Was machen sie an der Kreuzung?

Als ich heute morgen auf dem Weg zu meiner Arbeit bei der Haltestelle an der Kreuzung von Efrat , hatte sich etwas veraendert – es befanden sich mehrere bewaffnete Soldaten und ein kleines Zelt in Militaerfarben, das an den Weinbergen etwas weiter entfern stand. Ich hatte ein skeptisches Gefuehl – hatte sich die im Allgemeinen ruhige und unbewachte Haltestelle von Efrat in einen neuen Gefaehrdungspunkt verwandelt, wuerden auch hier nun Soldaten stationiert werden? Muss ich mich jetzt hinter sie stellen? (Und wer mich kennt, weiss, dass ich jede Normalisierungsmoeglichkeit der Bewachung vorziehe.)

Als ich naeher kam, sah ich Armeepolizisten und einen regulaeren Wachmann dabeistehen. Es musste etwas anderes sein. „Hey Bruder, ist die Haltestelle nun gefaehrlich geworden? Warum das Sicherheitsaufgebot?“, fragte ich laechelnd einen der Soldaten. “ Es werden heute einige Haeuser geraeumt…in Netiv Avot„, antwortete er. „Leider“, warf ein anderer Soldat, mit Kippa, ein.“ Achso, dann war es eher verstaendlich. „Auf allen Kreuzungen in der Gegend wurde Sicherheitspersonal stationiert, damit die Raeumung reibungslos verlaeuft“, fuegte der Soldat hinzu. „Werden noch weitere Haeuser abgerissen?“ Der Soldat umging die Frage. „Es sind 15 Haeuser.“ „Ich verstehe…danke.“ Dann kam auch schon ein Auto angefahren, das mich hoch zu einer anderen Haltestelle mitnehmen konnte. Ich rief ihnen „Viel Erfolg!“ zu und fuhr weg. Gemischte Gefuehle begleiteten mich auf dem Weg zur Arbeit. Ihretwegen konnte ich der Raeumung nicht beiwohnen, aber ich wusste nicht, ob ich tatsaechlich haette dabeisein wollen, obwohl es sicherlich etwas zu berichten gaebe…

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Kirschenfestival in Gush Etzion

Wisst ihr noch?

In den vergangenen Wochen hatten die Kirschplantagen des Kibbutzes Kfar Etzion im Herzen der Gush Etzion-Region (Judäa)  unter Brandattacken von arabischen Attentätern aus der Umgebung zu leiden. Darüber habe ich hier berichtet. Nun gibt es in unserer Region weitere Kirschplantagen (Kirschen werden in Gush Etzion nur von jüdischen Einwohnern gezüchtet), so beispielsweise im auf der anderen Landstraßenseite liegenden Kibbutz Rosh Tzurim. Am 01.06 (Freitag) veranstaltete die Regionalverwaltung von Gush Etzion zwischen 10 und 14.30 Uhr das mittlerweile 16-te Kirschenfestival auf den Feldern des Kibbutz, wobei man für nur 30 Shekel nach Belieben von den Bäumen pflücken und essen sowie an parallelen Aktivitäten für die ganze Familie teilnehmen durfte. Sprich – hab Spaß und iss, bis du kirschrot wirst und platzt 😉 Das Mitnehmen der selbstgesammelten Ernte kostete natürlich noch einmal etwas. Viele hunderte Menschen aus Gush Etzion, Jerusalem und Umgebung ließen sich nicht zweimal dazu einladen und kamen vorbei. (Und ich habe das Ganze verschlafen…)

Klickt auf die schönen Bilder, um sie euch anzuschauen! (Quellen: Gush EtzionTourism, Channel 7)

Solidarität mit Salah

Wie im Beitrag „Landwirtschaftlicher Terror überall“ berichtet, hat es in der letzten Woche wiederholte Brandstiftung bei den Kirschplantagen im Kibbutz Kfar Etzion und im Waldstück daneben gegeben. Diese Nachrichten hatten mich sehr betrübt, denn auch wenn man über ähnliches aus anderen Gegenden hört, liegt die eigene Region einem doch mehr am Herzen. Umso unangenehmer wurde es mir, als ich am Freitagnachmittag, als die Feuerwehr gerade mit den Löscharbeiten im Wald beschäftigt gewesen war, von einer Vandalismusattacke auf ein arabisches Feld direkt unter unserer Karavanensiedlung erfuhr! Ein guter Freund von mir und Aktivist aus Kfar Etzion, Myron, hatte mir davon berichtet, aber ich hatte vor dem Shabbat keine Zeit mehr, die Details herauszufinden, und konnte das genaue Feld nicht ausmachen, und die Kirschplantagen von Kfar Etzion waren für mich ebenso schwer zu erreichen, also bin ich am Samstag nicht hingegangen.

Gestern (Sonntag, 27.05) wurde sehr spontan ein Besuch der

Blumen werden an die verbrannten Äste der Kirschbäume in Kfar Etzion gehängt. Foto; Eliaz Cohen

Gruppe mit dem Namen „Tag Me’ir“ (etwa als „erhellendes Preisschild“ zu übersetzen, ins Leben gerufen als ein Gegenstück zu den rechtsradikalen Vandalismusgruppen), die Tatorte von Hassverbrechen besucht, um sich mit den Opfern zu solidarisieren – sowohl in Kfar Etzion als auch bei dem arabischen Landwirt bei Alon Shvut organisiert. Dazugekommen war der Knessetabgeordnete Mossi Raz aus der Linksaussenpartei Meretz. Ich hatte davon im letzten Augenblick erfahren, und obwohl ich es nach Kfar Etzion nicht mehr schaffte, wollte ich unbedingt die beschädigten arabischen Felder sehen und mit dem Landwirt sprechen. Ich kam über die Hügel zu ihnen nach unten zum Feld und

Links: Salah Shahin, rechts: Fares Sa’ad.

Salah Shahin, der Landbesitzer, und sein Bekannter Fares Sa’ad, der sich dazugesellt hatte, zeigten mir die abgeschnittenen Weinstöcke, die über die letzten zwei Tage hinweg schon ganz vertrocknet geworden waren. Von diesen zog sich eine ganze Reihe durch, insgesamt 35. Etwas weiter weg war auch das Feld, auf welchem 25 junge Aprikosenbäume abgeholzt worden waren. Auch sie waren nicht mehr zu retten. Die großen Bäume standen unberührt um sie herum, sie zu beschädigen, wäre komplizierter gewesen.

Die toten Weinstöcke.

Ein trauriger Anblick.

Salah, ein sichtlich älterer Mann, erzählte auf meine Fragen hin, dass offenbar die Sicherheitskamera von Alon Shvut, die in die Richtung der Felder gewendet ist, in der Freitagnacht drei Gestalten erkannt habe, die sich in die Richtung der beiden Felder aufgemacht haben sollen, aber das nur kurz und ungenau. Auch deren Verlassen der Felder wurde von der Kamera aufgezeichnet. So hatte es ihm die Zivilverwaltung berichtet. Die Verdächtigen waren die meiste Zeit im Schatten der Bäume versteckt gewesen. Allerdings wurde niemand gerufen, um deren Anwesenheit auf den Feldern nachzuprüfen, die um die Nachtzeit keinesfalls zu erwarten und eher verdächtig anzusehen wäre. Salah zuckte auf meine Nachfragen hin mit den Schultern:

„Ich weiss nicht, warum sie niemanden geschickt haben. Hätten sie sie wirklich finden wollen, hätten sie es nachgeprüft.“

Mir war ebenso unklar, warum eben diese zwei Felder der Zerstörung zum Opfer gefallen waren, wo sie doch eher auseinander lagen, und weshalb nicht mehr Bäume oder Weinstöcke zerstört wurden. Darauf konnte niemand antworten.

Salah und Fares hatten sich über unseren Besuch gefreut. Außer Myron, Mossi Raz und der kleinen „Tag Me’ir“-Gruppe (mehr hatten es kurzfristig nicht geschafft) war auch ein Freund von uns, ein Dichter und

Von l.n.r.: Yishai, Salah, ich, Eliaz, Myron und Mossi Raz. Foto: Tag Me’r

Aktivist namens Eliaz Cohen aus Kfar Etzion dabei, der ebenso wie Myron in der „Roots“-Bewegung für Koexistenz zwischen Juden und Arabern in Gush Etzion aktiv ist. Nach dem Besuch brachte Eliaz Fares nach Hause – sein Haus befindet sich unmittelbar am Zaun, der meine Ortschaft Alon Shvut umgibt. Anschließend war Salah an der Reihe, der nahe der Einfahrt nach Alon Shvut und der Regionalverwaltung lebt. Wir unterhielten uns ein wenig über die Gegend – Salah lud mich ebenso ein, bei ihnen auf der Terasse zu sitzen. Er konnte zwar fließend Hebräisch, ich bevorzugte es jedoch, mit ihm auf Arabisch zu sprechen. Das Fastenbrechen des Ramadan würde erst in einer Stunde stattfinden, also bevorzugte ich es, nicht vor ihren Augen zu essen oder zu trinken. Anschließend brachte mich sein Sohn Ahmad, der, wie es sich herausstellte, in der Feldschule von Kfar Etzion arbeitet, bis zum Einfahrtstor von Alon Shvut. Die Familie hatte meine Nummer und Salah versprach, mir nach der Aprikosenernte einen Korb mitzugeben. So schnell kann man bei uns neue Nachbarn und Freunde kennenlernen, wenn es den Willen gibt…

„Jetzt, nach eurem Besuch, bin ich viel ruhiger als zuvor“,

sagte uns Salah, bevor Eliaz und Myron heimfuhren. Ob nun der Staat oder irgendein anderes öffentliches Organ ihm den angerichteten Schaden finanziell kompensieren wird, weiß ich leider nicht. Ich will nur hoffen, dass die Täter gefasst werden. Aus unserer Gemeinde kommen sie nicht, das kann ich mit 100%er Gewissheit sagen – solche Taten werden von radikalen Jugendlichen verübt und bei uns leben in der absoluten Mehrheit Eltern von Klein- und Schulkindern. Auch das ist beruhigend.

Hoffen wir das Beste für alle.

Fotos: Eliaz Cohen, Chaya Tal, „Tag Me’ir“

Landwirtschaftlicher Terror überall

Zum Stand der Dinge: Es ist nichts Neues. Angriffe auf Felder, Erntediebstähle, Beschädigung von Arbeitsgeräten, drohende Graffitis, die als „Gruß“ von den Tätern hinterlassen werden – all das gehört seit eh und je zur Realität in Judäa und Samaria (und ebenso außerhalb, aber das ist ein anderes Feld). Ob es Olivenbäume oder Weintrauben, Kirschen- oder Aprikosenbäume sind – wenn die Lust nach Hass und Vandalismus wütet, dann fällt dieser alles zum Opfer. Und man muss zugeben, beide Seiten nehmen daran teil. Ich kann mit Gewissheit sagen, dass die jüdischen Bewohner von Judäa und Samaria in ihrer absoluten Mehrheit solche Taten nicht begrüßen, ich kann allerdings nicht abstreiten, dass sie daran keinen Anteil haben. Insbesondere im letzten Jahrzehnt ist die Aktivität der sogenannten „Preisschild“ (Price Tag)-Aktionen, die von radikalisierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen, der sogenannten „Hügeljugend“, durchgeführt werden – dazu gehören Vandalismus und Beschädigung arabischen Eigentums, Angriffe auf arabische Felder, Attacken auf Moscheen und offenbar (= gerichtlich noch nicht bestätigt) auch das letzte große Verbrechen – das Attentat auf die Familie Dawabshe in Duma – angestiegen. Bestimmte Regionen innerhalb des gesamten Gebietes von Yatir im Süden bis Jenin im Norden sind besonders durch die „Preisschild“-Attacken „gefährdet“, und zwar in Umgebungen von bekannten Außenposten und Siedlungen eher radikaler Natur.

Auf der anderen Seite ereignen sich regelmäßige Diebstahle von Ernte der jüdischen Felder und Plantagen rund um das Jahr in der gesamten Region, und ebenso Angriffe auf jüdische Felder seitens Bewohnern der arabischen Nachbarsorte; dabei werden Felder mit brennenden Objekten angegriffen, Planzungen niedergeschnitten und Waldstücke angezündet, die in unmittelbarer Nähe der Ortschaften liegen; davon abgesehen werden in regelmäßigen Abständen Molotow-Cocktails gegen die Schutzzäune der Siedlungen geworfen. Langweilig ist es bei uns keinesfalls. Die Polizei, die Zivilverwaltung und die Armee sowie der innere Geheimdienst (Shabak) zeichnen sich nicht besonders im Verfolgen und Verhindern der Verbrechen aus, zumindest wirkt es so nach außen und manche der jüdischen Landwirte sehen sich gezwungen, private Sicherheitsmänner anzuheuern, um ihre Felder zu schützen.

Berichte über Vandalismus und Zerstörung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen tauchen eher in der lokalen palästinensischen Presse, heute zumeist auf Facebook, und in den Berichten der internationalen propalästinensischen Organisationen auf, als in der israelischen Presse, es sei denn, es handelt sich um großflächigen Schaden. Leider mischen sich unter diese tatsächlichen Angriffe auch solche, die absichtlich von palästinensischer Seite durchgeführt wurden, um dadurch jüdische Bewohner zu belasten. Internationale sowie palästinensische Presse und Organisationen berichten kaum bis gar nicht über arabischen Vandalismus von jüdischem Eigentum und Landwirtschaft.


Jetzt hat sich der Alltag aber dramatisch verändert. In den letzten Wochen und Monaten scheint es, als würde sich die Zerstörungsaktivität in diesem Jahr primär auf die Landwirtschaft und Privateigentum fokussieren. Der offizielle Terminus lautet heute noch immer „landwirtschaftliche Verbrechen“, aber immer mehr wird der Begriff „landwirtschaftlicher Terror“ genannt, und das auch begründet, denn die Zahl der der Öffentlichkeit bekannten Attacken – von arabischer sowie jüdischer Seite aus – ist drastisch angestiegen. Allein im letzten Monat tauchten Berichte von 10 solcher Attacken auf, und das in verschiedenen Gebieten – Samaria und Judäa gleichermaßen – inklusive in dieser und vorheriger Woche! Davon abgesehen werden an der Grenze zum Gazastreifen hunderte von Dunam der israelischen Felder, die den lokalen Kibbutzim angehören, durch über den Zaun hinübergeschicke, mit Brandsätzen beladene Drachen verbrannt. Es kann gut sein, dass sich die aktuelle Angriffswelle ihre Inspiration von den Aktivitäten im Süden geholt hat.

Hier eine Auflistung der (mir bekannten) Vorfälle des landwirtschaftlichen Terrors der letzten vier Wochen. Untersuchungsergebnisse sind mir nicht bekannt:

  • Beschädigte Weinstöcke in Shiloh. Quelle: Yigal Dilmoni

    gestern (27.05): Bis zu 1000 Weinstöcke auf einem jüdischen Weinfeld im Shiloh-Tal (Südsamaria) wurden abgeschnitten. Laut Armeeangaben führen die Spuren ins arabische Dorf Kusra.

  • 25.05: insgesamt 60 Aprikosenbäume und Weinstöcke wurden auf einem arabischen Feld bei Alon Shvut (Gush Etzion) abgeschnitten.
    Abgeholzte Aprikosenbäume bei Alon Shvut. Quelle: Eliaz Cohen
  • 25.05: Ein Feuer war im Waldstück beim Kibbutz Kfar Etzion, ebenso Gush Etzion, ausgebrochen, Hauptvermutung ist Brandstiftung durch Einwohner von Bet Ummar. Video vom Brand. Quelle: Yaron Rosental
    Der brennende Wald bei Kfar Etzion. Quelle: Elyashiv Kimchi
  • 24.05: Brennende Reifen wurden von den umgebenden Hügeln des arabischen Dorfes Bet Ummar aus auf die Kirschplantagen von Kfar Etzion hinuntergerollt und verbrannten mehrere Kirschbäume.
    Verbrannte Kirschbäume bei Kfar Etzion. Quelle: Yaron Rozental
  • 23.05: Brennende Reifen wurden auf die Kirschplantagen von Kfar Etzion von einem nahegelegenen Hügel aus heruntergerollt und verbrannten mehrere Kirschbäume. Aufnahmen der verbrannten Bäume
  • 23.05: Zwei Weintraubenäcker arabischer Bauern in Halhul/Hevron wurden attackiert und bis zu 400 Weinstöcke abgeschnitten. Daneben war ein drohendes Graffiti zu finden – „wir werden überall hinkommen“ – auf Hebärisch.
  • 22.05: Ein arabisches Weizenfeld in Ad-Deirat bei Hevron wurde
    Hassgraffiti bei Ad-Deirat. „Genug des Landwirtschaftsterrors! Wir werden überall hinkommen“. Quelle: ToI

    in Brand gesetzt; daneben wurde auf einem Gebäude ein Graffiti auf Hebräisch mit den Worten „Genug des Landwirtschafts-Terrors“ und „Wir werden überall hinkommen“ gefunden.

  • 01.05: Bericht bei Mako über die Festnahme von vier verdächtigen Palästinensern, die für die letzteren größeren Kirschdiebstähle in Kfar Etzion verantwortlich gewesen sein sollen.
  • 25.04: Bis zu 150 Weinstöcke wurden einem Landwirt bei Tomer, einer jüdischen Ortschaft im Jordantal, abgeschnitten.
    Abgeschnittene Weinstöcke bei Tomer, Jordantal. Quelle: Mako
    Quelle: Ha’aretz
  • Eine Karte bei Ha’aretz verweist auf 13 Attacken auf arabisches Eigentum (inkl.Felder, Autos und Moscheen) zwischen dem 17. und dem 29.April (ohne Verweis auf Attacken auf jüdisches Eigentum).
  • 13.04: Versuchtes Anzünden einer Moschee im Dorf Aqraba bei Nablus/Schchem.
    Die Moschee bei Aqraba. Quelle: Middle East Eye

Dazu sollten auch die nicht dokumentierten Vorfälle gerechnet werden, aber ich habe sie nicht vorliegen.

Einer unserer lokalen Aktivisten in Gush Etzion namens Elyashiv Kimhi, der auch den Oz veGaon-Park und lokale Outdoor-Erlebnisaktivitäten betreut, engagiert sich momentan dafür, eine Art Schutzbrigade aus Freiwilligen zusammenzustellen, um von Attacken und Diebstählen bedrohte Felder über Nacht zu bewachen, da ihm (und nicht nur ihm) die lokale Bewachung als nicht effektiv genug erscheint. Gesucht werden Freiwillige mit Wehrdiensterfahrung in Kampfeinheiten und mit Waffenschein. Ob sich eine Gruppe organisieren wird oder die lokalen Sicherheitseinheiten sich etwas anderes überlegen, ist noch ungewiss.

Quellen: Jerusalem Post, Times of Israel, Middle East Eye, Ynet, Ha’aretz, Mako, Channel 20, Yaron Rozental, Elyashiv Kimhi, Eliaz Cohen, privat

500 Kinder aus Samaria singen zum Unabhängigkeitstag

Der 5te Iyar 5778 ist das hebräische Datum für den Unabhängigkeitstag Israel. Wenn der 5te Iyar wie in diesem Jahr auf einen Freitag fällt, werden die Feierlichkeiten um einen Tag nach hinten verschoben.

In diesem Jahr ist der Staat 70 Jahre alt geworden und daher fielen die Festlichkeiten besonders aufwendig und beeindruckend statt. Da die jüdische Bevölkerung von Judäa und Samaria besonders israelverbunden und zionistisch zu charakterisieren ist, wurde in jeder jüdischen Ortschaft die Zeremonie zum Unabhängigkeitstag mit viel Effort durchgeführt.

Ein Projekt war in diesem Jahr besonders zu Ehren der 70 Jahre organisiert worden: 500 Kinder aus Samaria im Kindergartenalter wurden dazu ausgewählt, das Lied „Tfila/Gebet“ der israelischen und internationalen, im Jahr 2000 tragisch verstorbenen Sängerin Ofra Haza gemeinsam aufzuführen. Das Projekt wurde von dem Regionalvorsitzenden von Samaria, Yossi Dagan, initiiert. Das Lied wurde von den Kindern im Kindergartenalter eine Woche lang nach verschiedenen Stimmen (!) einstudiert und schließlich an verschiedenen Stellen im Samaria-Gebiet sowie bei einem gemeinsamem Gesang auf dem Kabir-Berg aufgeführt.

Und so sah das Resultat aus: (Quelle: Ynet)

 

Der Liedtext lautet:

„Er, der dort oben in den Höhen sitzt, Er, der alle Kranken heilt

Er, der den Kindern die Freude gibt, Er, der Der richtet

Er, der im Himmel ist, Er, der Einzige,

Er, der Große und Ehrfürchtige

Er, der uns vor jeder Not beschützt!

Refrain: 

Oh, Gott

Schütze uns alle wie Kinder, schütze uns und verlasse uns nicht

Gib uns Licht und Jugendfreude, gib uns immer und immer wieder Kraft

Oh Gott

Schütze uns alle wie Kinder, schütze uns und verlasse uns nicht

Gib uns Licht und Jugendfreude, und gibt uns die Möglichkeit zu lieben!

Was bleibt uns übrig von all den Tagen, was bleibt uns von jedem Tag

Sonne der Freude, viele Blicke, Tage und Nächte voller Träume

Er, der im Himmel ist, Er, der Einzige,

Er, der Große und Ehrfürchtige

Er, der uns vor jeder Not beschützt!

Refrain

(Lyrics: Bezalel Aloni, Musik: Henry Bratter)

Yom haShoah Holocaust-Gedenktag

Quelle: Internet

Heute findet der jüdische Holocaust-Gedenktag, Yom haShoah, statt und wird in Israel und der gesamten jüdischen Welt begangen. Das jüdische Volk wird seine Opfer nicht vergessen, seinen Mördern nicht vergeben, und von den nachfolgenden Generationen erwarten,Verantwortung für die Vergangenheit zu zeigen und eine Lektion daraus für die Zukunft zu ziehen.

***

Die Einwohner von Alon Shvut, Gush Etzion (meinem Wohnort), nehmen an diesem Tag am landesweit organisierten Projekt „Gedenken im Wohnzimmer“ (Zikaron baSalon) teil, das sich zum Ziel gesetzt hat, aktives Gedenken an die Shoah zu üben, indem man der Öffentlichkeit die Möglichkeit gibt, ein persönliches Gespräch mit einem/r Überlebenden in einer vertrauten Atmosphäre zu führen, seine/ihre Geschichte zu hören und Fragen stellen zu können. Dabei können Einzelne, Gruppen und Vereine eine solche Begegnung organisieren, mit Überlebenden der Shoah und ihren Kindern. Auch Gruppendiskussionen zum Thema werden veranstaltet und geführt.

Das Projekt existiert seit 2010 und tausende von Menschen nehmen jedes Jahr daran teil.

In diesem Jahr fanden am Vorabend, dem 11.04, zwei Gespräche und eine Diskussion statt: Mit Rivka König, einer Überlebenden von Auschwitz und Bergen-Belsen und Jeremy Kornitz, einem Sohn von

Das VEranstaltungsprogramm von Alon Shvut

Überlebenden (der „zweiten Generation“, wie es genannt wird). Eine Diskussion mit dem Thema „Wo sind die Juden, die wir so geliebt haben, zu hassen?“ über die Verhältnisse zwischen Juden und Polen nach Kriegsende bis heute, führte der Rabbiner Rafi Ostroff.

Heute (12.04) werden laut Programm zwei Gespräche stattfinden, mit Esti Gutmann, „Bilder von Papa“, und Sara Pollak, „Meine Familienmitglieder“.

Möge das Andenken der Shoah-Opfer gesegnet sein.

NEWS: Erste Gebäude im neuen Ort Amichai

Erinnert ihr euch noch an Amona?

Vor etwa einem Jahr und einem Monat, am 01.Februar 2017, wurde die kleine Siedlung Amona, von etwa 40 Familien bewohnt, am Rande der jüdischen Ortschaft Ofra (Samaria, unweit von Ramallah), komplett abgerissen, nachdem Grundstücksbesitzer aus dem benachbarten arabischen Dorf Silwad vor dem Obersten Gerichtshof gegen die Bewohner von Amona geklagt hatten, dass

Amona. Quelle: Tomriko/Ynet

diese auf ihrem Privatland bauen würden. In 2016 wurde der Prozess entgültig zugunsten der Kläger entschieden  und der Abriss wurde auf Dezember 2016 festgelegt. Im Laufe der Monate wurde zwischen den Familien von Amona, der Regionalverwaltung Südsamarias, Politikern und dem Gerichtshof ein harter Kampf um die Zukunft der Leute Amonas ausgetragen, wobei verschiedene Kompromisslösungen auf den Tisch kamen und von diesem geräumt wurden, Berufungsanträge angenommen und abgewiesen worden waren und die Abrissdeadline immer wieder verschoben worden war. Es wurde um die Anzahl der abzureißenden Häuser gefeilscht, um das Ersatzgrundstück, um Entschädigungszahlungen und provisorische Unterkünfte. Im Endeffekt wurde von der Regierung die Schaffung einer Alternative für die Gemeinde versprochen; unterdessen sollten die Familien in einer Jugendherberge in Ofra unterkommen; das für eine neue Ortschaft festgelegte Grundstück sollte vorbereitet werden; dafür würden die Bewohner ohne Widerstand Amona selbst räumen. Am Tag der Räumung selbst (ich war erst am Abend dazugekommen) verschanzten sich zumeist Jugendliche in den Häusern und boten physischen Widerstand gegen die Sicherheitskräfte; die Familien verließen die Häuser friedlich. Amona wurde abgerissen und der Großteil der Familien musste notgedrungen in der Jugendherberge in Ofra samt Hab und Gut verweilen und auf das Erfüllen der Versprechen seitens der Politiker abwarten. (Nachzulesen auf Der Countdown läuft 1Der Countdown läuft 2 und Amona – das Ende. Ende? )

Lange Rede, kurzer Sinn:

Am 21.02.18 berichteten INN, Kipa.co.il und 0404 (ebenso eine knappe Meldung bei Ynet) über das Errichten der ersten provisorischen Bauten (sogenannte Karavillas, größer als der reguläre Karavan) für die ausgewiesenen Familien auf einem von der

Die Gegend auf der Karte.

Regierung festgelegten, geprüften und dafür vorbereiteten neuen Grundstück. Die neuentstehende Ortschaft „Amichai“ (übersetzt: Mein Volk lebt, auch als Vorname gängig) befindet sich in Südsamaria (Binyamin), zwischen Shiloh und Shevut Rachel. Die Nachrichtenseiten berichten, dass die ersten 36 Bauten auf dem Grundstück stehen würden und der Einzug der ersten Familien etwa Ende März zu erwarten wäre.

Der Vorsitzende der Binyamin-Regionalverwaltung Avi Roeh zur Entwicklung:

„Zum ersten Mal seit dem Beginn der Siedlerbewegung werden wir Zeugen der Gründung einer neuen Gemeinde auf offiziellem Wege, basierend auf der Initiative der Regierung und der Regionalverwaltung.“ (INN, 21.02.18)

Der Innenminister Arye Deri kommentierte bei seinem offiziellen Besuch nach der Errichtung der Bauten:

„Mein großer Respekt gilt den Mitarbeitern des Innenministeriums. Trotz all der Probleme, die im Weg standen, nahmen sie sich vollkommen der Sache an und taten alles, um Lösungen zu finden. Sie sahen darin  eine große Berufung und führten es aus. Auch die Regionalverwaltung von Binyamin hat ihren Teil an der erhabenen Aufgabe und erwirkte das Unmögliche und sie verdient unsere Anerkennung. Am Wichtigsten sind die Einwohner; sie haben das Leid und die vielen Monate der Erwartung mitmachen müssen. Sie haben [durch die von ihnen erwirkte Entstehung einer Siedlung, Anm. DS] einen großen Verdienst erworben und haben ebenso den Obersten Gerichtshof daran teilhaben lassen, dass eine neue Gemeinde gegründet wird. So Gott will werden wir alles daran setzen, dass es schnell vorangehen wird. “ (INN, 27.02.18)

 

 

Eine jüdische Stimme aus Judäa