zu einer national bekannten und beliebten Veranstaltung fuer Schulen, Jugendgruppen und Armeeeinheiten. Jedes Jahr wird der Marathon unter einem anderen Motto durchgefuehrt – so im Jahr 2014 „Der andere bin ich“, oder in diesem Jahr – „Mein Staat Israel“.

wpid-20150213_093709.jpgDer Wunsch der Eltern Yoavs, durch die Geschichte ihres Sohnes etwas mehr die Gesellschaft zu einen, ging in ihrem Vorhaben in Erfuellung: Tausende bis Zehntausende Besucher jaehrlich von aller Herkunft, religioeser Auffassung und Alter lassen sich auf dem Marathon blicken. Schulen betrachten den Marathon als Wandertag. Armeeeinheiten bis zur Elite-Einheit „Sayeret Matkal“ nehmen am Wettbewerb teil, sehen, lesen, hoeren ueber Yoav und lernen sein Leben kennen. Vor allem aber werden sie Teil eines unglaublichen, das Leben und die Freiheit feiernden Projektes, das einen jungen Offizier aus einer Siedlung irgendwo in Samaria zu einem Nachlass und einem Gewinn fuer die gesamte Obrigkeit werden laesst.

wpid-20150213_085640.jpgHeute fand der 20.Marathon zum Andenken an Yoav statt; die Fuehrungen der Schulgruppen und die Erklaerungen an den einzelnen Stationen wurden vor allem von jungen Soldatinnen, die im Korps fuer Erziehung und Bildung dienen, sowie Student/innen des Herzog-Colleges durchgefuehrt. Jugendliche, Eltern, Soldaten, Kinder kamen trotz Wind und Unwetterwarnung, liefen, wanderten, begeisterten sich an der frischen winterlichen Natur (in Israel blueht und waechst das Gruen vor allem im Winter) und lernten mehr ueber Yoav, dem Jungen aus Elkana, seine Liebe zum Leben, und bekamen zu spueren, wie teuer sein Leben seiner Familie war und bleibt, und gingen so wie tausende andere ein paar Schritte auf den Spuren Yoavs.

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EU – die illegalen Siedler!

Liebe Leser, aufgrund einer Urlaubsphase von zwei Wochen im hohen Norden war ich zwischenzeitlich inaktiv. Das soll sich demnächst ändern, zudem es wieder Material gibt, worüber es sich auch im Nachhinein zu berichten lohnt. Bleibt also dran. 


 

Am 5.Februar erschien in der Welt ein neues Dokument, das etwas offenbarte, was weltweit bis heute keinen großen Anklang gefunden hat, was aber für manche eine Kehrtwende bedeuten könnte – zumindest in ihrem Weltverständnis – , sollte es dennoch eines Tages in der Öffentlichkeit verbreitet werden.

Es handelt sich um das Ergebnis einer Recherche der israelischen Organisation REGAVIM, welche sich der Aufdeckung von illegalen Bau und unrechtmäßiger Landnutzung von israelischem Staatsland seitens Organisationen und Privatpersonen sowie der Palästinensischen Autonomiebehörde verschrieben hat. Der Bericht der von Regavim über längere Zeit durchgeführter Untersuchungen enthüllt Beispielloses: Die aktive Teilnahme der EU an der illegalen Bebauung von unter israelischer Kontrolle stehendem Land in Judäa und Samaria!

Im 11 Seiten langen Bericht, der hier auf Englisch nachgelesen werden kann, deckt die Organisation die Aktivitäten der EU auf, welche spätestens seit 2012 und bis 2014 durch millionenfache Summen illegale Bauten im C-Gebiet in der Gegend um Ma’ale Adumim und Nordjerusalem, namentlich in der Zone E1, die vor einiger Zeit Mittelpunkt einer Pressekampagne gegen Israel geworden ist, finanziert hat. Auf den Fotos, welche die Behauptungen des Berichts unterlegen, sind einfache kontainerartige Bauten zu sehen, allesamt das EU-Logo tragend, welche in sich Infrastruktur und Wohnbauten beherbergen; einige davon bilden gar eine Schule. Andere werden zu bereits existierenden, ebenso temporär angelegten, eindachen Bauten hinzugefügt, die Art von Kontainern, welche von den Beduinenansiedlungen bekannt sind, welche die Autobahn an Ma’ale Adumim vorbei Richtung Totes Meer bevölkern.

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Das C-Gebiet incl.Maale Adumim und E1 (dunkelblau, hellblau). Die illegalen Strukturen der EU sind mit Sternsymbol auf blauer Flagge gekennzeichnet. (Quelle: Regavim-Bericht)

All diese Bauten, stolz mit einem EU-Logo geschmückt, befinden sich im C-Gebiet. Zum besseren Verständnis: In den Oslo-Abkommen von 1993, auf welchen die eigentliche Trennung Judäas und Samarias in Gebiete verschiedener Verwaltung (A, B und C) basiert, wurde das C-Gebiet, zu welchem auch E1 und die Umgebung Ma’ale Adumims zählt, eindeutig voller israelischer Kontrolle unterstellt – nicht wie die Gebiete von A oder B, in welchen die PA über Verwaltung und gar Landnutzung entscheidet.

Entsprechend diesen Abkommen, welche auch die Basis für heutige Siedlungspolitik Israels legen, sowie für die unaufhörliche Kritik dieser – vor allem seitens der EU – ist das C-Gebiet vollends der israelischen Gesetzgebung unterlegen. Was wiederum bedeutet, dass keine Organisation, sei es die EU oder eine andere, sowie keine Privatperson, ohne israelische Erlaubnis dieses Gebiet bebauen oder andersweitig nutzen kann!

Der Bericht von Regavim gibt die genauen Zahlen der illegalen Siedlungsaktivität der EU an:

Quelle: Regavim-Bericht
Quelle: Regavim-Bericht

Über Luftaufnahmen unternahmen Regavim-Leute mehrere Jahre lang Untersuchungen vor Ort, und entdeckten, dass zwischen 2012-2014 zu den schon vorhandenen illegalen Strukturen über 400 weitere hinzugekommen waren – allesamt wörtlich unter der gehissten Flagge der EU. Welche Abteilung der EU direkt dafür verantwortlich ist, lässt sich nicht ermitteln, allerdings ist die Finanzierung und die Flagge wohl kaum per Zufall auf den unrechtmäßigen Bauten zu finden.

Schauen wir auf den Fortgang der Affäre: Fand die Enthüllung einen Anklang in den Medien? Zuerst berichtete über das Untersuchungsergebnis die Jerusalem Post: „Die EU baut hunderte von illegalen Baustrukturen für Palästinenser im C-Gebiet der Westbank“. Dort wurden sowohl einige Abteilungsleiter von Regavim zitiert, als auch die Rückmeldung von COGAT, der Organisation verantwortlich für Koordination von Regierungsaktivitäten in den Gebieten von Judäa und Samaria. Dieser nach wurden Verantwortliche der EU auf den Bau hin angeschrieben, und der Besuch von COGAT-Kopf, Generalmajor Yoav Mordechai, in Europa in der Woche der Berichtveröffentlichung sollte ebenso dieses Thema aufgreifen.

Bei der Aktion handelt es sich um blatante Souveränitäts-Verletzung seitens einer Regierungsorganisation gegen einen Staat und seine Rechtsprechung. Das Gebiet hinter der Waffenstillstandslinie von 1967, welches von Israel nach der Befreiung von der Besetzung von Jordanien im Krieg eingenommen wurde, ist rechtlich gesehen „umstritten“, und nicht besetzt, und selbst nach Einordnung des Gebietes als „besetzt“ oder „erobert“ ist es das Recht der Eroberungsmacht, vor einem Abkommen, wem das Land entgültig zugeteilt wird, als rechtliche Autorität zu fungieren. Und diese Autorität ist nicht durch illegale Handlungen anfechtbar, auch nicht durch illegale Bauaktivitäten, entsprungen dem parteiischen Wunschdenken der EU-Funktionäre.

Plagen da den einen oder anderen Leser Zweifel bezüglich der Affäre? Dann sagt mir, ob es sein kann, dass millionenhohe Summen aus der EU-Schatzkammer ohne die Kenntnis der eigenen Verwaltung in solche Projekte in einem so politisch grenzgängigem Terrain investiert werden können? Und dass ein Projekt, welches offiziell als „Vorposten für die Stärkung der Entwicklung und  Souveränität der PA im C-Gebiet“ von der EU bezeichnet wird (Daily Mail berichtet), nicht von Tatsachen gefolgt werden wird?

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Nun wurde davon freilich nichts weiter berichtet. Die deutsche Presse schwieg sich ganz unbekümmert über den eigentlich, könnte man meinen, doch recht überraschenden und empörenden Bericht aus. (Oder hat jemand auch nur einen Artikel zum Thema bemerkt? Der solle mir diesen bitte ⇒hier zukommen lassen.)

Nur die Daily Mail aus Großbritannien fand die „Chutzpe“, über den Bericht zu schreiben, unter der Verwendung der diplomatischen Worte wie „alleged“ (angeblich) und „claims“ (behaupten) – aber dennoch mit wichtigen Details über die Affäre: Zusammen mit EU-Aufklebern sollen auch welche der NGO Oxfam auf den Strukturen gefunden worden sein; außerdem wurde das Bild eines EU-Mitarbeiters publiziert, welcher in 2012 mit Steinen israelische Soldaten bedrohte und dabei fotografiert wurde – und die EU sich eines Kommentars zum Fall enthielt. Einer EU-Sprecherin zufolge, die auf die illegale Unterstützung und Bau angesprochen wurde, fand dieser gar nicht statt – sie wehrte sich im Interview mit der Daily Mail gegen den Regavim-Bericht. Nicht so der Sprecher der EU für die Palästinenser, Shadi Othman, der wohl andere Anweisungen bekam:

„Wir unterstützen die Anwesenheit der Palästinenser im C-Gebiet. Palästinensische Anwesenheit sollte nicht auf die Gebiete von A und B beschränkt werden. C ist ebenso ein Teil des besetzten palästinensischen Territoriums und wird am Ende auch palästinensisches Land sein. Palästinenser haben ein Recht, dort zu leben, Schulen zu bauen und sich wirtschaftlich zu entwickeln.“

Was auch gänzlich den Tatsachen entspricht, die die EU mittels Beton und Transportkränen im besagten Gebiet festlegt. Laut Regavim wurden so an die 17 „EU-Siedlungen“ errichtet.

Nun sollte wohl das EU-Logo auf den Bauten die israelischen Behörden davon abhalten, diese zu zerstören – wie es von „jüdischen“ Bauten, ob nun illegal oder umstritten, nur allzu häufig bekannt ist. Wer würde denn ein offizielles Gebäude einer weltweit anerkannten Regierungsvereinigung aus dem Weg räumen?

Offenbar ist PM Netanyahu dieser Mensch, denn dieser hat als Reaktion auf den Bericht angekündigt, die 400 Bauten, ganz wie das Recht es verlangt, zu zerstören. Daraufhin berichtete das I24-Nachrichtenportal am 08.02.15, dass eine Petition von 400 „Rabbinern für Menschenrechte“ (RHR) an diesen im Protest gegen die „Häuserzerstörung“ geschickt worden ist: „Tausende werden gezwungen, ihre Häuser illegal zu errichten, und großes Leid wird verursacht, wenn jedes Jahr Häuser zerstört werden“, schrieben sie in ihrer Petition.

Nur dass dieses Leid gar nicht nötig gewesen wäre, würden die im C-Gebiet lebenden Menschen nicht absichtlich von der EU in einen politischen Kampf hineingezogen, um wortwörtlich billiges Material für eine Auseinandersetzung mit Israel zu dienen, und dabei am Ende selbstverständlich den Kürzeren zu ziehen – wie auch im Voraus seitens der blau-goldenen Geldgeber in Kauf genommen. Selig ist, wer glaubt, dass hier die Plage der Wohnungsnot im Wüstengebiet von E1 den Grund für Zwist und Zank darstellt.

 

Die illegalen Bauten. Quelle: Regavim-Bericht.

binyanim2 binyanim3 doch regavim binyanim

 

Eine jüdische Stimme aus Judäa