Das Wasserschöpffest

Und wieder ist Feierlaune in Gush Etzion. Momentan haben die Sukkot-(Laubhüttenfest)Ferien begonnen, Familien mit Kindern und Jugendliche wandern im ganzen Land umher, vergnügen sich, erleben Land und Leute, tanzen, singen und vieles mehr.

Das Wasserschöpffest mit vielen Attraktionen für Kinder, Musik, Tanz und Essen wird im Gedenken an dasselbe Fest zur Zeit des Tempels gefeiert, während der Sukkotfeiertage, weil an diesen laut der jüdischen Religion die Menge des Wassers gerichtet wird, die über die Welt und über das Ladn Israel niedergehen wird. Es war in den alten Zeiten ein Fest voller unglaublicher Freude, wo alle Bewohner Jerusalems und auch landesweit sich versammelten, um gemeinsam Kunststücke und Musiker zu sehen und den Tempel zu bestaunen. Mehr dazu kann man hier lesen.

Yehoshu'a und ich am Verkaufsstand
Yehoshu’a und ich am Verkaufsstand

Heute wird das Fest in den jüdischen Gemeinden auch ohne Tempel begangen, in seinen Ausmaßen sicherlich nicht mit den Tagen von damals zu vergleichen – und dennoch ist es ein Grund zum Feiern und Tanzen für Juden. Dazu muss man gar nicht gläubig sein, bei der Musik schwingen alle Beine mit.

Hier einige exklusive Einblicke von Musik und Tanz vom traditionellen „Wasserschöpffest“ im Naturpark Oz veGaon, im Herzen Gush Etzions, Judäa, organisiert von dem Verein „Frauen in Grün“.

20150929_102836Mehrere hundert Besucher kamen in Oz veGaon vorbei, ebenso der Minister für Jerusalem und Tradition, Ze’ev Elkin, der Vorsitzende der Bezirksverwaltung Davidi Perl und die Eltern eines der entführten Jungen, Eyal Yifrach, die ebenso von der Veranstaltung begeistert waren.

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Die Regionalverwaltung warnt…

Die Nachrichten (zumindest in Israel) berichten schon über eine Woche von vermehrten Zusammenstößen von gewalttätigen arabischen Randalierern in Jerusalem mit Sicherheitskräften und ziviler Bevölkerung – auf den Verkehrsstraßen, in der Altstadt, auf dem Tempelberg. Der Tod von Alexander Levlowitz am 13.09.15 (Neujahrsabend) konnte der Bevölkerung nicht entgehen. Seit diesem sind in und um die Hauptstadt herum noch viele Steine und Brandbombencocktails durch die Luft gesaust. Sprich, dass die Lage in Jerusalem angespannter ist, als sie vor Kurzem noch gewesen ist, sollte eindeutig sein.

Ab und zu tauchen Meldungen oder zitierte Aussagen hochrangiger Sicherheitsvertreter auf, welche auf eine „Aufheizung der Stimmung“ auch in den Gebieten von Judäa und Samaria hinweisen. Zwar kann man dort keinen Tag lang von einer „Entspannung“ sprechen, dennoch scheint die Gewaltwelle auch um uns keinen Umweg zu machen. Selten tauchen in den traditionellen israelischen Medien Meldungen zu Unruhen und Attentatsversuchen  in Judäa und Samaria auf – seltener, als diese tatsächlich stattfinden. Nicht jeder Angriff auf einen Kontrollposten, auf einen Soldaten, nicht jeder Stein- oder Brandbombenwurf auf ein vorbeifahrendes Zivilauto werden dokumentliert. Internetplattformen und sog.“neue Medien“ wie 0404.co.il, Facebook, aber auch die lokal vertretenen Kanäle mit eher religiös oder konservativ gerichteten Zielgruppe, so die Seite INN.co.il, informieren mal mehr, mal weniger über die Vorkommnisse.

Aus meiner diesjährigen Arbeit beim Sicherheits- und Überwachungszentrum des Regionalbezirkes Efrat weiß ich um die Häufigkeit der „gewohnten“ Vorfälle  – Steinwürfe, Brandbomben, verdächtige Personen, und die dadurch verursachten Einsätze von Sicherheitskräften. Es ist für diese kaum möglich, zur Echtzeit die Täter, wenn über diese von einem Zivilisten berichtet wird, zu ergreifen und festzunehmen. Die Meldung, die am Meisten per Funk übermittelt wird nach einem erneuten Einsatz an Ort und Stelle eines Steinwurfes, eines gezündelten Brandes u.ä. – „keine Befunde“. Erst bei speziellen Nachtdurchsuchungen oder Recherche durch armeeinterne Nachrichtendienste können manche der Täter aufgefunden werden, aber auch da ist die Effizienz nicht immer hoch, da die Indizien fehlen, und die Familien bzw. die Bewohner der arabischen Siedlungen die Betreffenden nicht freiwillig herausgeben.  Zurück bleiben dann zerschmetterte Fensterscheiben, abgefackelte Wälder, angebrannte Autos und ein ständiges Gefühl, mit einer anderen Realität wäre so bald nicht zu rechnen.

Wie dem auch sei. Am Freitagmorgen schickte der Vorsitzende Davidi Perl im Namen der Regionalverwaltung an die Bewohner von Gush Etzion eine Mail mit dem folgenden Inhalt:

„In den letzten Wochen erleben wir einen fühlbaren Anstieg von Terrorakten in Gush Etzion. Steinwürfe, Brandbomben und Attentatsversuche ereignen sich tagtäglich. Viele Terrorhandlungen, die nur durch ein Wunder bisher keine Opfer brachten.

Die Vorkommnisse, die sich bei uns ereignen, sind Teil abgestimmter und geplanter Aktionen, welche dazu dienen, Schaden anzurichten und die Regionen von Judäa, Samaria und Jerusalem aufzuheizen. Das soll natürlich keinen Trost darstellen, und die Regionalverwaltung ist unermüdlich aktiv in ihrer Zusammenarbeit mit den Sicherheitsbeauftragten, um eine Truppenverstärkung und einen kompromisslosen Kampf gegen die Terroristen zu erwirken. Ein jeder von Ihnen ist in diesen Tagen gefordert, doppelte Vorsicht walten zu lassen und wachsam zu sein. Es ist sehr wichtig, dass diejenigen der Einwohner, die ihren Wagen noch nicht geschützt haben, dies umgehend tun. Es kostet kein Geld und rettet Leben!

Auf das wir mit Gottes Willen bald Frieden und Gutes erleben werden. „

Etwas von mir: In meinem Alltag, der sich momentan rund um Alon Shvut dreht, erlebe ich momentan keine Unruhen oder Gewalt. Mir geht es gut, und das oben Geschriebene sollte dennoch niemanden stören, hierher zu kommen, insbesondere, wenn jetzt die Sukkot-Feiertage anfangen und ganz Israel zum Wandern und Picknicken aufbricht. In allen Siedlungen hört man bis spät in die Nacht ein Hämmern und Herumwerkeln – die Männer und Jungen (zumeist) arbeiten an den „Laubhütten“ für das Laubhütten (Sukkot-)-Fest, welches am Sonntagabend beginnen wird. Die Bilder werde ich mit euch noch teilen.

Wünsche allen eine gute Zeit und viel Ruhe.

Chaya

Status-Update Jerusalem

Etwas off-topic, da ich im Blog generell nicht das Thema Jerusalem behandle (mögen die Stadtteile Gilo, Har Homa, Armon Hanatziv, die Jerusalemer Altstadt  und etwaige andere noch so sehr von außenstehenden Betrachtern zu „Siedlungsgebieten“ erklärt werden. Im Unterschied zu Judäa und Samaria wurde Jerusalem wurde offiziell annektiert, und für meine Betrachtung reicht das israelische Recht aus, um dies als völlig geltend zu betrachten).

In den letzten Tagen und Wochen ist der gewalttätige Terror seitens arabischer Bewohner (mehrheitlich junger Männer) der von Arabern bevölkerten Jerusalemer Stadtteile gegen Juden in der Stadt stärker zu spüren geworden. Dazu gehören nicht nur Auseinandersetzungen mit der Polizei, Stein- und Brandbombenwürfe auf dem Tempelberg in der Jerusalemer Altstadt (wohl, um die „muslimische Heiligkeit“ dieses Ortes noch mehr zu verstärken, dafür sind Waffen und Kämpfe wohl das beste Mittel, gell?). Dazu gehören auch das Attentat auf den Israeli Alexander Levlowitz sel.A., der am Rosh Hashana-Abend (13.09) von einem Steinwurf und dem darauffolgenden Unfall getötet wurde – auf einer Straße im Jerusalemer Armon Hanatziv-Viertel. Dazu gehören Brandattacken auf jüdische Gärten in den Randbezirken Jerusalems, Steinwürfe gegen Feuerwehrautos, Steinwürfe gegen Fahrer, so wie während des Yom-Kippur-Fastentags (23.09) in Jerusalem, und anderes mehr. Viele dieser Meldungen werden kurz in einer Zusammenfassung durchgegeben und dann wieder unsichtbar gemacht. Die Nachrichtenseiten wollen – per Anordnung von oben oder durch eigene Linie – die Aufmerksamkeit des Bürgers nicht auf diese Vorgehen lenken.

Eine schwarze islamische Flagge mit ungemeiner Ähnlichkeit zu den IS-Fahnen, an einem Fenster der Jerusalemer Altstadt.
Eine schwarze islamische Flagge mit ungemeiner Ähnlichkeit zu den IS-Fahnen, an einem Fenster der Jerusalemer Altstadt.

Zu diesem Thema teile ich einige prägnante Zitate aus einem Beitrag von Anke Hernroth-Rothstein, Israel Hayom 17.09.15, übersetzt von Herbert (heplev). Sie treffen den Nagel auf den Kopf, mehr als es lieb ist:

Meine Freunde sagten mir, ich solle nicht alleine durch Jabel Mukaber gehen, aber ich machte es trotzdem. Nicht, weil ich übermütig bin, nicht um wie ein Depp zu handeln, sondern weil ich nicht akzeptieren konnte, dass sich einen Personenschützer brauchen, nur um von einem Abendessen nach Hause zu gehen. Die von mir und uns, den Juden, die die Straßen Jerusalems zu Fuß entlang gehen, getroffenen Vorsichtsmaßnahmen sind bereits zu zahlreich und zu akzeptiert; sie verwandeln langsam in Normalität, was alles andere sein sollte. Während viele Länder und viele Städte Gegenden haben, die man nicht unbedingt betreten sollte, ist Jerusalem einzigartig: Wir haben Gegenden, in die Juden nicht gehen können ohne ihr Leben zu riskieren, während unsere Angreifer solchen Einschränkungen nicht unterliegen. Was ihrs ist, ist ihrs und was unser ist, ist auch ihres. (…)

Ein zehnminütiger Fußmarsch sollte kein Statement sein, genauso wenig wie auf dem Tempelberg zu beten kein Aktivismus sein sollte. Aber sie sind es und wir gestatten ihnen das zu sein, wobei wir vergessen, dass Menschenrechte auch für Juden gelten (….).

Ein Mann starb diese Woche, wie andere vor ihm, durch die Hände des Terrorismus und Selbstgefälligkeit. Weil Terrorismus nicht nur der Anschlag ist; er ist auch das Hinterher, das zu einem rutschigen Hang von der Normalität zur Anpassung wird. Die Normalität aufzugeben bedeutet das Leben aufzugeben und die Freiheit zu beeinträchtigen, um einen Krieg zu vermeiden, bedeutet, dass man sich bereits in einem solchen befindet und ein endloses Spiel Nachziehens spielt, um das eigene Leben zu retten.

NEWS: Frau mit Kind im Auto gesteinigt

Foto: Ynet
Foto: Ynet

Heute morgen (20.09) waren eine junge Mutter und ihr einjähriges Baby aus der Ortschaft Tekoa (Osten Gush Etzions) in ihrem Auto unterwegs nach Jerusalem, als kurz vor dem Sicherheitsübergang nahe des Jerusalemer Außenbezirks Har Homa an den Straßenrändern, neben einem dort gelegenen arabischen Dorf ca.15 vermummte arabische Männer auftauchten. Diese begannen, das Auto mit Steinblöcken zu bewerfen. Die Windschutzscheibe wurde eingeschlagen, einige der Blöcke landeten neben dem vorne angebrachten Kindersitz, andere auf der Rückbank. Die Frau kam von der Straße ab, konnte jedoch im letzten Moment die Kontrolle über den Wagen wiedergewinnen und erreichte den Grenzübergang, wo sie Soldaten in Empfang nahmen.

Wo liegt die Strecke?
Wo liegt die Strecke?

Der Ehemann, welcher in einem zweiten Wagen hinter seiner Frau fuhr, wurde Zeuge des Attentats. „Meine Frau und das Kind waren von Glassplittern überschüttet, als sie ankamen. Es ist ein Wunder, dass meine Frau nicht gegen einen Strommast gefahren ist. Das war eindeutiger Mordversuch“, berichtete er der Presse.

Foto: INN
Foto: INN

Die Frau und das Kind wurden von den Splittern leicht verletzt.

 

 

Leider war die Meldung es den Redakteuren des Onlineportals YNET nicht wert, um noch bis zum Abend in den aktuellen Nachrichten gelassen zu werden.

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Foto: YNET
Foto: YNET

Die Gedenktafel zum Andenken an Dani Gonen, einen jungen Mann aus der Stadt Lod, welcher am 19.06 dieses Jahres am Wasserreservoir von Dolev in der Binyamin-Region von einem Araber erschossen wurde, ist mit arabischer Schrift beschmiert worden. Die Mutter des Ermordeten äußerte sich: „Es macht mich sehr traurig, aber es überrascht nicht. Wer in der Lage ist, jemanden an einem Wasserbecken zu ermorden, ist auch in der Lage, Gedenktafeln zu schänden.“
(Quelle: YNET)
Fotos: INN,  YNET

„Tage der Rückkehr“

In diesen Tagen, zwischen den zwei heiligsten jüdischen Feiertagen, dem Neujahrestag und dem Versöhnungstag (Yom Kippur), stehen zehn besondere Tage, die sogenannten „Tage der Rückkehr“. In diesen Tagen, so heißt es, ist Gott denjenigen, die Ihm nah sein wollen, und eine Verbindung mit Ihm suchen , nachdem sie diese über das Jahr hinweg erneut verloren oder ihre Wahrnehmung für diese abgestumpft haben, besonders nahe. „Rückkehr“ (Teshuva) ist ein bekanntes und zentrales Konzept im Judentum und impliziert, dass der Mensch – genauer genommen der Jude/die Jüdin – zu ihrem geistigen Selbst und der ursprünglichen Reinheit ihrer Seele zurückkehren, nachdem das Leben und all seine Belange sie in verschiedene Richtungen treiben konnten, die weit entfernt sind von dem, was Gott oder sie selbst eigentlich von sich wollen. Kein einfaches Konzept, und impliziert eine Menge Glauben und Gottvertrauen – etwas, was in der westlichen Welt heutzutage sehr schwer aufzufinden ist, da die Weltansicht des Atheismus und der geistigen Gleichgültigkeit aus Mangel an gebührenden Alternativen grassiert und alles unter sich begräbt.

20150917_204443Wie dem auch sei, überall im Land finden auf Geist und Seele bezogene Veranstaltungen statt – vor allem Vorträge über jüdische Weltsicht und musikalische Events. Auch in Judäa und Samaria, welches mehrheitlich von Juden bevölkert wird, die es mit ihrer Religion und Tradition ernst meinen, finden diese statt.

Tanzende Frauen beim Konzert
Tanzende Frauen beim Konzert

Ein solches Konzert, im Naturpart „Oz veGaon„, bei dessen Aufbau ich vor einem Jahr aktiv dabei gewesen bin, habe ich für euch ein wenig aufgenommen. Hier kann es angehört werden:

 

Die Texte, welche die Musiker, David Litke, Nehemya Litke und Steve Rodan hier singen, stammen aus der jüdischen Liturgie.

וַהֲבִיאוֹתִים אֶל הַר קָדְשִׁי וְשִׂמַּחְתִּים בְּבֵית תְּפִלָּתִי עוֹלֹתֵיהֶם וְזִבְחֵיהֶם לְרָצוֹן עַל מִזְבְּחִי כִּי בֵיתִי בֵּית תְּפִלָּה יִקָּרֵא לְכָל הָעַמִּים.

"Ich werde sie zu Meinem heiligen Berg bringen, und ihnen Freude bereiten in Meinem Gebetshaus. Ihre Gebetsopfer werden auf meinem Altar zu meinem Wohlwollen sein, denn Mein Haus wird ein Haus des Gebetes heißen für alle Völker." (aus Jesaja/Jeshajahu, 56, 7)

זוֹכר חסדי אבוֹת ומביא גוֹאל לְבְני בְניהֶם לְמען שמוֹ בְּאהַבה.

"Er erinnert sich an die Güte der Vorväter und erlöst ihre Kindeskinder um Seines Namen willen mit Liebe", (aus dem Achzehngebet)
Nadia Matar (links) und Yehudit Katzover
Nadia Matar (links) und Yehudit Katzover

Organisiert wurde die Veranstaltung durch die Leiterinnen des Naturparks „Oz veGaon“ und die Vostände der Organisation „Frauen in Grün“/“Women in Green“, Yehudit Katzover und Nadia Matar. Über sie werde ich einmal getrennt berichten.

Enjoy!

50.000+ !

keep-calm-and-mazel-tov-8Jetzt habe ich doch tatsächlich einen Grund, zu feiern. Der Blog „Ich, die Siedlerin“ hat die 50.000-Besuchermarke überschritten!

Danke an alle Leser, Unterstützer, Partner und auch all diejenigen, die auch „unfreiwillig“ durch ihren Besuch zu der Bekanntmachung der Seite und dieser tollen Zahl beigetragen haben! Bleibt also weiterhin dran 🙂

Eure Chaya

Frohes Neues!

Liebe Leser /-innen und Besucher /-innen!

Eine israelische Eiche in den judäischen Bergen.
Eine israelische Eiche in den judäischen Bergen.

Heute ist der Vorabend des jüdischen Neujahrs. Das jüdische Neujahr ist durch die Weisung in der Tora, dem „jüdischen Grundgesetz“, festgelegt, und wird in den ersten beiden Tagen des Monats Tishrey gefeiert, welcher heute abend beginnt. Tausende und abertausende religiöse und strengreligiöse, traditionelle und auch eher säkular ausgerichtete Juden in aller Welt feiern dieses Fest zwei Tage lang, schaffen, so gut sie können, eine Verbindung zu Familie und Freunden, essen Speisen, welche symbolisch für Neuanfang und gutes Glück stehen, beten in der Synagoge und bitten um eine „Einschreibung in das Buch des Lebens“, denn, so besagt der jüdische Glaube, am Neujahr wird die Menschheit als Ganzes und jeder Mensch als Einzelner mit all ihren Taten vor den Schöpfer geführt, und dann wird über deren Schicksal entschieden.

Das jüdische Neue Jahr steht für Neuanfang, aber vor allem auch für Regenerierung, für einen „Restart“ nach einer inneren Abrechnung mit sich selbst und der eigenen seelischen Entwicklung. In der Vorbereitungszeit auf den Feiertag und auch an den Festtagen selbst wird uns Juden die Gelegenheit gegeben, unsere Beziehung zu unserem Schöpfer, der mit uns einen Bund geschlossen hat, zu unseren Mitmenschen und zu uns neu zu definieren und aufzufrischen.

Auf Hebräisch heißt das Neue Jahr „Rosh Hashana“ (wörtl. der Kopf des Jahres)und einer der Wünsche, den man an diesen Tagen ausspricht, lautet „Mögen wir zum Kopf werden und nicht zum Schwanz“, und dazu isst man traditionell einen Fisch- oder Schafskopf.

Was kann man in diesem Wunsch und auch dem Namen erkennen? „Rosh“ bedeutet Kopf. Unsere Entscheidungen, Meinungen, Gedanken und Worte formulieren wir im Kopf. Der Kopf hat die Kontrolle über unser ganzes Wesen, wenn man so will. Er herrscht und ist verantwortlich. In ihm befinden sich die Augen, die uns eine Übersicht über das Geschehen um uns herum ermöglichen und der Mund, der unsere Wünsche und Verlangen formuliert.

„Mögen wir zum Kopf werden und nicht zum Schwanz!“

Mögen wir nicht die Kontrolle über unseren Kopf verlieren und uns zu Taten veranlasst zu sehen, die nicht durch unsere eigenen Gedanken formuliert wurden! Mögen wir nicht die Fähigkeit verlieren, unsere eigenen Gedanken hervorzubringen! Mögen wir unseren Kopf überm Wasser behalten, und unsere Augen nach vorne blicken lassen. Mögen wir selbst mit unserem Kopf vorangehen und anderen ein Vorbild sein, anstatt wie ein Schwanz anderen hinterherzutrotten. Mögen wir mit hoch erhobenem Kopf für unsere Entscheidungen und Meinungen einstehen, anstatt feige den Schwanz einzuziehen. Und keine falsche Scham dabei haben, ab und zu auch das „Köpfchen“ zu benutzen.

Shana tova  – ein gutes Jahr an alle, die es begehen!