Die Initiative liegt bei uns – Caroline Glick diskutiert

Wer den ersten Beitrag nicht gelesen hat: Bitte zum besseren Verständnis hier lesen!


Um den vorherigen Beitrag zum Zionistenkongress am 24.02.15 nicht noch weiter zu verlängern, sind hier im neuen Beitrag die wichtigsten Elemente und Argumente aus der Diskussion der israelisch-amerikanischen, politisch rechtsgerichteten Journalistin Caroline Glick mit dem Gründer der NGO „Im Tirzu“, dem Israeli Ronen Shuval. Der Hauptteil des „Ersten Kongress des Zionistischen Fonds für Israel“ in Jerusalem bestand aus der Vorstellung und Diskussion um Glicks neues Buch, „Die israelische Lösung – ein Einstaatenplan für Frieden im Nahost(heb.Sipuach Achshav). Sein großes Thema – die Verteidigung der Einstaatenlösung als Ausweg für den jüdisch-arabischen Nahostkonflikt. 


Zu Beginn des Kongresses sprechen die Vorstände über die ersten Schritte, die der „Fonds“ schon getan hat, und wieviel noch vor uns allen liegt, weil der „Geist von Oslo (siehe ersten Beitrag)  noch immer in der Luft liegt. „Wir haben weder Europa noch die Millionen hinter uns, aber wir haben den Glauben an die Richtigkeit unseres Weges“ (Dr.Y.Morgenstern).

Es erscheint ein Politiker mit arabischem Akzent auf der Bühne, mir als „Neuling“ nur vom Namen bekannt, aber offenbar sehr beliebt: Ayoob Kara. Eine kleine Recherche hilft weiter: Kara ist Druze,Jahrgang 1955,  Likud-Mitglied und ehemaliger Knesset-Abgeordneter, dazu noch Major im Reservedienst. Eindeutiges zionistisches Profil, wenn man so will, und eine extrem charismatische Gestalt noch dazu. Ayoob spricht von der „Pleite der Oslo-Verträge“, von den Unterstützern und „Schöngeistern der Zwei-Staaten-Lösung“, deren Verkleidung man heute eindeutig erkennen könne, und wenn die PMs Rabin und Olmert damals tatsächlich die Golanhöhen weggegeben oder einen palästinensischen Staat errichtet hätten, „fänden wir uns heute auf dem Flughafen wieder“.  Er spart nicht an Härte in den Worten, und lehnt vehement ein Weiterkauen der „bankrotten Zwei-Staaten-Theorie“ ab. Applaus.

Und jetzt kommt Caroline.  Moderator der Diskussion: Ronen Shuval, Gründer der politischen Bewegung „Im Tirzu“ – zionistisch, kritisch, und meiner Einschätzung nach sehr intelligent. Sie sind beide aus demselben Lager – und kennen wunderbar die Einwände, die man gegen ihre Ideen ausspricht, also ist Ronen in der Rolle des Kontrahenten.

→ Das Geheimnis des Scheiterns der Zwei-Staaten-Idee. 

Caroline Glick und Ronen Shuval
Caroline Glick und Ronen Shuval

Caroline: Die Zwei-Staaten-Ansicht existiert schon 93 Jahre. Ja, offiziell, gibt es sie seit 1993, aber in der Praxis gibt es sie als Lösungsvorschlag schon 93 Jahre, und jedes Mal ist der Ansatz gescheitert, und jedes Mal, wenn er von Neuem versucht worden ist, haben die Juden dafür einen teueren Preis gezahlt. Die Araber hingegen akzeptierten diesen Ansatz schon 1922 (Beginn des britischen Mandats über Palästina und Festlegung einer jüdischen nationalen Heimstätte westlich des Jordanflusses, siehe hier) nicht, und bis heute tun sie es nicht. Wie viele solche, andauernd scheiternde und so alte Ansätze gibt es heutzutage, die aber immer wieder versucht werden? Man redet ja nur über dessen Anwendung, nicht aber, was danach sein wird. Was aber sein wird? Ein Alptraum. Der jüdische Staat wird aufhören, zu existieren.

Ich war eine Offizierin der israelischen Armee in 1994, es war die heiße Zeit der Oslo-Verhandlungen mit der PLO, die Übertragung ziviler Verantwortung von der israelischen Regierung auf die Organisation. Ich war in die Gespräche und die Durchführung der Verhandlungen eingeweiht. Mit mir zusammen war das Verhandlungsteam – gute, qualitative Leute. Ich wurde Augenzeuge des kompletten Einsturzes von jeglichem rationalen Denken, und einer ideellen Unterwerfung. Es war uns allen klar, dass all die Palästinenser, mit denen wir ganz herzlich über ihre Familien bei einer Tasse Kaffee in den Hotels gesessen und geplaudert haben, weiterhin feindliche Aktivitäten unterstützen und fördern würden, gegen den Staat Israel. Es war uns klar, dass kein Frieden hieraus entstehen würden. Aber es herrschte vollkommene Unterwerfung der Leitlinie der Oslo-Verträge.

 Ronen: Mit Oslo sollte doch das territoriale Problem geregelt werden, oder? Meines Erachtens ist das Problem ein theologisches!

Caroline: Problem von Territorien? Nein. Das Problem sind wir, das wollte uns Oslo sagen. Israel „steckt fest“ zwischen dem Jordan und dem Meer, und wenn wir unsere Erwartungen hier verringern und etwas aufgeben, wird es alle Probleme des Nahen Ostens lösen.

Das ist eine kindische Ansicht, und sie ist praktisch nicht durchführbar, aber sie verleiht eine gewissen Kraft, schau: Wenn das eigentliche Problem lediglich von dir abhängt, wirst du definitiv die Zugeständnisse machen und somit alles lösen! Und das ist der Ansatz: Die Schuld liegt nur bei Israel. Und wir haben es mit uns machen lassen und haben diese Schuld angenommen.

Es gibt viele Araber, die es vorziehen, in unserer Demokratie zu leben als unter arabischem Terror. Im Jahr 2000, zur Zeit der 2.Intifada, war jeder 10.Terrorist ein israelischer Araber, obwohl den Stimmungsanalysen nach die Identifikation und die Unterstützung für den Terror auf beiden Seiten der grünen Linie identisch gewesen ist. Aber warum haben tatsächlich nur 10% aktiv daran teilgenommen?

– Israelische Staatshoheit, das ist die Antwort. Nicht wie in Judäa und Samaria. Israel ist hier an der Macht, und die Fähigkeit, den Terror zu stoppen, ist groß, über den Nachrichtendienst, den Shabak (Shin Bet). Und es gibt keine Terrororganisationen, die den Terror noch weiter vorantreiben und die Gesellschaft radikalisieren, wie in den Gebieten.

Ronen: Die Frage der Demografie ist eine Kernfrage des Themas. Wie viele Araber leben in Judäa und Samaria, welche Zahlen werden nicht erzählt? 

Caroline: Auch wenn es dort 6 Millionen Araber gäbe, braucht man die Annektierung. Ich mag den Begriff „Annektierung“ nicht. Es geht um die Anwendung des israelischen Rechts in Judäa und Samaria, genauso wie auf dem Golan. Dabei gibt es Fragen zu klären: wie ist das Recht anzuwenden, wer wird Staatsbürger, was sind die Bedingungen. Aber wenn wir es nicht tun, werden wir nicht weiter existieren können. Der Verteidigungsminister muss das Militärgesetz in den Gebieten aufheben und das zivile Gesetz stattdessen in Kraft setzen. Natürlich muss man darüber nachdenken, wie all das durchzuführen ist, welche Grenzen gesetzt werden etc., aber die Initiative ist in unseren Händen. Wir bestimmen es.

Ronen: Die israelische Gesellschaft hat weniger Sorge vor der arabischen Reaktion auf einen solchen Akt. Es sind drei Faktoren, vor denen sie Angst hat: 1) die demografische Bedrohung – mögliche 30 wahlberechtigte „Hanin Zoabis“ in der Knesset, und die dadurch anwachsende linke Fraktion. 2) die Reaktion der Europäer, 3) die Reaktion der Amerikaner. 

Caroline: Ich glaube nicht, dass alle Palästinenser die Staatsbürgerschaft erhalten, obwohl ich das geschrieben habe. Aber selbst wenn, warum nehmen wir an, dass sie alle antiisraelisch wählen würden?

Erstens, die Dynamik zwischen den Juden und den Arabern würde sich gänzlich verändern, wenn wir die Oberhoheit annehmen und sagen würden, „wir sind hier für immer und gehen hier nicht weg“.

Zweitens, mit diesem Akt der Oberhoheit würde das größte Streitthema innerhalb der jüdischen Gesellschaft neutralisiert werden.

Drittens, ich denke nicht, dass wenn der Staat Israel fest und mutig hinter seinter Entscheidung stehen wird, die Palästinenser allesamt die ultralinken Parteien wählen würden, die im Prinzip nur für die Landesaufteilung existieren?

Mein Ansatz ist der des Integrierens. Lasst uns diesen Arabern etwas Gutes tun. Aber selbst wenn wir nur die C-Gebiete einschließen, so wie das Naftali Bennett und „Habait Hayehudi“ verlangen, werden wir am Ende zur kompletten Annexion kommen. Man muss auch darauf gefasst sein. Das Problem ist aber, wenn wir nur die C-Gebiete annektieren, wird die PLO weiterhin existieren. Die Radikalisierung geschieht durch sie, und solange Israel selbst ihr noch weiter das Existenzrecht vergibt, wandern wir vom Regen in die Traufe.

Ronen: Glaubst du, dass alle, die die anderen Ansichten haben – Zehava Gal-On, oder John Kerry – , werden auf einmal ihre Meinung ändern?

Caroline: Wir haben es mit vielen vergiftenden Kräften in unserer eigenen Mitte zu tun, aber das, was sie stärkt, auch die ganzen post-zionistischen Parteien, das ist die Oslo-Idee, und wir geben dieser eine Existenzberechtigung.

Ronen: Was ist, wenn sich all diese Kräfte vereinen und das Hoheitsgesetz aufheben?

Caroline: Und warum meinst du, dass es ihnen gegenüber kein Gegengewicht gebe?

→ Die europäische Reaktion.

Caroline: Die radikalste Reaktion von allen wird die der EU sein. Die EU hat für nichts eine einheitliche politische Leitlinie, außer wenn es um Politik gegenüber den Palästinensern geht. Im Buch spreche ich darüber, wie man das Gefahrenpotenzial seitens der EU abmildern kann. Das Problem ist, dass wir die Beziehung zu den Europäern wie einen „Roman“ betrachten. Wir gehen  diese Beziehung emotional an, aber es gibt dort keine Emotionen.

Wir müssen verstehen, dass die Völker in Europa antizionistischer sind als die Regierungen, und in den USA unterstützt uns das Volk viel mehr als seine Regierung. Wir müssen unsere Handlungen abwiegen, und nach Interessen handeln, und darauf auch unsere Beziehung zur EU stützen. Denn die Reaktion ist eindeutig: Boykott. Daher müssen wir schauen, inwiefern die Europäer von uns abhängig sind, und Schadensbegrenzung betreiben: So ist zum Beispiel der britische Medikamentenmarkt von der isr.Firma „TEVA“ abhängig und er wird zusammenstürzen, wenn es einen Boykott gibt. Zudem müssen wir unseren Markt auf andere Länder ausweiten.

Schau, die offizielle Leitlinie Israels ist eine Unterstützung der 2-Staaten-Lösung, und dennoch sind wir schon jetzt einem gewissen wirtschaftlichen Boykott seitens der EU ausgesetzt. Israelische Handlungen haben keinen Einfluss auf die Reaktionen der EU, denn sie handeln nach ihren eigenen Interessen. Die Pathologie der Beziehung zwischen Israel und Europa ist bei Europa zu finden, nicht bei Israel.

Was ist mit dem Gazastreifen?

Caroline: Der Gazastreifen ist für mich nicht im Gespräch drin. Es gibt keinen Grund, wieso Gaza den selben Stellenwert haben sollte wie Judäa und Samaria. Wir haben uns aus Gaza zurückgezogen. Der rechtliche Anspruch auf Gaza ist schwächer geworden, obwohl es in der Festlegung von 1922 mitenthalten ist. Aber auch wenn wir den rechtlichen Status von Gaza ändern würden, und das israelische Recht darauf ausweiten würden, ich bin nicht sicher, was es uns bringen würde. Gaza   – das ist der direkte Zugang für die Jihadisten, die Verbindung zum Sinai. Die arabische Gesellschaft im Gazastreifen ist anders als die in Judäa und Samaria. Ich habe im Sommer 2014 die Wiedereroberung von Gaza nicht unterstützt, und ich sehe keine nationale oder strategische Bedeutung darin, Gaza wieder an Israel anzuschließen, so wie man das mit Judäa und Samaria tun muss.

Zionistenkongress, Version 2015.0

Nichtregierungsorganisationen, oder kurz NGOs, welche sich um das Wohl und die Zukunft von Staat und Gesellschaft sorgen, gibt es in Israel bekanntlich viele. Vor allem „boomt“ das Geschäft von politisch orientierten NGOs, denn der Nahostkonflikt ist einer der meistbesprochenen Konflikte der modernen Geschichte seit der Gründung des Staates Israel in 1948. Dabei reduziert sich der „Nahostkonflikt“ fast ausschließlich auf den territorialen Streit zwischen den (jüdischen) Israelis und den Arabern, namentlich den Palästinensern, und auf das Verlangen nach einem Palästinenserstaat.

Buch von Caroline Glick, wörtl. "Annektierung jetzt", angelehnt an den Slogan der linken Bewegung "Frieden jetzt".  Darunter: die hebr.Ausgabe von T.Tenenbaums Buch "Allein unter Deutschen"
Buch von Caroline Glick, wörtl. „Annektierung jetzt“, angelehnt an den Slogan der linken Bewegung „Frieden jetzt“.
Darunter: die hebr.Ausgabe von T.Tenenbaums Buch „Allein unter Deutschen“

Am 24.02.2015, fand zu diesem Thema im Menachem-Begin-Center in Jerusalem die Initiative einer NGO statt, der sogenannte „Erste Kongress des Zionistischen Fonds für Israel„, bei welchem auch die Journalistin, Publizistin und Autorin Caroline B.Glick (bekannt aus der Jerusalem Post? LATMA TV-Parodien? usw.) ihr neu ins Hebräische übersetzte Buch Die israelische Lösung – ein Einstaatenplan für Frieden im Nahost vorstellte. Es folgte eine hochspannende Diskussion zwischen ihr und dem Gründer einer weiteren, nennenswerten Organisation statt – „Im Tirzu“ -, und ich möchte euch unbedingt davon erzählen, da es höchste Relevanz für das Thema Siedlungen und „besetzte Gebiete“ hat.

Vorstand der Verwaltung  der Gusch-Region, Davidi Perl, rechts
Vorstand der Verwaltung der Gusch-Region, Davidi Perl, rechts

Auf dem Kongress fanden sich an die 200 Leute ein (keine genaue Angabe). In der Menge, die um die Stände herumwanderte, Kaffee trank und sich angeregt unterhielt, waren viele zentrale Figuren der nationalreligiösen Szene zu erkennen: Der Vorstand der Gusch-Etzion-Regionalverwaltung Davidi Perl, die mir gut bekannten „Women in Green“ – Yehudit Katzover und Nadia Matar, Journalisten, natürlich der Herausgeber von C.Glicks Buch, der schon Tuvia Tenenboms „Allein unter Juden“ in Hebräisch in die Welt gebracht hatte, und andere mehr. Es waren viele junge Gesichter zu erkennen – eindeutig keine alte-Leute-Veranstaltung.

Ich habe meinen Bericht etwas unterteilt, wer will, kann die verschiedenen Rubriken überspringen und zu den gewollten gehen, einfach draufklicken:

1) Knappe Vorgeschichte der 2-Staaten-Affäre

2) NGOs für Zionismus

3) Caroline Glick diskutiert


 

Knappe Vorgeschichte der 2-Staaten-Affäre

Wenn wir uns ein wenig auf die Vorgeschichte des Territorialkonfliktes rückbesinnen, so kommen wir spätestens auf den zentralen Beschluss der UNO-Versammlung in 1947, bei welcher die Teilung des damals britischen Mandatsgebiets Palästina in einen jüdischen und einen arabischen Staat vorgegeben wurde.

Als die jüdische Repräsentanz der Teilung zustimmte, lehnten die arabischen Vertreter im Mandatsgebiet den Teilungsplan ab. 1949 dann, am Ende des Unabhängigkeitskrieges von Israel gegen Irak, Syrien, Jordanien, Saudi-Arabien und Ägypten stand Israel als Sieger gegenüber den 5 arabischen Staaten und hatte auch wichtige Gebiete, die im Teilungsplan nicht vorgesehen worden waren, unter Kontrolle (darunter den Negev und Galiläa), verlor aber Judäa, Samaria, Gaza und Ostjerusalem inklusive der ersten jüdischen Ortschaften und Ansiedlungen dort an die jordanische Armee. Im Sechs-Tage-Krieg 1967 wurde dieser Verlust bekanntlich rückgängig gemacht, die israelische Armee eroberte den Gazastreifen, die Berge Judäas und Samarias bis zum Toten Meer/dem Jordan und Ostjerusalem und beendete die jordanische Herrschaft. Das war die Geburtsstunde des Siedlungsaktivismus in den eroberten, aber nicht zum offiziellen Staatsterritorium erklärten Gebieten, welche rechtlich gesehen als Niemandsland galten.

Wenn ich absolut ignorant über 30 Jahre vibrante israelische Geschichte hinwegfege und den Fokus auf das Jahr 1993 lege  – in diesem Jahr wurden die sogenannten „Osloer Verträge“ geschlossen. Für die einen ein politischer Segen mit einem großen Stück Hoffnung garniert, für andere eine historische Katastrophe, deren Folgen schon absehbar sein würden. Bei diesen zwischen der damaligen PLO (Palästinensische Befreiungsorganisation) und der israelischen Regierung unter Yitzhak Rabin geschlossenen Verträgen (erneut, sehr grob zusammengefasst) wurde beschlossen, die 1967 von den Jordaniern eroberten Gebiete an die Palästinenser zu geben – Judäa, Samaria, Gazastreifen und auch die Golanhöhen im Norden. Für die Verhandlungen und die Verträge gab es 1994 den Friedensnobelpreis – an Yitzhak Rabin, weil er die Abgabe bereit war, durchzuführen, an an PLO-Chef Yassir Arafat, weil er sich offiziell bereit erklärte, Frieden zu schließen (man merkt vielleicht, ein gelinde gesagt etwas ungleicher Tausch).

Diejenigen, die israelische Geschichte ein wenig mehr in die Tiefe studiert haben, wissen, dass Yassir Arafat den Terror nicht abgeschworen hatte; nach der Ermordung Rabins 1995 folgte eine blutige Terrorzeit seitens der Araber gegen Israelis bis hin zur 2.Intifada; die Landabgabe fand nicht statt bis 2005, als Premierminister Ariel Sharon den unilateralen Rückzug Israels aus dem Gazastreifen beschloss und dafür tausende von Juden aus den dort florierenden Ortschaften – bekannt als Gush Katif – vertrieb und entwurzelte. Das Ausmaß des Friedens lässt sich an dem Wahlsieg der Terrororganisation Hamas, dem Raketenbeschuss in Richtung Süd- und Zentralisrael und den Militäroperationen gegen den Terror 2008-09, 2012 und 2014 erkennen.

Das Gebiet von Judäa und Samaria steht schon über 40 Jahre unter israelischer Militärverwaltung bzw. Oberhoheit, wobei es in die Gebiete A/B/C unterteilt ist, von welchen in Gebieten A und B die PLO, heute auch Palästinensische Autonomiebehörde genannt, mehr oder weniger autonom verwaltet. Gebiete C sind unter israelischer Kontrolle, allerdings gilt das gesamte Territorium rechtlich als umstrittenes Gebiet und im internationalen Pressejargon „besetztes Gebiet“ oder heutzutage gar auf gänzlich absurde und realitätsferne Weise „Palästinenserstaat“ (wieso absurd? Mehr dazu später unter Problemzonen).

NGOs für Zionismus

Zurück zu den Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Was politische NGOs in Israel angeht, so gibt es davon viele mit relativ linker politischer Ausrichtung und gut abgesicherter finanzieller Basis, dank massiver Unterstützung durch Geldquellen aus Europa und den USA. (Meine Empfehlung? Mehr zum Thema kann man am Besten über das Buch „Allein unter Juden“ von Tuvia Tenenbom erfahren und wird dabei noch unterhalten.) Israel wäre aber kein demokratischer Staat, wenn diesen NGOs nicht die Organisationen der gegensätzlicher Natur Paroli bieten würden. Sie sind wesentlich weniger im Alltag und den Medien präsent (wieso? Das erklärt Caroline Glick im nächsten Abschnitt). Sie haben erheblich weniger finanzielle Mittel, und bisweilen so gut wie keine, sie stützen sich auf viele freiwillige Aktivisten und das Internet. Eine internationale Bedeutung bzw. eine Stimme irgendwo im westlichen Raum haben die meisten keine, und die Beziehungen zu den Großorganisationen wie der EU oder UNO, sofern sie bestehen, sind ziemlich negativ belastet. In deutschem „Fachjargon“ ist von ihnen, ebenso wie von der Partei „Jüdisches Heim/Habait Hayehudi“, dem „Likud“, dem Wirtschaftsminister Naftali Bennett, dem Außenminister Avigdor Liebermann, und gar Premierminister Benjamin Netanyahu, als von „rechten„, „ultrarechten„, „nationalistischen„, „ultranationalistischen„, „extremen“, „jüdischen rechtsextremen„, „Hardlinern„, „Falken“ und was noch nicht alles Parteien und Organisationen die Rede. Eine ganze nichtssagende, aber zugegeben gruselige Vokabular-Palette wird auf sie verwendet – wie übrigens auch auf „die Siedler“ (ein wenig in deutscher und internationaler Presse bewandert sein klärt auf – mein Tipp). Was und wer hinter den Worten steht, wird nicht erklärt, die Begriffe stehen im Raum, die Attribute sind verteilt, alles unter Kontrolle.

Worum geht es diesen NGOs, von welchen ein wichtiger Teil beim „Ersten Kongress des Zionistischen Fonds Israels“ erschien? In einem Satz – sie setzen sich ein für (Wieder-)Aufbau eines jüdischen,  demokratischen Bewusstseins innerhalb der israelischen Gesellschaft und gegen einen arabischen Staat in Israels Mitte. Somit wäre auch erklärt, was denn mit „Zionismus“ genau gemeint ist -entgegen beispielsweise der Nutzung des Begriffs durch die linken Parteien im aktuellen Wahlkampf: Zionistisch, das ist treu dem historischen Land Israel (Zion) gegenüber, das ist Jerusalem als ewige Hauptstadt des jüdischen Volkes, das ist Einwanderung nach Israel aus dem weltweiten Exil, das ist traditionsreiches jüdisches Bewusstsein, das ist Pflege der eigenen Identität im Nahost, und das ist 100%-ige Selbstbestimmung in allen Bereichen des Lebens. Es ist auch der Widerstand gegenüber linken, identitätsschwächenden, kritischen, diffamierenden, antisemitischen oder einfach einem Nationalstand fernen Ideologien von innen und außen.

Da ist zum Beispiel der Verein „Ein Schritt nach rechts“, welcher in seinem Flyer behauptet, dass gerade die zionistische, für israelische Begriffe rechte Ideologie die beste Wahl für die Zukunft des Landes darstellen, und dass die allseits bekannten, in der Öffentlichkeit vertretenen linken Ideologien schon veraltet sind und keine Relevanz für die Gegenwart der Gesellschaft haben.

Die Organisation „Israel Europe Freedom Center“ setzt sich für eine Aufbesserung der Verhältnisse zwischen Israel und den europäischen Ländern und Politikern ein (so auch in Deutschland!), sorgt sich um das öffentliche Bild Israels in den Medien und der Gesellschaft, kämpft gegen Boykott-Bestrebungen wie das der BDS-Bewegung, organisiert Projekte und Seminare für Studenten.

Das „Nahum Bedein Center“ für Analyse von Nahostpolitik konzentriert sich auf arabische Presse, untersucht und stellt die dort verbreitete Anti-Israel-Agitation bloß und unterhält Beziehungen zu den Parlamentsmitgliedern in Amerika und Kanada.

Die offizielle Verwaltung von Judäa und Samaria war durch verschiedenes Infomaterial an den Ständen vertreten, vor allem mit einem sehr informativ und modisch gestalteten Heft, in welchem schrittweise erklärt wurde, wieso Judäa und Samaria „unsere“, „nützliche“ und „möglich zu machende“ Gebiete sind und welche Ziele mit einer Eingliederung dieser in den Staat erreicht werden können.

Die Jungs von "Eretz Zvi"
Die Jungs von „Eretz Zvi“

„Eretz Zwi“ (Geliebtes Land): vor einem Jahr gegründete Jugendorganisation von jungen religiösen Schülern aus Sderot. Die Jungs haben sich zum Ziel gesetzt, vor allem das zionistische Bewusstsein und die innere Verbindung zum Land zu bestärken, die jüdische Bevölkerung zu informieren, weshalb es für alle wichtig sein solle, dass die von der Regierung nicht anerkannten Gebiete zu Israel gehören sollen. Mit einer Überzeugung, die den jungen zionistischen Bewegungen vor der Gründung des Staates Israel in nichts nachstehen würde, wären nur die Mittel und die Interessenten etwas zahlreicher. Seminare, öffentliches Auftreten bei Veranstaltungen, Demonstrationen, Kontakt mit anderen Aktivisten per Whatsapp – das alles machen sie mit viel Elan.

2000-02-06 22.46.03Und schließlich noch die Dachorganisation, welche das ganze Event auf den Plan gerufen hat: Der „Zionistische Fonds für Israel“, unter der Leitung von Lior Shurka, Dr.Yuval Morgenstern, Natan Werter und Yisca Bina. Sie wollen die kleineren NGOs und Bewegungen unter sich vereinen, finanziell und medial unterstützen, Rechtsbeistand anbieten und eine Art „Gewächshaus für zionistische Start-Ups“ darstellen (was hierbei zionistisch heißt, haben wir ja zu Beginn des Abschnitts geklärt). Im Prinzip ist diese Veranstaltung ihr erstes Coming-Out, bisher habe weder ich, noch andere, in der Szene weitaus mehr bewanderte Figuren von der Organisation gehört. Aber sie bemüht sich, und ist eindeutig in der Lage, die Kleineren unter ihr zu vereinen – das allein schon ein großer Fortschritt.

 

⇒ Weiter zum Kongress und Caroline Glick’s Diskussion: hier klicken. 

Frau, Studium, Karriere

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Logo des Herzog-Instituts. Auf dem Logo – die „einsame Eiche“, ein Symbol von Gush Etzion. macam.ac.il

Zurzeit mache ich unter anderem eine Ausbildung am Herzog-Institut. Institute hier in Israel sind höher im Rang als in Deutschland die Fachhochschulen, und werden als „intimere“ Alternativen zu einem akademischen Studium im Universitätsrahmen gesehen. In Israel gibt es hunderte solcher Institute, kleinere Einrichtungen mit einer geringeren Anzahl von Studierenden, die spezialisiert sind auf bestimmte Themen. An den einen wird reguläres akademisches Studium angeboten, an anderen gibt es Ausbildungszertifikate für bestimmte Fächer. Teilweise sind die Bedingungen optimiert für bestimmte Gesellschaftsgruppen, welche an einer homogenen Umgebung interessiert sind. So gibt es Institute nur für Frauen und nur für Männer, welche gerne von religiösen Juden besucht werden; manche davon sind speziell für charedische (sprich: ultraorthodoxe) Ausrichtungen gedacht. Es gibt technische Institute, Institute für Erziehungswissenschaften, Fotografie und Film, Kunst, Rechtswissenschaften, alternative Medizin und vieles mehr.

Was mich immer fasziniert hat, und woran ich mich noch immer nicht gewöhnen kann (und um ehrlich zu sein – manchmal noch immer stoße), ist die außergewöhnliche Anzahl von religiösen Instituten für Frauen, welche einen B.A. und M.A. in Erziehungswissenschaften anbieten. Einige wenige von ihnen befinden sich in Judäa und Samaria – so die ‚Michlelet‘ (heb. für Institut) „Orot Israel“ in Elkana (Samaria) oder auch meins, Michlelet „Herzog“ in Alon Shvut (Judäa). Das Publikum an diesen Instituten kommt zu einem überwiegenden Teil aus den nationalreligiösen Kreisen, viele von den Mädchen aus Jerusalem, aber vor allem auch aus den Siedlungen in Judäa und Samaria. Andere kommen auch aus anderen Landesteilen. Erziehung ist da extrem populär, und das in einem Spektrum, welches von der Ausbildung zur klassischen Lehrerin für Mathematik, Geschichte oder Hebräisch über das sehr beliebte Gebiet von therapeutischem Tanz und Sport bis zu nichtformaler Erziehung reicht. Nicht formale Erziehung hier vermischt sich ein wenig mit Sozialarbeit. Junge Frauen besuchen Kurse, bei welchen sie mit schwerbehinderten Kindern zu arbeiten lernen; das Unterrichten von schwererziehbaren Kindern und Jugendlichen, ADHS-betroffene Kindern, Legasthenikern, Kindern mit schwachem sozialen Hintergrund und desgleichen mehr ist sehr gefragt.  Auch das Lernen von Tora, jüdischer Philosophie und Geschichte des Landes Israel.

Das sind zumeist sehr junge Frauen, gerade frisch vom „National-/Zivildienst“, den sie ein oder zwei Jahre an verschiedenen Orten und in verschiedenen Organisationen gemacht haben, vielleicht danach noch ein Jahr gearbeitet oder vom angesparten Geld in der Welt gereist.

Und ganz oft sind sie schon – verheiratet.

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Quelle: Michlelet Orot Israel, orot4u.com

Das ist etwas, was mich noch immer in Staunen versetzt, ich komme nicht drum herum. Ich habe in einer Einrichtung für religiöse Mädchen gelernt, ‚Midrasha‘ nennt sich das (das etwas oberflächlichere Äquivalent zu einer Jeshiva für Jungs), jüdische Philosophie und Denken gelernt. Dort hatte ich viele Mitschülerinnen aus Judäa und Samaria, und die meisten waren direkt nach dem Zivildienst da, und spätestens anderthalb Jahre nach Abschluss des Lernprogramms war mehr als die Hälfte aus meinem Kurs schon verheiratet oder verlobt. Ich bekomme alle zwei Monate Nachrichten und Einladungen zu Hochzeiten von meinen Kursmädels. Wir sind alle ungefähr im selben Alter – 21 bis 25. Die frischen Ehemänner sind auch in etwa demselben Alter, teilweise älter – dennoch. Und so wie sie, so sind es auch viele Mädchen in den Instituten. Frisch, jung gekleidet, mit eindrucksvollen Kopfbedeckungen zumeist in Turbanform mit verschiedenfarbigen Tüchern, Clips, Spangen verziert, modisch abgestimmt mit Rock und Bluse oder aber bunt zusammengeworfen. Manche lassen viel Haar aus der Kopfbedeckung hervorlugen, andere mögen es strickt und verdeckt. Ein ganz normaler Anblick am Morgen oder zur Mittagspause – und manche der Mädchen sind auch sicherlich um ein paar Jahre jünger als ich, und einige haben auch gewiss schon Kinder, die daheim bei der ebenso jungen Großmutter warten.

Und ich laufe daneben, und schaue die Studentinnen mit einer Mischung aus Unglauben, leichter Entfremdung aber auch einer gewissen Portion von Neid an, dass sie selbst gar nichts Befremdliches darin sehen, und dass die Gesellschaft, in der sie aufgewachsen und erzogen worden sind, sie ermutigt, die Werte von Familie und Wissenserwerb gleichermaßen hochzuhalten und sie spielerisch miteinander zu vereinen, und die Mädchen lernen, in beiden Welten zu leben. Ja sogar sehen sie keine Teilung zwischen den beiden; und sowohl in jungem Alter eine Familie zu gründen, als auch zu lernen und zu arbeiten ist für die Frauen national-religiöser Orientierung eine Selbstverständlichkeit.

Ja, Erziehungswissenschaften, jüdische Philosophie, Kinder, grafische Gestaltung und Sozialarbeit sind viel beliebter bei diesen Mädchen als Medizin, Computertechnik, Business oder Archäologie, aber erstens finde ich es persönlich wunderbar, wenn die Erziehung der jungen Generation in den Händen von intelligenten, lebenslustigen und einfühlsamen jungen Frauen mit Kindererfahrung ist, und zweitens gibt es auch wachsendes Interesse, in neue Gebiete vorzudringen. Es lässt sich erhoffen, dass auch andere Gruppen unserer Gesellschaft diese Taktik adoptieren und das Neue erobern, ohne das Bekannte und Gewohnte aufzugeben.

(⇒ Webseite zu Instituten in Israel. http://www.michlalot.co.il/)

NEWS: Moschee angezündet?

Heute morgen ging bei Walla!-News die Meldung ein, in der Nähe der Stadt Beitar Illit und dem Vorposten Gva’ot, Judäa, sei eine Moschee angezündet worden. Hasssprüche wurden auf die Wand gesprüht und die Einwohner haben das Feuer löschen können.
Offenbar gab es auch vor einer Woche einen absichtlichen Brand in einem arabischen Olivenhain südlich der Stadt Hevron, bei Mitzpe Yair.
Die Polizei untersucht den Fall auf „Price-Tag“-Verdacht seitens jüdischer Siedler. Die arabische Bevölkerung beschuldigt in beiden Fällen die Siedler.

Die Moschee befindet sich in Gaba‘.
Hier die Meldung (hebräisch): Meldung und Bilder

Dazu muss man sagen, dass Berichte von Attacken auf arabisches Eigentum, Moscheen etc angeht, so gab ist schon in der letzten Zeit, sowie auch schon zuvor, leider die Fälle, als Verbrechen gegen dieses für rassistische Attacken seitens Juden ausgegeben worden sind. Hassattacken auf Autos und Moscheen gehoeren leider teilweise zur Taktik extremer Aktivisten, rufen sie jedoch empörte und entsetzte Reaktionen in der israelischen Öffentlichkeit und großangelegte Entschuldogungskampagnen der israelischen Regierung an den Plan.
Die internationale Berichterstattung zu solchen Vorkommnissen ist unbarmherzig in ihrem Geisseln der Attacken, zumeist auch auf den ersten Seiten der Nachrichtenausgaben, und hallt lange nach.

Vor wenigen Monaten allerdings gab es eine interessante Demonstration, dass es auch ganz anders geht, und weitaus „nicht alles Gold ist, was glänzt“:
Am 12.November 14 berichteten sämtliche Newsoutlets international über eine chemische Brandattacke gegen eine Moschee im Dorf AlMughayer. Die Moschee und die heiligen Bücker darin wurden sehe beschädigt. Das Urteil der Dorfbewohner und der Pal.Autonomiebehörde war klar: Es waren Siedler.

Die Untersuchungen israelischer Behörden liefen auf Hochtouren. Ausgerechnet die linksideologische Zeitung Ha’aretz berichtete als Erste über den Befund der Feuerwehr und der Untersuchungsteams: Das Feuer war Resultat eines Kurzschlusses, verursacht offenbar durch ein Heizungsgerät. Keine Spuren von Hassgraffiti, Chemikalien etc.

Das „Kommittee für Korrektheit in Nahost-Berichterstattung in Amerika“ (CAMERA.ORG) verfolgte die Newsausgaben, um zu sehen, wer die Resultate aufgreifen und den Bericht korrigieren wuerde.
Ergebnis: AP, New York Times, Los Angeles Times korrigierten den Bericht, teilweise nach Korrespondenz und Nachhaken seitens CAMERA; AFP – französische Agentur – korrigierte erst sehr spät; Reuters – britische Agentur – wurde angeschrieben, reagierte aber nicht und postete kein Update.
Bericht auf Englisch hier

Soviel dazu.
Ich hoffe nur, dass auch diese Tat sich als Farce erweist, und wenn ja, dass darüber auch berichtet wird….

Gerd Buurmann: Die volle neutrale Einseitigkeit

Der folgende Beitrag ist nicht nur aufgrund seiner Eindeutigkeit und Klarheit und Faktennutzung lesenswert, sondern auch, weil er das Thema Siedlungen, Westjordanland und illegale jüdische Siedler behandelt – und selbstverständlich ist die Berichterstattung zu diesen Themen und ihre Analyse immer relevant.
Bühne frei für Gerd Buurmann…

Tapfer im Nirgendwo

Wenn es um den Nahostkonflikt geht, wird stets Neutralität angemahnt. Diese Neutralität gibt es jedoch nicht. Der ganze Diskurs ist durchtränkt von Begriffen, die zwar mittlerweile als neutral verstanden werden, aber in Wirklichkeit einseitig gegen Israel Partei ergreifen. Tapfer im Nirgendwo präsentiert ein paar dieser Begriffe.

Westjordanland oder West Bank

Das sogenannte Westjordanland liegt westlich von Jordanien und östlich von Israel. In Jordanien wird das Gebiet West Bank genannt, da es das westliche Ufer vom Jordan ist. In Israel heißt das Gebiet jedoch Judäa und Samaria. Der Begriff West Bank wurde erst im 20. Jahrhundert von Abdallah ibn Husain I. erfunden. Die Begriffe Judäa und Samaria jedoch haben biblischen Ursprung.

Wer Israel delegitimieren will, tut gut daran, die Begriffe Judäa und Samaria zu meiden, da sie schon dem Klang nach verraten, was nicht zu leugnen ist: Das jüdische Volk ist das älteste noch heute existierende Volk im Nahen Osten, mit…

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In eigener Sache

Da habe ich doch ein wenig nach mir gegoogelt – und diese interessante Diskussion in einem Forum gefunden: http://www.pharus-forum.de/t5549f9-Die-Siedlerin-aus-Judaea.html

Eine Teilnehmerin des Forums (aus Jordanien, nach Ortsangabe) meint im Hinblick auf die Beiträge meines Blogs, „eigentlich ein bisschen enttaeuschend, diese sympathisch wirkende Dame, obgleich – so gaenzlich unerwartet ist es nicht, dass sie es nicht auf den Punkt brachte, wo und wie das Problem gelagert ist.“

Sie gibt zu, ein wenig mehr über das Trampen zu erfahren, und aus diesem Grund nimmt sie sich ausgerechnet Uri Avnery zur Hilfe, der sich zu der Entführung der drei Jungs Eyal, Gil-ad und Naftali äußert – und wie sich äußert!: (Zitat der Teilnehmerin Samar)
„…er habe verschiedene Leute auf der Strasse die drei vermissten jungen Siedler verfluchen gehoert, wegen ihrer stupiden Arroganz, stehen das im Dunkel der Nacht, mitten in den besetzten Gebieten und klettern in einen fremden Wagen.“

Etwas Klügeres, Aussagekräftigeres und vor allem Authentischeres als das hätte sich Avnery nicht aussuchen können?
Und wenn der radikal-linke, als Selbsthasser und vor allem auch Siedlerhasser bekannte Uri Avnery, zur verlässlichen Quelle der Forumsteilnehmerin gehört – was kann ich schon dagegen ausrichten?

Was ich allerdings verlauten lassen wollte, ist, dass wahrscheinlich einige meiner Seitenbesucher die Zielsetzung meines Blogs missverstehen. Der Blog DIESIEDLERIN.NET ist nicht explizit dazu da, um Probleme zu suchen und zu zeigen, „wo und wie sie gelagert“ sind, und mit Recht: Ich bin kein Nahostexperte und möchte mich nicht als einer ausgeben.
Mein Blog ist zuallererst dafür da, um eine authentische Stimme direkt vom Ort des Geschehens an die deutschsprachige Öffentlichkeit zu bringen. Um das „Phänomen der jüdischen Siedlerbewegung“ aus erster Hand zu zeigen. Dazu gehören die Interviews, die Videos, die Bilder, der Einblick in Alltag und in besondere Vorkommnisse, Gesellschaft, Tradition, Religion und mehr. Ja, dazu gehören auch die Probleme, und die Beziehungen mit dem arabischen Nachbarn, und mit den israelischen Linken, und mit der siedlerablehnenden internationalen Öffentlichkeit. Aber sie sind wahrlich nicht das Hauptthema des Blogs. Über Probleme wird genug diskutiert, und es ist nicht meine Aufgabe, über die Lösungen zu streiten, zumal es nichts bewirken wird. Über die Probleme gibt es zu Genüge Artikel und Meinungen – nicht aber über das Leben von Juden in Judäa und Samaria, nichts über ihre Errungenschaften, ihre Gesellschaft, ihre Geschichte, ihre Musik, ihre Kultur, ihre Meinungen usw.

Die Siedlungen sind, zumindest was die Gegenwart betrifft, Realität. Sie stehen da, und die meisten von ihnen sind auch komplett rechtlich abgesichert, dort leben reale Menschen, von denen die meisten sich nicht so einfach mehr vertreiben lassen werden wie damals, 2005 aus Gaza/Gush Katif. Sie werden von dem Staat unterstützt, dort werden Bauprojekte realisiert, die Bewohner werden beschützt. Und ganz ehrlich? Meiner Überzeugung nach ist ihr Recht auf Existenz genauso wenig diskutierbar, wie das Recht auf die Existenz des Staates Israel. Natürlich können Wohl- oder Unwohlmeinende darüber diskutieren, wie viel sie wollen, und ich stehe sehr für freie Meinungsäußerung ein. Aber die Zielsetzung meines Blogs ist eben nicht dieses Thema, sondern ich habe mir vorgenommen, ein Fenster in die Welt von Judäa und Samaria  für die deutschsprachige Öffentlichkeit zu schaffen – und das Ziel werde ich auch weiter verfolgen.

Wer aber möchte, kann mich immer anschreiben und Fragen stellen – das ist etwas Wunderbares, zeugt es doch von Interesse!

Jedem sein Spaß

Wozu man den Schnee so alles nutzen kann….

Eilmeldung der lokalen Nachrichtenagentur „Tazpit“: Arabische Jugendliche bewerfen die jüdische Siedlung Beit El in Samaria mit Steinen, welche sie zuvor als Schneebälle getarnt haben.

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Foto: Hillel Meir, "Tazpit"

Von derselben Agentur:
Foto von Schneemann, welcher von Jugendlichen in Esh Kodesh, jüdischer Ortschaft in Samaria, gebaut wurde.

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Foto: Aharon Katzuf, "Tazpit"

Jedem sein Spaß, wie man sieht….

Schneesturm – 100 Meter ums Haus

"Ja können denn des Südens Kinder
Dort, wo der Rosen froher Schein
Selbst im Dezember noch hervortritt
Wo es kein Wort für Sturm zu geben scheint
Ja, können sie auch nur in etwa
Für einen kurzen Augenblick
Auch nur erraten, wie die Sehnsucht
Nach Frühling schier das Herz zerdrückt?
Von sturem Eis und eisig' Trotz umgeben
Vor Schneegestürm ganz steif und blind
Sah'n wir, das, was schon kaum zu sehen - 
Den fernen, grünen Frühlingsblick."
(Nach einem Lied von Ilya Erenburg, übersetzt aus dem Russischen: Chaya Tal)

Drei Uhr morgens. Ich sitze unter meiner warmen Decke, daneben die Katze zusammengerollt. Draußen, so den Geräuschen nach zu urteilen, spielt sich das Szenario von „leise rieselt der Schnee“ ab. Der kräftige Sturm von heute abend ist nicht abgeflaut, und die Wege und Vorgärten der Wohncontainer wurden, dem letzten Stand nach, von einer kleinen, aber feinen Schneeschicht bedeckt. Der Schnee häufte sich immer weiter auf, bis der Nachbar schließlich beschloss, von seinem kleinen Plastiklagerhaus das Dach von der Schneeschicht freizuräumen.

Das war heute Abend. Und wie ist die Lage jetzt?

Ich klettere aus dem Bett, schließe die Tür auf und will sie vorschieben – sie gibt nicht nach. Kann es denn sein? So viel Schnee? Ich blicke verblüfft auf die Außentreppe zu meiner Eingangstür. Tatsächlich. Der Schnee, trotz seinen vielleicht 30 cm, versperrt mir die Tür! Mit einem Drücken schiebe ich die Schneemasse zur Seite. Der Gehweg ist nicht mehr zu erkennen, und ein riesiges Schneekissen häuft sich auf meinem Gartenstuhl. Hier ist sie, die versprochene „weiße Welt“ der Wetterprognosen für Ende Februar. Morgen soll die Pracht schmelzen, wer wird sie dann noch zu sehen bekommen?

Auf dem kleinen Lagerhaus ist eine beachtliche Schneeschicht. Auch mein Dach wird diesem wohl in nichts nachstehen. Freiräumen ist angesagt – schon vergessen, wir leben in Leichtbauten aus Paniermehl- und Gipsplatten! Wenn mir das Dach durchbricht, was mache ich dann mit meinem schönen Heim?

Mit Besen bewaffnet und mit Jacke, Mütze, Handschuhen, Schal und gigantischen Gummistiefeln ausgerüstet, trete ich den Sprung in den Schnee an. Weiße Wildnis, erhellt von den Signallampen an den Karavans, empfängt mich. Der Wind hat nicht aufgehört. Kalter, harter Schnee trifft mich ins Gesicht, wie tausend Nadelspitzen fühlt er sich auf meiner Haut an. Die Luft ist erfüllt vom Brausen des Windes. Ich mache erst den Hauseingang frei; meine Treppe wird zu einer Schneerutsche. Dann klettere ich 20150220_04140620150220_041607auf einen Stuhl, um besser das Dach des Nachbarlagerhauses abräumen zu können. Auch wenn der Nachbar, um diese Zeit hoffentlich genüsslich schlafend, gar nichts von meiner Aktion ahnt. Bis zum eigentlichen Containerdach komme ich leider nicht hoch. Mir bleibt nichts weiter übrig, als auf amerikanische Bauqualität zu vertrauen.

Aber ich bin noch nicht fertig. Der Schnee reicht mir bis zur Schienbeinmitte, die Stiefel versinken im unberührten, weichen Schnee (klar, unberührt, um diese Uhrzeit!). Der Wind schlägt den Schnee unbarmherzig ins Gesicht, aber wofür sind Brille und Schal da? Notdürftig das Gesicht verdeckt, mache ich mich auf zum Hauptweg, bei der Synagoge. Ich will den Schnee nicht verpassen. Nur 100 Meter um 20150220_041754das Haus herumgehen, viel wird es ja nicht sein…

Den Besenstock fest umschlungen, stampfe ich den Weg hoch. Unter mir eine feste Schneeschicht. Die Brille wird unaufhörlich beschlagen, ich sehe kaum noch etwas. Der Wind wird stärker. Sich umdrehen ist kaum noch möglich, so hart fliegt der nasse Schnee gegen das Gesicht. Auf dem Hauptweg sind Fahrspuren, aber wohl schon vor längerer Zeit.

Der Wind pfeift wild um mich herum.

Ein Blitz. Noch einer, der die Umgebung, im starken Nebel versunken, nur dürftig erhellt.

20150220_041850Ein Donnern. Ich halte krampfhaft den Besenstiel umklammert und drücke mich nun gegen den Wind voran, sehe die Welt um mich herum nun gar nicht mehr, nehme die Brille ab – so ist alles verschwommen, aber zumindest erkennbar. Der Kreisverkehr existiert nicht mehr – alles zugeweht. Irgendwo weiter vor mir soll die Weinplantage sein, irgendwo links von mir die Anhöhe – aber zu erkennen ist nichts, außer der Straßenlaternen. Die Strecke zurück zum Haus – die schwierigste im Moment, denn der Schnee peitscht genau ins Gesicht. Wo war die Einfahrt? Ich finde zum Pfad zurück. Alle Vorgärten sind zugeschneit. Alles schläft. Wo sind die Katzen bei solch einem Wetter, wo verstecken sie sich, wie viele werden den Sturm, mag er auch kurz sein, nicht überleben?…

Ein Wahnsinn, wie binnen eniger Stunden eine Landschaft und ihr Klima sich verändern können. Israel – das Land extremer Gegensätze. Nein, weder die Temperatur noch der Schneefall können mit einem Schneesturm in Russland verglichen. Aber dennoch  – Schnee ist Schnee und Sturm ist Sturm. Ich fühle in mir einen großen Respekt der Natur gegenüber aufsteigen, die uns immer wieder zu überraschen schafft.

Mittlerweile komme ich an meinem Zaun vorbei  – Moment, ist er hier? Die Brille hoffnungslos beschlagen. Ja, ich bin angekommen. Die Türklinke mit Eis bedeckt. Ein von mir unvorsichtig draußen aufgehängter Rucksack ist stocksteif vor Schnee und Eis geworden. Ich stampfe durch die Tür, die letzten Windböhen – ich bin daheim. Meine Katze flüchtet vor meiner tropfenden, weißen, dampfenden Gestalt. Ich bin zufrieden – ich habe gestern früh noch so sehr über den Scheinschnee lachen können, aber das Wetter hat mich eines Besseren belehrt, und ich bin froh darüber. Ja, wir haben Winter in Israel.

Und mir auf der Zunge liegt ein Lied aus einer fernen Welt, und einer Zeit, die nicht viel mit der Welt hier und jetzt zu tun hat, außer meiner Gedanken und Erinnerungen.

Der Schnee fällt, es donnert aus der Ferne und ich höre mich in die Klänge der Kindheit hinein:

Mal wieder ein Sturm

Schon zum zweiten Mal in diesem Winter bereitet sich Israel und vor allem die Bergregion auf einen Sturm mit Schneefall vor.

Wie immer werden schon Wochen davor die Screenshots von den Wettermeldungen über alle WhatsApp-Gruppen verschickt, der nahende Sturm wird in allen Nachrichtenmeldungen diskutiert, und Pläne werden ausgearbeitet, wann welche Kindergärten und Institutionen schließen und Strassen gesperrt werden müssen – denn es geht ja nicht an, dass es Unterricht gibt, wenn draußen gar 20cm Schnee liegt!…
Und so ist Winter eine wunderbare Schulfrei-Zeit für Kinder und Studenten, viel Stress für Eltern, die sich um die daheimgebliebenen Kinder kümmern müssen, es bedeutet unklare Arbeitsverhältnisse für diejenigen, deren Arbeit nicht abgesagt worden ist.
Und vor all bedeutet das – komplette Blockadezustände.
Wie vor anderthalb Monaten, so auch jetzt steht die Entscheidung der Regionalverwaltungen fest: Es gibt keine Ein- und Ausfahrt nach Jerusalem, noch vor eigentlichem Schneefall. Dasselbe gilt natürlich auch für unser bergiges Judäa.

So wurde heute morgen an die Anwohner von Gusch Etzion eine SMS mit dem folgenden Inhalt versendet:
„Mit Beginn des Schneefalls werden die Strassen in Gusch Etzion gesperrt werden, und das voraussichtlich für längere Zeit. Stellt euch darauf entsprechend ein.“
Der Absender war das Team für innere Belangen und Notfälle von Alon Shevut.

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Foto: Michal Eyali

Auf der zentralen Kreuzung  bei uns stehen Schneeräum-Traktoren, wie sie schon beim letzten Schneefall gestanden haben – eindrucksvolle, massive Geräte – und das für maximal 40cm Schnee , welcher eh keine Zeit haben wird, länger zu bleiben, weil es morgen nachmittag wieder wärmer werden sollte…

Für mich ist diese Schneepanik seit jeher ein Rätsel gewesen. Nun weiß ich, dass Israelis trotz wiederkehrender Schneefälle und Stürme es noch immer für unwert halten, Winterreifen ins Land zu importieren. Und mit Sommerreifen ist es natürlich gefährlich auf den Straßen. Aber was ist mit Schneeräum-Taktiken? Mit Streumaterial? Sag bloß, es gibt nicht genug Sand zum Streuen in unserer Region? Und wie wäre es, wenn wenigstens die öffentlichen Verkehrsmittel nicht lahmgelegt werden würden? Irgendwie scheinen die Bahnen in Russland ja auch trot Schnee auf ihren Schienen zu fahren, und auch ohne Winterreifen…Oder inwiefern irre ich mich hier?

Was lokale Kindergärten angeht, ist meines Erachtens auch äußerst unverantwortlich. Denn statt das Kind zum Kindergarten zu fahren, könnte man es ja ein paar Straßen weiter -bringen-, und die Kindergärtnerinnen hätten weiter Arbeit und die Kinder Beschäftigung und die Eltern Zeit und Freiraum…

Aber weil alles miteinander zusammenhängt, und jeden Winter dieselben Fragen aufkommen, die nach Schneefall wieder vergessen werden, so sitze ich gerade fröhlich vom Unterricht befreit daheim, die Fensterscheiben wackeln vom Wind und Regen und ich warte wie die gesamte Nation, von wohliger Wärme meiner portablen Heizung umgeben, auf den zweiten Schnee in diesem Jahr….

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Der Schnee soll kommen. Bisher nur ein Wunschdenken.

Adele sel.A. und ihre Geschichte

14.März 2013. Späte Nachmittagsstunde.

„Ich fuhr heim von einem Besuch bei meiner Mutter, wir verbrachten dort etwa anderthalb Stunden. Wir hatten viel Spaß gehabt und haben viel gelacht. Bei der Ausfahrt aus Ariel sah ich vor mir einen Lastwagen und in der selben Sekunde hörte ich einen Bumm und sah nur noch schwarz vor den Augen. Sonst sah ich nichts. Der Lastwagen begann zu bremsen – und mit einem Mal fand ich mich unter dem Fahrzeug.“ (Quelle: Channel 2 News)

So berichtete Adva Biton, Mutter von 4 Kindern aus Yakir, am Tag nach dem Attentat auf israelische Fahrzeuge auf der Autobahn 5 nahe der Stadt Ariel in Samaria. Von Steinen getroffen, welche auf vorbeifahrende Fahrzeuge geworfen wurden, wich ein Lastwagen von seiner Fahrspur ab und stieß mit dem Auto zusammen, in welchem Adva und ihre 3 Töchter saßen. Die jüngste davon, Adele, gerade mal 2 Jahre alt, saß bei der Mutter auf dem Vordersitz.  Die beiden wurden vom Zusammenprall mit dem Lastwagen unter der Armatur zerdrückt.

„Ich hielt ihr den zur Seite hängenden Kopf, um zu hören, ob Adele noch atmet und um die Luftröhre freizuhalten, in der Hoffnung, dass ich sie so rette“, beschrieb Adva die Minuten des Grauens. „Es waren sehr schwere Momente. Ich war unter den Trümmern eingeklemmt und konnte nichts außer der Hand bewegen.“ Adva und ihre zwei älteren Töchter, 4 und 6 Jahre alt, erhielten mittelschwere Verletzungen, fanden aber bald wieder die Gesundheit zurück.

Nicht so Adele. Die Ärtze stellten schwere Beschädigungen an Kopf und Körper fest, und Adele lag in verschiedenen Krankenhäusern über ein Jahr bewusstlos. Sie musste mehrere Operationen und Rehabilitationstherapien über sich ergehen lassen. Zeitungen schrieben über das kleine Mädchen, das dem Attentat zum Opfer fiel. Als das Krankenhaus, in welchem sie zuletzt behandelt wurde, den Eltern Adva und Rafi erklärte, das Rehabilitationspotential sei ausgeschöpft und Adele müsste den Behandlungsplatz freimachen und nach Hause zurückkehren, gingen die Eltern vor Gericht – und gewannen den Prozess. Es wurde landesweit über den Fall berichtet.11008393_1549224768694406_5057678746394095212_n

Erst nach weiteren Operationen und Therapien – Adele war zu diesem Zeitpunkt schon 3 Jahre alt und zu Bewusstsein gekommen – konnte sie zu ihren Eltern heimkehren, in die Siedlung Yakir. Das war im September 2014.

Direkt nach der Tragödie wandte sich Adva, die Mutter, an die israelische Öffentlichkeit, mit der Bitte, um die Gesundheit der kleinen Tochter zu beten. „Ich wäre bereit, an ihrer Stelle auf dem Operationstisch zu liegen, aber Gott hat mich unbeschadet gelassen“, sagte sie in einem Interview, „ich bin bereit, Adele zurückzubekommen, in jedem Zustand.“ In anderen Interviews wandte sie sich an Premierminister Benjamin Netanyahu und pochte auf das Recht aller israelischer Bürger, ihr Leben in Sicherheit zu gestalten. „Es kann nicht sein, dass auf einer vielbefahrenen, zentral gelegenen Autobahn Menschen um ihr Leben fürchten müssen. Hören Sie auf, sich mit Unsinn zu beschäftigen und helfen Sie uns, unser Leben zu leben“ (nach mako/Channel 2).

Fast 2 Jahre sind seit dem Attentat und dem Unfall vergangen. Adele lebte mit ihrer Familie und dem neu dazugekommenen Baby-Bruder daheim in der Siedlung Yakir. Ihre physischen und geistigen Fähigkeiten waren durch die Schädigungen erheblich gestört. Jede körperliche Schwächung versetzte den Körper in extremen Stress. Anfang dieser Woche fühlte Adele sich unwohl, und wurde mit Verdacht auf Lungenentzündung in das Kinderhospital „Schneider“ bei Petach Tikva eingeliefert. Am Dienstagmorgen ging die Nachricht um das Land: „Klein-Adele, Opfer des Terrorattentats von vor 2 Jahren, kämpft um ihr Leben“. Rachel, die Großmutter des Mädchens, rief die Öffentlichkeit zu Gebeten für Adele auf und beteuerte, „dieses Kind wird noch ein wandelndes Wunder werden“.10478235_1549224755361074_2782581703642700499_n

Das Wunder kam nicht. Adele, nun schon vier Jahre alt, erlag den Komplikationen der Lungenentzündung und starb noch am selben Abend.

„Es steht außer Zweifel, dass die Komplikationen der Lungenentzündung aufgrund der Schädigungen eingetreten sind, die Adele durch den Unfall erlitten hat“, erklärte die Mutter.

Nach Adeles Tod stellten die Eltern über die Regionalverwaltung den Antrag, dass Adele in ihrem Heimatdorf Yakir begraben werden könnte – obwohl es dem Landesverteilungsplan entsprechend keine Planung für einen Friedhof in der Siedlung gab. Da alle Bauprojekte in Siedlungen von J&S zurzeit unter einem Baustopp stehen (wohl noch immer als Folge der nichtexistenten Friedensverhandlungen), konnte offiziell gesehen kein Friedhof in Yakir eröffnet werden.

Die Anfrage wurde an das Büro des Premierministers geschickt, da die Behörde für bürgerliche Angelegenheiten in Judäa und Samaria den Antrag ablehnte. Yossi Dagan, stellvertretender Vorsitzender der Verwaltung von J&S erklärte  wütend: „Es kann nicht sein, dass ein Kind, das Opfer eines Terroranschlages geworden ist, nicht in dem Ort begraben werden kann, an dem sie gelebt hat, weil es ein bürokratisches Problem damit gibt. Wir fordern vom Premierminister im Namen der Familie Biton, sich unverzüglich einzumischen und das heilige Kind so schnell wie möglich begraben zu lassen.“

Nach jüdischem Gesetz muss ein Toter am selben oder spätestens am nächsten Tag, sofern es sich um Abend oder Nachtzeit handelt, begraben werden. Dieses Gesetz wird in Israel ausgeführt. Trotz des Widerstandes der Behörden wurde Adele heute am frühen Nachmittag (13.00 Uhr Ortszeit) in Yakir begraben, nachdem ein Rabbiner ein dafür speziell ausgesuchtes Gebiet für rituell erlaubt erklärt hatte. Zuvor rief Adeles Mutter die Öffentlichkeit dazu auf, zur Beerdigung zu kommen. „Sie ist das Kind der gesamten Nation. Kommt, um ihr die letzte Ehre zu erweisen.“ (YNET)

(Bilderquelle: YNET, NRG – Internet)


Wie genau sah die Strecke aus, auf welcher der Lastwagen, der mit Bitons Fahrzeug zusammenszieß, mit Steinen beworfen wurde? Es handelt sich um die Schnellstraße 5, welche ihren Anfang bei der Glilot-Kreuzung bei Herzelia nimmt und an Rosh haAyin und Kfar Kassem vorbei Samaria bis zur Stadt Ariel durchquert. Die Straße wird gleichermaßen von tausenden von israelischen und den palästinensischen Einwohnern der Region täglich befahren und stellt eine der Hauptverkehrsstraßen Israels dar. An der Giti-Kreuzung, an welcher die Steine yakirdsgegen die israelischen Fahrzeuge geworfen wurden, sollte die Familie Biton in Richtung der Siedlung Yakir abbiegen. In unmittelbarer Nähe der Kreuzung befinden sich die arabischen Ortschaften Khares, Dir Istiya, Sarta und Qira, sowohl die jüdische Ortschaft Barkan.

Die Attentäter, welche die Steine absichtlich auf die Fahrzeuge geworfen haben, waren arabische Jugendliche, welche einige Tage später nach dem Attentat gefasst und zu Gericht gebracht worden sind. Von etwaigem Schadenersatz seitens der Familien der Terroristen an Familie Biton ist mir persönlich nicht bekannt. Allerdings ist die mörderische Taktik der Steinewerfer keinem Israeli unbekannt, erst recht nicht Anwohnern von Judäa und Samaria oder lediglich Fahrern, welche regelmäßig die Straßen aufsuchen müssen, welche an arabischen Ortschaften vorbeiführen. Ob Autobahn oder Landstraße durch arabisches Dorf – Fahrzeuge mit israelischem Kennzeichen, in welchen Juden vermutet werden, werden regelmäßig Opfer von Steinewürfen und Molotow-Cocktails – Brandflaschen mit explosiver Füllung. Der letzte Fall, bei welchem ein jüdisches Kind von einem solchen Anschlag verletzt wurde, ist der von Ayala Shapiro, bei welchem das 11-jährige Mädchen aus Ma’ale Shomron am 25.12.14 Verbrennungen dritten Grades erlitt und noch immer in Behandlung ist.

Das Steinewerfen wird von Tätern aller Altersgruppen durchgeführt: Kindern, Jugendlichen, Erwachsenen. Herkunft der Täter – Araber aus den arabischen Dörfern in Judäa, Samaria, und zu kritischen Zeiten auch aus den als israelisch geltenden Dörfern innerhalb der Waffenstillstandslinie von 1967. Die Zielscheibe? Israelische Fahrzeuge, jüdische Fahrer. Was wird unternommen? Zur Vorbeugung leider so gut wie nichts. Erst wenn Anschläge wie die gegen Adele und Ayala geschehen, geht ein Aufschrei durch das Volk, aber meist bleibt es bei einem kurzlebigen medialen Hype. Im Herbst des letzten Jahres bekamen auch Nicht-Siedler zu spüren, inwiefern Steinewerfen als lebensgefährlicher Angriff gelten kann – bei den Unruhen um die arabischen Dörfer herum im Zentrum, im Norden des Landes und in Jerusalem. Aber die meiste Zeit im Jahr bleiben jüdische Siedler mit der täglichen Gefahr allein oder mit einem sporadischen Eingriff der Armee. Leider im Nachhinein.