Das Hallel-Ensemble – Frauen von Samaria singen

Aufmerksam geworden bin ich auf sie durch eine-Cover-Interpretation vom Lied „Mode Ani“ (Ich danke Dir) des bekannten israelischen Popsängers Omer Adam. Eine zarte, mehrstimmige women-only Version, gesungen von Frauen in bunten Kopftüchern nach national-religiöser Art, im Hintergrund des Videoclips atemberaubende Aufnahmen der Berge von Samaria. Ich dachte an eine einmalige Performance von einer Frauengruppe speziell für dieses Lied, aber es stellte sich heraus, dass es sich um ein schon 11 Jahre lang aktives Ensemble von Sängerinnen aus der ganzen Samaria-Region handelt .

Das Logo von „Hallel“

Das Ensemble trägt den Namen „Hallel“ (Lobpreisung, der Name eines Gebets an Feiertagen und Neumonaten) und besteht nur aus Frauen aus der Region Samarias. 15 Frauen singen im Ensemble, das von Meyrav Brenner geleitet wird und nur vor einem weiblichen Publikum auftritt (allerdings können ihre Lieder auch über Youtube angehört werden). Sie existieren schon seit 2007 und haben bisher zwei Alben hervorgebracht, das erste („Zu Dir bete ich“) in 2008 und das zweite („Hallel mit Kaffee und Kuchen“) in 2012. Das Repertoire besteht aus original komponierten Liedern und neu aufgenommenen Variationen zu schon existierenden Liedern anderer Interpreten bzw. traditionellen Gesangsstücken, beispielsweise aus der Liturgie. Unterstützt wird das Ensemble-Projekt durch die Regionalverwaltung Samarias und deren Freizeitzentrum. Einmal pro Woche treffen sich die Sängerinnen, um zu üben.

 

Meyrav Brenner. Foto: Facebook

Meyrav Brenner, die Leiterin des Ensembles, ist selbst Komponistin und Sängerin, und ist als Leiterin von Musikprojekten an einer religiösen Schule für Jungen, die nicht in reguläre schulische Einrichtungen zugelassen wurden. Sie lebt in der Siedlung Har Bracha nahe Schchem/Nablus. Die anderen Ensemblemitglieder – allesamt verheiratete Frauen – sind teilweise berufstätig (so ist eine Sängerin auch selbstständige Kosmetikerin, eine andere leitet das Büro des Direktoriums der Partei „Jüdisches Heim“, und eine dritte ist parallel auch selbstständige Schauspielerin) und teilweise Hausfrauen. Ihre Webseite (leider nur in Hebräisch) hat Verweise zu einigen der Lieder, auf einer anderen Webseite, die Frauengesang gewidmet ist, lassen sich (fast) alle Titel des letzten Albums mit Liedtext und Video finden. Wie gesagt, sind alle Lieder auch auf Youtube anseh- und anhörbar.  Die „Hallel“-Sängerinnen

Foto: Facebook

treten bei verschiedenen Veranstaltungen auf – auf Kongressen, Abschlussfeiern von Schulen oder Vortragsabenden und haben auch eigene Gesangsabende, all das nicht nur in Samaria, sondern im ganzen Land.

Die Entscheidung, entsprechend dem jüdischen Gesetz nur vor und für Frauen zu singen, erklärte die Chorleiterin Brenner in einem Interview Anfang 2013 so:

„Wir sind in es hineingeboren,die Halacha [das jüdische Gesetz, Anm.DS] ist ein Teil von uns, und so hatten wir auch niemals Zweifel gehabt. Wir sind ein Frauenensemble, das für Frauen singt. Von Anfang an haben wir das Ensemble ins Leben gerufen, um für Frauen zu singen. Es liegt etwas Besonderes in einem Auftritt von Frauen vor Frauen. Es ist schwer, es zu charakterisieren, aber die Atmosphäre ist anders, die Selbstmitteilung und das Gefühl von Befreiung, wenn Frauen miteinander singen – es ist eine ganz andere Form von Stärke.“


Hier habe ich euch zwei Videos verlinkt, das erste davon „Moda Ani/Ich danke Dir“ mit einem wunderschönen Videoclip, der die samarischen Berge in all ihrer Pracht zeigt; das zweite ist von einem gemeinsamen Gesangsevent des Ensembles mit jungen Mädchen und Frauen aus ganz Samaria mit dem Lied „Mashehu Hadash Matchil/Etwas Neues beginnt“ – auch hier ein schön arrangierter Videoclip, in dem die ganze Vielfalt der jüdischen Einwohnerinnen der Region zur Geltung kommt.  Weitere Lieder kann man sich auf dem Videokanal von Meyrav Brenner auf Youtube anhören. Viel Vergnügen!

„Moda Ani/Ich danke Dir“

 

„Mashehu Hadash Matchil/Etwas Neues beginnt“

 

 

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In eigener Sache: Eine gute Gemeinschaft

In der letzten Woche wurde ich krank. „Dank“ meiner momentanen Arbeit im Kindergarten hatte ich die Windpocken eingefangen, die ich im Kindesalter leider nie gehabt habe und wahrscheinlich auch nicht dagegen geimpft worden war.  Leider war auch eingetreten, wovor mich einige gewarnt hatten – im Erwachsenenalter würden Komplikationen auftreten und man würde die Krankheit schwerer überwinden – am vierten und fünften Tag nach dem Ausbruch bekam ich hohes Fieber und extreme Halsschmerzen. Es stellte sich heraus, dass die Pocken auch in den Rachen geraten waren, und nach der Einnahme von Antibiotika, die mir nicht geholfen hatten, riefen meine Freunde den Krankenwagen und ich wurde ins Jerusalemer „Sha’arey Tzedek“-Krankenhaus eingeliefert.

Dort ließ man mich in einem Isolationszimmer über Nacht, mit zahlreichen Infusionen versorgt, da ich selbst nicht trinken und essen konnte. Am Freitagnachmittag wurde ich schließlich nach erheblicher Besserungen und wieder einigermaßen schlucken könnend nach Hause entlassen, was sich als richtige Entscheidung herausstellte… denn es ist immer noch besser, sich daheim auszuruhen, als abgeschottet in einem Krankenhaus und seiner traurigen Atmosphäre.

Während der gesamten Zeit hatten sich die Einwohnerinnen aus unserer kleinen Gemeinde auf dem Hügel über meinen Zustand informiert, noch bevor der Krankenwagen bei mir vor der Tür erschien, und erst recht, als ich ihnen darüber Bescheid gab. Die einen schrieben mich an, andere riefen meine Freunde an, und zwei versuchten mich sogar im Krankenhaus per Telefon zu erreichen, als ich mich persönlich nicht meldete. In der Whatsapp-Gruppe hielten sie sich auf dem Laufenden und eine schrieb mir: „Werde bald gesund und dann können wir dich verwöhnen 🙂 “ Am nächsten Tag dasselbe – sie erkundigten sich, wann ich daheim wäre und was man mir zum Essen vorbereiten könnte. Da es eher riskant gewesen wäre, mich persönlich einzuladen – die Gefahr der Ansteckung war noch nicht vorbei und so gut wie jeder Haushalt hier hat kleine Kinder -, bereiteten mir einige Suppen vor, ich konnte ja noch immer nicht Festes essen.

Mittlerweile hat sich mein Zustand sehr verbessert, und so Gott will werde ich bald wieder auf festen Beinen stehen, alles Beliebige essen und mich auch draußen ohne Bedenken zeigen können (Windpocken stellt man halt nicht gerne zur Schau…), aber trotz dieser nicht schönen Erfahrungen habe ich etwas Tolles am eigenen Leib erfahren dürfen  –  die lebendige Kraft einer einwandfrei funktionierenden und warmen Gemeinschaft, die sich um einen sorgt und nach Möglichkeit das Gefühl von Zugehörigkeit und Relevanz verleiht und das alles, ohne etwas zurück zu erwarten. Es ist schön, Teil einer solchen Gemeinschaft zu sein und zu wissen, dass einen Menschen mit guten Herzen umgeben.

🙂

 

 

DPA’s Berichtedeutsch

Nicht, dass es uns etwas Neues ist. Deutsche Medien und jüdische „Siedler“ sind sich spinnefeind wie die meisten Hunde und Katzen, und die „Siedler“ ziehen bei dem ungleichen Aufeinandertreffen regelmäßig den Kürzeren. Ich muss wohl kaum an meinen Beitrag von vor fast 3 Jahren erinnern, in dem ich drastische Beispiele der deutschen Medienwortwahl bezüglich Juden in Judäa und Samaria angeführt habe. Inzwischen hat sich nicht viel verändert. Und obschon es nichts Neues ist, wollte ich mal wieder ein Goldstück aus der deutschen Presse vorlegen und es etwas „nachkorrigieren“ – diesmal aus der offiziellen deutschen Presseagentur, der DPA (Merkur vom 12.06.18) :


Israel räumt Kleinsiedlung im Westjordanland

(Heißt Judäa und Samaria, aber das ist leider noch immer der offizielle Name. Kann man nicht viel machen.)

Israelische Sicherheitskräfte haben am Dienstag mit der Räumung eines illegalen Siedlungsaußenpostens im Westjordanland begonnen.

Tel Aviv (warum eigentlich Tel Aviv? Das Ganze lief in Gush Etzion ab-konnte sich der Korrespondent nicht hinbemühen, sondern berichtete über etwas aus dutzend Kilometer Entfernung?) –

Israelische Sicherheitskräfte haben am Dienstag mit der Räumung eines illegalen Siedlungsaußenpostens im Westjordanland begonnen. Polizisten seien dabei, 15 Häuser in der Kleinsiedlung Netiv Ha-Avot zu räumen, teilte ein Polizeisprecher mit. Das Höchste Gericht (offizieller Begriff: Oberstes Gericht. Umgangssprache)  hatte die Zerstörung der Häuser in dem Außenposten in der Nähe der Palästinenserstadt Bethlehem angeordnet. (Palästinenserstadt? Entweder „palästinensische Stadt“ oder „Stadt im Westjordanland“, oder einfach „Stadt“, es heißt schließlich noch immer nicht „Judenstadt Tel Aviv“, oder?)

Nach Medienberichten kam es bei der Räumung zu Konfrontationen zwischen israelischen Jugendlichen und Polizisten. Am Montagabend hatten rund 2000 Menschen in der 2001 errichteten Kleinsiedlung gegen die Evakuierung demonstriert. Die Polizei sei im Gespräch mit der Siedlerführung (na wenigstens nicht Siedlerführer), um unnötige Reibungen zu verhindern, teilte ein Sprecher mit.

Alle Siedlungen völkerrechtlich illegal

Rund 600 000 Israelis leben in mehr als 200 Siedlungen im Westjordanland und in Ost-Jerusalem. Israel unterscheidet zwischen Siedlungen, die mit Genehmigung der Regierung entstanden, und wilden Außenposten (also, meine Gemeinde hat zwar noch keine Baugenehmigung, aber wild ist bei uns keiner), die per Gesetz rückwirkend legalisiert werden sollen. (Das Gesetz existiert noch nicht. Wie man sieht, werden sie eher abgerissen.) Aus internationaler Sicht sind dagegen alle Siedlungen illegal. Der UN-Sicherheitsrat hatte Israel im Dezember 2016 zu einem vollständigen Siedlungsstopp in den besetzten Palästinensergebieten einschließlich Ost-Jerusalems aufgefordert. (Es sind keine offiziellen Palästinensergebiete. Es wird in den C-Gebieten unter offizieller israelischer VErwaltung entsprechend den Oslo-Abkommen gebaut. Ostjerusalem ist kein „Palästinensergebiet“, nie gewesen.)

Der israelische Erziehungsminister und Vorsitzende der ultra-rechten Siedlerpartei (erstens ist sie nicht ultra-recht; die ultra-rechte „Jüdische Stärke“ ist bei den Wahlen nicht durchgekommen; zweitens ist sie keine absolute „Siedlerpartei“, drittens hat sie einen Namen – „Jüdisches Heim“), Naftali Bennett, kritisierte die Gerichtsentscheidung zur Räumung des Außenpostens bei der Demonstration am Montagabend als „absurd“, wie die „Times of Israel“ berichtete. Justizministerin Ajelet Schaked, ebenfalls von der Siedlerpartei (offenbar ihr offizieller Name laut dpa), kündigte bei der Veranstaltung eine Legalisierung aller Außenposten im Westjordanland an. (Sie kann sie nicht ankündigen, da das Gesetz nicht vorliegt und nicht durchgesetzt wurde. Sie kann sich höchstens dafür aussprechen.)

dpa


So viel zur Qualität deutscher Medien. Dabei waren die meisten meiner Korrekturen absolut sachlich und nicht ideologisch bedingt.

NEWS: Sammeltaxis nach Judäa und Samaria

Medienberichten zufolge hat das Verkehrsministerium mit einer Reform des Sammeltaxisystems begonnen, das nun das ganze Land umspannen und bis zu 110 neue Linien („Moniot Sherut“ auf Hebräisch) bereitstellen soll. Die Taxis sollen in bis zu 20  landesweit verteilten Knotenpunkten für die Öffentlichkeit bereitgestellt werden – darunter auch in Judäa und Samaria, in deren Fall beispielsweise Jerusalem durch die Sammeltaxis mit der Gush Etzion-Region verbunden werden soll und dadurch eine schnelle Anbindung und eine Alternative zum Anhalterfahren bieten kann. Fahrgäste würden, wie in regulären Bussen, mit der „Rav Kav“-Magnetkarte zahlen und 90 Minuten freie Umstiegszeit nutzen können; ebenso würden auch in den Taxis die Vergünstigungen für Studenten, Pensionäre und Behinderte gelten.

Bisher sollten Israelbesuchern die Sammeltaxis vor allem aus Tel Aviv oder auch dem Ben Gurion-Flughafen bekannt sein. Auch in Tel Aviv sollen neue Taxilinien hinzukommen. (Zwischen dem Ben Gurion-Flughafen und Jerusalem wurde allerdings seit einiger Zeit eine umgekehrte Reform in Kraft gesetzt – es gibt eine wesentlich günstigere und einfacher zu erreichbare Buslinie.) Ob die neuen Linien auch am Shabbat und jüdischen Feiertagen verkehren werden, ist unbekannt.

(Quellen: TheMarker, Kikar Hashabat)


Als ich die Nachricht gelesen habe, ist mir etwas Amüsantes eingefallen: Die Hauptverkehrsmittel der palästinensischen Einwohner von Judäa und Samaria stellen gelbe/orangefarbene Sammeltaxis mit grünen Nummernschildern dar, die zwischen Dörfern und Städten verkehren, sehr billig sind und ebenso nach Anhalteprinzip (ohne feste Haltestellen) funktionieren. Sowohl die palästinensischen als auch die israelischen Sammeltaxis haben ähnliche Farben und Fahrzeugtypen und, was die israelischen angeht, viele arabische Fahrer.

Was also, wenn die israelischen Sammeltaxis bei uns eingesetzt werden würden und man anfinge, zwischen den beiden zu verwechseln?… 🙂

Eine Nacht und 169 Weinpflanzen sind dahin

Landwirtschaftlicher Terror ist momentan hoch im Kurs, wie meine Leser/-innen spätestens seit den letzten Beiträgen zum Thema wissen.  Da werden an die 1000 Weinpflanzen auf einem jüdischen Feld in Samaria abgeschnitten, 400 Weinpflanzen eines arabischen Farmers bei Hevron abgeschnitten, ein arabisches Weizenfeld verbrannt, 150 von Juden gepflegte Weinpflanzen im Jordantal zugrunde gerichtet; Kfar Etzions Kirschen leideten wochenlang unter brennenden Reifen und Massendiebstählen, bis sogar der sonst kulturell offene und für Zusammenleben plädierende Direktor der Feldschule des Kibbutzes, Jaron Rosenthal, in einem wütenden Facebook-Post zu einem Boykott der in der Gegend von palästinensischen Händlern verkauften Kirschen aufrief, da diese möglicherweise gestohlen sein könnten.

Mich schmerzen diese Angriffe, die immer wieder auf Kosten unschuldiger Natur und Menschen und deren Einkommen irgendeine fiese und nichtsnützige „nationale Botschaft“ vermitteln möchten, sehr. Und es schmerzt mich auch besonders, wenn dies aus unseren Reihen geschieht, denn Vandalismus, erst recht nationalistisch begründeter Vandalismus, war und ist niemals Teil der zionistischen Ideologie gewesen und ist im Judentum (und auch im Islam, aber für den bin ich nicht zuständig) verboten. Die Attacken nützen niemandem etwas, und sorgen immer wieder international für böse Schlagzeilen, die sich gegen „die Siedler“ im Allgemeinen wenden.

Am 28.Mai habe ich über unseren Nachbarn Salah Shahin berichtet, dem von offenbar jüdischen Extremisten insgesamt 60 Weinpflanzen und Aprikosenbäume abgeholzt worden waren. Damals war ich mit einer kleineren Gruppe bei einem Solidaritätsbesuch dabei gewesen.

Am 14.06 aber stellte sich der Schaden als relativ „erträglich“ heraus – im Vergleich zu den 169 Weinpflanzen und einem Olivenbaum, die in der Morgenfrühe auf zwei Feldern des Bauern Abu Jamil aus dem

Alle erwähnten Orte auf der Karte

arabischen Dorf Hirbet Zakaria neben dem Kibbutz Rosh Tzurim entdeckt wurden! Die Schande hatte offenbar im Kontext mit der am vorherigen Tag durchgeführten und kollektiv als sehr schmerzhaft empfundenen Räumung und dem Abriss des Viertels Netiv Avot bei Elazar gestanden. Elazar liegt direkt gegenüber dem besagten Dorf, und in der Nacht auf den nächsten Tag wurden die Felder verwüstet. Bei der Räumung hatten hinzugekommene Jugendliche nicht gerade ruhigen Widerstand geleistet und könnten theoretisch zum Profil der Täter passen.

Ich erfuhr darüber von einem guten Freund, Myron Joshua aus dem Kibbutz Kfar Etzion, der sich viel für das Zusammenleben von Juden und Arabern engagiert und gut mit dem Dorfvorsteher von Hirbet Zakaria befreundet ist, und war entsetzt. Bei solchen Fällen handelt es sich um Schaden von vielen tausenden von Schekeln, die in den meisten Fällen das einzige Einkommen des betroffenen Bauern über Jahre hinweg darstellen. Über die Organisation „Roots“ hatte sich für den kommenden Sonntag schnell eine Solidaritätsgruppe organisiert. Noch am selben Tag wurde mir berichtet, dass der Vorsitzende des Regionalbezirkes, Shlomo Ne’eman, zusammen mit dem Colonel (Brigadiergeneral) der lokal stationierten Armeebrigade, Abu Jamil besucht hatte. Ein gutes Zeichen, dachte ich mir. Die Tat wird von offizieller Stelle ernstgenommen. Es ist leider nicht immer so der Fall.

Am Sonntag (17.06) waren wir, eine kleine Gruppe von Leuten aus Teko’a, Bat Ayin, Alon Shvut, Efrat, Elazar und Kfar Etzion, im Dorf und sprachen mit dem Dorfvorsteher und Abu Jamil, einem älteren, kein Hebräisch sprechenden Mann, der mit seiner Frau vor seinem Haus saß, und bekundeten ihm unser Beileid. Es war wie angenommen – das Einkommen für mehrere Jahre war dahin. Hadassah Fruman, die Witwe des bekannten „Friedensrabbis“ Menachem Fruman sel.A. aus Teko’a, hielt eine hoffnungsvolle

Bei Abu Jamil. Foto: Andye Friedman

glaubensbezogene Rede, anschließend fuhren wir mit mehreren Fahrzeugen hinunter zum Feld und mussten schließlich hinunterklettern, das die Fahrzeuge den steilen Weg nicht erklommen hätten.

Die toten Weinstöcke konnte man leicht erkennen – inmitten des saftigen Grüns waren diese traurig graubraun und trocken. Auch der junge Baum in deren Mitte hatte Pech gehabt. Der Dorfvorsteher, der mit uns gekommen war, Abu Ibrahim, zeigte uns auf die Stämme der Pflanzen – sie waren nicht mit einer einfachen Säge, sondern mit einer Elektrosäge abgeholzt worden. Etwas weiter lagen zahlreiche Früchte um einen Apfelbaum herum – den abzuholzen war wohl zu schwer, also schüttelten ihn die Unbekannten, sodass die Früchte hinunterfielen. Eine Terasse tiefer gab es denselben traurigen Anblick der vertrockneten Weinpflanzen.

Abu Ibrahim erzählte uns, wie die (beduinischen) Spurenleser der Armee am vergangenen Donnerstag die zu der Zeit noch grünen Weinpflanzen ermittelt hatten und wie sie herausgefunden hatten, aus welcher Richtung und wie die Täter gekommen waren – sie kamen mit einem kleinen Traktor angefahren. Eine auf dem Hügel oben stationierte Überwachungskamera hätte verdächtige Bewegungen gesehen – aber niemand kam, um nachzusehen.

An einer Felswand fanden wir schließlich die „Unterschrift“ der Täter, die mit schwarzem Graffiti-Spray geschrieben hatten: „Genug des landwirtschaftlichen Terrors“. Wie ironisch.

„Genug des landwirtschaftlichen Terrors“

Nach dem deprimierenden Besuch ereiferten sich einige, darunter ein Teenager aus Elazar, man solle dem Bauern bestmöglich helfen – mit Freiwilligen aus „Roots“, die neue Weinstöcke anlegen würden, oder finanzielle Hilfe anbieten. Noch ohne konkret etwas zu planen, fuhren wir heim, mich brachte das Paar Yifat und Avraham aus Efrat nach Hause.

Später am Tag kamen auch einige Rabbiner ins Dorf, darunter der Rabbiner des benachbarten Kibbutzes Rosh Tzurim Mordechai Vardi, um Solidarität zu zeigen – ein ehrenvolles Zeichen von unmittelbaren Nachbarn und Würdenträgern.

Abu Ibrahim meinte, der Besuch wäre für Abu Jamil wichtig gewesen. Auch für mich war er wichtig und richtig, auch wenn die absolute Mehrheit unserer Einwohner in Gush Etzion, Judäa und ganz Judäa und Samaria nichts mit diesen Taten zu tun hat und diese auch nicht propagiert.

Ach, wenn doch mal die Gegenseite uns nach einem wiederholten Vandalismusvorfall oder Diebstahl besuchen würde…

Schild und Segen

Heute beginnt der 4-tägige muslimische Feiertag E’id al-Fitr, der auf das 30-tägige Ramadan-Fasten folgt. Die arabisch-muslimische Bevölkerung von Judäa und Samara ist in Feiertagsmodus – in den Dörfern und Städten im ganzen Gebiet; palästinensische Arbeiter bekommen (manche noch bis Sonntag) freigestellt.

Das „Forum für gute Nachbarschaft“, eine Gruppe von einzelnen jüdischen Einwohnern aus Samaria und Judäa, hat den Vorstehenden der Regionalverwaltung die Initiative vorgelegt, den Segensschilder zum Feiertag auf Arabisch und Hebräisch auf den Schnellstrassen aufzustellen. Vor einem Jahr hatte der Vorschlag kein Interesse gefunden, in diesem Jahr sprach eins der Forumsmitglieder, Jacky Fried, den Regionalvorstehenden von Binyamin (Südsamaria), Avi Roeh, an, und dieser erklärte sich bereit, die Veröffentlichung zu übernehmen – auch nachdem andere Verwaltungsmitglieder dafür abgestimmt hatten. Das Schild wurde in den letzten Tagen auf einer Schnellstrasse im Binyamin-Gebiet aufgestellt. Es hat kein offizielles Verwaltungslogo („Das war offenbar schon zuviel“, so Fried), aber dennoch die angenehme Botschaft:

„Segenswünsche des ‚Forums für gute Nachbarschaft in Binyamin‘ an unsere muslimischen Nachbarn zum E’id al-Fitr-Feiertag“

Segenswunsch zum E’id al-Fitr Feiertag in Binyamin. Foto: Jacky Fried

 

Vielleicht werden weitere die Initiative aufgreifen, wenn in einigen Monaten das Opferfest E’id al-Adha stattfindet, meinte Jacky Fried. Wir lassen uns überraschen.

 

 

NEWS: Die Netiv Avot-Saga: Heute wird geräumt

Heute wird der als illegal eingestufte Aussenposten/das Viertel der Ortschaft Elazar im Gush Etzion geraeumt. 15 Haeuser, die als illegal gebaut und teilweise auf fremdem Land errichtet (so entschied es nach ueber einem Jahrzehnt von Verhandlungen der Oberste Gerichtshof, nachdem mehrere Klagen seitens der

Straße in Netiv Avot. Quelle: Ynet

linksaussen-Organisation „Peace Now“ und einigen arabischen Klaegern eingereicht wurden) erklaert wurden, werden heute abgerissen. Die Einwohner bekommen fuer ungefaehr die naechsten 2 Jahre sogenannte „Karavillot“ (etwa mehr als doppelt so gross wie ein Karavann aus Leichtmaterial angefertigte Baustrukturen) bereitgestellt. Diese wurden auf zuvor als fuer Bau legitimen Grundstueck errichtet – es befindet sich direkt gegenueber unserem Huegel und in den letzten Wochen wurden dort intensive Bauarbeiten durchgefuehrt, sogar am Shabat, um sie zum Raeumungszeitpunkt fertigzustellen. Ich weiss nicht, ob das ehemalige Grundstueck durch rechtliche Bemuehungen zum legitimen Staatsgrundstueck erklaert werden wird, aber in den kommenden Jahren sollen 350 neue Wohnungen auf anderen Grundstuecken von Elazar errichtet werden. Auch werden die geraeumten Einwohner von der Regierung mit bis zu 500.000 Shekel kompensiert. Ob und wer hier etwas bei dem ganzen Konflikt gewonnen hat, entscheide jeder selber.

Gestern abend (11.06) hatte es eine grosse Zusammenkunft in Netiv Avot gegeben, mit Tausenden von Teilnehmern, vielen Jugendlichen, Rabbinern, dem Regionalvorstand von Gush Etzion Shlomo Ne’eman und den Ministern Naftali Bennet und Ayelet Shaked, die die Raeumung als „unlogisch“ und „absurd“ bezeichneten:

„Eines der Maedchen hier hatte mich gefragt, ‚warum?‘ Ich wusste nicht, was ich ihr sagen sollte. Es gibt keine Antwort, keinen Grund und keine Logik. Manchmal ist der Oberste Gerichtshof enorm aktivistisch, wenn es um Menschenrechte geht, aber wenn es um die Rechte der Bewohner hier handelt, wird er ploetzlich passiv.“ (Naftali Bennett, Ynet 11.06.18)

Heute hatte es ein Massengebet um 7.30 Uhr gegeben, danach begann die Raeumung der Einwohner. Die Gegend um das Viertel herum wurde hermetisch abgeriegelt; wer noch zur Unterstuetzung oder Widerstand dazukommen wollte, wurde nicht mehr durchgelassen. An der Einfahrt zu Elazar selbst gab es ein grosses Polizeiaufgebot, das einen langen Stau verursachte. Jeder, der hineinfahren wollte, wurde nach seinen Papieren gefragt. Zahlreiche Grenzzschutzkraefte (Magav-Einheit), die solche Raeumungen im Allgemeinen durchfuehren, mussten mit den Anwesenden verhandeln und die Einwohner bei der Raeumung begleiten sowie das Gebiet absichern. Jugendliche eher radikaler Natur, die zu passivem Widerstand und zu einer „ruhigen Raeumung“, zu der sich die Nativ Avot-Einwohner selbst verpflichtet hatten, nicht bereit waren, begannen, sich mit den Sicherheitskraeften ausseinanderzusetzen und zuendeten sogar Autoreifen. Andere eroeffneten Gesangsrunden trauriger Natur.

Auch Politiker wie der Landwirtschaftsminister Uri Ariel, Bezalel Smotritch und der stellvertretende Minister Michael Oren kamen, um gegen die Raeumung zu protestieren.

„Ich bekunde meine Trauer und meine Solidaritaet mit den Ausgewiesenen aus Netiv Avot, ihr seid Teil der Besten unseres Volkes. Die Entscheidung des Obersten Gerichtshofs, ganze Haeuser zu zerstoeren, die nur gaenzlich teilweise auf nicht israelischem Gebiet errichtet worden waren, zeigt erneut auf die Kluft zwischen dem Gerichtshof und der israelischen Wirklichkeit. Ich rufe erneut dazu auf, eine sofortige Reform in der Methode der Wahl der Richter zum Obersten Gerichtshof einzuleiten, sodass sie die oeffentliche Meinung in Israel repraesentieren koennen.“ (Michael Oren, Kipa, 12.06.18)

Bildergalerie von heute Morgen:

 

(Quellen: Ynet, Kipa, Channel 7)