Mit Liebe verschickt

Ein Bericht von Dov Eilon auf seinem Blog Israel-Direkt.com:


 

Das Nachrichtenportal 0404 berichtete am 13.11. über die Organisation “Lev Haolam (Das Herz der Welt). “Lev Haolam” verschickt jeden Monat hunderte von Paketen mit Produkten, die die Organisation von kleinen Betrieben aus Judäa und Samaria kauft, ins Ausland zu Kunden, die Israel unterstützen. Die Pakete werden in Länder wie Norwegen, Schweden, Italien, Deutschland und die USA verschickt.

Nach der Entscheidung der EU-Kommission, Waren aus Samaria, Judäa und den Golanhöhen zu kennzeichnen, beschloss die Organisation, die Produkte, die ins Ausland versandt werden, mit einem Aufkleber ” This Product is made with love in Judea and Samaria ” zu kennzeichnen.

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Honig aus „Siedlungsproduktion“ mit dem Aufkleber von Lev Haolam

Am 12.11., so berichtet Israel-Direkt.com, hat eine Gruppe von Israel-unterstützenden Touristen aus Holland einige Betriebe in Judäa und Samaria besucht, um aus der Nähe zu betrachten, woher die Waren, die sie monatlich zugeschickt bekommen, kommen und sie damit zu unterstützen.

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Der Gründer von “Lev Haolam”, Rechtsanwalt Nati Rom, sagte : ”Der Beschluss der EU-Kommission gefährdet die Existenz von Dutzenden Geschäftsinhabern, die im ganzen Land tätig sind. Menschen, die ihr gesamtes Leben hart gearbeitet haben werden plötzlich boykottiert, als seien sie Kriegsverbrecher. Ich rufe alle Bürger des Landes und der Welt auf, sich nicht an diesem Verbrechen des Boykotts zu beteiligen. Wir kaufen Produkte aus Judäa und Samaria, aus Gush Etzion und Hebron, aus dem Jordantal und aus Galiläa.

Hier ein Video über “Lev Haolam” :

Um ein Paket von “Lev Haolam” zu bestellen, hier klicken.

 


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Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

Die Überschrift für die folgende Geschichte, „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“, habe ich nach dem Titel des Erfolgsromans des israelischen Schriftstellers Amos Oz gewählt. Diese Geschichte enthält unbeschreiblich viel Finsternis, und unendlich viel Liebe. Nur dass Oz, als erklärter linksgerichteter säkularer Intellektueller, überzeugter Verfechter der Friedensabkommen zwischen Israelis und Palästinensern und Gegner der Rückkehr von Juden nach Judäa und Samaria, nicht unbedingt begeistert wäre von dieser Titelwahl. Oder? Und was würdet ihr sagen?

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…Es war einmal eine kinderreiche, fröhliche Familie. Vater Yaakov, Mutter Noa und sechs Kinder, zwei Jungen und vier Mädchen. Die Eltern waren noch jung, Anfang Vierzig. Der Vater liebte seine Familie, seine Kinder und weil er Kinder liebte, arbeitete er als Grundschullehrer. Beide waren sie traditionsbewusste und gläubige Menschen, hatten viele Freunde und Bekannte. Sie liebten das Land und die Berge und wohnten in einer kleinen Stadt inmitten von Hügeln und Olivenbäumen – Kiryat Arba, einer warmen Heimstätte für etwa 7000 Einwohner in den malerischen Bergen von Hevron. Ihre Kinder waren ihr großer Stolz. Die Eltern hatten ihnen bedeutungsvolle Namen gegeben, so wie es in ihrer Gemeinde üblich war: Moria – „Gott ist mein Lehrer“, Netanel – „ein Geschenk Gottes“, Sarah Techiya  – Sarah, „die Fürstin“, Techiya – „die Wiedererstehung“.  Der knapp 18-jährige Sohn Netanel arbeitete als Freiwilliger bei dem „Roten Davidsstern“ – dem Äquivalent des Roten Kreuzes in Israel. Sarah Techiya, 21, die Älteste der Familie,

Sara Techiya und Ariel, Quelle: Israellycool
Sara Techiya und Arie bei ihrer Verlobungl, Quelle: Israellycool

hatte schon früh die Liebe ihres Lebens, Ariel, der nur wenige Jahre älter als sie war, gefunden. Das junge Paar wollte feierte seine Verlobung im Kreise der Familie und schon wenige Monate später wollte es heiraten. Die Hochzeit sollte nirgendwo anders als im größten Veranstaltungssaal der Hauptstadt Jerusalem stattfinden. Der Tag? Dienstag, der 17.November 2015.

Es kam die entscheidende Woche vor der Hochzeit. Es mussten noch viele Vorbereitungen getroffen werden, die Aufregung war groß. Sarahs Vater, er hieß übrigens Yaakov, hatte schon am Donnerstag vor der Hochzeit den feierlichen Anzug anprobiert und auch der Bruder Netanel hatte sein Hemd gebügelt gehabt. Am Wochenende würden die Eltern und Geschwister die Zeit mit Sarahs Bräutigam Ariel verbringen, den alle schon längst in ihr Herz geschlossen hatten. Sarah würde das letzte Wochenende ihres „Single“-Daseins mit den Freundinnen feiern – eine Art „Junggesellinnenabschied“ eben.

Ariels Familie wohnte in der kleinen Ortschaft namens Meytar, nördlich von der Wüstenmetropole Beer Sheva. Genau dorthin machten sich Vater Yaakov, Mutter Noa, Sohn Dvir und die drei Mädchen Tehila, Moria und Avia am 13.11.15 auf im Familienauto. Am Steuer saß der 17-jährige Netanel. Die Strecke führte an kleineren und größeren Dörfern vorbei, die Autobahn wand sich durch die Berge, passierte Hevron, die Siedlungen Bet Haggai und Otniel.

Es war kurz vor drei Uhr nachmittags, Sarah hatte gerade daheim geduscht, da begann das Telefon zu klingeln. „Hast du gehört, auf der Autobahn bei Otniel hat es gerade ein Attentat gegeben!“, sprach der Onkel am Telefon, als Sarah den Hörer abhob. Von plötzlicher Angst ergriffen, wählte Sarah die Nummer ihrer Eltern. Niemand ging dran. Weitere Anrufe erreichten sie, und sie erfuhr, dass ihre Mutter und ihr Bruder Dvir verletzt wurden. Sarah rief in Panik ihre zukünftigen Schwiegereltern an. „Sind alle am Leben?“, wollte sie wissen. „Es ist nicht sicher“, bekam sie zur Antwort.

Sarah begann panisch zu schreien. Das Haus füllte sich plötzlich mit Leuten und es war alles ein großes Durcheinander. Beamte des lokalen Psychologendienstes kamen ins Haus und  ließen sie wissen, dass ihr Vater und ihr Bruder in der Terrorattacke auf das Familienauto auf der Autobahn ermordet worden waren. Sie hatte das schon geahnt. Sarah wurde umgehend nach Jerusalem gefahren, ihr folgte kurze Zeit später ihr Bräutigam Ariel, der begriff, dass er seiner Braut in diesen Stunden beistehen musste. Als Sarah im Krankenhaus angelangte, fiel sie ihrer Mutter um den Hals, schrie und weinte. „Pass auf mich auf“, flüsterte ihre Mutter Noa ihr zu, „ich habe keine Kraft.“ Sie hatte soeben dem Mord an ihrem Mann und ihrem Sohn zugesehen.

(Bericht auf DIE SIEDLERIN zum Attentat auf Yakov Litman: siehe hier)

Yaakov Litman und Sohn Netane hy'd
Yaakov Litman und Sohn Netane hy’d

Sarah Techiya Litman, die in der nächsten Woche heiraten sollte, war ab diesem Freitagnachmittag Waise, zusammen mit ihren vier überlebenden Geschwistern. Sie hatte ihren Vater und ihren Bruder verloren. Sie war am Boden zerstört. Den jüdischen Ruhetag, den Shabbat, verbrachte sie mit ihrer Familie und mit Ariel in unbeschreiblicher Trauer.

Die Details des Mordes an Yaakov  und Netanel Litman begannen sich schnell aufzuklären: Der erste Schuss des Terroristen, der hinter einer Abbiegung auf ein israelisches Auto wartete, der den Vater tötete. Netanel, der zusammen mit seinem jüngeren Bruder Polizei und Krankenwagen kontaktierte und Anweisungen an die restlichen Insassen weitergab, bevor der Terrorist sich dem stehenden Auto nähern und auch ihn aus unmittelbarer Nähe erschießen konnte. Die Schwestern, die beinahe ebenso getötet worden wären, hätte nicht etwas den Terroristen davon abgehalten – das Gewehr schien nicht nachladen zu wollen und dieser flüchtete. Die Fahrer  des „Roten Halbmonds“, der palästinensischen Variante des „Roten Kreuzes“, welche wenige Minuten später am Tatort vorbeikamen, und, anstatt den Verletzten zu helfen, sie unbeteiligt an die israelische Notfallnummer verwiesen und davonfuhren.

Sarah musste sehr viel Kraft aufbringen. Die Ermordeten wurden gleich am Samstagabend begraben und Tausende erschienen zur Beerdigung. „Wer wird mich unter den Hochzeitsbaldachin begleiten, Papa?„, weinte Sarah beim Begräbnis hemmungslos. Auf die Beerdigung folgte das Trauersitzen im Hause Litman. Die ersten Interviews. Die Trauerbesuche. Währenddessen

Sarah und ihr Hochzeitskleid. Quelle: Israel Hayom
Sarah und ihr Hochzeitskleid. Quelle: Israel Hayom

wich Ariel nicht einen Moment von Sarahs Seite. In allen Presseaufnahmen, auf allen Bildern sah man Sarah und Ariel, das vom Unglück getroffene Liebespaar, welches statt des schönsten

Tags ihres Lebens das schrecklichste Unglück erleben mussten, das ihnen passieren konnte. Selbstverständlich konnte die Hochzeit nicht am geplanten Dienstag durchgeführt werden. Die Absage einer jüdischen Hochzeit gilt als  etwas, das nur in extremen Umständen geschehen darf. Und anstatt im Hochzeitskleid zu tanzen, saßen Sarah und ihre Familie in zerrissenen Kleidern als Zeichen der Trauer auf dem Boden.

(Interview mit Sarah und Ariel auf Englisch)

Doch Sarah hatte viel Kraft in sich. Nicht umsonst trug sie wohl ihren zweiten Namen, Techiya, „Wiedererstehung“. Und sie fand die Kraft. Ariel und sie entschieden: Die Hochzeit würde stattfinden.

"Kommt zu unserer Hochzeit" Der Artikel über Sarah Techiya und Ariel in der Zeitung "Yediot Aharonot"
„Kommt zu unserer Hochzeit“ Der Artikel über Sarah Techiya und Ariel in der Zeitung „Yediot Aharonot“

Wir lassen es nicht zu, dass der Terror uns zerstört. Trotz der furchtbaren Katastrophe wird es eine fröhliche Hochzeit werden„, verkündeten sie schon in den ersten Trauertagen. „Wir werden gemeinsam ein Haus aufbauen, mit Freude, im Geiste von Papa und von Netanel.“ Bald darauf wurde auch die offizielle Mitteilung der Familie und des Brautpaares bekannt gemacht. Sie teilten das neue Datum der Hochzeit mit  – und luden ganz Israel zur Hochzeit ein:

„Freue dich nicht, meine Feindin, denn bin ich auch gefallen, so bin ich wieder auferstanden.“ *

Unsere Hochzeit wird, so Gott will, am Donnerstag, dem 14.Kislev, dem 26.November, in der Nationalhalle (in Jerusalem) stattfinden. Ganz Israel ist eingeladen, mit uns aus der Asche aufzuerstehen und an unserer Freude teilzuhaben. Sara Techiya und Ariel.

(*Zitat aus Prophet Micha, Kap.7)

Quelle: INN
Quelle: INN

Wir laden alle, die mit uns den Schmerz gefühlt haben, mit uns den Sieg zu feiern. Die Palästinenser wollten uns das Leben nehmen , doch wir werden es weiterleben. Wir werden froh sein und den Weg von Papa und Netanel gehen„, erklärten beide in einem kurzen Video der Nachrichtenseite Israel National News.

Landesweit und auch auf internationalen Ebene verfolgten Juden, Israelis und auch andere, die das Schicksal von Sarah und Ariel berührt hatte, den Auftritt des jungen Paares. Der bekannte israelische Rabbiner Yitzhak Neria eröffnete für Sarah und Ariel einen Spendefonds – nicht um der Familie finanziell zu helfen, das hätten sie nicht nötig, erklärte er, sondern damit jeder, der möchte dadurch eine Chance bekäme, dem Paar eine „warme Umarmung“ zu geben und Unterstützung zu zeigen. Ein weiterer Spendefonds sammelte in 9 Tagen über 21 Tausend Dollar als virtuelle Geschenke für das Brautpaar aus der ganzen Welt. Bei der Hochzeitsvorbereitung wirkten verschiedene israelische Firmen mit, die ihre Dienste dem Brautpaar umsonst zur Verfügung stellten, so beispielsweise einen Leihwagen für die ersten Wochen nach der Hochzeit. Und viele weitere im ganzen Land warteten gespannt auf den langersehnten Tag der Hochzeit – dem 26.November, um der Einladung zu folgen und um 22.30, nach der eigentlichen Trauungszeremonie, die im Kreise von Familie und Freunden durchgeführt werden würde, an den Tänzen teilzunehmen.


Und nun war es der 26.November, und die israelische Presse übertrug live die „Hochzeit des Jahres“ von Sarah Techiya Litman und Ariel Biegel. Die ersten Bilder und Videos tauchten schon im Internet auf: Sarah im Brautkleid unterwegs nach Jerusalem.

Um 19.00 Uhr fand die eigentliche Trauungszeremonie statt. Rabbiner und führende Persönlichkeiten aus ganz Israel kamen zur Feier – so auch die Ehefrau des Ministerpräsidenten, Sarah Netanyahu. Eine Gruppe amerikanisch-kanadischer jüdischer Studenten reiste speziell zur Hochzeit an, um am Fest teilzunehmen. Weitere Tausende Menschen versammelten sich um die Halle herum, sangen, schwenkten Fahnen und bemühten sich, ins Gebäudeinnere vorzudringen, um einen Blick von Sarah zu ergattern. Die glücklichen und ergriffenen Gesichter von Sarah und Ariel füllten die Titelseiten der Presse.

In der ersten gemeinsame Mitteilung des jungen Paares Litman-Biegel dankte Sarah ganz Israel vom Herzen für die enorme Unterstützung, welche sie erfuhren (Zitat: srugim.co.il):

„Noch vor zwei Wochen kannte niemand Ariel und mich und hat sich nicht für uns interessiert. Dann, binnen einem Moment, inmitten der Hochzeitsvorbereitungen, wurden mein Vater und mein Bruder von einem grausamen Terroristen ermordet. Es gibt keinen Moment, an dem ich mich nicht nach dem Lächeln von Netanel und der Bescheidenheit von Papa sehne, und es wird mich für immer begleiten.

Aber gerade aus dem Schmerz heraus, im Monat der Stärke und des Heldentums, vor dem Feiertag von Chanukka, werden wir gemeinsam mit dem Volk Israel das gewaltige Licht der Freude verbreiten, der Güte und der Liebe, mit welchen uns die ganze Nation überhäuft hat. Und die Hauptsache ist es, sich vor nichts zu fürchten.“

 

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(Quellen für Berichterstattung und Zitate : INN, Channel 2, Srugim.co.il, Ynet)

Terror-Updates. Aus dem Leben von Ziv und Hadar

Der Terror wird fortgesetzt, auch wenn nicht jede Nachricht, die eingeht, in diesem Forum wiedergegeben wird. Jeder, der irgendein israelisches Nachrichtensystem und seine Aktualisierungen abboniert hat – Ynet, 0404, Channel 2, INN und das Journalistenupdate der israelischen Armee (privat) sind die Quellen, die ich mehrheitlich nutze -, bekommt den ganzen Tag über aktuelle Berichte über Anschläge und Verdacht auf Anschläge im ganzen Land. Leider kann ich auch euch nicht von den Nachrichten befreien, da ich mich verpflichtet fühle, über die Angriffe auf die Juden in Judäa und Samaria zu berichten.
(Updates für andere Regionen gibt es bei anderen vertrauensvollen deutschsprachigen Seiten wie Israelnetz, Israel Direkt und anderen).

Am 23.11. war erneut ein Tag des Terrors und der Opfer in Judäa und Samaria (ebenso in Jerusalem) gewesen.

1. Zwei Juden wurden auf einer Tankstelle auf der Autobahn 443 (Jerusalem – Modiin, Südsamaria) durch einen Terroristen verletzt – eine Offizierin und ihr Soldat. Der Soldat, Ziv Mizrachi, 18, aus der Siedlung „Givon Hachadasha“, wurde von einem Terroristen, selbst 16 Jahre alt, lebensgefährlich verletzt und starb kurze Zeit später an seinen Verletzungen.

Ziv Mizrachi hy'd
Ziv Mizrachi hy’d

Ziv wurde erst in diesem September in die Armee eingezogen. Seine Freunde beschrieben ihn als einen fröhlichen Jungen, der immer einen Witz parat hatte, sehr empfindsam war und seinen Dienst in der Armee genossen hatte. Die Familie von Ziv hatte 2003 ein furchtbares Trauma hinter sich gebracht – Zivs Onkel Alon wurde in einem Terroranschlag auf das Jerusalemer Café Hillel umgebracht, bei welchem 6 Israelis getötet wurden. Alon war erst 22 Jahre alt. Ziv erinnerte sich oft an den getöteten Onkel, insbesondere die letzte Zeit brachte viele Erinnerungen zurück.

Karte des Tatorts, Autobahn 443
Karte des Tatorts, Autobahn 443

Die Offizierin, welche zusammen mit Ziv auf der Tankstelle  gewesen war, wurde Zeuge des Attentats. Die beiden waren kurz zuvor nur knapp einem Autounfall entgangen und hielten bei der Tankstelle an, um die Schäden zu klären.

Die Offizierin am Tatort. Foto: Ynet
Die Offizierin am Tatort. Foto: Ynet

2. Am Morgen wurde ein Mann von 27 Jahren nahe der Siedlung Kfar Adumim angefahren und leicht verletzt. Der Fahrer flüchtete. (Channel 2, Ynet)

3. Auf der Huwara-Kreuzung versuchte ein Terrorist, einen Soldaten mit einem Messer anzugreifen und wurde erschossen.


Hadar Buchris hy'd
Hadar Buchris hy’d

Am 22.11 wurde die junge Hadar Buchris, 21, von einem arabischen Terroristen aus dem nahgelegenen Dorf Bet Fajjar ermordet. Der Terrorist war in das Areal der Gush Etzion-Kreuzung, welche als der momentan gefährlichste Brennpunkt Israels gilt (und auch die Kreuzung vor meinem Wohnort darstellt) und rundum bewacht ist, vorgedrungen und griff die an der Bushaltestelle wartende Hadar an. Er verletzte sie schwer und wurde anschließend von den Soldaten erschossen. Hadars Leben konnte nicht mehr gerettet werden – die schwerverletzte junge Frau starb auf dem Weg ins Krankenhaus.

Ortschaftenkarte Gush Etzion.
Ortschaftenkarte Gush Etzion.

Hadar war 21 und stammte aus Zfat (Safed) im Norden. Sie war einige Wochen lang auf der Suche nach einer WG in der Siedlung Bat Ayin im Gush Etzion. Vor etwa zwei Wochen kam sie aus einer halbjährigen Reise in Indien zurück und wollte ein neues Kapitel im Leben aufschlagen. An diesem Tag, an welchem sie ihr Leben verlor, war sie gerade zurück von der WG-Suche und wollte bei Freunden im Gush Etzion übernachten, als sie der Terrorist entdeckte und anfiel.

In Hadars Zimmer in Zfat fand man den folgenden Text über ihrem Bett stehen:

Foto: Yonatan Amrani
Foto: Yonatan Amrani

„Ich liebe das Leben. Ich liebe alles. Ich liebe es einfach. Liebe die Natur, liebe es zu lachen. Liebe es zu tanzen. Liebe das, was es nicht gibt, und was es gibt. Verstehe, dass alles zum Guten ist. Ich nehme in mein Leben auf, was ich brauche, und sage danke für das, was Er dort oben mir gibt. Glaube daran, dass es ein gutes Karma gibt. Ich liebe Menschen und bevorzuge die Guten unter ihnen. Zu wissen, dass alles vorbei geht. Dass nichts als Zufall passiert. Ich erinnere mich immer selbst daran. Das ist eine Entscheidung. Tief einatmen, nu… na und? 🙂 Ich liebe das Alleinsein, den kleinen Gott, der aus mir heraus spricht. Liebe die kleinen Gesten im Alltag. Versuche, das Jetzt so viel es geht, zu leben. Suche nach den kleinen Glücksmomenten. Liebe das Schaffen, die Kunst, die Seele in den Dingen. Musik, Natur, Kleider. Liebe ohne Ziel. Ich liebe einfach. Liebe das Meer, den Wind und die Stimme der Wellen. Liebe den Sonnenuntergang und mich selbst im Spiegel. Das ist mein Körper und er ist ein Geschenk. Liebe mich selbst. Punkt.“

Foto: Walla
Foto: Walla

Hadar wurde am 23.11 auf dem Jerusalemer „Har Hamenuchot“-Friedhof bestattet, mehrere hundert Menschen begleiteten sie. Die Knesset-Abgeordnete Shuli Mu’alem-Refa’eli (Jüdisches Heim), ebenso eine Einwohnerin der Gegend, eröffnete an der Stelle, wo Hadar ermordet wurde, aus Protest ein symbolisches „mobiles Büro“ (Zelt).

 

Am Morgen des 22.11. wurde der ehemalige Vorsitzende der Judäa und Samaria-Verwaltung, Gershon Messika (der wegen einer Korruptionsaffäre aus dem Amt entlassen wurde) Zeuge eines versuchten Attentates, als er eine Anhalterin in den Wagen

Gershon Messika. Rettete Wartende vor Messerattacke.
Gershon Messika. Rettete Wartende vor Messerattacke.

aufnahm und dabei eine muslimische Frau mit einem gezückten Messer auf weitere Wartenden auf einer Bushaltestelle in Südsamaria zurennen sah. Der Mann zögerte nicht lange und fuhr mit seinem Wagen in die Terroristin hinein. Dabei stieß er diese um. Der Wagen rutschte in einen Graben. Die herbeieilenden Soldaten konnten die Terroristin niederschießen. In den sozialen Netzwerken wurde Messika als Held gefeiert, einige Medien konnten die Rettungstat aber nicht ohne einen Kommentar zur Korruptionsaffäre stehen lassen.


Ich möchte, dass ihr wisst, dass im ganzen Umkreis von Judäa und Samaria in den letzten Tagen verstärkt Steine auf jüdische Autofahrer geworfen werden. Da die Straßen weiterhin Juden und Arabern zugänglich sind , ist diese Gefahr immens groß. Steine, Brandbomben, Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften sind tagtäglich präsent (Updates: IDF Blog). Nicht jedes solche Update wird sich auf meinem Blog finden – irgendwo symbolisiert es auch eine Tendenz dazu, solche Übergriffe auf den Alltag nach einer bestimmten Zeit als Alltag wahrzunehmen und nicht mehr gesondert zu betrachten. Dennoch  – ein jeder solcher Übergriff mit dem Ziel, Menschen zu schaden und umzubringen, ist ein Terrorakt für sich!

Spontankundgebungen jüdischer Einwohner mit Flaggen, Reden und Gesang bilden sich an größeren Kreuzungen, so am 23.11. an der Gush Etzion-Kreuzung, als sich mehrere dutzend Frauen aus den Siedlungen zum Protest gegen die Morde versammelten.

Teile von Landstraßen, welche direkt an Siedlungen vorbeiführen, so die Straße 367 bei der Siedlung Alon Shvut, auf welcher am letzten Donnerstag Yakov Don und Ezra Schwarz umgebracht wurden, werden für arabische Nichteinwohner zur Durchfahrt gesperrt. Erneut werden sogenanne „Roadblocks“, Spontansperren, eingeführt – welche schon fast ein Jahrzehnt nicht mehr so vorhanden gewesen sind und die Freifahrt für palästinensische Autofahrer garantiert gewesen ist (innerhalb von Judäa und Samaria, Jerusalem nicht inklusive).

In einige der Siedlungen werden arabisch-palästinensische Arbeiter aus Vorsichtsmaßnahmen vorerst nicht mehr hineingelassen – das unterliegt der Entscheidung der Lokalverwaltung. Das hindert sie entsprechend am täglichen Geldverdienst. Dörfer, aus welchen Terroristen auf Juden Attentate verüben, werden unter Ausgangssperre gesetzt, bis die notwendigen Verhaftungen durch die Armee vorgenommen werden. All das behindert erheblich den arabischen und auch den jüdischen Alltag.

So hat der Terror immer wieder einen Preis – den Tod Unschuldiger und die Beeinträchtgung der Lebensqualität aller Beteiligten und Unbeteiligten. Judäa und Samaria ähneln immer mehr einer Kriegszone mit allen zusätzlichen Soldaten und Sicherheitskräften, und trotz der enormen Dankbarkeit, welche wir gegenüber ihrem unaufhörlichen Einsatz empfehlen, füllt sich das Herz mit Trauer bei diesem rauen Anblick. Wir aber leben unser Leben weiter – auch und gerade trotz der Morde an unseren Mitbrüdern, ihrem Gedenken zu ehren.

„Durch ihren Tod trugen sie uns das Leben auf.“

(Chaim Nachman Bialik)

Ungarn macht nicht mit. KaDeWe würde gerne, aber…

Wenige deutschsprachige Medien (es belief sich meiner Suche nach auf lediglich 2  – RTF1 und Kath.net , ebenso wie das deutschsprachige jüdisch-schweizerische Magazin Tachles und die Jüdische Allgemeine)berichteten über die Erklärung des Außen- und Handelsministers Péter Szijjártó, bei der Etiketiterung israelischer Produkte aus den Siedlungen entsprechend der neuen EU-Richtlinie vom November 2015 nicht mitzumachen. Über 21.000 Mal wurde der Artikel der Jerusalem Post online geteilt, welche über den Besuch des Ministers in Israel am 16.11. und seine Aussagen beim Frühstückstreffen des Israelrates für außenpolitische Beziehungen berichtete. Szijjartó bezeichnete die Ettiketierung als „irrational“ und kritisierte diese Entscheidung der EU im Rahmen weiterer ausgiebiger EU-Kritik, welche der Diplomat auf der Reise parat hatte, insbesondere bezüglich der EU-Politik gegenüber Flüchtlingen und der Terrorbedrohung. Politische Korrektheit und Scheinheiligkeit würden verhindern, dass auf wichtige Dilemmas auf gebührende Art und Weise reagiert werden würde, sagte er.

Solche deutlichen Reaktionen gab es dagegen im Land der Einigkeit, des Rechtes und der Freiheit seitens der Regierung nicht zu hören. Dort verwies man ganz auf die Rechtsgrundlage für die EU-Richtlinie, hinter der man sich einig stellte, versicherte aber, es würde zu keinem Boykott führen und keinen beabsichtigen; außerdem nähmen sich die Betriebe wohl auch die Freiheit heraus, bei der Etikettierung nicht mitzumachen und die Ministerien würden sich auch erlauben, die Zuständigkeit für die Beaufsichtigung der Etikettierung nicht auf sich zu nehmen – so geht es zumindest aus dem Artikel der Jüdischen Allgemeinen hervor. Und neben Reaktionen einer gewissen Anzahl empörter Juden in Deutschland gab es auch Rückmeldungen seitens prominenter Deutscher zum Thema – so wie beispielsweise der berühmte Kommentar „Lex Anti-Israel“ von Ralf Schuler in der BILD und die Feststellung, die Etikettierung führe zur Stigmatisierung, von Bundestagsabgeordnetem für Solingen, Remscheid und Wuppertal, Jürgen Hardt.

(Am Ende, so würde ich meinen, werden es die Endverbraucher sein, die über die Zukunft des israelischen Exports in Europa entscheiden werden – mit oder ohne Etikett. Ich persönlich würde Israel raten, seinen Markt viel mehr nach Nah- und Fernost auszubauen.)

(Danke an heplev für die Links)


Seit Freitag, dem 20.11. und diesem SPIEGEL-Artikel ist ein Sturm durch das deutsch-jüdische Netz gezogen, den man fürwahr als Shitstorm bezeichnen kann. Ein wahrer Shitstorm – und das wegen „Siedlerwein„! (Eine weitere Bereicherung für das Siedler-X-Wörterbuch) Er richtete sich gegen das mehrheitlich in italienisch-österreichischem Besitz befindende Berliner Kaufhaus KaDeWe, welches am besagten Freitag mehrere Weinsorten aus den Golanhöhen (das „Siedler-Areal“ hat sich entsprechend den EU-Ansichten geweitet!) aus dem Sortiment gezogen hatte – um sie mit einer korrekten Kennzeichnung entsprechend den neuen EU-Richtlinien zu versehen, so die Sprecher des Kaufhauses laut SPIEGEL. Die gesetzestreue Eifrigkeit von KaDeWe wurde ausnahmsweise nicht belohnt: Eine Massenkampagne gegen die Entscheidung brach im Internet los, sämtliche Aktivisten schickten Protestbriefe an die „Nazi-Erben“ des Kaufhauses, welches während des nationalsozialistischen Regimes vom ehemals jüdischen Eigentümer enteignet worden war. Protestmemes (Grafiken) geisterten im Netz herum; die Nachricht vom „Israelboykott“ des deutschen Kaufhauses erreichte die israelische Presse und auch Premierminister Netanyahu meldete sich zu Wort.

Es dauerte kaum ein paar Tage, bis die Leitung des KaDeWe seine „unsensible“ Entscheidung überdacht hatte (FAZ) und die Weine wieder ins Regal stellte – mit der alten Etikettierung.

Rückmeldung des KaDeWe an Volker Beck
Rückmeldung des KaDeWe an Volker Beck

Volker Beck (Die Grünen) bekam eine persönliche Antwort des KaDeWe zum Thema, und auch ein offizielles Statement veröffentlichte die Geschäftsleitung zum „falschen Verhalten“ auf der Facebook-Seite. Die FAZ mochte zwar behaupten, das „Schwanzeinziehen“ des KaDeWe erfolgte auf die Rüge seitens Premierminister Netanyahu – aber wir wissen es besser. 😉

Jedenfalls war der Zusammenhalt und Aktivismus der Beteiligten gegen diese erniedrigende Entscheidung des KaDeWe geschlossen, eindrucks- und wirkungsvoll gewesen, und man möchte hoffen, dass in Zukunft ähnliche Aktionen folgen, sollte noch jemand beschließen, die leckeren Golan-Weine oder das Tote Meer-Salz aus den Regalen zu entfernen. Denn die leckeren Weine und der Likör aus Gush Etzion gelangen (leider!) nicht nach Deutschland, auch nicht nicht organisch rein hergestellten Produkte der Firma Givot Olam und, wenn mich nicht alles täuscht, auch nicht die süße Halva von ACHVA. Nur ca.1% der Produkte, welche in Betrieben außerhalb der „Grünen Linie“ hergestellt werden, werden insgesamt nach Europa exportiert. Für diese Leckerbissen müsst ihr euch also

Werner Hartstock und ich im "Hamama", Kfar Etzion.
Werner Hartstock und ich im „Hamama“, Kfar Etzion.

herbemühen – so wie Reiseleiter Werner Hartstock von den Sächsischen Israelfreunden, mit dem wir heute abend im Restaurant „HaHamama“ („Gewächshaus“) im Kibbutz Kfar Etzion gegessen haben. Auch ihr seid herzlich eingeladen, vorbeizuschauen! Keine Sorge, die Soldaten unterwegs beißen nicht, wir versorgen sie zu Genüge mit Leckerbissen, während sie auf uns Acht geben.

🙂

 

(Danke an Maria Fuhrmann für die Links)

 

Gefallen in den Augen von Gott und Mensch – nach dem Attentat auf Yakov Don (NEWS)

Den Wert mancher Menschen lernt man erst dann kennen, wenn es schon zu spät ist. Das muss ich mir immer wieder sagen in den letzten Monaten, in welchen eine Terrorattacke die andere jagt, und immer wieder Menschen getötet werden, von deren Liebe, Güte und Bedeutung für ihre Umgebung man erst nach dem Mord an ihnen erfährt.

Yakov Don hy'd.
Yakov Don hy’d.

Yakov Don war einer von diesen Menschen für mich, aber im Gegenteil zu mir haben ihn in Gush Etzion und Alon Shvut, wo die Familie Don wohnt, sehr, sehr viele gekannt. Der 49-jährige war Erzieher und Lehrer, der auch als Erziehungsberater in Efrat fungierte, Englisch und Religionsstudien unterrichtete und bei seinen zahlreichen Schülern und Schülerinnen sehr beliebt gewesen war. Yakov war verheiratet mit Sarah, gemeinsam haben sie vier Kinder in die Welt gesetzt – drei Jungen und ein Mädchen – Rachel, erst 13 Jahre alt. Familie Don war eine der alteingesessenen Familien von Alon Shvut. Über 20 Jahre arbeitete Yakov als Erzieher und Lehrer. Mehrere Generationen von Schülern wuchsen mit seinem Lächeln und unter seiner Anleitung auf. In den letzten Jahren schrieb er an seinem Doktorat und hätte es in den kommenden Tagen fertiggestellt.

Das Auto von Yakov Don. Foto: INN
Das Auto von Yakov Don. Foto: INN

Am Donnerstag, 19.11.15, in den Nachmittagsstunden, stand Don in seinem Auto im üblichen Stau, welcher schon lange Zeit die Anwohner von Gush Etzion und insbesondere von Alon Shvut plagt. Dabei ist die wenige hundert Meter lange Strecke zwischen dem Einfahrtstor zur Siedlung in Richtung der zentralen Kreuzung mit dutzenden Autos verstopft und die Wartezeit kann manchmal bis zu einer Stunde betragen. Auch an diesem Tag standen in diesem Stau die Autos von jüdischen und arabischen Fahrern, als ein arabischer Fahrer in entgegengesetze Richtung an der Warteschleife vorbeifuhr,

So sieht es auf der Karte aus.
So sieht es auf der Karte aus.

zurückdrehte und begann, die Wartenden aus nächster Nähe mit einem Gewehr zu beschießen. Dabei wurden mehrere verwundet, doch drei erlagen den Verletzungen – Yakov Don, 49, aus Alon Shevut, der Jeschive-Schüler Ezra Schwarz, 18, aus den USA, und auch ein arabischer Fahrer aus Hevron fand sich unter den Toten. Der Terrorist wurde von einem Anwohner überwältigt und verhaftet. Seine Opfer konnte dies nicht mehr retten.

Yakov war unterwegs zu seinem Unterricht, als er erschossen wurde. Der 18-jährige amerikanische Schüler Ezra befand sich neben den Autos, da er zusammen mit Freunden Essen und Süßigkeiten an die Soldaten verteilte, welche sich auf der Strecken befanden, um die Fahrer zu bewachen. Weshalb die Soldaten den bewaffneten Terroristen im Auto nicht bemerkten und seinen Amoklauf nicht verhindern konnten, ist nicht bekannt. Der Terrorist soll wie schon zahlreiche zuvor aus der Gegend von Hevron, einer Hamas-Hochburg, stammen.

Als die Gemeinschaft von Gush Etzion vom Tod des beliebten Erziehers erfuhr, machten sich Trauer und Schock breit. Freunde und Schüler veröffentlichten Nachrichten mit Erinnerungen an Don. Die Einwohner von Alon Shvut erhielten eine SMS des lokalen Notfallteams der Siedlung, in welcher vom Tod von Yakov Don informiert wurde. Ein Bekannter von mir schrieb auf Facebook:

„Ich bin absolut schokiert…schokiert! Mein Englischlehrer für 4 Jahre an der Hemshech-Schule…ein beliebter Lehrer, ein Mensch mit Witz und Pfiff, man konnte mit ihm auf Augenhöhe reden…ein Mann mit der Haltung eines hohen Offiziers…und noch mehr als das – ein geliebter Erzieher! So viele Schüler sind durch seine Hände gegangen. Er erzog sie zu jüdischen Werten…nichts Schlechtes würde man über ihn hören…er liebte alle Geschöpfe…

Rabbiner Yakov Don, soll Gott seinen Tod rächen, denn nur Er kann das…niemand sonst in unserer schwächlichen Regierung!“

Am darauffolgenden Freitag, 20.11., wurde Yakov zur letzten Ruhe auf dem Friedhof im naheliegenden Kibbutz Kfar Etzion getragen. Tausende Menschen wohnten der Beerdigung bei, darunter auch der Minister Avi Gabai und der Knessetsprecher Yuli Yoel Edelstein.

 „Du fandest Gefallen in den Augen von Gott und den Menschen“,

sagte Edelstein. Einer von Yakovs Söhnen, Ma’or, sagte in seiner Abschiedsrede:

„Die Welt kann mit einem Mal dunkel werden, das war der Moment, als man mir sagte, dass mein Vater ermordet wurde. Jetzt verbleibe ich im Dunkeln. (…) Mein Vater wusste selbst nicht, wie besonders er war. Ein Mensch der Berührung, des Lächelns. Ich fühle seine Liebe in meinen Venen fließen.“


Schon am Freitag selbst, vor und nach der Beerdigung, füllten sich die Email-Verteiler mit Nachrufen verschiedener Personen zum Tod von Yakov Don. Darunter waren der Rabbiner von Gush Etzion, der Bürgermeister von Efrat, aber auch reguläre Bekannte und Freunde, Außerdem wurde eine Liste herumgeschickt, auf welcher sich Bereitwillige eintragen würden, um der Familie Essen zu spenden. Nach jüdischem Gesetz dürfen Trauernde, welche sieben Tage um ihren nahen Verwandten in Trauer sitzen (Shiva), sich selbst nichts zubereiten und für nichts sorgen, sondern sich voll und ganz der Trauer und dem Gedenken widmen. Die Gemeinschaft sorgt für sie.

Am Fall von Yakov Don würde ich gerne exemplarisch zeigen, wie unsere Gemeinschaft sozial gesehen funktioniert.
Alle sorgen sich um alle. Jeder weiß, was passiert, und Hilfe wird schnellstmöglich organisiert. Das lokale Notfallteam, welches aus Einwohnern besteht, gibt Anweisungen in Falle von Notsituationen wie einem Attentat weiter und informiert über die Vorgehen. Sobald bekannt wird, dass das Opfer aus der eigenen Siedlung stammt (oder auch aus der Umgebung), werden Fahrten zur Beerdigung organisiert. Beileidswünsche füllen die Emailverteiler. Essensspenden werden lokal von den Anwohnern organisiert, und zwar so, dass die Essensmenge für 3 Mahlzeiten reicht – und im Falle der Familie Don für ganze 12 Menschen. Gebetszeiten werden organisiert und publik gemacht, zu Ehren des Verstorbenen werden bestimmte Traktate gemeinsam gelesen. Die Anteilnahme ist groß und aufrichtig, ebenso wie das Interesse am Wohlbefinden der Betroffenen.

Das Haus der Familie, in welchem  das Trauersitzen stattfindet, und welches auch ich an heutigem Abend, gleich nach Shabbat-Ausgang, besuchte, war mit Besuchern gefüllt, welche die Familie in Not zu stärken gekommen waren. Dutzende gingen ein und aus. Die Kinder

Das Trauersitzen im Hause Don., heute (21.11)
Das Trauersitzen im Hause Don., heute (21.11)

und die Witwe Sarah saßen auf niedrigen Stühlen, wie es die Tradition besagt, um sie herum saßen Bekannte, Freunde, ganze Schulklassen. Die Tochter Rachel empfing ihre Freundinnen in einem der Zimmer. Alle wirkten gefasst, tauschten Erinnerungen aus, tranken Tee, manchmal sah man  Sarah sogar lachen, wenn der eine oder andere Besucher eine schöne Erinnerung oder ein Foto von Yakov teilte;  ihr ausgelaugtes Gesicht verriet jedoch den Schmerz hinter der Maske der Stärke. „In den letzten Tagen hatte Yakov so vieles geschafft in so kurzer Zeit, ich hatte mich gewundert, wieso alle Pläne, die lange aufgeschoben wurden, mit einem Mal alle durchgeführt werden mussten„, erzählte sie, „auch hatte es Yakov geschafft, mit jedem der Kinder in dieser Woche einzeln zu sitzen und zu reden. Als hätte alles erledigt werden müssen, bevor…Vielleicht hätten wir die Pläne doch aufschieben sollen, wer weiß…


An der Kreuzung. Quelle: INN
An der Kreuzung. Quelle: INN
An der Kreuzung. Quelle: INN
An der Kreuzung. Quelle: INN

Auch andere Reaktionen innerhalb der Bevölkerung folgten auf das Attentat. Kinder und Jugendliche, welche an diesem Wochendende sich im Rahmen der Jugendbewegung „Bney Akiva“ treffen und feiern sollten, gingen zusammen in einem Gedenkmarsch vom Zentrum von Alon Shevut aus bis zur Kreuzung, vorbei an der besagten Attentatsstelle, bewacht von Polizei- und Armeekräften, sangen, in einem Halbkreis stehend, gemeinsam und wehten israelische Fahnen. Zuvor trafen sich Gruppen von Jugendlichen zusammen mit Erziehern, um über das Attentat zu reden und den Tod des Lehrers gemeinsam verarbeiten zu können.

Auch die Bezirksverwaltung von Gush Etzion traf sich mit führenden Armeekräften, so auch dem Oberbefehlshaber der Armee. Die gefährliche Verkehrslage an der Gush Etzion-Kreuzung, die Staus, die fehlenden Ampeln und der überfordernde Verkehr gerieten nun in dem tragischen Kontext des neuesten Anschlags ins Gespräch – obschon die Problematiken jahrelang unentwegt seitens der Bezirksverwaltung angesprochen wurden. Auch eine Einschränkung von arabischem Autoverkehr um die Kreuzung herum – so auf der Landstraße 367, welche an vier großen jüdischen Ortschaften und zwei kleineren arabischen Orten vorbeiführt, wurde angesprochen, denn diese Einschränkung wird schon länger im Zuge von blutigen Attentaten auf die lokalen jüdischen Einwohner gerade auf dieser Landstraße gefordert, Bisweilen beschloss der Verwaltungsrat von Alon Shevut, am kommenden Sonntag keinen Einlaß für arabische Arbeiter in die Siedlung zu gewähren. Schon seit einigen Tagen wurden zusätzliche Metallzäune um die Bürgersteige der Kreuzung herum angebracht – deren tatsächliche Relevanz ist jedoch fraglich. Noch vor Beginn der Unruhen in diesem Herbst wurde die Gush Etzion-Kreuzung von Soldaten bewacht und während der letzten Monate wurde die Bewachung von Zivilisten verstärkt.
Welche weiteren Maßnahmen vorgenommen werden, ist bisher unbekannt.

Randbemerkung. Zensur in Deutschland.

In diesen Tagen bin ich unwillkürlich Mitwisser eines Zensurfalls geworden, der mich etwas aufgewühlt hat. Es hat nicht wirklich etwas mit Siedlern zu tun, aber der Betroffene ist ein guter Freund von mir. Es hat auch nichts mit Israel zu tun, aber im Fall dreht es sich um Juden. Ohne Namen zu nennen, Linkverweise zu geben, auf bestimmte Medien hinzuweisen, möchte ich nur sagen, dass ich nun ein weiteres Mal aus meinem nahen Umfeld die Bestätigung bekommen habe, dass deutsche Medien zensieren. Nein, nicht die Redakteure, die einen Artikel von seinen wesentlichen Inhalten befreien, oder durch ihre Schlagzeilen den Inhalt verdrehen, das ist alles hinreichend bekannt und gar nicht mehr Aufsehen erregend. Es geht um tatsächlich schwerwiegenden Eingriff in die Meinungsfreiheit und das Recht der Öffentlichkeit auf Wissen.

Die letzten mir persönlich gut bekannten Fälle waren Tuvia Tenenbom, dessen ZEIT-Redakteur ihn mehrfach versucht hatte, vor dem Druck seiner Kolumnen oftmals den Inhalt zu verbieten. Auch kennt jeder, der ein wenig Berührung mit dem Buch „Allein unter Deutschen“ gehabt hatte, die Geschichte, dass der erste Verlag, Rowohlt, das Buch ehemals gar nicht drucken wollte, ohne zuvor Zensur an den Aussagen einiger Interviewpartner von Tenenbom vorzunehmen. Tenenbom pfiff darauf, und ließ es woanders abdrucken. Das Buch wurde Bestseller, der störrische Verlag wurde blamiert, und die ZEIT-Kolumnen wurden beinahe alle im Originalformat abgedruckt. Erfolgsgeschichte von einem Mann mit  Mut zu Nachdruck.

Der andere Fall war der des Ulrich Sahm, an die 40 Jahre lang Korrespondent bei sämtlichen deutschen Medien zum Thema Nahost, zuletzt bei n-tv. Wohnhaft in Israel. Spätestens seit der Eröffnung der Facebook-Gruppe „Ulrich Sahm zurück ins deutsche Fernsehen“ müsste die Öffentlichkeit wissen, dass Ulrich Sahm nicht mehr in den nationalen deutschen Medien zu finden ist. Er wurde von dort verbannt, und das nachhaltig bei sämtlichen Presseorganen, und das wegen seiner pro-israelischen Haltung. Die Details zu seiner Entlassung kann Ulrich bei Gelegenheit selbst bestätigen. Das erschwert heutzutage für den auch nicht mehr so jungen, aber noch immer auf außergewöhnlich hohem Niveau stehenden Experten die Veröffentlichung seiner Recherchen, und offenbart die ideologische Korruption seiner ehemaligen Arbeitgeber. Aber auch er hat seine Nische gefunden. Es gibt private Netzwerke wie Audiatur Online, und zum Glück hat Ulrich Sahm einen guten Namen bei dem gemeinen Volk und unternimmt regelmäßig Vortragsreisen in Deutschland, und es gibt Leute, die ihn hören wollen. ich würde mich nicht wundern, wenn es in der nächsten Zeit noch mehr davon geben wird – vorausgesetzt, Ulrich wird nicht davon absehen, weiterhin unerschrocken seine Recherchen und Kritik öffentlich zu machen. Solche, die die nationalen Medien nicht bei sich in den Publikationen sehen wollen.

Nun ist mein anonymer Freund, den ich zu Beginn erwähnt habe, weder Tuvia Tenenbom noch Ulrich Sahm, sondern nur ein Mensch mit einer bestimmten Funktion, und auch noch Jude.  Und als Jude mit Funktion, sozusagen „Funktionsjude“ (liebe nichtjüdischen Nichtzyniker, verzeiht den jüdischen Zynismus), kam er neulich mit den deutschen Medien in Kontakt, und wurde sogar von einem solchen Medium zu seinen Ansichten gefragt. Nach den neuesten Ereignissen wurde es auch in Deutschland von Interesse, was Juden in ihren Gemeinden von ihrem Leben halten. In Frankreich sagen die Juden das offen – wir fühlen keine Sicherheit, wir wandern aus, und die ersten Gruppen nach der Attacke am 13.11 kamen schon angereist (Ynet berichtete). So wurde mein Freund befragt, aber das, was er zu antworten gedachte, gefiel dem Journalisten nicht. Er wurde gebeten, seine Antworten zu revidieren. Revidieren? Ja, denn die Antwort, die er gegeben habe, würde den Terror mit dem Islam in Zusammenhang bringen. Mit dem Islam? Islamistischer Terror mit dem…? Ja. Und so musste mein Freund die Antwort umändern, und als er das tat und aus der ehemals deutlich formulierten Antwort ein geschmacks- und geruchlose Suppe geworden war, da war der Journalist sichtlich zufrieden, und brachte das einvernehmliche Endergebnis ans Volk.

Als ich das Ergebnis sah, wusste ich, dass irgendetwas faul war. Aus Privatschutzgründen kann ich es leider nicht mit euch teilen. Denn mein Freund wollte zwar noch nie ein „Funktionsjude“ sein, und noch weniger ein „Hofjude“, wie viele (und leider auch ich) so manche  jüdische Funktionäre in Deutschland und andernorts schimpfen, wenn diese das sagen, was die Politkorrektheit hören möchte. Aber er entsagte sich auch nicht des Interviews und bestand darauf, dass die Affäre nicht publik gemacht werden sollte. Und so wie hier, wissen wir nicht, sofern uns das nicht zufällig über den Weg läuft wie mir, wie viele andere öffentlich zitierte Menschen dazu gebracht wurden, ihre Meinungen zensiert und umgeschrieben zu bekommen. Und damit einverstanden gewesen waren, aus Angst, ihren Namen, ihre Stelle, ihren Einfluss? zu verlieren. Denn dann werden sie auch das bisschen Gutes, das sie im kleinen Umfeld vielleicht noch bewirken können, nicht mehr tun können.

Und für uns von außen, die wir nicht immer hinter den Kulissen sein können, erscheint alles freundlich und harmonievoll, und aufeinander abgestimmt. Manchmal sagen wir auch, abwinkend, „die wurden dafür bezahlt“. Mein Freund wurde für das Schwanzeinziehen, vor das er gestellt wurde, nicht bezahlt.Und so sehr ich mich für sein Schwanzeinziehen schäme, so tut es mir auch weh, zu wissen, wie sehr Zensur Teil unseres Alltags darstellt. Und dass viele gute Menschen, die etwas mehr zu verlieren haben als Blogger wie ich, vor ihrer Diktatur einknicken.

Es ist keine allzu große Leistung, als Privatperson einen Blog aufzumachen (in meinem Fall sogar in einem fernen Land) und dort all das frei heraus zu posaunen, was die öffentlichen Medien bei sich nicht haben wollen. Mein Blog hat nun beinahe 70.000 Besucher, fast 1000 Kommentare, ich bekomme wöchentlich und manchmal mehrmals in der Woche private Mails mit Lob und Unterstützung, werde interviewt und führe Gespräche mit deutschsprachigen Gruppen im Namen einer Bundesinititative (BpB, siehe hier). Und als Bloggerin und Privatperson sage ich dort das, was ich mit meinem Gewissen vereinbaren kann, und niemand schreibt mir vor, was ich zu sagen habe. Es mag mutig klingen – aber eigentlich ist es das nicht. Denn ich brauche keine Konsequenzen zu fürchten – nicht von der Zielgruppe, für die ich schreibe und vor welcher ich auftrete.

In Deutschland sitzen Menschen mit klugen Gedanken und guten Herzen, und auch sie würden gerne das sagen, was ihnen auf den Lippen liegt und in der Seele schmerzt. Aber Deutschland scheint kein Land zu sein, das Diskussion stärkt, das Nonkonformismus akzeptiert, in welchem ein Konzensus einfach übergangen werden kann. Ein wenig haben die sozialen Netzwerke den staubigen Vorhang, der die deutsche Meinungsfreiheit umhüllt, angehoben. Aber der Lichtstrahl, der unter dem Vorhang hervorbricht, ist noch zu klein, und die Luft noch immer nicht erstickend genug, als dass Menschen effektiv nach Frischluft suchen würden.

Zensur hin oder her. Jeder ist im Endeffekt verantwortlich für das, was er sagt, schreibt, oder zu sagen und zu schreiben unterlässt. Jeder hat nur die Kräfte, die ihm zur Verfügung stehen, um etwas zu bewirken, und die nur eigene freie Wahl. Ein jüdisches Sprichwort besagt, „wenn Zusya in den Himmel kommt, wird Gott ihn nicht fragen, ‚wieso bist du nicht wie der Prophet Moses gewesen?‘, Er wird ihn fragen, ‚wieso bist du nicht Zusya gewesen?'“

Ich habe mit euch in dieser Randbemerkung diese Episode aus meinem Alltag geteilt, weil es mich persönlich berührt und getroffen hat, und ich würde wollen, dass wir, vor allem auch ich, etwas aus dieser Geschichte mitnehmen.

Was, das kann jeder für sich selbst entscheiden. Die Gedanken sind schließlich frei.

 

Paris im Krieg. Zum IS-Attentat am 13.11.

Mein simples menschliches Mitgefühl kämpft in diesem Stunden mit dem „Man hat euch gewarnt“-Zyniker in mir, seit dem Moment, als ein Freund mir nach einem technik-losen Shabbat von dem Massaker in Paris mitteilte. Und im Hintergrund dieses inneren Kampfes senkt sich ein dumpfes Gefühl in die Magengegend, das sich irgendwo zwischen Ernsthaftigkeit, Bereitschaft und

Opfer des Pariser Attentats im Bataclan-Theater, 13.11.15. Quelle: Web
Opfer des Pariser Attentats im Bataclan-Theater, 13.11.15. Quelle: Web

Ausweglosigkeit bewegt und sich nicht festlegen will. Schwere Tage erwarten die Menschen in Frankreich, und ich kann es niemandem verdenken, der emotional betroffen sein Facebook-Avatar in Frankreichs Nationalfarben umändert, um den persönlichen Gefühlen von Trauer und Verwirrung einen Ausdruck zu verleihen,

Opfer des Pariser Attentats im Bataclan-Theater, 13.11.15. Quelle: Web
Opfer des Pariser Attentats im Bataclan-Theater, 13.11.15. Quelle: Web

oder Bilderchen mit Solidaritätssäzen verbreitet – noch hat sich keiner adäquate Online-Reaktionen zu vergleichbaren Ereignissen ausgedacht. Das Attentat hat so viele wie aus heiterem Himmel getroffen. Schock, Trauma, und ein Unwissen darum, was zu tun. Vor allem für diejenigen vor Ort, oder auch die auf demselben Kontinent, Europa.

Opfer des Pariser Attentats im Bataclan-Theater, 13.11.15. Quelle: Web
Opfer des Pariser Attentats im Bataclan-Theater, 13.11.15. Quelle: Web
Hier, in Israel, hat dieses Attentat viele nicht überrascht. Aus einer Position heraus, in der wir als Bevölkerung und als Staat tagtäglich mit Dingen konfrontiert werden, die in Europa eher ein angstvolles Zittern hervorrufen – Terroristen, Waffen, Bomben, Polizei und Armee – ist die Auffassungsfähigkeit und die gedankliche Einordnung einer solchen Tat eine ganz andere. Durch die physische und politische Distanz, und bei einem wachen Bewusstsein für die Verhältnisse im Nahen Osten, haben wir mit einer großen Besorgnis und einem Unglauben die europäische Politik  – auch die Frankreichs – gegenüber der steigenden Terrorbedrohung verfolgt. Die wahllose Aufnahme von muslimischen Einwanderern, die fehlende Abschreckung vor Terror im eigenen Land, die religiös und national motivierte Gewalt in den Problemvierteln von Paris und anderen Städten, die steigenden Angriffe auf die jüdische Gemeinschaft in Frankreich und ganz Europa, und die immer wiederkehrenden Warnungen der Terroristen selbst – „wir kommen zu euch, um euch zu kriegen“ : All das wurde auf gesellschaftlicher und politischer Ebene hartnäckig ignoriert – und offensichtlich nicht nur die Öffentlichkeitsmeinung repräsentierenden Organe haben im Angesicht vom Terror auf den Pariser Straßen und im Bataclan-Theater am 13.11. versagt, sondern auch die für die Sicherheit zuständigen.
Pakistaner protestieren gegen Charlie Hebdo in Peshawar, Pakistan. Januar 2015 Quelle: A.Majeed/AFP/Getty Images)
Pakistaner protestieren gegen Charlie Hebdo in Peshawar, Pakistan. Januar 2015 Quelle: A.Majeed/AFP/Getty Images)

Demnach handelt es sich nicht um ein alleinstehendes Versagen, für welches jetzt teuer bezahlt wurde. Es ist ein allgemeines und in den psychologischen und sozialen Verständnisebenen wurzelndes Versäumnis, eine fatale Fehleinschätzung der Realität des islamisch motivierten Terrors, mit welcher die westliche Gesellschaft bitter konfrontiert wird – immer und immer

Demonstration nach den Charlie Hebdo Attentat in Paris, Januar 2015. Quelle: AP Photo/Peter Dejong
Demonstration nach den Charlie Hebdo Attentat in Paris, Januar 2015. Quelle: AP Photo/Peter Dejong

wieder. „Charlie Hebdo“ ist weniger als ein Jahr her. Die Schießereien in Toulouse und Mauntaban nur drei Jahre. Die Aufstände in den „Banlieues“ von Paris – zehn Jahre. Der 11.September, die „Kriegserklärung an Amerika“, liegt nur 14 Jahre zurück. Bei allen war immer derselbe Ausgangssatz präsent und wurde gerne ignoriert: „Allahu Akbar“.

Und anstatt ein Umdenken anzugehen, sich den unweigerlich an die Oberfläche tretenden kulturellen Zusammenstoß zwischen der europäisch-christlich-sekulären und der arabisch-islamischen

Deutsche begrüßen Flüchtlinge, 2015. Quelle: Web
Deutsche begrüßen Flüchtlinge, 2015. Quelle: Web

Zivilisation genauer unter die Lupe zu nehmen, mehrten sich vom genauen Gegenteil getränkte Reaktionen: Menschen, die sich an der eigenen Freiheits-, Gleichheits- und Brüderlichkeitsliebe, trunken vom farbigen Cocktail des gedankenlosen Multikulturalismus, ergötzten und im Namen dieser Ideale jede Nüchternheit verloren – Politiker, Presse, Populisten und „das gemeine Volk“ gleichermaßen.

Schlagzeile der WELT nach dem Charlie Hebdo-Attentat, Januar 2015
Schlagzeile der WELT nach dem Charlie Hebdo-Attentat, Januar 2015

„Mein Herz blutet für meine geliebte Stadt Paris, die es den Gedankenlosen erlaubt hat, über sie zu herrschen, und sie an den Rand des Selbstmords zu bringen“, schrieb gestern der Journalist und Autor Eldad Beck zum Attentat. Auch ich finde leider kein besseres Wort als „Selbstmord“ für die Unverantwortlichkeit, welche die

Muslimischer Flüchtling mit Angela Merkel-Portrait. Quelle: Web
Muslimischer Flüchtling mit Angela Merkel-Portrait. Quelle: Web

europäische Zivilisation im Angesicht des islamischen Aufbegehrens aufbringt, und das Unverständnis von der Misslichkeit der eigenen Lage. Mit welch einer Leichtigkeit bringen Menschen das Wort „Rassismus“ in den Mund gegenüber jedem , der die schnelle und gelingende Integration von hunderttausenden Flüchtlingen in eine ihnen gänzlich fremde Kultur anzuzweifeln wagt. Mit welch einer blendenden Naivität stellen sie sich diese Integration vor! Wie frivol ignorieren sie und ihre Repräsentanten auf der Weltbühne Warnungen und Hinweise und spielen mit dem Leben von Tausenden. Und an was für einer Stufe von geistiger Stumpfheit muss man angelangt sein,  um mit ganzem Herzen zu glauben, dass eine zwanghafte

Demonstration für die Trennung von Religion und Staat in Frankreich. Quelle: Web
Demonstration für die Trennung von Religion und Staat in Frankreich. Quelle: Web

Trennung von Glauben und Alltagsleben tatsächlich eine solche bewirken wird bei Menschen, deren Alltag und Leben sich nur von diesem Glauben nähren? Dass eine Überstülpung der eigenen selbstgefälligen Glasglocke über ganze Völker und Zivilisationen, so wie die europäische Gesellschaft es seit Jahrhunderten zu tun wusste, sie vor diesen schützen wird, wenn sie kommen, um ihre Ehre und ihre Macht einzufordern? Oder denkt man im Westen, dass alle bereit sein werden, ihre Ideale für ein Ticket zu einem Rockkonzert zu verkaufen?

Angela Merkel zum Islam in Deutschland, Schlagzeile aus dem SPIEGEL. Januar 2015
Angela Merkel zum Islam in Deutschland, Schlagzeile aus dem SPIEGEL. Januar 2015

Ob IS oder Al-Qaida, ob lokale oder syrische Terroristen. Sie kamen und kommen nach Europa mit einer Ideologie, und diese Ideologie erkennt nur sich selbst an. Auch der westliche Liberalismus, der das Vakuum nach der Vertreibung der Religion aus dem europäischen Hoheitsgebiet zu füllen wusste, ist eine Ideologie, und auch er erkennt als solche nichts außer sich selbst und den eigenen Prinzipien an. Er weiß nicht, was „Dar al-Islam“ und „Dar al-Harb“ bedeuten – „Das Gebiet des Islams“ und „Das Gebiet des Krieges„. Dass Islamismus kein Phänomen eines fernen Planeten ist, dass Terror nicht nur im Osten zuhause ist, und dass es nirgendwo sicher sein kann außer dort, wo man sich darum bemüht. Und wenn „der Liberalismus“ es erfährt, will er es nicht wissen. Das erschüttert seine Grundfesten. Das ist ein Kulturschock, ein Schuss mitten ins Allerheiligste eines jeden Liberalisten und Humanisten. Der Beweis für das Versagen seiner Weltsicht, welche auf ihrem Weg zum globalen „Frieden-Freude-Eierkuchen“ einen Großteil des Globus einfach übersehen hat. Und dieser meldet sich nun, und die Menschen, die ihn besiedeln und die von dort auch nach Europa kommen und ansässig werden, glauben nicht an die Billigwaren des westlichen Liberalismus, welche ihnen  angeboten werden. Sie

"Der Schleier ist meine Wahl, meine Freiheit, mein Recht" - Demo für den Frauenschleier in Frankreich. Quelle: Web
„Der Schleier ist meine Wahl, meine Freiheit, mein Recht“ – Demo für den Frauenschleier in Frankreich. Quelle: Web

glauben an Allah, und Allah ist akbar. Der Größte. Größer als das World Trade Center, der Eiffelturm  und das Fußballstadion. Größer als die Idee des Multikulturalismus und des „Liberté, Égalité, Fraternité“. Für diesen Allah sind sie bereit, zu leben und noch eher zu sterben, und sie reißen diejenigen mit sich, die nicht bereit sind, für die eigenen Ideale zu kämpfen, weil sie nicht groß genug sind. So wie Allah.


Nein, ich glaube nicht, dass die europäische Öffentlichkeit so schnell umdenken wird, auch nicht nach 127+ Toten in Paris. Ich glaube nicht, dass sie das Prinzip von „Dar al-Islam“ und „Dar al-Harb“ verstehen und verinnerlichen wird. Ich glaube, dass der Wunsch nach Überleben bei vielen vom Drang nach Selbstaufgabe erstickt werden wird. Der Auszug aus der selbstverschuldeten Unmündigkeit ist schwer, und er wird noch so manche Opfer fordern. Und bis dahin färben Facebook-User ihre Profilbilder bunt, und Menschen in Europa fragen sich, ob Europa im „Kampf gegen den Terror“, ohne zu wissen, wie ein solcher aussehen soll, trotz allem „seinen Grundsätzen treu bleiben wird“?
Ich hoffe es nicht. Für Europa.
Quelle: Web
Quelle: Web