Zu sprachlichen Ursprüngen

»Siedler? Erben? Etwas Hebräisch schadet nicht«

(⇒Zurück zur vorherigen Seite hier)

Was allgemein im Deutschen als „Siedler“ bezeichnet und somit mittlerweile als Markenname mit ganz bestimmter Konnotation in der deutschen Presse abgetan wird, gibt es auch in Israel in einer ähnlichen Form. In Israel heissen die „Siedler“ aus ARD, ZDF und TAZ „mitnachalim“ [-ch- wie in ‚machen‘], und auch in der israelischen Presse wird des Öfteren eher über sie gehetzt als Lobpreisungen bekundet.

Anders aber als das deutsche Wort, welches ganz simpel „bewohnen“ oder sich „niederlassen“ heißen will (wer Näheres zur Etymologie deutscher Wörter beitragen kann, lasse mich wissen!), ist das Hebräische da betonter und spielt auf die Geschichte der neuen und alten Siedlerbewegungen der Juden an. Denn  – ja, nicht nur war das Gebiet zwischen Mittelmeer und Jordan-Fluss schon vor vielen Jahrhunderten von Juden bewohnt gewesen, diese haben auch einen Eroberungsfeldzug hinter sich gebracht und dann auch ganz von Anfang an ihre Existenz im Land aufbauen müssen.

Der Begriff „Mitnachalim“ im Hebräischen kommt von „nachala“.

Was heisst „nachala“? Erbe.

Die ersten „Mitnachalim“ der jüdischen Geschichte waren nämlich gar nicht die Siedler von Petah Tikva, Kfar Etzion oder Modi’in, sondern die Massen der jüdischen Stämme, welche sich unter der Anführung von Jehoschua nach der 40-jährigen Wüstenwanderung ins Land Israel / Kanaan begaben, um dort das Land entsprechend dem Auftrag in der Tora und dem Versprechen an die Stammväter Avraham, Yitzhak und Yaakov in Besitz zu nehmen. Nachlesen lässt sich das in den Schilderungen des Buches Jehoschua – allerdings empfehle ich das mit dazugehörigem Kommentar, und keinesfalls in der Einheitsübersetzung der Bibel. (Liste von empfohlenen Übersetzungen und Quellen ist in Arbeit).

Erben in diesem Falle heißt, die Regierung über das Land, das diesen drei Vorfahren der jüdischen Stämme mehrfach versprochen worden ist, in die Hand zu nehmen und dort das eigene Königreich zu errichten. Was dementsprechend auch geschehen ist (ohne jetzt groß auf die Durchführung dieser Eroberung abzuschweifen.) Das Land Israel ist im jüdischen religiösen Verständnis fest als das „gegebene“ (und keinesfalls das, wie in vielen Übersetzungen dargestellt, „versprochene“) Land verankert, und Juden betrachten sich entsprechend dem jüdischen Religionsgesetz, also der schriftlichen Tora und ihren Beischriften, und der mündlichen Tora – dem Talmud -, als die Erben dieses Landes, in jeglicher Hinsicht. Daher also auch der heutige Terminus, der erst dank der Medien in den letzten Jahren den negativen Beigeschmack bekommen hat und man ihn nun versucht, in das etwas weniger ideologisch beladene „mityashvim“ (sich Niederlassende) zu ändern. Das wäre allerdings sowohl geschichtlich als auch politisch falsch, denn genau das ist die Absicht derjenigen, die die Siedlerbewegung der alten und neuen Zeiten ausmachen – das Land zu erben.

17 Kommentare zu “Zu sprachlichen Ursprüngen”

  1. Das Land, auf dem ich wohne, wurde von vielen Göttern und Führern Menschen versprochen, die vor mir dort lebten.
    Ich finde es schwierig, wenn man aus einem „religiösen Erbe“ einen Regierungsanspruch ableitet.

    Gefällt mir

    1. Ich kann deine Position verstehen, jedoch sehen die Verhaeltnisse bei uns im Gebiet etwas anders aus – auch das Verstaendnis dieser bei den jeweiligen Seiten.

      Gefällt mir

  2. Zuerst einmal, ich finde deinen Blog sehr spannend und wirklich gut geschrieben, auch wenn ich deine Ansichten häufig nicht teile. Beispielsweise behauptest du, dass es jüdische Geschichte sei, dass sich die Israeliten nach 40-jähriger Wüstenwanderung in Kanaan niederliessen. Historisch gesehen geht man heute aber davon aus, dass – wenn überhaupt- dann nur ein Bruchteil der Israeliten aus Ägypten nach Kanaan auswanderten und dass stattdessen die meisten Israeliten sich aus alten kanaanitischen Siedlungen in der Nähe niederliessen und eine neue Gesellschaftsordnung errichten wollten. Eine Synthese aus Historie und Archäologie macht da wohl am meisten Sinn. https://de.wikipedia.org/wiki/Landnahme_Kanaans

    Gefällt mir

    1. Hallo Joasch, danke für deinen Kommentar. Es gibt viele Hypothesen. Die interessantesten Entdeckungen und Forschungen finden wohl hierzulande statt, infolge der anhaltenden Ausgrabungen und immer neuer Funde aus der antiken jüdischen Geschichte. Sollte ich auf welche stoßen und sie für mein Blogthema relevant sein, werde ich sie hier definitiv aufgreifen. Ansonsten bin ich gläubige Jüdin mit allem daraus Folgenden im Bezug auf jüdische Geschichte….übrigens sagt die Tora (mündl. + schriftl.) selbst, dass nur ein Fünftel aller Israeliten aus Ägypten herauszogen…..Es kamen natürlich auch viele Konvertiten dazu, im Laufe der Jahrhunderte.
      Gruss Chaya

      Gefällt mir

  3. Eine sehr informative Seite. Ich freue mich, diese Seite entdeckt zu haben. Letztendlich deck sich der Beitrag mit der Bibel/Thora. Danke dafür.
    Nun hat sich hier ein Nils zu Wort gemeldet.
    Ich zitiere:
    nils

    30/09/2015 um 16:06
    Für manche Christen (prot.Fundis) ist die Historische Korrektheit der Heiligen Schriften sowas wie ein Dogma. Liberale Christen sehen das nicht so.
    Mich interessiert was Juden daszu sagen .
    Orthodoxe Juden scheinen mir auch keinen Zweifel an der hist.Genauigkeit zu haben.
    Wie ist das bei das liberale Juden??

    Mein Kommentar hierzu:
    Die Bibel/Thora ist das Wort Gottes!
    Wer dieses anzweifelt, zweifelt den Allmächtigen an.
    Es gibt keine liberale Christen im biblischen Sinn.
    Entweder ich glaube, oder ich glaube nicht „alles“, dann glaube ich nicht. Denn, ein halber Christ ist ein ganzer Betrüger!

    Dennoch kann ein Christ in seiner politischen Einstellung liberal sein.
    Das Wort „liberal“ ist nicht im Sinne des Glaubens anwendbar.

    Gefällt mir

  4. „Die ersten “Mitnachalim” der jüdischen Geschichte waren nämlich gar nicht die Siedler von Petah Tikva, Kfar Etzion oder Modi’in, sondern die Massen der jüdischen Stämme, welche sich unter der Anführung von Jehoschua nach der 40-jährigen Wüstenwanderung ins Land Israel / Kanaan begaben, um dort das Land entsprechend dem Auftrag in der Tora und dem Versprechen an die Stammväter Avraham, Yitzhak und Yaakov in Besitz zu nehmen. Nachlesen lässt sich das in den Schilderungen des Buches Jehoschua “

    Hälst du die Geschichte von Jhoschua für Historie?
    Ist es für Juden und Christen nicht tröstlich, dass es sich dabei wohl um Legenden handelt?
    Weil dann die dort beschriebenen Grausamkeiten nicht geschehen sind.

    Gefällt mir

    1. Die „beschriebenen Grausamkeiten“ sind archäologisch kaum nachweisbar (das Gegenteil scheint eher zu stimmen), die Besiedlung jedoch schon. Kampfhandlungen hat es trotzdem auch gegeben, so wie teils beschrieben.
      Es gibt im Tanach Hinweise (Beschreibungen), daß „angeordnete Grausamkeit“ durch das jüdische Volk nicht befolgt wurden.
      Diese Juden! Keinen Respekt vor dem Schöpfer! 😛
      Sagt man also „halsstarriges Volk“ dazu.
      Und wie geht ein Sprichwort:
      „ein Jude bezahlt immer.“

      Was die Grausamkeiten (im realen Leben) angeht, scheinen es einige („religiös“ wie tatkräftig) besser zu meinen als die Juden.

      (Sollte die Frage nach Quellen -sources- aufkommen:
      bitte selbst suchen. 😉 )

      Gefällt mir

      1. Für manche Christen (prot.Fundis) ist die Historische Korrektheit der Heiligen Schriften sowas wie ein Dogma. Liberale Christen sehen das nicht so.
        Mich interessiert was Juden daszu sagen .
        Orthodoxe Juden scheinen mir auch keinen Zweifel an der hist.Genauigkeit zu haben.
        Wie ist das bei das liberale Juden??

        Gefällt mir

      2. nils
        „Orthodoxe Juden scheinen mir auch keinen Zweifel an der hist.Genauigkeit zu haben.“
        Mit dieser Beinahe-Feststellung disqualifizierst Du Dich auch in Deiner Frage zum liberalen Judentum. Und weißt das wohl nichtmal.
        Frage: woher weißt Du das?

        Gefällt mir

      3. Da ich leider nur wenig Wissen über das Judentum habe kann ich eben nur “ Beinahe-Feststellungen“ machen. Wenn die falsch sein sollten lasse ich mich gerne belehren.
        Deshalb frage ich ja auch, mich interessiert was Andere denken.

        Gefällt mir

  5. Sie könnten, so Sie wollen, die Erklärung noch um den Begriff (ha) Yishuv anreichern und die Zusammenhänge dazu vermitteln, um auch die neuere Geschichte ,die Zeit vor der Staatsgründung Israels, einzufügen. Damit argumentiert es sich leichter. 😉

    Gefällt mir

  6. Sehr informativ, Chaya, dein kurzer Abriss über die jüdische Siedlerbewegung. Es trägt auch zum Verständnis für mich bei, warum meine jüdische Familie, insb. die noch lebende in San Francisco und alle meine jüdischen Bekannten schon alle in Israel waren und im Herzen immer eines haben: Eretz Israel

    Toller Blog! LG Stephan

    Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Eine jüdische Stimme aus Judäa

%d Bloggern gefällt das: